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Full text of "Geschichte der deutschen Rechtswissenschaft"

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H)i|fen|'d)cftfn tn Deutfdilanb. 

Icnete Brit. 



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tjc^itter 


iSanb. 




1. jUtOtUkni. 




<5e^<iliä\ti bet bcutfc^cn 


Heditstüiffenfctjaft. 


ADP TBEAHUBSraO 




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HEBAÜBOKOBBSN 


ÜHD ICtT 




DÜECH DIB 


DNTEESTÜTZUMa 






HISTORISCHE anonssioN 


BBtNEB lUJBSTÄT 






BEIDER 


DB KÖNIGS VOK BITERH 






kOhiol. akadeiob der 








WlSaEUeCHÄPTEN. 



^nn^ra & ^mii 1880. 

IBiud unb Seitog Bon ER. Olbtnbouig. 

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(5cfd?tcf?tc 



Auf VERAKLASSUNO 
UND MIT 

untkbstDtzükg 

HEIHKB NAJBn'AT 
DBS KOmaS TOK UAIEBN 



BEKAUBGEOEBEH 

DUSCH DIE 

HISTOBISCHE GOlOnSSIOK 

BEI DER 

KONIOL. AKADEMIE DBB 

WISSENSCHAFTEN. 



'SfUindKn & ^mk 1880. 

S>tud unb Serlag Don 8t. Olbenbourg. 



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Vovvoovt 



Set tDacfteQung ber ®e[(^i(^te bei beutfc^en 9tec^t8tDtffen< 
Tt^oft, beren «fte 9I6tlfeUung f|ier erft^eint, mar mein Se= 
m&i^ Dor allein baiauf gend^tet, bie tiri6enten ^äfte bec 
iBetoegung, foffite baS Sllgeinetne unb ^0()eie, itKl^ciS bie (Hnjel< 
Reiten Derbtnbet, jur Stnfdiauung ju bringen. 

SCQein jugfeiäi tiabe t(^ ti alä meine Stufgabe angefe^, 
bie Sinjeltieiten iiid|t nuc )u eimitteln, jonbent aut^ baijuftenen, 
ba nui buiäi fie bai @cinje feften ®runb unb Seben getvinnen 
tonn. Skalier ift namentlich ben biograt}^tfd|en 3:!^etlen 6efon: 
bete ©otgfalt gemibmet, toobei eS mit neben geflfteDunfl beg 
^atfäd|tid|en E)au))tffi(^li(i) banim ju t^un tmi, bie bebeutenberen 
3]!änner alä n)iffen|cf|aftli(4e unb |)erfönli(^e ^^nbiDibualitäten 
erfc^einen ju laffen. 

^a ei^blic^e Umfang, roe(c^en btefe bis jum Sa^ie 1650 
geflitirte eifte Sbt^etlung geloonnen I|at, giebt feinen 9J{agftab 
ffic bie jroeite, Utelc^e bie folgenben 0tx 3al|t^unberte umfaffen 
foQ. ^enn eineSt^eilS maren manche t|iftorifcf)e O^tagen, meiere 
in ber t^olgejett nicE|t mieberfe^cen, aber auä) für biefe bebeu< 
tnngStion finb, ^tei abju^anbeln ; anbemt^eilS ftnb bie folgenben 
?>at|i^unbrrte an 9tei(^tE)um unb Sßannigfaltigfett bet SntroicKung 
bem fec^je^nten nii^t ju bergleif^en. ^iei galt eS ju geigen, 



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■yi BoriDDirt, 

tote eine näie 3«t ftc^ bem äßittefalter entluinbet, bie fieime imb 
SBuräeln nat^äuiueifen, auS bencn bic ©rfi^einunflen ber fotgenben 
Sa^r^unbette ^ettiotfletoac^fen finb. 

!Da& id| bemütit geniefen Eitn aus erftet Quelle ju {(^öpfen, 
6ebarf bcr üSetfic^erung nid)t. S)ennoi^ ^ade ti^ mic^ nic^t feiten 
mit aftgeletteten QueQen begnügen, auä) manche riterarifc^e ißottj 
o^ne bie äT^Ögli^teit eigener Prüfung aufnefimen muffen, um 
em))|inbli[^e Süden auäjufüQen. i£)enn nenn aud) bieftö SSSet! 
ntt^t ein literärgcf^ii^tlic^eg tßepeitoiium fein {oU unb basier 
bie äJoQfttinbigfeit nid)t jur loefentlic^en Aufgabe ^at, fo niai 
fie bod) bis ju einem getniffen @rabe ju ecftreben. Unb ba 
iDtt eine iigenb mte genügenbe ^rfteQung bei ®efd|id)te beutfd^er 
äte^tSloiffenfdiaft nicEit befigen, fo glaubte ic^ felbft bem lOe^ 
bflrfniffe berjenigen, toele^e ein 99uc| nitfit nuu jum Sefen, [onbem 
QudE) jum ?2ai^f^Iagen verlangen, entgegenfommen ju m&ffen. 
S!)ie deigeftigten beiben JRegiftei, beten mA^uoIIe ^erfteQung ber 
gütigen ^ülfe meinn jungen S>^^'"tbe bec Ferren fRefeienbaie 
Dr. jur. Sanbibecg in Hatten unb Dr. jor. ©c^eiff in 
Sütn ju Berbanlen iff, werben, wie ic^ ^offe, biefem IBebürfniffe 
genügen unb ba^er bie iBrauc^bat!eit beS SöudiS luefcntlic^ 
etp^en. 

Sonn am 18, Hugufl 1880, 



$ft«^iiig. -f 



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§n^aö. 



£rf)es Kapitel. t>ie Seittsmi^en\dna^ in T)eat\dilanb 
bis jttm Sctfluffe be» \5. 3altrt)un&erts. 

1. Site Mit SIrpgoiD uiii $)einri(^ Don ftin^Berg 

3. filnufl unb tanonift^ Stc^t 

a. Jta« tot(trIi{^e 9l«l)l 

4. Scutft^enFtiiegcl unb Sf^imttienlliieQcI 

5. ^«^(uin tum 8u(^.* SoW«" tum Ctifinn. ^lltalm» Siran. . . 

6. fionimi^f^nniutnilKfAe Sitenitui bi9 jum @4Iu|le M 11. 3a4i= 
^nbfitS 

7. Snininu confesBonim unb ^emanbUS 

& ^>ai lonomfi^ unb rSmtft^e Ste^t auf ben btnlfi^cn UntKifilätni 
9. Cinjdne fMftSg,tUf)itt, namentlich in ftSIn, ffirfurt, fieipjig . , . 

Stoeites Kapitel. Set Ste^ fres römifdien Se#s un6 ^ 
3urißenßan6. 

1. SSoroemertung 

2. »ninb bcE «ültieftit be9 ximititm 9i«^tä 

8. @«ne tw^ifc^ Ueb(ilegen^rit 

4. 5)eT ftlagftrtegd 

6. Sog Stofterbtn beB Sdjöffnit^umB 

6. Umscftaltung ber ERn^tBfififgE 

7. SSolüitf^e Sebeutung bei ffleception 

8. S)er3urifttnftanb. UniOerritate!e^rreunb*tflHifct. «HmWtfOTbunfl 

9. IMdirottitn Übn bcn gurtfitnftonb 

10. Stlbungegane bei; i^unftm- ^'^ ^Ibgtlefntni unb bit ^iDpuIfitt 

Siteialni 

Dritt» Kapitel, ^maitismus un6 ^formation. 

L X^Iogie unb 3udfl|mibeni im 9RitteIaItei 

2. £n Uten ^umonidmut 

5. ®c(afHaB SBnrnt 

4. @)>Bleni Sinpuft brt ^maniSmu» 

6. S)ic 3)tformation 



bv Google 



Vni 3n6fllt 

Dintes Kapitel. 2He mtffenfdiaftlidien metI]o6«n bis 
m &as ^7. 3a^rljun&ert. 

1. S^anttlet bet mittclalteriic^ Bi|{enfc^aft 102 

2. 5)(r mos Italicus 106 

5. aBiihingcn liea(fl6en 110 

4. Sie Loci iinb Topica. ®aminorufl. EwrartuS unb feine SIod^fDlger 114 

6. Ibk bautntbe $errft^ft beS mos Italicaa. Sei4>ii([ 121 

6. Site OtitJofition unb ble beginnenbe Slefonn 139 

7. SHt $Tit)alDovIefun9«n, Collegia unb S)i8tiutationen 133 

8. SteDung bei ^untanidmuö jum moB Italicus unb jur methodua. 

SJet mos Galliens, ©aminlunflen 139 

9. Her fflnmiSmua 145 

10, Umgcrtaltung bei Sonn btv SiKtatin 150 

5Snffes Kopitrf. Ulrid) gafius. 

I. Sein Se&en 155 

3. Sein Unheil über bie fKrr|(^nbc SuciSprabotK 160 

3. e^ataHetifrtr |einei ©diriften 164 

4. @teaung juin beutf^en Slci^t 167 

5. StcQung gu btii 3«<t^as*" l'** 

6. SUifoIouS Sreigiufl 172 

Sedtfies Kapitel. Uritifdie Sear^ituitg unb <£rti>«i* 
terung bes Cdaeüertmatmals. 

l. Einleitung, ^olijian unb Sologninui 176 

II. ®regoi ^aloanbcr. 

1. Sein Sieben 180 

2. ©eine Ebiliunen 189 

3. »ebeutung beifctten 199 

4. Ueberfid)! bet Iritiff^ Hröritcn biB jiim S^tuRe be9 16. So^r- 
^unbertS, üon Sluauffinul biS Sot^ofrebuB 203 

III. I)ie Safeler QueKen-Sbitionen. 

1. Sonilaciul Mmerbac^ 209 

2. Sofionn Sicfiaibt. Cod. Theodosianus , Gajus, Paulus, Mae- 
cianuB. Agrimensores. Leges Barbarorum, ^erolb. Stnbenbrog 212 

3. ISigtiuS ton 3ui4em: 2^eo;)^tIuB. ^afititen. ^Dudiim poppte. 
9Io»etleii 220 

4. fioniab Bon ^ereBbot^ 228 

5. Sie ^ennoBOi'ft^e «uBgobc beB Corpus juris, «[cint'8 Graeca. 
BigliuB unb bie fratres NA.gDini (jum Samnt) 231 

6. ®torg Sonner unb ©crimger'B 9!oüetlen 283 

7. aai)lüuB 286 



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8. &mon Bäfotb 238 

9. ScuncIoDiuS: CuM'^ioe. Synopsie BuiL 289 

10. gannenPintlue. Notitia digzutatam 210 

Siebentes KopiteL Seginn öer fyntlictifdicn Hidihing anb 
principienfAmpfe bis um bie ZUiüt bes \6. 3<>t!it)un&ei:ts. 

L (KnltiBuifl 241 

2. äXct^bologifi^ Scifuf^e. Hsricolo. (Suntiuiinila. ^tgenboilinufl. 
3fninj &to[4 242 

3. ©^matiff^ Brefut^ ®t6a[lian Sktoi. E^em. ^o^pn . . 256 

4. Sittenbeig. ©eint anfange. (DiJben. €(^il. ec^üq)f ... 260 

5. Z>et Sam^f um boS fofittM 9tt(^ 267 

6. 2)er Oamiif um baS totunif^ Sln^t 273 

7. 3RcIaii4t^on 283 

8. SoUam Kpa 287 

9. flonrnb Soguä 2% 

10. ffltlf^or «mg 306 

11. go^nmi 6(^beBiOT 309 

Siebtes Kapttd. 3c^anti <DI6en6oi7. 

1. ©ein fidwnSgimg 311 

2. »euit^iliuia 819 

& Stiften 325 

XUanies Kapitel. Vxe nte&erlän6ifdte SäfuU. 

1. eabitel aßubduS. SFotKinn ERamuS 839 

3. 3M#m ^Oflfet 343 

3. Sbitt^uB ^fotfed 351 

Sekntes Kapitel, tlie franjJfifdtc Sdfule. 5rt»i5ofen u^^ 
Italiener in t)eutfdi[an6. Seutfdie 5dt&[ec bcv jcanjofen. 

1. «Iriot. »unrenufl 367 

2. Sflrirt 378 

3. SujaB. SonrauB 875 

4. ViolliiauB. %albuinuS. ^otomanuS 381 

5. SionqfiuS Otot^ofrcbue 385 

6. Svibalbue. fociuS. a SoKibuS. 6c^)b Qmüla 389 

7. Solottin Srorftn. S3on$olten. Q)fl)|anJuS. Sonnib jHitteiB^uriuB. 
BoL «il^ goTflet 396 



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fiftes Kapitel. 7>ie Syflematifer in &er jnwiten ^fte 
bes \6. 3aljt[tun6erts. 

1. «igdiu« 424 

2. 9lo5. Ifeomiii SreifltuB 440 

3. SW^Qrt feotrt 449 

4. Sßultetua 452 

Ö. a^ieutlfr 465 

8. SHl^u|iuä 468 

Smdl^es Kapitel. l>as ^«xitstammetQtxiäft in 6er 
jtfetten ^fte bes {6. 3a^^un&erts. 

1. @in(citung. t^ofi^. löfgliuB. ®i^nt Don SautcnbutQ. OmptnliuS 47S 

2. aS^nringer 486 

3. »ail 495 

4. ^ung« 502 

5. Eiänei: 503 

6. Sc^nrb 608 



8. 3Seum. €ai(ei; SlenaiB. 9tobing 516 

?>reöe[;ntes Kopitet. Prodis unb (Sefetigebung. 

1. einldtung 622 

2. »ie ConfUira 524 

3. Sonfilienfammlungen beutft^ Sutiftm 527 

4. Sonftlienfammlungen ouStSitbifi^er ^uriften in Sculf^tanb . . 530 

5. Tractatus cautelarum unb ScnoantiteS 632 

n. 3)le patltculare ©efe^cEiung 

1. ßinlfituna 637 

2. dlümEKTQ. SBotmB. gTeibuTg. St^nlanb 511 



4. 6i)(m3. granlfuct Sünebutg 546 

in. Sie fät^fift^ ISefctgebung unb ißni£i6. 

1. »er ©aifcnfpicgcl 617 

2. 2)te Differeatiae 549 

3. ®ie eonfrilutionen 551 

4. 3)ie Sonfultationen fö5 

5. 3iic$tarti(ei;: Slotft^i^ Sänie, •Sircgorii. «lolbftdn. ZttmiiKui. 
ffnnult. 2>ie ^TtanS. Slammn. Soler. Spulte« 558 

IV. eübbeutfdic ^coHi'«'^- 

1. ¥cmebet 573 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



anmalt. XI 
Cdit 

3. «o6Icr 582 

4. go^imii Si^orb 686 

5. ffa^unb Sit^i^b 599 

6. eitmp 601 

T. a)amf|ouber 60* 

Dxezieiintes Kapitel. Vcts Stiafredtt. 

1. einleftunfl G08 

2. ©i^tDorjcn&cig 612 

S. Die »ambeiflenltS 617 

4. Die Sarolina 621 

5. 5«« aitm ftiafwfitlit^* aiterotur 680 

6. ^ottfi^ttt b« ftrot«*m^n Stltratur G85 

7. eirigming bei ©tra|(ei^t«p|lt(|t ^fentrtojeffe 640 

$&n^i;ntes Kapitel. V\e Cpigonen unb t7orf)oten in 
bei erflen ^Slfte 6e5 ^7. 3<ilttt)un6ei:t5. 
1 Vlgraieined. 

1. Spiganen unb fßorboten 649 

2. Soibereitung bcS Usus modernus 652 

8. ffirt^Dbt unb SJeMlofi 665 

4. (Bentuitiiftift^ unb gcf^^ic^ Stubten 662 

5. lue Bffmtll^e Bte^r 663 

n. Sinitlne 3urif(ni. 

1. gttibiirg: IRarttnf 672 

2. Strafeburg: Obwifii. ffieire. »iifift. Sotam« 673 

S. ^belbrtg: 9»^eT. So^l. QlDt^ofiebuS. Soi^obiue . . . . 6ä0 

4. 2:flbiiiQen: IQaTtibfl^lei. ^olbritleir. ^qipiti^t lOefolb. S3ocer 687 

5. SHc&:n: 9(ntcniuS. ^tiber. ^unniuS 696 

6. KlaTbuTQ: Si|tinuB. QtSbbaul. ^^\[ipp unb Untm VlattSfUui 706 

7. 3fna: gHt.neuSnct. ^äerSBefenbed. ^ingip«. ^Iliget. ^adtU 
mann. HnraifluS. Xl^toborici 710 

8. ^mnbrrg: Sart^lom. unb ^enmiaS ShuSnct. Oencbicl C[atf»< 

joni b. ^. Sontab Qarpjmi] 732 

9. StUpiig: STomanuS. ginUt^u«. Saut^. 6[^ulte8. ^lii^ . . 724 

10. ^mftäbt: HnbreaS SlubhiS. Sodann ^omai €Iub(UB . . 726 

11. Slufiod: fitn^Db. Sordioltcn. &za^. SomcranuB. Cotfiinann. 
«ScbeLmoitn 727 

12. Onifemalb : 3i»t(^m unb 9Ratt^<aS Stefjl^ani 729 

18. $niftittr: üqnx SSe^ner, Saut^. Scbiefcibedn. Qlolbaft. fBetiidi. 

®iR|aufm. Sinbenbtog 730 



D,q,i,i.:db,.GoogIe 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Die Hedjtsroiffcnfdjaft in Dcutfd^Ianb bis jum Sc^Iuffc 
bcs ( 5. 3fl^rlfun&crts. 



1. eitc bon ERe))son) unb ^niM Don SiTttbeTg. — 2. ßIccuS unb tatto- 
mf*e6 fflö^. — 3. Snä (aiferiü^ Mei^t. — d. Jieutftftnifptefltl unb 
€(4ro(t6ni(;iKget. — 6. Sodann Don ISaä). 3i}I(ünn Don ariinn. SHfolau« 
Suntt. — 6. fiationlftifd) ' iomani{H[c^ Sitenitut biS gum St^luffe ttc« 
14. 3a^T^unbcTtS. — 7. Summae coofeMomm unb SertoanbM. — 8. 2>aB 
lanonifi^e unb iSmili^ Vitäft auf bnt beutfd^ UtriMrfitfitra. — 9. <£initlne 
Stn^agek^rte, nomnttlii^ in Silin, SifuTt, Snpjig. 

1. Um bie Qdt, al& in Stallen bte iBmtfd^ 91ed^tS> 
getef)tfainlett bei ®(o|fatDmt t^mn ü^fd^Iu^ burdi äccuifmd 
entgegenging unb baS üti^lvife Stecht in bec S)ecTeta{en|amm(iing 
@regoig IX. (1234) eine fefte @kftalt erhielt, fagte ber beutfdK 
Mittet gife Bon SRepgotte unioeit beS ^rge« bie Siec^tS' 
f(i$e feine» ©tomme« im ©tJtegel ber ®ad)(en sufommen. einem 
belie6ten Itteiarifi^en Stcauc^ fotgeiib fyit ei fclbft btefen 9!amen 
feinem f&u^ beigetegt, in tnelc^ bie freien ©ot^fen if|i Sje^t 
fdiauen foQten. Offnt Sotgänger in ber SJarftetlung, unmittelbar 
au£ bem fRei^iithm fdidpfenb, bafl er au» langjä^rign 3^ätig< 
feit Ol» @(^öffe (nat^loeiStiaT bon 1209 btB 1233) Eannte, bejengt 
er ba» überlieferte geltenbe Stecht, inbem er ben eiitjelnen Siec^tS' 
fä^ ben treffenben Slusbiud unb bie gorm giebt, in mldjct 
\k bi« iu fiJäten 3eiten fortle&ten. 

2)ie beutfi^ 9Iatton ftanb bamatd am ©bluffe i^rer S!ugenb> 
blütfte. @tgentE)fimU(^ unb ungeftött ^otte ftd^ i^c dietSftikiKn 
entfaltet, beffen ^Ü^unit ber i^c^fenfpiegel bejeic^net. S)enn 
teilt aäerl aus bet folgenben 3eit löfet fic^ nennen, meli^e« i^m 
an gflüe be8 eigentümlichen ©toffS gteic^ lämc; feine«, ba« fi> 
uiie er rein uolfätliflmltc^ unb bon fremben ISinjtuffen frei ge> 

etlB|li|,S«f4-b. SnUpnaat). t. 1 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



2 erftcS Stapitei. ^ 

fttieben märe. Unb in 6emfr!enäH)eit^ec aSeife unterf(i)eil)et bitfe 
Urfprünglii^teit if|n Don bem faft gletc!^j;ettigen SBeufe beä (Sng= 
länberS ^einrid) SBracton „de legibus et consuetudinibns 
Angliae", in welcfiem baS (letmifc^e 9ie(^t mit bem tÖmifc^en wet^ 
bunben unter bem Stnflu[fe bet 3)}et^obe ber ©loffatoren bar= 
gefteUt iDirb. 

Snietn aud^ in ^eutfc^Ionb begann bereits bte äRat^t ber 
in Stauen gepffegfcn, Bon ffaifern unb ^äpften geföiberten 
tömif(f|=fanoitifc^cn iRectjtSgeteftrfamfeit fü^(bar jn ffletben. SBie 
ber Untergang ber §ol)enftaufen einen ÜSenbepunft im beutff^n 
^tturleben, fo bejei^net ber ©ac^fenfpiegel ben 9Ibf(^[u^ ber 
))iDbuctiDen ^eriobe beS nationalen 9}e(^ts. 3a air greifen 
xoo1)l nii^t fe^I, nenn toir annehmen, bag (£ife felbft bur^ bie 
fteigenbe Stutoritäf beS 9ef(^rtcbenen fremben SRed^tä, in ber er 
bie ©efä^rbung bed (leimatlü^en erlannte, jur ^ufjeidinung beä 
fä(^fif(^en fid| getrieben füllte. !Daraug aui^ erflären tDJr eS 
unS, bog er fein beutft^eS fßeditdbud^, um eS in ber gorm ben 
fremben ebenbürtig gegenüber ju fteüen, ^uerft in tateinifc^er 
©ptac^ oerfafet Ijat. 

@S ift bebeutfam, bog ber ©at^fenfpiegel, ber boc!^ nur baä 
ißei^t eines ©tammeS niebergab, fein gIetd)artigeS SerF anberet 
©tfimme neben fi^ «ntftetien fa[) ober weifte, fonbem uon biefen 
mü^elo* recipirt ober in anbem 9t«^täbü(^cni unb ftäbtift^en 
©Übungen »erarbeitet fi^ über SJeutfd^tanb Derbreitete. SBo 
wir in ber nöc^ftfolgenben Qtit Slnfjeic^nungen beS beutfc^en 
9te(^tlS in Iiterarifd)er gorm finben, ba lehnen fie fid) an Stfe'ä 
aiBerf; i,UQUiä) ober wirb au<i) ft^on in met|r ober minber fräf= 
tigen 3ügen bie ©cltung unb Sinwirfaing ber fremben 3?eiift8= 
gelefirfamleif fii^tbar^). 

©in typifcfieä ©egeiibifb jur c^rwörbigen ®e)tatt be« ritters 
lid^en ©cftöffcn Sife l|at unS bie ©attre be« Occultiis Erfordensis 

1) ^1. jum ^olgcnben Stobbc, Q)efA. b. i>. dlM^iequeOen 1. W>t^. 
®. 609 ff, 3But6ct, tiSmii^eS iL (anon. SH.. iii: 3ax ®e(i^i*Ic b« 3lt^t«= 
nifjenii^aft €. 1 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Site Don ERefigcini unb O^nri^ Don £ii:d|berg. 3 

(SKfoIauS bon %&ia, 1282— 12S3) in feinem Carmea tustoricum 
ertiaften'). (£S fi^tlbeit und baS Sefitn beS ^einridi Don 
£iTC|6eTg, bet nai^ langjährigen @tubten auf auSlänbifc^n 
UniDctfitäten, mit bem 9Hm6uS ftember Sie^tSgele^rfamlett um« 
fleBnt, al« Doctor Decretorum nat^ 3)eutjc^tanb ^eimle^tte, um 
tlier iai mel&emegte unb t)ielge{d|äftige Seben eineS Baifyioaiieci 
unb 9Jeti^täconfittenten ju beginnen. SlaS @ebic^t le^rt und, 
lote f(^on feit 3l?ttte beS 13. Sa^r^unbetts bte Soctoren im 
focialen Seben 3!)eutfc§IanbS einen fo bebeutfamen SRaum ein- 
nehmen, ba§ \d)f>n bomaI§ baS Sireiben eine« gelehrten Kabuliften 
als banfbatei ©toff für bie ©atire getuä^It tnetben Connte. SfDein 
atr oiörben irren, uxnn totr ber S)octoren 99ebeutung unb Geltung 
aaä) btefer @atiie beurtl^eilen tooQten. ISS fe^tt nit^t an Beug* 
niffen, bie imä 2Samier mit rec^tSgele^rter Öilbung aU ©egen* 
ftanb bc« SBertraucnä unb ber iBeretirung in einflufereit^en fie&en«« 
fteOungen torfü^ren. 

3n giPÜer Qüi/l jogen feit bem 12. 3al|r[)unbert beutfd^ 
JUerifer na(^ ^riä, iSoIogna, Ißabua unb anbern |)Oi$f[^ulen, 
um bie frembot Setzte ju fhibiren*). Unter bcn Siationen, 
in iwlt^e fi(^ bie ©(polaren ju Bologna unb ^abua gtieberten, 
tuor bte beutfc^ mit befonberen ^riuilegien auSgerüftet. äHanc^e 
tum i^en fanben i^re SSemenbung itt Italien; bie 3ßet)rja{)I 
bodt opd^ !e^rte na6) S^eutfi^lanb juriicf, ido bie juriftifi^e 
gelehrte SSilbung, jumal ber 3>octorgrab, einftufereic^e Stellungen 
bei geiftlic^en unb itwltlidien ^rren eröffnete unb angefeljenc 
@tSbte geletirte Suriften in i^ren Süienft ju jie^ bemüht loaren. 

2. SJer flitruä ift eS geiuefen, loel^er auc^ biefen Qtotii 
iviffenfi^aftlic^er 8ilbiutg nac^ 2)eutfc^tanb übertrug, um i^ti in 



1) aRul^ct, bn Occultus ErfordeDsis. 3ut &tWi)ie bei dlti)ti- 
Bti^tnfc^ft 1876 @. 38 ff., roo bie Ü6rige Hitetatur ju crfe^en ift. 

2) <Eiti lecrjeü^niB bnttfi^i Stn^tdftubenten auf auSIOnbifdien S^odf 
fi^ultn m 1500 tiat SRulfier (3ur Sefc^it^tc b« SRe^llroifiem<ftaft unb 
ba Qnioerritätai in 2)nttf^anb. 1S76. 6. 399 ff.) gufammmgeftelll. Sgl. and) 
@iSl}tl, bie eiitipiinung M gelegnen fRi^tert^umS S. 13. 78 Ott, 
»eittäfie jui 3tece|)tion3geti^i(^te ©. 33 ff. 

!• 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



4 Siftm lfa)rild. 

her firc^ttrf)en SBertBaltung unb 9?«ftt8pflege ju »etiDcrt^en '). 
Stac^bem bie Jttit^e feit bcm 13. Sa^t^unbert burt^oufi „ben 
IS^ialter etnei öu^eren junfttfc^ oiganiftrten Xnftatt angoionnnen 
unb ehte reiit formale let^ttt^ Slnft^auutig für bas gange ftrd^ 
(it^e fiefcen bcn ©ieg bobonfletragen ^atte" unb bje üxäßfy 
®e^t^ebun% bis in bie Heinften Sinäeüieiten au«ge6ilbet u>ax, 
tomU bie com^jüärte fin^lic^e Sßertoaltung nur bur^ ©eiftlii^e, 
hwlf^e bed fanonif^ Sflei^ts boQfommen funbtg maren, geführt 
totiben. ^KTOorragenbe ^nntnig beS Eanonifcfien jRei^tS, ber 
©rwerb rfobemifc^cr @rabe ft^affte ni^t nur ben Eintritt in 
cinfluferei^e todtUi^e Stellungen, fonbein war au^ eine ®m« 
))fe^(ung, um ju ben f)öt|eren geiftfic^en SBnrben unb fBenefigien 
p gelangen. W^t unb mefir aber ertoeiterte fic^ bei Um^uig 
ber geiftlie^en SuriSbiction fiber ben geiftlii^en ©tonb unb baS 
®cbiet ber geifttid^ ©ofi^H ^inau8. SBie fiJiDn bie gciftlii^c 
@^eggebung, biefe ©renjen Weit üßerfdireitenb, in tein mettli^e 
Sngetegent)eiten beftimmcnb eingegriffen ^atte, fo ermSgttt^te bie 
£>et|nbartett beS S^egrifffi ber res ecdesiasticfi« nt^t nur folt^ 
mrfrtiäien {Re^taber^ottniffe, an bie ein firditirfieS 3lntereffc fu^ 
fmipfte, fonbern ieben toettli{^n ^onbel unter bie ©onHjeteng 
ber geifttii^en @criä|t8baTfeit ju jictien, inbem man bie 91et^t8= 
frage bem @(eftd|ti&))unlte ber ©ünblid^feit iinterfteUte nnb ba< 
burt^ ju einem ©egenftanbe fird^Iii^er Cognition ftemfiette. „WHaa 
taan Wotjt fagen: e8 gab lein SRet^tSPer^ältnife, teine ©eite be» 
fociaten unb au(^ ftaatlit^en SebenS, boS ft^ rnc^t unter irgenb 
einem Sßonuanb jur Sompetenj belS jnent8 jietKn lieg." 

Unb biefer StuSbe^nung fam bie fiaiennwit metft berettnrillig 
entgegen, ni(^t nur bunfi bie aQgemeine 9hc^tnng ber Qeit, 
fonbent auc^ butd) eigene^ ^ntereffe getrieben. %tna auc^ 
ba, JDO bie fSomfieteuj eine§ geiftlii^n @eric^tä minbeftenS 
jweifcl^ft ober gor ni(^t in Änfprut^ genommen war, be= 



1) Sgl. SSm baS goIgcniK D. (Schulte, ^]it- b, OaeOcn u. fiit M 
(anon. Stn^B 3, 26 f. 456 % unb ftKtidl ffit SS^mcn: Oti, ffidtnlfie gax 

tRctcpticnSflefdiitfttt (1879) @. 7—30. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. JtfmiS unb loiumfi^s Utäit 5 

Orünbctea bie ^qctdm tttefelbe l&uftQ buid^ tSom^jiomiffie, uetf 
bod geiftiitl^ @m^t einen georbneten S^eti^tiSgang unb eine »tif* 
^ere Ssrattton in %u«fid|t fteatc, als oft bei tneltlü^ iRic^ter 
ju gctDä^ttn oennoc^te. 60 ^atte biä jum 14. ^i^unbert 
bie gttftlic^ SuriSbictioit im boitfi^ Seben eine Sdieutung 
gODonnen,' loeldie bie bei n>emt(^en ©erii^te n>enn ntd|t aber* 
njog, \o i|i jätcnfaKS gleii^ lom. 

©dbfttcrflönbUi^ mar e3 , ba| in ben geifUtc^en ©eric^ten 
bod hnont^e 9ted|t jur Hnlvenbung gebnu^t nutbe, nwIi^eS 
mil feinen ^olgernngen m(^t b(og ben gewaltigen OcganitSmuS 
bei ßitt^e burd|brang, fonbem aui^ bai bütgetfii^ Seben untet 
^e SHi&pDfitionen jog. Um eS ;u ertemen bcbiirfte eS nt(f|t 
be« Sefuf^ä fiembei UniDerfitättn , in ben ^oftei:f^uIen aari) 
eS gelehrt'), ©eine §anb^6ung War but(^ bie feftgefßgte S)i«* 
cipün bcö S&etui geficEieit. SQein gern aaib eS uon ben EtK^- 
fidfen 06eien gefe^en unb in jeber SBeife begünfttgt, toenn bet 
Jtlerifet fiembe ^oc^fc^ulen Huc^^, um fic^ tiefere Jfenntnig 
unb ^flfieceS älnfe^en bun^ einen aCobemtfi^n Qiob gu emetben. 

!£)auS tanomfi^ Stt^t (ä)a fegte bie ©fildgfett bed i&mifd)en 
SoconS. 3)eT gcifäi(^e 91t4|tei btad^tc biefeS jur Kmoenbung, 
fniieit ni^ bat fanonifd^e, meldied in großen ®tttden als eine 
^ttbiOning unb SRobificotion bedfelben naäj gennantf(^en unb 
fir^ii^ fßiincivien ju betrachten ift, S[bttKic|uiigm berfügte. 
2)ei alte ®ag „eccleeia Romaita vivit secundum legem Ro- 
manam*, jufofge beffen fic^ gcrabe in ber ^rc^e oarjugSmetfe 
bie Sfuftinionifd^e ©efc^gebung burc§ bie bunflen Satir^unbcrte 
bed früf)en 3RttteIalterä Dererbt ^atte, galt no^ fort; unb bie 
SKooIitAt, in Welche bie (irt^Itc^e ©efe^e&ung ;u jener trat, 
fonb t^e Sefrtebignng in bem unbeftriltenen Uebergetoidit iE)rer 
aRai^t. 'S>ai tSmif^e 9ted|t blieb baS Sioilrei^t für bie ßivc^e, 
ober nur fo toeit ate (entere baSfelbe nid|t geänbeit, feine eigenen 
®f^t^ gegeben ^atte*). S>alier fonnten benn aud) bie ßoncilien* 

t) dlu^nwifunent bd Ott, ScittBac @. 32 f. 

2] €(4ultt, &ei4. b. OucUen u. Sit bc3 tanm. »n^tS 1, 98. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6 SrfteS RaVitü. 

fdlliiffe unb ^ecretfllen, meiere fett bem 12. 3a^t^unbert bem 
^tubiunt beä rümtfd^en 9!ed)t$ im JQeruä entgegentraten, jtiux 
«jo^t bie beabfic^tigtc Sörberurg ber fononiftifc^en ©tubien er= 
jtelen unb bie ©eltung bc8 !anonifd|en Sftei^tS emlJOt^eben, 
fetne^lDegä a&ei bie S9efd|fiftigung mit bem cdmifc^en inner^Ib 
bet @ienjen beS geiftlidien Berufs unb foteeit bas fanonifd|e 
fetbft bacauf ^infii()rte, ivtiEfam Der^tnbern '). Uebetbteä tnuxben 
jene SJerbote burt^ ©iSlienfationen unb SßtiBilegien in \o er^eb= 
It^em Umfange abgefc^tofid^t, bag felBft bie gete^e ^ntnig 
be« tömift^en (Ret^ta im flletu« feineStteg» ju ben fettenen 3lu8« 
normen gehörte»). 

@o jog bemt baS lanonifd^e dit^t baS rßmifti^e ^intet fit^ 
t|ct. ©ettagen oom flteruS brang bie Äenntnil unb ©eltung 
beibet in ftember ©ptac^e gef^riebenen Weihte loeiter vor in 
ba^ büigerlidie Seben. SGSenit auä| bie ^(utotitfiten, auf benen 
bas geift{i(^e unb nvltli^e fRt^Sjt berufen, fid^ in bei 33irfIi(^Eett 
Vieffat^ befämpften, fo f(offen [k boc^ in ben ^orfteUungen bcS 
SJtitteloIterS ju einer ^ö^eren Don ©ott georbneten Sinl^it jus 
fcmmen; unb beibe SfteditSmaffen ftügen gegenfeitig if)te ©öltigfrit, 
tnbem fie jufammen bag „jus utrumque* bilben. 

3. S)ie alte 3bee be§ ^iligen rdmif^en SReti^S, bie ÜJor^ 
fteSung, bog baiä römifc^e ^aifett^um jum ©{^u^e ber l£t)iiften' 
^it ol* bauembe Sfnftitutton protitbentiell georbnet, in ber J!:atfcr= 

1) Utber bit Secntolc Super BpecnU Don ^onoriuS III. 1219 fw^ 
©auigtig, ©cid). i>. 9t. K. int 3)1.3. »It. 3 ©. 864 ff. ©faulte, ®cfc6. 
b.(onDn.M, m.I 6.106(1875). ©totte, ffriLaS.S^t. »b- H S- 1». 14 
(1869). Unlcr ben ®riinbcii, TBÜÜjt man gur Uriiarung bitfcB ScrbolS anju= 
fügten pfleat, f^tirtt mii aufict ber altgnneinen Icnbettj, baS fitt^Iit^e Softt 
auf Soften bcS talferüt^nt ju ^en, ber bon ©tobbe bejcii^nete bcv gc 
mttftligfte ju fein. Wan fötditct« bit im C. j«r. civ. enl^ollenen SJocumeittc 
übet bie ©teUung ber IHr^e jut iwllli^n &malt. bie S^ugniffi: bnrüber, in 
raie ^o^em @rabe bie ^attft ber Siri^ btn rSmildtm Saifem ju berbantnt 
fei unb über baS ^m^t ber ffaifer, Sontllicn ju berufen unb iEire »cfi^lüffe 
jU beftattgen. 

2) ©ie^e bie »efegc bei ©tobbe, ®efi^. b. b. 9Ie($t8que11en 1, 628. 
Stit ».©4r. 11, 13 f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. 31aa (aifcclii^ 31«^ 7 

würbe bei beut(cf|en flönige fortlebe, baS SNeii^ beutfi^ 9iation 
nur eine {Jortfegung beiS rOmtft^ fei, führte Don fetbft gu bei 
gotgeruttg, bag auc^ bem Stedit ^ftinianS bie bauembe "üuta" 
rität eines Seltret^tä inttetno^ne. ©eitbem Otto III. jene Sbee 
ju neuem fiebra erioedt tjotte, mieber^olt fitti bei feinen SRa^' 
folgern , je nai^bon bie pclitif^en SJer^ältniffe i^i gßnftig finb 
unb ber SICnlag ftc| bietet, bie 93etonung feiner ©ültigfeit unb 
bie fSerufung auf einjdne ®äge beSfetben. S)te ^ol^nftaufen 
gingen nur auf bem fc^on gewiejenen SBege fort, aXi [k ben 
©lanj ber Solognefer ©(^ule förberten, bantit fic bcr eigenen 
fjolitifc^en X^eocie tpom domimum mundi biene. ^QetbingS 
aber finb ti bte Sejietiungen ber ftaufifd|en fiatfer ju ben grogen 
ätet^tSgele^cn getuefen, toetd^e auf bie ^efeftigung unb ißer= 
breitung bed @IaubenS an bte @ültigteit beS römtf(^en IRec^tS 
fo erfolgrd<^ ^imvi^en, bag biefer @Iaube nunmehr bie JRa^t 
einei politif^en unb ftaatSred^tlic^en S^ogmaä geioann. ' 

Unter feinem @in^uffe btlbete ftc^ in 3)eutfc^Ianb ber Segriff 
bes faiferlitben 9ted|tS. äJtan fagte in bemfelben allgemein baS 
auf Faiferlii^er Stutorität beru^enbe gefci^riebene 9tet^t, ttiel^em 
eben beiiinegen im ganii;en 9teic^e ©Oltiglett jufontme, als (£in^t 
jufammen unb fteUte eä in ©egenfag t^eits ju bem mit i^m 
um ben SSorrang ftieitenben pä)}ftli({)en, t^S ju bem i^m 
untergeorbneten Steinte ber einzelnen iBöSer unb ^rritorien. 
3ft au^ ber Umfang ber Duellen, »etc^e jum fatJcrfHlen SRei^te 
geied^net mürben, niemats genau begrenzt ivorben unb ba^er bie 
Sebcutung bed 93ort8 fdiaanlenb, fo ging bodt bie 9tt(^tung 
überraiegenb ba^tn, fonio^I bie beutfij^n 9}ei^Sgefege,' alä auc^ 
bie ^ftinianifc^cn 9te(^t£6üd|er baitn jufammeujufaffen. 

4. ©0 toar fi^on im 13. Sofir^unbert in 33eutf<i^Ianb bie 9iot= 
ftellung eingejogen, ba| über ben Siechten ber einjelnen SSütfer 
eine jmiefa^e, auf ben beiben ^it^ften Slutorit&ten bei S^ttftenfieit 
ni^enbe ©efeggebung fte^e. 3^r SinfluS beginnt in fic^tbaren 
©puren ^ootiwtreten unb bie Sieibung mit bem ^eimifc^en 
9te:^t nimmt if^ren 9(nfang. ^o^ann oon Sud) fagt unä in 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8 Stfte! ÄopiWl. 

[ein« ÖSIoffe jum ©oi^fenftjicget (naäf 1325), bofe bie(er oU 
baä ,ju8 umu8 populi« in twn geiftlic^en ©trid^ten oerat^tet 
liKibe; man [ut^t t^ti ju ftü^n, inbem man feine Uebeieim 
ftimmung mit jenen aQgemetnen SKed^ten nad|)orift unb bte @agen 
belebt, bo6 ber ©ot^fenipiegel auf einem SßriDilegiiim Statli b. ®t., 
baS f3c!^ft{d)e Se^nrei^t aber auf Olefc^ien i9ai6aroffa'S beru^. 
Unb laum rät 3)ienfc!|eno[ter nacEi 9[6faffung beS @ad^|enfpiegel8 
fe^ mir bereite eine Itterarift^e X^fitigtett beginnen, iveld)e 
barauf geii<^tet ift, butc^ SSerbinbiing ^eimtfü^ei Tagungen mit 
ben fremben 9Je<J|ten SRec^täbüt!^ ^SufteQen, iwlt^e ben 
Vnfpnit^ auf gemeine <^litHg[eit in ganj ^eutfii^Ianb ergeben 
fönnen. 

Um bie Qät bes SntetregnumS ^ot ein unbefonnter JBet' 
faffei im füblic^en S^eutft^tanb ben ©ai^fenfptegel ind $dc^' 
beutfi^e fibettragen, gugletd^ aber burt^ Sinfc^iebungen bemfdben 
bie @cftalt einer fäi ade beutfdien Stämme gü(ttgen OueKe gu 
geben nerfut^t. ffit nennt fein äflJerfben „©pieget bcutfi^ei 
Seute". !&er Sfutor mac^t Vn[))ruc^ auf Wiffenfi^aftli^ 
iSilbung; er loiH fid^ nid^t mit [einet eigenen Mec^liSerfa^ning 
begnügen, fonbern baä 9{eti|t für bad beutfdie Sanb fo barfteOen, 
»te eS bie Könige gegeben unb bie äßeiftet beS Stei^tä b. t). 
bie römifi^en Suriften gcie^tt ^oben. Staat ift uon tömifdjet 
JRei^tSgeletirfamfeit in bem SBerfe (clbft nur toentg ju finben; 
allein eS ift sott Ü^ebeutung, bog ^iec bereits bec ©ebanfe, bag 
bas tbmifc^e ^eä)t ein ISeftanbttieil beS in ganj ^eutft^tanb 
gültigen fei, fo Ueme|mlid) burdiflingt. 

SJem ajeutfdicnfpiegel, ber geringe ©eltung erlangt ju ^aben 
fd^eint unb unS nur in einer §anbf{|rift überliefert ift, folgte 
ber unbelannte SBcrfaffet beS fog. „©^»abenfpiegcU" in 
ben erften Megieninflöjab«" SRuboIfä I. (1275?) auf ber betretenen 
öa^n. Sr benu^t jenen unb erloeitert ben ^eiS bec tietbei= 
gejogencn gefcttriebenen Duellen, ^ie SJermenbung be« rflmif(^ 
unb lanonif^en 9ted|t3 läfet bie ©anb eine» SWanne» erfennen, 
ber fi^on toon bem ©nfluffe ber 3)i)ctrin ber ©toffatoren ftätler 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. Dcutf^nlpiegtf utib @(^iDabcn[)>itgel. 9 

ittStyct ift; bte ©elt^rfamlRt unb bte Heiifate @eftnnung, tuelc^ 
i^n bie toeltltdie ©etuolt beS ^aiferS bom ^ofifte ableiten lägt, 
Oecraüieit ben @etfllid^en. ^üitbtm er aber feinen ®toff nii^t 
ait^r wie Site aai bem Seben, fmtbern aai gefd»itebenen CuelTen 
f^ft, nnter betten bte ^oUSTet^te unb ISa)ntularten Ifingft nid|t 
me^ ht Uebimg oaren , bie römtfc^ unb fanonifc^ {Rei^tiB: 
bSd^ in Xieutf^Ianb Eaum fiefannt )u toerben anfingen, fteUt 
er ttit^t baS !Ne(^t b», toie ei gilt, fonbem loie eS nat^ feiner 
SKetnunfl fein joQte. @eine ungenflgenbe ^lertfd^aft über ben 
@toff Mtmag fein eintreitlid^S SBeif ju fd)affen; er bringt e& 
nit^t ^inonS über eine tpenoorrene Kompilation boll Don S3iber> 
fprfit^ unb SDttgberftänbniffen'). 

StOein m^ finb ee nur bte %otjeid|en unb Anfänge einet 
beginneitben SSetfinberung , bie tnit tootycn^mm. fHoä) bleibt 
bas boHSt^üinlic^e ^Ic^t in feiner Sntegrit&t ein Sefigt^um beS 
SoBs unb feinet ©gaffen, unb olS in bet SWitte be« folgenbcn 
5(a^r^unbertÄ öon Krd^Iidier ©ettc ein leifet Angriff gegen ben 
@a(^fcnffiiesel getoagt toitb, mug et bem SBtberftonbe bet ertegten 
SoUiSftmiine meieren. 3>er ^uguftinermtoc^^D^ann Afenlof*), 
im Anfang beä 14. ^afic^unbertS ju iBuIe bei ^o^ geboten, 
^rofeffot her Si^eologte ju fitfutt, fc^rieb auf SBetanlaffung beS 
Dr. tfaeol. ^oltfKt klinget, nreld^ baS officium InquiBitionia 
haereticae bdleibete, um bie SRitte hti ^a^t^unbertS eine Ub> 
^anbtung (Decadicon), tn toeldici er je^u 8trtife( be« ©at^fen« 
fpiegels aU unc^tiftlic^ unb bem i{itc!E|enrcd|t ttpibetfpret^nb 
betcUnfifle. Xiun^ aStbetfprudi unb Skifolgung geretjt fteigerte 
et in uriebet^olten iBeaibeitungen beS Decadicon feine Stngriffe, 
bttinte fie (um 1365) auf 21 9[rttfe( bei ©a^fenfpiegeliB auü 
unb betoitfte, bog Tregor XI. im Sa^te 1372 in einet an fet^ä 
^bif(^6fe unb ben Jlaifet ^tl IV. gefenbeten iBuQe bieije^n 
ber iftm uon JQenfof 6ejeii^neten Wcülei tierbammte. Smat t|at 
btefer Eitti^tiii^e Singriff nodt einige ^bEianblungcn über bie 

1) €tDbbe, (&t\^. b. b. »n^tSqueQcn 1, 342. 

2} «omeqcT, So% HaOot. Vbif. b. Seti. Waitmit S3b. 55. 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



10 <£cf<tS SttüfM. 

articuli reprobati ^eröorgenifen, ift (onft übet o^ne erticb(i(^ 
golgen gebiwbeit. 

Sßoi^ langete Qdt ^mbuid) bilbet bet ®a{^fenfpiegel bcn 
äßtttelpQntt unb bie ®runblage Htetahfi^ Sibetten. S^ie 
lateinifdien Ueberjetjungcn beSfelben, rteli^e ft^on im 13. 3o^r> 
^imberi tteflinnen; bie f^ftematifdien SSearbeitungen; baä unter 
feinem ©influffe entflanbene, für bai ©ebürfnife ber fäc^fif^n 
Stfibte beftimmte „ffi(^fi(t^e aSeit^bilb" mi bem «nfonge be8 
14. So^r^unbertä ; bai ju gletd|em 3>ti«le t)eifaf|te „9}e^tS6uc^ 
noc^ 3)tfHnctionen'', toel^eS ber jBietten §ä(fte beStetben 3a§T' 
^unbert» angehört; enbltt^ bie „Süc^tfteige" bee Sanbre^tS unb 
Se^nret^t« tion 3ol)ann öon Sud) — bie« finb bie licrbor: 
tagenbften Saugen einer nationalen auf jenem ©tunbc enoac^fenen 
Siteratut. Stehen mir baju baä bem anfange beS 14. Sa^r* 
^unbeitS ange^Stenbe, im mittleren 2)eutfd|Ianb entftanbene 
„Äleine ffiatfettedit", bie ni^t Diel jüngeren, unter bem Sinffuffe 
bed ©c^nabenffiiegelS entftanbenen Slei^tdbü^ec 9tu))re[^tS Oon 
Sie^fing, enblit^ bie j^ftematiftfien ©ammlungen unb öeorbei« 
tungen ber ©t^Öffenfprüc^e: fo geminnen wir für baS l4. SSalir* 
^unbert ba8 SSilb ein« btü^enben, [\ä) unmittelbar an bad 
Seben anle^nenben unb für bie (iraftift^e ^ntoenbung befttmmten 
£iteratur, toetc^e nur not^ ber ^c^nif unb aRet()obe gu bebürfen 
fti^nt, inn ju t)dt)erer niffenfdiaftlidKi %'oaEommen^it burd)= 
jubringen. 

- ^a% ^^ütfnift biefen ällangel }u ergänjen ift eg, tDeldieS 
bie beutfi^ 9led|tätunbigen ber fremben @etet)rfanifeit iuffi^rt. 
©0 DerfoDen fie bem Stnfluffe ber fremben ©t^ulc, unb bie 
angelernte römif(^=fanontfi§e 3)enffonn erfeftt langfom bie ab= 
fterbenbe nationale @eftaltungSfraft. 

5. Sier SBerfaffer ber oben genonnten „Mii^tfteige" , bet 
motfifc^e Slitter Sodann von Sßuä) '), mar(gräfli(^cr Äat^, 
äitc^ter beS $ofgerid|tä unb um 1335 jum capitaneus generalis 



1) etobbe l,376ff. «Ilg. btutic^e «tugiop^ie 3,468 («teffcnftnfltn). 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. 3»4(>>>n tion 9u<^. Sodann von SJrünn. nifoInuB Sßunn. H 

bet gottjen Sßatt Dom Aatjer Subutg ernannt, mit ber getickt« 
G^ $ca£i3 too^t bettiout, fd^ricb (jUifdien 1325 unb.l35ö) 
no(^ tiot bem Sif^tftcige eine ©loffe jum ©ac^fenffitegri in 
ffit^fifc^cr äRunbott, um ßeflcnflter ber bereit« tn8 ©c^toanfen 
gerat^enben Sieutung beSfelben bie xid^tige HuSlegung ju fidiem. 
SQIein ft^on genfigt i^m nic^t me^r bai tieimtfdie 91ed|t aU 
^fdmittel ber (SrlSutening. (£r jie^t hai tömif^e unb bai 
fanonifdie Ked^t ^erbei imb fu(f|t bie llebereinftttnmung na^ju« 
Rwtfen, neil, toic eS fagt, man benjenigcn, melier fii^ Sor ben 
get^t(^ Skriditen m^ ben ©ad^fenffiiegel berufe, o%m jene 
Ueberttnftimminig ju ertuetfen, ffir einen Sporen !|atte. 3)er 
jtampf mit bem fremben 9itd)t auf beiitf^em iBoben ^at jund^ft 
in bem ©egenfo^jc geiftlt^ unb toeltlit^er JRe^t§pfIege begonnen; 
ber märfifc^e ERitter fucfft it|n ju f^Iit^ten; mo aber ber Siber« 
firett nic^t ju öerleugneit, ba tritt er no^ für bie ®elttmg beS 
^eimifdien 9fe(^ti{a|ed ein. 

nm biefelbe 3"* »erarbeitete ber Stabtft^reifier ^o^nneg 
baä ©tabtrec^t 9)rünnä ;u einem lateinifi^en Stec^tSbui^e, bem 
5og. iBiönnet ©(^öffenbuc^ ') , toetc^eä nac^ ©toff unb gorm 
Don ber tomarafttft^-fcnonifttfi^en ©ete^rfamleit burc^brungen ift. 
SKe^r not^ jeigen bie in ber jloeiten §ölfte be« ^a^r^unbert« 
ßef(^riebenen SBerfe beS ißifoIauS SBurm*) au8 Sleu'Shi^pin 
bie ^Kinb beS in rSmifdier ©i^ule ^erangebilbeten @ele^ten. 
Sin ©^fiter beS 3ol)anneä be Signano jU fflolugna {f 1383), 
bann in 3)ienficn ber ©tobt ®ötii^ unb beä ^rjogS 9hipre(!^t 
Don Stegni^ (jule^t 1401 urfunblü^ genannt), fteQt er fid) bie 
Aufgabe, baS it)m au3 ber $ra|iS beFannte beutf^ JRec^t nai^ 
ben in ber ©c^ule beS r5mifd|en Slec^tS getiponnenen @ert(^tg< 
punhcn jn bearbeiten, ©eine nic^l gebnidten SBerle, bie S3e* 
arbcttungen ber SSut^'fc^ ©tofic unb beß Mic^tfteig» , bie 
.SSfume" beä ©ac^fenfpiegelS unb bed aRagbeburger Sted^tS, 

1) <£. 3. Saglet, beirtf** ffleÄtabenhnarcr auä m%mm unb SKÜ^mt 
»b. 2 (1852). Stobbf I, 527 f. Ctt, ötinägf ©. 174 ff. 

2) ^tobbt 1. 380 f. 416 f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



12 ffitft« ttaifittl 

bas Siegnt^er <Stabtie<^tdEiut^ u. S(., ieigeit baS üBentfi^, baS 
beutfc^e !Red|t mit bem lömtfi^en, roeld|e$ i^m a(ä ba& gemeine 
Stecht gitt, ouSjugletc^en, noc^ me^r als bieS 6et 3o^. Ooti $)u(^ 
^eröortiat. (£r trägt bot ©temtiel (einer ©djure au(^ in feinet 
Gleite unb @ef($madlafigteit. 

2:)ie Sitetatui ü6ec ben @a(^fenf))teget , nament(tä| in bei 
^orm beutf^et unb {ateimfc^er @foffen, fegt fid) bui(^ hai 
fOnfjc^nte Sa^i^unbett in ben fdt^fifi^en Sinbent fort S^ranb 
oon Xgerftebt, 91at^S^err ju Sünebitrg (f 1451), Dr. ^£antmo 
Don ^ojbocf, Storniert ju 97ferfe5urg, unb fein ^lubei X^eoberit^ 
Don SojbDtf, ^rofeffor ju ScitJjig unb iBifd)of »on Sioumburg 
(t 1461), ftnb bie ^auptfäc^tit^en SSertreter einer Se^anblung 
beS beutfdien Slec^täbu^A, in welcher bie fremben 91ec^te immer 
größere iBebcutung geniinnen. 

m tft enblicl^ nod| ber merfwiirbigen „Summa bei reifte 
ffijeg genannt" ju gebenlen*). ©in @(^öffe in SBreälau ^at 
am l£nbe be8 15. Sa^r^unbeitd Ut\ei umfängliche ^erf aui ben 
©(griffen SEBuim'g unb ^o^borf'ä, bem iSreSlauer ^aittculai« 
tettit, fomie auS Urt^eiten unb iRed^tSf)]rüc^eR compilirt. <Si 
mü bie „reiften SBeg" OPeifen, ba ber „Seg beS Siechten feie 
Borerret unb frumm worben". 

6. 3n ber bi^^er befproi^enen Literatur bilbet, nrie wir 
fetien, baä t)eimif^e iRet^t ben aHiftetpunft unb ba« frembe 
Wirb nur jur Srgänäung unb §ülfe t)er6eigeiogen. Slaneben 
aber fe^tt eS ni(^t an einer anbaen, mel^e baS frembe unb 
jUiar borjugSmeife ba« fanonifc^e Sßec^t ju itirnn eigentlii^en 
©cgenftonbe ^at »). 

3^re anfange reichen Dor bie 3^'* *"^* ©ac^fenfpiegels 
jnrüÄ unb finb ^wflniffe einer feit ©mtian« SSeaet beginnenben 
rct^tSroiffenfc^aftlic^en X^atigEeit im beutfdien üterug. Sie bie 
»eftlic^e unb geiftlit^c 9Iec§t«pf(ege neben einonber im beutfc^en 



1) «Ö&Iflü, Summa ber rrfite iSefl; gcilfc^r. f. 9Lffl, 8, 165 ff. 

2) »gl. bttriibet auäf DU, ©EihräBe ®. 101 ff. 



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6. ftanDniftif^-TDmanißifibe 5Üitnituc btS )um ®i$Iu{te bcS 14. 3a|t^. 1$ 

fUnäft tDoItm , fo flie&en ehte 3<it ^ittfl "^^ rinanbet juet 
©tr&mintgai jutiftifi^ Siteratui, bon benen bte eine ba^ beutft^ 
^oHdrec^t, bic anbere bod tanonjfi^ itnb bane^en bad rötntfc^ 
trigt, bii aäiiidi jene uertiodnet unb biefe bie SiAmnte Bbvc 
fititfienb bnn^rtt^t 

Xrie fog. Snmma Coloniensis*), Don einem 2)eutfi;^n 
wrfafet um 1170, enthält eine Ueberftc^t be« fleiflti^en SRe^t«, 
tätige ftd| fisnPDl^I burdi @etf>ftfintngfett bei SRet^obe, als aud^ 
bim^ Äntnhiife beS römifi^en Meiitä ttoc ütintit^en SBerfen 
au8jei(^net. 

eiI6ert uon Sremen f#ie6 jlm^en 1191 irab 1204 
einen Ordo judiciarins in ^e^ometetn, loelt^en er bent Stf^of 
SBolftom ton ^offau jueignete*). 

9Sa((tfc^n[i(^ f^on in bet elften ^filfCe beS 12. Sa^r^ 
^nberlS ift ber berühmte Ordo jridiciarins in Eeutfc^» 
lanb Uerfagt kDorben, »etiler \p!itet nnter bem 9?amen beS 
So^anne» ?tnbreä bie todtefte SBetbreituitfl erlangte'). Qai)U 
teidie ^onbfc^riften, Weli^ jum H^ ben lejt mit Senberungen 
imb ßifä^en miebergeben , imb ßominentare bejeiigen ben au«' 
gfbe^nten (Sebiauä) btefeS Keinen Se^cbui^S bei tömifc^^anoni« 
f(f|en ^oceffeS, unb baiS @rf^einen uon me^r al8 sttpangig 
gebrucften SuSgoben bis in ben STnfang beS 16. Sal)rf|unbett§ 
bettieift, ba% t» aaä) noi^ in späteren 3ei'en eine« ber betiebteften 
^filfsbüt^er blieb. i$rüt|jettig ift baä Iateini|d^e Original bentf c^ 
bearbeitet unb mit 3"^^^ Verfemen Korben, in tDe(c^em bem 
geiii^tlh^en {Rebner r^etortfc^e Siegeln unb Stnnietfungen ffir ein 
Hugcd unb gef^tdteä Skr^alten gegeben tuerben. Sludi btefe 
l)eutf(^ „Drbnung be8 ©erit^tS" ober „Drbnung unb 



1) St^ulte, «tf(E|. b. Ouclm u. Sit. befi fanon. Htt^a 1, 338 f. 
2} «itael, Ü6er bm Ordo j»d. M eüberl (1867). ». b. ». 6, 756 

8) nottinacr, flbnrinnt Oi^o judiciarins (Vian(^n 1855). Stinßlns. 
SMd|. b. po)«!. Sttcratui S. a09 ff. eet^mann-^olltDefl, ®tf4 b. aitriU 
tnixejlcd 6, 144ff aKulgei, jur @efc^. b. Bh#«lDif{enfi^fl S. 119 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



14 ^icB SofiteL 

Uiitemwifung, Die fü^ ein 3eglt^er galten foQ t>or bem {Rechten' 
ift in $anb{ä|itften unb fpdter in S)ni(fen toeit Uetfitettet*). 
S)a{| bad Original bem Sodann Don ^c^ Bei Sbfaffung beS 
SHc^tfteigS bdannt aai, barf man annehmen, ivenn stetig bie 
9Ie^nKd|!eit beibet SSetfe nur gering ift. 3n fpäteter Qät tjat 
man baSfelbe bem 3ot|anned flnbceä gugefc^tie&eit, offat bag fic^ 
bofüc mit ©tc^ert)eit ein anbetet ®tunb angeben liege, als bie 
in sielen ä^ntic^en (Srfdieinungen ^etDoittetenbe 91eigung, ein 
beliebte«, angcfe^ene^ aBeri on ben Sfiomen eines berühmten 
ätutoiS anjuhiüpfen. 3n 9Sat)r^eit ift baSfelbe nic^t einmal auf 
ein italienifi^eS ^orbilb jutüdjufäl)ten. 

(Sin aSerf »on umfaffenber ©ele^cfamfcit ift baS Speculum 
abbreviatum, ttwIt^eS im ^tud Don 1511 einem SSoIjanneS 
be @t^nna jugefc^iieben wirb. (£inget)enbe Untetfui^ungen^ 
ergaben, ba§ baSfcIbe in bei etften ^älfte beS 14. 3af)rt)unbert$ 
in S)eutjc^(anb üetfa^t, alfo etwa ein 3a^tt|unbett jünger ift 
al8 jener Ordo judiciarius, unb bcmna^ in bie Qtit fällt, a(S 
3io[)ann Don ©ucf) feine ®e(e^rfamleit auf bie Seatbeitung be§ 
©at^fenfptegetS üernjenbele. 

2)er Sierfaffer So^anneä be 3^""" "bei ©c^nna, 
SJoctor bet Itjeologie iinb um 1339 tiä 1342 Slbt beä eifterrienfet= 
ttoffer« Solba^j im Säiät^um Eomin, getiört ttiaftrf^einlit^ bem in 
jener @egenb angefeffencn älbelsgefi^leci^t Don ber 3<nne an. 
©eine juriftif(^e 99i(bung ^at et, eigener S(ngabe gemöB, in 
?ßari3 unter bem OTagiftet Sotjanneä be ©orbonio ettnorben 
unb f})dtcr feinem Ctben in tielen ©efi^äften unb ^oceffen al8 
Meifitgbeiftanb gebient. 

!5)ie Orunblage feineä SBerU ift boS Speculum juris beS 
3)urantiS (f 1296), h)eld)e8 bamalä roof»! nur SßJcnigen in3)eutf(i^= 



1) $ie 3)nide fügten }um 2:^il bie angeführten, guin 3:^etl anbete, 
jum Z^I goi leine Xitti. 

2) ©tinßing, ©eft^. b. potjul. Siteratut ®. 329|f. unb bDijügtti^ 
ffiut^ei, jnr ®eft^. b. ibin..tanon. »roccüeS in ©eutfc&Innb ©. 1 ff. — 
»et^mann'^oUmcg, ®efc^. b. QiDilfimcijea 6, 234 ff. 



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7. Siunm&e coDfeisorum unb Senoanbleä. 15 

lanb Waintt fein meiste. SSeil er bie8 botuminöfe SSeri uitb 
anbere ^ülf^mittel anf feinen ®efd|äftSmfen ntcf|t immei jut 
^rnnb ^a6en tonnte, fo I|at er, Wie er felbft erjd^lt, ju feinem 
(iflenen ®ebrtui(^ fit^ ©jcerpte unb ©ammlungen angelegt, bic 
er als „Ti&ticam" bei fiä) ju führen f)flegte. ^ierauS ift btefeä 
2ef)Tbu(^ beS fanonifd)en Siec^ts unb ^anbbuc^ für bie ^raftitet 
entftanben, ttieli^eS im erften 2ft)eil ben ^roceg, im gUeiten bie 
fttüfltibeffe unb Urfunben, im britten bie regulae juris bejubelt, 
in jenen bem ^urontis folgenb, in biefem bie Kommentare beS 
Si^nuS unb onberer ^ononiften ju bem entfprei^enben Xitel beä 
©ejtu* ejcerpirenb. 3n einfid^tiger ©eift finb biefe ©ompUa^ 
tionen ongefertigt, unb mond^eä f^at bei erfahrene 5ßrafti&r auä 
eigener ^enntntg neu t|tnjuget^an. StiS ^Jormularien benu$t er, 
auger ben bei Suranti^ gefunbenen, Dielfac^ Driginalurfunben 
aai feinem eigenen ©eft^äftstreife. 3>er Clem. Saepe contingit 
löibmet er einen befonberen felfiflänbigen Kommentar. 

3n numc^r ^Bejie^ung bem Speculum abbreviatum Dermonbt, 
aber oon Diel geringerem ÜBertt^ unb Umfang ift ha& DefeD- 
sorium juris"), roetd^eS ein unbelannter ©erliarb, Sifter» 
cienfermßndi im Slofter «Rivus Sanctae Mariae", b. l)., wie eS 
nad| ben ^nbfc^riften ft^cint, im Älofter ©^arnbect (©t. 9Karien= 
aSed) bei fiüneburg, um 1414 uerfafet ^t. griiljjeitig ift eä brni 
Si^HumeS 9nonac^n3, bem berühmten (Sifterctenfer, ber um bie 
^ beä So^ne« Änbreä al« juriftif^er ©ctiriftfteüer, Oarbinol 
lotb fKipftlidier £egat tttätig mar, jugefc^rieben morben, mfifirenb eä 
in aBirttit^feit nur ein Sfcerpt ous onbern ©diriften unb ä»ar 
E|au))tfäEi)Iii^ 0X1% bem LibelluB fugitivus be§ 9fepo^ be äRon- 
tolbflno (jroiff^n 1245 unb 1274 »erfaßt) ift. ©ine Erfurter 
^bf^rift giebt biefe ©runblagen auäbrüdli^ an. 

7. Sßeben biefer für bie eigentlit^ SJcditSpftege beftimmten 
Siteratur enturidelt fidCi im ©i^ooge ber ©eiftlic^Eeit feil bem 



1) StineiHB, Sefi^. b. fepal. fiiteratut ©. 279 ff. 55*. ®f pell, 
(Eii%CD(eg 8. fluf[. ®. 17. aSet^tnonn'^Dllmrg, lüef^. b. ajoilpratened 
■6, 233 f. SRut^ei, jui ®ef4 b. »«^Mnrifienfdiaft 6. 173 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



16 ffirfteS Ädpitet 

(Stibe beS 13. So^t^unberts eine anbm, isdijs @iunb nttb 
Ucftming in bet SBeitoaltung bed ©aciamentö bn 99tt^ ftnbet*). 
3)er S9ei^tftu^I gie&t ben ©riftlic^en ben SInlag, Ste^tSfiognt 
gu erdttem, Belehrung ju ot^en imb Sntff^bttngm ou^iu» 
fprec^en, tnbem bte fpecteUen Hymiffendfrofieii, casas coDsdeotiae, 
[»äufig in engfter ißerbinbung mit jenen fte^en ; unb je me^r ftd) 
bie @t^ü unb iDogmatiE ju einem ©Qfteme äu^erlit^ btnbenber 
Siormen unter bem ginftuffe bei ^tetaii^ie ^erauSfiübete, befto 
rnttfi »crfdilpanb bie ©renje, ttel^e fic Bon ber Surtäprubenj 
unterfdiieb. ®anj naturgemäß ift in einer Q/dt, tsed^e nm ben 
geiftlidien @tonb als ben 'ix&Qtx bei ^ilbung frnnt, bet Qait 
auf ifjn aU \mm ©etatöet ^ingetoiefen, roie eS anbrcrfeitß ber 
®teKun0 unb bem ©tieben ber ^ietaidiie entf))ii(^t, i^tm Sin: 
^ auf baS bärgerlit^e Seben babur^ ju fu^em, bag fte fi(^ 
nic^t nur biefem Sebfiifniffe fletoadffen eiweift, fonbem geiabeja 
DOm S9eiä|tftu^[ auä bie 91e(!^tSotbnung ;u 6^eirfc^ untenrimmt. 
3uerft ^at bei Diben ber S)Dmtnictmer, loeti^em neben ben 
t^ncificanetn baS ^riotlegium ert^etU niar, fibetaQ in ber 
S^riftcn^eit in Soncuireng mit bei ^arrgeiftlidfleit baS Sactament 
ber iBuge ju oemalten, bie Sßic^ti{^eit juitfttf^ei tBUbung fßr 
ben coQfesBor praltijdi crfofet. aSJd^renb bie ©ifteicienfer, »ie 
toii fatien, juriftift^e SBeiife füi bie jarisdictio contentiosa unb 
Totuntaria fcEjrieben, beginnt mit ber Summa d« poenitentia beö 
fflatmunb non Sßennafoite (f 1275), bem Beruhten Com^ji* 
lator ber Iiecretalen ©regorS IX. unb DtbcnSgeneial bei Slomtni' 
caner, eine Sitciatur, toeft^e beftimmt ift, ben confessor nic^t 
nur mit StQem au8 jurfiften , Kai H)m jur fQerWaltung feines 
äfmteS niiffenSWürbig ift, fonbent namentlich i^ über bai Ste^t 
JU belefjicn*). Zkn I)auptfAci^Ii^n 3n|a(t ber 6amma Raymnndi 

1] etitt^ins, ecf4 i. (xqnil. SUnatni 10. ttopM. SsL barOba 
jt^t e. @[fiulte, (St^ä). b. Quellni u. Sil. bcB tanon. ffUifii 2. 108—455. 
512-526. 

2) ^ bictnn eini» nug i^ au4 6<!|ult< »tftb. 2, 628 oU ben 
„Satcr bei IJEafuiftit" gelten lafien. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. SummAe coDfeBSonun unb SemontitcS. 17 

biOwt eine fl6etft(i|tli(^e populäre SJarffeCung ber geiftlit^en unb 
toeltlH^en 3ied|töorbnungen, bte fit^ in fdiolaftifi^er ÜRet^obe 
ö6ec SJerflf^ra nnb Sßriöatra^t uer&rcitet. ©dbftöcrftänMidi tritt 
üigxaSL bas fanontfi^e ffle^t in bett üBorbecgrunb, ab« aud| baä 
lömif^e ninunt feinen $Ia§ ein. 

aRit ©fer forgtc ber Dtben für bie S?er6teitung btefe* 
Uti^ttgen: aSßeifed. ©i^on um bie 3Ritte be$ 13. SaI|E^unbettS 
jt^rieb ein DibenSbrubei aStl^elm bou SRenne» boju 
notfi ber ©itte ber Qtit eine auäfü^riic^e ©loffe (Apparatus), 
unb beifae SBerfe Detorbeitete ber ^Dominicaner SBineenj 
tfon iSeantiaiS in feinem betfilimten Speculum doctrinale 
üb. IX. X. 

SJer bnitfdie ©omhticoner So^anne» gributflenfi«'), 
ber als ßector feineä Ätoftetä in gretburg 1314 ftorb, Wtbmete 
gegen baS (Snbe beS So^i^unbettä ber Summa Ra;pnundi eine 
dieifie bon Slibeiten focgföltigften ^teigeS. (St begann mit ber 
ünferttgung etnc§ al)it|abetifd^en ^rjeii^itiff eS , fügte ©[offen 
nnb Qoaestioiies casuales ^inju, fd|rieb bann feine groge Summa 
confessorum unb fditofe feine 9Ir6eiten ab mit ben Öirjercn 
^anbbä^em Manuale collectum de summa coufeasorum unb 
Confessionale. 

^ie SbfaffungSjeit ijet Summa ffillt jnnfd^ bie Sa^re 1277 
unb 1298. Siacö Sßubücation bcä Liber Sextus Decretalium 
üon Sonifaj VIIL 1298 fügte er feinem SBerfc einen barauf bejitg= 
Itc^n Sln^ong ^inju. I£g ift ein auSfü^rltd^r ISommentar ju 
So^munb« Summa, bet bie SBorte berfelben unb bie ®loffe be& 
SStl^m bon 9ienneS meiftenä tetebeigtcbt , aber burt!^ eigene 
^ut^ten jenen %v£t erläutert unb etttettert, babei bie fanoniftiftifien 
SBecfe beS @offrebug be ^rantf (f 1245) unb feinet 3ettgeaoffeit 
^ricuS be ©egufta, genannt ^oftienfi» (t 30. Äprü 1271) 
Dtelfa^ benu^t. 



1) €tin|ine, Sefi^. b. poifiü. Sitnatuc ®. 506tf. S(^ulte, Qlqd).. 
2, 419 f. 

etin|ing, ecf4. b. anrllpmbaii. I. 2 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



18 SrfteS StaiiM. 

9}i^t gar (ange naäfifti ^at bei Säruber 99eit^oIb>), 
ein 3)Dininicana:, her, wie er un8 erjä!|It, na(^bem et betn ®e6ott 
jeineS Orbeitd gentäg Diel geprebigt ^tte, ftc^ in eine Stnfiebelei 
jurötfgejogen, auf SSeraitlaffung „beä anbäi^ttgen 9Kttcrä ^Qn(en 
Bon Stur" bie Summa beS So^anneS beutft^ 6ear6eitct. ©ein 
aSerf ift ein alp^abetifi^ gsoibneter Stuäjug, beftinrait, nic^t nur 
ben iBeic^tigem, fonbein „oHen S^riftenleuteu jur ©efferimg" 
ju bienen. Qmax ift bo^et [ein Stugenmerf uoi^ugSroeife auf 
bai anorattf^e unb Stetigtöfe geri(^tet, allein eS fe^It niti^t an 
fflet^tSfcelefirungen , bei benen auf baS römif^e anb (anonifii^e 
die<i)t benniefen, aber aud| bie beutft^e @etno[|n^eit beriidft^tigt 
ivirb, toelc^e, wie %ertl|o(b fagt, bem geft^riebenen dlecf)te nit^t 
weichen foK. 

3e Weiter ft(^ bie ©unnniftenliteratur unter bem SinfEaffe 
fc^olaftiji^er ÜJiftinction cafuifttfrfi entwtcfelt, befto ntefir töft fi^ 
bie SBoral in ein Softem jurifttfc^ conftruirter JRegetn auf. 3'^^^'' 
reid|e. Summen, meift Don er^ebticEiEm Umfang, crfc^inen im 
Saufe beS 14. unb 15. Sa^r^unbertd; ber ^andScaner'Orben 
ringt tn biefer Literatur mit ben S)omimcanem um Autorität 
unb Sittflufe*). $ter beutfd^e flIeruS aber ^at fid^ nur wenig 
baran bet^eiftgt. ®rft im Slnfong beS 15. Sa^rtjunbertä 
treten loieber jtoei beutfc^e 3)ominicaner, 3o^. 5Rieber uon 
Sdnl) in ©c^waben (t 1438) unb ein Ungenannter, aU 
Sßerfaffer äWeier Maoualia confesaonim auf. ©S finb furj= 
gefofete MnWeifungen fiber bie ja^Uofen Don einem confessor }U 
beat^tenben 5ßorf^riftm unb @efi(^tspunlte, Wet^e ber Unge= 
nannte in Steife gebracht ^at. 

^er @tnf(u& ber Gummen auf bie (Seftaltung beS ^u^= 
Wefenä fann niäit ^odi genug angefi^Iagen merben. Mdi)t geringer 

1) Stin^infl, ®e((^. b. popuL aitetatui 6. 616 ff. So« biefem 
!Srubet Ißcitbnlb ift ein Horologiam devotioDJB circa ritam Christi, ein 
brut(c^e» ®ebel6u(S, berannt — Spulte 2, 428, 

2) ®if(ulte, 6kf(^. 2, 41G beftreitct ben Sinflufe biefei SRioalitöt 
o^nc ®ninbe angugebcn. 3)!it |<^iint bie Don mir a. a. O. Imtioiet^obenen 
attntiQ*en für fw^ fel6fl ju jprcf^n. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. Smumae confeBsormu unb Eßanianbtee. 19 

aber ift t^re SSebeutung für bie 3kibiettung beS rümif(^eit itnb 
fanontfc^en Ket^tS in S)eut{d|Ianb getoorben, benh fie lüftete ben 
@fanb mit feiner ^nntni§ aa&, bwlt^r bom £Bei^tftuf|I aus 
baS @eniiffen unb bie ä(nfc^auungen ber 3c<t be^eitfd)te. 'Siai 
fliöfete Snfe^ erwarb fit^ unter allen im Saufe be8 15. 3ai|t= 
'l^unbeitd bie Summa Aagelica>) bon StngeluS SarletuS be 
OatHifio, einem Sßtnonten auS S^iasaffo (f 1493), but^ SSoU* 
ftänbigfcit unb jtoedmägige Sinricfitung. STIä Kiditigfte ©tflge 
ber (at^oli}(^ Se^e bon ber SÖu^e mtfa ben guten SBerfen 
bilbetc fie eine» bei crften SlngriffSobjerte für bie tefonnatorifdie 
äSetoegung. Sut^ erflätte, „man follte fie iiid|t angelica, fonbern 
diabolica nennen nm ber großen Büberei unb ©opEjifterei MiQen, 
fo barinnm ift", unb »erbrannte fie mit ber ©annbuHe unb ben 
fanonifc{|en 9te^tätiüc^ein am 10. 3)ecem6er 1520 ju Stttenberg. 
S)ie ^d|e fiatte es im Saufe beg äDüttelalterS berftanben, 
bie gefammte 9Je(^t8orbnung i^rer Oberauffi^t ju unterwerfen. 
93orne^mIic^ tcar eS bie Se^re bom fBuäjti, ivelc^e in iltrei 
mfuiftifi^n KuSbiCbung aämä^iiä) ben ganjen 3^erEef)r in tt)ren 
Säerei^ jog, ni^t ' blofe ben fiaflitoIäinS, fonbern jcgiidien ©peai» 
lationSgeuinn ali fünbtic^ berfolgenb. 3)er aH &ebDt d|rift= 
lic^ 9lfi(^ftenliebe auägefproc^ene @a{| beS bleuen ^ftamentS 
„Mntuum date, nihil inde sperantes" »ar, bcm Quqc bet ffint' 
nndlung ber ^rc^e folgenb, ju einem Softem bon jbitngenben 
9{ed|tsfä^ audgeftaltet, mit iceldien fie baS äugere Seben 
be^enf^te. fftut bie Suben ftanben ou^er^alb biefeS 3t^>iitfl^^ 
unb butften befto bottfietl^aftei baS @}e[bgefd|fift betteifien, beffen 
man nic^t entbetiren lonnte*). a)ifil)fam (ämpfteii überall bie 
natfirtii^n Sntereffen beS @tflteiIebenS gegen bie tj^effeln ber 
fononift^en Xioctiin, neue formen bon 9le^tSgef^ften et^nbenb, 
iDdt^ non ben SJetboten frei ju fein ft^ienen. SWit ^^^igfcit 



1) ©tinfing, ©ef^. b. popiO. Sitctatur S. 539 ff. 

2) enbtmann, @tubien. 1674. 8b. 1. Snbemann, bie notümat' 
atonomifdien Ülnmbfa^ bei taiunifttft^n Se^ie in ^itbebianb'A 3a^b. f. 
9Iatioiiaiatonoinic Sb. 1. 1863. iRoft^ci, 9t^ä). i. 9Iatiimal5!onomic @.5~I3. 

2* 



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20 erftcÄ Äapiicl. 

aber folgt bie fanontfttfdie S)octrin in ben ©timmen btefer $e> 
tvegung, um feftjufteQen , auf toeldKm fünfte bec Faufmännif^e 
Oeroinn in ben Derbotenen SJuti^er übergebe, ©egett ba§ ®nbe 
beS 14. 3a^t^unber»8 ctfcE|cint baneben eine Siteratur cafuiftifr^et 
Xiactate, tDeldge bie 3'it$gef(^äfte, ben 3Set^feU unb ^anbetö> 
uette^i, ja bie SIBert^Uer^ältniffe überhaupt etörtetn*)- 5Reben 
ben ^tonjofen Sodann ®erfon unb JRifokuä Dregme ftel|en bie 
beutfc^en 3::^eoli)9en §einri(^ üon Sangenftein (f 1397) 
(§enricu8 be ^affio, au8 fiangenftein in §effen) unb § einrieb 
Won D^ta (in CfffrieSlanb), welche beibe längere 3"* '" $ari8 
lebten unb 1383 jur Segtünbung ber t[|eDlogifd|en tJaciittSt nac^ 
Jffiien jogen, mit i^ren TractatuB de contractibus. 3n Sßien 
gaben fie ben Slnftofe jut gortbitbung biefer Siteratur, an ber 
fic^ bie S^eologen Äonrab Oon @brac| unb SofjanneS 
SRieber (t 1438), foWie bet Surift Sodann IReutter 
(t nai^ 1404) bet^eitigten. 31e^nlid)e Slb^anbtungen über ben 
§ttnbel, äinff" i™** ©onttacte fd^rieben im 3tnfang beä 15. 3a^r= 
I)unbeitS ber Dominicaner Sodann Don t^ranffurt, beS 
§ieron^muS Won Sßrag namliafter ©cgner, 1409 9lcctor in 
§eibelberg, unb ber Sartfjciufer Saeob öon Sßterbod in 
Erfurt. 97en belebt aber Warb bie geifttge SBeffiegung buic^ ben 
fanatifc^en granciäcaner So^anneä be Eajjiftrano, ber um 
bie 5Kitte beS 15. Satirtjuiibertä prebigenb SDeutfc^Ianb bur^jog 
unb bie ©emüt^er gegen ben 9But^et, boS faufmännift^e ©eroerbe, 
üor allem aber gegen bie 3uben aufregte, rodift bie Sir£fam!eit 
feinet Sloquenj in garten SSerfotgungen emtsfinben umfeten*), 
©eine ©(^riften übet Sortracte unb SBui^er, foioie ja^lreic^e 
äb^anblungen bon Seipjiget ^ele^rten, bie burc^ tf|n angelegt 
iDttten, finb unS tjanbfc^tifttti^ auf bet Seipjiger ©ibliot^el 
erhalten. Sfjtcn ?tbftt|(u6 fanb biefe Siteratut in bem grofeen 



1) ©tintiiig, Qk^df. b. pcpitl. Silctotut ©. 539ff. »ott^cr, 
©d^ii^tt ©. 18 if. ©(^ultc 2, 482. 

2) ©tobbc, bk Subcn tu Snitff^lanb ©.192, ^ut^cr, aai bcm 
Sdc^nltticn ©. 1&4 f. 



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a S)aB lononiidie unb lömifi^ 9fM^ au[ bcn bQul((^tn UttiDetTitaten. 21 

Opus septipartitum de contractibue pro foro conscientiae 
bei Xü&ingec 3!^eoIogen Jtonrab @uintnen^aTti bon (Satm^), 
foroie in bet Si^rift beä fieipätget 3utiften Dr. 6 1| r i ft o p ^ 
^uppener') Consilia elegantisBima in materia usurarum etc. 
Lips. 1508. fol. unb beutfd|: ©in fdfon« SBuc^Iein — borau« 
ein i&Ii(^et SRenfc^ — lernen mag ttaä Wuc^et unb n?u(^erif(^e 
§anbdfeinic. Sd^jgl 1508. got. ffiuppener, 1468 ju Sfl6au 
in SSeftpreugen geboten, ftubirte in Seipjlfl, mar feit 1493 
Doctor jor. atr. unb @t)nbtcu3 ber @tabt Staunf^tueig big ettua 
jimt 3a^te 1500, bonn (rote e8 fi^etnt) futje 3^'* finnalet für 
Dftftie«Ianb, öon 1503 biä ju feinem %oht 1511 ^rofcffor in 
Seipjig: ein in ®ef(^dfteu erfotirener unb perfönfic^ am ^anbefö* 
oerfe^r bet^etltgter 37tann unb geirrter Surtft, ber benno^ bie 
^NinbelSgefc^fifte Son feinem anbern @efti^tSpunfte ali bem ber 
fanonifc^en Segalität cafuifKfi^ ju 6et)anbe[n toeig. 

8. S)ie SHec^tsroiffenfcfiaft, toeläje flleii§ bet Segtünbung 
beutfc^er Uniüerfitäten i^ren feffen ofabemifc^en $lofe einnahm, 
tDQt biefelbe, roelifie in Statien unb ^ranfreii^ feit Sa^r^unberten 
gepflegt tourbe. Sä terftanb fi(§ batjer Oon (e(bft, baß nur bic fanü= 
ntfd^n unb römifi^en ditä)tibü^x ifiren ©egenftanb btibeten, bie 
maffen^of te Siterotur jener flänber fie belierrfi^te. I)aä b e u 1 1 c^ c 
9Ietf)t tag gäujCid) au§er{)alb beä ^eifeä afabemifc^er Sntereffen. 

©clbft ßfenn bie Uniöerfitäten in geringerem ®rabe oon ber 
Jrabition abijängig gelwfen lottren, Ratten fiif) ber alabemifti^en 
Se^anblimg beä beutft^en SRec^tS unüberfteiglidie §inbemiffe in 
beu aBcg gefteHt. 3)enn nirgcnbä roar baSfelbe atä ©in^cit jU 



1) Sdn (BebuTttja^r ift ungewiß. 1476 nrirb « ^accalariu« In f ariS, 
I^it U78 die äRogifter ^äm unb Dirb $tofefioi in ber X3binget ^ttiften" 
facuUät, 1484 gieclor, 1489 S^octoi: uiib ^lofeffor ber Sinologie. (£r ftarb 
ftftpn am 20. Ottbr. 1502. Soti feinen Si^riflen gc^Bren ^ier^r: Tractatus 
bipertitos de decimis. 1497. fol. Septipartitum opus de contractibus. 
1500. fol. Sgl. Stinßing, OtefcE). b. ;>o))uI. Sitcratut «S. &45; namentUt^ 
obre Sinfinmann, fiontab ©ummtn^atL lübfnger Seftproeiomw- 1877. 

2) miit^tT, au* bem UniöctfitätS- unb ©ere^rtotlcben ©. 129— 177. 
sae— 414. Ünbemann, igtubicn 1,38. 145. fßa\diex, <Sti<^id)tt ®.1S\. 



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22 SrfteS OapittL 

finbett; ei beftonb nur in parttculäre« Silbunflnt, aug benen 
bie einl)ettlt(^en ^ncipien ju a6fttal|iren eine h)iffenf(^aftK(|e 
Aiaft, eine <8d|ulung beS juiiftift^en !£)enFeng unti namentlit^ 
eine SÖ^igteit jur ©^ntticje öorauäfegte , bie nidit entfernt 001= 
^onben toaxm. 'Siaiu tarn, bog man mit ooQem @runb bau 
iieimifi^e 3le(f|t al8 ein ,ju8 incertum" betraditete, ein in ftetem 
giuffe ßefinblit^eS SRei^t, baS (einen Sntialt im einäclncn Satt 
burt^ baä ©utbünfen bei ©i^flffen empfing unb bo^er ber 
roiffenf^afttid^en gormulirung ju fpotten f^ien. 5)ie §orrf(§cnbe 
SWet^obe enbltt^, meiere auäS(5tie6ti^ in ber @jegcfe beftanb, 
{(^ien auf ein Siecht nic^t antuenbbar, baS in leiner Q^obification 
Döring. 

9Süf|t ^ätte man inbeffen, fo toie eS f^on 3o^ann Don SBa^ 
mit bem ©a^fenft>tege[ Qttfyin, bie particuldten 9ie^tSaufjei(^s 
nungen jum ©egenftanbe gloffirenber Erörterung matten tonnen. 
StÜein toenn eineSttfeilS bie äuSlegung eineS bem SoVIe ber= 
ftänblic^en 9iec£|ts6ud|eä übcrflüffig unb fein ber luiffenfc^aft* 
lii^en Se^anblung bebürftiger unb tnürbiger @egenftanb erfdiien, 
fo lag anbrerfettä duc| bad ^etmifc^e SRei^t augertialb beS 
Sntereffeä bajenigen greife, meiere bie UniDerfitäten be^errfi^ten. 
Sliefe hiaren gegrünbet alä geifüii^e Knftalten, unter fleritalem 
©nfluffe, bie ^rofefforen toaren meiftenä filertfer; bie Silbung 
beS jfleruä mar ber übertoiegenbe ^mä, unb bie EBefä()igung 
jur getftlic^en üBermaltung unb 91ecf|t$pf[ege nac^ ben 3iotfi^riften 
beS fanonifc^en SRet^td ttorjug^lueife baä prattif(^e Q\el be2 
jurtftift^en ©tubiumä ^). 

^araug eiftärt ti fid), bag an ben beutfi^en Uniuerfttfiten 
bis gegen baä (£nbe beS 15. Sa^rEfunbertS fetbft baS lömifd^e 
JRedit jurürfftanb unb iibertoiegenb ba8 fanonifi^e SRed|t geletirt 

]) lieber baS golembe VgL etin^ing, U-BaituB 3. 85f. 333—314. 
Btobbt. ®e|0. b. b. »Ml^teqitellai 1, 630; 2, I2ff. aHul^er, Sertft^T. {. 
91cd|tSgei(^i(f|te 4, 3ö2|f.; 9, 50ff. @töl}el, bie (Entwidlung bcS gcle^fli 
EBi^cn^umfl 1, 79— 124. 9Kut^er, jur ©efdiic^te @. 107. Ott, »(itiäge 
S. 53 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



B. 3)aS tanomft^ unb iSmtfc^ 9?e^t auf bnt bmtfi^ UntWrfitäten. 23 

ipurbe, twnn gletcEi bie gacuttätm für baS ,jue ntrnmqae" 
begriinbet ttoten, mangle Doctores legum unb juris utriasque 
neben beit Doctores decretomm ju i^n änitgltebem jä^Iteit 
unb bie ofobemit^en SBütben in betben 9led)ten eit^etlten. 3)te 
pälpi^iäfe ©efe^ebuns unb 2)i3ci;)Iin lotrhen piinn))ieQ bem 
Stubium be3 Eaifeilicfieii Slfl^t^ entgegen. Snbeg trar eS als 
§ülf8n)iffen{c^aft ffir baä äSerftönbm^ beü fanonift^en ntc^t ju 
entbetrren; oiu^ liegen ))ä)][tlic^e $rtbilegten, bie einjefnen $er' 
foirai imb Uniöerfitöten ctt^cilt mutben, folcie eine nai^fH^tige 
^ofid einge^enbere Seft^äftigung mit bem lömifdien Siebte ju. 
3m @anjen ober blieb eä in untergeoibnetei ©teQung ; unb eift 
al& ee in ber jlDeiten ^filfte beS 15. ^oi^^unbertS in bie iodU 
liefen @eridE|te teeiter einjubringen begann unb bie afabemifd^e 
SeböUerung met|r unb me^r bom Saienelement butd|fe|t niutbe, 
gelangten bie Leges ju ftönbiget unb bem lanonifi^en 91e(^te 
gleicher SSettretung. aUein baä lange fortbouecnbe Uebetgeaid^t 
bei fanoniftifc^ ©tubien jeigt \iä) barin, bag bie beutf^en 
S3ui^biitdeteien bis junt @nbe beS 15. Sia^r^unbectd nur »enig 
ausgaben bet römif^'^ret^tH^en Duellen unb ßttcratur öeran* 
{tatfeten, in erfiebtt^er ^a^t bagegen bie einselnen S^^eilc ber 
C. j. canonici unb bie fanonifttfc^en ©i^riftfteQer auf ben äRaift 
btatf)ten. 

SSeit me^r als bejQglti^ beS Tanonif^en ?tet^tS beftanb 
baS nii^t unbegrünbete !tBorurtl|eil fort, bag bie boQe ^Ibung 
im Tömifi^en nur auf fremben UniDerfitaten ju gewinnen fei 
unb bafe bie SSerufimg auSlanbifi^er iJoctoren ben beutfc^en 
Unibetfitäten einen befonberen ®Ianj nerleitie. 3n §eibetberg 
toat (1387) bet etfte Ordinarius codicis Dr. JKattpuä SIemeiitiS 
aus Ktugonten, ber balb berfdiminbet , otine einen 9}ac!)foIger 
auf feinem Se^rftu^I ju erbalten. 3n fflafel finb fiei ber @r» 
Öffnung 1460 brei itolienifc^e Soctotcn, barunter jtoei für bie 
Leges QngefteHt, benen na(^ furger ^mtSfüfjning gWei anbete 
folgen, um ebenfalls nur fui^e Qät gu bleiben. 3n Sttgotftabt 
tiertritt bei ber Sreffnung (1472) Dr. GatoIuS gromont aus 

D,q,i,i.:db,.GoogIe 



24 (^fteS StafM. 

^rid baä pfiVftlit^e Stecht. 3n ^fibingen mitb bei ber Stiftung 
(1477) ßaucentiu» SWarenc^« au8 iSeitua J. ü. D. a(8 Legum 
ordioarius genannt. 3I)m folgt 1482 ®a6riel E^abot au8 
eijambet^ , J. U. D. , ber 1479 in gteibutg als etfter fiegift 
angestellt mar, niD()tn 1495 ^utuS Q^ittabtnuS uitb 9tiigeIulS 
be Sefutio , teibe au8 SKoitanb , Elfterer für röntift^, 
bet Stnbcre für fanoniftfieS Sfiet^t feemfen routbeit 3n SSien 
beginnt 1493 bie Vertretung ber Leges mit SeronitnuS iBalbuä 
aua SSenebig, bem 1497 ber ©icilianer 3o^. ©ilciuS folgte, 
^erjofl SogiStauS X. ton ^omnietn führte 1498 ben 5ßetni3 
%i}Dmai^ ätabennaS mit fic^ aus Italien nai^ ©reifSiualbe. 

^ie fremben Soctoien ftnb inbeg meiftenS nur tiorübet' 
ge^enbe B'^'^t'cn, unb balb metben bie Selirftü^te »on $)eut|(|en 
eingenommen. 3)er äRe^tjal^l mä) finb fie im StuSlanbe pro» 
moBirt, unb ni(^t fetten lommt eS Dor, bafe einem ^ofeffor bei 
feiner erften Slnftettung ^ux Söebtngung gemacht »irb, fic^ ben 
3)octor[)ut binnen beftimmter gtift an einer itatienijt^en UuiDerfitSt 
ju eilrcrben. Kodi) burc^ ia% ganje 16. Sa^rfiunbett ^inburi^ 
gilt bie frembtänbifrfie Promotion als bie uome^mete, nici^t etnjo 
beSniegen allein, nieil ein £Sorurt^eiI ju fünften bet tnätfi^ 
UniDerfitäten befielt, fonbcm tjauptfäcfjtic^ beStoegen, Weil bet 
SBefig beS fremben Sioctor^utS ein 3e"fl«i& *"if"i^ 'ft ^^^ """i 
feine Silbung ntc^t btog in bet ^etmat emorben unb frembe 
Sänber feniten gelernt tfat. Unb wenn anc^ bie üBefegung bet 
ßel)rftw[)le mit geborenen ©eutjc^en batb bie burt^fte^enbe 91ege( 
bilbet, fo fe^ft eS boc^ aut^ fpäter ni(^t an SBeifpielen auSs 
Wärttger Berufungen. 

81m ©c^Iuffe beS 15. ^a^i^unbertS ^at bad rSmift^c 9te^t 
feinen feften $ta$ auf ben beutfdjen UniDerfitäten eingenonnnen, 
unb eS ift bejeit^nenb für fein Stnfe^en, bafe man felfift aufter> 
^alb ber ^ot^fdiulen auf feine fiepte bebai^t ift. Süneburg lieg 
fi(^ im Sa^re 1471 ein laifetli^eS ^ßtibilegium cctt)ei(en, um 
eine Sftabemie jw crtii^ten, an bet gerabe bie „leges Imperiales, 
quae jura civilia" fletefjrf Werben foÜten. 3n Hamburg ft^rieb 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. £a3 tiuiDniff^ unb rStnt|(^ Stec^ ou{ ben btutfdKti Unionfitaten. 25 

bte ©d[tiIotbniuig 1529 Dor, bafe 5»« Suriften SJoriefungen 
üfiec SnftUutionen unb Sobe; ju galten t)ätten. 2)ad @Il)mnaftiim 
in 8ttag6uig, 1532 für baS ©tubium ber atten Sprachen hf 
grünbct, nimmt balb au(^ SSorträge über Snftttuttonen in feinen 
Zeitplan auf. fßeitn bem f)taftifd|en SSebürfntffe toax t& eben 
bet Humanismus, iDcIt^et ju ben römtfdien Duellen, atd einem 
(Elemente bet aügemetnen SUbung, Einleitete: unb in btefem 
5nteteffe f|ot felbft ber ben Suriften fo TOenig geneigte @6erlein 
tpon ®itngtiurg ben Ulmern empfohlen, eine i8^ule ju ecni^ten, 
in ber neben ber ebangelifi^en Se^te unb ben ber ^ugenb nix^' 
li(^n 3)ingen ben Srniac^fenen alte ^iftorien, Sanbrei^t, ©tabt^ 
ret^t unb faifertidieä 9ie(I|t geleljrt mürbe'). 

T)ie 93ertiinbung, in toel^er oii ha& tömift^e unb Eanonif^e 
Siecht auf ben beutfi^en UniDerfitäten finben, toat eine ganj 
äufierlid^, Wenn g(eid| nur beibe ^ufammen bas geltenbe 91ed|t 
barfteHten unb baö jus commune auS bem „jus utrarnque' 
beftanb. ^ie eEegetif(^e äRetfiobe ber Se^re aber 6racf|te eä 
mit fic^, bog tne 9}eittetei ber ^iffenfc^aft ben ©toff ni<!^t 
na^ fqftematifi^en ©efiditdpuntten unter \iä} oert^eitten, fonbein 
nur uad^ ber SBerfi^iebenfieit ber queHenmS&igen ©tunbfagen. 
3n Stalten Ratten bie Segiften unb ^ccrettften berfci^iebene Schulen 
gebilbet. 2!n S^eutf^lanb toaren fie jwar ju einer t]facultdt Der' 
einigt, bilbcten jebod^ lange S^tt ^vm getrennte ^Ibt^eilungeu, 
Don benen jebe t^re eigenen alabemift^en (§)rabe ertfieilte. 91eben 
etnanber ctjc^einen bie Doctores Legum unb Doctores Deere- 
tornm, bt6 feit bem Slnfang beS 16. 3a()rEunbert§ biefe ©(Reibung 
fc^inbet unb bie Doctores utriusque juris immer (läufiger unb 
enblit^ äur SRegel Werben. Sßit^t aber fanb eine ffiecjt^meläung 
ber betben 9te<^tamaffen ju einer afabemift^en 3}iSctpIttt ftatt. 
%ielmel|E btie6 bie öugerli^e Ölleitung ber Se^raufgaben noi^ 
ben beiben neben etnanbet fte^enben Corpora juris. 



1) ®p&üx gefliltcle StimBofien bieicc Mrt, luelt^ jum Z()tii in UniocTs 
Mun übnginsw, finb '" Stltborf, ajittiiißen, SauinBcn, ^itipnt, SSrieg, 
Stdnfurl, fRuiieln, 8mncn. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



26 S^teS Stapittl 

S)te äu^etüift, buri^ bie (S^gefe gegebene Rettung be= 
fi^ränfte fi(^ a6et irit^t auf be« ©egenfaß ber beiben fflerfite, 
fonbem gmg jufofge bet äufieien ©lieberung be8 dueHenoplxiratS 
noc^ n)eiter. ^üt baS S^ecret, bte 2)ecretalen, ben liber Sextoa 
unb bie (Sitmmtinm gab eS gefonbeite Se^rfteKen; auf bcm 
®ebiete beS tflmifiiien Met^tS befonbere sßrofeffurcn föt bic Sht» 
ftitutionen, ben Sobej unb bie ?ßanbe(ten, bereit ottüberliefettc 
^rett^eilung tn DigeBtum vetus, infortiatum unb noram nt^t 
{e(ten naä) ju einet todteien ©Gattung ber Se^teQen ^r= 
anlaffung bot. Unter btefen ^rofeffuien galten na^ afobemt' 
fi^en ^erfommen unb Statuten bie für baS 3)ecret unb ben 
@obe£ als bie tiornef)mften , unb jttiai bie leitete beSinegen, 
tneit fie mit ben laiferlic^en ©efe^en im engeren @inn unb unter 
©nfügung ber Authenticae mit ber fc^Iiefelit^ entfr^cibenben 
neueften @eftalt beS juftinianifi^en ^t^ti befagt toar. (Srft 
aUmätilii^ !ommt bie ^Q^ere Oiiffenf^aftlic^e IBebeutung ber ^an« 
beften ju ber aufieren (Seltung, netdie fpäter ben t^nen getvib« 
nieten ÜSortefungen baS UebetgeWit^t bertei^t. 9tuf ber untetften 
Stufe bet ©c^ä^ung ftetjen bie Snftitutionen. 3^re SBertretung 
ouf bem Sat^eber, gering Befofbet, ift grtoö^nlicfi ben Hnfängcm, 
and) tDO^I ^umaniften fiber(affeii; bei !Z)octorgrab teirb ntc^t 
öorauägefegt. Unb biefet niebrigen iRangfteCIuTig ift eü jura Sljett 
?|Uäuf(^teiben , bafe bei i^rer atabemifi^en Se^anblung bie ban^ 
ben Qvxd gebotene SBef^räntung ni^t eingehalten ju toerben 
pflegt: benn um feine SSefd^tgung ju ben ^ö^eren Secturen 
barjut^un, ift ber Snflitutionariuft nur ju geneigt, bie ganje 
güüe öberfteferter ®clef)rfamfeit in feine Söoriefungen ^ineinju= 
äie^en. 

@ine f^ftematifc^e Unterfc^etbung naf^ bem Stoffe, toie fie 
uns ^eutjutage fetbftoerftänbtidi f^eint, gab eS not^ im anfange 
beS 16. 3a^rl|unbert§ nii^t, unb erft tangfam löften fid) fpäter 
einiefne 5E)iäciiJtinen ju gefonberter SSe^anblung ab. 3)o6 ber 
Segift oorjugSttieife mit bem *priüatrcc§t, ber S&inonift Doräug8= 
roeife mit bem fiiti^enrec^t befd)äftigt »at, ergab fic^ freilii^ auS 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. ^uA tamnrift^ unb j'ämi\dit 3te^ auf bm bnitft^en Uniocifitltten. 27 

bem ßbemiegenben 3n£ialte t^rec fRet^tSbüc^ei bon felbft. 3)a8 
Sdintec^t fiel bem fiegiftm ju, Weil ti ouf toiferlic^et ©anction 
beruhte unb bemgemfig bie Libri faadoram al3 je^nte Sodation 
{lerffimmli^ ben ißobelleit ange^&igt toami; eben fo baS (Sninina(= 
tet^t, toeldieS er bei Ejegefe bei .libri terribües' (Dig. 1. 47. 48) 
ju tractiren ^atte. ^ei ^roce§ bagegen, unb jniar ber (Snmtnat 
ptocefe mit bem SitiTtJtoce^ Derbunben, war DorjugSWeife ein 
Zffema für ben ftanoniften, baS er bei ber @£egefe beS jmeiten 
Suc^d ber £eaeta(en abju^anbetn ^atte: unb bie 93ebeutung 
biefeS X^eitS bet 25ccretaten, afö ber ©i^ ber proceffualifi^en 
Sorjt^riften, (ägt i^n auf ben UniuerfitSten feine ©eltung au^ 
ju ber Qät unb ha behaupten, no, nie in äBittenberg unb 
äRarburg, in ber reformntorififten SBetoegung bem fanoitifc^en 
Sei^t im Slllgemetnen bie ©eltung beftrttten mirb. S)ie Sor< 
lefung betrad|tet man aU eine ü6er ben 5|Jroce§ — unb fo tritt 
I|ter bie erfte Unterftfieibung aaä) ber aWateric ^ertior. ©rft nac§ 
ber SRittc be* 16. 3a^rl(unbert8') finben toir I|ier unb bort, 
j. 9. tu Xabingen unb 3ena, für bog Siiminatrcc^t unb Se^U' 
re(^t eine gefonberte ^rofeffur, auf beren ©egrünbung loofil 
befonberS bie eingrdfenbe ©efe^^gebung bti 9teid|2 für baS (Straf» 
ied|t fiingewtrtt ^atte; baS SefinredCit f^int nur jur l^rgänjung 
ber S^raufgabe betgefägt )u fein. 

'Uli ein 89eift)ic( bei bon Italien überfominenen Süßeren 
Crgantfation beS ©tubiengangeS fönnen bie 8eftimmungen ber 
ÜBittenberger Statuten Don 1508 bienen , wl^t SI|riftot)t) 
©^eurt na(^ bem SWufter SBofognaS entworfen ^atW). 3)ie 
Promotion jum SoctalauteuS fegt regelmfifeig ein 2"»jä^rige8 
Stubiinn Dorouä; jum ßicentiaten (oÖfteiner t)romoBirt werben, 
welcher nit^t fünf So^re in bemjenigen 9)e(^te, in welchem er 
bie ,doctoraDdi liceDtia" erwerben WiO, 9}or(e]ungen gebort 



1) «Bälgtet, aemrineä Sei^t S. 95 R. 

2) Statata facult. joreconB. TitebergSDE. ed. Mutber 
IT t. Xic Sittenbeigti; Unifcifitäte» unb gacultatsftatuten v 
1867. e. 29. 83. 



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28 etfttfl ftapiieL 

^at. SBei in Reiben Hielten gtabuiit toerben miü, mug va(^' 
iMifen, bafe er in jebem bret Seigre lang auf einer tiriöilegirtcn 
UniDcrfitat jtubttt ^at Snfaefe lann einem JBittenberger ©twbenten 
ber S3accalaureat unb bie Sicen^ nt^eiCt tuerben, wenn ei f)ier 
jmei unb refp. vier 3at)ie flet^ici iBorlefungen befucfit tfat, uon 
benen bie §ätfte auf baS 6tDilred)t öewienbet jein mufe. 

iSejüglit^ bet fflorfefungen ijt golflenbeä üotgefc^rieben. 
^et erfte Ordinarius jar. canonici (Praepoaitus) foU im 
©ommer um 6 UI)t, im SBtnter um 7 U^r Sßotgen» „titulos 
ordinarioB dÜigenter" tefen; bet Ordinarius novorum jurium 
um 12 Ulit. (Senauaeä ift nii^t angegelien, ba^r ansune^men, 
bag jenet haS iDeciet unb DieQeii^t bie ^ecretaten, biefer bie 
^ecretalen, ©egtuS unb IStementinen ju be^anbeln fiatte. S^er 
erfte Ordinarius legum foK im ©ommer um 8 U^r, im lEJintcr 
um 9 U^r tefen unb jtoar im erften 3at|t ben Tit. Dig. de 
officio ejus 1, 21; im 3n>eiten Tit. C. de pactis 2, 3; im britten 
Tit. D. ei certum pet. 12, 1; im oietten Tit. C. qui admitti 
ad b. p. 6, 9. 2)ei jtueite Ordinarius legum folt Sla^mtttagä 
um 3 U^i lefen unb jWai im erften 3a^t Tit. Dig. A. op. 
nov. nunc. 39, 1 ; im jRietten ^a^i Tit. Dig. Soluto matrimon. 
24, 3; im britten Tit. Dig. d. Verb. obl. 46, 1; im Dierten 
Tit. Dig. de legatis 1. 3)cr Ordinarius Institutionum foK im 
©ommer um 7 U^r, im SÜJinter um 8 Utir, atfo fllci^äeitig 
mit bem erfteu Ordinarius legum feine SBorträge Ijalten. Qaiieiä) 
ift tiorgell^rte&en, bag jebe SorUfung oom 3. 9}obembet an baS 
gange Sa^r ^inbur^, mit Sluänatime ber Safttage unb gerien, 
eine ©tunbe lang tfigtid^ gehalten toerbea foll unb bag bie 
£egiften nacfi SCbfofotrung ber oorgefci^ebenen Xitel auS ben 
folgenben bie „utiliores et frequentiores" auswählen foDcn. 
3>er auf Dier Soljre normirte EurfuS ber ßegiften 5egtnnt nat^ 
älblauf berfelfien von neuem nac^ ber[e[ben Orbnung. 

Ö. 3n ^rag war in gotge ber eingetretenen ©pritung 
unter ben gacuttätcn 1372 eine eigene Suriften'UniDerfitfit ge> 
grünbet werben , üon beren wiffenfd^aftficiier 3:^atifl!eit lotr in 

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9. SinjefM 9l«^8ge(c^(. 29 

jttiei proceffuaIi[c^en ©Triften el)rejin)ertt)e Scwfltiffe 6efi^en'). 
Sie eine, »o^rfi^einlii^ berfoSt öon 9H!oIou8 Sut^itid (1376 
jJtontDtpitt, 1385 Offictol bed Srjbifc^ofg) , (d^tlbeit ben fano= 
mfd|en $tDce§gang an einem fingtrten $roceg; bie anbete, Don 
einem Unbdannten 1389 Derfofet, ift eine.me^r compenbiatif^c 
S>arftettimfl. Sfiaifi ben ^uifiKfc^en Unruhen im ©egitin be8 
15. 3aI|rt)unbertS ging bie Suriftenfacultfit ein. 

9(U ^ßftegftcitten ber 3uitS))rubeiij lommen tm 15. S^^> 
^unbett boräUgStoeite in Setrat^t ffiötn, ffirfurt iml> ßeil^äifl, 
beten nomlioftefte Suriften im gotgenben äufammenflepeUt finb. 

1. ffißtn, geftiftet 1388. — ^einrit^ Don bem Siin- 
bäum*), Henricus Brunonis alias de Fjro, ift ber @ot)n beS 
SnuiD D. b. JB., gegen ©nbe bcS 14. So^t^unbeif« in flötn geboren, 
^t bort ftubtrt, ben @iab eines Doctor Le^m ertoorben mtb als 
^ofeffor gmirft; 1423 tooc er iRectot. 83alb nac^ ©tiftung bet 
Umttetfttat £8men (1425) ift er ba^in berufen, om 10. SIoMmfeet 
1428 in bie juriftift^e gacultöt tedfiirt; lag ^ftitutionen unb 
^anbeten; 1429 Mecti«: ; 1432 giebt et feine $tofeffur auf unb 
teirb ©(^olaftei unb Sanontcuä ju ©t. $au( bei fiättic^, bann 
Cfficial ber 3)onit"^''»)ften bon fiöln, tritt aber 1434, bt& ndU 
lidien Hebend miibe, in bog ^rt^äuferflofter ju ©t. Sarbara in 
Äöln; 1447 mar er ^riot beä ÄtoftetS in SSefel, fpötet in Sriet; 
iie^t gegen Snbe feines £ebenä nad| ^In juiüif, no er am 
19. gebruor 1473 färbt. — ®t ift SÖerfaffer eine« ft^olaftift^en 
Qommentard über bie ^nftitutionen, ben er in Zötaea Vorgetragen 
t|at; 3 UaiQaben s. 1. et a. fol. Sin Don i^m felbft erttiä^nter 
TractatuB actioanm ift unDoQenbet geblieben. Quaestiones HI 
de emtione redituum. Oppenh. 1514. i". ©eine Consilia fdjeinen 
«tloten ju fein; eine Hnso^l geiftlit^et ©(^riften unb fold^, 
toeli^ fi^ auf Slngelegen^eiten fetneS OtbenS bejte^en, foQen 
^antifd)iiftlt^ er^lten fein. 



1) fflul^fi, gm ®ef4 b. rain.=(aiion. ^rocefieä. 1872. ©. 33 ff. 
Si na^ne Sia^aKttungcn bd @linping, Qtefc^. b. ()opuL iiltcratur 
i. 53ff. «. b. S. 2, 664. 



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30 <£ifRB fiatritd. 

Sofionn fiölnet be SSaitrfcI'), Art. mag. et J. U. D., 
ordinär, juris canoa. in Stöln, Deifagte um 1463 eilt Summarium 
textuale et conclusiones tarn glossaruBi quam doctorum Sexti 
et Decretalium, hjclt^es äuerft Colon. 1484 fol. gebrutft »otben 
ift. Notata super usibus feudorum s. 1. 1486. fol. Tabula alpha- 
betica jw Lanfranci de Oriano repetitiones. Colon. 1488. fol. 

SRtcafiuS Bon aSoerba*) ift um 1440 in bem 3)orfe ^e^ft 
0)1 im iSetg Bei Wtä)tin geboKti ; uom meiten 3a^re an erblinbet 
ftubirte er in Söwen juerft bie Artes, bann ^lieologie, worin er 
btc ßicenj crfangte. ©pfiter begab er fic^ nat^ fiöln, wo et am 
20. @e)}tember 1486 in bie Sdttftenfacultät eintrat, bann jur 
SuriStjnibenä überging, jum Dr. decretorum promoBirt tturbe 
unb ata Professor juris canonici »or einem giofeen Äubitotimn 
juriftifc^e SJorlefungcn ^ielt. @r ftaib 1492. Xridiemiud, mit 
bem er in iBriefroet^fel ftanb, fi^ilbert itin alB ein ^unbei an 
©eböc^tnili, ©d^atffinn unb @e(e^rfara(eit. — ©eine 3iorIe(ungen 
über Snftitutionen finb nac^ feinem ^^obe gebtuit: Enarrationea 
Nicas. de Yoerda in IV libros Institutiooum. Colon. 1493. 
fol. Lugdun. 1550. 8". — SaranS ift entnommen: Arbomm 
trium coDsanguloitatis — lectnra. Colon. 1505. 1506, 4", 
Weldie ©ebaftian SSrant mit einem emfjfe^Ienben @})igramm 
gejierl t)at. SDen ^ier genannten finb jloei mir unbekannte 3Iug« 
gaben »orauSgegangen. — ©inen Slntjang Oilbet ber Arbor 
actionum bei 3o^. iSaffianug (l^remonenfiS) mit l^mmentar 
Don 9ticafiu§, ber \iä) aud| hinter ben Casus longi super Insti- 
tutis. Colon. 1497, Bjel(i|e bem 9ficafiu8 »do^I mit Unro^t jii* 
gefi^rieben roerkn, finbet. 

^argngn» ©ifribuä @innomabe§agi8 ^rifiae*), 
Dr. jur. utr. unb «ßrofeffor in fiöfn, ftJQtet Seifig bc3 SRei(i^8= 

1) aSut^cT, jur ®cf*ii^te ®. 101. ©lintitifl, ©tfi^ b. tJopiiI. 
Üiteratut ©. 69. 

2) %1. ©linSing, ®ctif|. b. iiopul. Sitetotur ©.182 ff, 460 f. 

8) aRul^er, jut: fflefi^ic^te S. 100. ©tinffita, ©cfft. b. popul. 

SJiieratut © 47 f. 



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9. eiitjdM «mBfle^ile. 31 

fammetgerid^tS, bei beffm Stöffnung am 31. J0cto6er 1495 er 
jugegen toat, geftorben na(^ 1504. ©eine ©c^tift Expositionee a. 
declaratäoaes titulornm atriusque juris. Colon. 1491. fol. ift 
merfumrlng botHtit^, bag ei bt bie Oon Sartotuä creirte „coUatio 
nadecima' bie ©olbene fBuKe eingefügt ^at. 3Ran nimmt ba()ei 
an, bog ei bn (Srfte gdoefen, Welche flbei biefe SSoiIefungen ge^ 
galten t^abe- 

9Ia(§ fiöln gehört aaä) bct im gemiffen ©inne jur juriftifcfien 
Siterotuc ju jfi^tenbe berüchtigte Malleus maleficarum ober 
§ejen§ainmet bon ben ©ominicanem Sacob ©j)renger unb 
§einrt^ Snftitor*). ©prcngei toax 1475 «ßrofeffor ber "^eo-- 
logte in Si&ln unb lebte bort no^ 1495. Snftitor (Stiümer) 
tDoi SectoT in ©aljbuig unb ttiuibe u. 9. 1495 uom Oibenä» 
generol nad) SSenebig gefdiidt, um übec baS Slltarfaaament ju 
frebtgen. @))ienger loarb uon ©i^tuS IV. jum geaeralis fidei ia- 
quifiitor für Xlentfi^Iaitb ernannt, ein Slmt, in n>etd|em i^n 
SSitnoccns Vin. mittels aSuHe bom 5. S)ecember 14d4 beftütigte, 
inbem er t(»m gugleit^ ben 3nftitor jum (SoUegen betgab. 3n 
bieder SJuHe, toelt^ ben Aberglauben ber fleifd(Iid|en SSermilc^unfl 
mit bem ^£eufe( legatifirt, toeiben bie beiben j^^erric^ter be- 
auftragt, bte ^Auberer unb ^e^en ju berfolgen unb jur ©träfe 
ju jie^. 3m Sntercffe i^reS Smtä terfafeten 8etbe baS ge* 
nannte SBerl, ipeli^ boiS fleif(^li(^e Sflnbnife mit bem Sieufel 
t^oietifc^ ju begrünben unb bnrcl jal)[rei(^e Seifpiele ju beroeifen 
fu^t, enbfiti) ba^ Serfa^ren barlegt, mel^eä uon geiftlic^en unb 
iwUlü^en düc^tem gegen ^e^en etnju!|a[ten ift. 'S)ie erfte batirte 
SEuSgobe ift Colon. 1487. 4", außerbem brei unbatirte; 6i8 jum 
Sa^re 1600 ^at e8 noi^ minbeftenS neun äuSgoben erlebt. 

2. grfurt, gefliftet 1379, eröffnet 1392, ift im 15.3al|r= 
^unbert für hai ©tubium ber 3uriä))niben5 uon ganj tiertor* 
ragenbet iSebeutimg gooefen*). Sie SnferilJtiDnen in ber 9Matri(el 
Bon 1395 bii 1500 ergeben, bofe in biefem ^e'ttttum bie ^üfl 

1) ffifidiUi, «eitragt @. 90 f 281. Schutte, ghfi^id^tc 2, 376 f. 

2) SRnt^cT, )UT <»t\äi. b. »a^Mmiftenft^aft @. 201—315. 

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32 Sr^eS ffopltel. 

her Jnra ©tubirenben etwa 80 bi^ 350 im 3a^r betrug , anl> 
wir »erben feilen, wie p^ anbete UniBerTttäten (Set^Jiig, Safel) 
bei i^rer ©liftuitg gerabe mit (Srfutter 5|JrofeifMen bcc 3uri«= 
pruboij »etforgten. SwiS bebeutenbfte jjrDteffualift^e SJe^f uni> 
^anbbui^ beS auäge^nben SDfittefaltecä „Res paciöcus"'), 
melf^eS fett bec Sßitte beiS Sa^t^uitbertS bem ^anonttitanuS 
jugeft^rieben'nurbe, getiört tDctl^rfd^einlit^ ebenfoQ^S nac^ Srfurt 
Sein Sßerfaffet ift Sfo^ann Urbat^, D, D. in ©rfutt im 
3(nfang beä 15. Sa^rtiunbetts, beffen 9Iame fp&ter in ^ueibad» 
DerWanbelt iootben ift. 

ffonrab 5:^uj8, 1377 Soccalariug in «ßtag; 1391 ate 
Canonicus eccleaiae S. Mariae bei 9)Hnben in ber 2iutiften= 
UniOetfität in ^rag immatriculirt; 1402 in @rfurt als Decret. 
Doctor intmottiailitf; 1403 Mector; 1411 a(8 D. J. U. crftcr 
Orbinariu« in fieipjig ; 1422, 3. 3Boi, in Stofiod immatriculirt, 
bann tuieber in £eil?jig, roo er nod| 1431 genannt wirb. 

So^annc« ^o%. 1395 im Sinter atä Sof|. ©öS be ©ufato 
in grfurt immatriculirt, 1408 bort Mector „Bacc. in utr. jure" ; 
1409 in Söbed als Presbyter celebrans bei @t. aSarien; 1416 
a(ä ^otonotar be§ iRat^S uon ßübed begleitet et eine @efanbt? 
f^oft jum ßonftanjer SoncU ; 1419 in Sioftod immatriculirt als 
Bacc. in leg.; 1421 JRector; 1423, 1425, 1428 Wector, a(* 
U. J. D. 1429 mä) Erfurt, WO er mäi 1447 genannt wirb. 

arnoib S3eft|)^al, 1399 in Sübed geboren, ftubirte in 
ßcifijig unb Sioftoct, wirb al« Licent. in jure civili 1428 in 
©rfurt immatriculirt, 1430 iRcctor, bann Doctor jur. caaon. 
unb 1432 Stbgefanbter ber §od|fc§uIe jum Eoncit in S5afet; 
1436 in Seipjig SRector unb Dtbtnariu« ber Suiiftenfacultät^ 
1443 in 9toftod 9}ectot, geE)t 1444 ab nac^ S&btd, Wo er bad 
S)ecanat ber bifd|3fttd|en S^ä)i befteibet unb 1449 jur £Bifi$Df§> 
würbe gelangt. ®r ftarb am 3. Sanuar 1466. 

1) Jo. ürbach proceasas judicii ex recognit Th. Muther. Halis 
Saz. 1873. 80. %!. Stinßing, (Hefd). b. Ipopal. Üitttatux 6. 236 ff. 56» 

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9. einzelne »e^tegele^tte. 33 

31061 Srfnrtn ^ofefforen tourben bei fSegriinbuRg bet 
HniöerTiWSt 1460 naä) JBaJel 6etufen, um lanoniftfieä S«^t ju 
I^n, )ofit)[enb fax bie Lectnrae in legibus Staüenec gewonnen 
waren. ©er^arbnS in Suria (Sm^of) be SBerta, ber 1441 
in Srfuit immatriculirt, 1459 aU LicentiatuB io utroque jure 
dtector War unb 1460 jum S)octor promobirt luurbe. 3n S^\ei, 
Wo et GTanonicuS 511 ©t. $eter unb 1462 9lector war, \^mt 
n fpftter au^ 6tj)ilred|t ßelcfen ju ((Oben. (Sr ftarb 1485. 
3)Iit t[|m ging SoH"» ^elntic^ be iBerla nat^ ®afel als 
Lector in Sezto, nat^bem et 1454 in Srfutt älector gewe|en. 
1463 war er Mettor in fflafet, ging 1475 nad( Ä5In, wo er 
1489 als S)etan bei 8(pofteIftr^e ftarb. äße^iere bei i()m 
nai!|gef(^net>ene SoQegtentiefte befinben fid| auf ber 99a{e(ei 
»ibliot^. 

©er bebeutenbftc Surift grfuttS tft o^ne 3weifel Henning 
®äbe auiS ^betberg gewesen, ber 1474 tntmatriailfrt, nad^ 
etwa 30jfit|rigei X^ätigleit als alabemtfc^er fie^rer unb 9{ed|tS=' 
confulent 1510 nad| äßittenbeig überfiebelte, Wo Wir i^m wiebei 
begegnen werben. fßHt bem ^ufbÜS^en SSittenbergS unb unter 
ben ncc^^ieUigen Sinwiiiungen bürgerlicher Unruhen erfofdi ber 
btgt)erige ©lanj Erfurts. 

3. ^ Set()jtg') ift neben ben fi^on bei ISrfurt genannten 
^ontab %^ai, mit Wel(^ein bie {Reil)e ber Drbinarien beginnt, 
unbXinoIb Seftp^al, noc^ju nennen Sacob 9tabeWt$ auS 
^a, tm nttt Srfterem 1411 Don Srfurt nad) Seipjig fam unb ^ier 
1412 Sector war. Um 1413 ift er tjon granj ^abareüa in 
$abua gleichseitig mit 9tifoIauS be ^beS^id (^anormitanuS) 
üum 3)octot ptomobirt. ffit ift einer ber brei Se^rer beS Eano= 
ntf^ Stents, beten ber QianonicuS bon Upfala, jlarl wn 
SBeSlanb, afö et 1424 in fieipjig ftubitte, rü^mcnb gebenft. 
IHe Seipjiflet Sibtiot^ bewa^tt §anbf(f|riftlid)e3 Don if|m. 



1) (D. eetbti) btt Orbinarien bn OuriftmfacuUat gu£eit)}{g. 1869. 
SEut^ti, gut Stf^ldrte @. 74 ff. 

eiliflig, «cf«. t. ani*tinbai|. L 3 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



34 fficfM Ita^ätü. 

^ermann ©teinberg au» 3)uberftal)t, U. J, D., ift l'fW 
in Stfutt hnnitttttcuUrt, 1457 in Seijjjig 9i«tDt, bann 1464 in 
®ifuit ai& 9tectDi unb $iDtonotar bet @tabt tKijeü^net unb 
no(^ 1475 genannt 

Xfjeobotit^ non SoÖSborf, ©ruber bo» SRerfebutger 
^omfjtmx 'Xi)<mmo bon EB., in ber 9heber(aufif| gebotot, 1429 
fflaccoIaureuS, 1439 al8 D. J. ü. Mector ber UniwryiWt Z^ii^. 
1442 Otbinariu« ber Suriftenfocultät; 1463 8tf(^of bon Moum» 
bürg, 1466 geftorben. lieber feine ©eaiAeihatg ber @loffe jutn 
©ac^fenfpiegel , ben er in ben mei|nifd|en ^aleft fibntmg, 
unb anbete ©(^rtften ngt. ©to6be 1, 384 f. ; SWut^er, jur 
@efä|i§te ©. 81 f. SRanufcripte auS fein« Söibtto^cl beftnben 
fid| in ber fieipjiger ©tabtbibliDtöd. 

Sodann e6er^aufenau8®5ttingen, 1450®accaIouteu6, 
1465 äßagtfter, 1463 a(S D. Decret fÜedot ber Uttioerfttät 
£ei))3ig unb niot|( feit 1464 OibtnariuS, gestorben 1484. Uriiet 
feine ©cfiriften, namentli^ feine üßorlefungen ju Urbadi'3 9(Jroce§ 
Bgl. SWut^ec, jur ©efc^i^te ®. 87. 

Sofiann oon ©rettenba^ tiatteitaUentfi^e UntOerfitäten 
befu(f|l, in Perugia mit 9{u^nt biäputtrt, foQ 1465 jum D. J. U. 
()ri)uuiöirt fein unb toor feit 1479 JDrbintttiuS, wo^tfc^einüc^ 
1507 geftorben, tion ^coDtragenbem Sin^ug auf ba^ Einbringen 
ber fiemben 9ied|te in bte ^a^tS ber ffii^fifc^en ®ertc|te. Ueber 
feine ©dirtften »gl. aWut^er, jur ©cf^it^te ®. 89 ff. 196 ff. 

4. ^en ^ier nad| (ocalen ®rupt>^n geoibneten 
9}amen finb not^ bte folgenben beisuffigen; $eter 
bon Vnblau*), au8 einem alten Slbeldgefd^Iec^t im Slfag, 
ftubirte in 'ißabia unb toatb Doctor Decretorum, bei ©tif» 
tung ber Uniberfttät ©afer 1460 Lector in Seito et Ordi- 
Darius; bifi 1481 SHcetanjter ber Uniberftt&t; ^ofift gu 



1] Sgl. Stlnßing, 3a|iuö ®. 82f. $ütteT, Sitnatur beS Staat«' 
rw^tS 1, 77. Bittet, ®*fc^. b. UniDet(. Sa|tl ©.288. «. b. «. I, 431 
(Don <Sä)ttiU). 



.dbvGoogle 



9. einjcbie VteäfttgtUiixte. 35 

SoiiteibiK^ unb SanontcuS ju (Solmor. @mt um 1460 gef^rte« 
boKä SBeri de Imperio SomaDo, bei erfte iSerfud) einer 
tmffen^i^aftlt^ett SiarfteOung bti beutfc^eS ©toatöm^tä, ift 
jnecft bon Wt. gictiei, ©ttagburg 1603, mit ^nmeriimgen 
^ouBgcgdwn. 

Ubi^ firafft*). au8 patrictfi^em @ef(^Ie(^t ht Ulm 
ftammenb. War f(^on 1474 ©rifttit^cr, ftiibiite mit ©eboftian 
Sioitt 1475—76 tn-Safel, tooib in ^jlieibutg äRagifter, 1478 in 
^bingen immatricultrt, 1484 in ißaDia jum J. ü. D. prO' 
mawct, 1485 Sector in Xübtnflcn. 3m 33ecembet 1490 wirb 
mit i^m Ober eine ^Berufung nad| ^retdurg bcr^anbett; am 
2. Sannar 1492 ift er ^ier immatriculirt. 1495 toitb er atS 
Legnm Ordinarius niu^ Safel berufen, tritt am 1. Sitli bort 
in bie gocultöt ein unb »trb am 18. Octobcr jum Wector 
gdoä^It. 1500 er^filt er eine $frünbe als Sanonicuä ju 
©t. $eter, »eriafef ober fi^on im folgenben 3a^re, toie fein 
ßoHege ©ebaftian SSrant, ©ofel unb nimmt eine ^ßfarrfteHe in 
Ulm an, too er jtoifc^en 1515 unb 1518 geftorSen ift. 3'»f'"*' 
bn ao^I in ^bingen fein Schalet getnefen fein mag, nennt 
i^n in ber Epist dedicator. gu ben LucabratioDes 1518 „dum 
vixit inter Germaniae doctoree antistes". @d)riften Oon ifym 
finb niif|t befannt, 

SWarttnuiS Uranin» ^renninger') aus Eonftanj ift 1472 
in 3ngo[ftabt aii Mag. Art. immatriculirt, barauf SbtiDcat unb . 
Äanjfcr beä Sifi^ofs in feiner fflatctftabt, U. J. D., in SSbingen 
»on 1490 bis 1501 juris pontif. Ordinarius, ßt^f'"* nennt 
t^n in feiner Scholia ad 1. 2 D. d. 0. J. 1518 p. 25 „com- 
patrem □ostrum, nuper cum jactnra literarum defunctum". 
©n viel bef^ftftigter 9le(^t8confutent, beffen iSonfilien gefammeft 
fmb. Francof. 1597. 1607. 3 toI. fol. 



1) SgL etin^tng, tt SafiuS @. 14. 23. 312, »o nit^cn Stac^ 
»rifiragni fleflcbtn finl)- Sif^Et, «ej^. b. Uniwrt. fflafd @. 343 f, 

2) 8flL Stineiiifl, 3«^"* ®- 19 f »H, namentlit^ aber ©eegtr, 
bit ^frt^tL consilia Tubiogensia. 1877. @. 7 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



36 ffitfle« «oplteL 

Äbam SBetner») au8 a^emor toor bon 1491 biä 1537 
iprofcffot feer SurtS^rubenä in ^eibelfterg. gt geliört ju bem 
Aretfe bei rtieinif^en ^umantften; 3'if''''^ nmnt i^ti 1495 in 
einem Sriefe an ^azoi Sod^tt Sß^ilomufiiS „delicias meaB". 
©ebnifft ift Don t[)m nicfitö, bagegen mandieS $cuibfc^rtftltd|e 
eitialten. 



1) etin^iitg, eef4. b. ^lopuL Sttaatur S. 176. {tauß, @e{c^ b. 
llniunf. ^btlbeig 1, 360. Zuü Epist. p. 365. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Der Sieg bcs römifdjen Hcd^ts un& öcr 3urijicnfiati&, 



1. Sortennhtng. — 2. (äcunti bei IBUItiQftil bcS iSm. 9)e^S. — 3. Seine 
Uiim^dft Ucbnltgm^t. — i.' 3)ti fflagf)negrl. — 6. SMS tl&ßetbcii btS 
S^affött^mS. — 6. UmgeftaUung bei fRtt^tip^t. — 7. $i>Iitif<^ l^beu« 
tung bn 9tece))tun. — 8. 2)ei ^uriftenßanb. UmwifitlltSIe^nr luib ^laftiter. 
flcttttPci^bune. — 9. Sefc^tneiben üExi btn 3un[tenttanb. — 10, {ÜlbungS* 
gong ber Suiijten. 3)te ^(bgele^iten unb bte ^pt)uläre SitenUui. 

1. SJie 3^atfad^e, ttelcf)e toir bie 9iecej)tion*) beiS römij^en 
Se^tS ju nennen (jpegen, tft ein langsamer ^iftorifiiöer Sßrocefe, 
totli^t fii^ bur^ tnetiiece ^a^t^unberte ^inbun^jie^t, 6et beffen 
ijkilauf unb ISoQet^ung bie fioUtifc^en unb fociafen Sejie^ungen 
S)e)itf(^Ianb3 ju ben rotnani[i^en Stationen foh>of|l, tute bie 
nutnnigfalriBffen in ben ^eimi)d|en SBet^ättniffen begtönbeten 
Utfa^en jufammengelvidt ^aben. 

äRan pflegt biefen ^tftorif(^n Soigang genOftnltt^ in Set* 
^inbung mit bem Einbringen beä fanonifc^en tßfl^ts ju bettaditen ; 
unb in ber 3^at tft bie 9{eceptton beibei Steinte nu^t nui in 
gctvtffem ©inne glett^jetttg ge[d|e^en, fonbern eS ^at audi, mte 
oben g^igt tuurbe, baä !anonifi^e o^ne eS ju tDoQen bem 

I) ©ttnglng, U. 3a|tu9 @. 30 ff. 1857. ^rantlin, Seitr. g. »ef«. 
b. Mtception. 1863. ©tobte, ®c!4, b. b. Me^KqueHen 1, 609 ff.; 2, 9— TV). 
1864. ©(^mibt, bit StecttJtton befi ri}inif(t)en Ke^B in Zieutf^atib. 1868. 
€t91)el, bie entiminiutg beS geteilten iRi^lert^umi in bnitft^ XeiritDrien. 
3Sbe. 1872. 3Robbeiinann, bie STecefition bee iBmtf^ Slei^tS. lieber' 
fe^ttng ans bem ^DnänbiffCen mit Sufnpen Bon ß. ©tbuIB. 1876. Ott, 
»etträfle jur Sece^rtionSflefi^i^te be» rämif^n Sle^tä in bm ba^miftfien 
auibem. 1879. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



38 Sm^Ui ftat>ttel. 

tüm^äjta bte SSJege gebahnt, e« hinter fidi t|ec S'joga. Wim 
bentio^ muffen bte beibeit 93orgänge getteimt batgeftedt toerbot, 
toetl fie in i^ien ©tünbm unb m t^iem 93etl(aife buidioud ber« 
fii|id)cnattifl fmb. SWan lonit bon einet Mcceptton be« (aiiomfi^ 
jRed^tä in bem gtetdim ©inne tote bei bem lömift^en gat nü^t 
leben, ueQ, fo lange eS überhaupt ein (anonif^ 9te<^t gab, 
bemfeiben Don Einfang an ein beftimmter 91auin bec ©eltung 
nnb Stnurabung in £icutf01anb unbeftritten gtdmn. gOt hai 
gonjc @ebiet, toeld^eS bte ßitdie be^errft^te, toai t& tton jje^ 
ptaltifi^eä, geUenbeS, gefet|[id|efl Steigt, unb nut bte Sttveiterung 
biefeä ©ebietä, nti^t, tote beim r5mifcf|en 9Uä)t, bie erfte ^ 
giüii^mtg beS gefe^Ii^en SCnfe^S unb bei {»taftifd^en Simoeit« 
bung, ift.^egenftonb einer fiiftortfc^en ffintffiiilung gctoefen. 

Sott bet Geltung beS [anonifi^en Slei^tä toar im Ooitgen 
Kapitel bte Siebe; auc^ \a^m. Voix boxt, tm fd|on im 13. 3<i^i== 
^unbert bie ri)mif(^ fRti^tSgeKe^an^it na<^ !{)eutf(^{attb getragen 
toirb. S8it finbcn fie ftetgenb in bcr fiitcratur unb «profiS t>et=^ 
ttert^et. S)et ©taube an bie für bai gange SRetc^ flütttge 
Sdttorit&t bei Suftimanifi^en fRt^tibÜiSjtt ift ju einer geft^it^t« 
tidien XRac^t getooibot; ber 93egnff eines laiferlti^en gemeinen 
9tei^tfi l)at fic^ gebilbet unb befefttgt. 

aSon ^tet aus langfam t)orfc^reitenb, bottjte^t fi^ bie ^t* 
fAt^lid^e Sinbürgeiung, unter ©c^teiertgEetten unb äBtbeiffirüt^, 
ungletd) an t)erf(^tebenen Diten, in ben Deift^iebenen Stdnben 
unb SebenStier^Itniffen, ungletdi au^ bejQgUd) bcr berft^iebenrn 
3KaterieR unb fRet^tSinftitute. SolEb ift ei ein f^iontaneS Semen 
unb Slfftmtftren, balb ein me^r ober minber rüffftc^tSlofeS Sprangen 
oon Seiten berjenigen, beten SebenSberuf mit bem ftenibeit Setzte 
beraut^fen ift Ungleii^ unb fd^toanfenb ftnb bie einzelnen 
©glitte; uuKat auc^ baS 3ict' ^fi ^te Sebiegung entgegen- 
fttebt. Unb wenn mit bte SHecejition alft bollenbet betrarfiten 
tonnen mit bet erften ^filfte beS 16. So^^unbettS, in fo fem aU 
nunme^i fein Uebetgetott^t in ber geriditltc^en $ta£tS entfi^tebea 
ift: fo ^at bod| neber je^t nod| fifltier bet Umfang fetnci 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3, «nmb ba eülligtrit. bcS iSm. »t^tS. 39 

®nlttgfett, baS 3Rag bei brnbenben ^aft feiner gefc^nebenen 
Urfanben, fein SSer^filtnife sam Iwünif^ Met^t burc^ f^arfe 
Giengen bejeti^net tneiben fSnnen. 2)te abfohlte, unbäiingte unb 
anSfdilte^i^e SntDenbbaifctt otlet int Corpus Juris entfiaUenen 
dtt^i^ä^ tft niemals entftKi^ b^aufitet uoiben: ober man ^t 
tDcbcr bie @rünbe ni»^ bie ©cengm [einer binbenben ftraft frittfc^ 
unterfuc^t unb eben fo menig jnit[cl|en fomieQer (SefetK^ftaft unb 
ber rationenen Autorität fetneä Sn^ott« unterfi^iefaen. 

aSir Werben im golgenben bie Seceptbn junflc^ft Don t^rer 
inneren tet^nifi^en @eite betrati^ten; bann, inbem wir bie Um« 
geftattung bei 9lecf|tSt)^ege jeigen, i^re 99ebeutung für bie poli* 
tifc^en imb focialen äki^filtntffe nai^juwetfcn fut^en. 

2. SBenn aucE) bei (fingft etngelebte ©laube an bie %Cutoritdt 
be« laiferfii^en unb pä()ftli(^ fHtä)t& bie fflorauSfegung il^ier 
Äntoenbung wor, fo ift boi^ bie ^atfac^e i^rer (Sin6ürflerimfl 
nur jn begieifen, wenn man ftc!^ bie Stellung, weifte bie beutfc^e 
9}ed|t8pf[ege jum gefd^riebenen 9ted|te überhaupt einnafim, Oer= 
gcgenwfirtigt. 

(&i liegt im aSefen beö ®d^5ffentt|um«, bag a(S le^te Ouene 
beä 9t«^t« nur bie perfönlic^e Uebei^gunfl beS Urtfjeilcr« wirft, 
Welche ft^ bui{^ leine fiugere Autorität gebunben fflt)[t. 2^r 
begriff beS jWingenben ^efegeS, bem bie perfötitii^e äReinung [xi^ 
unbebingt untcrjuorbnen ^abe, lommt §ier ju feiner ©eltung. 
3)ie SJec^tSaufjcii^nungen ader ^it finb bem ©c^öffen nit^t 
binbenbe ©efetje, fonbem ^fllfämittel bei Sifenntniß, fiSete^rungen, 
bie t^ baju bienen, feine Ueberjeugung ju bilben. 3a feEbft 
ba« ^»erfommen, bie ©ewolin^eif, ift ifim nii^t formell binbenbe 
SVonn, fonbem SfJotiD, Uebeijeugungggrunb. ®r urt^eilt banac^, 
weil ei fi(^ babun^ 6eftimmen lägt: benn ei tft geneigt ffir 9}ed)t 
)U galten, was unb weil eS immer fo gefialten wuibe^). 



uiB btr ^la^i M SHogbefi. ©(^BfftnfluWa. 3ettf(t|rCtt f. iR-ffl. 9, 24—86. 
$laittf, baS b. etri^tfiWTfa^ien im W.VL 1,311 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



40 3>D^tc8 SapM. 

©ei biefer Stellung bet SRe^tSpftege jum Ket^te im o6jec= 
tttieii ©inne mar e3 natürlit^, bog bie gragc na^ bem formeKen 
©runbe unb bem Umfange ber ©ültißfeit ü6«tliefetter Utä)ti' 
aufjeit^nungen taum aufgetuotfen, nod) tDcntger fc^arf untcrfui^t 
tourbe. £8 genügte bet ©laube an i^ren inneren SSJer^, an 
bie SeiS^eit unb Sr^aben^dt i^ieS Uitiebeiä, ber f"^ °^^' 
bingS ^äufig auf fagen^afte Ueberliefeiungen Don bem Utfptunge 
unb ber aufeeren STutorität itu^te. Unb offenbat fanb tftet 
eine SJef^feDuirfuna ftatt jwift^en ber ©^rfurc^t , bie man 
einem 91ed)t$bud^e goQte , unb ber ©agenbilbung über feine 
^etfunft. 

®o erllflrt fi(^ bie ft^inbar flefe&fic^e ©ettung, Welche bie 
Don $riDat))erfonen tierfagten beutfc^en 9{e(^tsbü(^er gewannen, 
eben fo bie SSanberungen berfelben bon Ort ju Ort, bon ©tamm 
ju ©tamm. S3ie bie ©age ben ©odifenfpieget auf fiarl b. ®r. 
jutüdfütiite , Jo berichtete fie, ba^ Äaifet Sottiar II. bie Se^re 
unb ^ntoenbung beä römifc^en 9}et{|tS gefegtic^ befolilen ^abe: 
Stifi^Cungen, in benen nur bet f(^on beftelKnt>e ©taube an bie 
Ifo^e iBebeutung jener gefd^riebenen Duellen feinen ÄuSbrud fanb 
unb feine ©tü|c fud|te. Iiiejer Kimbu« gläubiger SSere^tung 
fteDte bie römif^en fRec^tSbädier in gleiche Sinie mit ben beut^ 
fd|en, unb ed tonnte für ben einzelnen t^aSi nur baiauf on^ 
fommen, ob ber ©d)öffe bur^ biefe ober jene feine Ueberäeugung 
beflimmen lieg. S^enn bie ^arteten ober äfnwdite tt)m bte @runb= 
fd^e ber fremben Siechte aufjubtängen fugten, fo lag bacin feine 
Weniger beteifitigte ^rätenfion, a(« Wenn fie fic^ auf einen aufeer» 
tlQlb beä ©eric^täfprengefiS entfianbenen ©a§ bcä beutfd)cn Äec^tS 
beriefen. !£ienn nicf|t bie formell binbenbe Slutorität fam in 
SBetrac^t, fonbem bie innere firaft, mit Welcher bie gefclEiricbcne 
SRonn auf bie Uebetjeugung einjUWirien Oermoi^te. 

§i(r aber mai^te fic^ ein SRoment gettenb, »etd^es bem 
römif(^en SRec^te ben ©ieg üert)ie&: es ift bie geiftige Ueber= 
legeii^cit, bie in bemfelbcn ajfafee hjat^fen mufete, in Weltfern bie* 
alte Ätaft beS ©c^öffenttjumä betfiet. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. 3)tc ttäpn'iite Uc6rrbgat^t bt« tarn. 31n^. 41 

3. 9nierbmQ!8 ga6 eä in 2>eutfd|Ianb eine faft unfiberfe^bace 
^De b0n 9te<i|tSaufjeid|nungen. ^nn neben ben ölen genannten 
91e(^töbfi(^ern befa|i baä mannigfartig geglid>ecte 9fei(^ in ben 
®tatutarrc(^ten bei fifinbei, €täbte nnb anbeien @emeinbeit ge< 
ft^riebcnc 9l6nnen, bte fi^ auf SJerfaffung, ©träfe, @erii!t|t «nb 
bie aSe^tniffe be« SJermößen» nnb bei gamilie teiogen. Slffein 
e* fetten btefet güllc emjelnet Wec|t«fä§e mit bem inneren 
3ufamaien^ng unb ber princtpieDen @n^eit bie te^nifd^e SJoUert' 
bung mtb felbft bie i)|ä^g(eit biefe ju erlongen. 

Unat bie iBmifi^e Station mit i^ier etgent^ümlu^en Se« 
ga6ung )ui Stet^tSbilbung tofirbe eä barin jur SoQenbung nti^t 
gebraut ^oben, Ivenn biefelbe ntc^t t)on uom herein jui Sin^eit 
jufammengefagt rooibm tDÖre. 9tom vat unb btieb ber Sßitte[= 
punh, in u>e(t^m ft<^ bie red^tSbilbenbe fftaft concentrirte; ^ier 
gelangte jinn SuSbrud, mad im Weiten Seben beS (Staats unb 
ajerle^r« als ©eburfnig ober UeSerjeuflung fi(§ regte. 2)te ffiraft 
ber ganjen SRation mtrtte jufammen unb warb in dnen Stenn^ 
t>unft gefammeft, tnä^renb ber beutfi^e ©eift ft*^ in bunter 
9Rannigfo(tigIeit jerfpKtterte. Unb biefe 3nff)Httening ge^t bis 
jum 2lnbil>ibucnen ^erab. $)enn bn beutf(^e ©c^3ffe, bo« leben- 
bige Organ ber gortbilbung beS Ste^td, fonb fein Urtlieil ober 
äSei^St^unt im StugeHilte beS etnjelnen ^allä, tiielfac^ nur buxit 
fein fubjectiueä SWeinen beftimmt, auä ber eigenen (letfönlic^en 
Ueberjeugung fdi&pfenb, o^ne fti^ über bie ©ifinbe, ben Qh' 
fattnnen^ang mit anberen 9Iec^t8fätjen unb ^A^eie Sßnnctpien 
Sec^enfdjoft ju geben. Sr fungirt alfl tebenbige Cuelle, feine 
I|i(|eTe Suforitfit ald baS in feinem ffiemugtfein febenbe SSiffen 
filt fw^ aner!ennenb. 

@ani int @egenfa{|e bagu ift bie Slec^tSer^ugung, itwld^e 
fit^ in ber rflmijc^en Rechtspflege tjoaiie^t, feit früher 3eit eine 
bun^ bie äußere Autorität bei jus unb ber jnrisdictio gebutAene 
nnb boEiet jur Sin^eitli^feit jufammengcfagte geniefen. ©ie beginnt 
mit ber „interpretatio" beS ©efefee« ber XII tafeln, unb felbft 
bie freiere öilbung b« Sbicte fudjt junflc^ft bie minbcften« 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



42 SuKitc« ftotritel. 

formale Snte^nung an bte verba legis. S3o toir bcn SlnfAngen 
euttö goctf^nttS im 81«^te begegnen, ba fe^en UKt baft 8e* 
mü^en, fie in eine. JJaÜe ber SBorte ber ge(d|riebenen ©oftmifl, 
fei ed bei Qe; ober beiS (SbtctS, einjuf&gen. 3n biefem EBemfi^ 
finbet bie jniiftifi^e Xet^ntf, bte Sonlequen) beS 2)etitenS, ä)ie 
SluSbUbung; in biefet ^6unbenl)eit tourjelt bie @tStigfcit bec 
f£ntiDtd[uitg beä Stei^tS, bie 9Saf|ning feineS inneren 3uf<immene 
I)ang{^ unb bamit feiner princi|iteDen Harmonie. 

Sm gretf6arften firUgt fic^ ber ©egenfa^ ber Statur betber 
dle^tsbilbimgen aus in bem Unterfc^tebe ber tömift^ett Sctio 
Oon ber beutf^en ^age. S)iefe ift nur eine Sefd^tDeibe aber 
flef(§e^e8 unb fort6efte(|enbeB ofijectiDeg Unret^t, ju bcffen 8e* 
feitigung bet 91ii^ter angeru^ »tib; in bie ^onb ber Schaffen 
ift eS getegt, au$ ifirem iBetougtfein ju „jinben", Waä baä Siechte 
fei. 2)ie rbmifi^e Sctio bogegen ift bte SBoffe, mit Uwlt^er ber 
IBÖrger jum Äampfe öortritt, um fein SRedit ju criWingen. !^xm 
Andere älutorit&ten ft^en i^m jur @ette, bie ät^ unb baS Sbict, 
auf ®runb beffen er Derlangen Fonn, ba| bet $iätor i^m bie äfctio 
getoA^ @at er fie erlangt, fo ^anbelt eS fid) Jm@eri^te ni^t me^r 
baium, baS 91ec^t ju finben, fonbem nur banun, ju entfc^eiben, ob 
bte t()atf&c^Iic^en Sßotauäfet^ungen im tiortiegenben golle Doi^anben 
finb, bon beren concretem Safetn ber ©tfolg ber actio ab^ngt. 

S)e& E|tftonf(^en @egenfa^S, tveldier bie rBmifi^e Sctio Don 
bei beutfc^en iHage tiennt, toor ft(^ bafl SDtittelalter nid)t 
bemugt; unb eben loeil bie f)>ecifif(f| rümift^en Sigent^üninc^feiten 
ni(^t erlannt tourbett, mar eS mfiglii^ bie 9(ctio ju reci)>tren. 
@en)tg ntt^t in t^rer etf|t römift^en 93ebeutung tft fie xeäpizt, 
aber in berjenigen, »elc^e no(^ abftreifung beS flwcipfrfi SlatiO' 
naten übrig Uebt 3n biefer Umbeutung ift bie Üctio hai jur 
aSerfoIgung gcrüftete fubjectine '3ttä)t, baä Met^t bei» ©ubjectS, 
foimuliit als ®runb feineä geri(^tli(^en iSege^ienS. 3n biefem 
©tnne Ijot ft^on ber ©loffator Sßlocentinu» (t 1192) bog SBefen 
bet ?tctio fi(§ juret^t gelegt'). 

1) »tt^mann'^ollrotg, bet aioiHrcoctfe 6, 22 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. »et JHoflftrfeael, 43 

3n boi Äcüonert finfa bie fufijectiDcn Äedite für ben geriet« 
Ii<^n 0e6rau[^ fonnuttrt, unb bie Uebeifegen^ett, todd^t buc^ 
biefeS ^obiurt jtiiiftifd^et Xei^ntf bem idmifi^en 8}«^te gese6nt 
hKtrb, mugte bcm beutf^en ^alHfer unntUtelbar entsegetttieteit. 
Xlqm liier lug ju festen 'Sifpta ouSgebtlbet Doi, mas hai beutft^e 
Slet^t nuü in oeryd^ommenen Umtiffcn jriBte. ©ie enthalten bie 
91c(§t^6egii^ in fc^arfet ©onberung uiU) jtoftr jugteid) in ber 
2ur gerii^tfit^en 3)uid^ffi^iintg geeigneten ^eftolt 2>ie )>i:afttf^ 
Sinffl^nuig beS tümtfc^en Wet^t^», )De(d)e juerft nur fporabtfd^ 
in bei SntDcnbung einjelnei Stei^täfi^e erfc^ienen ift, bricht fi<$ 
breite 9a^ butt§ bie Hctio, Uefd|e man ju fliagformetn, 
gonnulare ffir bie 9tgrfitd>ung »on Jäagen, nmgeftaltet. 

4. Se^nlü^ toie um bret 3al)t^unberte früher bie @toffa: 
toten bie )}rahtfd|e Sinfu^ning beS rSmifi^en Slec^tS juetft unb 
bor allem bur^ @^riften fibec bie Setionen ju 6efefttgen bemfi^t 
gewcfcn Baten ^), fo erfd^nt im Anfange befi 15. 3a|rf|unbert* 
in Z)eiit{d)Ianb als ba^ erfte unb imr!famfte dtt^übüi) f&r bie 
^aji8 ba« nmfafTenbe SSetl, loelc^ fpätet ber treffenbe SRamc 
»bei ri^terlid^e Älagf^tegel" beigelegt »orbcn ift*). 

m f^eint biefeS SBert uufptfingl«^ feinen STitet geführt 
ja f^aben ; m^ter bte etnjige befannte ^nbft^rift noc^ ber ditefte 
^turf trägt eine Ucberfi^rift ^e fpöteren bem 15. Sa^r» 
^unbert angd|5ienben ausgaben nennen fid|: „C£tn neu geteutfi^t 
JRed^tSbud) gejogen auS geiftltt^en unb tveltlit^en Stetsten" unb 
„Slag, ffntmort unb auSgefprodiene Ur%il gebogen auä geift» 
fic^n unb mettlii^en a'^ten". iSrft bie »on @eba|tian 99rant 
in ©trogbutg 1616 (fol.) beranftottete Äuägabc trägt ben oben 
angegebenen, feiti>em 6et6e^attenen Xitel. 

Sin unbelonnter SBetfaffec f|at btefed „geteutft^te %ed|tS> 
buf^" im anfange beS lö. ^^r^unbectS ju ®(^ttpä&ifd)<$aa 
geft^rieben; eä ^at feinen ©nflug auf bie ^ßrai^S uoi (Srfinbung 

1) Sel^manti'^ollneg o. o. 0, 6, 18 f. 

2) Suefü^it^ee bti etiüBtng, «tf^ b. popaL Sitaabir 6. StapHtl 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



44 SmcileC Sapittl. 

bet SBut^btuderfunft begonnen '). 3n ^attbfc^riften »erbrettet etlttt 
eä maiK^etlet Scrunftoltungen. 3n fott^er cortuin|)trten ©eftalt ift 
e§ im 7. ober 8. 3at|tie^nt beä 15. ^Q^i^unbertd juerft gebnidt 
tDorben: tm Snanu)cript mar bie ucfpcflnsltc^e Dcbnung burdi 
^lattuecfe^ungen geftört unb mütii^e juffiglii^ JRanbbemerfung in 
ben Xe£t geiatfien. ^ie gebrucften ftnSgaben, beten bi% jum So^re 
1500 fflnf erf(^ienen ftnb, geben ben Xe£t mit benfetben SorTU^< 
Honen; unb aud| iBiant ^t nichts baran gebeffert, eben fo wenig 
aße auf bie feinige fotgenben jatjtreid)«! Äuggaben. 

* 2)et SSerfaffer, mit ben i^n umgebenben !6ert|ältniffen beS 
bürgertid^ SebenS nio^( iKitrout, ein geteerter $raftifec, bet 
namentltd^ ftfibtif<!^e itUerfaffung unb @eh>oI|nI)eit, aber aud) bad 
platte Sanb aud eigener Srfatining (annte, ift tief bun^bmngen 
Don bem Unheil ber in ben ^nit^tm (terrfc^enben llnh)iffen^t 
unb aäMUtflt. Drbnung unb 9tei^t8fi(^er^eit ertoartet er öon 
bet Äniuenbung beS gefc^iiebenen latfetlidien unb geiftlic^en 
IRe^tS, o^ne jebocfi füt bacifelbe auSft^Iiegltdie @fi[ttgfeit in 
Snfptuc^ ju nehmen, inbem et ben guten ®etDot)n^eiten unb 
@taluten beieittoiUig i\)X Änfeften jugeftef)!. @t niiD nui „niig^ 
[id)e Seiten geben, tote man ft<$ im @enc^t galten foQ, fo Viel 
ju tägltc^et Uebung not^ fei, bamit bie t^nftemig bei Untoiffen^t 
Eingelegt unb baä gemeine Siedet offenbar merbe". 

35üS SBerf, ein mäfeiger goliant, jctfäHt in i'axi „Xractate", 
oon roetc^en bei bebeutenbete etfte cibiCteciitlic^en Snt)attS ift, bei 
jroeite bag (Stimina(ied|t unb ben S^riminaliitoceg enthält. 

Süem elften Xractat liegt baS SSeit beS 9IoffrebuS @pipl|anii 
aus Senebent (-(- nad| 1243) de libellis juris civilts') ju ©tunbe. 
STuägiebig benußt abet ift aufeerbem bet im So^ie 1259 ooKenbete 
Sommentat jum Snftitutionentitel de actionibus bon So^anneS 



1) 33ie !Ri(^ttg(ett bicfei geit&tftinmung wirb nudi nlt^t buti^ bie 8c> 
mSngelunQ bet {luingcntKn ftraft cmgdnet SetiKiSgtünbe bon S. Siunncn- 
mciftet, bie Quellen bei BambergensiB 1879 6.148 eifi^ütterL 

2) «gl. fiber i^n Soötfliil), ®et4 b- rSm. Mci^tS im 3R.«. 5, IM ff. 
Bettunonn-^ollwca, GiijiIpriKf6 6, 35 ff. 



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i. Sk Rlnafpieaet. 45 

be SllanpSco. Sn ber 31eif)enfoIge , lrel(^c 8}offtebuS im 8n= 
ft^£u§ an bat Arbor actioDnm bea So^anneiS iSaffianu« (tc.l200) 
(intfött, erörtert unfet ffltäftsbud) bie einädnett Ätogen, inbem 
eS i^ t^tfät^lic^en imb re(^tfic§en.li8orau8fefeungen mit fuujen 
SBorten aufjätilt, mit ÄHegationen be« Eor))Uä Suriä belegt unb 
bann Seifpiele Bon StteUen ober Älagfomtitlare auffteHt. 3m 
Sünjen fmb bie ©tütfe ttflrtlidi ou« MoffrebuS öbertragen. 
Sdtetn ber fiSetfaffer erhält fic^ bot^ jeinem SSorbtIbe gegenüber 
eine getoiffe ©elbftfinbigfeit , inbem er faie SBerfi^ieben^it ber 
3irfc ni(^t Bergifet JRoffreb ^tte bie Slbfid^t, ein itoav pxaiti^ä) 
btauii(bare8, aber boc^ gete^rteä iBu(^ ju fc^reiben, für beffen 
iSenu^ng er ein getoiffed SRag t^oretif(^ei ^nntniffe DorauS' 
fe^t, ukIi^S in Stauen buri^ £Bi(bung8anftatten unb Siteratur 
Mtbceitet ttwr. Unfer Cerfaffet bagegen toeife, bafe biefe SSorauSs 
fe^ung bei feinen ßanbSleuten nid|t jutrifft. (Sx \ä)tabl für 
ein ungelelirttä publicum, bem er ein leid|t faglit^eS ^anbbui^ 
jnm ptatt^äjtn @ebrau(^ ft^offen miU. Ott fügt ba^er {einen 
ftiagformelit elementare 89ele(|rungen , bie ei jum ^et( ben 
Sniiitutionen entlel^nt, ein. Übergebt bie f^uierigen ISrBitentngen 
Äoffreb« unb BerJpefft bei fubtiten gragen unb ©petialitäten auf 
bie gelehrte Siteiatur ober an ben 9}at^ bei Otele^rten. 

Sle^nlt^ ift bie Se^anblnng ber äOaterien beä ©trafred^tS 
unb ©traffjroceffeä im jhieiten Siractat, nur felilen ()iet bie 
filagfotmetn unb bie 3!)arfteIIung (tat eine me^r bogmatift^e 
;$onn. Ziie ©runbtage bilbet' ti^nli baS Sßerf beS S^offreb Libelli 
de jore pontifido (P. VIT), t^eilS Stjo'* Snmma jum Sobej; 
bondien aber merben ga^Ireie^e anbere ttalienifi^e Suriften benugt '). 



1) Sic dunm bitfri {UcitcnXtadata unterfiu^t Stunnennieirtcr, 
bie Duenra bn BambergenBis (1879) ©. 146 f., unb bcftaiijf iavS) fpecteDe 
JiaiS)ttm^ym%en, baß, nie \ii) [Gk|cE). b. popuL Sit. S. 38») fagte, „bie Sar- 
fKltuns im Oanjen ber Summa beS üja folgt*, ©elbft ttienn ober, Uie 8i. 
meint, feine .ehig^ntbe OueTtenangabe' etn von meinem Urt^eil via ben 
filagfpiegel obnxft^enbtS Slefultat ergfi&e, \o toiixbt fiif) biefeS boc^ nur auf 
ben Mn i^TD un^u#en, t)er^ltnigmäfaig untctQeorbneten gneiten £ractat 



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46 Siocite« ffofrtttL 

Site lenbenj bcS ICerfafferä gc^t bo^in, bo8 römifc^e 8Jet^t 
füt bte ^BTa£t:S ju Uf)tm, unb baS beutfc^e IRe^t ^bet ba^n 
nui geringe IOerfi(f)it!^ttgung ; bie beittfd^ ^t^tSbliäja toeiben 
gar tä(^t ertDO^nt. SBo^I a6et uirb ber beutf^ ®eno^it!^t 
unb ben Statuten @dtung eingeifiumt unb mani^et ©ag beS 
tfimifc^en 3{e(^tS olS unaninenb&ai 6ejet(^net. SUern bie ©renjen 
feinet ©ültifllett finb bem 93erfaffer unKar unb unfi^et. SJon 
bcc binbenben Äraft beS fai(er(td^en 9Ietf|t8 auggel^enb, ift er 
geneigt, bie tömtfi^en Snftttute im beutfc^en Seben tDiebetjufinben, 
unb bie aSerWifcEiung ber Unterfdiiebe toirb baburt^ bcfSrbert, 
bag er al8 Uebeifegei fidi bemfitit, nac^ entfprei^enbeu beutft^en 
9tu8brüifen für römtfc^e Snftitute ju fud|cn: benn mit ber ®leit§= 
f)eit bti StameitS fc^eitit aud| bie QHeti^^dt bet ®acE)e gegeben. 
33on ber ^apS feiner Qtit gie6t et namentlti^ im ftiafre^tlidien 
Xlieil ^nbe, inbem er fte boEb anerieitnt, batb a{8 unbecnOnftig 
unb mit genubneter Än^tSpflege unöetträglid^ ßefämpft. 

X)er (Sinflug he& ^agfptegeld auf bie Sinfßlintng beS 
tömifdien ^tä)ti in bie $ra;tS beS lö. ^a^r^unbeilS Ifigt ftc^ 
ähJQt in ©tujel^eitett nit^t not^Weifen, Kö^l aber im SflgemeiucH 
eifd)Iief|en. SSer mit einer naü) feinen ^nmeifungen formirten 
SAüQt 0or ©erit^t auftrat unb fic^ auf bte Autorität bei ge= 
ft^riebenen Äet^tg berufen (onnte, befüfe fi^on baburi^ ein Ucbef 
gemii^t, bem bei ®(^5ffe nur bann SBibeiftanb ju (eiften Dei< 
motzte, tixnn e8 in einer bÜlIig Qaren @ad|e unvbie Sittoenbung 
eines unjtoeifet^aften ©a$e8 beS ^imiff^en Secuta fi^ ^anbclte. 
aSo UnHai^eit unb Qm^^ei 6eftanb, loirb fi(% ber ©i^öffe gern 
ober ungern bei Ueberlegen^eit ber fiemben 91e(^tSbeIe^tung 
gefügt I|a6en, bie ei ben ^attei&oiträgen entnahm obet bon bem 
red|tiSge[el^rten ®erid|tsf(^reibet em))fing. Unb meuR e< ju ben 
ffunftgriffen ber Sßrocuratoren gehörte , biefen 3«P'"il' be8 
©^tDunfenS ^ettjoigubiingen, fo niat boc^ bie junei^menbe Uu' 
julänglidifett beS ©cfiöffent^umS feine blog ffinftlid^ gemachte, 
fonbem ein ©^mptom feineä inneren, buri^ bie gefi^iditlic^e Snt= 
h)t(flung begtiinbeten üQerfaQS. 

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6. "SM HEfteiten M Si^SfTent^um«. 47 

S)er ^ter gefditibeite tft einer ber ftiOen SSege, auf tvelt^en 
bie fmnben Siebte ifiten (Hngaitg fonben. 

5. ©0 lange bas @c^öffent^m in DoQer ungefd|tDäd|tei 
ftiaft baftanb, nux^te ti fiembattige ©nroirfungen aBIe^nen. 
äRan tarnt auc^ in biefec 3eit Don Süden beS beutfäien Slec^ts 
nit^t rebcn, ba ee ein in fletem gluffe befinblidier ©toff ift, 
ben bai Urt^eil bec ©i^üffen foitbtlbet, tnbem ei ieberseit ben 
fflt ben cinjdnen gall erforbettit^en Sflec^täfatj ftnbet unb etaeugt 
Mein c« lam bic 3eit, in hjelt^er bie Sebenätraft beä ©^Öffen»- 
t^ums beiTiegte. 

S>er fc^öpferifi^e ICiieb pfiegt in allen gebieten fd|neQ gu 
rtldfi^en, fobalb er einmal älhiftet »orftnbet, burd^ beren 9Iad)> 
a^mung et feine iSebörfniffe betfcn fonn'): unb mit i^m erftarb 
auäi bie Araft, tnelt^e jutn SBefen beä ©(^Üffent^unt« ge^Ott. 
2)ie beutfdien 9te(^t9aufjetc^nungen Waten gu fofdiec iBebeutung 
gelangt, bafe fcftft ben ©tröffen eine geroiffe S3u(^9e[e£irfamleit 
iitgenuit^et teeiben mu^te; baneben ftanben bie fremben Sletl^te, 
aus benen man ftd| dtatiji ertjolen Eonnte. Unb anbierfettS 
fteDten bie iwitec enttoiielten Ee6cn8Dcrt)dttniffe bem Urt^eilet 
Aufgaben, beren SSenältigung bem ©c^öffent^um nur burt^ ge= 
ftrigerte Ätaft ber $robuction möglidi genwfen märe. ätHein 
nadf bem natürlichen fiouf bec SMnge mar eS tjier an bie ©renje 
feiner gefc^i(^tli(^en Stufgabe gelangt. 2!}enn eS ift nun einmal 
fo. baf; eine fortgeft^rittene Äuttut complicirte Eebenäter^ältniffc 
in fi(^ trägt, ju beren rec^tlit^r Suffaffung, ©rgrünbung unb 
9eurt^ung baS SSiffen unb Sßetnen bes ungefc^ulten ^enfenS 
nicf|t ausreicht; ^agen ^erborbringt, bie baä fubjectioe Siet^tS' 
gefugt gar ntc^t ober nur in etnfeittger 99efangenf)ett gu beant» 
mortnt teeig. ©elbft in bem Doi aKen übrigen trabitioneU 
{)crt)orragenben ©^^ff^Ou^t i" äßagbeburg tritt im 15. Sa^c= 
E|unbect bie Unfö^tgfeit ju Xage, ben loirt^fi^aftlii^en ^bürf* 



1) Sofft, SHhotoimuS 3, 63. 

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48 8»^tc« ftatiittl. 

nif(en ber aufftrebenbcn SntH)i(I[unfl ju genügen^). Unb ^(§on 
bie feit bem 14. Sol^tliunbcrt entflanbeneißiteratur jetgt ,bie 
S^nqjtome beS l^erannal^nben SSeifallS unb berettet bie Sm= 
bung öot. 5Die SSerte 3o^. ooit Sucf|'8, Sß. SÜäurm'«, SofKmnä 
Don 99riinn, ^eoborit^iS bon iBod^äboif ftnb bacauf beieci^net, 
bcm ©[^öffenrei^te geftigfeit ju geroa^ren unb i^m bun^ (Sr= 
Qänäimg aua bem römifc^en {Rechte aufjutielfen. ©ie bclDtifen 
bie Ueberjeuguitg ber ^rahiler bon ber Unjulänglic^feit bei 
©(^öffenweiäfiett; fie mutzen biefer ju, fii^ nac^ bem gefc^riebeneit 
{Reifte "ju formen, unb förbem fo, inbem fie bie 9ie(§tg|irobuction 
a(8 bereitig getraue Arbeit jeigen, ba8 ^a^men beS' f(^5)>fe' 
rifdien 5:riebe8. 

3)a8 15. Sa^rljunbett ift crfüHt bon bcm SBingen ber ©fige 
beiä Sor^ug Suris mit ber ©))rui^nHt2^ett ber ©tröffen. 3Ran 
tonn eS bcjetdinen alä einen fiampf beS ^imifi^en 9te(^td mit 
bem fremben. Stllein man trifft bfl« 2Bejen ber ©od^e nic^t, 
wenn man bte ungele^rten Mii^tet als bie aSertreter beä natio« 
naien beutf(|en Setougtfeinä gegen einbiingenbe t)rremb^ettfi^aft 
c^aratterifirt. ^enn eineiStt|etl9 mar, ttiie mir fef)en, bte ^(ufna^me 
ber fremben Siet^tSfä^e jum guten 3:^il eine f^Jontane; onbent' 
t^eild fann im SAittelalter meber »on einem national'beutf^n 
Stec^tSbemtigtfein in unferm ©inne biefeS S33ortS, noc^ bon ber 
Smpfinbung eines fo tiefen ©egenfatfe» gercbet werben. "SAe 
Slutoritäten, auf benen nad| ^err|d|enber SJorfteQung baiS lömtf^: 
(anonif(^e 91ec^t beruhte, erfdiienen nid^t ali frembe, fonbein 
Waren tief mit ben geft^id^tlic^en Uebertief erungen , mit ber ge« 
fammten Snttiiidlung ber ^Rationen berwadifen, maten Elemente 
beS fhilturleSenS unb beS potitifd^en 3}afeinS. 2)aS beutf^e 
JRec^t aber ftanb it|m nii^t als ein^eitlidieS nationales ©ebifbe 



1) aSartift®. 67.372. »S^Eau @. 24. 36. ®ti>66e, ffrit. »intek 
ia^Tgft^riFt 11, 31 ff. — t)aB 3utnffenbe ber §fet gfgelicnnt SJatftettung im 
^Qgtnuinni ifiib auc^ nlitft burt^ bit X^atfai^t ratberlegt, baji man an 
finjelnm Orten, tote j. 8. in Sübed (d. "Sm^n, bcut[c^>ie0l(. ^rfKitcn 
Kbtf). 2), let^t nw^l mit bem Stabtret^te auetpmmen ju Tannen mdnte. 



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6. UmgeftaltunQ btr !RH^t3p|9cgr. 49 

gegcnlUier; benn nur auf )}Qcticu(aiem fSenugtfein ru^te eS, nur 
in fMrticuiarcr @eftalt n>ar eä aufgejetc^net unb nut tn ffaittcu' 
laier Ue6ung fährte eS fein ^fetn. Sßa^S in bem einen Gebiete 
galt, wax f^on in bem benai^barten ein ^etnbeä; unb nid^t 
in ^^etcm ©robe ftemb erfc^ien boä Stedit, wcld^eä Bon beii 
üntorttfiten gefegt toax, bie übei bem gefammten teeltlti^n unb 
getft[i(^ £eben in annfanntei golieit beftanben. ^i ben 
S^ö^en lag baiin (ein nefentlidier Unterfi^ieb ; unb rote et ftc^ 
bem Iaiferli(^en Wei^t bequemte, fo fe^en roit i^n onbrecfeit« 
bie SntDenbung bei SanbeSbiäucfie unb Statuten anbeier ©ebiete 
obletinen '). 

S8 barf enblii^ nic^t übetfe^en »erben, bog eä fic^ bei bcr 
ätect^itton gar nii^t um tia^ reine lömifi^e Siecht ^anbelte, fonbern 
um bie ®eftalt beSfetben, roeld)e ti in bec ttalienifc^en ^^orie 
luib ^ofi« ei^alten ^atte. 'S:)CC ©ac^e na^ recipirte man nit^t 
bad Carpos jariB, fonbern bie Sigebniffe ber Literatur ber $ o ft = 
gloffatoren, in toel^er Suftiniana ©efe^gebung ju einem ^olb- 
mobemen füeäfte umgeHIbet mar. Sie fc^ärfften ©egenffi^e jum 
germonift^en toaten barin befettigt ober oertiüQt; bas ©anje 
ecfiiien ais eine in lebenbiger Uebung fte^cnbe Kec^taprojiä. 

•. ein onberer ©egenfag aber ift e8, weft^er in bem 
Äampfe ber fiemben Meiste mit bem ein^eimift^en jum ÄuStrag 
fomntt. ®ie gefc^ic^tÜ^e SSeränberung , n>el(^e fK^ tioIIjief)t, 
liegt nic^t ito^ barin,' bag neue unb frembe Dfe^tsfäge in ben 
®eric^tm 5ur änttenbimg gebracht toerben ; fonbern borin, ba^ boS 
ffiefen ber SRec^tfpred&ung felbft eine principielle Umgeflaltung 
erfahrt. Seugerlic^ mantfeftirt fi(^ biefe buri^ bas Einbringen 
ber ©ete^rten in bie ©erii^te; ber Suriftenftanb bttbet ft^ 
mib tritt an bie ©teBe ber ©tröffen. ?lBdn baS innere SSefen 
biefed SSorgangeS befte^t nid|t in bem 3S}e(^feI ber $erfonen; 
fonbern baä Sbfterben beiS ©(^öffent^umS ift baS l£iUf(^en bed 



1) etoBbe, SMtSqutllen 2, 67. £rit. Sitmlja^rSIcEiTift 11, 22. 
«5^1au a. a. 0. 9, Uff. 



.dbvGoogle 



50 3n^teä fto^iitel. 

$ctncip3 autonomer ä^e^tsfinbung. Sin bte ©leite beä no^ 
fubjectiuet Uebexäeugunfl flefimbetten JRet^tS tritt bie formale 
üutoTität beS geff^riebenen 9%ed^tS'). 

S)er geteerte 9ttc§ter unterft^etbet fi(^ bom ©tröffen itic^t 
blog bun^ baS äl^erlmal afabemtfc^et Stibung, fonbent baburdi, 
bog bte|er in feinem Urt^eil bas 3)afetR eineä 9]et^t9fa^ be^ 
jeugt, ben er auä eigenem ^eaugtfein uitb eigener Sifattrung 
(c^öpft; jener bagcgen ein Äed^t, »et^ äuget i^m ba ift, 
beffcn ßenntnife et fn^ bon aufeen ^et anfleetgnet ^at, auf ben 
etnjetnen ^n }ut ^(nnenbung bringt*). ^S Utt^etlen beS 
©(^Öffen ift bo^et jugleii^ 9iei|täpiobuction : er bilbrt bog 
Siecht nai) feiner Ueberjeugung. ÜDad Urttietlen bed gelehrten 
8lict)tetS ift reine ätntoenbung gegebenet Siormen: et bilbet feine 
Ueberjeugung itad^ bem SRe^t. ©ein Utt^eilen ift erft bte tec^^ 
nift^e ^^tigfeit be8 Sittiften: bie (ogifi^e ©ubfumtion beS 
einjelnen gaUeS unter bte objectio feftftetjenbe SRed^tSregel. 3)a^ 
liegt in ber Umtuanblung jugleic^ bet ©ieg eines neuen $rinctp9: 
bie Unterorbnung untet eine augertjalb beS 9iid|tet8 ftelienbe 
formal btt^enbe 9{ed|täautorität. 

©i^on tfingft war bicfeS ^ßrincip in ber geiftli(§en @eric^t3= 
barfeit bur<^gefü()rt. 2)et DrganiämuS unb bie 2)iScip(in ber 
^rc^e Ratten frßtijeitig ben 9}id|tei ber freien Slet^tsfinbung 
beraubt unb ilin an bie ©agungen beS tanonifdien äfec^td 
gebunben. SßJar boc^ felbft bo§ fitttic^e ©ebiet, bem guge bet 
formalen Autorität folgenb, im forum cooscieatiae be§ !Bei(^t= 
ftufilS ber fingeren ©agung unterworfen. SDie Ue6ertragung biefeS 
^rincip« auf bie nielttid^en ©eric^te ift fcE|on lange borbereitet 
burcfi bie immer fteigenbe 3lufjei(^nung ber ©fipe beS beutfdien 
9ted|tS, tDeI(^e, Wenn au(^ nid^t formal, fo bodi t^atfäd|U(^ 
binbenbe 9?ormen roerben. 3n bie SRei^tfpret^ung ber Dbei^ßfe 



1) lieber btefeit $Toce|, bet fiit) analog in bei äietl^töcntiiiicllung allec 
SBBIfer rokbeifiDlt aiüt ÜBeraK bietelben t&eilS berct^gtcn, i^eilS untoxdittfrten 
«tagen ^etMmift, Ofll. ^f)txinQ, Seift be« rüm. Ke*i8 2, 34 ff. 

2) 5BIontf, bQ3 b. ®cri*ia»crfa^cn im 911.8. 1, 315 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. Untgeftaltung bix STn^fSttFIege. 51 

bringt me^c unb melir haS (Stcmetit ber juriftifi^en @ubfinnttoR 
unter gefc^riebene 9Ionncn ein, bcm bie annxi^fenbe Siteiatut 
übet bie SRe[^tS6üc^er SSorfdiub leiflet. @o ift benn auc^ f)iertn 
bei Uebergang jur mobemen ©eftaltintg bei 3te^tS;)fIege nii^t 
im ©prange geft^e^. «&er boöenbet ^at er fiel) im ^ufanimen» 
^ge mit ber }(u§bilbnng .beS mobemen @taats, bie eine 
funbamentale Umnanblung ber ©erid^tSlxrfaffung jur ^olge ^at. 

9!ac^ aftbeutf^er €(erid|Mtierfaffung ift „Wäjier" ni<^t ber 
Urt^eiler, fonbern berjentge, toeli^er Traft eigener ©erit^tiSbarleit 
ober im 9(uftrage be3 ©erid^tä^errn bae ©erit^t „^gt"; nt^t 
er, fonbern bie ©tröffen ftnben baS Urtfieil. SRit ber Steigerung 
itnb ÄuSbilbung ber Ianbc«^errli(|en Autorität aber jie^t allmä^fti^ 
ber jum 91i<^ter gefegte lanbefl^errlic^e fSeamte bie Function btS 
Urti)eitetä an fti^; er toirb jum Stifter im heutigen @inne beS 
©ort«. ®ie Stet^tfprec^ung gel&t Don bem ©(^Öffentlium über 
cm baS ficti jegt bilbenbc 95eomtent^um'). 

SJtei ftlaffen Don Seamten finb eä meiffenS, benen mir ouf 
bem statten Sanbe ber ^Territorien begegnen : ber Amtmann 
(fianboogt, 3^toft) a£8 ©teKöertreter be§ SanbeÄ^ertn, berufen 
bie SScrttPottung, $o(ijei unb Cberauffi(^t in feinem i8ejir!e, bem 
„Amt", ä" ^anb^üben; ber Äentmeifter (Staffner ober Seiler), 
bem bie (Srf|e&ung bei lanbeS^errlii^en ©ntüiifte, baS Sted^nungd' 
»efen, aui^ bie Söcrtretung beä MmtmannS alS „StmtSDernjalter" 
übertragen ift ; enblic^ ber ®^ultfiei§ (Scntgraf, SSogt, 9K(^ter), 
ber Dom SanbeS^erm ernannte liSorftetier beS @^eri(^tS, bad jnar 
no(^ aus ben S^Bffen befielt, aBein au(^ fie luerben ff^on hn 
Snfange beä 16. Sa^r^unbertd Dielfad^ Don bem Sanbee^erm 
bun^ ben iSeamten ernannt. 9h(^t glei^mägig, fonbern in 
ntaraiiflfaltiger ®eftültung ift bieS ©gffem ber JTemter buri^^ 
geführt; wir finben fte balb Detbunben, balb getrennt, balb DoII= 

1) 9titl)el, bie ISntnicflung bti gclt^rtcn IRiifited^uine in ben beutf^cn 
£«Tttontn. SSbe. 1872. Sfaacfo^n, &t\i>. b. {nntg. eMmtoi^nnB 
«b. 1. 1874. Stlnttnfl in d. ©flbtl'B ^[t adtftöiift 29, «Wff. 1878. 

4* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



52 SukUcö AofiiteL 

ftänbig, balb nur eingeln beHt; fibecaU a&ei tDteberE)Dlt fi^, 
t«nn ou^ tn berfdiiebenet ffiSeifc unb in Wrft^ebenni ^U 
a6f(^itten, bte @rfd)nnung, bag bie ttc^terli(^e (Function bot 
iQemnten jufäUt. ®(^on U. Segler, ein gEaubtDätbtgeT 3«iS^ 
fär bie ^a£tiS feinet 3^t, belianbelt in feinem Saienfpieget 
(Ausgabe t>on 1511 Bl ä,b. 4,&) bie ©diöffen aU „Slat^gebet" 
unb „iBeift^r" beS Sttc^teiS, bei mit t(|nen beim Urtl)eilen jti= 
fammenjutoirten f|at unb juar 6alb fo, bag er bae Urteil nai^ 
Serot^ung mit i^nen fpru^t, balb fo, bafe et bei SJieinungS« 
Derfc^ieben^eit ben 8(ugF(^(ag giebt 2ln manchen ^rtitorien 
j. 3. in Reffen ^at ftc^ iebo(^ biefe 3:^eilna^me beä Stit^tecS 
am Utt^eilen erft im Anfange beä 17. 3at|r^unbert3 ^erauJ- 
gebilbct. 

Sfe^nlü^ geftalten fi<^ bie 9}ert)ältntffe in ben ©tobten. 
3n^obet bet ©eri^täbatteit ift entiueber her ßanbeä^err ober 
in ben freien ©täbten ber 9tatE); 91i(^ler ift ber Don i^m ex> 
nannte ®(^u(tE)eig. 3n ben lanbeä^erilidien ©tfibten nimmt ber 
Slat^ eine ä^ntidie ©teQung ein mie auf bem platten Sanbe ber 
Stmtmann. ^aä @eri(^t befte^t au^g ben @c^()ffen, xotläjt balb 
ein SoQegium ndten bem 'SRaÜ) bilben, balb SFtitgliebei beefelben 
finb. ^ ben größeren ©t&bten finben fic^ gemötintic!^ mehrere 
®eri(i)tc neben einanbcr mit örtlich ober anbetmeitifl begrenjtcc 
Sompetenj. 'äüd) in ben ftäbttf(|en ©endeten OoQjietrt ft(^ bie 
Umgeftaftung, nielc^e ber fiaienf)}iege{ bejeugt. 

SRit bem äbftcrben ber richterlichen X^tigtett ber ©(^öffen 
fte^t bas iSocbiingen ber ftemben 9led|te in SBedtfelnirfung. 
3e mc^r i^re Oettung bertreten, ifire Stnicenbung in ben dft^eren 
®eri(^ten bur^gefü^rt, ba{)er nun ben Parteien unb t^ren $tO' 
curatoren in ben unteren Snftanjen geforbert mürbe, befto unbe= 
l^aglit^ei mu§te fii^ ber ©d^üffe fügten. SHan fui^te fii^ ju 
Eielfen burt^ iBetjie(|ung rei^tSgele^rter @d)ieibei, bie mit i^rer 
Aenntnil beä gefi^itebenen ^edjtS bem ©tröffen ju ^tllfe fommen 
foUen, bamit er nic^t in lattilofem ©c^ioanfen ben rabuliftift^ 
©ad^toaltem pteiSgegeben fei. @eit bem Snbe beS 14. ^Safyc* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. llmgeftortims bec 3)ec^tet>[lege. 53 

liutbertd n^men bie ©täbte*) 91at^8confuIettten in lEimt Xiknft, 
bie jugleidi als Seinen: bed Stabtgetiditd fungiren; in Siibed 
»itfa [oflur fdiDii 1270 ein gelehrter ©tttbtft^tei&et angefteHt 
Änf bem fionftonä« goncir toitb bet SBotfi^IaB gemacht, bog 
jebe ©tobt Wed^täge^rte in i^rcn ICienft nehmen möge. Sft 
bie ©tobt äugteii!^ ber ©ig einer UniDerfitöt ober bicfem benadi^ 
bort, fo p^tQt fie wtitcr ben re(^tägde^en Sßtofefforen i^ien 
juriftift^ Setftanb auSjuioä^Ien. ©eit bem (Snbe beS 15. 3a^r< 
tiunberts ift roo^l fctne an(c()nli{^ ©tobt in ICeuttc^lanb otfne 
einen gelef)rten ©tabtfc^reiber, ßonfufente« ober ©^nbicuä. ?(ui^ 
«uf bem ^)Iatten fianbe fie()t man ftt^ nad| folc^er §ölfe um, 
unb too bie iffiittel eine8 einjelnen ©erii^t« ntc^t ausreichten, 
ba tjerctnigten fi^ roo^l mel^rcre, um einen ©einreibet gemeinjam 
ju («efofben unb fid) nac^ ©etegenl^eit feiner ^u bebienen. ©oQtc 
ber «Schreiber txüd) junäc^ft nur ^at^ ert^eüen, ba% gefunbene 
Utt^I rebigiien unb in baft Urt()etl9bn(^ eintragen, fo mugte 
bod| bie Uebertegen^it feinet iStlbung bat)in füEiren, bafi er 
t^tfSdilic^ iai Urt^eil mad|te. 

®erne toä^tten bie ©ct|3ffen in itjrer SSerlegen^eit biefen 
bequemen MuSnteg. HOein »ir finben aaif), baft fic 6ei aufls 
roörtigen fflei^tSgele^rten JRntI)5 erf|oIen ober fii^ an bie näd|fte 
Autorität, ben rerfjtägelel^rtcn Beamten, roenben"; unb feitbem 
biefer 6ei bet gäünng beä Urt^eil« mittoitft, ift eS töatfüc^Itc^ 
er, bet e* finbet. 

Senn fo bie Stec^tfprediiing ben §änben ber Schöffen 
entgleitet, fo jeigt fic^ baneben bie anbere mertrofirbige 6rf(^ei= 
nung, ba§ bie Parteien i^nen ben 91ü(fen recnben. SJaS SBet' 
tiautn JU ben ©t^öfTengetit^ten fc^toinbct; i^re Drganifation, 
welche fte ni^t ä" ftänbig functtonirenbcn iBc^örben geftattet, 
fonbem fie nur periobifd^ jufammenttetcn läfet, erfd^Wert bie 
SleditSUerfolgung. "Süie ^arteten getoötinen fi(^, ben ftets beretten 

1) Stcibb€, Ked^tSqucflen 1, 643 f. ; 2, 59 f. firifil*c ßicrteljo^* 
[c^ft 11, 16 f. 

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54 3iMiic4 ttaplat. 

intb jugänglidien tanbed^etilic^en S3eamten, bei bem fie ftdieie 
uitb fd)neße ffintfdieibung eiwatten bürfen, aU ©t^ebari^tcr 
anjurufen unb baä ©cfififfengertd^t ju umgeben. Sn au^ge» 
be^ntcm Umfange unb in bcr mannigfaltigften Qkftatt entwittett 
ftt^ biefe contfitomtifacif^e Suriäbtction bcr ^Beamten untei Se^ 
günfttgung bei SanbeS^erien ; unb felbft ba, too bag S^Bffen» 
gerillt noi^ in oltet Berfaffung di& baä oibentltc^e t$orum bift 
in neuere geiten flinein erhalten bleibt, Bertümmert feine Sdieui 
tung neben ber bon bett ^arteten gefud^ten Stedit^pflege bec 
^Beamten"). 3)ie im 15. Saliti^unbett )o tteit berbteitete ©itte 
conqjromifforiff^en Sierfa^tcnä fiatte fiäufig gerab^u ben ^iw*. 
bie ^Inmenbung beä r5mif(^en ätedits ju fi^eru unb bte ®aU 
fi^eibung unter biefe Slutorität ju fteHen, tnbem man einen 
geteerten S)octor als @c^teb§rid^ter ertuätjüe. allein eben fi> 
oft ift ii ben ^arteten nur um bie petfdnlic^e Slutorität unt> 
®etoaIt beä @d)iel>äiic^terS ju t^un. 9Bie ber gemeine SHann 
fi(f| an ben tanbeäfiertUi^ Beamten toenbet, fo mähten ange= 
[ebenere Sßarteien ben 3nf)a6er bet ÖJerit^taborfeit felbft, ben 
^erjog, Siff^of, ©tabtrot^, jum „Som^tet", bet bonn baS 
Utttieil nic^t felbft ju finben pflegt, fonbern non einem ©(i|öffen= 
ftulfl ober einer juriftif^en gacuttat einholt*). 

Mm (c^örfften unb Katften jetgt fi(^ bie äuSbitbung be& 
geletirten 91id|tert^umä in ben t)D^ecen ^nftanjen, unb jtDac 
boQgie^t fie fl<^ mit ber gleid^jeitigen SluSbilbung ber ^(ppeQation. 
3^re 3)ur(!^füf|rung ru^t auf bem ©ebanfen eines ©uborbinotionS' 
t)eif)ältntffeä unter ben (Beruhten, ber in Siom ein ^obuct beS 
^ncipatS UHir unb in S^eutfd^Ianb an ber^nb ber fteigenben 
unb fic^ confolibirenben gAtftenmadit 99aum unb Eingang ge> 
funben ^at. @ie fegt baS bem ©c(|öffentf|um frembe ^rtnci)) 

1) @taijel a.a.O. 1, 238 ff. StinQing, iiu _'&t\itfiit)te btä xöm. 
Stents in 2)tutf(4Ianb in D. @ij6crs ^iftorifi^r 3cit|^ift 29, 416 ff. Ott, 
»rittägc S. 142 f. 

2) mf)laa, 3ettfi^fl für Mei^tSgtfj^ii^e 8, 193 f. ; 9, 40 f. Dil, 
SSfiträge ©. 135 ff. 

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6. Umgcftaltung bei flUättepftcgt. 55 

bei @diunbeii^ett buci^ fi£tite 9Ionnen Dorauä, ba fte bie 
Prüfung bei richtigen ©ubfumtton beä einzelnen %aüei untei trie 
SRorm fe^toedt. 

ißoR bei allgemehtften SB^ieutung ift t|tei bie @tnfegung beS 
„tatfertt^en unb JReic^ä'ftanunergeri^td" buic^ ben 9{ei(^eab{d|ieb 
iu aSonnfi 0on 1495, baä am ©aQu^gtage (16. Cct6i.) beäfelben 
So^rS ju i^nutffurt a. 2ß. eiojfnet tmtibe , beftimmt a(ä eifte 
Snftonj fflr bte Sleidi^unmttteftaien, ole 9I)}))eQaHDnStnftanj ffix 
bie %itgef|örtgeR bei ^eiritorien unb 9tet(^§ftäbte ju fungiien. 
An ber ©pi^e fte^t bei Äommerric^tcr, ber güift, @taf ober 
J^ret^en fein foBte; bas tSoQegtum befielt aus 16 „Uit^eilein" 
(üffefforen obei S9eiftt|ent) , beten eine ^dlfte 3)Dctoien („ber 
Siebte geteilt unb geteflibigt"), bereu anbeie ^tfte „auf haS. 
geringft ouS bei Shtteqt^aft geioren" (ein foHen. Stjt @ib 
Detpftid)tct fte nac^ „beS Stctc^d gemeinen ^tediten", aber auc^ 
naäi „tebfidien, ehrbaren unb leibenfii^en Orbnungen, Statuten 
unb ®e»o(in^ten ber giirftent^flmer, ^cnft^aften unb ©eric^te" 
ju urtljetfen. ÄUein eö lag in ber ganjcn Stellung bei @eri(^t3, 
bem bte ^cnntnt| (jarticulärer 91ecf|te tijenig jugängli^ fein fonnte, 
bog in feiner Eflec^tfprec^ung baS lömifcl'fanonifci^e SIedit in 
fold^ ©labe ßbemog, baft man nic^t oI|ne @)runb feine (Stn^ 
fe^ng als ein entfd^etbenbeä 3){oment für bie SReception beS 
Tßmif(^en SleditS bejeicEtnet. 

2Sn ben Territorien trat bie Appellation an bie SteKe beS 
alten Sfte^t«äiigeä an bie Dber^fife. SBat eä Oon SnterS Ijer 
gd>täud|[t(^, ba§ baS ®<i^öffengert(^t etnei @tabt ftc^ in 3ti:>eifeln, 
fei eö auf Antrag einer gartet obei auS eigenem Sntfc^Iug, an 
ben @^6ffenftu^l berjenigen @tabt, beren 91e(f|t fie burd^ iBe» 
Uiibmung emfifangen ^atte, Uienbete, um S9ele(|rung jn empfangen 
ober i»n Sßrocefe felbft buri^ jenen eutfc^eiben ju laffen; fo bilbetc 
fit^ tnefeS SSerfa^ren unmerfiidi um j^ur SIppeQatton, bie fc^on 
I2ngft in ben getftlii^en @eric^ten jui ^uii^fä^ning glommen loar. 

SfHein bie überlieferte ©tettung ber Dbei^öfe unb feftft bie 
be8 neugefc^affenen 9)ei<^$fammergeri(i|tä tnar f(^n)ei ju ueretnigen 

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56 3>K<K^ Jlotiittl. 

mit ben auf teirttoiiale 9b{onbeiung unb Unabfiängtgteit gc 
richteten @ttebungen bei t]i&iftenma(^t , bie teb«n Stnflug <m8> 
mäitiger Autoritäten eiferfßditig fem p galten betmü^t fein 
mugte. ®egeit bte SuriSbtctton beS INeii^s^aiitniecgeric^td fut^te 
man fic^ burdi Smithing bec privilegia de noa appellando 
ju fiesem. 2)en äle^tSjug an „auSlänbift^e" Obei^fife, toie 
btefei ä- SB. in ben ©tobten be« ffiutfürftcnttfum ©ac^fen imb 
ber äßatfgiaffc^aft Sranbenbuig an ben ©t^öffenftu^l ju äKagbe= 
bucg ging, untecfagte man buic^ lanbeSfierdic^e Secfügungm. 
SIKein um foldien älfagiegeln ben @rfolg gu ftd|ern, wax ti 
not^ioenbig, rinen (Sifag ju bieten bun^ AuffteÜung inlänbift^er, 
ber fürftU^en iWai^t untergebener Slutoritäten. 6S ergingen 
ba^er IanbeS()err(ic^e SJerfflgungen, nieti^e ©c^öffen unb ^arteten 
an bie Obtigfeit, bte fürftfid)en Kät^e ober an bie juriftifdfe 
gocultät ber SanbeSf|0(^)(^u(e liefen, um ^ter fRat^ unb Urteil 
etnju^olen. SBit^tiger aber Mar eä, bog bie !2anbeäE)erren ;ux 
Soncurrenj mit bem 91eit^Sgeri<^te unb ber auswärtigen Ober= 
pfe feit bem ISnbe beS 15. Sa^r^unbertS bie ^ofgerit^te unb 
Dber^ofgerit^te als ^ötiete Snftanjen in i^ren Territorien ein» 
fegten. <Sie maren jum ^^eil nur Umgeftaltungen bet aUen 
Se^tlöfe unb äRannengeriditc, bte, jur ^[fte mit äbeßgen 
befegt, für SRittermÖSige aii erfte Onftanj fungirten, jur anbem 
§ätfte mit gelehrten ©eifigem berfetien rourben unb für bie übrigen 
@tänbe als 9l;))}e[[attDnginftanj ju fptec^en {)atten. 

©leidiäeitig bilbct fii^ an ben gürften^öfen bie „Sanjlei", 
bag Kollegium bei ffir[ttt(^en Stätte, todäfe bem „Sanjler" beS 
gÖrften beigegeben toirb. 3)enn wie ber Äaifcr längft feinst 
ji'anjler ^ielt, fo finbet biefer ^b^fte Slegterungäbeamte au^ bei 
ben dürften feinen $Ia^. Iitc Weitere ?luäbilbung ber Sßerwal' 
tung, bie Häufung bet Oeft^äfte nöt^igt jur coüegiafen ®eftal= 
tung ber ©e^rbe. Unb ^ier roieber^olt fic^ biefetbe ©rfc^einung, 
welche Wir bei ben Untergerid|ten wa^rnat)men ; Wie ba2 Amt 
bem ©c^Öffengert^t, fo mad|t bie Äanälet bem ^ofgerii^te Eon« 
currenj ; bie Parteien fn(^n biefe a(8 bie ftfinbig amtirenbe unb 

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7. ^ntiiCbe Süebeutung btx Sieaption. 57 

ia.f)a leii^tei jugStiglic^e unb e;^et)Uete Säe^örbe ju fc^tebS' 
lü^terltd^ Sntfdietbung , unb baS me^r biireautcattfc^ organi' 
fTCte €oßegiiim trägt aber baä todeiet gefügte, itui tKiiobift^ 
fimgtrenbe ©eridit beit iSteg baüon; ^in unb toieber intTb bic 
fioBjIei mit bem ^ofgeric^t combinirt ober jur brttten Snftottj 
ettjobrn. Unb fc^Iiegltt^ ift nod| ber Sunäbiction bet commiffa« 
rif<^ fRÜ^tei jii gebenfen, toeldte j^atfer unb Sanbe8l)eErn na^ 
))dpftlid^ SSorbtlb al^ jndices delegati je nac^ 99ebfirfntfi 
)n ecnoincn pßegten. Stud) in biefer @eytalt lommt bie Sunde 
bictbn bec itf^tägele^rten SJeantten jut @eltung. 

1. 2hl bem Äbfteiten beiS beutfi^ ©d^öffentfiumS tttebet» 
tloU ft(^ baS Stfb, mtd|cä bie Umgeftaftung beä tdmifc^en 
l^c^tetDefenS unter bem (Sin^uffe beg $tinci^at8 bacbietet. 
Hai bem magistratas popoü Romani, bei nur baä Judicium 
otttinirtc, in Irelc^ ber judex privatus baS Urtf|et( jn fäQen 
fyüte, tDirb ber faiferlidie Beamte; unb inbem bie 9[u8na^md< 
fäKe, in benen jener extra ordioem buid^ Slecret eine ®tieitfac^e 
entftfieiben burfte, fitl| ftätig »erme^ren, ffiHt unter bem 9l6(terbcn 
beä alten ordo judiciorum privatonim im 3. Sa^r^unbert bem 
Beamten oI« (aifcrlic^cm SH^ter bie Url(ieil«finbung ju. SiMe 
int römifi^n 9{eic^ bei @egenfa|i bon jus dicere unb jadicare 
feinen ®inn oertiert u:^ ju (£tner Function ;ufammenf[te§t, 
nattibem feit §abiian bie Tiva vox juris civilis beä $rätor« 
wrftummt, fein Sbict in cobificirte« SJei^t umgewanbelt unb ben 
Sieditdfpnic^en ber laifertic^en fünften btnbenbc Sliitorität bei« 
gelegt tvorben ift; fo ge^t in ^eutfi^Ianb unter bem Srfterben 
oltgermonifi^er Sutonomte, bem Srftarfe« ber Autorität beä 
gefdirtebenen Sial^ti unb ber aufftrebenben ©taatSgettKiIt, auS 
ber SBemnigung beä Wit^terS unb beS Urt^IerS in eine ^erfon 
ber „Siebter" im ^leutigen ©inne be« 3BoitS IjerDor. 

(£s ift olfo bie Sntfte^ung beä mobemen @taatä eine 
©ninbbebeutuitg biefeS gefc^td^tlic^en Üßorgang^, bei i>nn baS 
tömifi^e Slet^t «ic^t aU Urfoc^e. noi)l aber al« uiefentlic^ mit« 
»irfenber gactor erft^einl. 3>enn fein gcforberteS ©tubium 

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58 äweiteä SaifiUl. 

liefert ben gefe^utten Searatenfttmb ; fein SJorbringen in ber 
^rojis giebt bie(em ba8 Uebergewi(f)t in bet ben ©tröffen eiU= 
Bjadileneit unb oecletbeten Suftij; [eine @tunb(ä$e über bie 
9le^te bi& priocepa geRiäf)ien bem üaubti^etm bie emihtfd|te 
6tü|e unb (^öiberung jut SuS^ttbung ber neuen <Staat$' 
orbnung. 

!£iag bie ©taatdbilbung in 3)eutf(^[anb eine territoriale, 
paiticulariftifdie niar unb ftd| atif j^often ber Sutoritfit bfd 
Sleic^ä DoIIjog, I)at feinen @runb in gefci^ic^tlic^en äSer^It^ 
ntffen, bie bem 3Qefen be^ lömifdien 9ted|tS fremb finb. Stufte 
bo^ gerabe umgeFe^rt bie 3[utontät beSfe(6en in ^eutf^lanb 
urtprünglidi auf ber centralen , taiferlit^en. ^ie SBänner, 
mtidft im 15. ^utii^unbert feine SCntsenbung t^eotettfdi be= 
griinbeten unb forberten, 5ß. Don Stnblou, @cb. iBrant u. 8., 
erwarteten noii il|m, afo bem (aiferli(^en, bie ffräftigung ber 
faiferU([)en 3)2ac^t aU bet f|Di^ften älec^täautoritfit im Steit^; 
unb bie gntftcfiung be« Segriffä beä „gemeinen Met^tS' jd^uf 
in ber X^at ein neue«, alle ©lieber beÄ !Reirf|8 jufammen= 
faffenbeä rechtliches Sanb. §ätte baä Äntfert^um bie Äraft 
befeffen, einen beutfd)en Staat ju bilben, fo teürbe i^ bor 
allem bie 9tece})tion beä tömifdien SRe^t» biejenigen ÜDienfte ge^ 
[eiftet ^6en, roeli^e fetjt bie gürften unb ©tobte ju i£|rem 9Jor» 
t^eil bemwnbeten. 9ln Sufforbeningen , fid| biefeä ^ebels }u 
6emä^tigen, l|at e8 nid^t gefehlt. 9tn bie Ätagen ü6er bie löer= 
roirrung, in welche baä 9ie(§t butd) bie ft^olaftifi^e SÜSiffenfi^aft gc= 
ratzen ifi, inüp^t fi^ feit bem ?lnfange beä 16, 3al^rt|unbert« regel= 
mä|tg baä äJerlangen, ber Saifer möge aiS ein neuer Sufttnian 
baS gemeine Sftei^t beä 9(eid)S jur Sinfai^^eit unb ßtar^eit 
gcfe|tid) teformiren. 3n biefem ©inne fc^reiben SSebel unb 
®0(^täuä an ^afin« {Zaa. epist. p. 404. 501). ©ebaftion 
3)errer (t 1Ö41) txi&f)\t (Jurieprudentiae lib. I. Epist. dedi- 
catoria), bag 3)Ia£imtltan mit bem '■^lane umgegangen fei, baS 
Sinitrei^t neu rebigircn ju taffen, unb. fdion ein ^erjeic^nig ge> 
le^rter 3uriften S)eutfd|ranbS aufgefteßt tootben fei, au8 benen 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



T. $olitij(^ Sebnitung btr 9)e(e))tiDn. 59 

her Sai\tt bie äJhtaifietter m&^lea tnoUte. Sie SeSaftian i&ener, 
[d toenbet-ful SSigliuä Qon 3>itd|em (Theophil. lostitat. graecae. 
Epist dedicatoria 1533) an ÄarIV. mit ber bringenben SBitte, 
baS tSSecf in bie ^anb ju neunten; baSfelbe anlangen rügtet 
3o^, Olbenborp (Action. forens. progymnosroata. Epist. dedi- 
catoria 15-13) an ftönig gerbinanb, unb ö^ntid^ Sfeufeerungen 
begegnen mx bei Eantiuncula, ©iSner, as^iifinger, Sßultejud u. ?t. 
3(e§nli(^d proponiEt ^etet Sociot b«n 5¥anjrer CCioier unb 
ioibert ^DtotnanuS in feinem 9(ntitti&onian füi t^anfreic^. 
Das SSerlangen nat^ einer Enbificotion beä gemeinen JRet^tä 
iief)t fi(^ butt^ baS ganje 16. 3at|tt|unbert : unb ^. ^orft legt 
in ben btei SDebicationen feiner Synopsis bie Seftimmung beS 
äpe^rer 9i.?t. Bon 1570 (§ 77 „bamit o((ne aCe SBetänberung") 
übet bie Sommlung unb ISntfdieibung bet dubia cameralia aU 
'^ßcrfieigung unb Slnfang eine^ foli^en Untemeltmen^ au8. ^Qein 
fetbftUKnn bie intellectuelle 99efAI)igung jut ^rfteGung einer 
gemtiniet^tlicfien ISobification Doilianben geinefen inäie, \o toütbe 
jt^nwrli^ bie p 1 i t i f d| e ^Jlad^t ju il|tec ptaftifdif n !&urt^fU^rung 
ausgereicht ^aben. 9hir mit fc^merer äRA^ langet Satire gelang 
es 1532 bie !8er^anb(ungen über bie Steformation bed ®traf> 
re(f|tä unb ®ttaff)roceffeS burc^ ^ublicatton ber Sßräilidien $a[S= 
gcrit^täotbnung jum älbft^iug ju bringen, unb nic^t o^ne ben 
Sorbe^att, bofe „burd) obgemetbte Drbnung ß^urffttfien, gürften 
ui^ @tänben an t^ren alten nioE)lE|erge6ra[^ten rechtmäßigen unb 
billigen @ebräu^en nit^tä benommen" fein foQe*). Sßit oief 
arößerem 9iacf|btu(f roütbe ficf) bie (jarticulariftifc^e ISiferfudit 
gegen bie cinftl^neibenbe Sobification beS ^ßribatret^ts aufgelehnt 
^ben. SJagegcn nahmen bie Surften unb ©tobte fetbft bie 
Ttformitenbe @efe$get)ung in bie |ianb unb übten fte als eine 
mtUEommene ©clegen^eit, bie eigene legislatorift^e Slutorität ju 
betätigen unb bem @ebiet ber felbftänbigen §errfd|aft feine 
eigent^ümiii^e, baSfefbe jufammenfaffenbe unb abgrengenbe red^t= 

1) $Sit(^tti;,gmdntä31c(f|t@.80f. Slobbe, 9Itcf)tequeaen 3,246ff. 
«ütttboft, bie Snifte^ung^efiflii!^ ber Carolina. ]»7S. ®. i;3ff. 

D,q,i,i.:db,.GoogIc 



60 SiMitce Sapitel, 

Ii(^ ItSeifaffuitg ju geben. @o entftetieii beim feit bem Snbe 
beS 15. 3a^r()unbertä bie j^a^fceii^en äJefotmationen bec @tabts 
red|te unb bie fianbtei^te in ben ^emtorten, nieldie barauf ani-- 
ßeijen, baS Slei^t ju fijiren unb nacf) ben ©runbfäöen beä römiji^en 
ju ergänzen unb me^r ober njentgec eingreifenb umjugeftalten '). 

8. 3Man ift ßeneigt, eS ju beüaflen, jo mon ^af e* bem 
römifc^e« Mettite unb feinet SBiffenfc^aft jum bitteren SJottourf 
gemacht, bag fie bem bentfc^en ^articutatiämuS bie Sege bahnte. 
?niein eS borf nt^t öergeffen- roerbcn, bafe eben biefer ftaotlidic 
^aiticuiattSmuS bie geiftige Befreiung ^rutfdjlunbs getragen 
unb gefiebert ^at, ®ine bomaU burc^gefüljrte EoncenttaHon bei 
facutfi^en ©taatSlcbenS in ber §anb beä SaifetS mfire nur awf 
Soften ber refotmatotifcfien iBelnegung möglii^ geroefen, h}ä^renb 
bie ftQQtIi(^e Organifation ber S^erritorien jWar btc Eodecung 
beÄ Meidiäbetbanbeä jur bebauernätMertfjen ^olge ^otte, ober in 
tjöfierem ©rabc bie Sefteiung be4 ©taotä bon ber ©mjtematie 
ber Äirdie bebeiitete. Unb ^ier liegt ber Sßnntt, auf iwlc^cm [\i) 
bie SReception beS römifd^en Slei^tä mit bct rcformatoriff^en iBe= 
roegung ber 3"* in i^rer politifdien Sebeutung 6etöf)rt. S>cnn 
lDül)renb nütfi ben Stabitionen beS 2ÄitteIaIterä bie ®eiftlic^Mt 
im faft auSfc^IieijticIen Seft^e gelehrter Sßilbung fin^ befanb, bie 
iffed^tägete^rten in ber ^ßraji« hjie auf ben flat^ebern faft an«' 
f^Iiefelirf) fflieritet mauen unb ba^er bie Äir(^e mittel« biefer 
i^rer bureoiifratifdien SJisScipIin unb ©efeggebung unterttorfenen 
äWännet i^ren ^errf^enben ©influ^ butc^ baiS ©taatälebcn Der= 
jweigte, cntfte£)t jegt ein rorltlic^cä ®elel)ttenl^um ; unb ber 
Suriftenftanb, roetc^er au^ biefem ^erüorge^t, ift ntcf|t mefir 
ein aiBertjeug (itii)Iii^er 3Rad)t, fonbern SSertreter meltlitfier 
Stutorität, Diener unb Seamtcr beS ©taot^, ber bur^ i^n 
jum feftgefügten Crganiömuä auSgebilbet wirb. 

S)Qä Söeamtent^iim ift bie gorm, tn toeli^er fid| auf bem 
polittfi^en Gebiete bie Befreiung beS Sebcnä bon ber ^etrft^aft 



1) ®tD6bc, iRed|tSqucn«i S8b. 2 m\äm 4; f. untEn Äoftittl 13. 14. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. SM 3ttri^n^Qnb. UniDerlttfitBbfini unb ^lattitn. flctenbcrfeiibung. 61 

bec ^krort^te, bie ©(Reibung bei neuen 3^'^ tiom SKittelatter 
voQjogen I|at 

Untec bem D^tnfluffe btefec Umgeftaltungeit bilbet fi^ bie 
äaridtirnbens jum fiebenSbeiuf {(etauS; ein tt>elt(i(^et ^urtften^ 
ftanb tritt auf, bet nun bie lettenbe ©teDung beS ^eruS üfeer» 
ninnnt. SBte bi^et nui baS ©tubium bei ZI)eologie unb bie 
(^angung bn SSeilien eine gefiederte Saufba^n begiünbet Ratten, 
fo nSffnet jej^t baä ©tubiunt bei ^uri^prubenj mannigfotttge 
Sebcn^ftcllunflen. SJq« Sodann ^pirGie^mer feinem bemtjmteren 
@D^ne Siltbalb (ge£i. am Ö. SDecember 1470) nac^ ^bua fc^rieb: 
bie fienntntg beä meltlii^en unb geiftlit^en INe^tS fei unbebingt 
not^ttwi^ig, um als ©taatSntann mit ^otg auftreten ju fönnen, 
}eigt, iDie ein UKitfunbiger SRann bie Seben^uert)ältntffe beurttieilte. 
3^e in Stafien aufigedUbete ^orie, bog bie S)octoien ber Steckte 
bcn Abel befäfien, ^tte in ©eutfc^Iaub frul(ieitig ©ingang ge^ 
funben'). ÜHemanb beftritt, bag fie a[S milites legalis militiae 
ber bome^rnften unb priuilegtrten fftaffe ber 9tttteibArtigen gletdi 
ftftnben. SBir finben fie in ber Umgebung ber ffatfer unb iJfirftcn 
aEd fianglei unb SfStfie, fte eif^einen alä SSeboHmäi^ttgte auf 
beit Äeic^Stagen , unb ju.Siertianblungen aHei 9ttt werben fie 
in politifdien SWiffionen berroenbet. ©o finb fie Don ben ©rofeen 
bed Äeic^S umworben; unb fpre^enb beäeitt|net eine Änefbote, 
bie 3o^. SfieQ *) nnö eijä^lt, bie ©teUung unb ben feden lieber^ 
mut^ bei 35octoren. @in gürft, ber, eräfirnt barßber, boft ein 
2)octoi bie ©ad|r feines @egnerB berfoc^ten, bro^te, i^m ISnfttg 
ein ungnfibiger Surft fein ju wollen, erhielt jur ^Intwort: ei 
werbe fit^ bemü^, bem gürften fiinftig ein ungnöbigei SJoctor 
ju fem. Unb als baUi nat^Iier b« gäift in fdiwierige Sage 
geriet, fttt( er ft(^ genet^tgt, ben SJoctor burt§ ©eft^nfe unb 
iBerftnec^ungen gu oerfO^nen, ber ft^ aber erft na^bem biet 
S5oten an il)n abgefenbet waren, bereit finben liefe, feinen grieben 
ju machen. 

1) SqL gittine, baS pecalinm caatrenae €.583 ff. 

2) iBtgoge 1541. Reusner, C^nosarft 1, 174. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



62 StMitt« Stalfütl. 

9Ii^t minber 6emß()ten fic^ bie li)0f|(f|a6enben @tabte um 
ben S'ienft bei S)octoten, unb um ft(^ i^Tei gu berftc^ent, finb 
^oi)t ^enm unb ©tobte beiett, talcntooUen jungen SJtännent 
bie SWittel jum ©tubium mä)\\äj ju flemöliren. h>enn fie fit^ 
t)eitif(id)ten , nad^ ODQenbetrc äluäbilbung in i[)cen S>tcn(t ;u 
treten, ©t^on im Hnfang beS 15. 3al|rt)unbert« go6 bcr Stat^ 
Don iBiaunfd)tDeig ©tipenbicn für fünften , bie in Sologna 
ftubiien woDten. @regor ^aloonbei erhielt für feine dteifc nad| 
Stalten ein boppefteS ©ttpenbiiun auf .btei Sa^te bon ber ©tobt 
3lotdau, touibe baffir „in baS 99uc^ barin man jeit^t tDe(c^< 
maa§en be8 Slot^ä ©eftnbe ufgcnommen" eingetragen unb ber- 
pflic^tetc fi(^ in einem nocf) öor^anbenen Weberfe, nat^ feiner 
StfidTe^r bem 91at^e auf Verlangen 3)ienfte ju leiften '). ^it^orb 
crjä^Ü, Wie Qnfe^n£id|e Unterftfißungen bcr gran!furter Sott) 
iE)m JU augmfirtigeit ©tubien gegen Uekemafime ber %erp^icf|<, 
tung, fp&ter in ftäbtifc^e 9{emter einjutreten, angeboten ^be. 
Unb in gleicher aSeife (|at baä ©eft^Iecfit ber gugger fid) au8 
ber ©eijfoflet'^c^en gamilie mit SHei^tSconfutenten recnitirt»). 

i&i finb jum ^l)ei( fe[)r HKdifclnbe t^unctionen, in benen 
tüir bie SJoctoren finben. 2;cnn notti ift bie Entroirftuna be* 
£Beamtentt)umd in rafc^em S^uffe, bei Sfemteifc^ematiSmuä ju 
wenig auägebilbct, um bie Sompetcnjüer^ältuiffe fefl abäugrenjen. 
Eie affeffuren um SReii^äfammergeric^t, bie ^rofeffuren an ben 
Uniberfitfiten , boä "Hmt be» Sonfulenten , ©tabt= unb Stat^d> 
fc^teiberS ober ©i)nbicu§, eben fo bie Stellung eineä fürftlirf|en 
SRat^S unb felbft bie beS Äanalerä roirb gttoö^ntit^ nur auf eine 
9)ei^e bon Sauren übernommen, na<^ beten Ablauf ber S^iKtor 
fe^r häufig in anbae ^Itenftc ü&etgef)t. Suc^ werben bie ber= 
f(^iebenen gunctionen mannigfaltig combinitt. ©o ift bie Stffeffur 
an ben ^ofgeric|ten unb baS ^mt eineS ftirftlid^en 9!att|$ fe^r 
oft mit bct ?ßrofeffur an ber SanbeSunibetfttät berbunben. SJenit 

1) Schmidt, Sjmbolae ad vitam Gr. Haloandri. 1866. p. 16. 
SlctSÜfl, fflttgDr ^aloonber. 1872, ®. 13 ff. 

2) 5Solf, Euca« ©eistofln: unb feine ©el6fl6it.flrap6ic 1873. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. S« SMtifhnftanb. UntBerfhatatt^i: unb ^mftiter. «cteitBcrfeitbmifl. 63 

neb«! ben „B)c[€ntlid|en Siät^en", Jodcfie Derjjflii^tM finb, ftd| 
fceftänbig am §ofe aufeu^alten, p^gt ber gürft in gtöfecrer 3o^I 
„Stätte von ^uS aud" ju ernennen, nef^e nur in be^onbeieni 
«ufttogc Eienfte ju teiften liaben. Unb moni^er SJoctot toat 
„fHat^ bon^duä ouS" bei md)reien Süiften gleidrjeitig, fungirte 
je nai^ Sebürfnig auf Sftequifttton unb luttet^iett tvo^l baneben 
eine fortlaufenbe Eotrcftionbenj, in toelt^et er bem 50^*™ ^^ 
Wichtige Vorgänge, bie ju feiner ßenntnife famen, im politifc^en 
äntereffe berichtete, ©efanbtf^aften in ))olitif(^n ©ef^ften, 
contntiffatif^e unb gerid|tlt(^e SBer^anblungen aHei Sfrt nöt^igten 
bie ^octoten ju einem betoegten Seben auf 91etfen, ju benen 
aud^ ber „81at^ bon ^auiS auS" fidi auf. Sifurbem bereit ftnben 
(äffen mufe; toie benn oud) bie öeftaKungen bet ftäbtifi^en 
@9nbici ge)Dd[)nlic^ bie Seififlic^tung i^um „Steifen" unb „Steiten" 
ouSbtudli^ ent^ten. Sie Soctoten begtetten, oft in äRe^tjO^i, 
if|ic tprften auf bie ^eit^Stage, too i^en bie Säertretung ber 
€tfibte gORj übertragen ju fein p^egt. 

Sbei ni^t blog in förmlii^ übertragenem SImte übten bie 
Soctoren prdtif^e ^ätigfeit, fonbem als ein fieieiS ©etoerbc 
Warb bie ©rttjeUung Don @uta(^ten betrieben •). «Seit bem ©nbe 
be^S 14. Sa^c^unbertS roenben fi(^ Jßic^ter unb Parteien an 
nam^fte Suriften um älec^täbele^rung ; guerft finben trir ed 
bei geiftlii^en ©eti^Ien unb ©djicbägerii^ten, bie Mefponbenten 
finb Äononiften. ©n 3a^r^unbert f^äter begimtt bie ©pru(^' 
pta^i ouiggebe^nteren Umfang anjunetimen; au^ bie fteltli^en 
@ertd|tc nehmen fie in SCnfpiut^. 9!eben ben ^rofefforen finben 
toii im 16. 3o^r^unbcrt ^octottn in onbem Äemtem, Wie j. S. 
ben grontfurtet ©^nbicug gidiarb, welche bie ©rt^etlung bon 
Sonfilien als 9lebengef(t|äft betreiben, unb SInbere, Weli^e o^ne 
amtlidie «Stellung, mie ^pener, jeittDeilig fßal. ^orfter, 3R. flßng. 
3)el^rb ©orft, ganj Don bicfer ©eft^öftigung leben. 



1) ®tob6e 2, 75f. ©tüljel 1, 187 ff. ©eeget, bie fttofra^itöcn 
conailüi Tabiogenaia. 1877. @. 20 f. 



bv Google 



64 SnmttS ttapitd. 

^ bec ivmten ^Efte beS 16. 3af|i^unbeitä erreicht tric 
©ptiid»))ia£id bet einjelnen Sutiften i^ren ^^epuittt. S^oneben ' 
afier ^at fü^ aUmätiUci^ bie UeSung auggebtibet, bte ($acu(täten aU 
Qj^Kegten um (Sonfilien attjugefifn. Z)a£ früt^fte une ciEiilIttne 
^acuCtätSgutac^teii f^ehit ein Srfurtec aui bem @nbe beä 15. 3ii^i< 
Ijunberta (Coden, Consiüa 1575 No. 79) ju fein ; bolb me^rt fi(E| 
i^re 3a^(, unb fett bet Wittt bed 16. 3af|i^unbeits finben fid) 
in ben ^cultatsftatuten SSeftiminungen über itire Slbfaffung. 

aSa« fid) auf biefe ?trt im ©ebtoud^e ^eraiiäbtlbrtc , loaib 
burc^ gefe^(i(^e Steftintmungen gefSrbert unb befeftigt. £anb> 
unb @tabtrei^te, iDeld|e bie fubfibtän ©eltung be^ tÖffli((i|tn 
SHet^t« anertennen, fdjretben jugleidi oor, bafe fit§ bie Uttf)d[ei 
itt B't'^fcli^fätl^n QU @)e(e^rte, an UniDcrfttfiten inenbm foQcn. 
Unb oon entfc^eibenber 8ebeutung ift eS getoefen, bag bie 3ß.®.D. 
»ielfat^ bei Süden beä ©efe^eS auf baS gemeine iRec^t unb ben 
9?at^ bet Mci^tSbeiftänbigen öerwie», in i()rem ©t^tnSartifet aber 
ffir gemiffe gdQe auäbiAdlif^ ben Sttc^tem befahl, „bei ben 
nät^ften ^o^ @d|ulen diatf) ju fuc^en" — eine 8eftimmung, 
toeldte bann in »ielen fiotticitlärcn ©trofgetic^tSorbnungen niiebei= 
^olt unb no^ ecmeitett tuutbe. 

gaft unmetflit^ enttetdelte fid) fo baS Snftitut ber %cten= 
Detfenbung, b. ^. bie Einrichtung, bog eine tjacultät auf 
®runb bet ilit fibetfenbeten Steten ftatt beä einfenbenben ®ertd|tä 
unb in beffen 9tamen baS Utt^il betfagte, xodd^ei bann Don 
biefem nur ju beriünben toar. Unmeiffi^ nni bie äkränbetung, 
bag ben @t)tac^ten ein fotmuIirteS Urt^eil einberieibt obet bei' 
gefflgt hjurbe; e3 (ag barin nur eine gefi^öftlid^e ffitleii^tcnrag 
fOt bie @eri^te. ißebeutenbet ift bet jmeite ©c^ritt, bog bai 
•Siaborat bet tlfdcuUSt nict|t metir blog bie l8ebeutung eined 
9tat^. fonbem einer @kri<^t unb ^tteien binbenben ^t' 
fi^ung I)at; eine @e^ltung bn @a<^, toeI(^e nur untet bem 
Einftwffe jener gefegtidien ffleftimmungen erfolgen fonnte, benen 
bie SBequemlit^feit unb Unfii^erfiett bet ®erid)te bie meitefte 'an* 
»enbung ju geben geneigt mar. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. 3>ci Suriftaiftanb. - HttiDetfiiSteit^ unb $TattUei. flcteitwifmbung. 65 

^ie Sr^cuttäten ^aben irii^t nur bie alten Obet^öfe Dec» 
brtoflt, fonbern eine wirf einflu|iet^ere ©teHunß aU bie(e fles 
tDonnen; unb nui bem Jßamen na<^ touiben etnjelne ©^öffen* 
ytülift baburtf) in ifiiem »n(E^en erl^fllten, bafe fie inie in Äeipäifl 
unb Sota mit bei t^cultdt Derfdimo^en ober loie in ^aOe unb 
Äoburfl mit SRec^tSgele^rten bt\e^t tourben. 

Sür bie UniDerfitäteit toai bie Kumulation ber Remter, bte 
95crbinbunfl praltifd|er 3:^tigleit mit bem Sie^rberuf »on ber 
nachteiligen SBirfung, bog bie SSorlefungen nur mit langen 
Unterbied|ungen gehalten »erben tonnten. 3n Slngolftobt tabett 
fi^on 1488 ein amtlid|er Sriag bie jurrftifc^ ^lofefforen, bag 
jie bte Sefetage ju anbem ®efcf)fiften »ertoenben unb laum bte 
^Ifte beS äa^ieS IBoiIefungen galten ; unb faft genau ein So^ie 
^mtbert (pöter (1584. 1586) wirb berfelbe SorWurf TOtebet^oIt^). 
Süiä einem ^anbfc^riftlidien a3ctjei(i|ni|fe ber ju SBittenfictg »om 
24. Suguft bxi jum 15. ^tcembet 1519 getniltenen juriftift^en 
Secttonen ge^t ^ertjor, bog jtoar tion fömmtfidien 3)ocenten 
6 ©tunben täglitti angrfünbigt TOoten, aber in ber 3^at nur in 
ber 3«t ^om 17. October biiS 11. 9Iotieniber tfiglii^ in 3 ober 
4 @tunben regelmSgig gelehrt mutbe, toäfiTenb augerbem ba^ 
£efen mo^enlang ganj unterblieb ober nur I^tn unb toiebei tn 
einer ober jwei ©tunben fortgeje^t rourbe*). 31e^nlid|e 9?et> 
tjältniffe beftanben an anbem Uniüerfitfiten, unb toenn aud| t|ier 
unb bort Sbltülfe Derfui^t mürbe, rote i. S. bei $fa[}graf 
fiubtoig VI. fui ^belbeig bie SSenuenbHng ber juriftifc^en ^ro* 
fefforcn ju anbem @efd|äften toä^ienb bei SSoiIefungen untet' 
fagtc unb ber ofabemifc^e ©enat in greiburg gegen äRqnfinger 
(1539) ein|d|ritt, todl er fi^ bem 9bt »on Wiaxbadi ali ?iat^ 
oerpßiditet ^atti, fo blieben bodi fotttie 2l?agrege[n gegenüber 
bem öebürfnijje ber Jfirften unb ben pecuniäien 3ntereffen ber 
^ofefform oE)ne nadi^altige SBirfung. ^atte bot^ bei ^fatj^ 

1) ^inntl, «cf4. b. Submifl'Woi^linilianö'UnitKrritat 1, 7a 310f. 
2} mutzet, aue bem UntDcrTitatSIcben €.238. 
etiatUi. ««n. t. anrlftinbni). I. & 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



66 SatiUi Jta))itrl. 

flraf Subroifl felbfl bei feiner SJerorbnung fßt faie beibert ^n= 
bdtiften eine SCuSna^me berffigt, ba er fie „ju iinfeter unb unfeie^ 
gürftenttiionb« ©eft^Öften" flebrouc^en woHe. SR. D. Offo') 
(1506) [lagt, bog bie „uome^mften" äßitgltebet ber 3unften= 
facultät tu Qeipjig „mit anbent Qlefc^fiften atiS @<^(tptienftit(|I, 
Dielet t^ücften unb ^erren X)ienften unb mit über^Auften ^attifen 
beimaßen belaben feien, bafi fie ber @^ulen tägÜc^ ab^umoiten 
Der^tnbert nui gar feiten [efen, baburi^ bie Sd^oIareS treffenliifi 
Derfäumt toetben". — 3" t"'^!*" omtKc^en Functionen tarn bann 
bie auageb^nte ©pruii^propS, »on beten Umfang bie gtofeen Son= 
ftlien[ammlungen beS 16. unb 17. Sct^r^unbettS einen greifbaren 
SRafeftab geben (Dgl. ffap. 13), außer ben ©ammlungcn ber Gom 
ftfien terfcfiiebener Autoren finb un8 'oonQa^mi,^.®Sbea,®d)ÜT^, 
a)lQnfinger, äSefenbed, ^artmann unb äßobefttnuä ^tftoriiS u. ^. 
gotianten etl}alten, in benen bie ©ntat^ten nac^ ^unbcrten 
äQt)Ien; unb geWiffenl)ttfte Sekret wie Qa^i unb SBefenbect 
betlagen fid) in Sricfen unb SHeben über ben fflbbrui^, ber bun^ 
ba« SRefponbiten itjrer miffenfc^aftlidien X^fitigteit geff^ielit*). 

ÜDie Sef{§äftigung mit (jrQltifcfien arbeiten, bei fuJl W" 
^rofeffoi ber 3uri«prubenj in ÜDeutfdiIanb entjie^en lonnte, ^at 
nitt)t nur auf bie ©eftaltung bei 9!ed|tgf)ftege einen beftimmenben 
6tnflu| ju fünften ber fremben, gelehrten 3nti8ptubeni au8= 
geübt, funbcrn ttu(^ auf bie ©eftoltung ber iriffenfc^oftlit^en 
^ätigleit jurQcfgcniitlt, inbem eä it|ie tjauptfät^Iii^ftcn %x&%tx 
in eine überwiegenb praEttfdie SRii^tung brängte. D^ne B>'>fifrf 
liegt in btefet engen SSerü^tung mit bet Stei^tSantoenbung ein 
aUorjiig, ein ©erainn för bie lö^orie, fofem fic^ biefe bur^ bie 
Scnntnife beS praftifc^en Sebenä befruchten unb »or ben 3rr= 
n^egen bet SIbfttaction bemafiten (ägt. Unb für ben afabemift^en 
Unterricht toar bie ptolttfi^e (Stfoljtung ber 2el)rer um fo unenl« 
be^rltdiet, olS jenem bie 9Iufgabe gefteQt luat, ben jungen Suriften 



1) Xt^tammt 1656, ^rauSgcgeBen mn X^amnfiuB, @. 

2) Zasii Epist. p. 111. 116. IM. 168. 171. 461. 507. 
Frolegomeua. 15ti3. Oratio de Mudaeo. 1572. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. »CT gnri^itünb. UniMtTitfltfl^wr unb ^rottilo:. StctenHerfotliung. 67 

DoOftänbig füi bie ^xofis oudjuEiilben , in bie ei jofort nad^ 
DoOenbetan iStubüim übectiat. allein man entging auc^ ittc^t 
bet m foI(^ec SSerbinfaimfl Keflenben ®efat|t, bafe bie %^om 
mit ben anteigeorbneten öebütfniften ber SßrajiS, biefe mit benen 
bfi @(^n(e unb i^ren ®elDo()nl|ötcn ßberlaftet unb gehemmt nrarbe. 

ätuc^ ift ei nii^t ju beifennen, ba| untet bem Uebermage 
)>mFtifd|er ®ef^äfte benm, welche oor SlUen jur t^örberuug bec 
Sßtffen^i^oft berufen marcn, ber ©inn für bie freitgorft^mig öielfaöi 
etla^mte. 3Bte bie prafttfc^en 9^(bungijie(e bec alten Se^rmet^obe 
be* mos Italicaa bie ^errfi^aft fn^etten (ögt. ^ap. 4), \o finbcn 
luir nii^t feiten, bog Suriften, meltfie bei intern erften Stuftteten 
ber SSiffenfd)aft erfpriefetic^c SMenfte ju leiften Dcrf()tfl(^en , in 
f()äteren 3al|ien oöllig improbuctiD Wetben, iinb bafe lange Qät 
ber bcutf(§en 3uri8l)rubenj ein geWiffeS 6anaufif(^ ©eprfige 
anhaftet unb nur bei UKuigen ißettretem ein ^i)E)erei ©(^ipung 
nxitirjune^men ift. 

®8 fmb inbefe nic^t filofe bie ©octoren in i^ren ^erüot' 
ragrnben ©teßungen, fttet^e bei ber SSilbung eines 3urtften= 
ftonbtS in Betraft tommen, fonbern faft nod) me^r bie roeit^ 
Verbreitete fiteffe juriftifi^er Sßtattiler, »efdie bie summi honores 
nictit etwotBen fiaben. S)ie fteineren ©tobte, bie nieberen ©eric^te 
mußten fit^ mit ©Treibern begnügen, bie befi^eibenere STnfprüc^e 
an ©ttoetb unb (£^re erhoben, unb boS Sperfonttf, bereu bie 
fittftli(^e 3uft(ä unb SJemaltung beburfte, tonnte fiifi nur in 
feinen ©pi^n auS ben SJoctoren tecrutiren. 3" liefen aratric^en 
©teUungcn famen enblit^ bie freien ©ctoerbe beS ^ßotariatfi, ber 
StbDocatur unb $rocuratui. 

Sie Äbfoffung öon Urfonben aller Mit ift ton ?Hter8 ^er 
ats ©eroetbe (c^rifttunbigcr fttcrifet betrieben wotben. SBon ben 
Kotariotäfc^utcn in Stofien brang bann aui^ bie ars notariatue 
no^ 3Jeutfcf|(nnb unb fanb mit bem fc^riftfiri^en Sproceffe unb 
ben fremben {Heilten immer »eitere 9?etbreitung. ^i"" Unter« 
fc^iebe Bon bem gettJÖ^nfii^en Schreibet übte bet 5Botar feine 
fiunft auf ©runb tjöl^erec autorifation, nielt^e urfpriingli(!^ »ou 

5* 
D,q,i,i.:dbvGoogIe 



68 B»>äm ftapiid. 

$a|ift iinb jtaifet, fpätet, unb jwar feit ^ebtiti^ m. gem&^ntid), 
Don ben faiferit^en §ofpfa[jgrafen ertfieilt imirbe, auf @runb 
einer ^Prüfung, m bet ein BelDiffeiS 3Kfl§ jurifttft^er ftcnntntffe, 
namentlich übet Oef^^fiftSroütine geforbert ttiurbe. flaifer SHofi' 
milion« SRotariotSorbnunfl Bon 1512 Oerffigt, ba^ feie Kotarien 
„red)t gelehrt Jein foßen, QufS Joenigft in ben 3)ingcn, bie folc^ 
SlotariatSamt betreffen". Äiii^ bie ißerfretung urib bet te^tS' 
(unbige JBeiftanb • Ooc ®end)t bifbete fi(^ ju einem ftanbeS* 
mägigen ©etoerbe f|crau&. 39}enn eä früher Qbli(^ mar, ben 
„gfirfpre^" aus ben ©d|öffen jU loä^ten, fo Werben feit bem 
®nbe beS 15. So^rljunbett« bei ben ®erici|ten „gemeine Sebner 
unb $rocuratoien" ernannt, mie benn bie ^ammergeri<^täorb= 
nungctt nur eine gewiffe Änjatit geprüfter Sfboocaten unb ^pro^ 
cutQtoren äulieften. Mein bie 9let^t8beiftänbe unb gcric^tlii^en 
Vertreter bUbeten (einen gefi^toffenen ©tanb. 3m ÄBgemeinen 
blieb ed ben Parteien unbertuelirt, fid) biefelben nadi iBelteben ju 
mäiUta, fotteit ni^t pofitiue ©c^ranfen gejogen toaten. 3e me^r 
aber baa iHe<^t unb ber ^roceggang fti^ bem SBiffen beS iSolfd 
entjog, befto affgemeinec mufete baä Söebürfnife empfunben Mierben, 
bie gü^rung ber SReditSftreitigfeiten 9ied|t«Iunbigen «nb Äct^tS» 
erfül^renen anjutiettrauen. 

So ungfeid^ nun aiic^ bie juriftift^en fienntniffe in biefen 
Derfdjiebenen ©teflungen öetbreitet fein motzten, (o bitben fie 
unb ifirc berufsmäßige SSertoenbung boc^ baS gemeinfame Clement, 
welches beten 3n£(aber ju einem Suriffenflanbe nerbinbet, ber 
fett bem legten 8}iertel beS 15. 3a^rI)unbertS burc^ S^ren unb 
pecuniSren ©eUinn fteigenbe ätnjietiungSfraft auSflbt. @d|on 
bamalä ift efl ©ittc, bafe bie Hngetiörigen ber tiome^mftcn ffiaffen 
i^te a(abemif(^ Silbung in ber juriftifi^en gacultöt fndien ; ber 
gciualtige 3>'brang, von meldiem uns in ber erften ^filfte bed 
16. Sa^t^urtbert« berit^tet toirb, jeigt ober, bafe bie Slnsie^ung«« 
fraft be« SBetufS fii^ auf bie meiteften Äreife erftretfte'). 

1) HegendorfiDDB, oratio deartibuB. Ep. uuncup. 1629. Apell, 
Isagoge. IMO. (Reasiier, Cynosura 1, 180 b.) — U«ber bie Sr^cqueng bn 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. 9cf<^iDeiben ü&er ttra Sutiftenflaiib. 69 

9. fianb in ^atib aber mit ben 93eiii$ten übei beti 3ut»:(ing 
jur jutiftifd^en ^xa^i ge^en faie erbitterten Ätoflcn gegen ben 
©tanb'). glitten beft^toctt fti^ übet ben junel)menben ©rtftufe 
her beftet^Iidien, nur auf ®eltiinn bebauten ©^reibet unb Sutiftcn. 
3afiu« T^üt i^ce ©ertifitfit, ©abfuc^t unb Kabuttfterei. ©tet^ 
f(|arfen S^abd finben ioir faft ftereot^p bei ©ic^arb, SWelom^t^on, 
^tnborfinuS, tiptSi unb ben ja^frei^n ©(^liftfteQern, loeli^e 
fid| über baS juriftil(^ ©tubium im Mgemeinen öerbteitai. Sic 
ßanbpänbc in ©aient unb SBürtcmberg bejt^wjcrcn ^idf über 
bai ©nbxingen bet fremben ^ätf^e, ber frentben Suctoren unb 
fremben 9ted|te. 3n ben Untutien bet öauernfriege tautet bic 
iJorbcntng auf, ba& fiembe Sic^t unb bte gelehrten fünften 
gänjlt^ gu befettigen, eine gorberung, welche in ben Flugblättern 
eberlin'g non ©ünjburg, bet fog. SReformation griebric^S in. unb 
ben 12 Sttifeln bet dauern (9rt. 4 u. 6) t^ren SluSbtud finbet. 

9uS biefen unb ö^nltdien Seugerungen f|at man auf eine 
bem Einbringen ber fremben 99ecE|te entgegentretenbe nationale 

juiiflifi^ SratuTtatm fi^ie Sisebniffe gu geninnen ift tnuin mSQli^. &d)t 
nwn pon ben fiäitm 3'fif"' '"^ gefammten jä^rli^tn SnicTiptionni einre 
UnitirriitBl aufi, fo tann man hit eine ^älffc auf bie «rtiften rd^ntn, bie 
aabm auf Me brri ^^m gocuMlen bWi^ iwil^Hni unb getoinnt je '/• 
ffii bt( Suiift^x- Um bm jS^ilit^ $itlfen)rtanb ju iticäinen, barf man 
rnffimibt (mitaSut^et, gut ®e{(^i{^tc @. 242) «in bun^^niltlti^ äiä^dgeS, 
fonbcm f ÜT bit 3un^n )itfloaiiiit mti)X als einSja^rtgtSStubmin annehmen, 
ba Oon bicfcn nui ein ficinei ISnic^t^eil bie aammi honores tx^fttitt. SanaiQ 
nröben fid| ergeben: Stfurt Don 1470 biB 1500 buri^ti^niltlt^ ca. 370 fünften. 
Snaotftftbt üon 1472 bis 1512 but*WntttIi« ca. 100 Suriftm. Sübingen 
Don 1477 bie 1522 bun^f^nittlii^ ca. 50— 60 3urift«n. !Öa[eI »on 1460 
bis 1500 bun^fc^ittlit^ ca. 40—50 ^uiitten. Xiefe Seredinung, melt^ o^ne 
onf Qttxtii\fisiät !tn[)ini(^ ju ergeben ba<^ annü^cmb ri<(itig fein winb, 
ftfi^t fi(^ auf bie aRltt^eiluneen bei 3nut^er, gut ®efÄic^te ®. 242. 
¥rantl, öefÄi. b.Eubn)ia^TOnjimiIian8..Unioetfttat 1, 64 f. 101 f. etotiftit 
b. UniBerf. Z^tngen. 1877. ®. 45. Wif*cr, ©cf^b. UniBerf.^afer®.256.— 
nnl 1^ Bagt 3afraB über geratgc grtequeni (Epist. p. 62). ettDO 20 ^afiie 
fpütei ftubiren bagcgen nai$ tSkfcnbcif'a 3<^9"i& '<i SStiKn mt^i al9 
SOOO Sudften! 

1) Stobbe 2, 44ff. ©tln^ing, ®efi%. b. poful. Slteratur S. XXni f. 
9ti)bbeTmann-€<^ut) €.96 f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



70 Butüti ftapitd 

Dppofilioit gefc^toffen, auf einen Siberftonb, ben baS 8S0II bem 
gele()iten Surtftmftanbe geleiftet ^abt. 9tlletn eine nälicce fBe- 
tiaditung ergibt, bog bie SCtdIagen auf fef)t bei:f{^iebeneif Ui> 
fadien berufen unb junt 'i.iftii entgegengefegte 3^^' Derfotgen. 
SBerfte^t man unter bem Slbftractum ,SSdK" bie ©efammt^it 
ber bürgetltdien filoffen im ©egenfa^ ju ben SSuriften unb 
^Beamten, fo fann Don einec allgemeinen iD))pofitton fd|on beS^^ 
tvegen nic^t bie Siebe fein, »eil, mie teic 'gefeiten ^aben, bie 
Matteten in toeitem Umfange fic^ fcetwtOtg, nad) eigener 9Baf|( 
bem gelehrten 3tiditert^um ju unb ben ©c^öffengerit^ten ben 
Sjüden manbten. ^a% jene nad) gemeinem gefdirtebenen Stetste 
fprai^en, wugte man; unb bieS mar jum ^^ü gerabe ber 
(^runb, fte ju futi^en. 3a, efl ift 3U bef^auptm, ba% bie %nnien< 
bung be* geft^riebenen SRetfitS, fo mentg eä audi »om SBoIfe 
getannt mar, al§ ein Bebürfni^ emfifunben tourbe. S)enn ein 
ungef^riebeneS, nur im Seunigtfein beä Urt^et(e:ü>en (ebenbeii 
Siecht gemährt bag ©efüfjt ber SRef^tSfi^er^eit nur fo lange, 
als eä Oon gleic^fte^nben ©enoffen gefunben unb geE)anb^afit 
Dttb. ©0 lange erfennt ber Sinjetne in bem, xoai jenem biUig 
unb rec^t büntt, fein eigene* Urt^eil roieber. äSJenn aber burt^ 
bie fDrtf(^reitenbe ©dieibung ber ©erufsflaffen imb Sntcrcffen 
bas' genoffenfc^aftli^e Sßefen fic^ lo&rt unb bem ^emugtfein 
entfdiminbet, fo fann bie Stec^tSfii^er^eit nur nod) Don einem 
91e<§te erwartet werben, ba« aU formal binbenbe äufeere Autorität 
Aber bem 91ic^ter unb ben Parteien fte^t; unb bie geffi^rli(^fte 
SSenbung mfire eä, um mit SuftuS a)I5fer') ju f)ired|en, wenn 
bem „uitgenoffen Mieter eben bie SKodit, melt^e »otbem bie 
genoffen Ratten" gegeben würbe. 9hir wo in einfa(^en 9ki{|ält> 
niffcn baS genoffenfdiaftlic^e SBefcn fic^ erhielt, blieb auif) bog 
©d)Öffenre[^t genügenb. 8B0 fte gefdiwunben roaten, burften 
bie bürgerlichen ftlaffen in 3)eutfd|lonb Hon bem faifetlit^n 
Metrie in ö^nlicfier SSeife 9?ec^t8firf|eröeit erwarten, wie e« bie 



1) ^tnotift^t! Vdantafien 1, 50 am <£nbe. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. SeI<^iDnben über bcn ^uii^ftanb. 71 

rihraft^ ^rrf"* BD" fcnn ge((§tiebeiien Sobcj bec 12 Xafefn fi(§ 
Hifptoc^en ^tte. @erabe bü ttoQSt^uinlti^en CEtemente bei 
Siotion muSten einem Meiste äugtt^on fein, WtU^tS bie ^ßriBi« 
legten bei getnalttfiätigen 3fltttetf<f|aft ntd|t fannte, ein glei^eä 
Set^t für aUc Wot unb bem auffttrbenben SSfligerftanbe bie 
fu^ent unb er|iio6tctt Sßornien füt jetnen S^erfe^r baibot. 

'^e Oppofition bei aufftänbifc^en iBauem, Von liielc^ec no^ 
in anbetet SSerbinbunfl ju teben tft, ^at burc^auä feine nationale, 
fonbent eine focialiftiji^ SSebeutttng. @ie tft nt^t gegen bad 
frembe 91e<^t atö fofc^eS, fonbent gegen baS iveltlic^ Slei^t 
nbeT^aut>t geiid|tet, an beffen ©teUe baS ,g0tt(i<^e unb natut« 
lic^c" tieten foQ. @ie tft butc^btungcn uon bem $a§ gegen bie 
Cbtiflfett unb bie fiberüeferte Crbnung flbet^amit, bem feine 
anbeie 99ebeutung jufontmt, als bet unjuftiebenen Sege^' 
lii^feit, »ri^ ju bcn ejtiemcn SJoctrinen bet ©ociolbemofeaten 
mtfeiei %a%e neiffl^it. Unb geiabegu entgegengefe^t ttfläit ft(^ 
bie Cppofition bet Sanbftfinbe auS ben defonbeten ftänbifd|en 
^teieffen, bet !BcfAtd|tuttg , i()ce ^ottec^te unb autonome 
SteOung geffi^cbet ju fetten. 

SS tft enblid) aQen i@ef(^n>eiben gegenltbei nid^t }U Der' 
geffen, bag (aum eine anbete SetufSatbett in gtetc^em äRafie 
bei «nfieunbli^ Äritif aaagefetft ift, mie bie 9tet^tä|>flege. 
"S^etm ^bei, bei mit U|t in S^üt)tung fommt, p^egt feine 
beftimmte äReinung üb« fein fßec^t mttjubiingen, unb jebe dnU 
ft^ung ben Sinen, bet unteitiegt, jui unjufiiebenen Sefdiraetbe 
iu leijen , toelttie bann i^ie ®rünbe unb SBaffen ben niemal« 
f^fenben @et>te(^ bet Sttftitution entnimmt unb fie in bie 
be(ie6ten ©^logUOrter beS Xage8 Reibet. 

3nbeffen bleibt bie ^atfadje befte^en, ba§ Uujuftieben^t 
übet bie Suftis in weiten Äieifcn netbreitet mat. 3ebe Ski« 
änbeiunfl gctoo^ntet 3"^*»''« Pftcfl' ß«abe in ben unteiftc« 
®<^id|ten tiefee äRigbe^agen gu erregen. !Senn Wenn ft^on baS 
!Reue an [vä) olä Unbequemlic^feit em))funben wiib, fo ctf<^einen 
bie aRängel, bie eS mit f«^ fü^tt, boppelt 6ebto^(t(§ im SSet* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



72 Sw'te» Äopittl. 

gleitti mit ben UeBetftänben be« Alten, bie in bct ©ciRneniufl 
tierbtaffen unb beten gftoo^nte Saft ber Uttfieilätofc leichter 
tragen mag unb fieber tragen roiU, al8 bie ©efal^rcn beig iReuen 
auf ft<^ )u nehmen. Slan motzte bte @rfa^iung, ha% ber <Bn' 
flufe beS grateinen SRanne« in ben @eri(^ten patal^firt nmrbe; 
man war »or bie Slotfiroenbigfcit gefteöt, bem fremben Sei^t j" 
(Stiren fti$ jur gerii^tlit^en t^^rung ber eigenen guten @ac^e 
eines gewerbsmäßigen SfbUocaten ober ^ocuratord ju bebienen, 
bem man it)r ©d|idfa{ anvertrauen mugte, fo gering auc^ fein 
Snteteffe an bem Ausgang war. Unb Wenn nun ber ©ong ber 
^roceffe \iä) befinte unb KT\äiUppte unb ((^(iegli^ eine @nt< 
f(^eibung erging, wel(^e mit ben überlieferten unb Don ben 
@^öffen fät Siecht getialtenen Vnftc^ten in 9Biberffiiu^ ftanb, 
war e8 begreiffic^, bog oft in Unmut^ unb SJerbrufe bie gonje 
Steuerung mit ben baran bett|ei(igten ^erfonen tierwflnft^t Würbe. 
Ueber bie tieferen Urfoc^e« be* Üebelä laffen un« bte cin= 
fii^tigen ©djriftfteDer biefcr Reiten nic|t im ^Weifet, ©etnaltfam 
unb rüdfii^tSloe Warb Dielfac^ baä ^imtf(t|e 9IetE|t in ber ^n* 
Wenbung bem römifc^en geo))fert, baS 9tei^tSgef([l^I burc^ iabu= 
Iiftif(^e getttgfeit überwunben. S^rgeij unb ©ewinnfut^t ber 
3)octDren waren Wirffame JBunbeägenoffen für bie fteigenben Um 
fprüc^e ber SanbeS^erren. Unb in bra untern ©if|i(^teR beS 
SuriftenftanbeS fonb fitfi eine unfaubere ©efeHf^aft jufammen, 
bereu treiben uns B^ftuS, Hllelant^t^cin , ^zob Stbbti unb 
anbete fdiilbem. önfe^u unb 8Reid)tf)um, tjeifet e«, fteöe bie 
3utiSptubcn5 in ?luäfic^t; e^i^geij unb §abfuc^t fü^re il|r 
jünger in TOenge ju, SBenige nur Wollten fie auS ebJen 
aßotiben; boljer fei fie ju ber gemeinen gcrtigfett tierobgefunfen, 
JU ftreiten unb einen ©treit ou8 bem anbem ju entf^iinnen. 
3)er lanbtäufigen Säefdiutbigung c^icanßfet ^tocelfß^rung unb 
rabuliftifdier ©eutelf^netberei iwrbanft ba8 ®püäfa>oü: „Surifttn 
6ö[e e^riften" feine populäre Sebeutung unb Verbreitung. ai8 
?Iu«brud ber Seitftimmung ftnben wir e8 bei ben pofjulärften 
©^riftfleHem im Mufang beä 16. Satir^unbert« , (Seiter öon 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. «tf(^Tbtn Uta; ben Surirtenftanb. 73 

Aaiferdbeig tinb ^omaS SRurner, in btefem @tnn tm&ipx.t, 
iDdltTcnb eS in ben SeUegungen bei Steformation no^ eine 
aabcn Sebeirtunfl gewinnt'). 

@i^t(^ ^ebung bnei, (Deiche bas üttäjt [|anbtiafien foKen, 
\\t bte ^otbetung, tneli^e in ben jo^IcEii^en J^obegettfc!^ €d^rtftm 
biefei $eriobe an bte @pi|e geiteOt toiib. 

SOletn nt(^t tueniger als bte ftttli^n ®efite(!(|en loirb bei 
3Raiige{ tDtjfenfc^aftlicEier Sttbung gerfigt*). @^Dn in ber erften 
^Ifte beS 16. 3at|r^itnbcrtä fc^ilt bec «etfaffcr be» flloa* 
fintgeiiS bie „Unnnffen^t unb JtunftlDfigfeit" ber ält^ter, bie 
fti^ i^rcr „fal((^ Urt^t ff^ämert" müfeten. Sle^nlt^ tabetn 
$tter bon Snblau unb 0}auIIeruS bie 91ec^tf))iec!^ung berer, 
bie bont faiferltü^ Siebte nichts miffett. 97ac^bcücf(i^e Klage 
er^t ©eb. Sront in feiner gereimten 93orrebe ju U. Sengter'S 
fioqenfpieget (1509) Ober bie ben ^orteten Derberblit^e SSguotanj 
ber ütiäjtn unb \potkt ber Snmagung, bai Stt^t ^anbliaben 
ju mollen, o^ ed gelernt ju t)aben. 3)ie „Sa^ifc^e Stnidgung" 
(1531) [fit^, ben armen IBauerdmann bei feiner tlretbarbett jU 
tuffeii, „baju er o^ne Smä^ nuger unb geft^idtcr »fire, benn 
ium Uitl»eilfpre<^en''. ^itei jebod^ tautet baä UrtlietI über 
bte UnmiffenlKit ber ^rocuratoren. „Sei ber Sturnfpf^t ber 
^tei", fagt 3Relanc^tI)on, „bringen in bie ©erii^täftätten bie 
fobeften 9tabuliften als ©ai^oltei ein, bie auS einem ^ocefi 
ben anbent gleiten, i^re Stienten fc^inben, bie @täbte tilunbern 



1) etilci DDii ftaifcrSbetg, SrrieS^af. Stragb. 1505. fol »1. A. 
ij, b: SS {fi rin qaaäaei @))ri(f|iiiott : MoDcr, 3^0"; S^atgen, Särgen; 
Ih^, Rotten unb Suriften fittb \ä>m bafei (T^Ften. — 2:^. SRuinet, 
SiUmniiinift 1613. SL b. V: gl (etgt ein %o[f jU Uutft^ Surlftm, nie 
jrinb mit bofi fo \üt\am Sgriftm. — 3n nuinei ©i^rift:. „2)aB S;)riif)ioort: 
3urifini bBft S^rfftra" («onn 1875) ^obt i^ Mcfe fiü^fle g^pnnulttutig äfxv 
^cV»- — Dafi boB ®pnif)moTt fdjDn im 13. ^^i^unbtrt In ^anridt^ Der« 
bnltel gWKfcii fd, bt^ou^ttt Caillemer, reuseignemeot de droit cml 
en France Ten U fio du XTÜß si^cle in Nonv. Rerue historique de droit. 
3- kDDie. 1879. p. Gll. ffi« ifi ju febaumi, bofe b« aete^rte Setfatf« letne 
StltBe Zugefügt ftot — »gL «. b. 89. 5, 296 (groncl)- 

2) ettnlins, papal Silenttur €. XXXII ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



74 S^oüta Stapitd. 

uidi bte utuoiffenben Stic^tei jum Spott matten. @ie ^aben fu^ 
mit ben ®efet|en felbet nic^t befdiäftigt, fonbent nut aud ben 
tJotmeln geriebener ^rolttfer i^ie J!^ntntg gefcfiSpft, unb baifa 
tieiftd^ fi(^ tont jelbft, bag fie uon bei $eft ber Oerbeibteften 
©t^riftfleOera anfleftedt finb. " SR. to. Dffa ^) (leftament ©. 461) 
fagt: „^bn no4 «n giöger Sefc^toerung bed SanbeS tft, 
bag man fo tPiel imgele^cte, untKiftanbige $iDcuiatotn uffen 
Soitbe unb in Stäbten leibet, bog ^nbioeifSleute, bte wrbecben 
aber ni^t arbeiten tooQen, fiirdinei unb anber (Steftnblem, ba$ 
bte Arbeit f(iet)et, fid| unterfte^en ju procuriren unb ber 9te(^t 
nid|t adein feinen 9}eiftanb ^aben, fonbem eine!8t^eil8 auc^ 
ntd^t f(^teiben unb lefen ISnnen, ^^m bte armen einfältigen 
fBfirgerS" unb 8auer$=£eutc in einanber, t)inbem gütlit^ 8}er= 
träge, fiaben oui^ etnSt^ite i^ie Seute bie tn bie ©c^end unb 
Sier^öufer umbfierge^en, bie £eute ju 3^<^>t >fii>er t^re Srii< 
Ferren ober anber Seute anreihen unb banac^ ju ben etenben 
Seuten meifen. Sieg finb in fffia^Iieit bie i$iöfd)e, bon benen 
OrigineiS fagt, bei benen Shd^tS ift benn umtü^ Oufiden unb 
©[freien unb bringen bo^ jolc^e @efeUen siel ®eUiS bon ben 
armen Untert^anen. iSatumb foQte gut fein, bag man HbOocaten 
unb Sßtocuratoribuä, bie fic^ folc^et Unart unterftunben, in bie 
Üffiürffel griffe, unb mein gnäbigfter §err bie unberftänbige un= 

1) 9»t((^ior Don Offa, fleb. 1506, »ot dnt &dt lang ^rofeHor be« rBm. 
Stents in Sri^iiig, bann ^i^lidjec Stat^ bei «»ig bem ^ctiflen, fdt 1542 
ERat^ unb \piiitx Jfanjtei fiucfütft ^o^nn S^nebiii^, tr^ielt 1545 {eine €nt< 
laffung ali ftanjUr, blieb jeb«^ iü ffurfütften ,91at^ um ^auB auS', 
mä^rnib a in Sldninaen lebte, mit Stubien unb gefcfiäftlii^ert Kuttragtn 
Djdtr füiftlit^ $etfanen brft^dftiQt. 1549 erhielt « alB eencaltungB&canittT 
ber ®iafen uon ^enntbcrg baS Sd|lD| St^Ieufing jui SBo^nung, nniibc 
15Ö0 (nif erlief !Rat^, 1553 ^o[ii(^iet ju fiei^iiis, bancben fornoä^tenb bon 
Mtfi^icbentn t^ütfttn ju @efanbtf^ften unb Snlganblungen Dcnombtt. Sc 
ftaib fd^n 1557. Sein Xrftament (mit ßominentai herausgegeben Mn S^i. X^tx 
ntariuB. 1717. 4"), eine für Surfütft ^uguft oon @a(^{en bestimmte 3)ent' 
Id)ti|l, ineli^e fi4 Über alle Smeigc ber StoatdcerroaltunQ auBfpd<^t, onfolR 
um 1665, ift eine ber mettnürbigflen unb ergiebigften Ouelltn |üt feine 3"'. 
nu( bie mit uni tu)4 oft benifcn netbcn. Sgl. D. Sangenn, Sodoe 
SK. C. Ofio. «cipiiig 1858. B". 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10. Sißmnsegang b. Surifteit. Sit ^albgck^Ttm u. b. tiopul. Siteratur. 75 

gdeEirte ^ocuiatoieS im Sanbe gönstti^ abfc^affte. Slcnn bie 
Eningen bmi^ t^nn boiS^aftigen Unberftanb ©(^aben unb (ein 



SRan ^t alfo bot @runb Doi^anbener Uebelftonbe fotpo^I 
in bn ®e(^Ttf|dt als in beten SSangel gefe^, bie anflogen fomo^l 
gegen bie ®eld}iim als gegen bie Ungeteilten gerichtet. Unb 
bie ffieteiniguMg beiber Urt^eUe liegt barin, bafe, toenn «8 bei 
ben allen 3uf^änben ^ätte 6(e^en lönnen unb geblieben tpfiie, 
bie flele§rte juriftifi^e iMbung nid|t nut entbe()irli(^ , foiibem 
tpom UcM, bei bei eingetretenen äJerSnberung aber unentbehrlich 
mar: unb je na^bem bie eine ober anbere ISorauSfegung bie 
S^mlMtfiie bn Utt^enbcn für ftc^ fiatte, mugte bad Urttieif 
bie eine ober bie anbere (Üaibe annehmen. SSon bem ©tanb» 
pmlU ^torif^ Setiac^tung gegebener ^atfoc^en auS nvrben 
urii aber bcnientgen juftimmen mflffen, UKlc^e bie Urfat^e ber 
emp^benen Ucbetftänbe neben fittlü^cn ®ebredE|en in ber mangels 
^ften fBUbung eifannten. 

1©. 3)cr normale fflUburtflggang , »et^et ju ben summi 
hooores füllten foEIte, begann auf ber Uniberfitfit mit bem 
®tubium ber art«8 liberales, inSbcfonbere ber 2)ialettif unb 
91^etorif; unb erft ua^bem bei 99accalauteat unb bie äßagifter^' 
nutbe enrorben mar, foQte man jur Suriflprubenj, „ad stndia 
altiora, düficiliora et graviora", übergeben. ^Si biefe te^nete 
man auf einen Zeitraum Don buri^fc^mttltt!^ fünf 3a^n, fo ba| 
eine @tubienjett Don fed|d 6t3 ac^t Saf)ren, in bie, wenn irgenb 
möglich, ein längerer Sufent^alt auf italienifc^en ober franjüftf^en 
Unitxtfitäten gelegt mürbe, ni(^t imgnoö^nlic^ mat. %18 fe[bft> 
oerftÖnUicf) galt eS, bag bie !I]octonDÜtbe erft in leifeten ^^ren 
angenommen toerben foQe , unb nic^t feiten tie§ man nacfi bei 
$tüfung unb 2)iSputation, burti^ aelc^e man bie Liceatia eimarB, 
b. E). bie Sefngnig, um bie Srttietlung ber sammi bonores ju 
bitten, längere 3«* »etftteii^n, e^e ber Sicentiat ben feicrli(%en 
?lct ber Sßtomotion begehrte. 3)cnn bet Soctortitcl nwr, wie er 
31ang unb 31n{et|en ber 91ttterbfiittgen gab, jugleid) bie Signatur 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



76 3i°<^t(e SapM. 

eine» gemachten äKonneS, tier fiäj in fie^e unb $rap8 ben 
()i)^ften älnfprüi^ gmadifen )ngnt nuigte. 9(Iä einen unei' 
!)Srten Seii^tfinn 6ef(agt e$ baliec ^^c^aib, bog er ft^on in feinem 
22. fiebenSjo^re f«^ ^obe »ctfütiren laffen, bie ©octotttiütbe ju 
eitDerben, toeil er babuidi in eine feiner innem Sfteife unb SebenS= 
erfa^rung butd^ouS nid^t entfjiret^enbt ©teUunfl fleraüicn fei 

©n Silbunflägang wie faer ^ier beieit^nete fegte einen Huf- 
luanb X)on ^txt unb Jfoften »oiauS, ben nur bie 3Rinberja^l 
berjeniflen , toett^e fii^ jur juriftifdien ^ojiS btanfltcn, beftteittn 
{onnte. @in 99m(^t^eil ol^e ^tt\d. bxa^U eS, au(^ ofrne ju 
ben suinmi honores burdjiubringen, ju einer genfigenben jurifti' 
fd^en ^^uSbilbung. i&ie groge Sßaffe bagegen, mdi^e mit geringer 
33or6ilbunfl bie Uniberfitäten bcjog, terüefe fie toieber o^ne met|r 
als bärfttge unb lüifen^atte Jtennhtig beS ffte^ti ertoorben ju 
Robert '). 

2)enn ivte eS für ben ISrnjerb ber SSorbtlbung totclfac^ mt 
ben erforberlic^en ^nftatten fetfIte, \a fteStcn bie Sßer^filtniffc 
ber UniDerfitäten ber juriftifi^en Sluftbilbung bie größten @^iertg= 
leiten in ben 3Beg. @ie lagen nii^t nur in ber fi^on ettDA^ntm 
Unregelinä^igleit ber ICorlefungen , fonbetn noc^ me^r in bereu 
fdflDerfälltger unb (ilanlofer 9Ket()obe, uwlc^e unten (Aap. 4) 
auSfü^Iif^ gef^ilbert werben fott. 

Sffienn, wie eä bie Steget bitbete, bie SBorlefung über bte 
Snftitutionen fi^ burtli ^Safyce fiinsog, fo öerfe^Ite fie bun^ 
Sänge unb 8fuSfü^rti(^Feit , fowie baburd^, bag ein 2^t ber 
^H^ßrer mitten in bas "^ema eintrat, gänäfidi ben SH"«^ «ner 
Einleitung in ba$ juriftiftle ©tubium. SMe @£egefe ber $an= 
behen'unb beS €Dbe£ beft^rüntte fid^ t^atffic^Iic^ auf bie breite 
SrBrterung einet geringen S^¥ >""i 'BttÜm im Saufe beS Sa^tS; 
otine f9ftematifdE|en 3tfiin>"^^i3ii9 if^^ fte nur t^^QSt"™^^ ^ 
©iffenfc^aft. 3Ber ju einer Hollen furiftifi^ ©ilbung gelangen 
wollte, bem Würben felbftänbige älnftrengungen in einem @trabe 

1) «gL jum Solgenben ©lintine, ®ei(^ 6- popul. Stterfltur S. XVIIff. 

Ott, «citräfle e. 103 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10. SUbungesiuig b. 3utiften. 2)i« ^ofbgtle^rlen u. b. foful. Siteiatui, 77 

juseinutfiet, bem nur Wenige geüKid^feit »aren. 2)te SRe^cja^I, 
Ded^e nur mäßige jhaft unb befd^ränfte Qdt auf baS alatiemt((^ 
Stubium iu Demenben ^tte, toari) nt^t b>ie Iieutigen ^ge$ 
billig bie äRadit bei: ^et^obe auf ein tüi^tigeS änitteltnag ber 
iurijtifd^en SBübung ennjorge^oben , fonbent muf;te mett hinter 
biefem juiüd6lei6en. 

@o tarn es benn, bag fett ber SDÜtte beS 15. ^a^i^unbeit^S 
eine ©c^attt Bon §flttnriffern iinb ^I6gelel|ctcn fi^ über baS 
Sanb berbiettete unb, •Don ben J^nutiffen, toeld^e ^eute bet 
i^taat bitit^ ©tubienocbnungen unb IS^amina aufgebaut f|at, 
nit^t bdäftigt, auf ben ©ong ber niebeten SRec^täpffege ütier= 
tDiegenben @in^ug getoann. 3Rtt benen, raelc^e ^albgebilbet bie 
Unitierfttäten beiliegen, mifc^ten fid) biejentgen, toefc^e als S(uto= 
biba(ten eine oberflä(^Iid|e fienntni^ bei fremben 9ted)te unb in 
imteigeotbnetei Sefc^äftigung bei ben ©erici^ten formale Dlouttne 
erworben Rotten, ju einer JMaffe beS SuriftenftanbeS, Welche bas 
SRittelglieb bilben ^toifd^en ben gelehrten ^octoren unb ben ootfS' 
^mlit^en ©^öffen. ^ir ftnben fie in folc^en ©teUungen, weldie 
auäjuffidcn ber üometime Süoctor fit^ ju gut ^ielt'); al8 ©direiber, 
Sbbocaten, ^ocuiatoren, Hlotate unb SSetftgei, auf bem Sanbe 
unb in ben ©tdbten fifieroQ in ber nieberen ^rapg. ©o gering 
if|r perfdnli^efl Slnfe^n, fo giog tear it|i ISinflug: benn erft 
buitfi fte tft baS frembc SSe^t bem breiten Soben beä Qetnen bürgere 
Eichen £^enä, bem bte loderen fem blieben, einge^iflanit morben. 

Sine eigent^iimttdie, umfängliche (^ttung ber £tteratur ent< 
iprit^t biefer untergeorbneten SBilbung3ftufe*). 2)urc^ i§re 8e= 

1) %n 3- D. (Dlauiurs I^bt feine äHuttei 16S6 au3 i^atirfurl nadf 
SitUnberB, a magt ^elinfe^ten, bnin ,K>emt Shi lane fhibieift itid nit ein 
Ugbunb oon Soctor btft, fo ift cS Xtt nit ein geHn nüt) — S)u tooQft benn 
bq etm ^ecm ein ©^i^ei tDtrbcn, bat nit ^m @lainm gtmeg ifl." 
5i(^arb, gfrontf. ««^in 2, 125f. 

2) Stinölng, ©eft^. b. popul. Süetatut S.XXXVHfl. Hie ©renje 
iVif^tn ))otniiarer unb utffenfdiaftliiiteT Se^nblung ifl felbftDerftlinblii^ eine 
fliegenbt, unb e8 mttb fic^ ba^c bei Bieten Werfen bürü6et ftreittn laffen, ob 
fit (u biefer Stttratui gu jaulen feien. Wix fcE)eint inbeg ein foldier Streit 
(Situlle, ffief^it^te 2, 478 «nm. 5) jnKtnD«. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



78 Siwitt« Soptol. 

iürfniffe Iierboigeiufen bient fte toicbenim baju, jenen mtttleten 
S^tbun0Sftanb gu Oerbietten. Unb nii^t gecntg ift t()re gef(t|t^t= 
lictie iEtcbeutung: benn o^ne fie ^ätte ftd^ bie 9}ccet>tton bcfi 
r&mif^en Sted^tB (d)tiKtltd) DoQenben Eönnen, nvil nut butd) fie 
bie Stuft auSaefüßt »iitbc, toeldie juiif^m ber üon 3toUen 
ü&erfommenen geteerten 3iiri3pt«benä unb bem bürgertii^en Scbcn 
3)e«tfc^IonbS beftanb. 

2)er bur^fc^Iagenbe StiaTatter biefei populären Stterotui, 
totlcSft teil uns tl)eils ali (£rfag unb C^gäitjung beiS afabemtfi^ 
Untettidttä, t^ctlS olS umnittelbar für bte ^i^ap« beftimmtc 
^QlfSmittel ju benfen ^aben, liegt baiin, bog fte nit^t auf 
tniffenfd(oftti(^e8 Sctftfinbmfj, fonbern auf ©rfaffen be8 ^o^t' 
tioen mit bem ©ebäc^tnig; iiii^t auf baS Segreifen beS innein 
gufammen^ngeS , fonbecn auf bte <£in|>[figung bec 5u|erli^ 
Untetfi^eibungen ; nid|t auf bie ^enntntg beS SSefcng bei 9}ed|tS' 
inftitute, fonbern auf bie Stiemung i^rer fomnalen (Erfdieinung 
"Einarbeitet. SDHt (utjgefafeten Siegeln, Ueberfti^tcn unb SluSjflgai, 
mit SSeraeic^niffen bct ©nttjeilungen «nb Jitetfibetfc^rifteu mx 
man bemüht eine met^anififie §errfc§aft ftber ben Sn^U ber 
grofeen Sfie^täbü^er ju begtünben, unb um leitet bem ©ebd^t' 
uiffe nadil^elfat ju E5nnen, maib tiäufig ber alfj^abetif^eu Cib= 
itung bet Sßocjug eingetäinnt. ®ie SRe^tiSgefc^äfte unb gcri^l= 
li^eu ^anbtungen erfagte man non i^rer foimaten @eite, al8 
berjenigen, tteli^e ftd| ber finnfi^en SBotjme^mung äunöäifl 
barbietel nitb bem ®ebäcf)tnine om lei^teften einprägt: afioit 
letjtte unb lernte fie in gebrftngten Uebetfiditen unb jablrei^ 
tJotmeln, bur[§ bercn Sefig man äug(eic| ben Snljalt bi§ ju 
einem gemiffen Stabe be^errfc^te. 

Sesei^nenb ift e« femer, bafe mir in biefct pDijulören 
Sitetatur uon ber Setiidfit^tigung beä ^eimtft^en Slet^t« mit 
Wenigen Stuäna^men nur geringe ©puren finben. 3^r Qmii 
liegt in bet Erlernung unb ^niocnbmig beS fremben fflet^tS irab 
(anonife^en ^rocefegangeS. 31enn Wenn mir bisticr »orjuga» 
meifc tom rßmift^en 9ie(^te fpra^en, fo mufe batan erinnert 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10. ttiannmSgong b. Surtften. Xiie ^aSb^üüfvtm u. t>. po^l SUcrolur. 79 

nerben, bo^ ftd| basfelbe in ftetet Sftegteitung beä fanonifi^en 
9{e^t8 ehigebfirQett t)at; unb wie fi(^ bieS in bec geldirten 
Stteratur seißt, fo tritt eS au(^ in bcr t>ot)uIftcen ^erbor, ^o 
bog DHi fte eine iBmif(^:Eanontf(^ nennen m&ffen. 

S)ie gto^e SKe^tja^l bietet ©Triften gehört ttirem erften 
Urfpnntge nad) loäiei XKutfi^Ionb no^ bec 3ctt an, tion toet^ei 
wie rebcn. SJennot^ ober muffen wir Ofie ©cfammt^t oI« jur 
Sitnatur biefei 3^ scpng betrachten, ^nn neben ben bamalS 
am ©^luffe beS lö. unb im anfange beS 16. Sa^^unbertS in 
Seutft^tanb oetfafiten ©d^riften gewannen bie mannigfatttgften 
erjeugniffe fi^nlii^ei Art, toetdie in früheren Seiten unb fremben 
£änbfni entftanben maTen, fegt auf beutf^em SSoben eine neue 
Seheutung für bos Sebcn unb be^crtft^ten ben juriftiftfien 
Süi^ennaift. 3So fit^ itgenb eine Schrift auftreiben lieg, ttield|e 
btm Sebürfnig bec @egentoatt btenlii^ fc^ien, ba bemäi^tigte [ic^ 
i^Tci f(^dl ein ©a^funbiger, unb bie budf^änblerifi^ ®))ecu= 
lation bcrft^affte i^i einen @in^ug, ben fie früher in fotc^em 
3Ka^ bei Ineitem ntd|t befeffen. 2>enn baä ^blicunt war nit^t 
HM^Iertft^; »aS t^m in bie ^anbe gefütirt matb, tierfcf|lang eS 
mit ^ei^^ger unb o^ne fiififenbeä Urttieil, uenn eS feinem 
iBebütfnife ju entfprei^en festen. Unb je Heiner bie ©^rift roor, 
je iDo^Ifetler bec S)nider fie mit ^filfe bücftigec SluSftattung 
auf ben SKarlt bringen fonnte, befto fidlerer unb audgebetintei 
war bei ben tjotjen SJödicr^ireifen i^re aSerbreitung. 

3m 9jerglei(^ ju btefer populären fiiteratuc ecfi^eint bie 
tqpogcoptrifc^e IBerbrettung ber grofien ß^ommentarien ber italies 
ntji^en Segiften unb bec CueUen bee rßmifc^en 9tei^tS in ^tüt\ilt)= 
lanb fe^ gering, künftiger ftellt fid| oHerbingS bag 9}ei^ältnig 
bei ben DueKen unb ber gelehrten Siteratur be« tanonifi^en 
9}ed)t3. ^ein auc^ biefe lönnen ben %erglei(^ nic^t befte^en. 
^ fleinen unb grogen poputfiren ©c^riften , uel^e t^tö 
annon^m, t^eiU unter einem obfcuren ober balb erborgten, balb 
eisten berühmten 91amen in bie SSiett gefi^idt mürben, fanben 
men fo maffen^aften 2Ibfag, bafe ber ungebulbigfte ©peculant 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Ü|n faum dcffer wünf^en !onnte. 9hit ttenig anbere Qxoäq,t iec 
6u(^^änblerif(^ 3nbuftrie Ia[[en ftc^ mit biefem an %[u&be[|nung 
unb Slegfamtett Dergleichen. 

daneben ift eine ittt^t ganj geringe ^at)l ä^nli^er ©Triften 
überiiefett, bie nti^t jum Zirud gelangt fhtb. 3)ag aud) fte, 
but«^ 8I6fi^iiften uertiielffittigt, in ®ebcaui^ gewefen finb, ift 
ou^er 30K>fel. ÄQein eben (o tpenig Mfet fii^ mit ©runb beftreiten, 
bog fie im Sßeiglei^ mit ben gebrudten jurflcftiaten unb in 
SBergeffen^t geiat^en mugten unb ba^ ba|« bie gebnuften unä 
baS iti^tige 8ilb ber populären Qiteiatur am Sctiluffe beS 
15. So^r^unbertiS geben. 3*"0'^ ift ^ einjelnen ©c^riften {niie 
j. 8. Petri excepdoaeB Argent. 1500. 4") bi« ffinnHegung ein 
»erfe^Iter ^n]u<Sj geblieben, ba fie leinen SrifaH fanben. 3in 
©anjen aber toirb man annetimen bürfen, nic^t nur, bog geraiw 
bie beliebteftcn Don ben Siruden jum ©egenftanbe ber ©peciK 
latton geballt toorben ftnb, fonbem auc!^, bag bie 3>TudIegini([ 
i^nen einen merflttl^en ÜBorjug gab. !S)enR teenn au^ bie ab> 
fi^riftUi^e SScrOielfältigung ber 8Md^ec bis gegen ®nbe beä 
15. Sa^r^unbertS fortgebauert ^at, fo tarn boi^ bei biefen bie 
I)anbIt^eTe gorm unb bie ungfeidi ergiebigece SSerDielffiltigung 
burdi bie ^^pograp^ie ^inju^): unb naturgemäß mugten ba^r 
jene im ©ebraud) Derbrängt toerben. 

<3ie^t man auf ben niffenf(^aftlti^en @ef)alt ber SRe^rjo^l 
biefer ©diriften, fo begreift man roo^t hie iHagen etneä gaftu« 
unb SWelandit^on über bie „Sßeft ber berberbten juriftifc^en 

1) tfCfablnse l^ anjune^nini, baß eine eintnnl gebnutte S^rift fcltcmt 
no(^ a6gc[(^eben tnuibt unb bag man bfe Wn itir ooi^onbenen ^onbft^Fttn 
nitnigeT [(fjA^te unb con|mi)rle. ®<^Dr aui biefem Srunbc tann au9 bem 
Umflonbc, vb fiii gegen iDdirlig uUIe obei raenige ^anbf^Tifltn nii4- 
nwiten laflm, au[ Me Bftbrritung riner St^rijt am St^luljc beS 15. ^alit- 
^unbmS nii^t mit Sii^^dt gcft^loifen tCKiben. Uebnblee unb ^u))tfltd|li4 
abtr )(t )u bcmtiten, ba^ jenei Um^onb buid)auS tion ben SufaDiglciint ber 
(Schaltung unb Bufftnbung ab^ngig ift unb bag bw^ übcr^uttt blc Sa^ ber 
übfi^riftai mit htv S°^ ^ e^onplare, iwft^t burfp %6bni(f Ifti^^ttai 
uniiben, ben HJcrgtdt^ nic^t auS^BIt JJic« gegen bie einroenbungen Wbi 
@it)ultt. ®cf4 b. OueHeit u. Sit. bee fanon. Ke^tB 2, HB Snm. 5. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10, SiUunsfgang b. Suriftni. Sie $)aQiedei|tten u. h. (lofiuL SItnatur. 8L 

^lätdä"; unb biefe SSortoilrfe finb um fo me^i begrünbet, aU 
jene ®(^riften gum grftgten ^S^it in cumint;>trtei @eftalt t^etauSs 
9e9e6en tturbot. ©i^oii bte aHanu(cripte Ratten unter ben 
^nben unberftönbtgei iSear6eiter ober nac^Iäffigec flbfi^reibec 
unb batet) moiK^erlei äufeere äuffiD'S^^it™ im Saufe ber 3«^! 
Didfa(t| ©^aben flelttten. 3)ie glfit^tißteit, mit meft^er man in 
S^Htifanilett unb l£ile ben 2>iu<f ju Detanftalten pjlegte, t^at 
bas Uebrige, um %0t ^ergufteQen, bereit t^e^Iet^ftigfeit unb 
l'etdft ©innlofiflfeif unä uncrl|ftrt fd^eint. 

SUetn bie 3^t mar bui^ tSJeteü^uung gegen \oläft 2>tnge 
abgehärtet. Unb »enn bie geteerten §enen gegen bie l)0puläre 
Stterotur über^aujjt eiferten, fo Bctgafecn fie, bafe für bie ffreife, 
loeEt^ öon biefer gend^rt ffiurben, i^re maffen^afte ©ele^rfamfett 
DoDftänbig unbraud^bar mar. äBoQte man ben 97ai^t^ei(en be< 
gegnen, fo ^ätte man für bie SSerbefferung jener t>i>t"^^'^" 
Sdirifteu, für bie ^erftetlung oon §fi[f8mitteln forgen muffen, 
lDeI(^ bem ©Aörfniffe unb ber gaffungäfraft entfpradien, otine 
jug[eic^ burtfi unßare unb miftberftänblidie SlarfteHung gu ber^ 
toirren. 3)aju fam aber, bag eg mit t^eoretifdien ^filfiSmitteln 
unb elementaren £e^bfid|ent nit^t get^an mar: benn bie StamU 
niffe, votldft man nic§t befaft, foulen foglei^ unmittelbar im 
praftif[^ Seben pfK^tmSgig UertDenbet werben. 2)ag Seben 
btängte unb (onnte auf bie ©(^ule ntt^t matten. ' 

Äein SBunbec ba^er, ba| man in biefer bringenben 3?otl| 
natif ben erften beften ^ülfSbüd^em griff, loo man fi^ f<in^- 
3iloä)tai auify ^erDorragenbe SRönner i^ie ä^ängef erfennen, fo 
wollte biefe« gegenübet bem 3)tängen beä Sebfirfniffe*, meinem 
We 3:abtcr nic^t abhalfen, menig bebeuten. 'Huü) mifettoute man 
itirem S^tbel, meil er Don bem geielirten ^o^mut^e eingegeben 
fcfiien, unb brai^te bagegcit jenen ©c^riften, Weil fie jum ^i^eil 
aus Italien flammten ober fid) an italientfctie ©ele^rfamfeit an^ 
lehnten, oud) motil buri^ ben 9!amen eined berütimten SßerfafferS 
mit Med|t ober Unret^t empfohlen roören, im @cD|ten nnb 
@onien ein gflnftigeS SBorud^il entgegen. 

enitfig. <h14. b. anilfpnAoii. I. 6 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



82 3ttKfteS SopUeL 

@$ lotn Q&erbieS eine mit bem ^umaniämuS parallel 
(aufenbe 3<itrt(^tung bec populären 3uit8)mtbenj ju ftatten. 
£uct^ baS 15. So^r^unbert %ä)t 6ebeutfant bei 3i9 c>nn Dolf^^^ 
t()flmlid^en Sr^ebtmg. 'Sie untern @tdnbe Ratten fti^ jur @e(= 
tung empoigearöeitet, bie ©tobte i^re fefte ©teUtnig im Seifte, 
in i^nen fettft bie Q&n^e geflenöfier bem ^tririot baa gleite 
poUtifi^e Weii^t cnnorben. 33ie ^öfi(c^e ritterli^e SgoeTw taai 
jUtudgetreten gegen bie DoUSmätiige 2>ii^tung ; ber OtlbungSbrans 
betnS^ttgte fii^ ber untern Sdiu^ten. 9Bfit)renb man bie Dm= 
ne^me unb äug(ei(^ unftu^tbare ©del^rfantfett mit beifeenbem 
©pott Derfolgt, eiftrebt man bie $etiung bei ©d|itten ffii ben 
Unterridit beS Siolfä, unb tüchtige ^öbagogen legen ben ®tunb 
ju einer allgemeinen 6ürgerlii^en iBilbung. 3"ßt5^ f^ffcn »h, 
toie man feit ber äRitte be8 Sa^r^unbertä loieber beginnt beutfc^ 
ju ((^reiben unb bie ©i^äf^ ber 99tlbung bem ^BoOe in ber 
3l7utterfptai$e jugänglt(| ju mactien. 

Sßit biefei Stiftung, ttiet<^e ber Qiteratui it)ren S^arafter 
gab , berft^toiftette fic^ baS iBebürfnig beS Ke^tSlebenS : unb 
als Iierborragcnber Äeprajentant btefer SBetbinbung et((^eiiit 
©ebafttan örant, in bcffen 9|Ser^on ftdi ber §umam8inuä, 
bie ootfet^ihnli^ bibaftifc^e $oefie unb bie populär romanifti{(^e 
SuriSprubenj bereinigten. S3on ber allgemeinen ©trömung popu= 
tarifirenber 3>ibaftil »arb autfi biefe fiiteratur getragen unb ftelli 
bafier mit i^ren lateinifc^en unb beutf^en |taif&büc|em eine 
burdiauS homogene 3^ter{c^einung bor. Senn gerobe auc^ bie 
SOhitterfprat^e trat ^ier in t^re iRe^te ein. 

<Bä)DTi lange »or ©e&. Örant unb tot bei Qät bes burdi 
feine Ueberfe^ungen ]o E)od|tterbienten 9tir bon SS^le t|at ein 
anßetannter beutftfter Siutift c8 UKtemommen, feinen ßonbäleutcn 
baä r5nrif(^e 9}ed|t in ber SRutterfprac^e jU legten. S>aB oben 
befproi^ene, fpflter Don Sßrant „ber rii^terti^e fliogfpiegcl" 
genannte SReditSbui^, augleit^ ein t^eoretift^eä Eompenbium unb 
piaftif^eS ^anbbud), ift merfwürbig a[3 erfter umfänglidiei 
iBcrfuc^ beutfc^er Uebertragung römift^er Suriäprubenä , beffen 

D,q,i,i.:dbvGöogIe 



10. Siliiitngfigang b. SEuriften. 3)lt ^%cle^rtcn u. b. fwiiul. Slttmtui. 83 

lat^ä^rige unb auSgebef)nte SSenugung fd|on Doi ber crften 
Dntcfleguitg bui(^ bte CDiniinpiite @eftalt, in ber eS auf un^ 
gefoDunen, b^ugt loicb. daneben finb anbete ©Triften ju 
nennen, »dd|e ben Sejt too^Ibefannter latetnifd^er §ülf8bü(^cr 
in tDOitgetteuei Ueberfef^ung obet Ueberorbeitung bcutfi^ wi^er^ 
%t!be.n. ®o fomint eine uralte beutfi^e ^Bearbeitung bei [og. Ordo 
judidariua Don So^anne^ SbibreS (@. 13) bot; fd^on aud bem 
9(nfang bei 15. Sa^i()unbetti finben uii eine Uebetfet^ung bei 
Summe bcö Sodann von %vnbm%, Beifagt von Siuber Sert^olb 
(@. 18); bei beiätimte iSelial bei Socobui be S^^eiomo ift in 
5)eutf(^tanb faft gleidljettig mit bem Original in einet abgettijten 
Uebeifet^ung gebrudt aorben. S)ei bem iSattoIui jugeft^iiebene 
ProcessuB Satanae fanb feine Uebeifet|ei ; eben fo bei Heine 
!£tactat Oom SRotattat. Unb ju bem aUen famen nun bie beutftften 
t<ionnel6Q(^ei, mlä)e gleit^jeitig ben beutfd|en ^n^teiftU unb 
bte 89egtiffe bei idmifi^ 9}ec^ti einbüigem. (£nblid| ali tlb' 
f^ütg ber ganjen <£ntwtdlung bei £aienfpiege( oon Ultt^ 
Xenglei unb neben unb nai^ t^m bie Uebetfegungen bei 
Snftitutidnett Don X^omai äJfurnei, gucläbeigei unb @obUt. . 
3m ®onjcn aber tft oon biefer Siteratur ju fagen, bafe bie 
gciftige Äiflft unferer JRfltion fi^ an il|i nit^t (iiobuctib be» 
t^eiligte, fonbem fi(^ if|i gegenfibet faft nur leceptiD bei^ielt. 
3Van teoQte lernen, ni^t f(^affen: benn ei galt je^t eine feitige, 
außci^olb bei 5BotfeIebenS entroidelte ^nft unb fie^re fennen 
unb auttKuben ju temen. 2)eutfd)Ianb tnai geniffermagen in 
einen neuen ^^f*""^ ^^ ^nb^eit in ber 9te(^tifunbe juiüds 
wrfegt. ®em entfpiet^enb lua^Ite man bie iSiIbungS= unb ^üi^i' 
mittel, ei lag fem, burc§ queÖenmöfeige gorfd^ung ober fqfte= 
matifc^e @t(enntnig in ben ®eift bei SRec^ti einbringen ju moEen ; 
bie wiffenf^aftlic^e arbeit überKefi man ben Sffienigen, melt^ 
SBeiuf baju füllten unb bie ftroft baju befafeen. aber niie bie 
ätbmct fd|on ein @io|iei ju befigen glaubten, ali glaDiui i^nen 
bie ^ften unb Slctionen befonnt gemai^t ^atte; jo fa[| auc^ 
jene 3nt nidit mit Unte^t in bei äu&eclid|en formolcn Senntnift 

G* 
D,q,i,i.:dbvGoogIe 



84 3>MiUS HapHO. 

bie erfte «nb nut^njenbißfte ffiorbebingung, unb griff nat^ foft^tn 
©dlriftcn, micttt biefeS SBtffcn om ji^neUften ju genw^ten uti' 
(protzen. 

Ueberbliden loir bie po^julöre ötteratur in i^rer ©efammt» 
fiett, {o treten und barin tPOt aQem bie Schriften entgegen, 
»ett^e unmittelbar ju §Ü(f86ü(^em für bie ^xa^i öer frei» 
WiQtgen unb ftreitigen ©eriditsbadeit beftimtnt finb. 9ber au(^ 
biejenigcn SBerie muffen »ii ju ifjr red^nen, toelt^e bcn 3*«' 
Derfolgen, butc^ bürftige mett|obotogifd|e unb enc9f(o;)fibif^e 
UntcrhKifunßen ober bun^ Ueberfii^ten ber ©int^eilungcn unb 
fummaiifc^e 3Inbeutungen be^ä Sn^attd ber 3iei^aiüä)rc in hai 
tfieoretifc^ Stubium einjuffi^ren. Siiefe, in ißerbinbung mit ben 
lesilolififien ©erfen, ben Ueberfegungen ber tei(^ter fafelii^en 
OueHenftüde, fouie mit ben ^Sammlungen jurtftifc^er Siegeln unb 
@emetnplä|e, Mlben für hai Sebürfntfi ber 3nt bie unmt6d)r= 
Itt^ Sigänjung bti fc^nierfäOigen unb fiagmentarifc^en afabe= 
mif^en Unteirü^te. 3n bei Snitte jnifd^en ben tljeoretifc^en 
unb f>rahtf(^en ©dtriften fte^en Serfe tote ber filagfpiegel unb 
flaienfpi^el unb ffiiebrei'ä ©;iiegel ber tooliren Ätietorif, mel^e 
jmar für bte $r<i£is beftimmt finb, aber pg(eid| eine t^eoretift^ 
iBel^rung mit ber pniftifc^en ^mneifung »erbinben. 

3u bem allen (ommt enblit^ bie (^on oben befptoc^e 
cigent^flmlii^e Slaffe bon 9Berfen, Uielt^ ber Pflege beS geift> 
lii^en SmtS i^ce @ntfte[)ung berbanfen unb mlä)e wir „bie geift^ 
lic^e Suriapnibenj" nennen fÖnnen. Snbem ntoilic^ bie ®eift= 
lic^feit fii^ Deranlagt fanb, iE]re SSirffomFeit im Seic^tftu^t auf 
bie l£ntfd^etbung Don ätec^tSfrognt auSjube^nen, fa^ fie ftt^ jum 
dvmxbe einer größeren Summe juriftifc^er fflenntntffe gendtl)igl. 
ein ä(in!ii^« SSebürfni^ tote ba« für bie eigentU^e We^tÄp^ege 
nac^getsiefene motzte fi^ bafier I)ier ge(tenb, nKl(^em bte Summae 
confeBBomm burt^ Äufnal^e jttf|treti^r juriftift^ Seftanbt^Ie 
JU genügen fuditen. ®ne bermanbte Siteratur »on Iroctaten, 
in mrli^en bte ©etftlie^feit bon ttirem ©tanbpunfte- aufi jurifttft^e 
fragen erörterte, fc^Iog fic^ baranj unb fo entftanb jene äRaffe 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10. Bllbiinglaang b. 3uri(tnt. 2>ie ^Ibgtlt^rten u. b. popul. Siteratui, gg 

»on Secfen (©. 16 ff.), treten jurtfüf^r Sn^lt ü&moiegntb baS 
fiopuIäR ©cptAge trfigt. 

SS if^ taiie fc^on oben ertDÖ^nt tDurbe, biefe ^iet ü6eTfii:|tltd| 
t^nftecifirte ;)o))u[än Stei^tiSßteiatut jum großen ^^1^ auf 
unfmn Soben nii^t entftanben unb in i^ren Sinjef^dten Oielfacb 
nur burd) bot 3"?"'^ ^^^ SuffinbenS unb bei getoetbtidien 
Qptadation beftimmt. StHetn'fie t|at, nai^bem [it um bie 
@<^tbe bfS 15. unb 16. Sa^rtinnbertS ntelir äli ein äRenf(^en> 
alt« ffmbuifij wrbteitet unb toeime^tt »otben mar, einen geroiffen 
96fd|Iug gefunben buid^ m SSeif, teeltl^eiS in ^Deutfc^tonb felbft 
tntftonb. Bie» ift bet fiaienfpiegtl Bon Ulric^ 5:enfllet'). 

^kt flSorfoffn ift in ^eiben^im bei 92ärbtingen geboren, 
btai bon 1479 bt9 1483 ©tobtfd^reiber in ißStblingen unb iDurbe 
bann pfalj^ba^erift^ &tnbt)ogt p |)5(^ftäbt a. b. 2)onau, mo er 
1510 ober 1611 in ^oEion 9([ter ftarb. 'Skt Saienfpiegel erfi^ien 
juecfi int 3a^c 1609 mit einer SSorrebe Oon ©eb. ißrant, bie 
i(|n bem ^ubfihim emf)fal|t. 8alb batauf untemabm Xengler 
eint Ueberarbeitung feined SüerfeS, »Ktt^e nat^ feinem Xobe im 
3o[)r 1511 unter bem litel „bcr neue ßaienfpieflel" gebradt 
iDurbe. 3)tefe SIttSgabe oon 1511 ift bie ntcfitigfte. 3)enn 
^engler ^at bartn feinem SSerfe btejenige ©eftalt gegeben, in 
tvcti^ ed lAngei oi& ein ^aOtti Sa^r^unbert bie ^a;tS be' 
berrft^te. 

3>nglci ttar nid|t Doctor jnris, aber ein äRann toon ge^ 
letirten Ktnntniffen unb auSgebe^nter prafttf^er l$rfaf|rung. I£r 
eijö^U felbft, wie er in feinem Berufe ()äuftg oeranlagt geuwfen 
fei, bei anbetn 9te<^t8erfa^tenen unb ©elelirten Sfiotli unb 8c^re 
etnjuEtoIen, unb tote et in S^^S^ beffen „mancherlei niot)tgegr(lnbete 
Orbnungen, töblti^e @ebräuc^e in £atetn unb S^eutfd)" gefammelt 
^be. 3)iefe foune bte eigenen Sifo^ungen in bei gerit^tlii^en 
$ra^S geben nfif^ft bent i5mif^en unb fanonifc^en Stetste haS 
3Hateria£ ju feinem SSerfe. ©ein Qmed ift bie Untetriditung 

1) StlnßiRS, (9ff4 b, popuL Siteratui 7. ßapitcL 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



86 SipeltcS jta)>itd. 

ber Saint, batntt fie fid| alä „toettlic^e SRJc^tei, iSorgefiei, 99«= 
jipei, Utt^eifäipte^et, 9Jüt^ge6cr, @£^rdtiet, ftläflcr, antwortet, 
beugen, ©ettpalt^aber, JRebnei unb anbete @erti^ts> obei 9}at^ 
petfonen ri^tig ju »er^alteii milfeit". allem Xenfliec ift nit^t 
ber 9Reinunfl, bafe bic m feinem ©u^ mitget^eilten fienntmf(e 
auSretc^enb feien, fonbern fein SBetf foQ auc^ baju bienen, bte 
Säten auf bie SRängef unb Üüäen t^teS !9^ffen3 aitfmerffam ju 
matten uitb „i^nen Urfad) unb Änieigenfi ßeben", ferner „Unter= 
rid|t bei ben ätedittoeifen ju fiu^n". 2)a[|ec toirb benn bei 
aQen fi^iertQen äßatecien, nac^bem baS (^nfai^ere barüber mit' 
geteilt ift, auf ben Statt) ber Stec^tSoerftfiitbigen unb @klel)rten 
DerHitefen. 

@on>o^I ben Tanten feinet 3Berfeä aU ituc^ beffen ^üupU 
eint^ilung t|at Spengler bem Speculnm judiciale beS ^urantis 
ent[et|nt; allein in ber ^uSteatil unb 9Cnorbnung ber äJIaterien 
I)at er fid| uieber ftteng an biefeä SSorMIb noc^ an f^ftematifi^e 
@iüd)e getiatten. 3"it ^^^ U^ Xengler ba&et burc^ bad Sor« 
6t(b ba 3}tagbebnrger S>^agen beftimmt norben. @r ^at über= 
bieS ben ©c^ftabenf^riegrf benutzt unb bon ber itatientfc^en Suriä- 
prubenj auger bem iSf>ecuIator unb So^anned anbtcfi Dorjiigli^ 
ben ©QttoIuS unb bie Practica nova bcS ^tru8 be gerrarii*. 
SKcrtmörbiger febo^ ift bte Si^atfac^e, bafe Angler eine Sei^e 
ber am meiften Derbreiteten pofiutären ©c^tiften ttretES bem 
Z^tma, t^eilS bem Sn^atte nat^ me^r ober weniger »oflftänbig 
in fein SJerf aufgenommen I|ttt. 

Unferer an f^ftematifi^e Segrfinbung geuö^nten 3)en[aTt 
f<^einen bte Seftanbt^ile beä Satenfpteget frembartig unb wiQ^ 
lürlicti geiDö^tt ju fein; unb in ber 33)üt (äfet fic^ feine Qw 
fammenfr^ung nur auS bem ©tanbe ber Literatur, ineldien ^englei 
norfanb, etttären. Qx bereinigte barin bad SSii^tigfte Don bem, 
njQä in ber für bie ^rajiä beftimmten populären ßiteratur jer> 
ftteiit öorlag, on beffen Öenu^ung bie Qtii fidi g«ofl!|nt t)otte. 
Unb eben biefem getreuen anfdimiegen an bie @emot)n^eit unb 
baS Sebürfnig feiner Qät muffen mir ba3 ungettPö^nHci^e unb 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10. RJtlbungSgong b. fünften. Sie iftäbQÜetfOta u. b. pifpul. Siteiatui. 87 

uit^trittene Snfe^en ju((^tei6en, toeli^eg bei £atenft)tegel tion 
Dom ^tän bei bat ^laftifetn fanb. ä)Ian bt\a^ in ifpx eine 
po))u(fiie Slealntc^flDp&bie bec Surii^tiiubenj füi bie fßia^id. 

Un8 mag eS «ie eine pomphafte unb gejt^morflofe Uebeis 
treibung Singen, menn ®eb. ^lont in feinec 9?onebe jum 
Saienffjiegef bie Sibeit Xenglei'ä mit ben ÜSeibiettften bec grogen 
©ecfoliter beÄ 15. Sotjrliunbcrtfl üergleid^t. äbet menn ttiit uns 
in bie Stimmung jener Qät becfe^^ unb bie Detnoirene SSta^e 
iffcec juriftift^en Siteratur ilberf^auen, \o lönnett mir aiot){ be* 
greifen, ba% Spengler i(|m nie ein erfafirener ipilot erfi^ten, ber 
buK^ ein tottfteS 9ÄecT bte iSalinai jeigte. 

Sieben bem fiaienfpiegel, OKlc^er einen fo giogen 'S.^eii ber 
für bie ^OfiS beftitnmten po|iu{ären Siteratur gtet(^fant abfor* 
btrte, t>enni>^ten bie ätteien 6{^iiftai bte alte ^ä>eutung ntt^t 
ju betiaupten. 3)te S)rudcr lonnten tl^re 9fed^nung tää)t m^r 
bei neuen (Sbitionen betfetben ftnben, unb no^ neniget ^atte 
man Seronlaffung, teie eS früher gefc^a^, ältere @(^rtften aud 
ber Sergcffra^eit ^rDorjujie^. 

9hnr baa bebeutenbfte SSerl ber älteren populficeu ßiterotur 
miu^t Ijietöon eine bemei&nSlDert^e KuSnatime. %m ben „ffilag^ 
tpiegel* beginnt mit bem (£tfd)etnen beS SaienfpiegelS eine 
neue SebenSepoi^, inbem ©eb. fSrant bartn bie SSeranfaffung 
fanb, bae alte ©ud), hjd(§e8 H* bem ®(i)Iuffe beS 15. ii^t» 
^unberlS nid^t Mieber gebnuft mr, ber SSergeffen^eit ju ent* 
tetgen, ber ti oerfaSen fd|ien. ^ giebt i^m 1516 ben bem 
„Soqenfpiegel" analogen 9?amen, unb feit biefer 3«t bitben beibe 
iufammen ben gebräut^Iid^ften ^Tpparat für bte untere ^racis. 



D,q,i,i.:dbvGo6gIe 



pxittts »tfHtt. 

Humanismus u^^ Deformation. 



]. Serologie unb ^uriSiJni&etii im Wfttdaltet. — 2. S)n ÜUnt ^umos 

niSmuS. ~- 3. Stbafttan ßnnt — 4. (Spätnei Sinflug be« ^umanilntui. — 

b. tAt ättfoimation. 

1. Sutisprubeng unb ^ologie Ratten bai ganje SRittd' 
attet tiinburd^ fdiDn beä^alfi in ber engften Sejieliiing ä" 
einanbet geftonbcn, toeil bie Kroger ber ernteten flbcrttiegenl) 
bem ^eruä angehörten. $(ber nodi me[)r bie innere $erti>anbt> 
fc^aft, ba^ beibe ben Sntintt altüberlieferter Urfunbnt au8}u= 
f(^Öpfen bemütit finb, beren eine fitaffe, bie be8 fanonif^en ?fteäfti, 
fie in unmittelbare {Berührung mit einanber bringt, ja beiben 
gemeinfam ift, füljrte ju einer parallelen ©ntroidtung. Unb baju 
lam, bafe glei^mafeig in beiben bie j^olaftif^e SDialeltiE bie goim 
ber wiffenfc^ftlic^en Slrbeit befttnunte. ©leidiarttge Srft^etnungen 
treten ba^er in i^rem l£ntn)i(£[ung£gange ^erbor. SaS für bit 
^^otogie bie ^triftiE getnefen, baS mürbe für bie Surigpruben; 
bie erfte 3eit ber ©loffatotcn, bie if)re Dier SJoctoren, bie „hier 
Silien be§ 9Je^tö", ber golgeieit atS l)o^c Mutoritfitcn über* 
lieferte, wie bie Itjeologie i^te quattnor Doctores Ecdesiae 
berelirte. ^n unmittelbarer ^erü^rung mit ben CueQen. bur(^ 
feine ßetjrttabition üon i^nen getrennt unb baS Singe unBertoQnbt 
auf fie geri(^tet, ^aben StneriuS, bie Dier 5)Dctoren unb i^rc 
nÖcf}ften Mot^folger juerft ben @el|alt ber juftinianifi^cn Mec^tS' 
t'ü^er bem Sierffänbnife erf^loffen , bis kngfam bie probnctioe 
Sraft ber SuriSprubenj erf^taffte, bie Gloasa ordinaria be8 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. V^olo^it unb SuTiStnubenj im 9titttlaltre. 89 

^cairTmä im ^toiität würbe unb bre @teUung mnal)m, 
tDCli^e in bet ^^ofogie {<^Dn Ubigfl bie Libri Bententiarum be§ 
$etru8 Soin6aTbad tnne Ratten. Salb nn^ ber 3^t, a!^ bie 
(c^otaftifi^e Xtieologie in SllbertuiS Magnus, ^ontaS bott Slquino 
unb Xnme ©cotue i^re ^Sdifte Stütze feierte, !onnte bie 3uiiS< 
piubenj fid^ ber gfönjenben 9}amen beS Sartotu^ unb fetneS 
'Btifültti 8albu^ rühmen. S^c^t jtoar Decmo^ten biefe tote jene 
grogen ©(^oEafttlei eine ivenn auc^ nur ber t^orm nad| neue 
@ebanfcnttieh au^ufd|ltef|en, ein giogattiged Qe^rgebäube auf' 
jufü£)rfn: allein burt^ oerwanbte ffiraft f^olaftift^er ^ialeftil, 
DDÜenbete SHrhtofttfit bei Snal^fe unb reiii^e, Dielgeuanbte 
Safuifitit enoatben fu^ ttire ©elften eine @e[tung. Welche nur 
mit bCT Autorität jener gto^ SWciftei uerglic^en loerben !ann. 

SBte Stomas Don'Stqutno unb iDunä @cotuiS bie ©lunb: 
fliulen ber Slogmatif loutbcn, fo traten SartoEud unb iBalbu^S 
neben ber @loffe in bie 91eil|e ber Kutoritfiten ein: unb bei 
le^ Qruc^ mit ben CueQen tuai gef(^en. 9H^t metir maä 
biefe enthielten, fonbem uaS jene ^utoritfiten barüber gebiet 
unb gefagt Ratten, gab bei ben mit nnenblit^er SBeittäufigfeit 
unb bifilehif^er ©pi^^finbigfeit auSgefponnenen Quäftionen unb 
^ifttnctionen ben %u$f^fag. 3m ftäten Knfi^bpeQen ber €om< 
Dientarien ^atte ftc^ bie ilutorit&t ber ^rabitian, bie ^Mt ber 
SReinnngen toie ein unitberfteiglic^er W&aS boc bie Quellen ge° 
lagert, ben ju burd|brei^en 37!ut^ unb ffraft ennangetten. 

!£)o8 Siebererawi^en ber cIo(fi[(§en ©tubien im 15. Sa^r= 
bunbert ^at bie Stegeneration in beiben S3i[fenfd|aften noibereitet, 
nwmt gleit^ bei aus i^m geborene ^umaniSmuS fti^ äunä(^ft mit 
uome^mer <9ertngf^ägung unb fetbft feinbli(^ i^nen gegenüber 
ftettle. StUein bie »on i^m getrogenen ®ebanfcn, bie Befreiung 
bee SnbiOibtutmä im Renten unb (Srfennen, im ©tauben unb 
fttKidien Ucttfeil uon bem 3>'^ttge überlieferter t^effetn, ba^er 
^nn^ mit ber Sutorit&t ber ^robition unb 3utü(ffü^ning ber 
fertenntniB auf bie uriprünglit^e reine Oueße — ©ebairfen, bie 
auf aQen ©ebieten bed @eifte$Iebend i^re !Beied|ttgung Ratten, 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



90 SritteS StaifM. 

mugten im Saufe btt Qgit audf auf beut @tUtit jenet im 
@^otafttcidmuS erftairteu SBtffenfi^aften it|ien befe&enben &n= 
f[ug äugem- ©o finb benn ber ^umaniSinuS, bie 99efonnation 
unb bie SRegeneration bei fRei^tStoiffenfi^aft beTOaubte Se= 
fc^inungen. 

3. ^er ^umnnidmud, um'biefelbe Qät in Italien enooi^t 
unb erftaift aU bie älec^tstpiffenfdiaft erlahmte unb De^rfiel, trat 
bie{er mit noc^ gcbgerei ^ierat^tung unb {^inbfeligfeit entgegen, 
alä er bie übrigen fc^olaftiftfien $iiScit)(inen empfinben liefe. S)o* 
ainiefien unb bet ©influfe, in beten Befiß bie 3uriften fi(§ be» 
fanben unb trog aQet ^otil^eit unb ©eft^macflofigfeit i^ieS 
iBilbunflSftanbeä ju befiüupten mufeten, teijten jum Slngtiff. 
ßaurentiuS SioHa (geb. 1407, geft. 1457) «erfolgte nic^t nur bie 
geft^madlofe Barbarei ber mobcrnen Sfuriften mit beifeenber 
©atite, fonbern untcrroatf felbft bie ©protze beu jnftinianift^en 
91ec^tSbü(^eT Dom @tanb)}unfte beä clafftjäien Satiniften ber 
fc^ärfften ihitif. Slic^t »efent(id) anberS fteQten ftc^ fjranjt 
Sp^iblp^u» (geb. 1398, gcft. 1481) unb «ngeluS ^ßotitianuä (geb. 
1454, geft. 1494) jut 3uti*prubenä : inbefe Ijat ber Ceßtere ftc^ nic^t 
rein ablet)nenb t>er^alten, fonbern inbem er feine fi^iIo[ogif(^en 
gorfdiungen auf bie juriffift^en CueHen crftredte, einet beffetn 
3eit Dotgearbeitet. 

S)ie beutfc^en ^umaniften Überfamen e% aU ben aneifanntni 
guten Xon bet ©enoffenfc^aft, mit ^odömutf) übet bie 3nri8= 
prubenj unb if)re Siertretet fterjujie^en. §einrii^ öcbel in 
Tübingen*) entft^utbigt fp&ter bie Eingriffe, wel(t)e et als jungei 
'Sftami gegpt bie SuriSprubeuj geriii^tet; er ^abe ftd^ auf bie 
Slutorität bcä 9?alta unb ^l)i[el()t)u8 uertaffen unb geglaubt 
„contra rationem esse, rationem quaerere", SBiD er nnn 
Qucfi bei reiferem Sitter fibcr Suftinian unb bie aften Sutiftrn 
ein biÜigetcS Urt^eit fällen, fo bleibt et bo(§ bei ber 93er= 

1) Escusatio H. Bebelii. TuWiig. 15O0. Zaaii epistolae ed. Biegger 
p. 402. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. Zkt aitcTC ^umanidinud. 91 

utt^ribtng ber „glossatoree et leguleji quos scribenteB dicunt 
Bartolom pato et Baldoin, cum Azone et similea", teiot 
Z)tatm urb Sieben fo fe^r entartet fei, bag ein Ultiian unb 
^taäui glauben toücben, fie rebeten in frembei ©piadie bon 
gtinj unbefannten ©c^Iau^iten. 

„ Accurnannm absynthiam biber«" toaib unter ben beut|c^en 
^umantftm bte beliebte fBegeidinung für baS ©tubium ber SuriS^ 
))iubeiij'). äRtt iffren Sommentaricn, fagt $utten, ^aben bie 
Suriftm baä fonft Derftänblid|e ©tubium in 23unft ge^üQt unb 
bunHer al8 Äinunerift^e ginftemtfe gemadit: benn je btt^ter bet 
iRebel unb je fc^bürjer bte ERai^t ift, ntelc^e Siner übet bte 
Sfii^ei ber ^anbeften auSjutiretten Derfte^c, ffir befto daffifi^er 
unb bewunbemSnjert^cr gitt ber ©c^riftftetlet'). SBenn bie 
beutt't^en gürften einmal ju ber ginfidit Edmen, meint ^utten 
an einer anbem @telle*), n<eli^e hoffen bte ^artoUften mit 
feieiliif|er SRiene be^anbetn, fo mürbe ei baut um t^r Wnfe^en 
gefi^n fein. Unb bo^ oerai^ten fte alle anbem @tubien al§ 
eitele SWü^, tttit(renb fie felbft fieute' Bon (oldicr ©tumpf^it 
finb, bog fte bie beften Stifte ju ®runbe richten, wo fte mit 
i^rer ük^ie ^ufen. ffüai ift tai für eine 9Stffenf(^aft. beren 
nortrei^ fie^re ft^ nur auf finbifd|ed ©efc^mä^ ftü^t? Sa» ift 
baö für eine S^S^it, bie nur baju bient, bie Sinfalt ju betrügen 
imb bur^ fc^laue Interpretation in bte ©efef^e gerabe ben ber 
ÄbftÄlt be« Ur^berS entgegengefeßten ©tun (jineinjutragen? 

Unter ben nomtiaften ^umatttften war eS nit^t pulten 
allein , ber fic^ mit Suridprubenj befc^äfttgt I)atte ; au(^ 
9ieit<f|(tn, SRutian, ffioban §effe betrieben juriftifcfje 

1) HutteD, Epist. ad N. Uerbeliam 1516-, ftd Pirkheimeram 1518. 
«t«a, «rkf an «ofan M)t uom 3o(|re 1519. Sgl. aRutSci, 3o(|. «peU 
€. 78; ouS briii 9tltSfctmlästn @, 469. Di&logiu de studio juriB recte 
inUitaeodo. Reusner, Cjaosura 1588 p. 175. Sliaiig, U. t>. ^utlcn 
l.m«.l, Zmü Lnmbrationea 1518 (foL) p. 43. etinping, U-Safmä 
6. 97. 103. 

2) Hotteo, Nemo, prufat. Opp. ed. BOcking 1, 180. 
3] Pnedones. 1520. Opp. ed. Böckiag 4, 3T9s. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



92 SlritteS fio)rit(t 

Stubten*). SQein bte i&ürce unb Oebc' [c^iedte pe juifid; 
SRuttan meinte, eS fei fein Q^^n ton Slolent, @efd)niad 
unb ©ele^ifamfeit, baS juriftifc^e 3™g ju tetncn, unb @oban 
$effe »erfaufte etiteS ^geS feine )UTiftifd|en Süt^cr, um ganj 
frei ju fein. 

SinbterfeitS finben mir unter ben Suriften fett bem Snbe 
beä iö. Saf)r^unbettä mQnd)e, bie tu i^er ^lugenb eine tflcE|tigt 
^umaniftifc^ 9)ilbung etmotben unb fit^ mit tStfer ber neuen 
@kifte9tn(^tung ergeben tiatten. ®o mar 3o^. 9)2attt|iaS 
bon ©ettgenbat^, mtli^er 14S6 als Ce^rer beS fononifc^ 
SBed^tä in ©afrf ftort, bei erfte gemefen. Weither bort bie 
„$oefie" ald neuefl ^umaniftifdieS SeEirfat^ beitreten t)atte'). 
@etn ©c^lilei mar @ebaftian SStant, ben 3afiud 1495 
a{% .egregium et jureconBultam et poetam" lO^mt, ben 
^acobSoi^eialS feinen Sedier in bei Sßoefte feiert. SBintoIb 
^iiEtjetmer biar nid^t minbei angefelien aU ^l|iIoIoge mie aU 
Surift. Um biefelbe geit »irlte als SRei^täleiirer in §eibe[bfrfl 
S(bam SSern^er »on I^emar (©. 36), ben ijoftus ,dnl- 
cissimas meas delicias" nennt unb tteben Soi^er, SeltiS, 89cant 
unb 9Btmfp^e(ing ju ben „moderatores cum sablimitatis cujasqae, 
tum imprimis studii humanitatiB tota jam Germania claris- 
simos" red)net'). 

SCÜein t]on biefen unb onbern §umaniften, metj^e bie Surifi'^ 
prubcnj nic^t nie jene ttor^iu erwähnten im ®tt(!^e liegen, fon= 
bem fte ju i()rem SebeuSbeiufe mat^tcn, cerftanb unb becfui^le 
eS ffeiner, feine bei ben „^ßoeten" gemonnene Silbung für fie 
fnit^tbringenb jU Beiwcnben. SBo bie SuriSprubenj begonn, 
^Brte bei i^nen ber gute ©ef^mad auf, unb eg mar, aU tomt 
fie eS für niJt^tg hielten, boppette $aust)altung ju führen, „bie 



1) 6tTau6, U. D. ^utten 1, 155. Wul^tr, aai bcm linitmT'läte' 
Uten <sr. 242. ®tobbt, ®tf(^ b, i. 9ted|tequeIIen 2. 34. 

2) SBif^tt, ®^d). b. UniöfTf. »ofel ©. 187 f. 

3) ZkBii«piBt.9 p.37&. $aug, @kf4 b. UnitKcf. ^ibcThrg 1, 3S0. 
©tinßing. @eF4 t> W>ii. Sitnalur @. 176. 



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3. SeBaftian Srcint. 93 

(ine für bk SRitfen mit aUen Sluraen be« claffifc^en ?tttect^uni8 
gcfc^tft; bie anbete füc ben ^enft bec ^emtS, DoUgeftopft 
unb Oberlaben mit bem @nümipt\ etneS oltäbetlieferten ^au3= 
tatti«" : eine erf^ieinanfl, bie fi^on in frühen 3öten an 
^ßetntica unb Sinuift gu beobaditen ift 

3. Se^eidi jeigt baS Seifpiel @ebafttan 9tant'^>), 
mit f(^ec r»^ bie ^umaniftifi^e f&ilbung mit bei juriftifc^n 
nerft^olj. 

3tn Sa^ce 1457 in @tiagburg geboren, tintiefte et jic^ 
mit (einem ©tubicngen offen Steuf^Iin in Safel (1475—1477) 
Hütet bem ffiinjluffe beä enoüt^enben §umani8mu8 in bai clafftft^e 
Jlltrrt^um, opicfte als beliebtet Sekret unb ettoaib fii^ 6a[b 
einen ongefe^enen 9tanten unter ben ^umaniften butdi ^auiS> 
gäbe claffif(f|et ©(^nftftedei, nD(^ me^r bunt) feine lateinift^ 
unb beutfdini ©ebi^te. ©ein „Sßattenft^iff" mutete i^n in ben 
nmtefieu Äteifen betü^mt,' fo bafe (ein ©d^filcr, bet eifrige 
^umonift Sacob Soi^er ^^ilomufuS, i^n als ben etften 3)ic^ter 
irinet 3eit feiern burfte. 

Snbeg ^atte SBtant fid| bie ^uriSprubenj jum Qebendbetuf 
gODÖ^It: unb toenn et aui^ biSnieilen mit feinen j^unben fK> 
Haßt, ha% baS trwfene ©tubium bem SuItuS bet SKufen muntre 
ante ©tunbe entjte^, fo betneift boc^ bie 9)egeiftening, mit bet 
tl Don bet HsanctiBsima civilis sapientia" rebet (ExpOBitiooes. 
Epist. dedicatoria) , boft fein iBer^ättniB ju i^r feineamegS ein 
rtjiiiunfleneS geblieben ift ®t matb 1489 in ©afet jmn 3)octot 
beiber Reifte promooirt unb trat balb batauf in bie tÜQCultät 
ein, beten angef^fte« aÄiiglieb er bis 1600 blieb. S)ann 
fling et als SRet^tSconfuIeut in bie 5)ienfte feiner ißatctftabt, 

1) Sttobtl, boä «omn((6iff Hon ®. »ronbL 1839, 8oti><*«, 
Beb. VniM'S %tntnf^iff. Iäö4. StlnStiig, Qkf<^. b. popiü. Siteiratui 
ä.45f. 451— «2. 8if*[r, ®ef^. b. UniDerf. Bofel S, 188. 288. 5t. b. ». 
3, 2a6f. Charles Schmidt, hiBtoire litteraire de l'Äluce, P&ria 1879. 
1,191—333; 2,340—866. 2)n «bfc^ttPnblications juridiqaes (chap, II 
p' 345 1.) enthalt tii^td Slcutfi unb tfl jum 1CS)tü ungtnau. 

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94 31tftteB »npitet. 

fibenta^m 1503 bag einftugtetdic S(mt beS ®tabtf(^tei6ei^, 
raelt^eS er 6i3 ju feinem 3:obe {10. SRai 1521) Gemattete. 

aSon einem Sßann, ber in biefet ©itounflSipIifirc ^n* 
geieift roat, Qtaubt man etnuttcn ju bürfen, bag fein Mrebrtter 
®ef(^matl fidi in ben uon i^m publicirten juriftifctien ©tfiriften 
miebecfpiegele. allein gerabe ba3 ©egent^eil ift ber gaU. 

©eine erfte juriftift^e Schrift: ExpositioDes sive deck- 
ratioDes omuium titulorum. Basil. 1490. 4**, jugleic^ bte einjige 
felbftänbige juriftifc^e Mtfieit toon feinet §artb, i(l eine mi 
feinen Sßotlefungen ^etBorgCBCuiBene populöte ©umrao ob« Ueter' 
fii^t beS SntialtS ber Sitel beä Corpus juris civilis imb ber 
3)ecreta[en. 35ie SBorte ber SRubricä roerben ertldrt, bie ^aupt= 
begriffe befinirt unb bie roic^tigften öeftimmungen futj angegeben. 
ni& eirtfeilenbeä Se^rfiu^ ift baä aSerf nic^t o§ne SBett^. Som 
©in^ffe beä ^umaniämuä ift feine ©put ju finbcn, tou^t aber 
finb manche AbeT(ieferte @ef^macfloftgfetten »tebei^olt ']. 

tiefem etnietlenben Sel)rbucf|e ^al iBtant in fpöteten %u|= 
tagen beS ^apttfta be Saccialu|iiä Tractatus de modo Btudendi 
hinzugefügt, eine ©dirtft, mel^e ^obegetif^e ätnroeifungen füi 
bad ©tubium ber Surisptubenj s^n^ nac^ bem atten @kf<^ma(fe 
giebt. Stire Verausgabe jcigt, loie Sörant fetbft ü6er biefc %ta%a 
bat^te, unb fein ©tanbfiunft ber SutiSprubenj gegenübet mitb 
um fo ff^ätfer t^orotterifirt , luenn njir mit biefet ©t^rift bie« 
jenigeu tierglei(^en , nield)e ntdit lange nac^ EBtant'd %obe äba 
baSfelbe %^tma in gtofeet ^af)l ei((f|ienen. 

9Bir fe^en t^n bann (um Don ben Sbitionen fleineier 
©c^riften unb lanonifc^er SRet^tSqueüen ni^t ju teben) bettieiligt 
an ber ^bfaffung unb ^etaudgabe beä Sa^enfpiegelä (1509) 
»on Ultti^ Xenglet, ben i^m ber SBerfoffer gut Surt^fit^t mit= 
get^eilt ^attc, unb enbtic^ (1516) mit ber Verausgabe bc8 von 



1) Cb. Schmid, hisL litter. de l'AlEoce 1, 203 tunitt ».'S Bot- 
Itfuiig übtr bie Tituli „une heureuse iDnoTatioD' — iäf mii ni^l mit 
tndd^m Sle^'- Ite&et ü^i^ popuISn Summen dqI. Stin^ittg, ®t\äi. 
b. pöpHf. Siterahir ©. 38—51. 



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4. iBp&tatx einflug bc« ^umaniSmui. • 95 

itim fogenanntm ^agft)iegetS beic^äftigt, ber feine meite ^r= 
bitttung gunt 3^tl R>ol)[ getobe bem berühmten Stamm fernes 
$erau^e6ns oerbanft: obgteidi fSrant tti<^t$ gettian i)at, um 
bte 6orru))ttDn bei älteren 9(udgaben gu befeittgen. 

3n aS btefen ^ublicationen tft nun bon ^umanifttfc^et 
Stic^timg nid^tö ju bemeiEen. S)agegen get|t butc^ biefelben ber 
S^ beA bibafttfc^en, nur auf prafttf^e ^kle geiti^teten ©trebenä, 
jener @lrunbjug in 8rant'8 9Iatur. @i tft ein tfi^tiger ^Beamtet 
feinn SSateiftobt, ein teanner Patriot, bet bie ^o^ett unb Wlaä^t 
beä ftoifcca in feinen ©effingen feiert unb fie ju träftigen fuc^t. 
@o ift ei i^m ai% Suriften au(^ Dor aQem barum ju t^un, 
bte S(ntDenbung beä faiferlii^en 9Ietf|t3 ju förbem, an ber feften 
©inbürgerung feiner ^errfi^aft mitjuarbeiten , Don ber er ftd^ 
Orbmntg unb Si^er^eit im 9teic^ berft)rid|t @i rodtilt ba;u 
bie furzten 3Bege: bie elementare !8ele[)rung unb populäre 
3tai)f)Ü^t. @in Steuerer ift er nii^t; ba$ Jtaifert^m in alter 
^jerrlidtEeit , bie j^i^e in attec 9tetn^eit, bie ©itten in alter 
©tnfott ftnb (eine 3bea(e, mit benen fti^ o^iie ^''"'•'fl f^'"' ®f' 
geiftening für baä 2)ogma »on ber unbefledten ©mpftingmS 
mtnig, ber er in mehreren ©ebic^ten Sorte lie^. @d füt)Ite 
er benn aui^ feinen 99eruf, ein dieformator ber ätec^tsroiffenfc^aft 
JU merben. 

1. ätUein ed fonnte ntc^t ausbleiben, bag bie t|umantftif^e 
SSenwguilg mit ber Qeit auf bie 3uri*})rubenj einen pofitiüen 
5tnflii| geltenb machte. iSerätjrten fie [läf batin, bafe auc^ baä 
romifc^e 9iii)t eine Ueberliefemng beä dafftfi^en 9tttertf)umä 
mx, fo Farn eS nur borauf an, bie @runbfS^ be$ ^umantSmuS 
mif bie ©e^nblung ber Met^tSqucIlen ju übertragen unb bie 
l^rgebniffe ber 3l[tertf|umdtviffenf(^aft bei tfirer SüuSlegung jn 
nenuertticn. 3n biefem ©inne t)atte fdion ^olition bem 
florentiner ^anbettenmanufcrtpt feinen fritif({)en i^Ieig jugeroenbet, 
iü feinen Miscellanea toie in feinen fflriefen juriftifäie SKaterien 
p^ilologif^ erörtert unb auf griediifdie Ciueöcn ^ingewiefen. 
%er ^ffilologe 8u&äue in $aris (t 1540) gab 1508 feine 

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96 • JWie« Äiyritd. 

Anaotationea ad Pandectas ^eiauS, in tmten ec bie p^UoIogift^ 
3Ket(|obe ber @cegefe ftuc^tbai uenoenbete. ^^m folgte SInbreoä 
aUiatu« (geb. 1491 ju «IjOto bei 9Mai[anb, geft. 1550), bet 
als Sekret unb @<^nftfteller fn Italien unb giantmc^ bn 
^umantftifc^en Slic^tung in ber ^risprubenj fBo^n iiadi. 

Mbet auc^ in SJeutfc^Ianb beginnt eS fic^ unter ben Suriften 
},u regen. äNon wirb fic^ 6etDugt, bag nii^t in bei äbecItefertEn 
@d|uItDei&^it bas SBefot ber Siffenfc^aft ftetfe; bag eö outfi 
l)ier gelte, bem SRufe beö ^iimaniSinuS „jurfld ju ben dueßen!" 
ju fulgen. 3)iutian') piäQt eS feinen ©t^ütem nat^brüdlii^ 
ein, bog otine eifrige^ Stubium ber ^(ten grfinb(id|e ^cäjti' 
fenntnifi unmöglich, ba& nic^t auS ben eommentatien, fonbcm 
unmittelbar ans ben QueUen bie Jfenntnig ju fi^epfen fei. 

1)er Srfte, roeldier mit ber SBerbinbung jioifi^en §uma-- 
niämu« unb Suriaptubcnj in 35entf(§lQnb ©mft gemad^t ^t, 
ift Ulrtdi Qa^iü^, bei batier mit Steigt neben Subdu^ unb 
ällciat als Segrünbei ber neueren ä^täniiffenfdiaft genannt ^u 
werben }]fTegt. 3ene äßerft^roifterung aber öoUjog f"^ in bei 
iSe^anbtung beä römifr^en ätec^ts unb tarn feinei ©ettung jU 
ftatten. 3)enn je melii ber ^umaniSmuS bie allgemeine fBilbung 
beftimmte, befto ^iH)tx mufite ba& 9(nfet)eR unb bie Stnjieliung^ 
Iiaft einer SRet^tStoeiäfieit ffeigen , in bet man einen öom 
claffifd)cn ätltcit^nm fibeiliefeiten Sc^ag »ere^ien lonnte. 3ii 
g(ei(f|em ©rabe mugte fxd) bagegen baS Snfe^en bed Ianonif(^en 
IRa^tA, bie Steigung ju feinem @tubium beimtnbern; in g[ei(^em 
&(^ritte enblic^ bie Sd^eibung jmifc^en bem ^eruä unb bcm 
roeltlic^en Suriftenftanbe firfi Doüjielicn. 

^x $umantSmu8 aber beimag bem Stetste nui von bei 
@ette feines claffifc^en UrfpiungS ein ^teieffe abjugeminnen; 
bie ptahtfdie SSebeutung ift i^m gteii^gültig. ^a'ifet ffi^tt fein 
©influfe ju einer Spaltung ber roiffenfctiaftlie^en aäetjttnbtung, ju 
einem @egenfag jmift^en X^eorie unb ißra^iä, Q)ie et bie ba^in 



1) Sampfc^ulte, bie UniDofitäl (Sifutl 1, 99. 

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5. tnt Stcformalion. 97 

in 2)att((^t<mb irit^t tie^lanben ^attc. Slo°^ crtoettert fi(^, bie 
Kluft ^ier ni(^t ju bei iBidte, aie €8 in ^ranheii^ unter bem 
©nflnffe bei großen ©ele^rten gefd^elit; bie ißJiffenft^aft fteigt 
ttk^t gu bei tion jenen enet^ten §ii(|e geteerter Slegang; bie 
prolttfi^ QitU bleiben »or^ertfc^enb, wie benn au^ bie XiftO' 
ntibt fid| bei ^cu^ie ni<^t entjie^. Slennoc^ abei mac^t fit^ 
ein ^enfa$ fühlbar jiotfdKn benen, loeldie bie ^umanifttf(|en 
Keuenmgen ffit unnflgeS unb verfänglidied @piel ber „^oeten" 
trflären, baS bem fieben nic^t biene unb bie ©ic^et^eit beS 
Siet^tS gefö^rbe; unb benen, loeli^ bie ^uriäprubenj, o^ne f(<^ 
buri^ bie ptQftif(^en 3iwfe beft^ränlcn ju laffen, ouf eine ^ÖIkk 
Stufe »iffenf^aftfit^et ©rlenntnife ju fie&en bemüht ftnb. ^ier 
ift eS nun bie 9Iteit^untSlDiffenfd|aft, tDelc^e nic^t nui ju ^iflc 
tif(I|ei unb t)^ilDlogifi^et Sifläntng, ju hiitifi^er @et)anblung bes 
3>fteä be« Corpns juris leitet ; fonbern baS 3nteteffe über ben 
überlieferten @eftanb beSjelfiai ^inauS auf bie Sntbedung unb 
Sbition Don OueHen fü^it, benen f)ra!ttfc|e (^ültigfeit entneber 
gor md|t, ober bo(^ nur in fe^r befc^ranhem @^rabe gufommt. 

ä. 3" ^f" ttefftcn Oebonfen ber beutft^en ^Reformation 
mtb if|tcn crften Settegungen auf bem ©ebiete beiS ©laubenä 
t)atte bie 9ted|t$toiffenfc^aft feine unmittelbaren Sejie^ungen. 
^u(^ liegt itt tl|iem S^en ein confertmtitieg Clement, ba^ itfre 
Sünger unb 9ßf(eger ben Bewegungen ber Qnt gegenüber ju 
ileptif(i)er SeMc^tigfeit unb Bi^Iet 3"rii^oltung ju Beftimmen 
V^t ^Ktm tote baS Stet^t berufen ift, ben t^tfädiltd^ ge= 
ttorbenen 8eben8ber^ciltniffen bie orbnenbe ^fwin unb ©id^cr^eit 
iu geujfl^ren; toie c8 bog lleberlieferte unb feit Sangem un* 
ongefo^ten fBefte^enbe aii ein bun^ feine ^auer im @trom 
ber 3eit ©ero^tfertigteS in feinen ©d)u^ nimmt: fo erjeugt e8 
in benen, itKiifje fx6) feiner ^ege mibmen, not^lnenbig eint ber 
tmUätltdien unb fomtlofen Steuerung abgeneigte ©efinnung. 

€otoett aber ber ^umaniSmuiS in ber Suris^irubenj jur 
^kltung fam, toarb eine innere SSefloanbtft^aft jmift^en i^r unb 
bet reformtttorif(^ ©eloegung gefi^affen: benn eS galt in ber 

Ctlnfiai, 0ct4. t. 3iRilimibtii|. I. ^ 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



98 XtrittcS ßatiitd. 

JHriiflion mie im Meiste bie ©rienntntfe auf bie Krin^t tat 
erften OueOen jutüif)ufü^ren unb bte 3[ulantät tiabitioneHei 
^t^üm« ju brn^en, bem (Sinjelnen ben 3)hit^ unb bte ^nb- 
^abe ju geben, um mit freiem @inn {eine Ueberjeugung auS ben 
Süi^etn ju [c^öpfen, in benen bte S@a^rt)eit ooi alten Snita 
niebergelegt war. 

92e^men lotr f)inju, bog in ben ^lutriften nii^t mentgei als 
in anbeten ©enoffen ber religiös erregten 3<i* ba§ ©ebürfnif; 
einet SSertiefung beS ©tauben«, baä SKetlangen na(^ einer 
Steinigung bei ^rc^e an ^aupt unb (äliebern lebte; betgegen= 
wfirtigen tott unS bie ^tnreigenbe fittlidge Jlraft mut^ig bdanntei 
leligiöfet Ueberjeugung unb bie iibenoOltigenbe 3Ra^t, bie baS 
fü^ne ?Iuftrcten etnet gtofeen gef^i[l|tlid)en ^etfönlii^ftit ausübt: 
fo begteifen mit tuo^l, bafi bei bet SRetttja^t fteubige 3"i^üi^iit>d 
^cr»otbra(^, aU bie erften ©c^ritte ßut^r'S, ben man nodi mit 
^aSmuS in uollem SinDerftänbnig glaubte, baS ^nbrec^en eineö 
neuen XageS tietifinbeten. 

^Qein bie l£ntit)icl(ung ber 3)iitge gelangte balb auf einen 
$untt, wo bie SBege fii^ trennten. ICenn notfintenbig unb folge 
richtig mugte bie 9lefonnation oon ben tragen beS ©(aubenS 
ju ben mit i^m gef(^ic^tlii^ Derwobenen SBerfaffungSfrogen, »on 
ber iBeftreitung fi^tiftnnbrigcr Se^rfä^e jur 9Iegation bet %uto- 
rttät bcä ^aijfteä unb bet ©oncilien fortfi^tetten, unb betrat fo 
ein ©ebiet, auf Joeli^em fie mit bem ^jofitiüen Stecht ^art ju> 
fammenftiefe. 2)ie Seipä'gf'^ 3)i8putation, nod) mefjr Sutlter'« 
SBeiffletfung bet ©filtiglett bei» fanonif^en 9te(^t8 luedte ben 
aSibeiftattb ber Suriften. 3)Jan(^e, Wie 3of<"^r tvenbeten feitbem 
bet 91eformation ben ätfiden, ot)ne jeboc^ bei bet @egenf)artei 
SBefticbigung ju finben. ^Inbere unb namentlit^ bie jüngere 
©encration folgten benno^ ber Söccgung unb hielten ju flu%r, 
foweit ntt^t in ginjdftagen itjre rectitlic^en Ueberjeugnngcn ein 
^tnbemil in ben XSeg fteUten. S)te SRefirja^I bet naml^aftcn 
Sutiften finben toit ouf biefer i^te: aber ein ©treit tuirb 
geführt um baS Fanottifc^ 9}c(^t im ©angen unb um einjelne 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. Z>ic Seformotton. 99 

©a^gen beafdben. SMit ©rfolg felfftt mit bie Suriften für 
feine ©ültigfcit eintreten, fomeit eä nic^t ben SSorten her ^eil. 
€d|rtft tDitpetftnitet; unt) »o Stenberungen not^tuenbig iiKcben, 
mit oorfic^tigei $anb bie neuen Orbnungen ben fiberlieferten 
einfügen, ftürmtf(^ Sleueiungen ne^renb. 

3ft I(icrmit im ©anjen eine übemriegenb „itenift^" Haltung 
bet Surtftm in ben erftcn (Entnridlung^ftabten bei äleformation 
getennjeictinet, npie fte buri^ i^re ^^6t(bung i^nen gegeben 
loarb: fo bcrfte^en fi^ baneben bie inbimbueHen aWobificationen 
Don felbft. Sä fe^lt nid^t an ftürmif^en Staturen, bei benen 
bie (Snudgung ber SRe^täfragen hinter ben ^ang beS @faubenö> 
eifert jurürftritt {Olbenbot})). ?Inbere bleiben ben neuen Ocbnnfen, 
tttdi^e bie ßät bmegen, innertii^ fiemb unb »eifen fte aus ber 
Äin^ roie ouä ber SBiffenfc^nft jurücC (§. @6ben). Aber au^ 
an (Diesen fcfjlt e« ni(^t, toeldie fit^ in ber SBiffcnfc^aft ber 
foitfc^iettenben iBetnegung anfc^Iiegen, tod^renb fte in ben Fti(^< 
Üd)m iJr^agen aud Ueberjeugung, burc^ fef|i ttetfc^iebene Emotive 
bcftimmt für baä Ueberlicferte unb bie Slutorität ber §ierar(i|ie 
eintreten (3flfi"ä. SiigliuS, poppet); ober umgeletirt ber lin^Uc^en 
*lienerung juget^an finb, mäfjrenb fte in ber SBiffenfdjaft bie alten 
Sege nic^t Derlaffcn moUen (§. ©^flrpf, SJI. D. Dffa). 

Sg bot tnbeg bie Sntniidiung ber ^uriSprubenj nod) eine 
onbere ©eite bar, mit wetf^er fie bie rcformatorifi^e äSeioegung 
berälirte. ^tr ^aben gefe^en , mie unter bem S3orbiingen bed 
[aifectid)en Mtäfti unb fetner $^ege feit bem 15. 3at)r^unbert 
ein duriftenftaub fiel) bitbete, ber im ®egenfa$ jum iileiuä als 
XrSgei ber ttieltiic^en äledjtSorbnung, beä ©taatS, erft^eint. 
Slicfe €d|eibung ber Gebiete bei ®[auben3 unb beä 9te(^t$, ber 
etl)if(^ ^i^t unb ber pofttiuen @a^ung, bie Stblöfung beS 
iDdtlit^en iRegimentä bon feinen öberlieferten ^terarc^if^en SSor^ 
Quäfe^ungm, bie ganje ftaotäbilbenbe Strbett ber 3cit ift getragen 
toon berjenigcn ©ciftcftrit^tung, Wti^ im SproteftantiSmuä i^ren 
fdiärfften unb confequenteften 3uäbrucf fanb. @ie fonnte ftdi nid)t 
Dotbercitett unb SoIIiie^ ofyK ben SBiberfpiud) bcS ftlerui» 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



100 Z)TitleS flaphel. 

^eranSjuforbmi. SWt^t n^ne ©fccfut^t fal( ec ben SRieberflong 
{etnec SRatfit unb ber Sebeutung beä fanonifi^eii 9Iec^tS bor Sugoi ; 
unb bie innetlit^e äJertoanbtfdiQft biefer Sßenbung mit bei auf 
bcm ©ebiete berfticc^e felüft begonnenen Setoegung entging bcm 
@(^rf&[ide bes Snteief^feS nic^t. 93on bent ©tanbpunfte bn 
alten JHi^e lieg fid| fragen, ob eine bon H)t gelöfte JDibnung 
unb SBiffenfi^aft nO(^ aU eine diriftlit^e ju betrachten {ei? 
8«(ä^t genug toaten et^ifdje iBcben!en gegen baS fo eifrig ge^adite 
©tiri)ium beS faifcrKt|en SRed^ta ju finbcn. JKon motzte geltenb, 
boft bie 3uci3prubenj eine mit bem Qi^riftent^um unuertiäglit^ 
SBiffenfi^aft fei, ha fte Iet)ce, wie man fem eigenes Set^t oei' 
folgen lönne unb folle, mäl^renb bod| S^ciftud gebiete, bog man 
boS Seine nic^t fu^en, mit bem fBtuber nic^t ftieiten unb refften, 
9lad|giebigfeit üben foüe. 

3[uS folc^en ^nfdiauungen folgerte man einen unoecfö^n: 
lid^en 3n'ie1;]alt 5roifc^en bem S^riftent^um unb bet SuriSpiubenj; 
unb in biejei tlerifalen Opfiofition gewinnt baS ©ptit^uort 
,3iuriften böfe Sliriften" eine neue SBebeutung 0- 

9113 ©acticucula noi^ SBafet (am, fanb er unter bem 
©nfluffe öbeteifriger S^^ologm bet alten ©t^ulc bie Sugenb 
bem ©tubium beä €itiilied^tä abgewenbet. @r fuc^t tn einer 
Oratio apologetica (1522) bnn JSoniit^eU ju begegnen, bie 
tfieologifc^en 3>ebuctioncn ju mibertegen. 3n älintit^er SBeife 
ei^bt ©ic^arb (Cod. TbeodosianuB. Epist. dedicatoria 1528) 
feinen $roteft gegen baS ©d^Iagwort „Quid Christianis cum 
l^bus?' Unb ^egenbotfiuuS (Oratio de artibus fiituro 
jnrisconsulto et uecessariis etc. 1529) bel&mpft ben lonb* 
I&uftgen ®a^ „Omnis jnriscoasultus male de religione sentit", 
ober, wie t& in einer fpätem ^Bearbeitung feiner Sfebe ftetgt, 
„baä arge ©prit^Wort: ein Surift ein Böfer S^rift". Äonrab 
S a g u S (Methodica jar. utriusque traditio. 1543. P. 5 
praefotio) erßrtert unb mibertegt ben Smi^d „an ChriBtiano 

1) Stinjlng, baS ©(m^wort „Suriften Mfe Q^tiflen' hi frinoi 
fleftftit^Üi^ öcbeutunflen. 1875. — @. obtn ®. 73. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. 3)lc Äefonnotion. 101 

bomini conveniat tractatio judiciorum?" Kuc^ OtbenboTp (de 
jure et aeqaitale. Colon. 1541. 8". p.66) be^onbdtbiefdbegtagc, 
bie fit^ bann buri^ baä 16. ^a^^unbett ^inbutd^jie^t. Von Omptyi' 
Itug, 9HtterS^ufm&, 92. @tierl|arbi, ^unniuiS tt. 91. befpio^en^}. 

2)ie Qeiüale Cppofition xoax nui gegen ba& faiferltt^e dtaS)l 
gemeint imb backte ntci^t baran, baä 3Infe^en bed fanoni|i^ 
ju DetKeineni. S)a& i^te Äiflumente Aber hai 3«! I|maM*= 
fd|Dffen unb aaify jencS trafen, tonnte fie flbecf^en, ttieil bte 
SUbung beä SuxiftenftanbeS fi(^ me^i unb mel^c auf ba% tdmt{(|e 
8ied|t ftüjte. aSte aber baä einmal gebotene ©(^lagwoit fort* 
iDuc^e unb in ben ticrfi^iebenften 9tid|tungen Sknoenbung fanb, 
uiib fid) ^ier unb boit gelegentltd) jetgen. 91id)t fehlen tonnte 
e« nac^ feinen StnfÖngcn, bafe beim gortft^teiten bei Deformation 
bie jo^lrcii^ Suriften, loelc^e il)r folgten, Don tat^olif^er ©eile 
mil bcmfetben bebad)t uurben. ^te oben fomtultrte @etDtffenS< ' 
frage ift bagegen in fp&terer ^tit otine iBejieI)uns auf bie tiTC(|= 
liäien @legenf&t|e vom et^tf(^en ©eTii^tgpunfte ouS erörtert lootben. 

2)ie SReformatton ^at enbfii^ in einer beftimmten Sichtung' 
unmittetbai auf ben @toff ber 9tet|tätoiffen{c^aft eingetnittt. 
'Sktm tnbem [w bie 89ebeutung bt& tononift^ 9Iec^tiB ft^mälette, 
otgne feine Geltung felbft in ben ftroteftantifc^en S&nbem ju 
befeitigen; inbcm fie eine meit Derbreitcte Abneigung gegen boa» 
felbe enoectte, o^nc feine fienntnig überftüffig ju matten, betoitftc 
[ie, bag eg, ffiie unten metter auSjufü^ten ift, als @egenftanb 
ber atabeinif(^ 93orlefungen unb ber roiffenft^afilii^en Se= 
atbeitung ^nax nii^t »erfc^nanb, aber in ben ^intergninb trat. 
SinbierfettS I)aben bie ^Jleugeftattungen auf tit(^[i(^em @ebiet in 
ben ptoteftantifc^ fiänbem jur Salbung ber neuen SiiSciplin 
cined t>toteftanttf(^en Sirc^enret^td ben @runb getegt unb ben 
9nftog gegeben. 

1) Ompbaliosdeuaiirp. legum 4, 5. RitterBhoaiuB, oratio de 
jodiciis. Joa JiutioiuiiiiD 9, 3,33. ETerhardi juu., corpna InBlitutionnm. 
DilinfM 1574. fol. 189, b. H u d d i u b , Varior. resolut, lib. IT. Ed. 2. 1630. 
p. lOfö. $ie (pötere Sitttatut j. bri Stinfinfl a. a. O. @. 30j. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Die n)iffenfd?aftlidjen 2HctIjobcn bis in &as 
(7. 3atjtljunöert. 



1. S^aroRn bn mitlelaltcilii^ SSifimfi^afL — 2. 3}er mos Italiens. — 
3. aBirfungen btSfd&cn. — 4, 33te Loci unb Topica. ©ammoruS. Exiartuä 
unb feine Slat^folgfr. — 5. Sie bauembe öcrrfi^afl beS mos Italicos. 
fletpjifl. — 6, Die Oppofition unb bit beginnenbe fflefonn. — 7. ®ie ^Sriliat' 
uodefungen, Collegia unb Deputationen. — 8. SteDung beB ^inaniBnm4 
junt moB Italiens unb jur methodus. 3)ct mos Galliens. Sammlungen. — 
3. ®er !)iamianiu8. — 10. Umgefialtung ber ^onn ber aitcratut. 

1. Sei einet aiE}iffenf^Qft, beten Object in gefi^riebenen 
Urtunben überliefert ift, werftest e3 fidi hon (ettift, bog bie 
@£cgefe ben Anfang bei ^ibett bilben ttitb unb fottnj&^tenb 
ifire ©lunblacie bleiben mug. @o fe^en mit benn auc^ bie 
ratffenfcfiaftlidie SVeubelebung beS ^ftinianif^en 91ed|tS bun^ 
bif ®Ioj(atoren mit biefet 5]^ättflffit beginnen, ja bie 8e= 
beutimg i^te« iffiitfenä liegt getabc barin, bafe fie juetft bie 
ejacte SWet^obe bet Sjegefe auf ba« Suftinianif^e Sei^t in 
feiner ©efammt^eit unb in feiner 9lelnt|eit jur Stntuenbung 
btoditert. 3Bit bet ganjen Jlfrifc^e, bie bas betreten cine8 neu 
gewonnenen ©ebieteS neriei^t, mit bem auf bie SBerfentung 
in bie CueQen cnncenttitten ^teteffc unb burt^ tetn jtoifi^n 
i^nen unb intern ©egenftanbe fiegenbeä litetarifc^eS SRebium 
ge^mmt, jerftreut unb irre geleitet, Ijaben fie mit feltcner ©eiftefi- 
fraft bcn Sn^olt beS Corpus juris juetft njiebet aufgef^Ioffen 
unb feinen SÖeftanb ju einem geiftigen Sefi^t^um ber fotgenben 
3etten gemacht. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Cftarnftre ba mittriolftriii^n Si(inil(^ft. 103 

Senn naH) m^l als einem Sa^r^unbert bet 9JetfaQ ber 
K«^t3tini7enfi!^aft beginnt, fo liegt bie Urfot^e roeniget in bem 
©intei gttftign; ^aft fibei^oupt, aii in bem 9Iatutgefe§e, bog 
eine gleic^mögtg fottgefegte unb ftetS mit benfelben gülfSmitteln 
o))cnrenbe äßet^obe im Sßerlaufe bet Qät 5UI ^o^len ^rtuoftlfit 
nrirb, tEp:e ptobuctibe fitaft erft^dpft unb an einen €u[mination8> 
punft gelangt, nac^ beffen Uebecf^reitung fie neue älefultate 
nic^t me^r gefflinnt, fonbem i^ce Hrteit mit Sßfieber^olung, ®e< 
tnu^tung unb (£i&rterung beS Uebeilteferten t>oII6ringt. 

Ueberbied aber trug bie äQet^obe ber mittelatteilid^en 9Biffen> 
f<^ bie ^eirne beS SSerfaQS in ftt^ felbft, ba fte in ber reinen 
unb fibetbie* mit gebunbenem ®eifte betriebenen Änal^fe befte^t. 

1£S ift baS @eifte$(eben beS Sßittelalteiä bur#rungen Von 
bem @[au6en an bie Autorität unb jebe tiefere SBetrad^tung ber 
2)inge von ber Ueberjeugung be^errfi^t, bag bie Satir^eit eine 
gegebene [ei, bie c8 nit^t erft ju finben, fonbern auS ber lieber» 
lieferung nur jtu lernen gilt. 9Ieben einanber fielen bei @d|o» 
faftit bie ^utoritöten ber ^eiligen €cf|Tift für bie ^^ologie unb 
beS Äriftotefea für bie ^^ilofop^ie. Sie Uebereinftimmung beiber 
ju erfemien unb ju beroeifen ift bas Noblem, an beffen S6fung 
bie ft^olaftifc^ S)ialetti£ fi^ ^erarbeitet. ?t6er loo bet JBiberftreit 
ni^t ju Idfen, ba trägt bie tjö^ere SlutoritSt ber Offenbarung 
ben @ieg baoon: benn fie ift ber letzte ^rfifftein ber SBoIft^eit 
unb folglidi bie Autorität ber Äin^e, al8 beren 3:tägerin unb 
Senxi^rerin, bie fi^lieglicfi entfc^eibenbe. £)a8 31^' ^ SSÜffen« 
f(^aft fann bafier nur fein, eineStEietlä bie Uebeteinftimmung ber 
metap^fif^en 93a^r^etten, toeldie alä 3n[)a!t ber menfi^Iicfien 
Siemunft erfrfieinen, mit ber Offenbatung barjut^un ; anbernt^eil« 
ben Sn^lt beiber auf bem SBege ber Slnal^fe jur (Srfenntnig 
ju bringen, b. I|. burt^ biejenige t^orfdiung^art, toelc^e ben 
@toff als einen gegebenen unb fertigen ju @runbe legt unb fic^ 
in feinet 3ctgliet«Tung auf bem SßJege f^ttogiftif^et ©eweisffiljrung 
fortbeuegt, Sie ^ozm. in tpel^r bie ©c^olaftif fte übte, befielt 
in ber SluffteKung uon Duilftionen: S<^ig^ttt ^i^ ^fb abftract 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



104 ^itTtti SaifUtl 

formulitt, balb concret in bei &t^tait bei casus aufgeft^t, mit 
(Siörtentng beS g^i mtb ©egett, unter ftötet ^eibetjie^ung be^ 
Slutoritäten, beattttoortet Werben, inbem man bie etma entgegen: 
tretenben 9Stberfprüd|e entn^bet burc^ ©uborbination bet einen 
Autorität unter bte onbeie, ober burt^ ^ifttnctionen, bei boten 
jeber gefunbene ®a^ feine limitirte ©eltung betifilt, ju Ufen 
toetg. @o fü^ct bte ^na\i)\e bui^ DuSfttonen unb Sfiftinctiouen 
eine unüberfe^bme ^Ei^fpHttening in (Sinjel^etten gerbet. 

SSiefelben (Jtfc^einungen roteber^olen fic^ in ber Suriö* 
prubenj. 3)ie lein anat^tifc^e 3Rett|obe f|en{d)t aud| ^ier mib 
opeiitt mit t^cen Oufiftionen unb 2)ifttncttonen. SRe^ nod| 
als bte $^i(oji)ti[)ie ift fie Don ber SSorauSfegung einer gegebenen 
SBa^r^eit unb ber inneren Uebereinfttmmung i^er Ueberlieferung 
belierr((^t. 9Se^r no(§ unb mit gröfeerem Stecht ma^t fit^ in 
t^r burc^ ©toff unb 3iel« bie ©ebunben^eit beS Urt^eit« geltenb. 
3)enn fie ^at eä ni(^t mit meta))^^fi{^en Problemen, fonbem 
mit pDfittoen Orbnungen beä menfc^Iic^en ©emeintcbens ju t^mt. 
3^r ©toff ift ein bi« in feine tStUäel^iten hinein gefettet unb 
fefter; itjre Arbeit ba^er, fofem fie ni(%t bie Oreujgebiete 
ber ^^ilofo))()ie unb ber @lefet^gebung ober 9ie(^tS))robuctiDn 
überfdireitet, nii^t barauf gertditet, neue 3Sa^t^tten ju ftnben, 
fonban barauf, bie objectiD gegebenen ©d^e ju ermitteln ijnfa 
fie in iljrem ©runbe, ^w^*** "»t» inneren 3''l"'"'"S"%"n9 i" 
toerfte^en. ©ic ^at enblic^ i^ren Qweti im äußeren pta^tifoi 
:Qe6en; t^re 9tufgabe ift ba^er eine übertoiegenb bibaltifdie unb 
befte^t im legten 3>eIe barin, bie juriftifti^e ^nft ju I^ren, 
b. ^. bie Sätitgfett juc rid^tigen unb fixeren SEnroenbung beS 
JRet^tiS ju entroidetn. 

^ie ©ebunben^eit ber 9ie^t3n)tffenfc|aft tuirb um fo enger 
unb fefter (ein, je mel|r bie iJofitiBe ©efejgebung, mit ber fte 
fid| befd|dftigt, bis in bie ISinjel^eiten ju einem DoUenbeten 
©ebäubc Quägebitbet ift. fiommt baju ber boä gonge ©etfteä« 
Irfien beä SRittelaKerS bur(^brin9enbe S:rieb be8 ©tauben», bie 
gläubige 33ere^mng ber Irabition unb bie toillige unb geloofjnte 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Q^iaFin t>n inineIaIinIti!C)en Stftenft^aft. 105 

UntntDfrfung bes Urt^etld unter bie Ütutorität; fo tft bad ^t= 
f^en tjiftorifdier Ärittt Don Dorn ^rein auägefc^loffen. @o 
tarnte beim aai^ ber 3u[tiiriam)(^en ©efeggebuna gegenüber bie 
^{^tfad^ ferne SJebeutung gelvinnen, ba| jlciff^en i^r unb ben 
@;egeten beS aRitteloIteiS me^r alä ein ^atbei ^Q^itaufenb lag. 
SBHt naiöer ©(öuliigfeit ^aben bie ©loffatoren bie ?Iu8legung in 
bie ^anb genommen, olä toenn ti jl(^ um bie 5J)urd|fü^tung 
eined mobenten @e{e^bu(^g t)anble. Sie in biefer gcunblegenben 
Seriobc feftgeftellten Snft^oimngen finfa ber Solg^eit überliefert; 
bie geft^ic^tli^e Äluft, toel(^e ben äuSleger öon feinem Objecte 
trennte, tarn ntd^t jum iBemugtfein. SSä^renb ftdi ber DOÜS-- 
tt)ümQ(^e @^öffe in ber SRec^tfpret^g gegenüber bem ge- 
f(^rie6cncn ©ort bie fubjectiöe gcei^eit bctoo^tte, ffl^It unb 
metfi ^ ber Sieget Don ber formalen Autorität feineä %e^tA 
be§ecifd)t unb fegt oI)ne ^tit bie if)n amgebenben 93er()ältniffe 
unb bie i^n crfüllenbcn ffiorfteOungen bei bem Urfieber feiner 
CoeQen botau^. 

Qtoax erftredte fic| bei @)Iauk an bie flutorität nit^t iii 
auf bie ©eftatt bed ^£e^e$, ha btefei in Derfd^iebenen fieiSarten 
Boriag, unter benen man feiner, unb felbft nit^t bem pifaner, 
feit 1401 in t^rloienj aufbewahrten ^nbeftenmanufcttfite, einen 
obfotaten Sonang juft^rieb- ^beffen uaib bie ^itif bo<4 aud| 
^ier nur f)Mh:tt(^ unb o^ne ieglit^e WteÜjobt geübt. Sine gelotffe 
(Jorm beS Zefftü fegte fic^ trobitionett feft als liter& communis 
ober Tul^ata, an melt^e man fii^ im ©anjen gebunben i)iett. 

SRe^r aber fü^te ft(^ bie SSiffenfc^aft im glauben gebunben 
bnrd) bie f^ftematif^e ^^onn unb Orbnung ber Sluftinianifi^en 
Siet^täbfii^er. llnb toie eä on ben aSorauSfegungen unb §ülf§> 
mitteln I|tfti>rtf(^ ^tit fehlte, fo tag auc^ baS 8ebücfni§ unb 
bie t^igfett ju felbftdnbiger fqftemattfdier 9etracf|tung augerl)alb 
btr bem ®cifte8(e6en gesogenen ©teujen. ©elbft biejenigen 
SSetle, roet^e fi<^ ber fqftemotifdien gorm nähern, bte ©ummen, 
fmb bot^ nur georbncte Ueberfic^ten über ben Sntiatt ber 
gegebenen Kbfc^nitte ber CueQen. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



106 «imrf ftapitd. 

Unter biefen Sebtngungen tft bte ÜBiffenfc^aft auf bie leme 
^nal^fe befc^rSntt. @te fann fii^ feine anbete SCufgabe fteCen 
als biefe, ben 3n()att beS gegebenen ©toffS burdi ^eigliebeniog 
batjuleflen unb in feinen Sonfequenjen aufjuttetfcn. 3)£e 2(ri«it ifl 
ba^er me^r in bie breite at& in bie ^iefe geticfitet, itid)t ouf 
Soiicenttation , fonbern auf SJtffofutto«; unb Bwnn ft^on bie 
ejcgetifc^e SWet^obe an fic§ bie ©efa^r mit ^id) bringt, bafe her 
relatiDe 9Ben^ ber einzelnen ©tüde nid)t unterfc^icben, ein jäxi 
mit glei(^er 9Btd|tigfett be^nbelt unb ba()er baä &TXf/äxtt in 
SufdQiger ^Berbinbung getiSuft wirb: fo mufe biefdbe, in rein 
analqtifc^er Steife ge{)anb^af)t, jur 3^4p(iHcEung beS ©toffS 
unb jur äluflöfung in raaffentjafte Sin^ettieiten fügten- 3)tele 
biffoEoiienbe ^enbeiij maä|t fic^ aui^ ba geltenb, too baS ^el 
bie aSeretnigung ju fein ft^eint: bie gefunbenen Sßtberfprfif^e 
fiH^t man nit^t in eine ^Ö'^ere Sin^ett princifieü au^ulöfen, 
fonbern bur^ Sliftinctionen in ber SSeife %n berfö^nen, bofe jebEt 
Sa§ unb jebe SKetnung ouf einem begtenjten ©ebiete fi^ neben 
bet anbern behaupten fann. 

Z. 3m Saufe ber Qat §atte fi(^ für bie anaf^tift^-ejegetiii^e 
aKetfjobe ein fefter SljpuS ouSgebifbet, ber feit bem 16. 3a^t« 
tiunbert jur Unterft^eibung abmetc^fnber SRetfioben baS !Doctnn 
„more Italico" ober „magistraliter'* genannt mirb. S)ie Sonn 
bet Siterafur unb ber alabemtfc^en Söefianblung ift im ©üitjeii 
biefetbc. lieber bie urfprüiig[ii^e ginfac^tjett unb 9(atürlicf|teit. 
bie toir bei ben ©loffatoren finben'), fjinauS ift bie (Sjegefe ju 
einem conHJlicirten SRei^aniSmuS geftültet roorben, ber mit feinnn 
in einanbet greifenben iRäbemietf bte i£jm untergelegten SIeftc cer- 
orbeitet. 

9?egeln, in ber ©c^ule trabitioneQ gebilbet unb approbirt, 
äeigen bem Interpreten feinen 3Beg unb geben bie 99eftanbt£)tift 
an, aus benen jener SUec^antämuS fic^ jufammenffigt. 

1) Ucbet biefe »gl. SoBignt), 9cfi^. i>. com. Mt*tB im 3«.«. 
Sb. 3 flnp. 23. 24. Sdiulte, ®ff(^. b. Oucllen «. Hit. b. fntum. ffl«6i* 
1, f>2. 63. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. £eT mos IuIicdb. 107 

^teton^muS ©t^ür^jf giebt (niic^ V, W. Forster, Inter- 
pres 2, I) fSi btc mlgaris et usitata aive commuiiis inter- 
pretandi ratio folgntbefl @(^ana; 1, Coatiauatio ad prse- 
cedentia. 2. Textus partitio. 3. Summarii relatio. 4. Casus 
actio, ö. Dnbitandi ratio. 6. Decidendi ratio. 7. Rationis 
dubttaadi confutatio. 8. Notabiliuni coUectio. 9. Gioasarom 
diversamni conciüatio. 10. Neotericomm Judicium. 11. Com- 
munis opinionis judicatio. 12. Ad forum explicatio. SttoaiS 
tüijec fa^t bie Seftanbt^eile jufammen dn betütimteS ^iftii^on 
beä aR. ©liiialbue äßo|p[)a (de metbodo ac ratione 
stndeadi libri trea. 1554), roetc^em mit folgen, ba e8 feit 9)Wtte 
beS 16. So^r^unbertä juc S^atottcrifttf be« mos Italicus unb ol« 
innemDnifc^et Settfaben für bie SD?etf)obe gebiaud^t loiib. I£d tautet: 
Pr&emitto, scindo, eumno cssumque ügoro 
Perlego, do uosu, coddoIo, objicio. 

2;er ijfcget beginnt mit einer ©nleitiing (praemitto), in 
iwli^r er bte in bec ^e^eöfteHe be^anbelte 3)iateüie allgemein 
(^raTtenfirt unb abgrenjt, jugletdi bie babei in Setra(^t tom= 
menben termini befinirt unb fonftige präliminare Srläuterungen 
beifügt. 3>Qran f^liffet fic^ bie partitio, bie Qtxit^unQ bet 
Woterie in i^re X^eile, Slngobe bec ttetft^iebenen im 3^e 
jufammengefagten @ebanEen unb @egenft5nbe, bie einjeln },u 
erörtern finb (scindo). 5Ra^ biefer S^flliftiEriing ttiirb bet 
QxfratUdie Sn^alt bei Xe^eä furg nieber jufammengefa|t 
(sommo), mobei bie ©ummarien beö Sartoluä u. %. i^te &;= 
drttcung finben. !Sann folgt bie SuffteQung beS casus. 3)ie 
factifdien ltBorau:Sfe^ungen ber in ber ©teile ent^Itenen fRec^tS» 
fö^ toetben angegeben unb jioar, foweit fte im Icjte felbft be= 
jeii^net finb, biefem entnommen, fonft in einem erfunbenen ober 
ber Sßrasi» entlehnten ®et[t>iclc bargelegt; bie ftfi^ieitig ent= 
fttmbenen ©ammtnngen bon casus, neben ben in ber 9(ccurfi' 
It^ ©loffe ent((altenen bieten bagu rei(^lid|cä SRaterial. ®iebt 
bit vorausgegangene partitio boju ®clegen(|eit, fo ftnbet f^on 
bort eine Häufung bet casus $Ia$. 

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108 8i€rtt8 fto^Mt. 

9Iim eift tvitb bei iSe^t [clbft ootgelefen, tnoian bie [nti)(^ 
(£t9cterungen über a6tDei(^enbe Sedarten ju fnCi)>fen ftnb. 

Sft mit bicfeit Operationen ber SSntialt be* Xejte» W= 
gcftedt unb Hargelegt unb (omit im ©lunbe bte Interpretation 
erf(^öpft, fo beginnen nun bie abbittonalen Srbrterungen über 
ben ^nt^ilt in ungemeffener [^e. 3i"^i^^ merben bte cansae 
befpro<^en. SS ftnb barunter Doi aUem ju oerfte^en bie ratio= 
neOen @rünbe ber (^t[(^etbung unb bed gefunbenen 9ted|tsfa^^ 
unter SBtbertegung ber möglii^en Sebenten unb ©egengrünbe. 
3uglei(^ aber ift ^ier ouc^ ber $Ia^ füi bie Erörterung ber 
Don ber @c^oIafttE gepflegten Oier ariftoteltidien @rünbe ') : bei 
caQsa efßcieDs, materialiB, formaÜB, fioalis, toelc^e je na(^ bei 
©eleflcn^eit unb bem ®eifte be8 Sfnterpreten balb rein formal 
unb äugerlid) atiget^an, ba[b tiefer einge^enb als btba!ti|cf|e 
®eftif|täpuntte be^anbelt tt>erben. UcbrigcnS finbeu bei niani^en 
©jegeten bie uier causae ni(^t an bicfem Orte, fonbern in ber 
©nleitung i^re CSrlebigung; bieä ift [ogor bie ältere Uebung, 
ber ftdi i^. B. aucfi 3»fii<^ auf(^lief|t. 

Unter bem nun folgenben .connoto" ift ju berfte^n bte 
9(niet^ung ton ^emerfungen attei ^rt in mtüfürlidfei ^oiQt 
unb 3Q^f- ^a^in gebärt bie iBerfnflpfung ber gefunbenen Sfiect)td< 
fä^e mit anbem Oemanbtcn (cogaata et similia) burc^ 3Kit= 
tfietlung unb Qiorterung oon ^araUelfteUen ; bie Sieigleii^ung 
mit bieten ; bie ©jcurfe auf anbere Stedjtägebiete ; oor allem aber 
bie äbftiaction otlgemeiner Siegeln, nietiile feit ben ©loffatoren 
ben feltjamen unb nidit erHärbaren 9Iamen brocardica führen, 
fpäter regulae, loci commaaes unb axiomata genannt nertKn. 
SSirb f(f|on t)ierbur(^ ber @^et ins SBeite gejogen, fo bietet 
tf)m bie Operation beä „objicere" fc^Iießlic^ ben Mntas äut 
bieiteftcn JBe^anblung bei Sontrooeifen, bei contraria et oppo- 
sitiones. Sfuger ben fc^einbar ober ttPirHi(^ wiberfpret^cnben 
©teilen roerben ^ier bie abtoeidienben SReinungen bei @Ioffc 

1) SiatjeTi, Dom Sinffujft ber ^^ilofop^ic auf bte SuiiSptubeitj. 
^Tcgniiiini. fiicl 1^55. otintrind, Baiiuä @. 112 f. 

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2. I« mos lulwos. 109 

imb Eommentatoien jufammcngetrttgcn. 55ie Stuäeinanberfe^unfl 
mit ifyxtn fü^rt ju ben distinctiones, ampliattoaes et limita- 
tiones, in berm ÄuSbtlbung bie SHttuofität f^olaftifcfiet 'Siia-- 
Irftä fi(§ offenbart. S)ic ^orm, in Weither bie Sebenlen, Sin= 
mürfe tmb ijontrowrfen emgepif)tt «nb abgc^anbelt mcrben, ift 
bie bn Cuäftionen, ju beren Söfung bie Slutoitt&ten für unb 
gegen atlegirt werben'). 



1) Sine fottrifi^c 9t([^Tti6ung btS mos Italicas giebt aon feinem 'Staräu 
mtttt aus 3o^ X^cmt. ^TCtgiuS, 91euive Practica juris. I5T4. fol. ^ov 
Ttit ®, 3f.: .SUnn wai fonft für flrDfeer 9?iip Qii9 ben ©(^ulen tomme 
tio bei SBelfc^ ¥nid|t unl) Sl^nnttuS mit Scfen gefallen niirb, baB giebt bie 
%li4e ib^aSfnaii ju erfntncn. 3^ ^ aK meine Xag bin fettamen Logicam 
JD docendo geft^, benn berfelbig apparatns ift, ba mug man nur tntl 
bicttnen, sfd^ Bfidm: f^rdbtn, S)inttn unb ^otifer Mtfubeln. 3« giebt eg 
nfiliifi continnationefi titniorniu unb eiplicatiooes rnbricamm, bie gu 3nlcn 
in einem falben 3a^ laum ju @nb btac^t inerben. 9?ai$ biefem, fp man 
ju ben Lege tommt, ba fi^iitt man ettlii^e Siorleuteningen bor, bai nennt 
man praemittere, unb feinb bie fclbigen äjorfeuterungcn offtennalS ntt^tS 
SnbereS benn merae repetitiones ex loBtitutionibos ubei granimatica inter- 
preUtio qnomndani vocabulomm. Vuf biefeS folgt melttiS Legis divisio, 
baS mon ^ei|t Scindo, ba enteigt [i(ti bie Lo^ca jum Sl^cif ein tnenig. 3>»n 
britten fummict man ben Legem ex Bartoli aut Bald! aut alterius opinione 
«ber iDoEii auS brcien, oieren Doctoribus, beim snmmaria glei^o^I lKt> 
inoifen unb non bem professore ein nene Snmmarinm e^mfit ntrb. Qvm 
dienen figuriert unb formiert man in nube ein fiemben, unbiettftlii^n ober 
aaii überflüifTgen casum, bcr oft unb meiinnnlen in ipsa lege wirb begriffen, 
antin baä man Titinm ober Semproninm ober dominnm Petracinm ^tnjin 
ibun nag. Unb uwiu baB mit großer ^xadft gefi^rien unb bictiert ift, alSbann 
folgt bo9 ^ünft unb tugt bec doctar üb er ben £e;t nod) lefen Ebmie, ba8 
Ik!|i Perle^. Wäbalb tommt do causaa, bie aui$ (nie bei casus) gemeinlitfi 
im lep feltift (meliftcr e« öerftänbc) begriffen feien. Sie iirei legten Etüde 
ieinb conuoto et objicio. Z)a ^ifet eS nota primo, nota secundo unb 
etfttbt fii^ erft ein neue ßtefet^t, ba|i bcrjenige ber ben Legem bun^ biefe 
DielfUtige Snjtüdlung nunmehr fixier in &op\ btaifl ^t (loe er f o ein gnäbigen 
ytott ^1) bai er, fag i(J|, erft niieberum on^ebt de legi« intellectn ju 
itvtifcln. Unb baS feinb grogwiciitigen, ent^lic^,- IruegenlJi^n llTfa(^en 
tiie uns tiribcn au8 unferent geliebten SSaterlanb ber teutfi^ SIntion, ben 
fiemben auSISnbifiiien Schulen nndijulaufen; ba ^gt e^ bann bidig: accipimus 
peeuuiam et mittimns aslnam in Germaaiam. ^ai \it) gcit^tneige aueiüns 
biirfn grober €itten Hnerbung, melier unfei geliebt ^aterianb mit @d{, Ungui^t, 
Untttne, ^ntt^t, ^pffart unb aQeilei Untaten leibei fd|ier übtrfifiiDemmt" 



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110 «icrte« ftmiitcl. 

3. Sä liegt auf ber $anb, baft biefe äSel^be tn i^m 
rein aitnl^tif^eii Siditung jut 3etfptitterunfi be« SSiffen« fülireii 
miigte. Sßdie fie mit ©nfac^^eit unb toeifer Snt^altfomfeit 
geflbt WDibeit, {o ^ätte bem ungeachtet ber ©etotnit einer gifinb^ 
Uc^ @^e|( ni((|t ausbleiben ESnnen. ÜQein man mug fii^ 
ber ganjen fonnaliftifi^en 9iic^tung ber 9Biffen(c^aft erinneni, 
um tt|ten oerberblic^en Sinflug ju uerfte^. Uebei bie fonnole 
iBefriebigung bet magiftraten Stnfpifldie ge^t baS lebenbtge $ei^ 
ftänbiiiii unb cnbUt^ au^ bei @tnn unb baä Sebürftrig banai^ 
uerloten. SKan glaubte bie ©adje oerftanben ju Ijaben, totm 
fie bie Operationen beä mannigfaltig gefügten ätiibenwrfd übti^ 
ftanben ()atte, obgleicf) beten 3ifl Dielfac^ gar nid^t fo fe^r auf 
bod @iEennen ber @ac^e felbft, aU ber in i^r ober i^rem 9lu^- 
bruä jum SJorfi^ein !ommenben biatcftifd^ ^ef^e unb formen 
gerichtet mar: eS toar bie DerftängnifeBoQe SBerWed|H«nfl bn 
logtfc^cn i^oimen mit fad|Ii(^er (SrEenntntg. ®ab nun f(^on bi( 
aJIet^obe mit i^ren compÜcitten Mnioeifungen ben 9lrt[a| jiit 
äBeitläufigleit, fo tarn bie tnbiDibuede Steigung gut ©ubtilität, 
bie nerbicitete Hebung gu fpifffinbiger Argumentation unb S^ftinC' 
tion unb bie @enioI)n^eit, mit ber eigenen @töiteiung bie ^■■ 
rufung auf ?tutoritäten forttaufenb ju öerflet()ten, ^inju. 3)üe 
§ertommen ucriangt, bafe ber Spätere Don ben aWeinungen btr 
Stetteten Sftetfienfdiaft gebe ; bie Siteffcit föEirt ju bem ©emü^rn, 
burc^ einen reichen gelehrten Slpparat ju glfinjen unb bie 9ioi= 
ganger burif) feinere 3)iftincrion ober butdi äuffteHung einet 
neuen Ouaftion ju übertreffen, ©o fc^tDillt bie Sitetatut ni^t 
nur an ju einer unübcrfe^baren SRaffe gehäufter ©njel^eiten. 
fünbeni bie e^getifdie 3)iet^obe Deitiert ant^ me^i unb me^r ben 
3oben, auf nie(d|em fie ru^t, mi bem @eftc^te. Statt mit bem 
Icjte, bejt^äftigt fie ftc^ borjugSlneife mit ben SReinungen über 
ben %q[t; unb bei ber Steigung jum @Iaubeti an 9(utoritäten, 
bei ber (3e6uiiben^cit, in bet fic^ ha» fubjcctioe Urt^ bet 
Xrabition gegenüber fü^lt, tioQenbet fid| ein ©tanb ber SQSiffen^ 
\ä)a\t, in Uelci^em bie Stnfid^ten bei ©loffatoren, bie commuius 

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S. SBtilimgen brt mos Italicus. 1 1 1 

opinio, bie SSeinungen beS 8aitoluS unb 9a(buS unt> anbeiei 
nam^aflet SiirifteR mit gröfeeitr ober geringeret Dffent)rit bei 
Autorität bei Xe^eS fetbft g(eii^ gefteUt metben. Sßie in bei 
^^logie 3:^omaS Don 9qutno unb ^unS ScotuS bie @runb' 
jöiilen bei 5)ogmüti( geworben unb um Sl^etl tetbft butt^ päpft= 
lid|e SutoTttfit füi infoQtble Setiiet eritöit toaien, fo grünbete 
ftt^ fpitet bie 3urid))iubenj auf bie @lof)e unb ben 8arto[u2. 
€dbft gefe^iti^e ^Beifügungen ergingen, um feine 31utohtät ;u 
beMtiflen unb eigene Se^rftü^Ie für feine ©Triften ju errit^ten. 

Sag bie $ra^S biefem QuQt bereittntllig folgte, liegt in 
ber 9Iatur bn S)inge. Senn bie ^eotie auf felbftänbige $rü< 
fung &et5id|tet, fo wirb um fo bereitwilliger bie ^rojrid bei 
üutDiitSt fiC^ anf(^Ite6en. Slaptiael gulgoffu^ (f 1427 in 
$iibua) warnt feine Bi)üUx, fid| auf feine oon ber @loffe ab" 
UKi(^enbe äReinung vor @eric^t ju berufen ober aud^ einem ge= 
rit^Iic^en Urtl^ite %u ©lunbe ju legen. Sr felbft wärbe lieber 
bie ©loffe als ben Xejt auf feiner ©cite [»oben: benn Wenn 
man fid| auf ben ^e^ berufe, fo ^eige eiS in ben ©erii^ten: 
.@laubft bu, bag bie@loffe ben Xe^t nid^t eben fo gut gefet)eit 
irab wrftonben I)ot wie bu?" Safe biefe Haltung ber ^ajiS 
ouf bie I^eorie jurüifejiifen unb bie DueÖen felbft immer me^r 
in ben ^tnteigrunb bröngen mufete, war unnermeiblld). 

Sei bei öeurt^eilung biefer Scgebniffe pflegt unfere moberne 
33ifftnf(^ft jwet ©eftc^täpunFte nidE)t genügenb ju unterfi^etben, 
Wan t|at 8te(^t, sont ©tanbpunfte ber !ISiffenfd|aft au§ für 
(inen traurigen %eifaU eS ju ertiäien, bafe ber ^t^fiotS i^'"^ 
reinen ®erftänbni| ber CueQen nit^t nur Detfc^Ioffen War, fon= 
bcnt faum me^ gefuc^t würbe. Slnberä aber ift bon bcm aQ> 
gemeinen ©tanbpunhe (]iftorifd|ei Sfteditdentwidlung ju urt^eilen. 
9etra(^ten wii junfit^ft bie Se^anblung bti römtfd)en ditäjt^, 
fo büifen wir nic^t überfe^en, bog 9(uSlegungen ber OueQen, 
Welche unfer gefc^irfteä äuge als SWifeDerftänbniffe ettennt, ge> 
trogen unb eingegeben finb Von mobernen Sied^tSanfdiauungen, 
hielt^ ben @|egeten erfütlen. Sei ^iftorift^en ^egenfä^ fic^ 

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112 Sitfle« fiopttel. 

ntc^t bemufet, butdiaiiS ni(^t befttebt Wefe ju erieimen, foidiem 
bai CorpoB juris unbefangen alS ein bhtbenbed ®eie^bu^ füi 
bie ^egentoait be^anbelnb, fe^t ber mittelalterliche S^get, imt 
wie fagten, bie i^n erfüHenben änfi^auungen bei bent ®eje$= 
gebei toiauS ; unb unnermerlt tniib bie fdiner ;u finbenbe @Eenje, 
met^e bad 33oiau8{e^ Don betn hineintragen trennt, in bcr 
(£afuifti( Oberfd^ritten. So geftaltet f"^ bae römif^ 9ted|t 
unter bet ^onb bcr Sturiften um ju einem mit getmamlt^ 
9[nfc^auungen tierfegten, ^albmobemen SRe^te: unb ttenn bieS Dom 
©tanbpunite ber reinen ffijegefe terroerflii^ ift, fo wtbient bie 
getraue 3trbeit bie DoQe Änerlenming »om ©tanbpunfte be« 
91ecf|tSlebenä , beffcn realen Sebürfni|fen man auf biefem ^ge 
tnfttnctio @eltung f^affte unb Sefriebigung getböfirte. @ir 
bflrfen nic^t Dergeffen, bafe bie bebeutenbften Sommcntatoren 
juglett^ ^altifer tnaten, bog tS i^nen nic^t um bie ^lerfteHmtg 
einer SßJiffcnfi^aft für bie ©c^ulc, fonbem um ein onnwnbbore« 
älei^t für baS Seben ju tt)un toar; bie feine unb reidie Safuiftif 
etfdieint i^nen iaf)tt als bie ^Ct^fte ©tufe i^rer Stiftung, unb 
biefe ift ei aati), um becentWiHen felbfi »on ben Sßcrtretem einet 
Derebelten £ffliffenf(^ft bie ©i^riften beS SSartoIuS fpfiter no^ 
gepriefen unb empfo^en Werben. SRoc^ am ©c^luffe be8 16. Si^- 
^unbeitS toieber^olen bafier j. 9. bie ConsultatioDes Sazoiiicae 
n, 1, 1 ben alten ®a(: Bartoli auctontas eupremo habetar 
in acta practico ; cootra ipsum velle coDcedere ant coatroriam 
defendere perquam est temerarium. <S8 t|at biefe 3^* ^ic 
gortbtlbung unb Umgeftaltung beS 91ed|ts burt^ biefelbe .inter- 
pretatio" unb „dispatatio fori" in i^rer 81rt geftbt, mdä^e Wir 
als Sßcrbienft an ben römifd^en Suriften preifen'). gfilft^ung 
unb a)7igtierftänbnig !ann bie Umbilbung nic^t genannt UKtben, 
ba man nic^t bie *prätenfion erl|o6, baä römifd^e Steigt in feiner 
SRein^eit ju lehren, fonbem etnfatl^ ben gaben ber 3:rabitbn 

1) Sgl. über biefe unb bie fal[(^ Seurt^eilung a^ntii^er Srlt^nungen 
in neuerer 3tit bie treffenben Semexfiingen Bon ^^eitng, Seift befl rBm. 
Httdia 4, 464 ff. 

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3. aSirfunflcn bti mos Itaücus. 113 

in bei (£^cfc fortf)}ann. 916er bon bei Stutoritöt bei ge= 
je^iieBenen 3lec^ta ixl^trc^^t, fuc^t man fic§ fßr fREi^tSfäße, bie 
man aÜ Sebfitfnig beS fiebenä em))finbet, bte 3flec^tf(rtigung 
unb SiMtung ju f^affen, tnbem man bte fptgfinbigfte unb felbft 
gauUfame Susregung nic^t oeifdimä^t. 

(£3 ^at biefe Umgeftflltung bcm römif^en Kec^te bte SKege 
in bai pzsäti^äfe Se&en gebahnt. SSäie man fit^ ber ßluft, 
nx[(^ bie @egenniait som SItertliume tiennt, in folc^em ®iabe 
bdDugt getoefm, tote loii eS tieute Jlnb, fo ^ütte eS fid^erlid^ an 
bem SWut^ flefe^tt, bie Ueberlieferung bei antifen ffielt unmittelbai 
im Seben als binbenbe 9loim ju bettDenben; unb tcäre man 
baiauf ausgegangen, bad tömij^e ^e6)t in fetner 91ein^eit 
— faltä man fie ^ätte eirfaflen lönnen — burdijitfü^cen , fo 
nüibe bad Seben unü£ierfteiglid|e ^nbeintffe in ben SSeg gefteßt 
tiaben. 

tjfli bie Se^nblung be^S fanonifdien W^ti') fommt 
^inju, ba6 ber ße^rei wie ber iS(^ftfteIler untet bei ättingenbcn 
Stutorität einer lebenbrg Uirffamen re^tSfegenben ©ewalt ftet)t, 
beien Sillen aU fanonifdie Orbnnng jui Geltung gu bringen er 
ft(^ Derpftic^tet unb getrieben fü^tt. 3*^if(l^en bei ©d|iife unb 
bem Sßopftt^um, jimfi^en Siffenfc^aft unb firc^ti^er ©efe^cbung 
finbet bie lebenbigfte Set^feltuiifung ftatt; bie ^ortbilbung beS 
9ted|t3 iDDaiietit ficE) buidi baS iBebärfnig beiber. ^^ei gef^ie^t 
bie miffenfd^aftlit^e ?(i6eif unter bem orange einer prattift^en 
^benj; baS 3<^I 'ft bie in Uebung fte^enben ober jui ©eltiing 
ju bringenben 9tec^tdffi{^e burt^ bie OueHen mit ^ülfe biftingui= 
tenbet Sluälegung ju begrünben. Unb toeil man bie ©nfwidlung 
in lebenbigem ^^uffe loeife, ber in ber fiiteratitt feinen feften 
SÜeberfd^lag abfegt, fo tritt biefe ^iei not^ Weit mel^r in ben 
SoriKrgiunb, alS eS beim römifd)en Siedete ber j^aß ift. 

SHoc^te nun aber bai blofee ättifeueiftänbnife ober ber red|fä' 
bübenbe Snftinct ben ©jegeten leiten — ber ©inftufe beiber 

1) SgL XH"*^' bie Summa Magistri Bolandi. 18T4. Sombr. 
6(^uUt, ISeM, b. Cueüen u. Sil. 1, 215. 

eiiRtlns, aitf4. b. 3uiil))nti(ii|. I. S 

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114 Stetwe ftapitcL 

tpaib in btefem @rabe nuc ermüglic^t burd) bie ^errft^aft bei 
Sfitalqfe, tueli^e ba^in fül)rt, bie Sinjel^iten au^^ bem j'ie be= 
biitgenben geiftigen 3ii!<i>nmenf|ange ju löfen unb aU felbftäntnge 
3)tnge ju betrauten. 3n feiner ^foliiung [ä§t fii^ buii^ Srgu^ 
mente, weldie für ben geflebenen gaQ ic^Iagcnb fi^einen, bem 
einjdnen ©ogc eine Deutung geben, gegen loeldie ei gefc^figt ift, 
jobolb er als organififieS ©lieb eineä ©anjen, als 8uöflu{t eines 
^Ö^eren Stec^tägebanEenS aufgefaßt teirb. 9Iber geiabe bie|e f9n> 
t^tifi^ iBetTacf)tungätoei|e mar buri^ ^iftinction unb Safiriftil 
bi» auf geringe Mefte erbrfldt 

4. ®o tange bie ßberfteferte HRet^obe in voQer @eltung 
ftelit, er[d|eint bie Sluflöfung beä 33iffenS in eine unüberfe^bare 
%üUe t)on SinjeQieiten nid|t ald ein b)iffenfc^aftlic^et ^ki, 
fonbem nur al8 eine unbetnieibli(^, in ber Statur be* pofi' 
titien yieä)tä liegenbe Si^tcierigfeit, metdie buii^ bie Jhaft bcS 
@eba<^tniffed in Iang)ä()rigem <Stubtum übenvunben tnerben 
ntöffe. ©ie Uebung beS (Sebäd)tniffeä, bie aKnemonif, bie me(^a= 
nif<^en ^ülfSmitteC jur Ueberfic^t toetben bafiec gepflegt unb 
nai^brüdti^ em^jfo'^Icn; bie au8 ber SBiffenfdiaf t [etbft betlotene 
@tnt)eit foQ in bem miffenben @iit>ject< burc^ feine ©ebfic^tnig^ 
Itoft ^ergefteüt werben : betin too ber fflegriff unb baä ©Aftern 
bie ©injel^iten ni(^t ju einem orgamfdien ©efftge Mtbinbet, 
ba bleibt als 3ßtttel jur SleE)errfi^ung beS ©anjen nur baS 
©ebät^tnife übrig. 

^ietQuS erdfiit fic^ bie eigentliümltc^e 91oQe, tneldfe bei 
„Locus" in ber ((^olaftifdien SWet^obe fptelt, ein SBort, mit 
mefc^em bie nerf^iebenften 93ebeutungen nerbunben merben, bie 
inbefe inägcfammt auf bie ^ßorfteHung eine« aufeettiaft bei 
SRateiie Itegenben $lageS, Don toelc^ au8 bie (SinjeO^eiten 
öbcrfi^aut werben fönnen, jurüifäufü^ren ftnb. ZRan bemüht 
fi(^ foldie Loci JU finben unb feftsufteÖen, um fotoo^t bem ®e= 
bäc^tnig als bem Uittieit einen fiebern äfntfalt ju gemdftren; unb 
jU bell elften ^obegetif^en 5Hegcln gehört e8, bie Loci ju crtcmen. 
©ie bienen al8 ein gacfimerf, in wetc^eä Argumente unb äRaterien 

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4. Sit Loci unb Topicft. Otommarue. €wrarbuS unb fdiu Stat^fotgei. 115 

ju (^neltei Stuffinbung cingeotbnet fmti. ©oloo^I ber 3!ermmiiä 
loie bie ©adie (elbft ift bei SRfjetoril unb Sltateltif auS bem 
^(tert^ume überliefert, f)at aber tn ber SuriSpntbenj eine etgen^ 
tl)intili(§e Äiiäfitlbung erfahren')- 

Unter Loci ordinarii oerfte^t bie juriftifdie ©c^ule bie=_ 
jenigen SteDen bei Corpus juris, on Joelt^e nai^ feftem ^eu 
tmmtti bie einge^enbe Srötferung einer öeftimmten ifie(^t8= 
materie angehtfipft toirb. ©o mar ber locus Ordinarius ber 
Scfire bon ber mora 1. 32 D. d. usuris 22, 1 , fpäter I. 84 D. 
d. V. 0. 45, 1 ; für bie Üe^re Don ben statuta 1. 9 D. d. j. 
et j. 1, 1; für bie Se^re Bon ber culpa 1. 32 D. depositi 16, 3; 
für bie Seigre Don ber obligatio naturalis bie lex damaata 
Frater a fratre 1. 38 D. d. cond. ind. 12, 6. ©ribalbu« nennt 
ftt ttud) ,sedee materiarum" unb ftettt ein Sßeräei^nife Don 
^unbert jufammen, mit ber Stnroeifung für bte ©tt|üler, eS au^-- 
Bcnbig JU fernen, um iebetjeit ju roiffen, »o bei beri ©ommen= 
tQtoren boö ©emfinfc^te ju finben fei. 33ie innere SBeätetinng 
bct ©teile jur Sllaterie toirb notürtid) borauägefegt unb ^at bie 
33a^( beftimmt; ober baS §erIommcn giebt ifir bie magifhate 
Sfbfutung. tec^tfertigt unb Dertongt ^ier ben @jcur8. 

3n me^rfati^er 99ebeutung unb ^Iniuenbung finben »ir bie 
Loci communes. ®8 finb äunöd^ft bie allgemeinen Segtiffe 
a[8 bialeftif<^e 9tugganggt)unfte für bie ^örtcrung, bann bie 
ond^tif^en @efid|t8punfte, loeli^ bie partitio et dlTisio be^^ 
füiranfn, alfo bie ©rünbe unb ©Heber ber Sint^ung, unb 
fomit bad ©c^ma bei Slnal^fe. 

$ia6ei gerotnnt bann bo« SBoit «ieberum bie ganj äufeer' 
lidie magiftrale ©ebeutung Don JRegiftem ober ft^ematifc^en 
Gotfectanecn. (5a ift nur eine überlieferte mettiobologifdie unb 
mnemonife^ SeiSl^it, loenn dt, Slgricola (Epistola ad Bar- 
btrianum) a(8 JpüIfSmittet, um ba8 ©elerate in Söcrettfc£)aft ju 
tioben, bie Stegel giebt, man muffe fi(^ Loci communes au!8= 

1) Uebei bie bnfi^iebenai Sebcutungen btS Locus in in ^^lofop^ic 
KgL Gocleaina (f 1638), Lexicon philosophicum. 

8* 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



116 »irettä fiapitrl. 

benteit, unter net^e man baS Sinjetne futiorbinireiib oert^ile. 
Son Slnbeten »pirb ben ©(polaren «npfo^lcn, fi^ iöüdtet anju= 
legen , in tätigt fie fo(d|e Loci Detjetc^nen . um unter biefe bie 
fldemten Sinjelfieiten einjutragen. ©ribalbuS aiebt boffir 
bie 9(nldtung burt^ ÄufftcIIung dneä langen 93eri(fid|niffeä uon 
Loci; in gleidiem @inne ^ebt ^egenbocfinuä (de ratione dis- 
cendi jura 1529) bie 3Bi(^tigCeit ber Loci atä ninemonif(^e$ 
§iitf8mittel liettiot unb erläutert e3 in Sei|ptelen. 3H. u. Offa 
fprid|t uon bem „Eintragen in bie Loci" als einer aügcntein 
üblichen gorm beä tiäuStii^en gIcifeeS. 

99ei fotc^ct S(ntt)et(ung »irb bie Slrbeit ft)fiemoti(d)et ©liebC' 
ning, meiere bie analt)tifd)c 8e()anb{img benta(f|Iä(figt, Don bem 
£et)rer bem ©c^üler jugeroiefcn; rooS bie gelehrte SBiffenfc^aft 
felbft nit^t giebt, foH baS ttiif(enbc Su&jcct äufecrtii^ ergänjcn. 
?r[S in fpäterer Qät bie fgnt^etif(J)en 2Infpcü(^c jur ©cltung 
fommen, fteÜt SK. SSefenberf jloar bem Se^rer bie fqftematifdie 
Aufgabe, empfietilt aber baneben bem Si^üter „more Bednlae 
et diligentia apiculae" ba3 gelernte in feine Loci einjutrogen. 
Allein nidE|t blofe f^ftematif^ georbnet finb bieje Loci ju benfen, 
fonbetn aud^ rein öu^erlic^ nnc^ bem 3[Ipt)a6et: unb bei einjelnc 
Locus ^at bann nur bie Sebeuiung einer JRubri! ober einel 
©tic^iDort». 

Unter Locus communis tft ferner ber ©emeinplaß, in 
annienbung ouf bie 3uri«prubcnj eine atlgemeine IReditS! 
regel ju berfte^en; unb ber SfuSbniif Locus berbtängt ben 
älteren Brocardica, Wirb bann mit Regula unb Axioma f^non^m 
gebiaui^t. grü(|jeittg ^at man biefe im ?(nfc^luS an ben Tit D. 
de reg. juris in @amnilungen unter bem 5Ramen Flores legum 
jufammengefteltf. Dlbenborp, ber bie altüberlieferte ©Qmni' 
lung bearbeitete, gab fie (Lugdun. 1545. 8") unter bem bur^ 
SReland^t^on ju neuer G^rc gelangten 5'itcl Loci conunnnes 
t)erauS. SSenn 5K. b. Dffa Don ber i^m bertjaBten (pftcmatifi^en 
9)Iet^obe tabefnb fagt, bie ©tl^üler würben bur(^ fie „too^I locales, 
fönncn aber baä, fo fie lernen, nidjt bert^eibigen", fo ift bamit 



db,GoogIe 



4. Xiie Loci unb Topica. ßammaiuS. &KiaibuS unb |ettu ^ac^fplgtr. 117 

gemrint, bafe bte Se^rc bei aÜgemeinen ©ä$en fielen bleitt unb 
bie Specialttät ber Gajuiftil berfäiimt. 3)er ©egner, loeläjea 
2R. D. Cffa fiauptf&^Itd) ooiSugen t)at, Soiiot, bebiente ftt^ 
beS eftganteren ^enntnu^ „Axiomata", um bie Loci communes 
ju Iiejetc^nen. 

3n aQ biefen 93ebeutungen unb fiiuuenbungen beS Locus 
lomint enblic^ bie ber S^tjetori! entlef)rtte: „Locus (joTcog) est 
sedes argumeati". Stcfe Loci bilben ben ©cgenftanb ber 
Topica i. e. ars ratiocinandi. 9^. ^giicota [)atte fte in feinem 
SBerfe „de iaveutione dialectica" fflr bie Siateftil in Snfpcud^ 
genommen, beren etften S^rit nat^ i^m bte inventio 6i(bet, 
iDä^renb bie üfieiliefette fie^re biefe nad| Siccto a(ä S^ei! ber 
^toril belianbelte. S)oburc§ wirb bem Locus etff fi^ulntä&ig 
biejenige allgemeinere Sebeutung äuevlannt, welche et tl)atfäc^lii^ 
{(^on ^alte. S>enn in äBirfli(^reit ftnb fie m<i)t blo^ mie in ber 
Sopit bie StuSgangSpunftc ber ©meiSfü^rung , (onbern ber 
Sfonbpunft ber JRcflejion fiber^oupt, gegeben burd| bie SJEr= 
|)ä[lni{)e unb Umftänbe, meiere bei einem @egenftanbe in ^ttad|t 
lommen. ©ic finb 6on Stttetä tjer nic^t blofe für bie ärgu= 
mentation im engern Sinn, fonbern aU ©efic^tspuntte, öon 
benen auS bie Duäftionen crfunben unb ertjoben roetben, öerwenbet. 

Xit SuiiSprubens mac^t tion brn Loci auggiebigen ©ebraui^. 
Unb äWor gctjört eö ju ber überlieferten ficl)rmetf|obe, bei ber 
Argumentation öon ben beftimmt gegebenen Loci auäjUgeE|en. 
Ülut biejenige SemeiSfü^rung gilt für fitzet unb fc^Iagcnb, ttietdie 
nnen anerlannten, ft^ulmSgig approbirten Locus jum ^u3gangS= 
punhe ^at, unb jlDor »erben tjier bie logifc^e ©c^lufefotgerung 
6ei ba 6fcgefe unb bie proceffufllif^e fflemeiSfii^rung o^ne 
iiicnge Untcrfc^eibung neben einanbet gefteQt. 3"9tf'dl bienen 
fie a(S §ü(fgmittel für bie ^foi^utirung ber Duäftionen. 3)a8 
Semü^n ift ba^in gerietet, einen müglic^ft reidd^altigen SIpparat 
Don juriftijdi brauchbaren Loci jufammenjutragen. ©d^on Salbu« 
Iwtte fie auf Ijunbert gebradjt. ©päter [tvh noc^ Bleie t)inäu= 
ÖttEjan, beren magtftrale (Geltung itocifel^aft rclrb. Wlan beginnt 

D,q,i,i.:db,.GoogIc 



118 nitttti «üpitri. 

ba^er am @nbe beS 15. 3a^t(iunt)eitS [tt p fiepten iinb üt 
onerlannten ju flaiTificiren. 

^eter ?(nbiea§ (^ammaruS *) ntQ in feiner ©^zift 
De niado ratiocinandi et disputaadi ia jure „bte in SSoIogna 
\Uti jui ^nmenbung gebcad^te Jtunft bei biaCeftif^en Stigu^ 
mentatiort, beten 9Bett^ in neuerer Qät angentoeitelt »erbf 
in flareä Si^t fteUen. @r giebt eine übeific^tlii^e Xtieorie ber 
Seroetäfii^rung nac^ ben oier formen bet ©ditu&folgetung: 
®t)[logiämu$, ^nbuction, (Snt^^mema unb @jem))Ium. 'Satan 
reifit fic^ bie 2ef(te Don bcn Loci, bie et in btei Älaffen Det= 
tfieill: aut sunt in ipso de quo agitut; aut aliuQde nascuntar; 
aut extrinaecus assutnuiitur. ^iecDon ^onbetn bie bciben crften 
Suchet, lDäE)te!tb ba^ bntte bie quinque universalia ex decem 
praedicamentis unb bie vitia argumentorum barfteQt. 

9JitoUu8 ffioerarbuS »oa anibbelbutg*) Jui^t in 
[einem Sßerfe Topicoi-um seu locorum legalium opus de iaven- 

1| ISib. 14^0, gcjt. 1528. SigL Si^ulte, <St\<i). b. fanon. »«^:4 
'2. USl, nelttin bk eingabt T>ci ^anjicolud 3, 60, bag ®. in :9oIogna 
boctit^abe, tKi'tnllct itni) i^nStamtraruänrnnt. 3)ic S dgrift ift noi^ 6(t)ultf 
unter bcm ZM Legalia dialecticn Bol. 1514. 1536. Basit. 1543 (cmd| 
T ipicorum libri 3) gcbcuitt. — 3[^ benugK Mc SuBgabc Baa. 1545. M. 
^ntcc QanKuncuIn'ö liopit; baritt fü^rt bie €(^rift btn im Xtgt angcgcbnini 
XHtl unb bet Sct|affei ^ei|t P. A. Garnrnnriu BoDODiensis J. U. Professor. 
@;lno S^Ttft de praestaatia legalie scientiae ijt bem CaDcellarius Gym- 
iiasii BoiiouienaiB btbicirt, bcffcn ^rotfclian er fii^ empfiehlt. 

2) mtol. ober ffilaaS Euert ä obtr guertSjoon iftgcb. 1462 ju Örtjptcrte 
bei aHibbüIbutfl: fein Soter wai: 3:6iffet; ftubitt in ßäiwn, luo 11. 3uni 1493 
pratnunlTt. Ojficial beB !Bif(^ofj Don Samnict, bann 3)etan bcB fittpäelft 
@1. Q)uibo ju Slnbeiln^t bei Srüffel. Sntfagt 1497 bent aeiftli<^n Stanl« 
unb brirnt^rt. Dann ¥rofei"(ot in Süttitn, roo 1601 Sfector. 1505 ffii:^ 
gUeb bc3 grDgen »ot^ }u ^Re c^In. 1509 ^niribent bf« ^üf^ften ecndil4 
fiic ^odiinb, ^eelanb un!) t^rieälanb. 1528 !ßntfibcnt beS Qtoisn ätat^ ju 
9Ä4i'in. tl532, 9. «uguft. Seine Topica crfc^ien juerfl 1516. Lovaa. fol. 
9Ieue Jluffagc, Doit i^m uurbereitct USinen 1552. fol Später not^ oft gtbnidt 
Siion 15^8. 1579. 5tnntf. 1591. 1604. 1624. 8u bcr HuSgabe Francof. 
lijOt. S" fi^rieb S)ion. Ool^ofrebuä eine Sortcbt; mitber^olt Francof. 1625 »". 
2);t tiiil B;ä SertB in (pilcren äuSgaben ift; Loci argumentorum legales. — 
Coiislli*. 15J4, l.i77. 1643. — «gl. a. b. ». 6. 433 f. («ioier). 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. ^ Loci unb Topiu. Sammatufl. (Sueraibue unb feint Kat^folgn. 119 

tione et argomeDtatione burd| SuffteSung unb 3E<^9tiebentitg 
Don Iiuitbert Loci bct SBaoti^füijmaQ äKet^obe, 3t<i^erf|eit unb 
iRet(§^|um ju geben; fpöter ^at er bie 3<1^' «"f 131 berme^rt. 
Sht totffenfdiaftltc^ tjort^c^ntt ift baiin nui etma tit fo fent 
iDa^tjiine^inen, al8 bem aSerfoff« boS SebücfniS einer SReform 
bet btalefttf<^ ^fllfSmtttel jum 89etDu|tfein gefommen ift. 8(ber 
fein äEBeri bringt btc(t Reform nic^t, ^onbern bewegt fic^ ganj 
in bot auSgetretotm ©fpuien bei ©diolaftif, unb eS ift unrichtig, 
Denn in feinem 8u(^e „ein ganj eigent^ümltc^er 83erfud|, bie 
^gebtai^ten ©i^ianfen bcr 3te{^tSU)iffenfd|aft ju buic^btet^en" 
gefefien Wirb '). SSietme^t seugt feine biffufe, gefc^macRofe, mit 
ben üblii^en Sitaten auS Sicero, i&Det[)iuä unb iDuinctiUan 
überlaftete SarfteHuiig , foiüie bie Häufung anberer Slüegationen 
eben fo Don ber Sefangen^eit in bcn überlieferten SBitbnng«' 
elementen, tote fein Unternehmen felbft fic^ ganj innerhalb ber 
Sii^rüntcn ber übertlefetten SRet^obe t|ält *). %u^ tft c8 grunb' 



1) Sotiatii), ©ff*, befl rilm. Ke*t8 im SR.«. 6, 465. 

2) Sinige groben ntS^tn btcS Urt^l ce<t)tfetligm. ^äf gebt nui ba2 
Soippt b« SrSntiung, um ®toff unb St^anblunq ju Mnuifi^uUf^', ju 
iebtm 609« tft eint ^üQt »on antgotiontn unb caaiu ^ütjujubtnEtn. 

So. 1. Locus ab ordine. Fomtatur boc argamentum ab ordioa 
muttipUciter ad mDltiplicem effectimi. Udo modo sie; dod atteato ordine 
Terbonnu talia ordo praoBamitar qualis eue debet. Hiac etiam est, 
qaod abi in instrumeato plurea actus reperiiuituT euccauiTfl celebrati, 
Mmper praemmitar iUe actua praecessiKBe, qui reddit actum Talidum. 
Secoudo argumentum ex boc loco potest formari contrario modo sie: 
ueglectos vel praepost«ratio ordinis vitiat actum et reddit enm nullnm. 
Teitio formatnr aliter sie: ponderaudoB «Bt ordo eorum quae in lege 
'tl canone aut ditpositione aliciguB ponnntur, qoia ex ordine praesumitur 
«t colligitnr mens et voluntas diapouentia. Qoarto ex ordiaa argnitur 
pnerogativa. ita uotat Glosaa quod illi religiosi sunt praeferendi jn 
proeeasionibus, in Beasiooibua et alüa, qui primo fnernnt approbati et 
«mfirmati per Ecdesiam. 

Na 5ä. LocuB a aeateotia ad teBtamentum. Occmrit nunc locus 
■ tententia ad teatamentum a quo aumptum argamentum est probabilCr 
ibrte, frequens et utile, quia aequiparaotur ajnre; praeterea teitameutnm 
est wntauti». Unde 1. aicnt per BeDtentiam judicis, cnm causae cognitione 
lataro poteat intpediri alienatio et trauglatio dominii, ita etiam poteat 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



120 Sinw« ftotntd. 

lo^, toenit iSaDtgnp meint, bag (Sberaibud, tocnn et Stac^folger 
ouf feinem SBege gefunben ^ätte, bet ©ttftcr einer neuen ©t^ulc 
geteorben fein rofitbe, faie einen njo!(It^fitiflen ©egenjatf gegen 
bie auSfc^ltegenbe Sttc^tung bet ^umaniften gebilbet ^ätte. S)enn 
in bet V)at ^at eS eDecatbuS an 5Ro(^foIgetn nic^t gefe^It- 
So^nn Olbenboi^, bec 1Ö15 in 93oIogna fhtbirt unb bie 
Liceatia ertoDiben tiatte, gab in feinet SJiffertatton Rationea 
s. argumenta quibus in jnre utimur (Rostoch. 1516. 4*) eine 
fuijgefagte %opxt. 3m ^a^te 1520 etft^ienen bie Topica legalia 
beS @I. dantiuncuta. ^egenbdcftnud' Dialectica legalis 
1531 be^anbeÜ bie Xopit im 4. Sud), unb Olbenborp t|al 



impediri alieoatio per l«8tator«m io teBUmeoto. Secundo baec atgu- 
ment&tio facit ad aliud, videlicet quod qoemadmodum scriptura, quam 
habet judex fonnare Tel concipere et poatea in muDdum redigere non 
est senteDtia, ita etiam dispositio praefia ad testandum eeu nuda Terbonim 
entmciatio in teBtameutum postea redigenda, non eBt testamentum. 

Ko. 12. Locus ab opiniooe vutgi, Kuac locum ab opiuione rulp 
Beu Tiilgari usa loquendi, certiuinio rerum nagiatro, ut ioquit Bod, 
Agricola, tractabimuG. A quo depromptnin argumentam et probabile «i 
frequena et utile. Valet eaim ad conjecturandum mentem aen volun- 
tatem defuncti. Praoaumitnr enim res aic se habere, uti vulgns opinaUir. 
Item valet ad habenduin iatellectum cujuscuoque diBpoaitionig; verba 
enim ambigua debent intelllgi, ut opinator vulgua et aecnudum commimem 
usum loquendi, etiam si repugnat propria Bignificatio. TamsD hoc fallii 
iu Iribus caaibuB. PrimuB est, quando lex Tel dispositio in seoEU proprio 
contioet abBurditatem , iniquitatem vel iDhumanitatem. Secundns est, 
quaado ratio diBpoaitionia repugnat , qoae in dubio est attendendi, 
Tertius casus servieoB proposito est , quando communis usua loqaeodi 
esset in contrarium. — Care tarnen ne decipiaris, quia dict« doctrini, 
communis usus praeferendua est prdpriae siguificationi rocabuli, recipit 
plores notabilea declarationes, fallen cias seu limitationes etc. 

No. 80. LocuB a cesKatione rationis. Kunc aubnectimus tocum 
a ceasatione rationis, a qao Bumptum argumentum est forte, frequeus 
et utile. Et formatur quo modo sie; ceasante ratione legis cessat Ui 
ipsa. Et istad procedit generaliter, sire hoc contingat ex eo, quod raiio 
legis cessat in casu de quo quaestio, nam ntique tunc cessat dispOBitio; 
Bive hoc prOTeniat ex eo, quod ratio legi» est correcta, nam correcta 
ratione legis, censetur etiam correcta ipsa les. Sed istnd recipit tres 
notabiles limitationes etc. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. Sie Iwumtbc ^cirfdwft M mos Italicus. Seip/^ii. 121 

1545 eine neue Xoipit ^ausgegeben, in bei cc feine ^ocgöngec 
Senugte. S)ie[e btei 2e§tgenonnten ftelien unter bem Sinfluffe 
bcö ^umoniämuS, fie repiäfentiren bie SSerbinbung beSfelben mit 
bei bialefttf^en Süii^tuitg unb beweifen bun§ bie Sü^at, bog 
jwifdien betben ein auSfc^Iiegenbei ©egenfaf^ nic^t beftanb — 
ober aud^, ttite toenig frue^tboi für bte ©ntffiiiflung bei ©iffen« 
fi^aft bie Xapit UKir. fftiäjt aiS Snfa^ ju einei neuen äli^tung, 
fonbem nur aliS bei 91eft einer abfteibenben ©t^ultiabition tonnen 
bafiec bte topif(^en ©(griffen betiac^tet loeiben. ^ai 9Infe()en, 
toä<i)ti fie unb namentlid) SDerarb'S ^eif bis tn ba$ 17. 3a()i= 
liunbert behaupten, ^at feinen ®iunb ttfcifä in bei fortbaueinben 
|ienfd)afl bei alten SKet!)obe, t^eilg unb []aut)tfäcf|Iid| aber 
bann, bag [it bie Xopil ntd|t blog ttieoietifd) Iet)ien, fonbern 
;iroftif(^ esemvlificiien. ©ie enthalten baljer eine ret(i|e unb feine 
Sofuiftit unb bienen mit biefei bei ))raftifc^en SuriiSpnibenj in 
betfelben JEeife Wie bie ©(i^riften bct flioSen ©ommentatoien. 

5. 3n Italien bleibt bie ^etmifc^e ^nft, bie bei rt)etoiif^en 
unb bialeftifdien Statuianlage fo tcieiten ©pieliauin gen)ä()rt, in 
boUei S9(üt^e tro^ ber Slnfed)tungen, meiere baä baibaijfc^e 
Sotcin unb bie ©efdimadtofigleit il)ret SJettreter »on ben §uma= 
niften ju ertciben f)a&en ; unb bie 95irtuofttät bei SKet^obe ift e3, 
tuelc^e au(^ no(^ im 16. 3al)tf)unbeit bie ^utfd)en gal)tiei(!^ na(^ 
ben italienifdien Umcerfittiten äie^t- ®uibo ^anäicoluä 
(t 1599) ') ftedt fie aliS bie l)errfc^enbc unb nötige auSfii^tlidi 
bai, juiar nit^t o^ne bie Entartung in SSeitläuftigfcit t}ait ju 
tabeln. Sticht minbei ^ertfc^en in Sranfieit^ bie „Sartoliften 
unb Äccurfianer". 3n ^iouloufe, SKontpeÜier, Cileanö, Slüignun, 
Süalence, ©tenoble, $arid befjauptcn fie ficfi tiu^ bei von Sllciat 
unb Subäud auSgefienben Siloedung eineiS neuen @eifte§, bei 
nur in 55ourge8 juc Cber^etiff^aft gelangt, gßi feine 3"^''"'^ 
in 1Ij>uloufe publicirte 37?attf)äuS <S(iiba[bi au3 ß^ieii in 
$ientont, als er 1541 na(^ SJaleme übeigefiebelt toai, feine 



1) P»niiro1uB, de cIatIb legum mterpretibue Lib. 3 c. 4. 6. 8. 

D,q,i,i.:db,.Goosil 



122 Sterte» fto^iitel. 

Libri tree de methodo ac i-atioae Btudeadi, in ber ei ben, 
autfi in %mnUei^, tnie er fagt, ^ot^ge^aUenm mos legendi 
Italicus barlegt, aQcrbtngS nidit o^ne bem ^umanidmud Son: 
cefftonen ju nrndien. ^en großen fünften gelingt es nit^t, bie 
alte (^urm ber ©(^ultneiS^eit auSjutotten, für beten proftifi^n 
^ertti Sttbericud @enti(tS in feinen 1582 erfd|ienenen SMalogen 
de juris ioterpretibos fäm)jft. 3ßar eä aud| feit ber äRitte bed 
Sa^r^unbertiS OorjugSwetfe bie butd^ 3)uaren, 2)oneUu3, SujaS 
unb STnbete Bertretene neue SRtt^tung, ttiett^ bie 3)eutfc^en auf 
bie franjöfift^en ^o^fc^ulen jog, fo finben loir fie het^ aaä) 
in ben §&rfälen ber alten 9Wetf)obe; unb SucaS ©eijfoflet 
erääf(tt unä in feiner ©elbftbtograp^ie'), niie er noc^ 1677 bei 
feinet ^ßromotion in 3)öle bie ©tSputation unb ^robeDorlefung 
moie Italico ^abe Iialten muffen. 

il'eutfi^Ianb übentintmt mit bem Stoff ber italienifc^en 
aäJiffenf^aft piafn(f) itjre 3Ket^obe; unb wenn mir aui^ fjiet wie 
in (Jrantteic^ Don tiefgretfenben ©egenfttömungen ju berit^tcn 
f)aben, mel^e bie 3Biffenfcf|aft langfam in anbete Sahnen brfingen, 
fo Wirb bod) ber mos Italicus öberwiegcub a(S bie i^t juriftifi^c 
OTet^obe angefetjcn unb officicH feffgctialten. ®teitl^ älrfüt, bec 
es uon granireid) unb Stolien berichtet, flagt 3"fiu8 übet 
bie ^inberniffc, »ett^e Boii ben gocuttäten jebet 9(&n)ei(i|ung 
öon bem ölten SBcge entgegengefteHt luetben. 53en JReuerlingen 
gegenüber, welche in äSittenbecg DDn (Sinjelnen Deifu(|t loutben, 
»erotbnete 1538 ein futfiitftlidtieS SRefctipt, bafe „ber öorige SStaut^ 
gehalten unb bet 91p))arat mit bem ^e^t abfoltiirt, bie con- 
traria otbentlic^, fötmlid) unb oöÖig inbucirt unb bie ©olution 
ber ©toffen unb ©cribenten mit gleife abfolnitt" ttierben foUen. 
9K. tp. Dffa meint in feinem SIeftamcnt*} (1555), ba§ bie 
©d|üler butc^ bie nerfuc^ten neuen SWetfioben „bie ordinarias 
glossas et distinctioiies in utroque jure ntd|t fennen lernen. 



1) M. SEBolf, Sucaä Oid/fo^tc unb [eine ®el6p6lDflrop^ie. 1873. 
. 130 ft. 

2) herausgegeben mm X^omafiud. 1717. 4°. @. 403 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. 3)it bauenibc ^etric^ bei mos Italicue. Seipsig. 123 

telonttnen fein red)! fc^arff Judicium ; werben tto^t locales, Ißnnert 
ab« bad, \p fie lernen, uenn i^nen ein rechter äReifter auf bie 
§aut tritt, nidjt Dcrttjeibigen, bleiben oljo Sürfenbüfter; grünblidi 
fleta^rte Seute m Jure Werben fetten auS folc^n Sieuten". @r 
Dcrfangt batiet, bofi ben ©(polaren „folc^e 2eflenten fleorbnet" 
weriwn, „bie lefen, wie bte alten fiirtrefflidien Seute Sartoluä, 
SSoIbuS, ßljnu«, S)inuS, Sofon, Seciu« u. a. flelefen ^oben"; 
bie in 8ei)]jig anjufteUenben ^ofefforen für baS fanonift^e unb 
Giuilrec^t möBten ba^er „be^be fürttefftit^e ßeute fein, bie more 
Italico magietraliter (efen, bie oppositioaes unb ordiDarias 
glossas et distinctiODes doctorum wo§( espliciren" u. f. ro. 3n 
ffiittenbcrfl mafjnt 3Bid)aeI 3:eubeE in feiner Oratio de «ta 
Schurfii 1554, man möge bein alten Sraut^e folgen tinb fic^ 
ni^t burc| biejenigen beirren laffen, Weldie fic^ rühmen „novam 
formam doctrinae juris se demooBtraturos esse" ; unb SuftuS 
Sonaö gerfit^ mit ber ^cuttät in ^dnbel (1561), Weil er auf 
„anbete Ätt" letirte. 

3)ie Statuten unb Sectionä!ataloge ber beutfcf)en Untberft= 
taten laffen über bie §errfc^aft biefer äHel^obe leinen Qatilel, 
wenn auc^ feit ber Sßitte bti 3a()r^unbertiS an manchen eine 
neue Slic^tung fid^ EBa^n bricht unb ntt^t blog tliatfäd|lic^ geübt, 
fottbein felbft ftatutarif^ (wie in @reifdwatb 1545, in Sloftod 
1564) onerfannt wirb. 2(ber noii) 1552 fitt)t ferbft öonif. 
Smerbat^ ein 99ebenfen gegen bie Berufung iCuaren'S unb 99aU 
buin'd nad) ICübingen barin, baft fie t)on „Dictjätirtgen S^ulbiauc^ 
in profitendo abgetreten" feien'). 5)em grüßten Sßertreter ber 
mit Dotier SBc^crrfd^ung ber GueQen «rbunbenen ©^nt^efe, 
§ugo DonelluS, warb noi^ am ©nbc be8 Sa^^unberiä in 
mtborf bie Kbweii^ung uom ^erfommen a($ Wangel an (äele^r^ 
fantfeit aufgelegt; unb als eine Sonceffton an ben mos Italicus 
ift wo^( bie an t[)n Don ben @i^o(ard)en gerichtete SBitte anju< 



1) aSonbiq, 3d^. @i(tKiri)t @, 12. 35. ^ie unter ^manin<!<fr"n l£in> 
fluflt mtnorfme UniOeifilälBorbnung ]nx Zuhingtn Uon 1Ö36 meift iotl) bie 
3uriflen auf bie «gnoS^nlii^en 9tipamtud unb Scnbraten" ^in. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



124 Sßicrtcä finpittl. 

feiern; „06 er e§ nii^t auf fic^ nehmen lootle, neben ^erteEilung 
feinet Methodus etwa slDci <Stunben Textura in jure ju intcr= 
jjuetiren". Ste^itiicfi mirbbem geteerten ®tpf)antuS in 3ngotftabt 
1598 »DtgeiDOrfen, ba% er metjr „SriticuS" al« 3urift (ei. 23ic 
frü^t Qa\m. \o flogt (pfita 2ff. SEBefen&ed baröber, bafe 
bie UniDerfitütäftatuten Steuerungen ber aKetfjobe öerbieten, unb 
1593 fd^teibt SBtgetiuS, bofe er i:t Sffarbuig „Jusünianeam 
confusiouem iu legendo" gcjtoungen t)abe beibehalten muffen. 

aßitftelm SSalentin gorftei (geb. in aRarburg 1574, 
geff. 1620, ©oljn beä baü^mten 58alentin) ftettt in feiner ©t^rift 
de Juris interpretatione. Witeb. 1613. 8" (Otto TheBanrus 
II, 990 a.) als bie ^.communiB methodus" ben mos Italicua 
unter Berufung auf @ribarbu3 bar. gür Seipjig befafit 1616 
ein beeret, ba^ ni<^t .in forma tractatuum ober paratitlorum" 
gelefen, fonbem „in explicatione textuum per formationem 
ca«us seu quaestionis, propoeitia ratlonibus dubitaudi cum 
iiotabilibus auf* fi^leunigffe forlgefaI)ren" werben (olle'); unb 
1624 ttiirb ben Sßrofefforen Serem. iReufiner unb ffionrab 
{EarpjDD öon bem fiurförften geboten, fie foUten riebt me^r 
„synopticos tractatus Icjcn, fonbecn bie textus efpliciren". 

Sßjenn ber mos Italicus (ic^ biS in boS 17. Safir^unbert 
hinein, ätoar unter Sämpfen unb in obgefi^rtäi^tet ©eftaÜ, aber 
boc^ a(g bie in ben amtlii^en ^aut)tt)Dr(e(ungen [)ecr(d|enbe 
5Ketbobe ecfjiett; fo itat eS niti^t bIo6 bie SWac^t beS |)er= 
tomntenS unb ber SiimbuS (t^nier wiegenbet @elef|r(amreit, roaS 
if)n (tügte, fonbetn ber SJorjug, ben et burc^ bie Sinfü^rung 
in bie Sontrouerfen, bie recipirten SReinitngen unb in bie Gafuiftif 
borbiefet. @r galt ba^er für bie äWcl^obe, roeli^e ben geioanbten 
unb (attelfe(ten ^rattiter bitbet. 5)em atobemifc^en Unterricf)t 
aber toai nJc^t nur bie t^et)icli((^e, fonbern auc^ bie ptaFtifcEie 
Slu^Sbitbung jut Aufgabe ge(teQt: benu nii^t ftfjlog (it^ bamals. 
wie ^eute, an bie ©fubienja^re felbftuerftanbUd^ eine praltif(§e 
UcbungSjeit beS jungen Suriften. 

1) Sioböc 2, 29. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. Die Sflutmbf ^«trfrfiaft N8 mos ttalicas. ÜEipjtg. 125 

SuS btefent @iunbe toar ouc^ ber 3^tauftDanb Don 6 iii 
8 So^ini für bie afabemifc^e Se^tjett nii^t fo unettiäglid), iiiie 
fte untet heutigen SJei^ältniffen erfd|etnt. SDenn bie [leutige ^tje 
bei ©tubienjett ^at itiren ©tunb nic^t etma blog in unferer 
beffcm SRet^obe, bie fie mfiglit^ mac^t, nic^t blofe in bet SRof^= 
lebigFeit unferer QnI, bie fie f oibeit ; fonbem jum großen Xtjeil 
barin , ha% ber Unitjerfität bie prattift^e §ütftc bcr SSilbungS- 
aufgäbe atigenoinmen ift, toel^e bomals ali bie toit^tigere, a.i& 
ba& eigentlii^e Qiel angefe^en ttiurbe. 

S)tefeä Uebergemi^t bei praftifc^en dlici^tuns, in meiere bte 
SJeitreter ber SRcc^tSroiffcnfdiaft burt^ baS Sebütfnife beö ßeficnä 
unb bie fortgefegte eigene iBef(^4ftigung mit proEtif^en Slröeiten 
gefüE)rt unb gebannt liiuiben, ^at e& bmirtt, bog in !I>eutf(^Ianb 
ttwbei bie f^ftematifcfie noä) bie antiquaiifd)e ^etI)obe j^u uoQec 
Slu^bilbung unb ^rrfdiaft gelangten. Unb aus bemfelben 
®ninbe t|at Seutfi^tonb jtoar tüchtige ©trebungen unb ?[n(äufe, 
au(^ cinjelne bebeutcnberc Seiftungen, aber feinen Siertreter ber 
9ie(f|tStDtffenf(^aft aufjuiveifen . weldier ben grogcn franjöfif^en 
Suriften an bie ©ette gefteUt unb nod) je^t, inie jene, aii 
iinfibertroffeneS SSorbtlb genannt ttietben tonnte. 

^oä) bon einem anbem @efic^tä(}unFte auS tvar bte pialtif(^e 
iRit^tung einet neuen äUetljobe ^inberli^. ®ä barf ni(^t übei= 
fetien rocrben, bog bte mif)enfd|aftlic§e Äe^nblung in SBed^feU 
roirfung fte^t mit bem materietlEn iBeftonbe beS geltcnben SRei^tä. 
^ie ^£i)at\aä)t. ba& unter ben ^änben ber legeten, bog huxd) 
bte Su^Iegung unb bie bon if|i geleitete ^a^is ba<g 9{ed|t felbft 
umgeftaltet unb fortgebilbet wirb, ^atte ft(^, rote f^on oben 
^orge^obcn »urbe, feit ben ©toffatoten naturgemäg üolljogen 
unb i^ren KuSbrud in ber Autorität ber Siteratur gefunben. 
3!3enn man in S)eutfd)(anb auc^ bie Suftinianifi^en 9{ed|täbüc^er 
atä binbenb onfa^, fo liefe fic^ bod) nic^t beftteiten, bafe itjr 
^n^alt nic^t oi)tte @infi^iänfung unb ^obificationen reciptrt 
fei: unb eben biefe lagen in ben überltefeiten opinioiies doctorum 
unb inaren nur aus ber Stteratur au ertennen. S5ie Sefeitigung 

D,q,i,i.:dBvGoogIe 



126 mmeS ftapitel. 

bieder, bie SRfitfte^t jum utjprflnglit^en 3n§alt l>ec Duelfeii, bte 
Trittf<^e ©dubeiung betjelben tüt)Tte bafiet getabegu am ntaterieQen 
Scftanbe beä pDfitiDen ditijth. SBon biefem ®cfid^t8punEte oua 
tonnte man bie Steuerung in ber Sßiffenf^aft ali itnbeiecfitigte 
3luf(ef|nung befämpfen unb ben mos Italicus al9 biejenigc 
■ SKet^obe, buri^ meiere oDein ba# mirtfic^ geltenbe Siecht in 
feinem auf ber lex unb ber interpretatio äufammen bcru^enben 
SSeftonbc äur ©arfteHung gebraut rocibe, mit ®rfofg öerl^eibigen. 
%on biefem ©tanbpuntte au8 lichtet fi^ bie ^Sert^eibigung 
beä ^erfpmmcnä felbft gegen bie ^umaniftifi^e gorberung einet 
gereinigten unb twrebeitcn ©ptai^e. ©et bie ^ettömmlid^e StuS- 
brudäloeife Derlfl^t, tuirb üon ben jünftigen Suriften ju ben 
„iJJoetcn" geääfflf, bie in ber 5ßrajtä nict)t ju 6rau(f|en feien. 
9ia^ fo langem a(ten ?h:auc^, meint 3K. D. Dffa'), fei e§ ni^t 
mögltcfi in ber l^uti^prubenit f» i^i^ J" reben, n>ie Stceio ge^an ; 
unb „loenn man jemals neue terminos in jure eitifö^ten »oUie, 
fü möfete bie Justitia tiete 3a^te !att liegen, biä mon bie neuen 
lernte, bie alten uetgfife unb neue Commentaria ober ben 3>jt 
frf)riebe. Slenn ba bie ®^üler in ben fBüi^ecn bie alten ter- 
minos befinben, »on bem Praeceptore neue ^Örten, fo würben 
fie ja irre unb roüfeten niii|t, toie fie fii^ barin fluiden foHten." 
3n Welchem SRafee bie cafuiftif^e Sitetatut ber Italiener bie 
prattif(^e SuriSprubens in 3>eutf(^lanb betjerrfi^te, roirb unten 
(Jjap. 13) berfiljrt roerben. 

3)ie ^ier befprod^enen ©cgenffi^e ^aben jlt^ iefonberS in 
Scip jig in d^atollcriftifdier SEßeife auSgeprögt ^eter Soriot 
(ugl. Sop. 10), ben ffurfürft Sluguft ouö granlrcii^ gerufen ^atte 
unb, inie W. b. Dffa berid^tet, mit 600 fl. befotbete, fo bafe fein 
®el)alt me^r betrug alä bie übrigen juriftif^en ^rofefforen äu= 
fammcn erfiiclten, fanb ättpot bei ben ©tubenten Dielen äSeifaH; befto 
entft^iebeneren SBiberftanb aber bei ber gocultät. 3tufl ber Acta 
Rectomra ge^t fjittiot, bafe er, obgleiifi feit bem 3uni 1546 in 

1) Ifflomenl @. 405 ff, 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5^ Sie baumtbe ^enfi^fl bt9 moe Italicus. Scipjig. 137 

fietpjig antorfenb, no{^ 1550 ntd)t in baS ^Hbum eingetragen tuar 
inib bie 9uffDrbtrung fi(^ einft^tei&en ju laffen a6(ef|nte, Der:- 
mnt^tc^ um ftt^ feine Unablfänsigteit im fie^iDortmge oon ben 
€a|uttgen ber t$acultät ju loa^ren. i^ fi^eint bonad^ eine otbent^ 
[i(^ ^TofeffuT gai ntdjt beSeibei ju ^aben unb ni(^t aus ben 
9RitteIn ber UniiKeifitat, fonbent auS bei ^ffe beiS Aurfärlten 
befolbet JU fein. 9tad| feinem Abgänge (1554) fd^Idgt 3S. n. Offa bie 
Berufung tion jivet ©eiterten auS Stalten boi, bie more Italic» 
et magistraliter bociren, bamit feine Sanb^kute ntt^t in bie 
grembe ju jie^ btaui^ten um ettoas Orbentlit^ jn lernen, 
Säpffii otetm^ @Ianj unb Snjie^uttgStiaft geuinne. Snbeg 
meint er, man tonne tion audtoäitigen Seiufungen no^t abfe^, 
iDcnn Dr. Ulri^ aßorbeifen unb Dr. SKobeftiniiä ^ftoris „fi^ 
aQei onbem ^(^Afte entfc^tagen unb ber <Bä)ult ftradS toarten" 
toollttn. 3n ber 3:fyxt t[t e& bontt auc^ jU SSocattonen nid|t 
getommen, aber eben fo toentg I|at fi(^ bie neue 9H(^tung SSa^n 
gdnoc^ , btelme^i ift Setpjig bie eigentltd^e §eimatftätte ^er^ 
oorrogenber $raItUer, bie ald @elel^rte bie (SafuifHf unb bcn 
mos ItalicuB t>eTtceten. 

tKx oon äR. D. Cffa gerühmte Ulri^ äRorbetfen, am 
3. 3tilt 1519 in Set^)jig geboten, ift ein ©c^ülct be8 §ier. <S<^flr))f 
in Sittenberg unb 3Mar. SociituS b. 21. in $abua, non Srfterem 
1539 )um S)octDr promobirt, bann ^järofeffot in SBittenberg unb 
9etft|er bed |)ofgertd|tg, ffanjier beS ^rfdrften aßortg; toaib 
1551 von fturfürft ^guft jum OibinariuS in Seipiig ernannt, 
fofott ober toidier jum ftanjlcramt berufen. ®r wrfid 1565 
in Ungnabe unb ftarb 1574 am 6. 3uni aXi futfürftlid^er 
fiannnerrat^ in 3)reäben. 3>ie äSäibe bei OrbtnartuS bel^tett 'et 
bi$ jU feinem Xobe; ba er aber iai Se^romt ni(^t aitßit^ betfa^, 
fo fungirte feit feinet (Nennung jum Jtanjiet SKobeftinuS 
^iftorid (bon tl|m unten J£a)>. 13) als ^ceOtbinanuS. 99eibe 
fmb tpielbeff^üftigte $ratitler «elnefen , gefuc^te Sonfulenten unb 
mit Srbeit &bet^&ufte Beamte, Don benen eine er^ebUi^e ^i^tbe^ 
tung ber ©tubten ntc^t auSge^ tonnte, ^ag fie, foweit fie 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



128 ^iertffl Änpltd. 

boÄ fie^tamt übten, ^Könnet nat^ 3». ö. Cffo'S §crjen ttmren, 
tft teic^t a« eriennen. Snfaefe ft^etnt boc^ aHobeftinii« ^tori« 
Don ber f^ftematifc^en 9ttd|tung nic^t unberii^it geblieben ju fem, 
wie aus feinem „Index •) locoram communiiim totiuB juris 
in octo partes dlBtributus, observato naturae et artie ipsins 
ordine ac methodo awd-evint.^ sive compoaitiva" ^ert)orgeE|t. 
S^iefe fteine @d)nft ift bei Sntwutf eineS bonftänbigen ^tä)tö' 
f^fteme, ba$ aQerbingS nii^t Aber bag €(^eina ^inaud aiiö= 
gefügt ift. 

©ein S^a^folger im 83ice=Orbtnariate, Sacob X^oming 
au« ©Cutterin {fteb. 1518, feit 1558 SRat^ä^rr nnb ^roconful 
ber ©tabt Seiftjig, bis 1573 S9eift^ beS @c^öt)penftn{)l8, 
geft. 1576), »etfc^Iießt firfi jBjor in (einem modus et ratio 
discendae jurisprudeotiae *) nid|t ben met^obologifdien 8Ser= 
bienften eines aSefenbed, bem 2Sert^e einea georbneten, mit b*n 
Elementen einfach beginnenben ©tubiengangS , unb fc^ärft ben 
SBotjug bet DueUen bot ben Sommentarien ein. ÄHein ben 
Siac^bruä legt et über^Qutjt ni(^t auf ttjeotetifctie iBilbung, 
fonbent auf bie ^a^d, unb empfi^It ba^, fic^ mit biefer ju 
befc^üftigen, fobalb man eine aQgcmeine flenntnig Dom 9Ied|t 
etmorben. 2Ran möge fitti bann, einem ptattifd^en fünften an' 
fd^fiefeen unb Don il|m Steten jum ©tubium geben laffen, auf 
bie ÜBeife mit bei t^oretif^ 5°i^^tlbung bie t>tafttf(^e ISin< 
fti^tung Derbirtben. SIui^ ^iet atfo bie ^ßrapa unb bie ptattift()en 
3iele übetWiegenb , bie cä ju einem freien 9tuffc!^munge bet 
SBiffenffi^aft in öciVätg nit^t fornmen taffen. S)efto förberiidiet 
loaren fie bet legiiSlatorifc^en X^ätigfcit, Don toelt^er fpoter 
{Stap. 13) einge^enb ge^anbelt ntetben wirb. 

Um aber bie fortbauentbe Jperrfi^aft beS mos Italicua ju 
begreifen, barf man tl^n nic^t olS eine ifoKrte ©rfd^cinmig, 
fonbem nur im ^ufanunen^ong mit ber bie 3«'* be^enfc^enben 
SSilbungSform betrauten, in welcher trog oKet Sieuerungen bie 

1) Reuaner, Cynostira 1, 131—158. 
2] ibid. 1, 60. 



i.,GoogIe 



6. ZKe Opporrtum unb iit 6tginnmtie Kefornt. 129 

fc^ubn&gige ^tafeftif fort unb fort i^rtn <£influg bet^au^tete. 
@te ift int mos Italicus baS eigentlich (etoegntbe @(ement, unb 
mit U|i btfyiitm haf^n auc^ bte bei bialeftifi^en SfnalQfe bienen= 
ben bib(iftt((!^en ^ütfämittd i^re ©eltung. SJa^et lommt e8, 
ba| j. f&. tSVftarb'fi Xopil in Snfc^n blieb, bag fogar ^ion^ä 
@ot^ofrebu8 fte no<^ 1604 mit einet empfel|lenben iSotrebe be^ 
gleitete. @d ift freiließ nidit biet, tnaä er ju i^iem Sobe fagen 
!ann: au« ber ^o)>i[ foll man lernen, mte man bie Sa[)ct|eit 
boseifen unb gegen bie cavülatioDes et fallaciae uert^ibigen 
fönne. 9t1ä ein §ülfd' unb ©t^u^ymittet gegen bie 6op^iftif 
alfo tjfilt man bicfe Saffe feft: beibe S^aditoirfungen ber ©tfiolafttf, 
ift bie one ba^ft Sotrectiti ber anbern. Unb in ber %f)at ift bie 
lojnf bei einet öberroiegenb anal^tifc^en iSe^anbtung bet 2)ingc 
Don ptaftift^em SRu^en, mä^renb fie i^ren SJertfi HetKert, fobalb 
bie Sinjel^etten bun^ @Qnt^efe bem tnnetn 3uiaiiu>ien^ange ein< 
georbnet unb ^d^eten $rinctpien untergeorbnet toetben. 3^nn nun 
imb eS nic^t me^ »on oufeen ^beigejogene @eft(^t8(mn!te, bie 
man Derfu(I|dit>eife ergreifen unb bliebet aufgeben lann, fonbern 
bie aai bem f^ftematift^en Sufammen^ange ft<^ etgebenben, oon 
bmen auS bie Sinjel^ten it|r Sic^t em()fangen. 

2>a8 @efagte nitb bcutlid) buic^ 93etglei(^ung ber Com- 
meataiia jnr. dv. bon 2)oneI[uä mit ben Srürtetungen %al. 
ffiil^. gotfter'« über bieSKet^obe ber 3nter})retation (Inter- 
pres. 1613. 8"). ©ei jenem, beffen SBerl ein bi« in« ©injelne 
^tnein ooQenbeteS ©Aftern, beffen ^arfteüung eine tPoVenbet fqn= 
tfietif^ ift, mtlb bet Locus niemals erteA^nt, bon bet 'Zopit 
gar fein ©ebtouc^ gemotzt, gorfter bagegen, melt^er im 
feiten 9u^ bie fc^ulmägige anal^ttft^e äUet^obe bet 3ntet> 
(iretation, tnie fie im gemeinen ©ebtaud^e ift, bartegen WiK, 
recutrirt uielfac^ auf ben „utilissimus et aureus liber" beä 
eoetorbu«, inbem et beffen Loci ots SSuterptetotiungtegeln Der= 
iwnbct. 

6. 9teben ber trabttionellen SSete^rung, mit ber man bie 
ölte SWet^obe betrachtet, ge^en aUerbingS bie filagen über bie 

eilm|lag,««f4. ». gnUprabati. I. 9 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



130 SiertcS AapitcL 

©dtläufifliett, 311 her fie ausgeartet ift, einf)«, bei her fe(bft rin 
füaf= bis i'iebeniäl^rifleS ©flibium nur ju fraflmentatifc^er fienntnili 
beS fRtä)t& fu^rt'). gronj gtof^ fc^ittte 1533 jeinen ©olin 
naäf SourgeS, »eit bort unter bem Einfluffe bec SItciatiJcJim 
SRet^obe „in einem Sa^re minbeftenS ]o Diete Xttel ber ^onbdten 
abge^anbelt ttürtien, als more Italico einjetne leges". 3n 
*pobna mürben na^ ißigliuS' 3£"9nife um bieje QzH jroet gonjc 
Sa^re auf bie Snftitutionen Derivenbet unb bcnnod) nur einige 
^itel burc^genommen. Saäfetbe berichtet 3[[ctat unb fpäter 
^anjirol, bie uns mittelen, bafe ein ganjes 3a^c auf fünf 
©teflen beS Giuilre^tä ober beä lanonifi^en JRei^tS Ocnoenbet 
JU Werben ))flcge'). @d|[immer noc^ lautet bie IBefi^roeibc hei 
(Stubenten in 3of). 91}) eil 'S Isagoge, bec fein ©tubium bei 
einem ^rofeffor beginnt, ber ft^on bor 5 3al|ren bie 3nftitutionen 
more Italico )u intetprctiren angefangen ^at unb Faum tn 
3aI)reSfrift fertig )u werben ^offt. Stod) gegen @nbe be$ 
16. SSo^r^unberlS rü^mt fi(^ ber ^elmftabter ^rofeffor Slubiu«, 
bag er bie Snftitutionen für reifere ©tubenten interpcetirt ^abe, 
aber nic^t wortreich unb tneitläufig, {onbern fo, bag er in 4 Saucen 
fertig geworben. Hud) SJultejuS erjä^lt, bog er feine erfte 
praelectio publica über bie Snftttutionen Dor einem jo^lrei^en 
«ubttorium Dom 10. Januar 1582 bis jum 15. SHfiiä 1585 
geliatten ^abe — obgleich er fein greunb beS mos Italicus war! 
3)er 3B't''^^^if* if^ ^" ^^^^ ftii buc^fc^Iagenbe Se> 
fciroeibcgrunb , Weither gegen ben mos Italiens gur ©eltung 
Itnnmt. ffis fte^t bomit in SSerbinbung bie ©rfdfetnung, mdc^ 

1) eromcr, Heine ©t^riften ®. 148f. Snüiflnö, ®e(*. b. rim. 
9t«^IB im Sm.9l. 3, 5«. 

2) GiphaDiuB, Enarrstioiies et comm. in VIU lib. Codicia 1614. 
Proef. Keneraltt [agt, bafi gu feiner 3cit auf vielen ^i)(t)|[^ulen ^loliene, 
Spaniens, JJrantrci^S unb SJcutft^lünbä bie ^tofefforen burt^ Slolulen Der= 
tifli(^tet feien, 96 fieftimmle leges neben 40 SÜleln ber Snfütutioncn imb 
einigen ®tücten beä [anonift^en iHef^tB in 4 3a^ren ju obfoluiren. — JJie 
Sa^l S6 ijt offenbar bun^ bie gloffirttn SIcBeDcn gegcboi, bte ^wf^iift ft^eint 
aber loenig beachtet ju fein. 



DiaiiizMbvGoOgle 



6. $At C^iporilion unb bte beginncnbc Slefornt. 131 

^um ^Etfeil in bei Slenberung bei focialen S3ert)ältntffe it)ren 
<3runb ^at, ba& bie auf baä Slubium ju DcüDenbenben So^ic 
me^T unb me^i g^ijt ipuiben. 8uf fotd^e, bie nur Futjc Qät 
bleiben fonnen ober mollen, inu| ätüdfic^t genommei: »erben. 
3n äSien beftimmen bie refoimirteit ©tatuten oun 1554 füi 
bad lanonifi^e 9le{^t, Sobe^ unb ^anbehen einen @uifu$ bon 
4 3a^ren ; bie ^nftitutionen foQen in 2 SoI|Ten abfolbiit Weiben ; 
bei iCoctorgiab fann na^ fflnfjäliitgem Stubium erlangt iverben*). 
©elbff in Snflolftabt, Wo bei mos Italiens buit^ immet 
mieberfiolte ^Berufungen Von Sltaltenem gepftegt nriib, tritt 1563 
ber 83orf(^lag auf, bie ^nftttutionen foUten mtnbeftenS in 2 3al)ren 
abjolmt «»erbea; unb ber Scctionäfatatofl oon 1571, »etiler 
rä^mt, bag bei &el)r)j(an genau nad| bem äRufter ber itattenifi^en 
Untneifitaten eingerichtet fei, jeigt an, bag bie ^ftituttoneit 
„com apparatu" in 2 ^I|ren unb nur „textaaliter" in no(^ 
Kijerer ^ü borgetragcn würben. 3)aneben Werben fctWiä) für 
ben fSobe^c 4 ^tyct unb für bie $anbeften 8 3a^re in ?InI))iu[^ 
genommen. 3n Sena »erben 1564 bie Snftitutionen in bo))peIter 
©cife, »on SSafiliuä 3Wonner*) ,cum apparatu seu 
dit^odov', bon Tl. SSefenbed „quia necesaitaa flagitat in 
transcursu", Dorgetragen. 3n ©reifStoalbe fdirciben 1545 
bie ©tatiiten bor, ba§ ber SnfHtutionariuä bon ben @Ioffen 
nur baS ißftglii^fte anführen, ber ^rofeffor beg Ifobe; bie für 
bie ^roftS h)tä|tigften ^itel auän)äE)ten, ber ^anbeftift mit ben 
regulae juris beginnen foHe, 3n Tübingen wirb 1588 bem 
3o^. §abritter') ein SGerloeiig ejt^eilt, toeti er 2 Sa^re ju 
ben elften ^iDei SSüt^em ber ^ftitutionen gebraucht t)a6e, unb 

I) Stint, bie M^c^tälc&ic nn h« ffiioicr Untbeifitat 1853 ©. 87 1. 

2} (Beb. in Bcimai ünfang bti 16. ^atii^unbcite, am 16. Sanum 1539 
in ntttntbeig jum J. tl. D. t^TomcDirt , Mti So^nn 3nebTi(4 Don ©ai^fm 
)um fuTfürfll. 3tat^ ernannt, bd Srnt^ung her Unit>tifit(l[ Send (1558) 
trtter ¥iofe|Tot hex JHti^e, flotb om 6. 3anuat 1566. 3)aä Weitljäfammn^ 
gedi^ lieg i^ dlS Seifiger (S(u9u|t 1539) ni<^l ju, meif er bie Slnccfcnnutig 
bet HugBbiiTfler S.St. »on 1530 Detlwigerle. 

3) 0eb. 1560 ju Sttt^Ifelb bei Srnbetg; 1586 $Tofeffoi in Xubingeii 
unb t/tnoal. 91at(|. t 1^27. SBgl. H. b. ». 10, 401. 

9" 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



132 9itrtti (topitel. 

Borgef^ricben, bafe er Iflnftig bie ganäni Slnftttutionen in 2 Sauren 
aftfolöiten foHe. SJeiter fle^n bte ©tatuten für bie Softoder') 
t$acuU(ft bon 1564, tnbem fie bie ^ftttuttonenUDitefuttg unter 
jlDei ^ofeffoten «rtt|ciren, bamit bie(elbe in einem Sa^te 6c= 
enbigt toerben lünne; im Uebrigen aber touibeti ben $iofefforen 
beftimmte SRatftien jut Be^anblung nberaiieien (^erfonenrei^t, 
ßonttacte, Stbrtt^t, äctionen, ^ocefe, Se^ntei^t, regulae juris) 
unb aI{o gerab^u fi^on eine ftiftematifc^e ®fiebening beS Untere 
tid|tä Derfn^t, »elc^e fi^ auf anbem UniBerfitaten etfl ein 
^albe« 3at|tt|unbert fpäter (f. unten Aap. 16) nac^meifen läfet. 
S)ie 3Ret^obe nirb jmar ftatutartf(^ nii^t Dorgefc^tieben , aber 
empfoliten roirb bie beS ÄtciatuS unb ©ribatbuS, toeit fie fidi 
ber bioleftif^en äRet^obe am meiften nfi^ere; Sljo'd ®umnit 
unb fSaitoIuS finb befonbetft ju berüdfiditigen, man foQ fn^ 
alfo im ©anjen an ben mos ItalicuB Ralfen, gfir bie ©rlangung 
beS Saccatauieat^B tft ein breijä^rigeS , für bie Stcenj unb ben 
Eoctorgrab ein fünfjätjrigeä ©tubium erforberft^. 

7. ^ie Umgeftattung ber Setirmetljobe fte^t in ^wf^nunen» 
tiang mit einet 3Jeränberung ber äu|er[id|en Organifatton bed 
a(abemifd)en Untettiditä. Die amtlid^ unb baljer publice et 
gratis ju ^altenben Lecturae ober Lectiooes waren ber trabu 
tioneOen Orbnung gemfig SSortr&ge über bie QueQente^ unb 
ba^ei, fo fe^r man au^ Don biefen abfi^weifen motzte, i^ret 
ganzen Slnlage na^ e^egetif^ unb anal^tif^. 3>tefe buni^ 
Xiabttion unb Statuten gegebene 9lorm ju terlaffeit ift nur 
in ^ttDatDortefungen geftattct, bte bon ben ftatutarifi^ 
3Sor(c^riften untierfll)rt, nac^ Steigung unb S9ebflcfni| eingeriditet 
unb ba^er ju bibaEtifdien S^perimenten benu^t werben fonnten. 
S^re Sntmidlung ift batier entfdictbenb geraotben für bie Um^ 
geftattuug ber afabemif(^en Se^rmet^obe. 

3e nientget bie Lecturae geeignet waren, ben 9tnf&nger in 
bie Sfie^tämiffenft^aft einjufüfiren, je me§c fie eine nur fragmeu' 
tatifdie Jtenntnig uon ©pectalitfiten überlieferten, befto brtngenbei 

i|~firÖ6be, blt Untoetfität Moftod ©.598(. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. Süt IßriMlootlctutifint, Collegü unb S)iet">totii">«t- 133 

mw^te fic^ boS fflebßrfnife geltenb, in be[onbetem Unterrid^t §ülfe 
jn ^uiSfca. @o finben teil benn an oQen UnioerfttStm jüngeie 
®elet|tte mit biefer ^ättgteit belc^öftigt, unb eine groge ^atfi 
ber ^ofefforen ^at bamtt ifyzt afabemifc^e 3BiiIfanifeit begonnen. 
SiiTi^ hai iBebflrfntg mar man ^ier auf eine ©eftaltung bti 
Unterrii^tS ^ingemiefen, bei sunädift iso^I nur in SJepetition bei« 
SSi^ttgftett unter älbo^tirung beS <Stop ffir baä ^ebä^tnig 
beftai^n ^a6en mttb : bie Suiamae, Titali et Regaine, Loci com- 
mooes tvurben eingelernt. 3)aitn aber fe^ nit bie fqftema* 
üii)t 91ii^tung ftc^ geltenb mad^n. 3nSön)en^at@. äl^ubäu^ 
iiac^ SBefenbed'ä B^ufloi^ "> f^'"^" ^ribattoorlefungen bie „ai-s 
juns" bargelegt, wä^renb er in ben öffentltäien iCorlelungen 
ber alten 9RetI)obe Sonccfftonen machen mugte. 3n SBittenberg 
tiaben 3o{). ^peU unb Aonrab Sagud für ben ^ribot' 
unteiridit if|re ©^fleme entmorfen, »eldje bann, jum ^t|eil gegen 
benaStDen i^reg Uitietierä, in bie £3effentlii^[eit traten; auc^ bie 
„met^ubifd^en" Schriften be8 So^. X^oma» greigiu» ^oben 
einen fi^n£id)en Urfprung. SSafb finben Wir, ba§ bie Exercita- 
tiones, namentli^ bie SliSputattonen prioatim gehalten tuerben, 
ba bie ftatutarifc^ überall norgtfc^nebenen öffentlii^en, füi teet(^ 
bei ©amftag beftimmt ju fein t>f(egte, oon ben ^rofefforen 
iDcnig gepflegt liiurben: unb jniar teo^ nt<^t blog auä ^atij= 
läffigteit, foribent in t^olge ber ^a^rung, bag ber 9Iu^ foldier 
dffentlt(^n Scte, an boten nur SSenige aud einer unbeftintntten 
Kenge fi(^ mitroirienb betrügen tonnten, fe^r gering »ar. 

%&t bie ^oatDurlefungen roaren bie fpäteren 9tac^mittagiS= 
jtunben frei getaffen. Soburd), foirie burdi bie äußere gorm ber 
ßonftituirung, wei^t auf freier aSereinbarung mit bem fie^rre 
über %lftma unb Honorar beru[)te, bübeten fte einen @egenfa^ 
ju ben LectQi-ae. %ai^ ber Stame pagte beStuegen ni^t auf 
l'ie, ttieit bie gönn beS Unterrii^tä eine me^r conBcrfatorifi^e 
mar. @o entftanb benn für fie ber 9!ame CoUegia'), j^etgc 

1) ftn« Deififtiebntni ©elften aSal. ffiil^ ^oiftti'S ift bn Stonb 
bn soi^ unb bcä @pia4(|ibTau(^ am Snbe beS 16. ^a^rliunbeits jh 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



134 SimtS Sopittl. 

nommen oon twr gefdiloffenen 3'ifjl ^i^ ©(i)öler, bem Setein, 
UKtcftet r'd| i«in Sli^^t t"^* Unterrtd)tS um ben ßetjrer gebitbet 
^tte. 3Nit bet 3^tt unb je me^i bte Lecturae poblicse 
tDegeti ber alternben SRetEiobe im SCnfe^n fanleit, ^a&en audi 
bie orbenttidien ^tofeffoten e8 nid|t Betft^mä^t, |ott§e CoDegia 
privata ju f)alten, jumat toeim fie atä junge ^ocenten barin 
Erfolg gehabt. JWidjt iiientfl trug au(^ bet pecuntäte $or= 
tt|ei( jii i^öiberung einer Einrichtung bei, bte man. Befreit 
Don ben geffrfn ber Porgefd^riebenen ejegetif^cn aWettjobe, au(^ 
ju anbem bibültif(^en S"«*™ "I* bin ©isputationen atr= 
nienben tonnte. 9Iut langfam unb unter fiäm))fen ^at biefe 
5ßeuerunfl feften Soben gewonnen: man ocrfannte bie Skfo^t 
nid|t, Xotl^e ben Lecturae public&e brot|te, unb ed erf^ien it^ 
bcn![i^, ja iinftatttiaft, ben @TlDet6 but^ Se^rt^Ötigfeit in ben 
Collegia privata ju geftatten, Uiätirenb bie Lecturae oC|ne ^t> 
(c^dbigung getjaUen werben raufeten. 3n ?IItborf würben lö88 
bie privatae lectiones »erboten. @i)}^antuS fonnte fi(^ ittur 
auf ben ®ebrau(^ an anbem Unioerfitciten berufen, allein ti 
tarn boSei jur Sprache, bafe „folc^eS Jüme^men auf anbetn 
AcademÜB, fonberli^ JU ^eibelberg aQerlet mutationes gemad|t 
f)ai)t" unb eä baljer beffet fei, e§ gfinäli(^ obäuf teilen')- 3" 
Sngotftabt, wo wir fc^on 1574 einem CoUegium Justinianeam 
begegnen, würbe 1603 unb 1606 ben ^ßrofeffofen geftattet, 
einmal in ber SBottie , Collegia privata" gegen Honorar ju 
l^alten *). 

ct^t^m. Sie SBitgttebct \änii ©cmlnacB ober 5ßtitwtiffimiiin, roic mit lagen 
loüibfii, nennt et .coUegae". Sgl. oui^ bie unten angeführte PrMf»tio 
jum CorpoB InstitutioDam (1574) Don ffi. ^etifit. W. ^nton Va\<iifr 
^teltinSenfleinCollegiam Logicee, in nxlc^em bie 31ainiftif(^e 2liiildiit 
bur<Sbi3putirt mürbe; bie Sd)iUet deifien collegae- Bgt. Buscherus, 
Disputation es quindecim aniversam logicee naturam — continenles. 
Lemgoviae 1602. 8«. 

1] Stingine, DoneQue in Sltboif €. 63f. 

2) $tünll, »tf4 b. a.aR..UniDerf(tat 1, 410. gut SnaoIflnM if 
nodi bei eigent^iinilidie Sprai^cfirauc^ ju bead)ten, bog S^ifft ttttiiKmi\iit 
Scfllftunbeit .conBistoria* ober „exercitia coDsiBtorialia" gtnonnl tmixtxn. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. Sic ^TitiatDOTltiungcn, CoUegia und !St3putattoncn. 135 

3ÜIinfi^Ii(^ ift e8 in einem ©ntWicflungSgonge, beffen ©tufen 
nrir f|ier nic^t oerforgen fdnnen, ba^in gefornmen, ba^ bie alabe^ 
bonifi^ Se^rer baS ^auptgenn^t i^iei ^ättgfeit aai ben 
Lecturae publica« in bie CoUegia pnvata Oeclegten: unb je 
nw^t jene in Änjc^n fanfen, befto metit getietti aud) bet 9iome 
in Sergeffenfieit. So ift ti gefornmen, bog baS 3S!oit Collegiam 
bie fBebeutmtg einet alabemifc^en SSorlefung angenommen ^at, 
bei bem nut ned) bie ©eltißmteit bei ©prad^flefetau^, eiS mit 
„(efen" ju bei:6iiü)en, an bte SSetUMnbtfi^aft mit Lectura unb 
Lectio erinnert'). 

S)er §iftotücr §. SWeibom b. S. (ge6. 1555, geft 1626) 
betitelet in fetner Oratio de academ. Juliae (|Ktmftäbt) pri- 
mordiis et iocremeDtis*) (Rerum Germanicar. UI, 230) über 



Q» fmb btt« pTottifi^ Ucbunem jur SntF^eibung »un gTu^tSfHtten , ttwli^ 
tuboi bcn ^isputalfonen t>orgc|d|nebm loartn. 'Hixdt ^it würben bun^ baS 
Äuflommni her collegia privaU jurüdatbiänflt- SJraiUl ®. 310. 410. — 
3l>>ar foib btc collegia in ^ngulftabl do^I ctmaS frfi^rr aufgefommen alS 
$iant[ anjunf^en ft^etnt (f. unten] ; im Uebrigen abet ift c3 |tiii Seitienft, 
biöei nJnbniiift^n Stuerung eine Seot^tung gefi^rt gu &iiben, wie pe pä) 
in triner onbem Uniwrfitüt89ef<^i(^tc pnbeL 

1) Sog bai SoTt colleginm im alabentifrfien S^nmc^ebrautb urfprfinglii^ 
bie Surfot ober ^fionilanltalten fftr Stubettten, welt^ rndf bcm Wuftet 
»in$atiä in 3)tutf41anb dngeri^ttl murbm (®atiignQ 3, 361 f.), bebeuttt, 
i|t btlonnL SS ging bann ouf baS Sebäube übet, in roel^m bie aSuifalen 
Dbn Ouifi!^ no^nteit. Unb bo ^ier au(^ Stitunie füt bie Hb^altung oon 
Soitefnngen ju fein )iflegten, fo Miftanb man unter colleKian auä) motH 
ba£ für %OT[rfungen beftiinntte ^uS. Unrii^tig ift ti jeboC^, barauS btn 
Dben eiSiterten Sfitat^ebiaui^ ertlären ju woKen, mie eä Deifudit Wieb uon 
Heamann, H. Conriogii de aaliqaitatibua academ. diBsert, Praefatio 
p. XV B, (Göttiüg. 1739. i'^. 

2] 2)ie €tetU (aulet: Ad publicam illam, qnae in profeEgoribuH erat, 
lUligentiun accedebat privata Btodiosomm solertia. Hi enim coeperuat 
ioBtitnere collegia, habere congressoB, tradita publice eicutere 
priratim, prolixa redigere in compendiam, in singuliB materüs aiaaaTtmcttlr 
et diBMntientea opiniones investigata vera Benteotia conciliare. Atqne 
haec cmaprimiB agitabantnr ab illiB, qoi jore cinli operam dabant. 
lattitatDm illad natom in Colonia Agrippina, etiamaom ibi perdurat, 
BiagDo juTentnÜE booo. Cnnque qtnd Cattoa in MarpnrgeDBi academia 
lecam inTenisiet, inde ad noB (^mflSbt) tradnctum eat, opera et studio 

D,q,i,i.:db,.Goosil 



136 SierM fiapitd. 

bie ®ntfte[)ung bei „Collegia" unb jipar namentitdi für baS 
@tubtum btö Sibilie^tS. 3taäi i^m ^at bei @e&tauc^ fräien 
Stnfong genommen in JWfn, ift bann nat^ SKorfiurfl übertragen 
unti ^at fid) bon (|ier meiter Verbreitet. iSlanac^ ntdi^te man 
Dermuttien, bag 3oI|. Olbenborf} baju ben ^nftog gegeben 
^t, bec, a(ä er ber Senifung üon Stbln nai^ SRar&urg folßte, 
eine 9teform beS alobemifdien Unterric^tg jur Sebingung ma^te. 
9Iai^ei^Iic^ ^aben oKerbingS bie Collegia nnb jlDai junt ^faxd 
ber dieputationes über ßiwUret^t in 3Äar6urg befonbete ^ege 
erfahren ; aflein erft in fpäterer Qat, unb ein 3itf("'imen^ong mit 
Ctbcnborp ift nti^t ju erfennen. ^. äSuItejud übernahm boit 
1580 auf ^unf^ bed 9{ecttiriS 9{egner ©tftinuä bie Seitung bon 
3)iS|)utatiDnen unb ftiftete mit 18 ©tubenten ein Collegiuin 
juridicum ordioaritim seu majus für bie ^anbehen, ein onbeieS 
fÜrSnftitutionen'). ®. Slntoniu8») mr bort feit 1594 3Kit= 
g(teb eines foli^en SoQegiumä unb flfierna^m f^xiter bie Leitung 
bcSferben. SSun SWarburfl ging SSal. 3BiI^. gorfter onä, 
ber Collegia in SQSittenberg unb ^elmftäbt leitete. SBor aUcn 
aber ift ^ieron. Xieutler ju nennen, aus beffen äRoibnrgei 
Collegia feine berühmten Disputationes ^erborgingen. Wim 
f(^on frü!|er t|at fit^, wie bereits ertoo^nt, in Sngotftobt unter 
bcm ^täfibium be« SRiloI. eberarbu» IH.') ein „Colleginm 



Eberhardi Trilingii, Swalenbergensia Westvali , . , SnccesBere alü 
«t JD bis Joannes BoceruG Salcateone, Juatus Gogrevius Pader- 
bornensis, Westvali ambo, ArnoldaB de Reiger Belga pluresque aüi, 
quorum discipali cum per universun Genniuiiain diBpergerentur, hanc 
collegioram morem pasBim iostituerunt . . . Kec tarnen defaere, qni 
honestis illis conatibuB oblatrareDt; verum ut uibil efficerent frostraque 
perBtreperent, unius Borcholdl faciebat aactoritAs. . . . 

1) Vita Vulteji. ffiftnt, Hrine @*riftOT 2, 287. 

2) SJfb. 1571 JU SfrcubenbcTa in Seftfaltn, (tubirtc in fflodutg, m 
er om 1. Äowmbet 1596 piomotrirt, 1603 ^rofeffor bre 3nftitutioMn. löM 
ber ^anbettcn nmtbe. 1605 na* «iefeen an boB ISflninarmni , 1607 boO 
Professor primarins unb ßanjier ber neuaeflrfln beten Uniuecfilttt. f 16. SRäq 
1618, Ueber feinen Streit mH 8ulteru8 unten »op. 11. BflI. «. b. ». 1,49«. 

8) Qleb. 1537 in 3ngDl(tabt, @o[|n btS glett^namisen $nifefiDra, Ixflni 
«Qat^folgec er 157Ü Durbe. I£t ftarb 1586. 9. b. ». 6, 136 (äRul^crj. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. t>k $nMiiiDtfefunscn, Collegi« unb Xiie^nttotbnen. 137 

Justinianenm" ffir 2)ieputatbnen gebtlbet^, tuelc^eg fem ©(^ülcr 
$etrfif mit StmoUIiflung bei ^cultät leitete. 

Uefiaan ftnb je$t no^ bie 3)tSt)utattonen htx Stotd; allein 
i^re Sebeutung ift in ben SoQegien eine anbere gettiocben. 9hcE|t 
tnef)r ift H ^auptfäc^Ki^ um bie Uebung bia(eftif(^ei: jhinft, fon= 
bcni um met^obifi^eä Einbringen in bcn ©toff ju t^un. S)er 
3b^ bet Ste^tdbüc^a; aiib in X^efen aufgelöft; tä ftnb <B&^t 
ni^t aufgefteUt um t>UT(^ ^atobofie jum SSiberfprud) ju tetjen, 
fonbent um ben nxfentlii^en @kt|alt beS 9Iect|tä in fnappei, bem 
SSerftänbni^ unb @^ebfi(^tntg lei^t jugfingftc^c gönn jU teuren. 
3tbe X^efe bilbet, fei eS unmittelbar, fet ei bun^ bie baran 
gtfnüpften ^agen unb fSontionetfen , ben @(egenftanb bei 3>iS= 
putation, ^e oiii uns o^ne 3^^'M i" ^^n iSoSegien met|i con= 
Drcfatorifd^ unb uon ben Idftigen formen befreit gu benfen ^ben. 

9uä ben Kollegien ge^t eine ^orm ber Sitecutui ^ertior, 
ukI^ langete B^i* "tit Soiliebe gepflegt tcirb: bie gehaltenen 
t)iSputottonen, Don bem Sprofeffur rebigirt, werben in Samm= 
fungen bereinigt ^erauSgegeben. ^bem babei eine f^ftematifdie 
@lieberung beS ©toffS »erfu^t mirb, entfte£)en me^t ober tDentger 
bDÜftinbige ^anbbüi^et. Unb biefet ©ebraui^ befi^ränft fi^ 
fwlb nic^t me^r auf bas Sioilret^t; au(^ für Strofredit, fle^nre^t 
tmb fetbft für Ianonif(^S 9)ec^t nierben nCollegia' gebilbet, 
beten arbeiten fpfiter im 3)rud erfc^icnen. 

^erootju^ben finb aU SBeifpiele ©al. ©itt». gorfter'S 
JastiniaDeae tractationes ad Institutiones juris 1604. 8" unb 
befonberS hai viel benu^tc SBerf bon Xreutter DiBputatioimm 
selectarum — voluiuina doo. 1592. 4**. ^etbe @E^riften finb 
in cinjelne Disputatiooes fiber berfi^iebene 3)!atecien geteilt; 
tei jeber wirb ber SRefponbent genannt, weti^et bie X^efiä juerft 



1) Sgl- bit Ktü. Oct«b. 1571 balirte SSombe be§ Corpus loEtitutioDum 
Justiniani b DOTem materiM diBtinctum — Eub praesidio D. N. Evcr- 
budi jnnioria — >d disputandum publice proposilnm cui praefixa eet 
Wenceilai Petnik praefatio etc DiliDgae 1514. 8". (Sinbaucr €tabt' 
bibliot^) 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



138 S3i«rtcä Saipiiti. 

im SoQegium oeitfieibigt tiatte. fBet ^otfter xoecben bit %t)mata 
unb beren Stet^enfolge buti^ ben ^t ber Snftttuttonen Qt%Am ; 
füi jebe 3)i8i)Utation ift eine getniffe ^njo^I Don Üxtdn le« 
jetc^net, bereu Sn^alt in Xfiefcn (oft ol8 Stflflen fonnulirt) 
aufgelüft loirb. !£iie (ErStterung gefd|ie^t buii^ angefnü^fte 
tragen mit Eingabe tKi ©ritnbe für iBejattung unb SSenteimutg 
unter KUegation ber OueHcn unb Öitcratur. 

©elbftänbiger gebaut ift ba% SÜ i e u 1 1 e i ' f^e a9u^. 9Hd|t bie 
CueHentefte, fonbent audgemä^lte Qet)ren bilben bic Xtretnala, 
itnb nur bie SRei^enfotge bei 3:itel ift ungefähr feftge^ten. %ie 
liefen ftnb bogmottff^ formulirte ©Ä§e, bie ftcö fgftemotifi^ an 
etnonbct tnfipfen unb fo bie Se^re jur 3)arftelluag bringen. SMe 
• ^nmerfungen enthalten Srläuteningen, iBelegftellen, SontroDerfen 
unb fiiteratui. ^ad ^leutlei'jdie SBeri tft fo tioUftänbig unb 
planmäßig angelegt, bog t& ald ein Sompenbium ber ^anbelten 
^erraenbung finben !onnte. @ä tft ald ©runblage für SJot' 
lefungen utelfad) gebrauij^t unb gum SRittelpunft dtier eigenen 
fiiteratur geniorben. 

3)a§ bie fo gepflegten ©iäputationen t^re ©egner fanbeu, 
ift ju ermaiten unb roirb oon ^. SReibom in ber oben erUM^ntm 
9f ebe ^erboige^obeit. ^er etfrigfte uai U)ot)( 9! i g e I i u S in S9tar= 
bürg; bic ©tubenteii roötben, fo behauptete er in loieber^often 3ln= 
griffen, jum Seftreiten beS ©idferen unb ©ewiffen öetfü^tt, e^e fie 
etmaä gelernt tiätten — unb batjer (einten fie fiberfiaupt nii^ts 
©i(^ere8, fonbein nur nitfits aiS getttife ju betrai^ten ; fo er^irfie 
man oratores unb 9{abuliften. allein biefe, bei rit^tiger $anb= 
^abung bei 3)iSputationen geraig ungerechtfertigte Oppofition blieb 
o^nc @rfo[g. S)ie Siteiatur ber Disputationen bläl^te fort. SiuS 
ben Eoflegien, roeldje §unniufl (f. unten ffap. 16) in aäJitten- 
berg, @iegen unb 3ßarburg ^ielt, gingen feine DisputatioQes 
Institutionum , feudales, criminaleB, juris canonici ^eiUoi:. 
StrumäuS') publieirte unter bem 3:itel „Exercitationes JuBti- 



1) 3)Diniitlcu3 Oon Stnim, geb. 1679 ju SeunMtbcn, ftnMilt gn 
^taiwder, Cjforb, fflofloit, treuinobirlc 1600 In Senil, too er 1602 aufm* 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. Stellung heS ^umanifimud }um mos Italicus unb jui melhoduB. 



(3. Äufl. 1607) bte 3;i«putationeii, lDeId)e in feinen 
Eoßegien in Sena (mit 18 biä 21 collegae) abgetiaUen waren. 
3« ^eltnftäbt »or nadi aHeibom'3 SSeci^t Sotjann ooit 
iöordiolten (f. unten Sfep. 10) ein eifriger götberet bet 3)i«= 
putationea; bie feinigen finb in jlDci ©Snben (1594. 1602) cr= 
f(t|ioien. SSon Dielen ^eitgenoffen tft 3let)nli(^e8 ju 6etii^ten. 
Weben ben ^reutler'ft^en ©isputationen a&er eilangten ba« fltßfete 
Hnfetjen biejenigen, melt^e Sorc^oltcn'ä ©c^üter §etntii^SBocec 
unter bem litel „Disputation es de nniverso jure quo utimar" 
fietauägoti. Sie bilben eine fgftematifc^ georbnete ©ammfung, 
»elrfie fi^ flter baa gefammte Siecht erftreit. 

2)urc^ foldie ©ammtungen, iDte namenttic^ bie Don ^leutlei 
unb fflocer, inetben bie ©iäpulationen in bie fpjtematift^e 
SuriSfiiubenj ^infibetgeteitet 

t*. Unter ben ®egnem be3 mos Italicua ift bii ba^in bei 
ÖumaniSmuä nit^t genannt toorben, o6gtei^ boti^, wie wir 
idfoa oben barlegten unb an ^i^fiuä unb ben ftttif(^en Stcbeiten 
beg 16. 3af)c^unbettd (£ap. 5. 6) genauer nac^eifen werben, 
fein befreienber nnb befnu^tenbet ©nffufe auf bie ^uriäprubcnj 
ein mäditigec war. StUcin eS leuchtet ein, bafe bie pofitiDen 
^orberungen iti ^umaniiSmuS in feinem unDetfö^nlidien ®egen: 
to§e ium mos Italiens ftonben. Senn biefen war genfigt, wenn 
bie wiffenf^ttftlidie Slrbeit mit 6efferem ®«fc^mad, in reinerem 
i'atetn betrieben würbe, Wenn man ben Slutoritdten gegenüber 
ein fetbftänbigeä Urt^eil bewafjtte, wenn überbieS bie antiquarifc^e 
©ele^amfeit itBerwenbung fanb unb bie bialeftifdien @ubttlitäten 
ermäßigt tourben. S)ied alle^ aber lieg fid| mit ber (S^egefe 
uerbinben unb in bie rein analQtift^e SKetfiobe einfügen, ofjne 
i(|r 3Sefen ju erfc^ßttem. 3)ennoi^ begreift man, bag bicjenigen, 
iDtl(^e eS juerft mit fo burdifc^Iagenbem <£rfolge traten, wie 



orttnüiifitr, 1605 orbentlit^et ^rofeijor, 1619 Senior, 1634 DrbinariuS ber 
SaaiBät «nii unb am 2*, Jlfcbtunr 1637 [tar6 {f, unlen Sop. 15). «. b. ». 
1,614 f. (Kutter). 



D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



140 BicilcS SapM. 

^ofiuS, aU ^Regeneratoren bcr SBiffenft^aft erfdiienen, tteil i^re 
(SDinmentQie, toenn aud) in ber äRetfiobe nid^t funbamental »«= 
f(§ieben, bodj einen freieren, Fritifi^en, ben Duetten unmittelbar 
gugetaienbeten @inn offenbarten unb burc^ ICertoenbiing antiqua= 
tifdiec ^nntniffe einen neuen 3n^a(t baiboten. 

5)ie giage aber, auf ttwlt^e ej8 fSr bie roeitcre ffintwiiHung 
anfam, mar biefe, ob eS gelingen nerbe, bie @ljnt^efe ju 
einem miiEfamen Clement ber iDtffenfdiaftlidien 93e^anblung ju 
ergeben, alfo bie äHaffe ber ©injeffieiten ju liö^erer ©in^t ju 
Uerbitiben, auf ^rinci^ijcn juiüdjuffl^ien. 

Stu(^ biefe grage ifi juerft in ben fiumanifttft^en Ärofen 
gcfteUt tDorben, in benen ber freie 3RutE) genedt toar, bcr lieber^ 
liefetung unb felbft ben OueUen gegenüber einen felbftanbigen 
©tanbpunft ber ©eurt^eilung ju mfitilen. 3(n ©eOiu»' (N. Ä. 
1, 22) SRac^ridit Don einer ueriorenen ©c^tift ßicero'S ,de 
jure civili in artem redigendo", ün feine IStörterung (de orat. 
1, 41) über bie ^tufgabe beS „io artem redigere" bcr 91e^t§= 
tunbe, Inüvfte man bie ^rage, Wie Weit benn biefe ?tufgabc 
feitbem getöft ober überhaupt burdifütirtiar [ct. O^ne ftt^ über 
i[)ce Sebeutung genau SHe^enfc^aft ju geben, erfanntc man bo^, 
baß eS ber überlieferten SSiffenfc^oft an ber „ars juris" gänjiid) 
fe^te; bag ba§ uon i^r gelehrte 9!cd|t ntd|t ein f^ftemattf^ ge> 
glieberteä ©anje, fonbern nur eine ungeorbnete nnb fc^toer öbcr- 
fe^bore SWaffe oon ©peciatitaten ofine leitenben ©ebanten borftelle: 
ba^ eben fo bet ©ang beS Unterric^tä nur fragmentarifi^ fei. 
©eitec worfi^rcitenb fragte man, ob benn in ben OueKen fetbft 
bie ars juris }U finben, ob eS Suftinian gelungen fei, baS uon 
Sicero bejeic^ncte Qid jU erreichen. Wian prüfte bie Orbnung 
bcr 3;itcl in ^anbetten unb Sobej, bie ^Reihenfolge ber Fragmente 
unb ßonftitutioneu, unb ba man fanb, bofe biefe bur^ f^ftema' 
tifd^e ©rünbe nii^t gegeben feien, fo entftanb bie tlfrage, ob t^ 
ni^t gerechtfertigt, ja geboten fei, boS 3tecf|t in anberer Cibnung 
barjufteKen. SS »ar bie grage nac^ ber .Methodus", wie 
man bie ftiftcmatifc^e ^larftcQung ju nennen pffegte. Sißie lebhaft 

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8. SttSung M ^umanJSmuS jum mos lUliciu unb jut meüiodiu, 141 

btefe ilh^age feit bem jtDeitcn ^a^rjc^nt bcS 16. Sa^rfiunbertd 
bie iüngetcit Sutifteit befc^äftigte, jeiflen unS i^te SBrtcfe. Ämer« 
6a^ t)atte fic^ barübec gegen ÜSigfiuä aiiägef)?xocf)en unb 
ttSfi^t Dt>n i^m (Suni lö32) eine einge^nbe ^ntioort. @ie jetgt, 
bfl§ Ämerbat^ tiefer ge^enbe f^ftemotifdie Sfieform wflnfc^te, 
wogegen SügliuS geücnb ntac^t, bag bic .ars juris', njcld^e 
Utceto forbere, buti^ bie SJert^eitnng beä ©toffä in ben 3ufti» 
nianif^n Sin^täbfic^eni ^ergefleHt fei. Sonimentarien baju feien 
not^tvenbig ; benn o^ne interpretatio gebe eS feine SuriSpiubenj. 
3uftintan'8 ißeibot berfelben ^abe i^n genOt^igt, immecfoit neue, 
umfängKt§t ©efeße ju ertaffen; unb umgrfetirt (ei bte Stfigficit 
brr @efe^ge&ung in fpäteier Qtit bie Urfa^e beiS übeimdgtgen 
Änfi^ioellcn« bei (Sommentate genwfen: benn klinge, toel^t dn 
Oefeg mit btri aSorten feftftetlen lönnte, gäben «nlai bog 
juanjig ©^riftfttQei in breiten Siöcteiungen Streit führten, i&i 
lamme nur borauf an, bie rii^tige SKet^obe bec Interpretation 
ju finben; man muffe furj unb Elar ju fcfjreibcn (emen. S)aju 
fei Doi aQem ba^i ©tubium ber ^ialeftif erforberln^, nel^eS ju 
je^r Dernad^ffifflgt unb »on benen, bie eS betrieben ^aben, in 
ber Snnenbung uergeffen toerbe. 

HefetigenS liatte !SigIiu8 fetbft nü^renb feineö !(ufent^a(tS 
in grantreic^ Libri isagogici fftr feine QuIj&kx gef^rieben, Don 
brren ^ublicalton er abftanb, nai^bem er ben mos Italicus in 
^bua fenncn gelernt, fo uienig er biefen in allen ©tittfen 
billigte. Unb mit jener Antwort an Vmerbac^ moHte er über 
bie Methodas nid)t baS [et|te SSort gefpioi^en ttaben, fonbern, 
m er ftd| fijfitet äufeert, fein Urt^eil jnrfidljolten , bi« er bie 
i^ftematifi^e ^e^nblung anbercr Siffenfi^aften , mit meli^en er 
'^^i(it)p 3)2elani^t^on befd^Aftigt wiffe, genflgenb fennen gelernt 
^6e'). 

'Sx^ ^aloanber (1530) mit ben mett|obologifd|en j^agen 
bef(f|äftigt War unb fi^ mit einer barauf besüglic^en ©(^rift trug. 



1) Anal. Belg. 1, 2, 83 f. 124. 149. 184. 

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142 «icrtc« Äo1)itcI. 

wirb urten beilegtet rociben. 9tu^ att 3°ftuS tieten fte, toie 
beflreiftit^, qu8 [einem St^ületfreiie fieran, unb eS ift unS bit 
ÄBtlDort erhalte», in her ft ficti (um 1532) gegen feinen ©(^ülei 
Sodann git^aib auäjpiii^t')- @leic^ ^igliuS finbet er ju 
einer tobicalen fi(itematifd)en {Reform feinen @runb; «ber^aupt 
muffe man fid^ mit bem @t)ftem nli^t viel plagen. (£S fei ja 
Ietd|t, baS 9{e(^t in ^tbt^cilungen unb Untetabt^etlungen baiju= 
flellen: aQein bamit rocrbe nur eine nebeltiafte @infi(^t in hai 
^anje gewonnen. 'S)k ^auptfac^e fei fitt ben Suriften, baft er, 
nac^bem ei bie aUgemeinften ^leti^täbegrtffe gefagt f)abe, bie 
©injeltieiten fcnnen lerne. Unb barum müfetcn bie 50 SBöc^ 
ber ^anbelten bas @t)flem unb ber täegenftanb beS Stubtum^ 
fein. Jit^atb tficiltc biefen ©rief bem Simon ©r^näuö. 
SKeland^ttjon'ä gteunb, bet iamal& ^rofeffor in Safel toor, mit 
unb erhielt oon i^in eine au3fiit|rIicE)e Srditerung. in tpelc^ n 
änfiuS' äteufecrung jroor alS 9iatt| on feinen Sc{»iUec gelten läßt, 
im Uebrigen aber bie S^ftematif aU aQgemein lDiffenfc^aft[i(|( 
gorberung oertritt*). 

Snbeg maren biejenigen, wet^e fit^ ben f^ftenrnttfc^en Sln< 
forberungcn ni(^t Derfc^toffen, leineStoegä borübet einnerftanben, 
bo6 in Suftinian'S Sompitotion bie are juris nittit jU finben 
fei'). 3m ©egent^if ging bie t|crrfcf|enbe ÜKeinung bofjin, bofe 
bie DrbnuHfl ber Xitet im ©onjen jenen anforberungen genüge 
unb ba^ man fii^ an biefe um fo mel^r ju Ijalten ^äbe, aU fte 
eine gefefelic^ gegebene fei. 2Kan börfe fie in ber ©arftrflung 
au(^ fdjon beSlnegen nid|t öertaffen, roeit man nur burt^ fie bie 
OueBen mnemonifc^ bel)errfi^en fönne. 3)ie Reihenfolge ber 
gtagmente in ben $anbeften gab bie 9He^rja^I ber Oele^rten 
als fyftematifc^ nii^t ju ret^tfettigen preis; inbefe fehlte e« oud) 

1) Zas. epiit, p. 381. 

2) ©tiiiping, 3arm8 <S. 111. 358 ff. Winckel, varia opntcnli. 
ArgeDtoF. 1553. p. 487 i. 

3) Kfu^mc, übttbieOt&nungberJraomcmtinbenSanbetten. 8«tf*r- 
f. fl. Sn^llmifienfiöafl *, 377 ff. 



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H, Stellung iti ^umonitotuA jum mos lulicus unb jui methodus. 143 

biejei anfK^t ni(^t on ©eflnem. Soft flleidijeitig Ratten granj 
grof^ imh Soa^ira poppet") bie ERet^nfoIfle ber grog. 
mente als eine ratiDneli georbnete baiäufieHen gefudEjt; unb hirj 
OOT^ glaubte So^. Xlrofäuä*), ^titulorum tractatus per- 
petuas esse orationes, genere didaacalio compositaB", fo bag 
alfo Sufttnion f^ktxo'% anlangen ntu^ eineT ars juris tioQc 
ftönbig eifünt ^abe! 

©ä^tenb nun ffi^neie ©eiftct fi(5 feftfl toon bet 3uftiniüni= 
fc^n S^itelorbnung, mü fie bcn ^tniprüi^eit bei ars juris ni<^t 
genügt, lodfagen unb ein @9ftem nai) eigenen $vtnci))ten auf= 
jubouen unteine^nten ; bie Eßebäi^tigften bagegen bie met^obc» 
fogifi^n 9(n{piü^e äbei^aupt unb bamtt jebe SHeueiung juiüd' 
nieifen: empfie^ß eine mächtige äRtttefpattei ai& meO}obi\ä)tH 
^ülfemittel bie „Paratitla", eine goim bec 2)arfteIIung, welche 
ja felbft Suftinian geftattet t)atte. t$>^eifi(^ abei ftanb nii^t feft, 
Und benn eigentlit^ baruntet ju oerfte^ fei'); nut barfibec 
XBca man einig, ba| fie eine überfidjtltd^e iCatfteQung nad) bei 
gegebenen ^ttetoibnung fein foQten. Unentfcf)ieben blieb eS bagegen, 
toie DicE tu bie 7ite( aufzunehmen unb wie bei @toff baiin ju 
bispomten fei. ©ne htije SIngabe be« Sn^altS, ein meftr inS 
Sinjelne ge^enbei Suäjug, eine inet^obifi^ geoibnete überftdE)tli(^e 
^rfteOung berienigen äRatene, roeli^e f^ftematift^ bei 9Ju^tica 
gemftg in bie Xitel gehörte, o^e 9}ütffi(^t baianf, wie nett fie 
baiin iDttftic^ abge^nbeU loar — au bied 9Jeift^tebene iniib 
untei bon 91amen „Paratitla" geboten, [d bog niii baiuntei 
@(f|tiften ^nben, welche ben alten Summae unb Expositiones 
titulorum gonj nalje fte^, unb fold^e, Wcl^e bei f^nt^etifdien 

1) €. unten Stop. 7 unb Oap. 9. 

2) Joris Qniversi Justioianea HethodnB etc. FariE. 1645. Colon. 
156&. — 3tan bc tfco^o^ War $tofe|{oi; bt Soen ; et ift twi ^iublicatfoit biefti 
€4Tift gcflDiben. %gL Rivier, Jeut de Drosaj. Biületina de l'Audeioie 
rojile de Belgique. 2i<>< särie. t. XL. 1875. 

S) Uttwi: bie ui1)iiüiig(u^e Sebeutung bet nnpÖTirJtn in ber bpjon- 
tinif^en auriäprabeng OgL Sai^atia, 3H<^let unb S^ncibe:'* JWt 3a^ib. 
S,796f. Heimbacb, Basa 6. Proleg. p.4B. 



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144 Vierte« flotrittl. 

JRid^tung angeljören. ©o lommt c8 benn, bafe @e&. Srant'« Ex- 
positiones titnlorum später unter bem Xitel Paratitla ebtrt Uoiben 
finb (Francof. 1574), bfl^ ein %'ijeii öon Sof'«*' SJoiIefungen 
(Bon X^omoS Sreigiu« 1536. 1539) intb SM. SBefcnbed'« ßoin. 
mentoi äuerft (1563) unter biefem %ittl erfc^imen; baft @elef|rtt 
bet uerft^ebenftenSRittitungen toie poppet, 3o^. X^omoä gteifliuS, 
©ujoä u. SC. Paratitla I^EauSflegeben Ijaben. 

3n einem fiefonbern 9t&(c^nitt (ftap. 7) nwrben toir ©enaiiettS 
über einjelne ntetttobotogifc^e ©(Reiften unb über bte früEieften 
SJerfudie unb Hntäufe ä"r „met^obif^en" @eftQltunfl ber ©if(ttt= 
f(|aft, »eti^e in 5>eutfd)Ianb (etbft t^re Anregung empfingen, 
ju berichten tioben. Sine eigent^ümlti^e SteQung nimmt in 
biejet Setoegung Soljann Clbenborp ein, ber, aii er 1543 
befinttiu ber Berufung na^ Snarbutg folgte, eine SIefonn bed 
afabemifcfien Unterri^tä jur iSebingung machte. SS ttiitb fiber 
il)n QuSfü^rlitfi berichtet inerben (Stap. 8). ©eorg 3:anner'), 
ber bie äJIet^oben bei ttalienifc^en unb ftanjöftf^en ^uriftnt au3 
eigener Erfahrung tannte, erjä^tt (1556), wie oft il^m Orbenborp'ä 
©c^üter bie feinige gerühmt Ratten. @r (^ttrafterifirt fte otS eine 
,connexio causarum et effectuum, qua nihil coacinnias cogi- 
tari posait". 

3u ber „met^obifi^en" Setnegung in $)eutfd|Ia(U) tritt ber 
l£tnftu& ber franj5fifi^en Suriften. ^ @egenfa^ jum mos 
Italiens bUbet fi^ ber mos docendi Gallicus ^QuS, 
weldier ft^ bon jenem tl^eilä burdi baä p^IoIo9if(^=^anttquartfc(|e, 
t^eilS buT^ baS ft)nt^ettfc^e SIement unterfc^eibet. Unb gerobe 
biejenigen franjofili^ett Suriften, Welt^e, »ie 33iiatcn imb I)oncffu8, 
biefeä jmette Clement mit SSorliebe pflegen, üben borjugStoeife 
auf bie 2)eutf^en ansie^ungSlraft auS. S)amit begegnet fic^ bie 
in ben Süeberianben buri^ TOubäuä »ertrctene, »on SR. SSefen> 
bed na^ ^eutfi^tanb getragene beruanbte Wte^obt, fomie enb(i(^ 
bte in oKen S)i«cipftnen füfilbare, bur^ ^. Mamuä angeregte 



1) Stintlng, ®. Xanntx'a «ritfe ©.43. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. ^n fflamiSmuS. 145 

iBctiMgung. f^gen ben ©i^Iug beS 16. 3a!^r^unbertS t|at bte 
f^nt^etift^ ffle^anbfimg, bie bi ben tier^t^iebenftra gönnen f^fte» 
natif(|ei ©lieberung bed @toff8 ^erbortntt, ben ®teg baoott 
getrogen, unb mit 93otttetie mtrb in bie Xttef bet Säueret boS 
.methodice" ober eine ä^nlii^e Segetc^nung jui (Smpfe^Iung 
aufgenommen, toie jolilreic^e ^fpiele unten ieigen twrben. 

SMe Sai/l bei ©c^riften, »el^e met^obo(ogif({|e fragen bf 
Baubeiten, toar um bie SRitte be8 3aE)ri|unbeitä bereits f o eitiebtic^ 
geiDDtben, bofi eine ©ammlung SBebürfnife (t^en. ©ie ift ber= 
anftoltet »on Winckel, varia opuBcula de exercitatione Juris- 
consultorum. Argent. 1553. 8°. äIHt bem jteigenben Sntettffe 
iDui^ä Qud) bie fiitetatur, unb balb Flagte unb fpottete man Über 
bie gölte unb SRannigfaftigfeit ber SRat^j^Iäge, ttwl^e im 3nteteffe 
einer SJerbcffenmg beS Äet^tSftubiumä erl!)eilt würben. ®egcn 
ben Schlug bes Sa^r^unbertS erfd^ienen jRiei neue ©ommTungen: 
JtuiscoDsaltoram veterum et recentium Tractatus varü de 
studio legali recte institnendo. Colon. 1580. 1585. 8° unb 
Tficol. Reusoer, x^^Q^^'^ ^^^ CynoBura juris. Spirae 
1588. 8». @ie en^öH ^roctate öon Siicol. goer^arbuS SRibbet 
6urg. (t 1532), SlpeK (f 1536), ^egenborfinu« (f 1640), S5aro 
(tlööO), atciatus (t 1550), ©uoren (f 1559), 3K. ®riba(bua 
(t 1564), SKobeTtinuä ^iftoria (f 1565), ©ontiuncuta {f 1560?), 
Sotbtftein (f 1568), 91. ®&er^arbu8 Stmfterbomu« (f 1570), fßaU 
bninu« (t 1573), 5:f|0ming (f 1576), etenu« {f 1576), poppet 
(t 1576), SontiuS (f 1577), greigiu« (f 1583), 3K. aBeten6ed 
(j 1586), §otomanua (f 1590), 31. 9teu8ner (f 1602), aWenoc^iuS 
(t 1607), Sul. ^ciuä (t 1635) unb anberen. 

9. Sinn genaueren SSefprei^ung bebatf bie fogenannte 
Samiftift^e SWet^obe') JoWolil loegen it)rer ^iftorift^en Se= 
beutung an fi(^, oI* aut^ Wegen ber unri^tigen Sßeinungen, 
toel(^ über fie iwrbreitet finb. 



1) Xenntmann, ®cF4 b. $t|il. 6, 420 — 440. »tttei, &t\ei). 
b, $^. 5, 471 ff. WftddiQgton, RamuB. Paris 1855. Laanoius, 
de TU. AriBtoL fortnna. ed. Elewick. 1720. p. M s. 

eiiRtiig, CtM- k. Omllfnibai). I. 10 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



146 matti SafHü 

Um bie Setoesunfl ju öerytefjett, welche fit^ an bas Auf' 
treten beS $etruiS91amuä') auf aUen tDi])'en{(^aftlid|en ©ebteten 
antniipft, miifi mon f«t| baran erinnern, in irdt^em ©rate 
bie gefammte ti}tffen{d|aftli(^e ^Stigfeit Don ber überlieferten 
artftDteIif(^<F^Dlaftifd|tn ^laleFtil be^errfc^t Uurbe. ätamuS ei= 
Härte biefer ben Ärieg, beftritt t^re 9iti!^tiflfeit unb fu(^te eine 
anbere, einfai^ece an i^te @teBc ju fehlen. 3n bem fiom|)fe 
aber, neldier ftt^ entf])ann, ^anbelte e$ ftd) nid^t etoa 6Iog um 
bie ©c^ulfrage, ob bte attc ober bie neue ll^aleftä te^nifä) bie 
rif^tigeie unb uollfomninecc fei, nic^t barum, ob an bie ©tcQe 
be« alten ftrengen §err(cE|erS ein neuer, oieHeic^t menigei Ififtiger 
treten fotte. 9?ietmet|r tiefte fii^ bie tiefere öebeutiuig beä OegtU' 
(0^8 e^er fo formuliren: ob übti^aüpt bie Slutorität eine* 
@9fteniS Don ©i^uliegeln bie STr^cit beS S)enfenS be^errfi^ 
foKe, ober ob eS bem @eifte geftattet fei, fic^ nad) ben i[)m 
Don ber iHatur gegebenen ©efegen unb nur biefen folgenb frei 
jtt bewegen. Stoma» fleljt baoon aus, bafe bie 3)ialettit eint 
prattifd^e ^Sciplin fei unb fein foQe, bie am bene disserendi ; fie 
empfängt i^ren Sn^alt Dor aQem auS ber 9Iatur bcä nienf^< 
liä)m @(eifteS; fic lcl>it nur bte Jhtnft, bie natßrlid|e ^^igfett 
jum 3>cn!en richtig ju gebuaudien ; i^te ajoüenbung empfängt [it 
burd^ usus unb ezercitium, burdi bie Uebung in ber ^nUKnbung 
i^rer Siegeln, fo bafi biefe 5ur @en>o^n^ett n>erben. 3ebc$ 9tadh 
benfen beginnt baniit, baft man in ber @tille bie l^riinbe unb 
@eftd)t8punfte (argumenta) auffuc^t, bie in unjerm ®eifte liegen 
unb ju ftnben finb ; bann fdirettet man baju, biefe ju Derbinben, 
auäjufpreilien unb georbnet barjufteQen. S>at|er, btefem natür= 
tilgen üßorgange gemäfi, mug bte ars bene dieserendi jUiei Zinnie 
^aben: bie iaveatio unb bas Judicium. 3ene giebt bie Segeln, 
um argumenta ju finben — fie ift alfo loefentfii^ eine 5i)pil. 
^iefe» le^rt bie richtige SSertnenbung ber argumenta, unb gmor 



1) 9ßtem be la Siam^ se6. 1516 in bei ^carbie {<hiü), ««manboi«), «= 
tnotbet in ber S3ait^Dlonuiu8na<^t ju $arie 1571. 3)ie Dialecticae partitiooes 
B. inBtitationes unb Aristotelicae anim&dTersioues eift^ieneti 6efbt ^ii8 1543. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. S« Stamiemue. 147 

ift t>a8 jadiciam entiDeber Kuom&ticum, inbem eä cutSfprii^t, 
ob etbKiS tft obei ntd|t ift (Urtlieil); ober dianoeticum, inbem 
te ftU0 einem axioma bag anbete folgert; {eine tlrormen ftnb 
ber S^aogiSmuS tmb bie Wttf)o'bü&. b. ^. bie ^öt^fte @tiife 
(ogifc^ec S>arfteIIung , tceU^ bie jufainineng^öttgen axiomata 
in natmüiifa Dibnung uom Sllgemetnen jutn 89e|onbeien fort' 
i(f|rdtenb gufaminenfagt. 

^f biefem einfac^eR ©runbrig ift eine eben fo einfoi^ 
^leftil aufgebaut, bei ber e& bem SiamuS nic^t um eine %nal^fe 
bed S)enfenä unb feiner Mrft^ebenen ^nttioneit ui^ formen, 
fonbem um eine ftnweifung jum ^ebraudie ber natürlichen Siegdn 
für bad €rfinbeit, Uittidlen, i^olgeni unb Slnorbnen gu t^un 
aar. ©ie ift bat)ec, nrie fd|on bie !3)eftnttion erratben lägt, 
mtfir eine 9I^torif als eigentli^e ÜDiaIe!ti{, unb feine ©egner 
werfen Üj/m Dor, bag fie Seines bon iBeibem fei. 

(Eben beSroegen lauft fie auf bie „methodus" ^inauS, b. ^. > 
bie Se^rc unb fiunft, bie sufammenge^rigen Urt^eile unb ©(^löffe 
in natürltc^ei Orbming für ba& SJerft&nbnig unb ©ebä^tnig mit 
Jäar^t barjufte&en. @ie ift benutac^ dispositio, SInorbnung, 
$er^lung unb ^8erfnüf}fung beffen, toaä mir burd) inveatio 
gefunben, burc^ axioma feftgeftellt, butd^ Bjllogismus gefolgert 
tiabcn, unb bilbet ba^er ben legten ^eil unb jugleii^ bie pd|fle 
Stufe ber an bene disserendi. 

^äi bie „äRet^obe" fteQt Sßamud bie allgemeine %egel auf, 
bag in ber SarfteQung bom ^gemeinen auSguge^en unb jnm 
SSefonberen fortjuj(^reiten fei, 5Rur bie aSet^obe ift itjm bem« 
nat^ bie loa^re, tnel^e mit ber 3)efinitton beginnt unb baran 
bie Xiiftributton fnüpft, ffielt^e t^eilS partitio (3erlegung in partes), 
t^eil« diviwo (Unterf^bung ber speciea) ift. 3n jebera untern 
@rtebe ift baSfelbe Sßcrfa^ren bis gum ®))edeQften ^erab ju 
Wieber^olen; bie einjelnen ©lieber ftnb burd) traoBitioDeB ju 
öetbinben. 

$tae Siü, auf toel^ SRomuS fteuert, ift alfo eine notütli)^ 
georbnete ©entliefe; unb für bie 3uriä|irubenj liegt feine ISe^ 

10« 

D,q,i,i.:db,.GoogIc 



148 Sterte» Bapitü. 

beutung bartti, ba| ei bec f^ntEictift^en SKi^tung bie ted|nif{f|en 
9(ntiKtfungen batbot unb jur tDtffenfdiaftlit^ @tü^ btente. 

1)ai ISntfai^e unb 9tatürltc^e fetner fie^ce im Sßerglet(^ ju 
bem compitcirtra ©^ematiämufl ber Ärifioteftfer fieberte i^ btn 
Erfolg. 3>R ghttoeiS auf bte Statur bei @ad^ unb bie nat&f 
lidien ©efe^ie unb Anlagen bei» ntenji^fii^en (SkifteS old @nnib< 
löge iebtr flunft unb SBtffenfd^aft, bte et babim^ bcr ©d(ulc 
gegenüber isteber in i^x Stecht einfegte, gab bem ShimiSmuS bie 
befteienbe fitoft. ©r ftfirite ben S»u^, in bcr SBiffenf^oft bie 
fin^c^en fflJege beS gefimben aKenf^enUerftanbeS ju ge^n, bem 
eigenen natüilti^en Urtfieil ju berttauen, unb ift ba^er bem 
liumoniMuS unb ^oteftontiSmuS bertoanbt, eine i^nen analoge 
<£rf(^einung auf bem Gebiete bei X)enfte^re, bie aber freiließ bte 
®efa^ in fi(^ tiug, benen ein Uebergemiifit ju geben, bie 
„toon Stotui Wenig ßuft !|atten, ben langen Sieg ber aBiffen= 
f(^aft felbft ju machen, aber buni^ fd^ifere !Hef(e^on bte fitmbett 
SSerfui^e gu &eurt[|et(en geneigt »oren". 

j^ffen mir \o ben ätamiSmulS alB älbghietgiutg einer aBge> 
meinen 3«tftrömimg, fo begreifen totr einerfeit» ben in fo breitem 
Umfange fti^tboren ©inPufe unb feine erbitterten ©egenffije; 
onbreifeitd abei auc^ bie X^atfa^, bag nebett i^m unb unab= 
^gig Bon t^m ganj O^nlic^e ^t^einungen in ber Utffrnf^aft^ 
litten 3Retf|obe gum iSorfdtein !ommen. 9H(^t aQeS, tvad bem 
9lamiSmu8 Oenoanbt ift, bäifen toii auf i^n juifi^^ren. 3n 
5)etttf(^tanb tommen bte me^fobifiiicn ^fragen in glufe, e^ man 
nun ^er {RomuS toeil ; fie get|en t^ren SBeg titetfac^ o^ne ilin. 
3n t^anfieic^ entwirft Sonnanuä fein ©Qftem, btiben 2)uarenu9 
unb 3>oneIIuö eben fo wie 9)hibfiud tn Qdraen i^ce natürlich 
@9nt^efe auS, otine burd^ SlomuS geleitet ju fein. (Snbli^ aber 
finben wir f|ier wie auf bem ®ebiete bei eigentlt^en ^ßi^ilofop^ie 
^Ib'IRamtften unb €!(eftifer. 9{amuä felbft t^t fU^ mit bei 
Shtrispnibenj nut im 5Boibeigcften befaßt; eine i^m jugeft^ebene 
G^nosara juris ntriuBque ift apofiQpt). 9htr baburt^ ift et ber 
Aufgabe bei Surtflprubenä unmittelbar na^e getreten, bafe er an 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. X)er 8taini«imi». 149 

Sujad lutb S'^oSpitoI bte Suffoibenuig tit^tete, bte f^ftematif^ 
^ufamiiienfaffung beS geltenbcn fR^ti ft(^ jut Sufgabe ju fteDen'). 
äSan foQte nun beiden, bag bn 9lanriämuS, beffen jhaft 
in bn 9}ega£ion bei ft^o(a[tifd|en Schablone lag, ju einer tPoQ« 
ftinbigen iSefeitigung beS ©(^ematiSmuS gefA^rt ^abe, bag ber 
ttine 9tQtuTa(iflmud bte ©tgnatur ber etilen än^ngn beiB 9^niuS 
fei. XUein bem tft nid|t fo. ^ie 91amiften machen ben Xnfpnic^, 
tDtffenfii^af t(i(^ ^ialeftilec ju {ein ; fte tooQen ben ^onvuif tfibec- 
legen, bag 91amud {eine ©d)üln „Riegen Iet|ie, et)e fte iS^qü 
^tten"; i^rc fiel^re foQ fognt wie bic alte Iiiofcftil „ars" fein; 
uttb xoean bie Siegeln berfelben aui^ bei 9Iatur entnommen ftnb, 
fo Eningt bo^ erft bie @d|ute fte junt l@en)ugtfein unb bic 
tnet^obifc^e Uebung cift te^rt i^cen fii^em ©ebraut^. S)ec an 
bad @(tngel&anb bei alten 3)ialdtil gemannte ©eift »iib bem< 
na^ niii^t pUljliify feinem eigenen ^ftincte äberlaffen, fonbent 
anbece, Enroudtbaieie unb leichter ju E)anb(|abenbe ©tOj^n twiben 
^m bargeboten, ©o tommt eS benn, bafe unter ben crfförten 
€i^cnt beS SlanutS fi(^ ein noiei tJrormaliSmuS auöbtibet, 
nKl(^ fti^ in ber intmei toiebeifc^ienben Senoenbung beftinnnter 
met^obif^ei ^fUfSmittet unb i^omten jeigt unb um fo einfSrmiget 
tDiib, ai& fRamu^ nur bie eine äSet^obe, ben ©qQogiiSmuS unb 
bie ^ebuction bes Sefonbeien auS bem ^Qgemetnen gelten Iä§i 
Ana biefem Orunbe ^at man in f})Ätaer 3eit bie urfprflng» 
lii^ ^ftonfcEie SBebeutung beä ERamtämuS betgeffen unb feinen 
<I^after in einer befttmmten fc^ulmägigen gönn gefuc^t; traS 
i^m uif))iüng[ic^ nui ^ülfSmittel mar, erfc^ten fpätei^in a[S 
fftn föcfen. Unb jwai finb «S namentlich brei äRerfma(e, an 
benen man i^n eifennen uiQ: bie Slü^otomie, bie ffienoenbung 
bei qnattaor caasae unb bie tabeQaiifdie S^aifteQung *). S)ie 

1) BBmus,«:hoUeiiiatbem.I.IIfiii.W&d<lii)gton,Bamaap. 355h. 471. 

2) Huf aOcn Gebieten tottbat „tabiüae seu Bcbematienii'' )niblictrt; .in 
DmuboB utibDB et disciplioiB Ubulas requirimus" fi^Ktbt &. XoBtiti COric|c 
S. 55 f.) 1567 an !6af. %ittnba4 Sie i causae finb bem StomlCmue nii^t 
flgm, lottbnn au9 ber @d|oIa[iil übentamnun. SgL oben €. 108. etin^ing, 
ftiit Stm-c. 3, 625 1. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ik 



150 VinM Ropttcl- 

mit btefttt §filfSmitteIn oijerirenbe Üßet^ob« roiub bie SQnüfti(tI|t 
genannt. 3n pebantif^ Sktfe geübt, ecl)ält fie fi(^ buii^ hai 
17. Sa^r^unbert'): unb fo ^t ft(^ bentt ^iet bie Srft^eimina 
niieber^olt, bafi eine auf {Befreiung be« ntffmfd|aftlt(^n ©etfted 
geriditete fiepte, in ftfiulmdliflem gonnaüämu« erftarrt, ju einet 
neuen ^ffet roitb. 

10. 3n bei bi3t)eiigen Störterung tft jmifdien ber ^Iforft^ung, 
bet afabemtf^en Ce^re unb bet litetatifc^en SJarfteÜung ni^t 
untetftfiieben würben, toeit fie im ©anjen bon berfelben SHet^obe 
be^etrf^t »etben. 2)ei ofabemifdte Untetiicfit more Italico be^ 
flef|t baiin, bag bem ©i^ülei bte t^orfdiung felbft im Vortrage 
mitgett|€ilt unb er, inbem fie boi tftm ge{d|ie^t, an ber analQti= 
fc^en 9Crbeit betl^eiligt miib : ein an unb für fi(^ bur(^auS lDßr= 
btgeä ^rfa^ren, melc^eS nur an bem ©ebiec^en leibet, bog eS 
bei bem ^u^iCrer eine Meife unb einen Sefi^ tion Senntniffcn 
DOiauSfc^t, m\ä)t erft buri^ längeres €tubium cnoocben werben 
fönnen. S)a8 ISigebnig ber ^otft^ung ge^t, na^bem eä für bie 
ißoricfung BoQenbet unb in biefer terffienbet morben ift, in bcr= 
fetten Jorm in bie Sitcratur übet; bie Sucher finb publicirte 
iBorlefiingen — unb bie 9Ir6eit ber ©ele^tteu ift in oDcn brei 
SRii^tungcn eine unb biefclbe. 

@cft QnmäI|Ii(| fomint eS jum ^ewugtfein, bag in bei 
Xt|at bie Aufgaben öerf(^ieben finb unb berf(i)iebene Hnforbe» 
lungen fteQen. 3n ber 9{atur bei ^inge abei liegt eS, bafi bie 
tniffenfi^aftlic^e 9Iibeit be§ afabemifc^en Set)rerd i^re 9iict|tung 
unb ©eftalt jum grofeen ?^eit burd) bie Sebfirfniffe be« Untei^ 
rit^ts , bie i§m ^ier entgegentietenben Aufgaben unb gegebenen 
'Sniegungen empfängt, ipiei wirb juerft bei SBongel einet 
met()obif(^en Se^anblung fQt)ffiar; bie biba!tifc|en @rfa[|tungen, 
bie aßifeerfolge fmb tS, Welche ^ier auf bie Srage nac^ bet 
2RegIi(^(eit einet ars juris füf)rcn ; bie fijffemattf^n 3kx\aä)e 



1) Tbom&sius, Caatelae circa praecognita JuriBprudentiae. 1710. 
cap. 10. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10: Utngeftaltung btx (jtotin btx ülttaüüi. 151 

beginnen unb übertragen fi(^ t>on ^iec auf bie gefammte tviffen^ 
f(^ftli(^ 3:^gtcit. 

WimSißäi titbeg fdieiben fuf)' bie ^ocmen ber SSoitefungen 
unb ber 93fi(^ei. ©eltener loerben jene Don ben Ui^ebem \elb^t 
aU ßommentarc ebtrt, mie benn j. ®. bie Secturen befi 3°f'"*' 
btS SRub&ue, beS Sidiacb, beS ©ipfjaniuS, 3titter$t|uftuS u. fl. 
erft nnc^ bon 3:obe beä iQecfaffeilS, jum S^eil fogai gegen auä« 
brüifitc^ed Sterbet ^ouSgegeben Ivuiben. 9!ut bie Sommentate 
ju ben Snfiitutionm erfdreinen ja^Iieidi. 2)ie fBü^er getoinnen 
me()t bie ^leftalt monogra|)^f(^ 9(bfianblungen übec einzelne 
Katerien, f^ftemati(ii^ct a^arfleCungen unb compenbiarifii^er Se^r= 
bü^c. Unb ^anb in ^nb bamit ge^t bie ISrmägiguitg i^reS 
Umfangt. 9li(&t jufaQig ift e^, bo% im Saufe beS 16. äaEir' 
bunbertS bie Folianten fdimäi^ttger tuerben unb allmä^Iit^ ben 
Cuattanten unb Octavb&nben bas ^Ib räumen. 3n 3>eutf4> 
(anb bleibt ba§ gtofte gonnat Doimtegenb ben Sammlungen ber 
Simfilien, fflefponfen, ObferVattonen , Muteten u. bergl. , ben 
CueBenebittonen, ben SepciiS unb ben MuSgaben ber SBerte ftember 
9)t(f|tggele^cten t>oibe^a[ten. @ä liegt bartn ein Qeiifm e§ren< 
HKT^i tDiffenfc^afttidiei ©efuinung. SBaS ber beutfd|e 4Se(et)rte 
jmn ^fiKii bti Unterrii^ts nac^ alter SRet^obe noc^ immer 
maffen^aft sufammentrigt, etfc^ehtt i^m nit^t me^t Wert^ in bie 
Ceffentli(^!eit ju treten, güi arbeiten aber, toelii^e bie SSiffen^ 
{(^aft felbft8nbtg tDeiter ffi^ren, ift it|m nit^t toie bem glfidltt^er 
geftelltcn gransofen bte freie SBufee bereitet, tiO(^ aut^ bie geiftige 
@])annftaft rafc^er ^robuction gegeben. 9SäE|ienb 2)oneIIug, 
(SitjaS, 2)uarenu3, ^otomanu^ u. %. nod| Folianten mit ben Qx^ 
grfmiffen umfaffenber unb tief einbringenber ©ele^rfamleit fußten, 
bcf{I|etben fti^ nnfere Deutff^en im ©anjen bamit, i^re arbeiten 
in brft^ränftem Umfange unb anfpruc^lSlofem ^ormat ju ^ubliciren. 

3)ie SKaffe ber ^ßublicationen ift aufeerotbentlic^ gtofe, unb 
aI8 bfjet^nenb für bie SRac^frage barf bie grofie Qalji ber 
opera postuma betiot^tet tneiben. ^uS ben ^interlaffenen 



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152 Surtt« fta)iiuL 

papieren ber (Bektfitm Qtbn bte Sr&ot ober t^retmbe otint 
fonbettit^e Siorfi^t unb ©oigfall bte oft nur ^olb »otCenbetm 
ober %ax nt(^t für ben 3)cud beftimtnten Sirbetten bei 9}ei= 
ftorbenen ^erau§. 

Stnen merftoürbigen Stuffc^tuung ntmntt bie Siteratnr bei 
S^iSputattonen, ^^efen, S)tffeitationen. @ie ^ngt 
jufantmen mit ber june^menbm QafH bei ^omottonen. 2)ei 
©octoititel erfährt feil bcm S^tuffe be« 16. 3a^r()iinbertä 
ba^fetbe ©t^idfal, loeli^eni fein Sugeied @[)renjeic^en im Saufe 
ber 3cit ju cntgetien ^iflegt: immei me^i beget)Tt unb immet 
(eichtet enooiben ju toerben unb bamtt langfam im SBert^ ju 
finfen. SRan ^&rt {(^on baS ©prid^tDort: Accipimus pecuniam 
et mittimus aBinum io patriam!') f^i ift bei biefen ®d|iiften, 
bte toir buic^aud Don ben in ben SoUegia getjoltenen 3>i8^u: 
tottonen 5U unterfi^eiben (|aBen, ft^Wei, ben eigenfti(i|en Sierfaffei 
feftjufteUen. ^lomotor unb Soctoranbuä ))flegen IBeibe auf bem 
3!itel genannt ju fein : jener alä praeaeB, biefer alä respondens. 
0te bcis @eniiJI)nIti^e baif e$ angenommen merben, bag bei $io> 
inotoi bie 2^efen entworfen i)at , beien SBeif^ibigung bann btm 
älefponbenten üEieilaffen ift. 'Siem ^ofeffoi bieten bie $10-- 
motionen bie ©elegen^eit, fic^ über ©injelfragen au8jufpre(^n, 
llehtcie ©tgebniffe ber ©tubien in pubficiren; unb fo beitritt 
bie 3)iffertationen=Siteiatur bie ©teile ber heutigen ^ciHt^nften. 
3uglei$ bient fie jur Siürteiung bon ©tiettfiagen, wie bie 
2:agedereigniffe ober bie nitffenf(^aftli(^n iBebiegungen fie an bie 
Cberfiäf^e treiben. $[ber auc^ baS UnauSbletblit^e gef(^ifl)t, bog 
bei ber maffen^aften ^obuction biefer amtlichen ®elcgen^t8- 
fc^itften bie Dualitfit unter baä 3KitteImag tterobfinft: benn 
bie ^nfpiflc^e, meldie bie @eIeE)rteniepubItf an biefe fieiftungen 
ftcßt, finb nac^fit^tig, ba Sfcbermann meife, ttie unb j" Welf^m 
Ssüide fie jufammengefc^rieben tttcrben. 



1) Bunüc^ft in ^lantrei^, wo ftatt patriam HGermaniam* ^e\<ifjl nriib. 
nther, PartheniuB litigioaus. 1628 p. 164. 



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10. Utngcftaltung in gönn bn Sitttatui. 153 

öemertenäiDertti für bie fiiteratur in il|tct (Sefammtlieit tft 
bojiegen bie anbere ^(i^etnung, bog feit bei Wtit beft 3a^t= 
fytxäecti bie ftunft hti lateinift^en @tils unb bei eleganten 
S)aifttIIung fii^ f|e6t unb Veibreitet. S^er ap^oiiftifcfie, jcr^adte, 
buit^ aQejiattonai jen:if(ene ©til ber Stafisncr, toie er fid^ in 
bei anal^ttjd^en äSettiobe na(^ bei bialeftif^en @c^abIone aui-- 
gtbitbet ^atte, loetdit aSmäE)li(^, inbem baft f^nttiettft^e Clement 
in bie ©ebonlenarbeit cinbrinßt, einei fliefeenben SJtction, toetc^ 
ben iSdMnfengang jufammen^ängenb unb ben <Stoff geftaltenb 
jum SuSbrud bcingt. X)ie @c^ule beiB Humanismus trägt auäj 
hierin i^ce ^c^te. 9Id(^ bei Olbenboip finben ttiii in bei t^m 
eigenen ofi^oriftifc^ SMction bie 9tad|Uiifungen ber ^eiföntm: 
Ii(i)en SRonier ; me^r unb meltr gelingt eS bann unfern Suriften, 
bie piefeenbe ©piac^e bei fraitjöfif^en ©etefirtep fid^ anjueignen, 
unb nur in ben für bie ^a^S 6eftinunten @(^riften, toeld^e fiC^ 
übnurieBenb an bie ttalienifc^en (Sonnnentatoren anlelinen. ei^ 
^Iten fidj bie Stefte i^reä ftiliftifi^en EinfluffeS. 

9}e6en biefen oUgemetnen 3üg^ ma^t [ic^ bie lOefreiung 
bn ^iDibualitfit, beren Seie^tigung bie neue 3cit bem $uma< 
ni^muS unb bei Sefonnotion Berbanh, geltenb. 3)ie fc^otaftifi^e 
9Srt!)obe ^atte Aber bie gefammte miffenfc|aft[ii% 9[rbeit eine 
@bi(^förmigfeit ausgebreitet, in Welcher bie inbioibuelle @igen< 
tl)iimli(^feit bis auf geringe ©puren unterging. 3Ran fagt nic^t 
ja oiel, JDcnn man bie feit ben ©toffatoren unter ber Heirfd^oft 
beS mos ItalicuB fc^rcibenben Kommentatoren alS „fungible" 
$erfMii^feiten (mit feltenen äuSna^nten) bejeit^net Seit mit 
bei beginnenben OppDfition bie Siujetnen il^re eigenen föege 
fuifien, löfen bie SSnbibibuen fid| auS bem @efammtbitbe in be» 
ftimmteicn Umriffen ab, unb in ber SDtannigfalttgleit bei liteia> 
lif^ Qielt unb formen tommt bte eigentt)flmlt(^e Begabung 
unb SKc^tung beS ©njelnen jui ©eltung. 

Aber biefer 3nbioibuatiSmuS jie^t getabe in ber f^nt^eti» 
f(^ 9H^tung ben SRifebraut^ ^intei fi^ ^ei. JRac§ fubjectiBem 
fflebfiifnife toetben bie becfcliebenailtgften ©tructuren »crfw^t. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



154 ^xtti fiapitcl. 

S)aS Säetnü^en, ben ©toff auf einfache (9efid|tdt)unfte jumf' 
jufO^Ten unb flberfii^tlii^ nac^ logif^en Stegeltt ju glicbcm, 
tt«6t einen bunten QaKX% bibafttfcfier Sitcrotur ^eröor, weitet 
fidl niit ber o6erflä(^Ii(^ften iSe^onblung begnügt. 2)iefe bürftigen 
Sontpenbien treten am ©<^Iuffe bei 16. ^a^i^unbettä an bte 
©teüe eine« 33)eileä bec im Slnfong beäfelben berbteiteten popu- 
(äien Siteiatur. fSet aQei 2)üTftigtett untetfc^beit fic^ iiiH 
btefe ^fUfSbüc^er fion i^ten SSotgSngem ju i^ron S3ort()eiI ba< 
bun^ , bofe fie auf ein geteiffe» f^ftematifd^e« SJcrftfinbrnö unli 
ni^t wie jene ein blog mec^anifc^eS SluSroenbigletnen beS ougeirn 
©c^entatiSntuS ber CueOen unb uiQfürKd^ jufammengefügtrT 
9iege(n berechnet fmb. 



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U I r i d^ 5 a n u s. 



1. €ein SeBen. — 2. Sein Un^l übet bic ^etiftfierüie 3«näptu&enj. — 

3. S^oiafttriftit feintr Stiften. ~ i. StcUung gum beiUfi^en Keät. — 

6. SttDung gu hat gcttfmscn. — 6. Siilolaue ^reigiuS. 

1. U(ridf3ä(?*)>R«n2fa^tel461 mSonftonäfleboten. ©r 
ftnbirte 1481 in SÜfiEitngen, ido um jene 3ctt, haib naäi ©ttftiing 
bn UniiKTfttät, bei Stalienei SouientiuS äRotenc^ug au^S dtovt 
uitb bet ©aoo^aibe ©abriet @(|abDt auü S^ambraq neben Sofiann 
(Srü^jnger tion Sonftanj unti Ulric^ ftrafft uon Ulm bie Leges 
Wirten. 3n feine IBatetflabt jutüdgefe^rt, trat er in ben 5>ienft 
ber bift^oflit^en Jhttie, narb 9Jorfte^r bei bifi^dftic^ ftanjiet 
unb bdtnbete jugleii^ ein ftfibtifd^ed S(mt. <Si fanb in biefen 
SteQimgcn ®elcgenl|eit, jid^ toettercn Greifen brfannt ju matten, 
unb fo fam eS, bag i^n bie @tabt ^eiburg im SreiSgau (um 
U92) al8 ©tobtfc^mbet berief. 

$>ie Uebeifiebetung naä) gteibutg to« füi feine luiffenff^oftä 
lify ^tmidlung bon entfdieibenbei 99ebeutung, benn mit erneutem 
läfei UKtrf et fid| I|icr auf baS ©tubtum bei SuiiSprubeuj, fo 
boft et crft Don biefer 3^*' i""! eigenttit^en Seginn fetner jari' 
ftifdiat Silbung batiit. Hl« feine Sefirer, benen er bie „rudi- 
menta juris positiTi" beibonte, nennt er bte ^crctiften 3d^. ' 
5hiafi)), 3oI|. Cbem^eim unb 3ot). 9ngelu9 be iSefutio auS 
Wailanb, bann bie Segiften Ulrit^ firafft, bet Bon Tübingen 

1) Riegger, U. Zaaii epiatolae. 1774. 9f>. ©tinftlng, U. SofiuB. 
1857. ^oTQtctt», Sriefc M Ql. (Santiuncufa unb U.^afui». Si^ungebti. 
b. Sinter afobnnU 3Rfit) 1879. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



156 fünfte» fiopittl. 

naä) gretbutg scjogcn n>ai, unb beffen SRac^fotger, ben 9KaiIänbti 
5ßaulu8 be ßittabüii«, roetc^er 1495 gleif^jeitifl mit feinem ßonb«' 
mann be !8efutto Don ^ma aa^ ^tburg berufen lourbe. ^^ 
ipibmete ftdi borgugSloetfe bem Stubium be8 römift^ Utd^ti 
unb fanb ^tertn burd) Sittobtnue eine görberung, toeldie et noi^ 
in fpäteren Saucen mit 3)ar^arfeit lütimt. ^. Sittabinuä toar 
ein ©fauler bcd Safon be äRapno (f 1519 in ^bia), ber niu^ 
bem Urteile feineS grogen @(^iiIeiS Sltctat buc{^ bie Orbnung 
unb ffilat^eit, toelt^e er in bie ^5d^ft Deiioonenen unb ierftreuteu 
IDtetnungen bei ^c^riftfteQer brachte, fic^ ein toefentlic^ ^= 
bienft um bie Suriä^trubenj ermaib. Sl^ar l^at n>ebet er noc^ 
fein ©c^üter Eittabinuä fici£| roefcntlit^ über baä gergebro^te 
erhoben; allein inbem fii^ Snfon bemühte, bie Kui^beute feiner 
SSorgönger unb 3eitfleno|fen in feinen Schriften ju concentriren, 
bilbet er gleidifant ben ©c^lugftein ber alten Qat, unb bie efocteit 
unb geff^maäcoUeie ©pra^e unb ^Qefe in feiner ©[^ule läf[t 
bot^ fc^on bie erfte Xiämmeiung hei neuen ^ge^ etfennen, boi 
fein bebentenbftei ©cfiüler Slctat ipitllit^ mit bollem ©lanje 
Iierauffii^ren ^alf). 

Sieden biefei ^örberung in feinen juriftift^en ©tubten würbe 
bem 3°f<"^ »Ott aitberer ©eite bte fiui^tbarfte Anregung ju 
X^eil. @§ ging um biefe 3^'^ ein ftifc^ei ©tiom geiftigcn 
Seben« burt^ bie ©täbte beS Dberrliein». §eibelb«rg, ©tra&' 
bürg, @d)Iettftabt, greiburg, 3afel betieibeigten eine ^njo^l 
tKtVotragenber SSfännei, meiere alS Xrägei bei neuenoat^ten 
l)umaniftifd)en SRif^tung unb Sierfec^ter fitttit^er SBereblung gegen 
Sgnoranj unb ausgeartete ©(^olafttf, [oloie gegen bie innere 
^äulni^ bei Stiii^enregimentä einen luftigen j£ant)}f fährten. %n 
@citei Don JtaiferSbeig, ^cob SStmpt^ting nnb ©^aftian 99iant 
fc^Ioffen fic^ jüngere ©ele^rte, nie bei X^eologe ^olfgang 
gafariciuS Äöpftein, genannt 6a^)ito, ber Sinter 3acob ßoc^er, 
genannt $()tlomufu8. Unter i^nen unb ben im übrigen 3)eutfi^ 



1} Saflgnq, &t\<i). b. rütn. ^cä)tl tm SR.a. 6, 40». 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



I. mm Safiue' i3i*on. * 157 

loflb itetftreuten freieren Söpfcn 6ilbete fic^ eine geiftige ©enoffen« 
ft^aft, mit »ett^et bie gele^tten SJnider in ^a^iil, groben unb 
bie 9[iner6ad|S , in regem SSeife^r ftanben , nfiEtcenb ber eifrige 
Sontob Eettia auf feinen gelehrten ©treifjftgen bie ;)erfönli(^ett 
Sqielfungen pflegte unb befeftigte. 3n biefe ftreife trat ber 
Stobtfd^rd&er S^fp mit fri^er J^caft unb boQer (Sinpfängliditeitj 
intb bülb ffi^rten feine SWitgenoffen gern feinen Kamen unb 
feine Urt^fe in iliren ©diriften an. @o liefe 3acob Sodicr 
feinen @ebic^ten 1495 einen fd)on oben emäfinten SSrtef beS 
3afiu3 beibruden, in ueldiem biefer bie glflcflic^en 3<tten greift, 
bie fol^e SSerte IjerOoibiingen, unb neben Sonrab @e(tiS unb 
Sacob SBinip^eltng ben egregium et joreconsnltam et poetam 
Sebastianom Brant et dnlcissimas meas deliciiu Adam Wern- 
benim (bomolS $rofeffot ber fftt^te in ^ibelberg) aU modera- 
tores com sablimitatis cnjasqne, tum imprimis atudii hama- 
nitatis rfl^ntt. 

^e emft ed aber it)ni um bie praftifi^en 3i(Ie btS ^vma* 
iriSmuS ju t^un Uar, erfetien »it baraud, baft et im 3a^re 1496 
Dom Stoitff^reibetamt jurücftrat iinb bie Seitung ber Satcinift^en 
©(^ule in gretburg übernahm. 

, 9tac^ aSerlauf bieier Satire, mdljtenb Welcher er ftc^ aa&^ 
fi^(ieg(ii^ f|umaniftift^en Stubien gemibmet ^atte unb, Wie et 
ftibec fogt, bon ber Surisprubenj toeit entfernt getsefen mar, 
teerte er ju biefei jurfld. Qx lieg ftd| am 6. 3Iot)einber 1499 
immotriodiren , ttarb balb barauf jum Doctor Legam pro> 
moDirt unb uon feinem QeEirer unb greunb $au(uS SittabtnuS 
für eine orbent(td^ Sorlefung über ben Xite( de conditionibua 
institationam fubftituiit. 9It^t lange nadifier Übertrug tf|m 
oadt bie UniBnfität bie SBortcfungen Über 9tf|etorif unb ^oefie, 
bann bie 3nftitutiDnen, unb enblii^, auf roieber^otteä IBrängen 
ber Sürger unb ©tubenten, nadibem SittabinuS jurüdgclreten, 
im So^re 1506 bie Lectnra ordioaria Legum. 

Sieben feiner Se^rt^ätigfcit »fflr i^m 6ei feiner SRficfle^t jur 
^risprubenj eine bebeutenbe Saft prafHfdier !Berufdpf(t(^ten ju« 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



158 •' günftefl SaphtL 

-gefallen, ©eit 1502 i)atte i^n bte ©tobt iJMbucg atd tliTm 
®ert^td{(^ibei angefteUt; 1503 tvarb et Slet^tgconfulent ba 
Untwrfitöt. 3)aneben tDcnbeten [li^ Sin^eintifdie unb Xuätmhtigf 
an i^n mit anfragen; ^a^im^e ®utac^ten mugte er müeblidi 
unb fd)riftftd| ett^Uen, nwlc^e balb bon i^m tterfönltc^, balb oon 
ber t]|acultät für ^Jerfonen oKce ©tfinbe erforiteit touiben, lo 
bag feine ^eunbe tf)n mit bem O. SRuciu^ ©cöDota bergli^o, 
beffen ^ßt unb Sor^alle naä) (liceco'd Si^t)Iung Don 3iatt|: 
fui^nben belagert rooren. (Sä toflrben und bie ©drilbenmgen 
feinet Z^ätigkit als Sie^tSconfuIent überttteben erfi^tincn, u>rtm 
nt^t feine Sitefe baju ben (Kommentar unb bie S^Qe bei fion 
i^m flinterlaffenen ßonfilien bie SBeftätigung lieferten. 

3tDaT niarb t^m baä Smt beti @erid|tdfc^tetberS buit^ bai 
Stecht, fic^ in ben gelDö^nli^en @i^ungen MTtteten ju laffen, 
erlett^tert ; allein in allen toid^ttgeten ©ai^en trotte er bem 91at^ 
unb ben SVii^tem ju btenen unb übeibie« noc^ bie 93ei))flt(^> 
tung, eine Sammlung ber (Srfenntniffe bc$ Stabtgerti^tä attjU' 
legen; enbltc^ unb tiometimltc^ aber eine UmaiAeitnng bei 
^eibuiger ©tabtiet^tS unter S3eiüdfi(^ttgung bei latferfidieii 
gefi^riebenen Stetste boräune^meB. SiS jum 3a^re 1511 f^eint 
3aftu8 in fetnei amtlichen @tellung juc ©tobt geblieben ju 
fein; bie SRefoimation beä ©tabtrei^tä toaib erft nac^ ja^ielanger 
Arbeit boUenbet unb trat mit bem SReujo^rätoge 1520 in Äroft'). 
Slugerbem arbeitete et fOr bie SPIarlgraffi^aft 3aben bog 1511 
publicirtc ©efegbuc^^ auS unb Mifagte füi meutere abelige ^öufer 
^auSgefe^. 

©0 finben mir Qa.im& mitten in bie boQe SÜ^ättgfett eint^ 
Suriften f)ineingeftellt, in ^^orte unb ^rofiö unb in ber @efe^ 
gebung feine ^äfte bertnenbenb, jugleic^ aber erffiSt bon bem 
©eifte be« ^umaniemud unb balb ergriffen Don ben erften 

1) Weuw* ©lattr«^lEn unb Statuttn b« loWii^en ©tott gr^totg im 
Sdilflom fleleflfn. 1.^20. fol. »ofel, 

3) Jtct SBorigrafft^ft Boben fiotutoi unb Orbnungen in ItHomeittat 
ISibfeacn unb Soimunbfäwftni. b. L et a. fol. 



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1. Ulrii^ SariuS' Otbtn. 159 

äteguttgen ber Stcfotmatton auf Hrc^ßi^nt ®tikt. Slä im 
^eieft bei 3a^ 1Ö13 @ [ 9 m u S bon @nglanb na^ iBafel ge= 
fommat toar, trat 3Qfutd mit i^m in lebtiafte Segie^ungen, tDelt^ 
buii^ feinen jungen @cE|ftIei unb ^auSgenoffen SBonifatiuS 
"imetbad) auiS Safel, her bamals in greidutg ftubirte, einfle= 
feitet tDurben. (SraSmue tparb ber aJtittelpuntt b&S Sieite^S bet 
^umantften, unter benen noi^ nü^t Don jenen Spaltungen unb 
^egenfSgen bie 9tebe toac, »etdie fic^ nac^^er t^eilS bitbeten, 
tiftdi nur offenbarten, aU bie ffiin^reformation ju einet emften 
i^age beS piaftif^ Sebenä mutbe. Sßoc^ erfannten fid^ (Sxaima^ 
unb ^utten, ÜBeatuS Si^enonuS unb ^tmvtielins, baju bie ^eo< 
logen Decolampab, ©apito unb S8äc mit ben Suriften IBcaitt, 
3afiuä unb bem jungen SlaubiuS Santiuncuta, fowie ben gelehrten 
©rudern, unter benen ^nS Slmetba^ (t 1514) unb feine ©Ö^ne 
nebft l^oben obenan ftanben — URfinner, bie ftd^ enttoebei 
ftönbtg ober oorfibergettenb unb lüet^felnb in iSafet unb ben 
oberr^einifdfen ©tobten aufhielten, als arbeitet an einem unb 
bemfelbeti gtoften SBerle geiftigec Befreiung bereittoitlig an. Unb 
tvie n>of)Ibetannt bie ©tnneSart bH 3<ifiu^ unb feinet Umgebung 
in 2)cutfd)Ianb liKir, jeigen und bie epietolae obscuroram virorum, 
in benen fid^ ber SRagiftet ©t^Iautaff (Carmen rhythmicale) übet 
bie f^tec^te üufna^me beffagt, bie er ju ^eiburg in bem $aufe 
beS betül)mten Suriften gefunben ^be. 

91od) e^e Qa^iui afö ©(^ttflfteller ju mirten begann, mar 
fein Stame in tueiten Reifen befannt, unb felbft von Italien ^et 
ftogte bet gele^tte S>ruder ^VoaS bei feinem SoQegett groben 
in Safet an, toai eä benn mit ber ^uridpruben) beS SafiuS» 
von ber et gehört, auf fid^ ^be'). ©eine ©i^ület naten eS, 
bie feinen Stu^m berbteiteten ; in ber unmittelbar perfBnli^en 
fötttfamleit lag feine grCgteAraft. Sragmuä n)ar entjücft Don 
ber fprubetnben ^^f^e feineä @eifteä unb ber Serebfamliit, bei 
@d|5n^t feines äluäbrudä. ©ein ©^ülei ^it^arb, bet itin 

1) Pavia Febr. 1617. ^anbF^riftli^ in bei Saflet »neftaininlung 
G. a 33. €tlti|Ffns, U.SartuS ®. SIS. 

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160 SünficS ib))jl<t 

erft ol8 einen faft TOiäl^rigen ©teis Icnnen lernte, rft^mt no^ 
bte Stifc^ unt* Snetgie feinet SSortiog»^). „StlleS lebte, rata 
er fprac^, unb td| ^abe in Sleutft^Ianb unt> Stoticn Feinen ^O' 
feffor gehört, bcr i^n an ^eienbigleit bet 9lebe iibertroffen ttätte." 
^ber biefe Seb^aftig!eit unb ^ei^it in bei le^enben 9tebe braute 
es mit fic^, bag er ft(^ nic^t feiten n}eit(Öu^gei erging aii nötiiig 
unb 9[u«biä(ie 6raud|te, bie juar bejelc^nenb unb tref enb nxiren, 
aber bie Sfeganj Uenniffen liegen. Xiat^r jetgen betm auc^ bie 
naii) (einem 3:obe herausgegebenen Secturen einen ganj anbern 
©ttl unb S^orafter afö bie non i^m felbft jum Srud be= 
arbeiteten Schriften : unb bei S^rt^eilung jener barf man nt^t 
oergejfen, bog fte auf bie unmittelbare !G!ir(ung ber miinblic^ 
lebenbigen 91ebe auf ©t^filer berechnet finti. 

@erabe bie t^ei^t, baS äRut^ige unb t^ifc^e in Boffi^' 
^erfbnlic^feit , bie einfach 91at(irlic^{eit feines Urt^eilS madite 
fein unmittelbares SBirfen fo erfolgreich- "Siaya tarn eine ticbenä: 
nürbige ^eiterfeit, bie ®abe frö^li^ mit ber ^ugenb ju ber- 
lehren, tootilffioHenbeS @tnge^en in tt)re iSebürfniffe unb freunb< 
lii^e ^ereitniUigfeit ju jeber ^ülfe. Unb toie auf bie Sugenb, 
fo Wirite er ont^ auf einen tawitcn 5reunbeSfcel8 : ein reine«, 
neiblofeS @emflt^, jur lobenben tCnertennung jebeS fremben SSer^ 
btenfteS nnSig bereit ; aber auc^ feft unb tiartnStfig tn 33ertretung 
ber eigenen SHeinungen, Üjßiberfpru^ unb 3;abel fc^toer ertragenb ; 
fein ^eroifi^er S^arafter, aber bon berber 9te(^tfd|affen^eif, unb 
ein treues, reblic^eä ^erj. ©einen ^fli^ten fic^ gu op^tm 
gmotint,. fe^^te er, roenn audi Don ©(^tofidie unb ^rfinSidileit 
gebeugt, feine erfolgreiche Si^ätigWt als ßclirer bis in fein ^o^eS 
ällter fort. (£r ftarb am 24. Stotiember 1535, btenmbftebeniig 
Sa^re alt. 

2. 3'>rtu^ ift Surift unb ^umanift jugleit^, unb fein Urteil 
über ben 3uf^ti^ ^^ SuriS^mibenj lautet nii^t er^blic^ anberS 

1) FicharduB, Vita Zasii. Ocfter gtbrudH tn Ficbardi vitae 
receatjonim Ictor. gimft Basil. b. a. (1&3T] 8°, guttat iiiattx G. PaDuroli 
de cbriB leg. iaterpret libri qoat. ed. Hoffmano Lips. 1721 p. 429s. 

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2. U. SartuB' Urteil übet bie ^tifi^nbe Suriäptubetii. 161 

olä bie ahm mitget^eiften fetnft ^umantftifi^en ^eunbe. „^ie 
itoedmägig, ja mie not^tDcnbig", fagt er in fetnei erften bebeutenben 
©dlrift'), „roäie eS, in je^ifler 3"* b« enbtofen Sornmaitate ju 
M<|netbea, toelc^e, tote jeber SSerftdnbige leicht eifennt, me^r 
ginfteniiß al8 Std^t enthalten. 5)enn mit einem SSuft uon 
Stnitfrogen übeiloben, jeigen fte nur gele^iten $runf, ftatt 
ua^re SSiffenfc^aft ju bieten. 'Zwc^ i^re niitfte SDIaffe toeiben 
bie Äniffe bet ÄbBocaten genäf)rt, unb inbem jebn ©t^rifftenet 
uuä feinem j&)t)fe neue Einfälle tiinjut^ut, bietet et ben Hbno' 
caten bie §anb^abe, um baS Stecht ju uecbte^en. !t)ie(e 81abutiften 
Dergiften bie ©crit^te, fpotten ber 3ii(t)tet, ftaren bie 9hi^. 
fudien ben Staat ju tenotiren unb fmb @i)ttetn unb 3)Ien)c|en 
Dei^ofet." „Son ber Suriäiirubcnj", fagt er an anbeter ©tefle"), 
.toie fie t>on SBartotuS, 99albud unb beinen !ßapienfem geleftrt 
nnib, ^olte ic^ loenig. S^enn tpenn bu babon bie Snt^ümer 
abjie^t, \o bleibt nit^t tpiel übrig, ^e ^Barbarei t|at nie eine 
S^Cngfiflanse baS reine 9ie(^t überuHi^fen unb jbiar fo fe^c, 
bag fte bie tiefften SBurgeln ^neingetrieben ^at. — Sßenn bte 
3imften nu^t immer fo blinbling» ben Autoritäten ber ©loffe 
unb bed Sartoluä anget)angen [|ätten, fo toärbe ber ©inn beS 
9t(d|td jegt ttarer unb reiner Vorliegen unb bie äßel^rga^t jener 
loilienDfirtigen . mit ^tf)ümem boQge))fro))ften Sommcntarien 
Qfirbe berfdininben. @[f|te unb molire 3ntert)reten finb nur 
btejenigen, tnel^e ficE) bor allem bemüfien, bie DueQen felbft ju 
erOfiien, bon ber Sloffe unb ben ^ommentarien ober nii^t me^r 
vortragen, ali walir unb brout^bar tft, fo bag ba& ÜBerftäubnig 
mi^t bun^ ben SBirbelminb ber gelegen SReinungrn beitnorren 
Wirb." — „®ic [ogcnonnte commanis opinio doctonun ijt »un 
k^ )b)eifeU|aftem Bert^. ©ie beruht oft nur barauf, bag bie 
@el^rten fic^ gcbiö^t ^ben einanber bitnbltngs ju folgen. 



1) Zuii iDcubrationea. Basil. 1518. fol. p. 12. %gL fmiei ebmbofdbft 
p. 14, 67. 68. 69. 

2) Za>ü Epistolu ed. Riegger p. 62. 320. Hc^nlü^ tUufecningeR 
p, 59. 60. 64. 

etiiflig, gkt4. i. QnUtTvbtm, I. U 



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162 fünftes Safiüel. 

ftatt {et6ft ju prüfen. SSenn fi<^ bit commanis opiiüo auf bit 
CueUen grünbet, fo ^at fie e6en beiSloegen ^ülttgfett, iDcil fie 
tt(f)tig tft; toznn fie aber mit bett OueUen ftreitet, fo fya fie 
gat feine ^Tutofttät unb man batf fid^ t^i ni^t untetwetfen. 
fonbetn muti fie meiben, loie ber ©c^iffer bie ©onbbänte." 

©icfen Sefenntniffen entfprei^enb ertlört er bei ^ubtication 
feiner Litellectus siogulares (1526) alS lißoitport: „ConteBtatum 
ante ornnia, ex Bolis me textibus jnris varÜBque et fimdatis 
ratiooibuB, quae vel lege, vel natura firmantur, pendeie 
eisque ntti et haerere Teile." %ui^ vergleii^t er fic^ in feinem 
@tre6en mit £ut()er unb meint: toie man Don biefem fage, bog 
er bie ©t^olaftilcr jerrieben tiabe, fo werbe er eine SKoiflt 
aOgemein Deibreitete SReinungen ymäben'). 

3e geringer Qa\xüi im SKgemetnen Don ben mit i^m lebentKn 
Suriften Stalieng unb groitfreii^ä bai^te, mit befto gcßfeerer Sfr 
upunbeiung erfüllten il|n bie Seiftungen beS SlnbreaS ^llciatui 
ber im 3at|te 151S ali fßrofeffor ju 9(nignon feine Paradoxa 
tferauggegeben ^atte. 3cfi>'^ empfing ein (S^emplar mit einem 
iSricfe be& SBerfaffer« unb meint fi^on nad| bem erften Sefen: 
ei fel}e, bag SUciat ganj aus bem ©eifte ber ^uri^prubenj bei 
Sltert^umä tieruorgegangen fei unb bag er, toenn irgenb Sinei, 
baä Siniltei^t erleuchten roerbe*). Sr ^offt (in feinen Intellectus), 
bag efi im 99unbe mit Sllciat gelingen roerbe, bie md^tigetm 
©teilen bed Corpus juris fo richtig ju erSären, toie eS feit 
fed|S 3al^(|unberten nic^t geft^efien. @etnerfeitS ertamite au^ 
^Iciat in 3ofui^ bd^ vecioanbte @tie6en, ben gleü^en iiriffen< 
fd|aftlid|en ©tanbpunft; unb wenn aui^ feine ätnerfennung mii 
jurüd^oltenb mar, fo blieb er boc^ gern mit bem beutft^en 
@ele(|rten in brieflii^em StuStaufd)*). 

Qtlftt 3a^re Dor bem @rfi^nen ber erften bebeutenberen 
©dirift beS 3afiue ^atte ber gekörte $E)iIo(oge iBubäuS in ^oriS 



1) Epiat. p. 64. 

2) EpiBt. p. 12. 13. 

3) ©ttnpina, U. SaftuÄ ©. 211. 290. Gudii Epiat p. 76. 16. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. U. ^oriu«' Urt^l über bie ^mfc^enbe Suiiäprabmj. 163 

feine AnnotatioDes in Pandectas 1508 [|eraudgege6en unb 
barm gejetgt, mit toetc^em dt^oi^t bie antiquait{(^en unb fpiac^< 
Iii%n ftwmtniffe für bit Snterpretotion ber iurifti(i^en DueKen 
Oenoenbet necben fönnlen'). @o ftanben nun neben einanber 
ber granjofe, ber SUcutfd^e unb ber Stoliener: unb man tft ge« 
WoI|nt, fie jujominen a(8 bie SHeformatoren ber 9tec§tSttitffen|^aft 
ja nennen. 

Sßtr bürfen unS tnbeg bie 9{eform, neld^e burc^ Qa^ui 
ongebofint teurbe, nii^t als eine burc^gteifenbe Umtnäljung unb 
frine eigenen fieiftungen als frei unb gereinigt non ben @d|laden 
ber ©t^oIaftH uorfteHen. 2)fl8 Sluffelien, nieh^eS feine aBirffants 
fett ttlä ße^ter unb ©c^riftfteÜcr erregte, ttitb un8 nur begteiflit^ 
bnr^ ben 3<if^i'^' ^ toelt^em er bie ^uriStmibenj Dorfanb. 
2)ie Xtiat, toel^e ben Änbrm^ einer neuen 3eit bejeii^net unb 
3afniS nrit ben Seformotoren berbinbet, tft biefe, bafe er fi(^ 
Wlfa unb Qar Don ber ^eirfc^aft ber Slutoiitäten loäfagte, ber 
Xrabttton fe(bet ben Jtrieg anEünbigte, ju ben OueKen felbft 
jurüdle^cfe unb ftd^ gouj unb auSfc^Iiegtic^ auf baS eigene 
Urttieil unb bte eigene JDiieI[enfcirf(^ung berlieg. Suqlci^ aber 
Hwr er neben Mlciat unb SBubäuS ber Srfte, bet für bie Sfegefe 
bie ffitge&iiiffe onttC|Uorifi!t)cr ©tubien ju »em>ertl}en »erftanb, ber 
buri^ bie Xl^at ^gte, treibe 3)ort^eiIe baiauS für ein reineS 
Stecftfinbnil bet Stet^tSqueQen ju gießen feien, unb fo bie @cf|eibes 
iminb nid>errt§, toüä^t bisher ben ^untaniSmuS tm ber 3uirig= 
paÜKo^ getrennt ^attc. Snbtic^ aber ift er ber erfte ^eutfi^e, 
bet ti »Mfltc, auf feine eigene ftroft t>erhaMenb, fi(^ bem übets 
lieferten %n{e^ ber Italiener unb ^attiofen gegenüber anb, 
b)D eS if|tn red|t fixten, entgegat ju fteQen. Xud gab ben eigenen 
Sonböbuten 3Hutt| unb ©dbftbertraucn, ben gremben aber SCnftoft. 
Subönd tonnte eS nii^t nnterlaffen , ftd^ über beS SiiftuS 
StSifrä^ JU befc^Weren. ^nä) SHctat meinte bon i^m „vir 
mihi doctas videtor, sed qui tarnen nimis eibi tribuat". 

1) Ucbei fftn Sn^biifi ju Qafmi f. iStin^ing, U. 3armB 
e. 196— 20L 

11* 

D,q,i,i.:db,.Goo<ili 



164 grünfM Stafitd. 

8. ai8 ©^riftftdler ift 3aruiä ni^t fe^r ftui^tfear qod^oi, 
Srft ffiät, in feinem 57. Satire ^at ei mtt feiner Itteianf^n 
Si^ätigleit im römifi^m Stecht begonnen; feine ^eit loai bitri^ 
SSoriefungen unb inralttfcfie Arbeiten in Hnfprui^ gcnonnnen, 
aud| pflegte er fi^ fdilser jur ^blicattoit ju entf(|[iegen unb 
lange ju feilen. SMe größere 2l?affe feiner 28erte ift na(^ feinem 
Xobe herausgegeben unb befte^t Qit8 nadigefi^riebenen ßoflegien' 
£)eften unb Sonftlien '). 

'S>ie erfte <Sd|tift, Welche feine reformatorifdie 9lid|tu]ig be= 
tunbete, mann bie Lncabrationes, meti^ 1518 erfi^ienen, bann 
1526 unb 1532 mit ben InteUectus juris singnlares unebtr 
abgebrudt ftnb. ^ berfelben ftnbet fid| äuget ben Aatinomiarum 
dissolutiones unb ber Sjegefe einiger ff^ioieriger ^onbdtenffeKfn 
ein Q^ommentar jui 1. 2 D. d. Origine juris. Sie ©loffatoren 
Rotten btefeä merttoftrbige tlrragment Don beä $i>mponiu8 Enchi- 
ridioQ de Origiae juris nur fel|i bfltftig be^bett; SSaitotuS 
unb anbere groge 3ittert)reten maren ganj mit ©tiUf^ltieigtn 
barüber ttinioeggegangen. 99ubäu8 ^atte ei in feinen Slnnotationeit 
nur t[)eilmeife unb me^r bom fprac^Iidien ©efi^tg^juntte cmi 
erörtert. <So mar eS benn für beS ^''ru'^ äilidituug BejeiiEineRi), 
bag er \ii) geiabe biefeS ®ebiet ertoä^Ite unb fi(^ bei feiner 
(Efegefe jur Stufgobe fteüte, „bas ®efd^ic^rti^e ü&et bie ®reignifft, 
foicie Qbei bie aHagiftrate unb ©i^riftfteQer bacjufegen unb p' 
glei^, mo fic^ ©elegen^t biete, 91ed|tsma^T^ten ju legten", 
©n reic^^atttgeä SBaterial fte^t i^ babei ju ®ebofc, ba8 er fiill 
mit feltener iBelefeit^eit aus ja^Iieit^en Tutoren beS ctafftfi^ 
9ntertt|um9 jufammengetragen ^ai ^ bebient ftd| beSfelben mit 
©efd^id unb Derftänbigem 9Wag, balb jur totiteren Studfüi^nins 
bei 9la^ri^ten beS ^ompontug, balb ju i^ier Seftätigmig, 

1) Zaaii Opera omnia. LngdaD. apDd SeQ]iet<»iioB traina. 1548. 
fol. — LngdiiD. spud Seb. Gryphitun. 15Ö0. I65L fol. 6 vol. — Fraacot 
ad Moenum. 1590. 1595. foL 6 vol. ©(jcdcOf Hngabcn üb« fdiw rinjcüioi 
Si^riftat |int>m |tc^ bä Biegger, Zaaii Epistola«. Tita p. IH— 189 
etinjing, U. aofoi« @- 112—157. 347—353. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. S^arartcrtfht ia 6c^rif(tn U. Qa^vai'. 165 

baS> oBet aiui^ jur ^egrünbunQ !ntt(^er Unterfuc^imgen unb 
Sonjecfuien, loeldie meCirfac^ fo glüdlii^ aufgefallen finb, bog 
fie no^ tieute fflt rid^tig gelten unb anerfonnt finb — nobei 
frei(i(^ metfienä wrgeffen ift, bafe ^''r"'* ^^ ®^*e gettiefen, 
bei fie QufgefteHt i)at. 

3n bni Aatinomiarum diesolutiones unb ben latellectus 
legt er eine ©ammlung Don S^tetpietattonen l^roiettget Stellen 
unb SSerfui^, bui^ Slet^tdfiagen ju Ibfen, Ddc. fS:i finb 
lutje ejcgettf(§e unb bogmatitt^e ab^anbtungen, ben D6(etöatii)nen 
bei fpätecen 3^(1 wtgleit^bai. 3t|i Sßett^ liegt in bei @elti= 
ftänbigleit, mit tneld^ei 3<if'u$ ^iei ju 3Seife ge^t unb in ba$ 
©ecftänbnife bei Ooetlcn unmittelbat, o^ne [i^ butd) ttobitioneHe 
Snt^fintet Ueminen ju laffen, einbringt. 

ÜDie Antinomianim diasolationes ftnb gegen bie Angriffe 
beö SourentiuS SBaKa unb jum ^^leil gegen SubÖnd geriditet 
äarms (u[§t nflt^jurtiei(en, bafe bie IBortofitfe, »eli^e ben dafft= 
f[^en Suriften bon ben ^^ilologen gemacht mürben, äum grogen 
'S)äi unbegrünbet jeien unb bag bun^ itc^tige HuSlegung bie 
f^tinbaien Ungercimt^etten unb ^tber[;)did|e befettigt Oerben 
(ömiten. ©eine erflärung bei 1. 19 § 1 unb L 44 D. d. cond. 
in deb. 12, 6, ml^t Quc^ ^tjutage noi^ alS lid^ttg gilt, 
%ab 9n[ag ju einem ^ftigen i^berlrieg, tnbem ^iu$ ©teUa, 
$to^or ju Orleans, gegen biefelbe auftrat. Qa^ta^ bert^eibigte 
ftt oufg neue in ber 2. Ausgabe ber Antdnomiaram disso- 
Intionee ^ter ben IntellectoB Btngularee bon 1526, moraiif 
1528 ju ^atiiB eine @d|rtft erf^ien, weld^e bie Auslegung betS 
Stella, bie Stntttioct beä 3'^it^ "k^ ^^ „Stpotogie" ©teHa'S 
entiiiett. Gnbli^l gab Qa^\a& 1530 eine defeoBio novisBima 
contra Petmm Stellam ^eraue. 

€3 i[t bieS bidßeti^t bei erfte ^Q einer berartigen ^olenrif 
unter ben 3uriften bcrfr^iebener Cdnbcr, unb er bejcidinct bie neue 
Betoegung, Hielte in ber ffiJiffenft^aft begonnen ^at, sugteit^ aber 
aiv^ ben Stnftog, toeld^en bas äluftreten beä 3aftuS, ber ftc^ bor 
leiner KutoritÖt beugte unb eben befitoegen jum S8iberf))rui^ leigte, 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



166 i>&nfte« fiofittd. 

gegeben dat. SSigliuS bon ^uit^etn, ber um biefe 3"* ™ ^lanU 
m<i) ftubitte, erjä^It, roelc^a Stuffe^n bort bec ©tteit ber beiben 
@ele^rten untet ben ©lubenten erregt tiabe, ba^ btefe fü^ in 
jntei ^fltteien gefpnlten ^tten, inbem bie Sronjofen ouf ©tetla'S, 
bie Sieutfi^eit auf ä^f'"*' ®fite getreten feien, ©r felbft oct' 
fagte eine 9[b(|anbtung , um beä Settern Slnfic^t treiter ju be> 
grünben'). @te^t man bie J^ampfart an, fo ftnbet man pm 
bie unoermeibltdle (jerfönlicfie Änimofttät in beriet ®eftalt; aEfin 
bad ^aäßHit ift boc| toeit übeimtegenb unb geigt auf Qafxai' 
@eite eine äfletEiDbe ber Slrgumentatton, toelt^ Don ben tMfeln 
ber f(^0laftifc^en formen fic^ ganj befreit I|at. 

3n ben lotellectue singnlatea, hKlc^e juerft 1526 erfi^ientn, 
finbet fi^ eine bemerfensmerttie (Srflcterung bed im ^liuatteditt 
fo mit^tigen unb bielbeutigen 93egrifF$ genue, bie jtoor, fotwtt 
fte bad ti^iIo|o))^if(^e ©ebiet berührt, bon ber fd|o!aftif(l)en 
Ambition geffiibt ift, aber boc^ jugleidi ein tüd^tigeö iSeftreben, 
bie Sffüterie freier, tiefet unb f^fteraatifcfiet ju erfaffen unb ber 
Terminologie ber CueHen nacdi^fit^t"' behinbet. $ier ift nun oucti 
ber Urfprung bed ber fpätern ^^tom unb $ra^ unentbe^riiiti 
fleWocbenen 2!etminu* „res fiingibilea", ben Sf^fi"* »^tä „novum 
nostrum Tocabulom" in bie äSiffenfi^aft einfüf)tt. ^e 3ki:= 
anlaffung ju biefer grfinbuttg mar bie ©eoboc^tung , bafe ber 
9(u$bru(t „quantitaa" fic^ nur für ba% @cüi eigne, tneil nur 
burt^ biefe^ ber äSert^ ber ®ad|en bemeffen nurbe unb ba^ 
uur bie« jeige «omnis res quaata Bit" ; für bie übrigen ©Olijen, 
me(^e »fanctionem recipiuot in suo gODere", bebfitfe e9 folgüi^ 
eineä anbetn geneteDen XerminuS unb ba.^ex: rectius „res fungi- 
biles" noTO oostro vocabulo nominari possunt, qaod es 
communicabili natura functiooem in mutno et aliquando in 
aliis dispositiombuB communicatiODem recipiant. S)er 9lame 
erdätt lii) auS ber ft^on feit ber ®loffe üblichen HuSlegunfl 
beS SSortd fuQCtio aU .functio yicaria, promiscniu usus*, 

1) H. V. Papendrecht, Analecta belgica T. II P. 1 p. W— IW 
Zasii EpiBt, ed. Riegger p. 899. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. U. 3arme' Siülliina jnm beut[c^ Mw^L 167 

b. t|. SteQbertretung ; unb ba^c ift benn bte mobeme Ue&er= 
fertig jenes Qa^xu&'\iim Sermimiä burc^ „oertretboi" B*"ä 
jutteffeiüi. 

3afiud ^ot au(^ bte toi^ttge ^one Don bet culpa (la- 
tellect. singnl. cap. 2) etnei 9{eDifton unteitDorfen , ft(^ mit 
Ülo^brud gegen bie Bon SSartoIuö aufgebrachte Untertreibung 
uon fünf ©rotten erftärt lutb nadigelDtefen, bag nur jttiei @rabe, 
l&ta nnb levis, Don ben SRömem felbft angenommen »ourben. 
Sil finben olfo kt tl|m f(^on bie Anfänge unb ©runblagen bei 
richtigen X^oxie, lDel<^e ff)äter iDoneQud n»iter entuiifell ^at. 

3n bei feit bei ©loffc ftrcitigen grage öBcc bie Xl^eilung 
bet gefefelic^en Erbfolge unter ©efi^iDifterfinbem trat Q<^xah ber 
Don 9)artoItiS be^errfditen communis opioio entgegen unb t>ei= 
fo^t bie STnftc^t beS 3(jo, bag bie X^eilung nat^ ^pitn ju 
gefi^ften ^obe*)- Sun^ i^n tcarb biefe SBeftinuming in ba8 
iJreiburgei ©tabtrc^lt (S^ractat 3 Xit. 6) aufgenommen unb fanb 
fo aCgemetne Stncrfennung, bafe fie burc^ bie Sonftitution ffiorrs V. 
Dom 3a^re 1529, auf @mnb be8 SReit^äabfcfiiebS Don 1529 
§ 31, jur xeit^Sret^tli^ binbenbcn SUorm erhoben loerben lonnte. 
änfiuS felbft eräft^It mit ©efriebigung , baft fein ©d|ütet Dr. 
^iecon. ^e^uä, bamalS Sanj(er beä fmarCgrafen Don @aben, 
bei ber Raffung jene« Befc^IuffeS bet^eiligt geffiefen fei. 

4. Ueber feine Stellung jum beutfc^en Steigt ^at 
3<ifiu3 ftd^ niematS ptinci^^iell auSgefproci^en. @i fo wenig mie 
feine ^eitflenoffen ^oben eä berfudit, eine Xlfeorie au^ufteHen, 
um hmad) bie ©ettungSgebiete ber fremben unb ber einf)eimifc^en 
Stetste ju fifietben. 3Ran befanb fid| mitten in ber gefd)ic^tli[f)en 
Semegung ber ditzepüon, o^ne fie im (Hangen überfeinen, it)r 
3iel unb SWof; Dorft^reiben ju Ißnnen. Sßon bem ©nmbfage 
oudgetienb, ba§ baS 3uftiniantfd|e 9fet^t baä o^ne ^iDcifel gültige 
jua commane fei, lam man ju ber Folgerung, ia% aäeS anbete 



1) Intellectna jnria WDgul. 1526, p. 70 s. Usus feodorum 1535. 
9 cap. 8. Singular, responsor. lib. 1 cap. 7. 



db,GoogIc 



168 Sinifteä fiiUjiW. 

Slet^t im Steifte jus particulore fei, bad feine @iUtigteit bni^ 
©eivo^tt^eit ober ©atfung ju f)eioei)en ^a6e. 3n tiiefem Sn= 
teceffe ftwtben bie Stegein flb« ben öewet« unb bie SorauS' 
fegungen füt bie bmbenbe ^aft ber statuta unb consaetadioes 
naä) bem SKuftcr ber Oloffatoren erörtert. SKein a(« feftft> 
öerftänbli(§ toirb ei3 banebcn belianbclt, bafe iin^t alle ©e' 
ftanbt^eite beS iaifertid^en 9Jed^t§ onroenbbar [eitn; baß e« 
notori(i^ in J)eut(i^Ianb ©itten unb BuftÖnbe gebe, Welt^ mit 
ben ©runbfdgen bed rümifd^en 9led^td tncommenfurabel fii^ 
ober i^m gerabeju wtbeifpiec^en; ba§ t)ier bie UnamDenbbarieit 
eines fpecieHen SeroeifeS nic^t Bebürfe. SBar bo^ au^ bie 
!atieili(^e @eloaIt niemals al3 2>eft)Dtte geba(f|t; i^r tvie i^red 
9Ie^t@ firaftifc^eS 2>ur^gretfen ^atte ftiQf^tiPeigenb anerfannte 
©c^ranfen, bie nirgenbS fonmitirt, fonbern im einjelnen güQ ju 
finben tsflren. 

^ biefem @tnne bejeii^net ed Bf^iüi^ nac^btüdlii^ olö feine 
Äufga&e, Don bem römif^en Siedete nur baiSjenigc ju £el|reii, maä 
„nitglid), tietifam unb ben bitten S)eutfd^tanb!3 entfpredfenb fei". 
@em teeift er ba^ei auf beutf^e ©aoo^nlieiten ^in unb Detföumt 
eä nic^t, bei ©rörtetung rßmtff^er Seiten bie Äbtoeic^ung ober 
Uebereinftimmung fieimift^er @runbfä^ ju bejet^nen, too fie 
if|m oon Sebeutung ju fein {d|einen. Suf mandie Snftitute be€ 
beutf(^en Slet^tä (j. 8. ©ßrigteit, MeoKaften, erböerträge) ge^t 
er tiefer ein, um fie juriftift!^ ju anal^fiten : aßet freifi^ gefi^idl' 
es bom ©tanbpunite romift^er Suriäpntbeit; unb mit ^filfe t^cei 
iBegiiffc. iDte gä^igfeit, jene in i^rem eigent^ümlic^en SBefen ju 
erfaffen unb »on biefem ouä toiffcnfdiaftlid) ju conftruiten, 
börfcn wir bei einem SSuriften biefer Qdt nit^t fud^en: ift fie 
bo^ ber beutf^n 9led^tiSroiffenf(^aft erft af« fpSte 3frud|t 
ber neueren 3fi'£" gereift. @ine anbere 3>d^nif, ein anbereä 
äßag ber Segriffe giebt eS für i[)n ntc^t, als bie im ©tubium 
beS römtfd^cn SRed^tä erworbenen: bie Stnalogien mit biefem 
fut^t er auf, um bie beutfi^en ^nftitute ju ftügen unb einen 
©oben für i^te juriftift^e SSe^anblung ju gewinnen. 3)aft bobti 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. U. 3afiuS' @teaung jum beutfi^ 3it0t. 169 

bem beutf^en Sö^t fcin tiefere* SBerftänbni& obgetnonnen Wirb 
unb i^m fein VoUeS @knüge gefi^te^t, begreift ftd| feiert. Stßein 
anbcerfeitS ift 3cfi°^ ti"' ^c" iBebärfniffen beis ßeben* ju 
ioof)l Dertraut unb ein ju wamter unb aufrichtiger ^eunb feines 
SBollS, um in borne^mer Ueber^ebung eines gelehrten Si^eoretilerS 
bem boSSt^ilnifit^en Siechte toiffentttc^ snibm(| ju t()un. 

SJicfe ©efinnung unb Slit^tung ^at ä^fi"* ""^ ™ ^"^ 
?l«irbeitung bes greiburger ©tobtret^ts, bei ber er oon bem 
@tabtfcf|rei&er Sotiann ürmbruftei unb feinem ge(ef|tten ^reunbe 
ambroftuS Jtempf unterftüt^t Würbe, bewährt. S)ieS in Iang= 
jöbrigen arbeilen gereifte SBerl') „ä^igt überall eine grofee Sier* 
trautet mit bemi)rQftif(§en ßeben"; eS ift barin „ba8 beutf(^e 
ä^Iet^t auf gefunbe unb jiDedmfilige SSeife mit bem rßmifd|en 
Verarbeitet, otine ba^ bem Ie|teren ein ungemeffener SJorjug 
eingeräumt toäce". 

SRe^r romonirirenb unb mentget fi^onenb ift Qa^i bei 
Ausarbeitung beS ßanbre^tS fßr bie 3HarIgroffc^aft öaben 
(1511) öerfa^. S)iefe ©tatuten, mctd^e tom ®rbre^t, e^elid^en 
@iiterre(i^t, ©ntinbfd^aft unb ißormunbfi^aft ^anbeln, „jeigen 
iUvroII bte Steigung, fic^ fo eng als mögli^ an bas gemeine SJeiJ^t 
anjuf^Uegen, fo bog fie ja ben am meiften romaniftrenben Duellen 
biefer ^ctiobe gehören" ■)• ®a6 Q^er 3apuS ^ier buri^ geteertes 
SSoiurt^eil unb innere 96netgung gegen baS beutf(f)e älei^t geleitet 
fei. möditen tuir noi^ feinem ganjen Sßefen ni^t jugeben. ^el^ 
m^r f^nt mä) bem ^ßublicationStiQtent bie bunte SSenuiming 
ber ft^anlenben ^a^S in ben ®eri<^ten ber äKarfgcaffcfiaft 
eine burc^rei^nbe 9iefonn unb t^ftfteQung ein^eitlit^er @runb: 
f£^ )um iBebfirfni^ gemalt ju ^aben, bie bann nlit größerer 
Sttlter^eit bem gemeinen fSet^te als (jorttcularen ©ewo^nfieiten 
ju entnelimen maren: unb eben ba^er finb „nur ba, »o @t' 
tDo^n^en unb 9le(^tSanfti^ten feft im SSolfe tourjetn, bem 

1) @tin^ing, U. 3arni« @- 45. 157 ff. »luntFc^lt, Sritifi^ 
Ucbnf^au 6, 61 ff. Btobbt 2, 306 ff. 

2) Sto6bt % S90ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



170 Sünfteä SapM. 

beutft^en Siedete @oncefftonen gemacht" — bei fdiipanlenben @f 
too^n^eiten nid|t 

3. ©egen mant^e 3^tfti^mungeit f|at 3ctftuS fi*^ able^nenb 
»erhalten, ©o beteittoiflig er m (einen ®d|o(icn bas Setbintft 
beS Sn. (^auiuiS aneifennt, bag er „quod ad omnes dves 
pertioebat, omnibus exposuit", fo tuenig 99U(igung ftnbet bei 
t^m biepopnIfiteSttetatur (einer ^ttt- SHi^t nur ^(nna* 
SKumcr'«') Xteiben entlüftet if|it, (onbem allgtmetn ertlört et: 
„Sliejenigen öerbienten Sflt^tiflMffl, Voili^e jegt bie SSiffenti^aft 
bed S^iutlrec^tS, bte (ie (elbft taum bon äugen fennen gelernt 
Ilätten, in bie SD'hittcr(pracE|e unb allettet ©pielcreten übertrugen: 
benn nid^t genug, bafi fic (eiber ööHig unroiffenb feien, raactiten 
fte audi Hnbere ju SJtarren." äßit SRei^t fief)t et in biejen 
t)Dpuläten §ülfSmitteIn niäit nur eine ®efa^r füt bie ttiffenfi^aft- 
fi(^e fBilbnng, (onbem auä) bie Slaltning unb baS ^nbtveill- 
iieug jener 9tn6uli(lcn, beten öetberbfidien ©influfe et unb feine 
Seitgcnoffen (o oft geifeeln. 3n fott^em Sinne meint er bann 
fogar: ei8 (ei rec^t gut, inenn bie ©efege ni^t aQjU plan unb 
beutlid^ tebeten, bamit nic^t jeber Sgnotant fit^ barltber l|er 
ntaci^en fönne. 

9[u^ bte beginnenbe met^obologifc^e Semegung nur 
nii^t nai^ feinem @tnn. SBte er ftc^ auäfprac^, als bie Sangen 
wegen bet are juris in bem Ärei(e (einet ©^öter unb jy^cunbe 
erörtert Würben, i(t oben (©. 142) beriditet. ©eine abletinentE 
Haltung war buidi bie iBe(orgni^ motioirt, ba% bie (^(tmatifi^e 
älic^tung eine abermalige ^bwenbung bon ben Quellen in fti) 
trage unb fo bie ©rfolge jerftören mödite, an bie er bie Ärtcit 
(eine« fiebenS gefegt ^otte. 

S^hn reformQtori(if|en ©eroegung in ber Äittf|t 
füllte (it^ Sofiuä if't tiefet ©l)mpat£)ie ^ingejogen. SBir ^Btien 



1) UeBcr bcffen iuri(tif(^c ^(^dftcn Slin^ing, @ef{^. b. fiotiul. Sitnatui 
®. 462 ff. Ucbei iein Chartiludium InBtitutioiium indfiefonbeie iSicbfi ni 
iBeitr. jur oaterl. ®cf<^i(^c (ttcrouäflegebcn oon bet ^iftonl^ ©efdlfifeifl i« 
iBafel) 10, 273 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. H. SarmS* SteHimfl ju bcit Seitfmgen. 171 

f(^on, ivie ei fein eigened ©tie&fn mit £ut^er'S erftem auftreten 
D«g(i(^: ec fall in i^m t>en ißerfed^ter bei reinen, auS ben üv 
ftnänglic^en OjieOen gef({|ö))ftm @otte$Ie^re, ber berufen fei, 
ba3 Don SraSmuS begonnene 3SerI fü^n ju VoUenben. @ein 
Hefe* tcIifliöfeS Sdiflcfnig fotüi Sßa^tung in ßut^ei'8 ©t^riften 
über bie jefin @ebote, bie @uf|e, bte @)nfte[ an bie @kilater; 
bei ^tämit^, bie fifi^n^eit feffelten i^n. „SßaS ic^ tion £ut^et 
in bte ^äabe belonnne, bas nel^me icE| auf, ole menn eS bon 
einem gngel Kme!" fdireibt er im Softre 1519. 

Snietn f^on bei iSeilouf bei Seipjtgei S)iSt>utation mad^t 
i^n bebenKic^. @r fä^It fiA gebiungen, an SulS^ felbft einen 
SSiirf ju rillten, um il|m baä ®efcit)tli£^e unb xe^üid} }Xn%\u 
Eäffige fcinn iBeftieitung ber Stutorität beS ^ßapfteS unb bei 
Soncilien tiorjutiatten, t^n jui Sßägigung ju enna^nen. $iei 
loai bei $unft, auf bem eS jui ©(Reibung !ommen mugte : unb 
je entfdilsffenei äatfjvc auf feinem Sege tiomäitä ging , befto 
weiter muibe bie iMuft, bie Qa^i Bon i^m trennte. S)ie SRe* 
formation fiatte füi i^n bie ^Bebeutung einei funbamentalen 
iße^tdfiage gewonnen, in loelc^ei feine juriftif ^e- Ueber^eugung 
it|m feine ©teKung auf ber ©eite ber feftbegrflnbeten Autorität 
beä ^pfted unb ßotfetö antoieS. 2)enn ^ier ^anbelte eg ftc^ 
nit^t me^ um Se^rmeinungen unb einzelne iSüge beä ge> 
f[^tie6enen Stec^td, fonbent um bie gunbamente beS bun^ 3a^i< 
Cltmbcite geh)eil)tai Stet^tSguftonbed iibei||aitpt, fär ben, tomn 
jene tuanften, fein §alt me^i ju finben fc^ien. 

Stbei au^ in ben SeEiren Don ben guten Sßerfen, bem freien 
äßiUen, bem Stbenbma^I ffl^lt er fid^ ben älefoimatoren fremb. 

3« tief Waren bie übcrttefcrtcn Sutoritdten ber flirc^e mit 
feinem fittlit^cn SSewufetfein tcttpai^fen , al8 bog ei jit^ bon 
i^nen ^tte loSlSfen mägm; er war fi^on jualt geworben, 
am fti^ cinei neuen ©eftoltung mit mutlitgem SJertiouen auf ibeafe 
Ärdfte anf^ße^en 5U fönnen. SJaju fomen bonn bie ©nftüffe bei 
SiaSmuS unb ber it|n umgebenben Sßer^ättniffe in ben Öfterreic^i: 
ff^en Vorlauben, bie il|n jnm SSruc^e mit bei 91efonnation biängten. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



172 SüitM StaifM. 

ÄQein jo entj^ieben unb oft erbittert er bem ^ßroteftantiSmu» 
foxtait entgegentrat, fo menig mar er mit ber Haltung, ben 
^nftänben unb 3}lagregelit ber tatEioIif^en gartet einnerftanbcn. 
„aSä^renb man Bei ©uc^", ff^retbt er 1526 an Stmerba^ in 
iBafef, „in ber ^(^erei benflcft getoorben ift, rafi man ^ier unter 
ber ^errfdioft be* 6^ri|tent^um8. S)er Äleru« ijt berberbtcr aU 
jemol«. Euren SJalinftnn mifebrau^t man l|ier gum SBfit^n." 
(Sin „^aSmijc^ S^riftent^um" ift unb bleibt jein SEbeoI; bag 
er bie Stehet begQnfttge, innerlich unb ^eimli^ ju i^nen ^atte, ift 
ber ißcrwurf, ben er in feiner Umgebung oft Bemetimen mirfe. 
Unb in feinem legten SebenSfa^re äugert er gegen Smerbadi: 
„@S tft gefö^rli(^ unter ^em gu leben, aber gefäl(rli(^ ift 
au(£| aUed, loas ^efter ^eigt. Seinen Sntft^Iug, IBofeE ni<^t 
ju tiertaffen, lobe iä) buri^auS: benn auf beiben @eiten fd)lt 
äieblic^Ceit, Xreue unb Bfein^ett. Bä und je mefyc ^efter, 
befto weniger grßmmigfeit! ^etru» blieb mitten in IBab^Ion, 
nfimlti^ dtom, unbefletft, teä^ienb Subas unter ben 31))ofteIn 
berbarb. Sßügte id| bort brüben tiiof)nen, fo toürbe id| unter 
ben ^nberägläubigen unerfc^rocfen mir treu bleiben unb mit 
©Ott Bertraut." 

Sie Tömif<^e jürd|e fiat t^m fein ffefittf^eS SBer^alten ni^t 
bei^ie^en. 9Za^ feinem Xobe tuarb fein 9tame in bad SSerjei^nig 
ber JEe^ eingetragen: unb obgleit^ ber greiburger UniWrfitfltSs 
fenat 1562 auf Sfnttag fetner ®ö:^ne in einer üffentli^en Ur< 
hinbe feine bis jum Xobe beßKi^rte Sted^tglfiubtgfeit bezeugte, 
finb b«^ feine Sffierfe auf ben Snbej gefegt worbenM) 

6. äfö erfter §erauSgeber metircrer SBerfe beÄ S^[iaS 
möge ^ier fein ©dE)üIcr Jftifolau* Srel) eine ©teDe finben. 

Sßüolaus greigiuS (gre^), ©o^n eines luolit^abenben 
Sauern*) ju Qäjalbaä) in ber oberen äf^orEgraff^aft iBaben, 



1) Riegger, Vita ZaBÜ p. 1368. 

2) S)itfrr SI^Eiomae gretj Derglii^ [i(^ mit % ÜÜ)mi<^ in €i^Ib4 
luegcn beS an |cincm Satct ^anS gi'ci) begangenen Xobtl^lage* t>oT bau 



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6. SiMou« SJreiflüiB, 173 

am 13. SprtI 1522 in ^mbntQ tnnnatiicuüit, 1525 ^cca-- 
Umaui, ^p&itt äSogifter, toaxb am 10. ^btuar 1534 Don bem 
SSartgtafen oon öoben QuS bet Seibetgmfc^aft entloffen, um 
jnm Doctor juris promoDtit toecben gu ÜInnen; fett 1535 füftrt 
et biefen %xtel, ben er mut^mofefii^ in gwi^uTg erwarb, too er 
SHotariatSgeft^Öfte betrieb. ^ofiuS cm&fjat t§n oft mit Stuäs 
jei[^nung in feinen ^Briefen an Smerbac^ ai& Sefreunbeten. 
1536 iDor er SlatI) ber Ferren tum Stopijottftetn in 9lappoItä= 
metler, im folgenben Sa^re ^rocurator unb Sboocat am ffirft^ 
Ii<^ ^ofgeric^t in SnfiS^eim, fpäter ©^nbicuS bet ©tabt ^ceiburg. 
6t ^tttte fi(f| ^ier mit Utfula Strmbrufter Ber^etratiiet, bie i^m 
1643 3o^ann ^omaS*) aU ätteften @o^n gebar. 1544 bemüt|te 
et fu^ D^ne ^otg um eine juriftifd^e ^ofeffur unb fotgte balb 
barauf einer ^Berufung na(^ Ulm alä ®^nbicuä. $iet fttirb et 
1552 an bei Saffeifut^t. 2)ie bermfiglii^e Sgittme jog mit i^ren 
jtinbent nai!^ ^^ctburg jurütf, bet^ratliete fidi jum jtneiten SQal 
unb flaib nac^ ung(üiflii^cr <S^e im Sa^re 1564 mit jUiei 3^d|tent 
an ber ^t. 

grcifliuS ^ttt ftd| literarif^ belannt gemalt burt^ §crau8= 
gäbe einiger £ktfe beS Qa^iuS nad^ beffen 2)tctaten. lo Tit. 
lost de actiou. eoarratio. Bas. 1536. fol. ; Lecturae in Tit. 
Dig. ret. Bas. 1537. fol.; Paratitla in primam pari«m. Dig. 
Bas. 1537. 1539. fol. 3u bet bon SDI^nffnget unb So. UIri(^ 
^aftai Detanftalteten Ausgabe ber Opera Zasü Lagdnn. 1550. 
fol. ^t er ben Snbej tjerfagt. 

Slie Sbition bet 3&fii'^cn SSotlefungen beteitete t^m mani^e 
Unamu^mlic^feiten, t^eilg tDctl fte mangelhaft toaren, ttietlä meil 
man tjrte^'s fBeiet^gung bejmeifelte. 3>et afabemtfd^e ©enat bon 
Sreibutcg fenbete i^ baS 3)ebtcationSe|em))Iar ber Lecturae prücf . 
iväi tuegen ber Paratitla mn|te er Angriffe erfaßten, gegen bie 
er f^ in ber 2. Ausgabe Uieltrt 'Üii et bie i^m tion 3(tfn>8 



äudmogt von 9t3tdn, $fiiteJ)Mni6tas 1503. Z)it Urfunbe finbet j 
J. Th. Frej, Practica juris p. 116. 
1) Son biefem unten So^ 11, 



D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



174 Pnftefi Äotiitd. 

beitraulu^ mttgetlieilten beutftfien 99e(^tiSgutad^ten gu DerBffntt- 
lid^en unternahm, toatb er auf ?Ittbtingcn ber 3äfit<*|en Ängf- 
l^örigen toon bet Slegtetwng in tSnftiSlieiin geätounflen, bm Tmi 
ju fiftiren. 5)icfe, fowie bie bott it|m angdegte grofee ©ommlimg 
Bon ©ef^aftäurfunben lutb ^rocefefc^riften tiat fein ©olin So^. 
Stomas fpätet ju feinet Practica juris Benugt*). 



1) Slai^ditat über i^n enthalten feine unb feinet So^neS Epistolae 
dedicatoriae, bie (Bebti^te beS Qt^texen unb beften Practica jnriB. Sgl fnnn 
Adam, Titae p. 252. Riegger, Zas. epist @^Tciber, eeidi. b. 
Unioerf. Sreiöurg 2, 220. 330, ». b. ö. 7, 843 (Stin^ing). 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



$(4|lis «fUytfct. 

Kritifdje Bearbeitung nnb (Ernjeiterung bes 

QueDenmateriafs, 



L Cinlritung. $olijioii unb Sologninue. — n. &<a^ot ^oloonber. L 6dn 
ikben. 2. 6dnc SbitionoL 3. Sebeutung berttlben. 4. Uctmfii^t ba 
Eritift^ SIrbdten big jum @c^luife bfS 16. ^a^^^unbeite , Don Slugurtinue 
biä Sot^trebuS. — HL Sie Safeler DueKen = Sbilionui. 1. Sonifaräe 
flmnboi^ 3. So^mn Sii^aibt Cod. Theodosianua , GaiuB , Paulus, 
H&ecianuB. ÄgrimenBoreB, Leges Barbarorum, ^rolb. fiinbeitbrog. 

3. »igliuS bon 3uii^. 3:VDp6tIit8. SSafilifeit. ^oaim &o»)p«:. SloBcIIen. 

4. fioniob Don ^atiiadi. 5. S)ie ^magen'f^e StuägoEt be^ Corpos juris. 
aicliit'3 Graeca. IBigltuS unb bie fratres Agnini (jum Somin). 6. IB«org 
Xmatn unb Sccitngn'e dtoKaen. 7. ^gqläuS. 8. Sttnon €^tb. 
9. SeuncEouiue : Suftattiio«. S^oopsis fiasil. 10. ^nncnD^iuIaS. Notitia 

dignitatam. 

I. ©irtleituitg. Sßolijittn unb 2. SoIogninuS. — 
S)if Suftinioittft^ SRed^tSbüi^ct tooren in Iicutf(§£onb nur in ber 
{Seftalt, tpe(d^ fie untei bm ^önben bet ©loffatomt unb t^rer 
Stm^folger angenommen Ratten, Sclannt unb tierbrcttet. Dljne 
met^obifc^e Ärittf Ratten fii^ biete ba, no t^nen bet Siejt an^ 
ftdgtg fi^ien, ju Reifen gtfuc^t, inbem [te untei ben jci^lTetc^en 
Varianten bic t^nen ri^tig f^etnenbe SeSart auätoä^Iten ober 
aaä) nacfi eigenem Snneffen erfanbcn. ©o toorb auf unfic^erer 
®TOnbIoge ein 3^ in ben §anbfdiTiften fibetliefert, bet o^ne 
{ctttf^ @t(^tung in bie getttucften VuSgaben überging. StuS 
ben ^nbrften nwten bie Snfoititionen 6t8 auf bie SRomcn bet 
Triften berf<^U)iutben; au(^ im @obe£ toaten fie nut lücfen^aft 
erholten, bie ©ubfcriiitionen foft ganj öertoren ; bie gricc^if^m 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



176 Sti^fieS iht|rittL 

@tätfe fet)Uen inSgefammt ; bie SIoueQen fanitte man nur in Ui 
©eftalt beS Autbenticum. Unb für bie gefammte äRaffe toor 
bie alte Stnttieilung bei @Ioffatoren festgehalten, wonoi^ bie 
Sßanbcften in brei telfiftänbifle ©tüde (Digertum »etas, infor- 
tiatum, novum) jetfielen, bei Sotie; nur nenn 93fl^er umfofatt, 
feine biet letzten Sßt^er mit ben ^ftttuttonen unb ben in nenn 
Sotlotionen get^etlten KotieUen ju bem Volumen parrom «t» 
einigt toaien. 

5Diit biefem mangelhaften SBefianbe begnügte ^lä) bie IKiffen= 
f^aft o^ne tiel SBebenIcn um fo Ieiif|tct, als ja bie Sebentmig 
beS ^ted ^intei bte Siteratui jurüdgetreten toar. |iatte bod| 
biefer im Sauf bei Qät eine im ©rofeen unb ©an^en fefte (Scftalt 
angenommen, neli^e als litera communis ober vulgata bmäf 
bie ^rabition {anctionirt toai. Ueber bie Unftti^er^etten unb 
^roeii^ungen im ISinjelnen ^alf bie Stutoiitdt bei ©(»ffe ^imveg, 
inbem fle fii^ enttoebei füi eine ßeSart beftimmt entft^ieb ober 
bem @;egeten bie Sffia^I frei fteUte. ^n iCerluft bei SnjcrifM 
tionen unb ©ubfcitptivnen ju bebauem lag lein @runb »di: 
fte tiatten füi baS prattifd^e Ste^t feinen SSerE^. ^ftinion felbft 
f^ien itjnen jebe matetietlc SBebeutung enljogen jn ^aben, ba er 
feine 9}et|tSbüi^er alS ein^eitltdie !aiferltäe ISrIaffe be^onbelt 
»iffen rooHte; unb ber (itftorifi^e ©inn, iwl^er t^nen Sntereffe 
abgeluinnen tonnte, toat nid^t Dor^anben. 92od| neniger fonnte 
eine 3cit, ber bie Äenntnife ber grie^ifi^cn ©prac^ obging, bie 
„graeca^ in ben 8ied)tSbflc^ern unb baS Original ber griet^ift^tn 
9?0MtIen termifjen. 

3(uf biefem @ebiete jueift machte ber ^umaniSmuS feinen 
(Anflug geltenb. <&x mtdtt ben ©inn, gab ^anb^abe unb 
SSeiEjeug für bie fritifi^e ©id^tung, @igängung unb Snoeiterung 
beS CueQenfi^a^S. 

SMe Anregung ging an« uon 5ßotijian') in giorenj 
(geb. 1454, geft. 1494). @eit 1409 befanb ftcti bort baS malte 

1) fBon ftinen gebntdten ©t^riften tommen ^iet ^au^jtfai^lii^ in Hrtriutl 
Miscellaaeonun ceDtnria c. 41. 77. 78. 83. 98. 95. Epietolae lib. 5, 9; 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



I. Stnlntung. I^igion mtl) SDCogninuS. 177 

ä)Iatiafcnt>t ber ^tntMten, mid)e9 ber ®age na<^ etnft bie 
$tfattn: nt %ma[ft erbeutet f)a&en foQten. 91ai!^ Unteciveifung 
^aS tnor e8 nad^ t^orettj gebiac^t unb IMrb ^iex im ^atafte 
bn Stobt aufbeua^rt, tote eia ^tligt^un gehütet, ju bem bet 
3iitntt nur ouS befcnbecen @rünben in feieilii^et ^etfe bei 
Sodtlf^ein in ©egeiüvoit bei ^i^ften ftöbtif^en ^Beamten geftottet 
Und)')- ®(^Dit bei ben ®lo^atotm ijoüt bte(er baina[ige „Codex 
FisBuns" Joffes Slnfe^n genoffen, o^ne bog fie jti>od) i^ 
tiite ut^ebingte Sbitoiität gegeoAbeT ber Ittera Bonooleosis ju> 
g^tanben, 3IHt bem ©infen beS CueQeitftubiumS toai {eine 
Seifidfü^ttgung fo fe^ luiget ©ebraud^ gefornmen, bog !8aTto(u3 
bie geltgeatli^ bon i^ becunlogte SoOatton einer ©teile (\.T %2 
D. d. distr. pign. 20, 5) olS befonbere änedtoörbigteit mieber^ott 
enoä^L ?lJi8 bei Art, tote ^ßDltäicra über buS 2Raimfcri;)t 
berit^tet, ge^t ^erüor, ba§ feine (^tenj ben ®de|rtcn [einet 
Seit haaa ober nur no^ als S^t^uS befonnt toar. l£r felfpft 
^ für jüKTfelloS , bag eS ein Don Suftinion nac^ ^oEien ge« 
fenbetei Ortginalcobe; fet, beffen inneren SBert^ er buti^ eine 
Snjotil bon (Smenbatbnoi hei Shilgat-XegteS nac^lDetft. 3f|m 
nönilic^ tDor eS burc^ bie ©unft feined t)ri^eunbeg (er nennt fic^ 
LaarentH Medicis almnnns et cliens) Soienjo SKebtri geftattet, 
boä SVannfcntit mit SDäi^ jU benu^en. S)ad IStgebnig biefer 
Sibeit, eine SoKatton, tnel^ toix nod^ ^ute bellen, [ollte al& 
@Tunblage einer hitifd^ StuSgabe ber ^anbtften bienen, ein 
$lan, an be|fcn 9uSfäE)rung i^ fein früfier Xob ber^inberte. 
'^e SoSotton ift bom So^re 1490, toeber boQftönbtg no(^ 
mttd unb uäibe too^I bem ^ofijtan felbft bei erneuertet 9e> 
aibeitung nit^t genügt ^aben*). 



lib. 1, 32. 36; Ijb. U), 4; Üb. 11, 25. — BaDi^ni), (S^i). b. rSin. 9MtB 
im S.H. 6, 4S5 ff. Baonamici, il Polizuuio ginrecoDBiüto. Pig. 1863. 

1) Polit. Epi>t 10, 4. Hiscellan. c. 41. Eotomanas, Antitribo- 
aiunis c 15. Brenckiii«nn, historift PftuilecUnim 1, 10. 

3) SaDigiiq G, 439 ff. BnoQftmici, il Poliiiiuio giorecon- 
nilta p. lOS. Th. Mommsen, Praefatio ad Pandect vol. n p. XV. 



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178 ®«5fM ftatittfl. 

3n ben Miscellanea toie in feinen Sriefen ma^t ^ofijtan 
baneben auf bie Ueberlicferungen bei 3iiftiniant(d|m 9iec^tä 
in gttediifc^er 'Bpta^e aufmerffant. @i berichtet tiint ben 
gtie^tf^en SBeftanbt^eilen ber glorenttner ^anbetten, Welt^e auä 
ben 3iutflQt=3)fanufcripten Derfi^ttiunben toaren, unb Bon ben 3n' 
ftitutionen Suftinian'S in grici^ifc^et ©prac^e, einer Scorbeitung, 
tueldie Suftintan »eranftattet ^dbe, um ben ©rieben ^eineS Sieti^d 
in i^ta ©pta(^e unb buti^ auSfül^tlii^ere "BarftcUnng bie i^nen 
frembcn römif^cn Ueberlieferiuigen Detftfinbfic^er ju ma^en. 

3« unmittelbarem Änfc^luffe an ^olijian unb öon bicfcm 
noc^ untetfiöft') ^at ber Surift fiubobicuä fflologninuS 
[uii ftitifc^en arbeiten jugetDenbef, aber frcilitfi mit ungenügenbcn 
Äräften. SBo^renb feineä ?lufentl)alt3 in glorens nac^ ^oKaion'S 
^be Don 1501 bis 1506 fertigte et bie aSorarbeiten ju einer 
Sluägabe ber $anbeften unb liefe f"^ ^'f '" ^^ bortigen SHbliot^I 
beS IDominicanerflofterä ©. SKatco befinblii^e §anbfc^rift bei 
gtiet^ifdjcn tftoteHen abfc^teiben. Et ftarb 1508 otine jur Jtuö* 
fütirunfl feiner ^läne gelangt ju fein unb liintetlicfe feine ^ßo^nere 
bem SJominicanerffofter feiner SBaterftabf SBoIogna mit ber 8e= 
ftimmung, bafe Seinem geftattet »erben bürfe, Äbft^riften baoon 
ober barau« ä" nehmen; fiber^amjt börften fie nur in (Segens 
toort ä»eicr ^atrcS eingefe^en metbcn; im Jaße ber SSctlctmiS 
biefcr ®ebote füllten bie Rapiere in ben Sefi^i anberer mljtt 
icäeic^neter filöfter übetgelien*). 

@eit SIntoniuS Sluguftinuä (EmeDdatioQum et opinio- 
num libri IV. 1543) toirb aQgemein angenommen, bofj Solognin'S 
«Trbetten für bie ^anbeftcn fic^ auf ba8 Sbfc^reiben ber '^olU 



flu{ieT bietei Sonatton, mtlife hn Settcttaner Kuftga&e bct $anb^ten bon i486. 
i486 beigcft^ricben ift, befi^ mir in einem 3RihuE|tnei; 3Ra]tufcritrt (Cod. 
Lat. 755. Collectoaea beS $. Crinttu«, ^olijian'ft Schüler] eine Sammlung 
ha 3nfcri)>tionen Don bei $anb $olijian'ä feI6ft ober feineä ffie^ülfen U&crtue, 

1) Polit. Epiat. 11, 25. 

S) BreDckmtiiiD, hiator. Pandect. p.319g. iSaDienq, Oef^. b. 
r5m. ntUfH im «t.«. 6 § 101—103. ^eimba«, ^eitfdir. f. gefi^. Sec^IB' 
»ilienf^ft 8, 31T |T. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



L einldtimg. Solijian unb öotoßninuS. 179 

jtonijt^n Soffation tefi^ranlt f}abm. Wim et feltift gicbt biefe 
©lunblage tridrt an, fonbem ectiätt mtebet^olt, ba| er m&i)xmb 
fttiteS Aufenthalts in gtorenj ben Sobt; perfönrtd^ t)ergti(^en 
^a5e. @oEte biefe 8el^auptung betmtgte Süge fein? Sag äSofognin 
bie filiere Sßolision'» benugt ^at, obtoo((t er e§ Derfc^Wcigt, 
ift jiDOt nicf|t ;u begnwifetn, benn nur botauS I{t|it ft(^ bte 
Ueberetnfttnnnung in ja^Iret<^en 3trt^fimem erftären. SIEein 
eine öenutjung bet ^onbfc^ttft felbft ift bamtt nit^t auägefc^Ioffen. 
Sie mirb nur eine fporabift^e getoefen fein'); unb fetbft ba, tuo 
fie ftattgrfimben ^at, ift eä bei ber geringen frittfc^en ©t^Ärfe 
unb Urt^tahaft Solognin'« nit^t unbegreifTK^, bafe et fti| 
fogat in geilem von ^Dfijian oft^ängig machte unb lieber biefcm 
o!8 feiner eigmen Sefung folgte, ja oft njot|l in feiner 2flücf|tiflfeit 
bie SlbtDet^ungen gar ni^t bemerhe. 

JSotogntR'^ Skrbot fc^eint tnbeffen mentg beamtet ju fein, 
bem fc^on in bet HuSgabe beä Dig. vetuB öon grabin in S^on 
1510 foL rü^mt ber ^erauegeber, bafe ber Xejt na(§ ber 
bui^ Sotogntn beforgten ä$erglei(^ung ber „littera Pisaoa* 
cotrigitt fei*). 

%1'ä) ^ofiiion unb SBoIogntn tul)ten bie ben Slef^tSquellen 
iugemenbeten fritif^cn ©tubien tängete 3^i'- 3Jer in Italien 
unb ^anfreidd |errfd)enbe mos Italicus toar nit^t geeignet fie 
ja fbtbem, ja gbnnte i^nen laum eine @tätte. 3™^' ^aben 
aidat unb öubäu« t^te 9Iot^»enbigfcit betont, bas itiiffenfc^aft= 
lii^e 3ntcreffe önebet auf fte ^ingelenll: allein ®eutfd)tanb f|at 
ftc^ ben unbergöngtic^en Slu^m enuorben, bafi auä i^m bie 
SBämiet l^etborgingen, toelt^ juerft eine umfaffenbe (ritif^e äfle. 
oilieitung ber 3{cd|t$i)uel[en in bie $anb nafimen unb burc^ neue 
Sntbetfungen itiren ffleflanb erlDeiterten. 

1) 9fir rine ©teBe (1- * § 1 D- d. V. 0.) ifl e« bur* bie »rie|e 
(rii^'S an t^ (Gp. 9, 35) unb IBolDgnm'S an SoRnjo aRebkt (Buo- 
namici p. 158) eimtefen, bai «auf hk gloreirtinii unmittelbar 

8) Branckmann, historia P&ndecL p. 333. Spansenbetg, 
Einleünng in bai Corp. jur. cit. @. 721. 

12* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



180 Sa^Ftet ItaifM, 

IL ^aloQnbtr. — 1. ©regor §a£oanb«t'). ^ fonai 
Samiliennatncn äKelf^ bei feiner Snunohiculatton in Qeipjig 
nad^ ber ©itte feinet Q^ gräcifirte, ift 1501 in 3*'*Ji 8*= 
boren. Slail^bem et bte loteinifi^e ©c^ule utitet ©tet)^ ^Of 
(Shifufl), bic gried|if(^ unter ©eoig SSouer (Sgricola) in febiei 
Ißaterftabtburdiflema^t^atte, 6egDserl521 bieUniDerftt&tSei;ijtg 
unb eiUKtib 1522 ben ÜBaccoIauteat in bec atttftenfacuItSt Von 
1523 hii 1529 genog ei baS Dom Saidmtx 9tat^ ju Wi> 
gebetÜK @(^ut^uff'fd^e ©tifienbtiint, unb btefent Umftonbe Det' 
ba^en toit bie fiditnn 9Ia<^rit^ten ä6ec feinen Konten ^ imb 
moni^e anbete 94otij über [ein fieben. 

®d)on einige ^aS^tt ftiUiet toax er b«n gelehrten SuEiuä 
b. ^flugl *) aU auggcjeiii^netei ©c^iilei agriuda'S bdannt unb 
lieb gemorben. 5)iefet, rocl^ öon feinet jloeitcn itaticnift^ 
Steife ^eintgde^, je^t in Sei^ijig t^eologifd^e unb junftifi^ 
©tubien betrieb, fS^ite ^oanber jur SuriStmibenj nab ei^idt 
i^n bei berfelbcn, olS et „butc^ bieSotbarri ber Sonnnentarieit 
unb bie ft^olaftifi^en Q&xdtmm angetotbert" i^t ben fftädca 
Oenben teoQte, „cohortatdonibns ac spe meliorum". 3n ben 
Sauren 1524 unb lo2& ^t ^aloonbet ftd^ längere ^t bei 
$^ugt in Q(i%, »0 biefem bie ^omptofjftet »erlief tu», auf' 



1) CoDradi, vHa H&louidrl Parerga Ed. 3 p. lU— X. IV— XX. 
1740. HBUHfriti, Memoria Haloandri. 1139. Sill, SÜTn&trga flk* 
le^ttctac^ton % asfl.; 6, 19ff. $anjei, %. $lttiKintn'e «nbknfitt un 
Mc ^ouegabe ba $ant>trtat. 1805, Siilfeti, jur SBüibfaung ber !Bn> 
hlm^tt ^oanbti'8. ^Intcrlanene St^riftcn (^entueseQcfien ixm 6antii} 
3, 606—46. B. Scilmidt, Symbelae ad nUm Q. EalMDdri. 1866. 4*. 
Progr. gflt^fia.aitSOt^aloaidCT. 1878. 8. b. «. 10, 449R.(@ tinbiig). 

S) 'Slax Ijot fiü^n: auf ^ofmann unb ©ilimtmn gnot^ S}ie etfta 
Koi^tDrifungcn über ben niifCii^ ^amea gab Schmidt, Symboke; f» 
finb bun| imnHbedeglf^c ScugnÜle tisUnjt txm gflti^flg. Stet „Stdlin' 
jfl bct iBtatMta btft ffiolatö oxf ber „aRalitmiu" ; Mtt ber Xcime {Si-m, 
äJMö unb iUb'^) tft ber Same grübet 

3) 3anfen, 3ul. ^flugl. 91. aRtttI)cUuiigen bea t^üifi^ Smint 
10, 84 ff. 44 ff. Unridittii ift tS, bog ^oloanber i^n auf feb« «^ Krifc 
nai^ Stalten begleitet ^[^. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. etitflor ^oloanber. 181 

g^oltm, unb bn Qaidanet 9tat^ ermahnt i^n, fid| toiebei an 
eine tttiiDcrfttflt ju ficge6en, toenn er baS ©tipenbiinn nod^ femec 
gtmrgett WoUe. 

äniitrifc^en tooi in ^oloonber bei $Ian gereift, juc 83oII> 
enbung feinet ©tubien nadi Stalten ju ge^en. fugt'S Sibetolität 
inb bie Serbopixliuig bti ©ti^mtbiumS (40 ©ulben) auf bcet 
SoEm, tote e« ber ©tiftungSbrief fflr fol^, bie M aSdfci§< 
(anb ftubiten", geftattete, fe^te t^ baju in ben ©tanb. XJurt^ 
Sltbeifi Vom 23. Octobet 1526 oec^fltti^tete er fl(^, nat^ %i' 
(auf bet brei So^te bem StotEie feiner Soteiftabt auf beffen 
Verlangen ju bienen. Sin son btefem gemfi^rtefi ^atle^n 
(87 Vi ®ulben) nerftfirfte feine Seifdoffe"). 

SS tft nit^t anjunelimen , bog eS bie noi^ gang int mos 
Italiciu befangenen Simften tixtcen, toeti^e ^loonber nac^ Italien 
{«len. Sirnt tm nii^t, fo fuc^te er SJejte^ungen ju ben $n=> 
maniftcn, um mit t^tt ^filfe bie @))uien ueiter ju Deifofgen, 
flnf bie ^oligian titngeuriefen ^atte. 3n IQotogna lebte ber 
$E|tIoti>gc fiajaruS IBmtanticuS, mit % ¥f[ugl na^e befieunbet; 
^ BKimt, tme man tougte, bie ^ofriere ^lognin'S aufbetoa^rt, 
unb ti gdang ^oloanber mit UnterftOgung eines geffißigen 
SomimconeiS , biefe tro^ beS teftomentattfi^en SSerbotä in ber 
ou^btgften SSeife ju benu^n. 

EÄ er in Slotenj göuefen, toiffcn toti nic^t. Ät« unbe> 
lamtter beutf^ ©ele^rter tonnte ei faum baran benlen, ju 
ber ^bdten^bfc^rift gugang gu erhalten. Vidffi aber tonnte 
^ bie Hoffnung, ^otijian'B SoDation in ber SKebtceifc^en 
^ÜÜoOfd gtt benu^, ba^in todm. <£r fetbft fprit^t ftd) fiber 
feine fßonbeftenaudgabe in einer SBSeife aud, aeldie, unbefangen 
aufgefaßt, leine onbere Sentung gnlAgt, ale bog il^m bieiS ge» 
Inngen fei. „Notas Pandectaram", fagt er in ber Epist. 
dedicatoria, „Florentiaamm, qnaram iospiciendarum clescri- 



1) "Xm dflen^ttnbißf »eMtS finbd ft^ hn 3niWaun: ©fabtnnWD. Sin 
Ikc Stu^ntig btt tCodc^S mnb bei lEiatifäiign „®ix%oüia SMCer alias 
*aliwa*CT* flouumt. dle^fifl ©■ 13ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



182 ^täfim Siatüd. 

bendarumque potestatem magans ille Politianus beneficio 
Laurentii MedicU habuit, in commune profero." 

3)emungcad|tet toicb feit ÄuguftinitS angenommen, baß 
^aloanbet nii^t Sßolijtan'S ^ßiHiiete, (onbem nur biejeniftttt 
!@oIogntn'ä benugt ^a6e; unb jene Seugerung barouS eifUtrl, 
bag ei aus ERücffiifit auf feinen gefälligen ^eunb ben tDO^ren 
3uf(tnunent|aRg i)abe Derfi^nrngen muffen, ^e übetftanbentn 
@(^to{ertgteiten beutet et felbft mit ben Sorten an; „haec ipsae 
(notae) quot quanti&qae mihi laboribue — constiteniit, ne 
dicam me capitis periculum adiisse — fitcilins cogitatione 
coQseqtti, quam oratione expUcare possim." ^etn ob bieä 
nur auf Bologna ju bejtetjen ift; bleibt ba^ingefteQt. 

Si^on lange cor STuguftinuS I|at ^ctat Ste^nfitfieä be^ouptet. 
3tQä)bem er bie §a(oanbrtfc^e {[u^obc bun^ ^aumgartner jum 
®efd|cnl ermatten, [c^teibt er an Ämerbai^'): »Deprendi plnribns 
argumenÜB, Floreutinaa pandectas eum non ndis&e, sed Bo- 
lognini tantum in Bibliotheca Bonotuensi, ad haec contolisGe 
antiquoB Codices" — eine ^eugentng, in tnelcEjer fttßft^n)eigenb 
bie ^enu^ung ber ^oüsianift^en ^o^itere geleugnet fc^eint. üllflii 
bemungeac^tet bleibt t& bod^ ^ier toie oben bei ^ologntn tie= 
benf(ii^, bie auebräctttc^e Srdärung fui UnmaEir^ett ju tjolten: 
unb me()tere ©cfid^tSpunfte fmb in biefer grage biStjcr ü6er' 
fe^en toorben. 

3u ^oloünber'« Merfftfettigung pflegt tieroorge^obcn ä" 
»erben, bofe er nid)t au8brüiili(^ fage: „Notas Politiani 
in commune profero", too^l aber auf ^otijian ^Jnioeiftn 
burfte, »eil öofoflnin'S Rapiere nur äbfdiriften feiner SoDotion 
feien. Stllein man Dergtgt babet etneSt^tS, bog $aIoanbei 
o^nc 3*"^»^' f«"C tSrfIftrung fo üerftanben loiffen »oKte, baft 
er fetbft jene Notae benutzt ^abe, \a bof; er in ber Epist 
dedicatoria ju ben Snftitutionen feine ^ontf^tf" gcrabeju aii 
„ipsius Politiani uotis recognitas" bej^etc^net ; anbemt^etfS, bdB 

1) Epist antogr Bitur. 8. d. in ber 3af[ei Sammlung. Sttn^ixiF 
aflfiuS ©. 293. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



II. ®tcgm ^aloanba. 183 

^oloanber bte ^^fingigleit tBoIogntn'ä von IßDÜiiatt faum fennen 
formte, o^e ben SJlac^lafe beS CeBteiot erafle[ef|en ju Robert, bo 
Sologntit feine arbeiten füi ßanj (dbftänbifle auägiebt: eä niü|te 
bettn, maä faum ju glauben, jener 3)Dmintcaner f(^on ben @ad|' 
Der^alt getonnt tiaben, ben erft KugufttnuS aufbecfte. ©eine 
Sejugno^me auf ^ßoltgian tndie a[fo boITbeiDugte Unma^rEiett 
getwfen, toel^e burrf) bie S^oitunfl frineS bienftfertigen JteuitbeS 
in Bologna nii^t genflgciib gete(^tfertigt märe; jumol ba SSo» 
Iogmn'8 9lac^Ia^ fi^on feit 1510 Don t^robtn benugt unb bte 
Senu^g auäbrüdlic^ gerügt war*): eine Sliatfad^e, bte 
^atoanbcr'S Senntnifi berfelben. Wenn er fte nur allgemcin on« 
gebeutet ^ötte, genügenb gebedt ^aben teürbe. 

SSir tonnen unS nic^t ju ber älnna^me entfd^(iegen , bag 
^aloanbei nii^t nur ba^ ^ublthun, fonbem auc^ biejenigen, 
benen et Stet^f^aft fi^ulbig aar, um i^te Unterftügung ju 
gewinnen, ^artnäcFtg getaufi^t ^aben follte. Sir möchten ba^er 
glauben, bag er bie ^apteie SSeibei lennen gelernt unb na^bem 
er bie 9b{|fingig!ett SoIognin'S Don ^oCigian tno^tgenommen, 
beä Set^teren Strbeiten boi^ngSlDetfe benugt ^at, moju it|m fein 
tängeier ^ufent^alt in 8oIogna unb bie ^ier gewonnene @unft 
Selegenliett boten. Unter biefer SBorauÄfetjung burfte er aus 
©{^onung fär feinen ^reunb fo ff^retben nie er tf)at, o^ne ber 
SBo^r^t gerobeju iniS ©eftd^t ju fc^lagen. 

2ln SJenebtg gettiann er bie ^reunbfi^aft beS Safitifta 
Sgnotb«, ^ofijian'S ©c^üIcr, ber i^n in einem SBriefe Dom 
20. Sanuar 1627 bem SB. Sßirt^etmer in SÜimbcrg bringenb 
etnpfie^t. 3^m Derbanfte er neben einfic^tigem !Rat^ unb 
mandierlei ^ülfen nantentlii^ bte 8enutfuitg eines alten, mit 
Subfcriptionen Derfe^enen aSonitfcriptS bed Sobej. Suc^ ift jU 
Dernnit^en, bafe er bucc§ biefen ©önner bie in ber JKarcuä- 
Sibliot^e! aufbewotjrte §anbf(^rtft ber gried|if^ SRoBetlen fennen 
lernte: benn in ber SSorrebe ju feiner Ausgabe fpric^t er Don 

1) Stiangenbcrg, Einleitung S. 731. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



184 'Stät^i Sapitcl. 

ffoä. ^nbfc^riften „quae publice adservantm- in Italia", toomh 
too^t nur biefe ÜSenettoner vmi ik S^ocenttner goneuit fem 
tonnen. Snbeg ^at et in fetner SluSgabe nui bie %6f4rift beS 
SolognimiS ju ®ninbe gelegt — unb eS W&tt mäQÜ^i, mm 
aud| nt(^t tDa§rf(^etnItcf| , baft ei mit ben „duo ezemplaria" 
nur bae ^rentiner Original unb bie ^olognefer 8(bfd[rift 6e< 
jeii^nen tuoKte. 

SRit reid|en ffiorarfietten fSr eine neue ISbition bH Corpns 
juris ouSgetfiftet, lehrte goloonber im Saufe beä Sa^reÄ 1527 
na(^ 3>eutfc^tanb jurüd. 3" umfaffenb unb ju genngt mar 
bas Unternehmen, bie gefammten Siufttniantfdien Slet^tSbildier in 
neuer @eftalt ^erauiSjuge&en, atS ba^ er hoffen tonnte, etnoi 
SJruder ju geBrinnen, ber fii^ bemfelben auf eigene ®efal|r unb 
Soften unterbieten mod)te. ÜBergebenS bemalte er ft^ um bie 
Unteiftfi^ung bed $[ugStiuigei 9tatf)S. &c hm nat^ SUtntberg 
JU ^rt^eimer, burt^ SgnatiuS angemelbet, uni) fanb bei i^m bie 
trdfttgfte gDrberung feiner ^Ifine, bie er bem 9!ürnberget Matt} 
mit ber 8ttte um Unterftügung ouäfüEirlic^ barlegte. S)ie fdtf 
beulen, loeldie man ^egte, beutet ein 89rief äRelant^äton'S an 
Q^amerariuä an: „Ducebar quibusdam conjectoria, in quibns 
haec quoque fuit, videri bominem noraa res moliri, nee in 
sola librorum emendatione, qoae valde sit laudanda, adquies- 
cere, sed ex suo iogenio ioaudita quaediun foro obtrodere 
velle, qui tarnen ipse nunquam forum attigiaset." "JEm 9tatt| 
ließ fi(§ ton ben 9iot^«^erren flolet unb iSarangättnet unb oicr 
3)octoren ber Met^te, unter bencn E^riftop^ ©d^eurt, barnj »on 
^irttieimer unb iKelant^tliDn ©utat^ten') erftatten unb befd|[o§, 
nat^bem biefe günftig aufgefallen, baä 3Berf in liberalfter ^ä)t 
ju unterftajen , ton weltfern er ni^t nur eine {JÖrberung ber 
aSiffenft^aft, fonbem eben fo fefir beS praltif^ SMtS er= 
niartete. ^aloanber ertjielt auf 3 ^a^re Sol^nimg unb Untti^alt 



1) SaS &ütt^Un ber aommiflion ifl batiit wm S9. gonuat 1528. 
^nai^ ip ioät moffl tavm gu glauben, bafi ^alocmbci nic^t fi^on gegen 
t&nht 1527 nodi Slümbctg gcConunm ftiit foHte. 



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n. 9n{|0i ^olDontKr. 185 

im ggibtcnRoTtet, beffen Ätt gricberit^ Sum rtittngeltj^ öe* 
fouttntg übecgetreten bat; flbcrbied mebo^olt bebeutenbe ®tlb' 
gefc^le, tod^ ft^ im ©anjfn auf 960 ©ulben bcitefen; bem 
Jni&t ^trcju« iDutben namhafte Sorl^öffe getriftet. 

S)a3 ©erficht Don bem ßro^en Unternehmen beifcreitete ftt^ 
lafd^ tmt) enegte baS leiste ^nteieffe ber @}eIe^Tten. @(^(ni 
im Stpril bittet ^aSmud ben ißitf^eimer (Pirkheim. Op. p. 281) 
um Hn^ntft unb eitoil^nt %vattba^'i fro^ G^mjartungen. iSalb 
baniiif Btdbet biefem 3(^fiud (Epiat p. 191): Pandectas Noricae 
orbiB noli credere fabolaa; jam sex Ubri impressi saut et 
scribont, qui rem tractant, eam öperis excellentiam faturam, 
Dt qaod aliqoando de Neetore dicebator, ille sapit Bolus, 
ceteri Teint ambra Tagantai : id ipeum et dictae Paadectae 
sint praetrtiturfte. 3ul $f[iis fdjrrib't (SDecembet 1528) an 
SRentec: bog bie ^ßonbeften in SbknfxtQ gebrudt uüiben, toerbc 
R uo^I geE|6rt ^ben ; bie griet^tfc^en dtobeHen teürben, loie ei 
f|offe, folgen (Bnrmann, Sylloge 2, 205). ^atoi ®))iegel ^at 
in @(^[cttftabt t)UT(^ ben jungen ®eubei: auä Snümbeig bon 
bem grogen Untetnä^mm ge^Brt unb ffiitd|t ^ßtrf^eimem feine 
^itnbe unb ©rtDortung au^B (Pirkheim. Opp. Epiat. 94. 
23. Samiot 1529). 

9Äit rüftiger Energie Qi6ettctcn ^ciouigeber unb SJtudet. 
@(^iMt im ^TSii\oi}t 1529 toai ber ^rut bei ^onbetten boQenbct; 
ttieirige ^odSfox barauf erfc^enen bie Snftttutionen ; im folgenben 
3a^ ber Sobej unb 15S1 bie griediift^en SHoDcHen mit totri* 
nifdier Ueberfegunfl'). 2)oneben befolgte ^aloanber im 3a§re 

1) Digestonun md Puidectarnm tibri qninquaginta. Editi Norem- 
b«rgM per Gregorium Haloasdniin etc. Anno 1539. Col. April. 4*. — 
Inttitationnm sea Elemeatoniin D. Jtutiiiiuii ucratiraimi principiB libri 
qnatnoT. Noremberg&e Uli. Nonu M^jas 1529. 8*. — Codicis Justi- 
niinei ex repetita pnelectiooe libri Xu. — a Gr. Haloftodro diligen- 
titrime pnrgati et recc^iti. Norembergae. AnDO 1&30. fol. — NEAPON 
lOTlTlNiANOT-BlBAtON NoveUanim CoiiBtitntionam Dn. Justioiani 
ptinciph qnae ectant et ot ezUuit Tolumen. Korembeigae s. in Castro 
Korico. Anno 1531. fol. — Muffollenb ift, tuft brd wrfifiiebeite Sormate an* 

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186 Std^ StavM. 

1529 eine Sfu^gobe von Sfitftet'S (Sni^irtblon, oennut^Iti^ nad) 
einem aSenctioner äRamtfcrtfit, tteffen fBemi^une et (Sgnatius 
öerbonfte. @o erHfiit \id} bit wejentlic^ Ucberehtftintmung mit 
ber i^m unbefamtt gebliebenen Ißenetianer ^uSgabe oon 1538. 

^e einzelnen 9Iei^tSbä(^ ftnb mit Epiatolae dedic&toriae 
»erfe^en, in benen ^atoonber fiber §üIfSmittel, ?ßtan unb 
SUct^obe 9lect|enf(^aft gicbt, au^ (Snttiürfe jurfiifeieift, weldie 
i^m nad| bem ISrfi^einen bei ecften @tü(fe )u O^ieit gdontmen 
Waren. ®ic Snftitutionen teibmete er (einem ®oftfreimbe, bem 
^bte beä SgibienfiofteiS; bie biet giftgeien ^eife finb, toie biQig, 
bem Jöümbeiger Kat^ jugeeignet. ©in ^d^tejoiniloi befinbei 
ftd^ auf bei bortigen ®i6{itrtl|ef; ein onbere«, öon feinet Iwnl) 
gefi^nh, befi^t feine SJaterftabt SwifttJ"; *">* toftbüi be^itrte 
gjcmplat ber SRowBen, welches et (einem ®5nnet Sutiu« ^Pag 
flbeifenbcle, bewa^it bie3ei6ei ©tiftäbibliot^dO- 9iw^ xo&tim^ 
beS Dtudä bet übrigen 2:(teile be« Corpus jnris (anbte $til' 
^met an Qa[iuä unb ISgnatiuS, ^aumgaitnet unb Ütciat f^pa-- 
ptore bei ^nbeften jum ®efc§ent, unb bie ©anttriefe b^eugen, 
in oelf^em ©lobc bie ©mpfängei i^ie ©tmartungcn etfüHt, ja 
flbeitroffen (alten*). ¥*!%»">« (el6ft erlebte bie aSoDenbmig 
beS @anjen ni^t; er ftarb am 22. Süecembei 1530. 

SHa^ (o lüftigei ^BetnKtigung einet geUKiItigen STibnt, bie 
§o[oanbei in (tatem fiam^pfe mit ben ©ebredien eine* jarten 
^i))et8 DoQbtac^t ^atte, jog eS t^tt not^ Stauen jutüd. 3)it 
SRunificcnj bcr iWflmberger ^afte i^n mit auäiei^enben SRitteüi 
Dei(e^en unb bei Swictauer 9Jat^ (i^eint feine Sinhjenbungen 
gegen bit ??eiäÖgening ber jugefagfen 3>ien(te et^oben ju (laben. 
3m grüljling 1531, noc^ öoi ffionenbung beS "Sitüii ber 



gcmenbct (inb, XKn $ttlS bei ganjm SeiEä giebt $rtTeju9 (IBricf nn 
6t. mt^ in3lDi[fau Dom 2. üuguft 1531. (Eramei, ^uS^ronff & 13^) 
auf 10 p. an. ©libaHii'S gtemplat toftete 1557 4 p. monbr«, Sii^fltM 
@. 36. 

1) StinpiitB, M'u« ©.asa. glefftfifl S. 21. 3onftn8.«- 

2) Pirkheimer, Opera. Epist H. 70. 71. 74. 93. Frejl»g. 
Viror. doclflr. epist, p, 40. 

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IL Stegoi ^oltKitibei. 187 

SIoseQen, btaif et auf unb menbete ftd| äunä^ft na(^ iBenebig. 
Umfoffenbe ^laiie bnwflteH i^n. 3fid|t nut l)offte er bte monc^crtei 
SSängel unb Süden feiner @bttionen, bie ei jum ^eil in ben 
Sortdien teseidinet ^atte, 311 teffem, aui^ bie Libri feudorum 
ilinjujufflgen; fonbern namenttid) lotften i^n bie 9iefte griei^iti^ 
CueDen. Don bcnen tnant^e i^m bei feinem elften älufent^olte ju 
gkfldit geEommen loaien. übn aud) ben 3)octort|Ut tooUtt er 
fui^ in iSologna eniKiben'); unb Uie $ete[ ÜSuncHuS, ber bamalä 
bei ber ftanjflfift^ (Sefanbtft^oft in SBenebig fungirte, (^teibt*), 
trug fic^ ^loonber mit betn Sntteurfe eines mettiubologifc^: 
^obegetifi^en 9Beifd, für tDeld^eä er «jam silvam renim summa 
diligentia congeaserat", um eä in SBenebifl nttf SKu^e ju Dottcnben. 
e« ift biefe Sfiotis ^ßc^ft mertoürbtfi. »afe fclbft biefer fo tief 
in f^iloloflifc^'üiitiquarilt^e gorf^ungen »erfeitfte ©ele^tte mit 
folt^ $[ane 6efcf|fiftigt mar, jeigt, aie lebhaft unb allgemein 
bie jängeie @etieration in ^eutf^Ianb boit bem „in artem 
redigete" Gicero'S belwgt Würbe. 

®Iei(^ bett Stnfanfl biefer sweiten Sfieife, bie i^m fo öer= 
^gntgooQ toetben foQte, ftotte ein nibriger 3^tfi^enfaQ. 
SBä^renb er 6ei feiner Knfunft, bor 93enebtg uon {einen gteunben 
begiüfet, fein ©epfid tnä ©t^iff (oben liefe, warb i^m aa& einem 
öetfc^toffencn Saften ber gröfete I^ feiner Saarfcl|aft gefto^Ien.' 
Stft fpätei enä>edte er ben em^pfinbli^en ^erkft. Um ^ngften 
hm er nat§ gerrara, tto bamalä Sacob QK^ltx unb fein öertrauter 
Qenoffe äRartin Stt^ter in fteunbfdiüftli^er Sßetbinbung mit bem 
gd^rten SanonicuS Soeltuä Salcagntni lebten. 92a^ oiei ^gen 
jog er Ueiter na<^ Bologna, oon loo er fid) in fetner ^elb« 
Verlegenheit an $etiejuS in 9}äniberg loeitbete, ber i^m burc^ 
Vermittlung beS @tepf)an 9tot^ in 3)Dtdau §ülfe aud feiner 
Saterftabf ju ff^affcn bemüht war'). 3n Bologna erfreute fit^ 
jtoar bei nun berühmt gcii)ori)ene junge ®ete^rte ber ©unft Don 



1) 9rief bed ^etrejiiB 91ihnfKig 2. IHugutt 1581. Slet^fiS ®- 1^- 

2) EpUt. ßuDeUied.StephanttB p.63. Conradi Parerga p. XII. 

3) »rief M ¥etieju8 Dom 2. 9lugu(t 1531. gierfifia ®. 18 f. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



188 S^fte« ftapitd. 

©dtolaren unb i!)octi)ien, enteuerte auc^ bie tlrieunbfc^ft mit 
bem gefäQigen ^ConriiricaRer, bec t§m für bte 3>i^H A[)idid)t 
Xiienftfeiftungen iKTfpiadi unb namentli^ in SuiSfidit fteOte, t()n 
gmiffe äRotlfinber ^anbfc^riften jug&nglid^ ju ma^oi. SQmt 
fan fangen befriebigte t^n bei Sufent^alt nii^t; er foRb feinen 
®d^Ttm, ber feinen @tubien föcbeiCtc^ fein lonnte; benn'^oiui' 
micud War injatff^en nadi $abua gejogen. X)ie ^omotion 
[d)eint toegen @etbmangeli& untetblieben ju fein. @d te^ile er 
bemt fcE|on SInfang9 Suguft naä) ^^ara juiüd. @r bertefitt 
^ier mit ben ^unben m ßK%lct'& ^ufe elf frÖ^Iii^e Xage, tn 
benen er no(^ 3'it f""^' ^in<" feltenen Sobe£, ben (Salcagniiri 
il^m mttttteilte, abjuf(^reiben. <£S mar eine „Matricula imperü 
JustiDiani"; nod^ ber Sefc^rdbung 3*^^^'^ "^"^ 3*"^!^ ^'^^ 
StnbereS afS bie Notitia dignitatom. SEBo^tgenuitf) fegte er bann 
feine Steife fort, begleitet Don 9J2arttn Stifter. StUetn nc^ie 9oi 
$abua befiel bit @efdl|tten ein ^eftigeS Unbio^tfcin, bai fte ben 
fc^Ie^ten Sfc^en unb berborbenon Sein, ben fie ju äRittog 
genoffen Ratten, jufi^rieben. iSonattet fteigcn fie bon ben $^ä>ai, 
um im ©i^atten bei iB£ume auSjum^en. älfit äSütie erreid|tn 
fie $abua, ton SDtarttn {Richter ben ^oloanber beclaffen mug, um 
}u bem itqtoifc^en ertranken 3^^^ jurütEiute^ien. 3)ie traurig' 
fett, mit bcr ^oluanber fii^ bon SKc^ter trennt, bie bringenben 
iBitten, bag er bei t^m bleiben möge, beuteten bie ^$reunbe fpfitei 
aU SSoroIinungen bd na^en XobeS. <£infam nac^ ^Üenebig 
gefangt, tuirb er am folgenben 3:age bom ^eber befaflen unb 
gerät^ an einen unerfafjrenen polnifi^n arjt, bcr i^m Oerberb» 
tii^er mirb a[S bie fttanf^t 9lad^ einem Sfberlag berfiert « 
baS Setougtfetn unb fttrbt tn ber Saberftube am 7. ®eptim\xt 
1531. gegenüber, in ber Jtirdie ©. ©albatoire, marb er beerbigt. 
©eine ^ofiiere unb übrigen ^abfeligteiten ftnb jinn %f)e\i tn 
biebifdie $änbe gerat^en, unb ouc^ bai Uebrige ift trog mandfei 
S9emü^ungen, tbie eS fc|ieint, nid|t nac^ S^eutfd^Ianb gefommen*). 

1) ^e %at^4t fibtr ^olDanbcr'ft jtwltr Sttife unb frin Scbcnhitbt ^i 
bem »riefe 3- giegltr'B an 3u[. ¥Pugt (Conrad! Parerga p. XV— XVni) 

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n. tficsoi ^loanbn. 189 

£a| ec bem ^ehnlidiai @tfte etned ^bfddjHgfn ober auf feine 
geirrten (Erfolge etfcrfü^tigm Stoltenecd ttlt^m, tft ein SSerbac^t, 
bcc in ben f^merjlti^ 9eu|entngm bfelet Xieutf^en äiet bat 
dQjufEfi^ Xob eines SanbiSmannefl, bet fo ^rofieS geletftet 
^alte unb nod) @rlk%ered gu tierf))ie$en ft^toi, ^ußg buc^ningt, 
B^ne crtDiefen ju fein'). 

t. Ueber bte 3^1'. todc^e ^oloattber 6ei feinen Sbittonen 
im Suge ^atte, üt« bie ©cunbfä^, bKfdje er befolgte, fonrie 
über bie ^filfdtnittet, nxtc^ Ü^ jur !6erffigung ftanben, ^at fid| 
fxiloairiier in ben SSgotreben auSgefptot^en ; unb tvenn bie 91eif|ens 
fd)aft, uxlc^e er gi^t, m^ nic^t fo ejact tft, tute fte ^tigen 
Xogci geforbect unb gegeben jfi laxtbta tiffegt, fo toetben wir 
boc^ bOT dllcni i^n felbft ju oemetpiien ^oben, el|e toir an eine 
äkurt^eiümg feiner fietftungen herantreten tonnen. 

1. 8ei bcr £ritif beS $anbettente;teS ge^t ci bon 
ber Slnftc^t auis, bag baä gftorenttner aRanufcrtpt jtoar ba» 
mic^tigfle ^ülfftmittel, aber nidit bte allein entfc^enbe 9Ionn 
fein bärfe. 3nt ^iberfpnii^ mit ^ofigion, bogegen überctn- 
ftinnnenb mit Sldat, erEUtrt er eö für einen SSrrt^um, basfelbe 
^ boS äfx^f^'f iu ttalten, oon todä)em bte übrigen ^b' 
fünften abftantmten, auf »el^ ba^er ber 1£e£t juiüdjufü^ren 
ftt. Steintet entgölte bie glorentina felbft iSieleS, tcaä ni(f|t 
gere^tfeitigt, not^ ertragen UKrben ISmte. <£t fei ba^ ben 
NotM itic^t otine loettereä immer gefolgt, fonbem nur ba, too 



nOxt gicgia vgl Schellhorn, Amoenitatas 2, 870—286. 
X>K .St^urinighit bd ben jiDCf Briefen" bei Coniabi (^nsa, SitKOreefi^ 
£.206) IB^ fi4 bun^ bU SHU^Inngnt Sc^tll^otn'g fibti baS Sci^tntfi 
Ki#n'S ju Sitfiftc, betn n St^berMot^ ju Itiftnt getDo^tit imc. — Ucb« 
^ali)tmb«f« Xob u^ Txoät ben Siitf beB VigImS mit Qt^axt an Vmnbac^ 
AaaLBalpcft II, 1,113. Jenm Conrad i Puergkp. XII b. 9«3fU4Mfl 
9. 20. KnfjSgc mi Srltfcn bcS VctnjuS. Stt^rfu^ nxtbm bte St* 
«ü^ntgot btS SonomicuS tai ^«ibiui unt ^abanbct'S 9Iaif|Iofi eaoSi)tü. Cgi. 
J. Ziegler «d CftmerariDm &. 1531 bei Freytftg, EpiaL p. 63. 

1) HIB antgenadple Xfyüfa^ itl)aitbtä bie Seigiftung Obiopolni, 
AmmUL in gneeor. Epigramm, libn» 4. BmU. 1540. 8*. p. 497. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



190 Stdiflc» fiapittl. 

fie bte &effete fleSttrt cnt^ietten ober wo fie bur(^ bie Mira 
alten Sobice?, beten er Diele Bet((üd)en Ijabe, imterltügt iDctben. 
SInbrerfettS fei er aud| ntcE)t fo Iet(!^t Don ben Notae abge= 
iDtd^en: benn toenn eS äCietI)au))t ein äßanufcript gäbe, nai^ 
Weldiem bte ^anbellen .sine controveraia id integrum" reftttuirt 
nterben tonnten, \d Würbe jebenfaQs baS ^orenthier baS, tDenn 
nii^t einäifle, [o bod^ »orjüglidifte fein. 3)a^er ^a&e er in itoei^l' 
^aften t^en e^ Doigej^ogen, bem Sefet burc^ eine Snmeifung 
bie Sntf^eibunfl ä" überlaffen, jtatt felbft ju eittft^ciben. 

'Huä) bejüglic^ ber Orttjogtop^ie fi&lt er ein eOettift^ 
Slerfa^cen für nd)ttg, jtatt bet in ber glorentina t)errfi^enbnt 
immer ju folgen, ober bte Don i^r abtoeidienbe getnd^nUdie in 
allen ©tflden beisube^Iten. ©eleitet l|a6e i^it bei biefer 9Ba^ 
bet 91at^ beS @gnatiu§ unb beä Suliuä $ffug, beten Diclfat^ 
§üEfe unb Untetftü^g et bei biefer ©elegenlieit bai^ar gebenft 

3)ie „Nomenclatura libronim", »ett^e -er in ben Snicrip« 
tionen ben 3iamen bet Tutoren beigefügt ^abe, fei niti^t aus bot 
Motae, fonbem Qug anbem ^anufcripten abgefd^rieben. 3)iefd6e 
fei (in ben meiften §anbfd^riften) aus feinem anbetn ®tuitbe 
auSgekffen, al§ weil bet 9tanb ttidit breit genug gemefen, fte 
aufjunet)men. 

3)ie griec^tfc^ ^^agmente beS ^obefttnufi giebt ^oloanbet 
nur in Ueberfe^ung ; unb jtoar ift ei bie alte fBolognefer, nur 
Dielfoi^ emenbitl unb eleganter ftilifitt. fBejüglic^ bec Sbll^ng 
bes ©anjen l^lt et fi^ an bie Don Suftinion Dotgefc^riebene 
in fieben Partes, Detlfigt bagegen gaitj bie tietfömmlii^ ^ei' 
t^eilung, bie eben fo nie i^re 83eneitnung nur bariiarift^ fei. S)ei 
SJtutf fei fo eingeriditet, bafe man baS ®onje nat§ Selieben in 
jwei ober in btei ©tüde binben (offen lönne. S^^pogrop^ifc^e 
abfi^nitte finbcn fit^ bano(^ folgenbe: Lib. 1—19 (P. 1. 2. 3); 
Lib. 20—36 (P. 4. 5); Lib. 37—50 (P. 6. 7). 

§aloonber'ä 3(nfi(^t übet bie giotentina war feit ben 
©loffdtoten Don ben bebeutenbften ^uriften oettieten. @tn 
edettiff^eä Sierfa^ren toar nat^ biefet ©runbonfii^t butd^iotS 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. Oiliegoi ^alixinber. 191 

geboten ; aber Iriber erfaßten wir Dun ^atoanbet iric^tä 9la^ere8 
übn bte anbetn SRanufcripte, beim er ftd| bebient ^at, notÜ) 
über bie ®tunbfä$e, nad^ benen er i^ren SBert^ f^fl^te. ©au 
eS U)tn an einer fcften frittfi^en 3Rett)obe fehlte, barf unä nic^t 
nmnbem, unb |em SBerfa^ten nad| ben «nfprü^en unb Siegeln 
bet gütigen Sptfilotofl« i« weffm, »are tf)öri(§te Ungerec^ttgWt. 
eine 3if eifel ^at er ben 3Sert^ bet benufiten ^onbfc^itften nac^ 
bem tnut^maglii^en SEtei gefc^fi^t; unb bag et füt bte erften 
25 ©üi^cr ein olteS aRpnujcrt^t mit nottftänbigen Snfctiptionen 
be|ag, le^rt ber Slugenf^ein: benn btefe finb in feinet 2[uä= 
gäbe 6id üb. 24, 3 faft boUftOnbig, in üb. 25, 1—4 nod) Über^ 
roiegenb enthalten. 3)q6 er fie nit^t ben Stoten ^ßotijian'^ bet' 
banh, fagt et felbft; unb bieS tft um fo fidlerer, aU biefet fie 
nur bis jum 4. SSud^ auS bet t^orentina in feine SoQattDn 
eingcttagen tfotte')- 8uc^ in ben fpäteren Sfli^em (ommen nod^ 
öoUftfinbige Snfcriptionen einjetn anb jerftteut not, oline bafe 
ju etfenncn »dre, ffio^ei fie genommen ^b. ©ie fttmmen ftfter 
mit ben ^nfcriptionen ber gloientina ni^t fibeiein') (Dgl. ;. B. 
D. XX\TI, 1 I. 9. 17. 41. 43. 44. 45; XXEC, 7 1. 15), unb 
^oanber felbft ift Don i^tei 3"üctläffigfett nidit übctjeugt, 
fonbem erflätt auSbrüdttc^ „de libronim oomenclatura — nihil 
est qaod pollicear". ^aloanber abet ^dt ^c^ nid^t an feine 
tionbfc^nfttii^ SJotlagen gebunben, fonbem nad| Stmeffen aui^ 
fieSacten beS gebmriften 9Jufgat=IejteS beibehalten unb eine freie 
^onjecturolfritit ge&bt, toobei et nomentlti^ bie @i^riften beS 
SubfluS unb Sdciat ju Statfie jog. SSeti^e SeSart bie „beffere" 



1) Saeignt) 6, 443. SB finben [tif jebcx^ auäi in bm Mtntn 
Süt^ein no4 taanc^ lutirt, mit Buonamici p. 108 n. 1 mitteilt. 

S) 3)afi ^(oaiÜKi bit 3n|<^tiontn auB jnttm Serjdt^iüe in den SdOn» 
toBKn bei Srininid (f. oben @. 178 SInin.) bitrd ober inbiitct gefiJ^S))ft ^aUn 
joQK, mit HommBen, Fand. II p. XTI onbeutd, nirb buic^ biefen Umflanb 
Diboltgt. (£4 twtie abn mäf mdfi rinjufe^m, imnttn ^uloanbn dne falfdK 
flngalK über fänc pucOen getnat^ laben foDtc. Snblid) mürben no^l ftitu 
3it(critrtit>ncn ntdit blog contuer, fonbem aut^ »odflSnblger fein, inenn jcneB 
^yii^ft bintt obn inbirect (in SeOMiibung Berommen na». 



bv Google 



192 <B(mtS Sta^ttl. 

fei, beurt^eitte n itic|t na(^ beien Sugerei tSegtaubigung, fonbem 
nad) timetei Sa()if<^dnltc^Iett, uobet ei geneigt loai, fu^ fni 
iai lett^tn Ißerftänblicfie unb baS Slegantcre ju entf^eibtn. 
S)et SBintfc^, einen leSbaten, braut^baten, (tu^Iii^ fehlerfreien It^ 
^jufteDen, ]^t i^n nic^t (elten ju Binnen gnwnbationen Mr= 
fü^rt. ^oä) tft e$ feiner iSonjecturalfrittf gelungen, j. 15. Ui 
ber öfter befP"t^ra') 1. 6 § 1 D. d. acq. posa. 41, 2 bie 
ricfitige ^lentinet SeSait (intelligi) gegen ben ^^to: ^Dlijiaii'ä 
(iatelligitnr) ^erjuftellen. 

9((S angeblich {(^lagenbm SBcttieiS bafflr, bog ^oonber bit 
Rapiere ^olijiim'S nit^t gefelien, bejeiii^net ?[itguftinH8 (Emen- 
dat. 3, 3) ben Umftonb, ba| jener eine erläutembe Snmerhing, 
VKlSit fßoliston iJX 1. 17 § 5 D. d. h«red. inst. 2S, 5 beifügte, für 
eine gflotentiner Sedart gehalten ^be; er fei baju nur bnr:^ 
ben gleiten Srrt^um öoIognin'S oerfö^ toorben. Kdein »cbii 
biefet ^rrt^um oHerbingiS betneift, bal Sofognitt bei btefer ©teile 
bie glo'^^^o ni^t tperglt^ ^at, fo betoeift er bo^ gegen 
^atoonber nichts: benn ai{^ Wmn er ^otijtan'g SoKatton in 
^nben ^tte, aar eS für i^n nid^t ertennbor, bog an biejei 
©teOe $Dlijian nic^t wie fonft baS iJrfotentinFr äCamifcritit 
teben lieg, fonbem felbfl bafl SSort ergriff. SaS fluffaHntbe, 
inopportune ber SSiocte entging feinem ®(^arfftnn nid|t: er 
emenbirte fie unb ertlärte fie in einer 92ote fßr „verba compi- 
latorum". 

%uä) btm jtseitmii^tigften Sltgument beS Su^c^nuS fonn 
entfc^eibenbe iBebeutung nic^t beigelegt »erben. 'ZAe iBidgata 
^atte bie !£itel 1. 43, 10. II jufammengejogen unter ber fHubrita: 
De ria publica et itiuere publice refidendo, tofi^renb bie 
gtorentinü unterfc^eibet: Tit. 10 de via publica et si quid in 
ea etc., ber nur ein griec^ifd^eS gi^agment Von $apinian ent^t; 

1} Savtanq 6, 443. c. BuDDamici p. 109, ^n ber Amfaa« Wi 
@aujgnq niDii^itttn L 9 pr. D. uti poas. 43, 17 ^Itbt ^oltjlan gam bit 
Slorenttiur ScSart Deutnun (MommHeii p.XVI d. 1) litbtts; a&a^alntntn 
fr(t btt Btf^tie nentor an bit SttDc 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. ®Ttgai ^oloanber. 193 

Hnb Tit 11 de via publ. etitmere publ. reficiendo. ^alaanber 
lieft: Tit 10 De via pabl. et si quid ia ea factum esse diea- 
tar et de ea ex edicto sedil. cumlium a singulia reficienda. I£i 
yn^t alfo bie Sftubräcn jujannnen unb eben fo bie ^ite(, tnbetn 
CE ^opinian'iS ^agment an ben ©c^Iug fe^^t, bonai^ jugleic^ bie 
StutPiif, Brie eS fc^etnt ez iagenio, erganjenb. Slugufttn totQ 
tiefen %ifyitt auf einen Srrt^uni Solognin'S jucödfü^ren : berfelbe 
iiabt bie fHvbnca, tvelc^e ^otijton bem gnec^if^en t^agmeitt 
beigefügt, eben fo bie 9^ota bejügltd) ber geftfirten Oibnung, ni(^t 
obgefdiriebetL 3)aju Eomme, bag iBotognin'S %erjet(^nt| ber 
litcl gerabe ifKx läcfentiaft fei. @d ift nun aOecbingS fi^UKi, 
ein Ut^il obgugeben, ofyxt bie ^afpiere fefbft »oi Hugen ju 
^ben. SQetn bei Z^tbeftonb, wetdiei t^etlS boiliegt, t^Ha 
bon %uguftinu8 referirt loitb, ft^int e^er für als gegen bie 
Smu^ng ber ^olijtantfdien Soßation ju ffirec^en. 3)enn wo^te 
jonft [omite ^doanber bie SBoite „et si quid in ea &ctum esse 
etc.' nehmen, DKnn liBoIognin bie von ^olijian angegebene 
Üfaibnca nii^t abgefi^rieben ^tte? Slag ^aloanber bie Slota 
$oüjtan'« übet bie geftörte Crbming nic^t ju beuten loufete. He 
ni(^t bo^in berftanb, bag bad i$ragmcnt ^ktpinian'd einen eigenen 
Xitel biUK, tft ao^t begieifli^, ba ei feinen @ninb tiatte, baS 
Xitetoetjeidtnife Öolognin'ä, ber ja bie glowntina fetbft »ergUdien 
ju [|afien beE|au))tete, füt uniit^tig ju ^ten. 

§eiöorjuI)c&cn ift no^ bie tJetn^l, mit b« er auf ©räriSmen 
in ben SSuftinianifi^en fogenannten ^rDümten aufmerffam ma^t; 
tne ^^leQung bei griet^ft^en XejteduiDite felbft unb t^re iSx= 
Kärung; bie Sufmerffontfeit, n>eli^e er bor 3taen juerft ben 3n= 
!cn))tionen juttKnbete ; bie ^efeitigung ber ft^olaftifi^n Sint^lung 
brr ^betten, bun^ welt^c ba« ^Bktt jum erften SHole in feiner 
urftnOngltt^ ®eflalt uneber erfi^ien. $(ut^ barf ti nti^t un^ 
enoö^nt bleiben, bag ei sunt listigen SSerftfinbnig ber ^nbeFten 
totfentltc^ babnrdi beigetragen ^at, bag er im ^e^e bie Soite 
bti (Sefe^, ©enatuSconfuIte unb ISbicte, fomie biejenigen ber 
Stitmlattonen, Formeln unb ©eft^äftSuthinben Don ben SESorten 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



194 &tät^ Üa^txl. 

bec Suriflert unterfc^ieb unb im $)tud bemerfli^ mod^te; (oiDie, 
ba^ [^on er eä fleioefen, ber bie ft^olaftifc^ SScjnr^nunfl ber 
Ißanbeften butdi ff, aud betn bctf(^Iungenen D riditig ^etgetntet 
unb ü6et bie ältefte Sitiiatt bei ben fi9jantinif(^ Suriftea 
Stiu^rii^t gegeben ^at. 

2. gut bie Snftitutionen t|at $aIoQnber nad^ eigener 
Sngabe in ber Epiat. dedicatoria eine Ältere §anbf(^rifl iti(^t 
benu^t, fonbern ben Xe^ „optima fide ex collatione Dige- 
storum, ex quibus pene dizerim ad verbum Institationea 
descriptae mnt" t)ergeftellt. X)teS gilt natüctii^ nur eben |o 
iveit, aU biefeS ^ülfSmittel reid^t; hn Udirigen f^eittt er bie 
Sluägabc Paris, Cbevalloo 1525. 12" ju ®mnbe gelegt unb 
nac^ jüngeren §anb[^rtftcn unb Soniectur cmenbtrt ju ^aben ■). 
^e ÜtuSgabe getidrt je^t ju ben grSgeften Seltensten; man 
öermutftet bü^er, bafe fie in einer geringen Hnaoljl Don 6jein= 
ptoren gebrudt norben tft. ^aloanber niibmete fie bem K&t 
bon St CEgibien, feinem @aftfceunbe in ?tüm&erg, ber t|n }U 
biefer ©bition angetrieben (jatte. Siag et t^n in ber SJebicotion 
„Aegidiaoae &miliae antistes* genannt ^atte, erregte ben 3o"t 
beS Sifd^ofS t>on Sambeig, ^iegonb bon 9)ebb>i$, ber bie iBt° 
ieidinung Antistes für ein bift^öflt^eä Üiorrec^t g^alten ju \)dbai 
fc^eint, um fo mel)r, olä er o^ne^tn mit SWmberg in ^bel 
Oertoidelt toai. <£i tierbot feinen Untertanen ben SCnfouf ber 
$a[oanbrif(^en Sbttionen, tote in ber Epiat. dedicatoria jun 
Sobej erjälilt toirb. 

3. güi bie 99carbeitung beä @:Dbe£ ^at fic^ ^oanbei, 
toie er in bei Epist. dedicatoria an ben 0tümberger 9Iat^ it-- 
rilltet, lange bergeblii^ nat^ guten ^nbft^riften umgefe^, ja 
felbft fiaufteuten, bie ziaä) ffionftantinopel reiften, Aufträge jura 
Anlauf erfolglos gegeben, big i^m enblic^ bur^ ffignatiu» ein 
Dorttefftidiea alte« SKanufcritit mitget^eüt iiiorben tft. ®8 jett^nete 
ft(^ nac^ feiner Angabe fotoo^l burd^ Sonect^t bcd XesteS, oU 



1) Schröder, Prodromus p. 176. SOO. 

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n. IBregot üatoanbn. 195 

aa^ burd^ %oUftfinbigErit ber 3nfcrifittonen unb ©ubfcriptionen 
au«. aOrin t& itt^te nur »om binten Xitel beS etften ^ä)9 
bis jtun bterunbtrieijigften beS neunten; hn bterten iBu(^e fe^tte 
bei gr&ge[te 3^etl, baS fiebente faft gong. Huger btefem 3nanu> 
fcript, tvdi^em ^loanbei, mie er fagt, fotoett eü teü^t, DoijugiS< 
QKtfe gefolgt ift, ^t et noc^ anbete ^onbfi^riften m& bec Qät 
Dor unb nai^ SfccurfinS, fo»ie gebtudte ausgaben ijergli^en. 
91ä^ered über feine ^ülfSnrittä gicbt er felbft nii^t an; unb 
nKldie ^anbfd^rtften er augei bei Sgnattanif^en benutzt ^at, ift 
ni^t ju ennitteln. SJagegen Kgt ed fid| buri^ 9ktgletc|une 
feftftdien, bag et bie Editio princeps Nnrimb. ap. J. Sensea- 
Khmid 1475, bon bem ^nürnberger flnbreaS Mununel beforgt, 
EHiu()tfAdE|nc^ benutzt unb femer @intgeS aui ber 1528 eifc!^te< 
neuen ©i^orbt'fi^en äuflgabe ber Lex Romiuia Visigothornm 
entuomuten l^at, obtDO^I er biefer (Sbttbn in ber Epist. dedica- 
toria jteoilü^ tDegtverfenb gebenft 

lieber ben SBeit^ feiner lefteSieccnfion lautet baS Urt^I 
beS neueftcn ^andgeberS fet|i ungAnftig. SBfi^renb noi^ ^evc" 
mann') fogt, ba^ ^aloonber in ben crften neun SÜd^em einen 
%est gebe, tveldiei bun^g^enbfl bon ber fotgffiltig unb fc^arf" 
fmnig abgetDogenot ^torität ber $anbf(^riften. gcftü^ft tvecbe 
mib nur barin ttnOEürlii^ beifa^re, bag er bi^tnctlen baS fiatetn 
ber b^jontinifii^en Äaifer corrigite, für bie legten brci ^äfn 
aber atterbtrgS nid|t ein gleidiea Sah Berbiene — fprtt^t Ärüget 
bem ^loonbrifc^ Xe^e jeben trttif^en SBeit^ fo boüftänbig 
ab, bog et i^ bei fetner neuen %uSgabe gar nid|t berfldfic^ttgen 
{u bfirfen glaubte *). SKit Unre^t, nne nnS fdieint, f|at jhüger 
anfänglü^ bieS Stefultat au8 Slad^ftgfeit ^aloanber'S bei 
8enu^g bei Sgnatianifc^en ^nbfd^rift 31t erlUren gefugt. 
Gegenüber ber SSerfid^enmg ^oloanber'e, bog er bent GEgnatianuS 



1) Codex Jnstin. 1843. Prae&t. p. m. 

2) Krügti, Sttüxl M SufHirianif^cn Sobej; (1867) €.79, Codex 
Jutmiuiiis (1877) Pnetatio p. Xu. XXX. BtitF^i. f. 8tnt|t«(|t[c4. II, 
166 n. (187S). 

18* 



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196 Stdfiiü ShifM. 

hoEjUgSlcetfe gefolgt fei (cnjns praecipue fidem aecati eamas), 
toAre jur Sleditfertigung bei ISonuurfS „gewiffailofet 8ema^ 
läfftgung" ioä) motil biefiomtnig jened MtloTencn 3Ranufcit;>tS 
eine unentbe^itic^ Soiaudfegung. Oeffec begnlnbet ift baI|tT 
D()ne 3ti>cifcl l>tc fP^t"^ »Ott ftrügei aufgefteüte ^eite "Xfkf 
natibe, bafj WtxÜ) inib 8[Itct beS (EgnatbnuS von ^otoonbet 
feI6f( a6erf(^ägt feien unb biefei ongei bot ®utpfcn)>tbnen feint 
SJotjfige X)Dx anbeten ^anbf^iiften b«S 12. 3aI)T^unbett8 gdiabt 
^abe. ^ie8 gilt namentfic^ Oon bcn ^nfcrifitionen , uä^renb 
bogegen au^ Krüger ^aloanbec'S Ükrbienfte um ^wcfteüung ber 
@uf)fcTtptionen aneifcnnt, loeld^e in ben früheren SuegoSeit 
gfinjlit^ bentai^Iäfns' b>aren. Unfere heutige fitnntnig berfetben 
tul|t noc^ immer jur gtögeren ^Ifte auf frinem 3™gTOffe. 
@))ätere ^cnbfdjriftli^t gunbe &eftätigen jum X^I bte 8)ii^tige 
(eit; aber freilif^ toeift firäget banelKn ia^Ixei^e Stit^et unb 
wiQfÜElici^e 9(enbeningen ^aloanber'd nat^. Sßon geringet 8^ 
beututtg finb feine ßcijtnngen für bie 3nf ctipttonnt , »elt^e jum 
größeren %^til \i^on in ber 9tümberget Editio princeps, menn 
au(^ unDoQftönbtg unb comun^irt, enthalten, nai^ anbeten ^axä)' 
fc^riften emenbirt unb ergänzt, jum X^tl aber aiu^ berf(^[ed|tert 
finb in bet Kudgabe Fradin, Lyon 1512. I^oloanber ^t btefe 
9(uSgaben, nie eS ft^eint, neben bem <£gnatianu8 imb anbeten 
$anbft|ciften benu^t, nic^t immer mit glfldOtt^et SBaI|I tmb gIM> 
tiefer Sonjecturalfritif. 

gür bte ^erfteUung ber griet^ifc^en lEonftituttonen tft butc^ 
^toanber ni^ta geft^etjen; eS fel()Iten t^m baffir bie §fltf«mtttel: 
benn bie im (SgnationuS enthaltenen ftnb i^m, mte er in ber 
Epist. dedicatoria bot ben fUßWÜta Befiagt, toegen Unbeuttü^' 
leit bei @(^rift unleferlidi geblieben. @r ^at fi^ bamtt begnügen 
muffen, am bettcffenben Dtte anjugeben, bofe eine griet^if[|e 
(Sonftitution fet)(e, unb tiefe Stngaben finb MnedmegS boüftinbig. 

Iluif ^iet toic bei brn ^anbetten Iiat et bie t<^oI<ifti(4lc 
Tf)eilung befeitigt ; bfe tres libri etf^einen dei i^m, ber urfl)tfing' 
litten Dtbnung gcmfife, ais integrirenbet ©eftanbt^eit bei Eobej. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. Slngoi gototiBbcr. 197 

Unb in fernem iStfer föi bie ^KifteHung bei urf))riing(i(|en ©eftalt 
^ er auäf hit von ben (Sloffatoien eingefügten Stut^tttni aui 
bcm Zc^ beiJKUtnt unb in ben Sn^ng tKitoiefen. 

$iei finbet ftd^ femex dn SSetjeic^ig bet €oiifiiIn feit 89e> 
giünbung bec Stepublil bis auf Suftinian, uon ^loanbet, tute 
er fagt, angefertigt, niu^bem er faft 36 aConate an bei (Sbition 
bei ^bdten, änftitntionen nnb beS Sobef Za^ unb Kac^t 
Seoriieitet ^tte. O^e biefefi ^filfdmittel , meint ei mit ERet^t, 
ftien bte ©ubfcii^rtionen beS IS^be; "anxtS^oi. SrWfigt nuui, bag 
^oanber fSi biefe ^tbät feine SSoisAngei ^atte, bag bie Fasti 
capitolini no(^ niti^t ttieber aufgefunben UKiim'), er alfo ganj 
imb oÜein auf bie eigene £ectuie angetoiefen bwi, beren Umfang 
et uns in einem USeijetci^ife bei benugten ©i^rtftfteüet *) an« 
giebt; fo tottb man einräumen, baft unS ^ei eine Strbeit WX" 
liegt, WeU^ für ben tetffenf^ftfii^en @tanbpunft foWo^I, une 
für ben etfetnen ^^ unb bie ©ele^amleit ^obanbei'fi bail 
e^OTtöoUftc 3<"fln*6 ablegt, ©eine Äibeiten füi biefeS dirono* 
logift^ JEBrr! ftetfen, uric bcgiei^ui^, in emei geunffen SQSe^I« 
uriiEnng mit feinei Sel^nbtung ber ©ubfcripttonen beS Sobe£. 

4. §aIoanber'ä ÄuSflobe ber K o ö e U e n ») ift bie erf te, roeWie 
ben giied^ifcitien Xe^t enthält unb gmar in ber Slci^folge bei 
alten, aud 3;tber'S ü. 3dt ftammenben Sammlung bei 16S ÜRoUeQen. 
"Süe €kunblage ift Solognin'd %6f(^itft*) beS in bei äSarctanift^en 
Stfiliot^ gu Slorenj bamals, jet^t in ber Saurcntianif^, auf' 
bdDo^rtat SDIonufcriptS. SS utcb fett %uguftinuä allgemein 
angenommen, boft ^oloonbei nui biefe flbfc^rift in Bologna, 
nii^t boS Original felbft benu^t Ita&e. (Sx fetbft fagt in bei 



1} Sit nuiben crft 1546 unb 1547 ouSgegniEitn. 

2) Unter blt]tn: „Prosper chronicon" unb „Ktlendarinm biaaextile 
antiqnoiii*'. 

3) »itner, öef*. b. MowKtn S. 341 ff. 557 ff. 

4} (Ee finbtt n4 in i^r bd bct Sofceune Don Not. 145 bü 149 folgenbe 
tigniWnbiBe Sotij ^toanbft'«; tovto 9i ri 7th.fifia.riua tov fiißkoyffäifw 

fyiä Fftiyö^f 'AiiiavSfos npmrot iv^xa, ^cimba^, 3*''1'^' f' 9^<fl- 

Slt^ttaiiftnif^aft 8, 330. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



198 emti JMid- 

Epiet dedicatoria, bag nie et ^aube nui pxi 3)Ianufcn)rtt 1 
bei giie(^tf(^ett SRoDeQen e^ifttiten, toefdie in Stoßen i^ffentli^ 
auf6ctoaf|rt Ipütben. Ci> tx batnif bai i^ienliner Original imb 
IBoIognin'd Sbf^iift bejet^nett tviXL, ober ob ei fc^im bon bcm | 
in bct SRatctotnf i^en 8)tbIto%f ju iBtnebig beftnblti^n äXanufcril>t 
^nbe ^tte unb jene beiben nie Sin^ betrachtete, mul ba^itt< 
gefteUt bleiben: ob^lä^ ti na^e (iegt anjune^men, bag ei bon 
bem leiteten, ml^ti einige ^o^ce fpätei SSigliud bon Smt^ 1 
bcrm^te, bur^ (ggnattuS Slad^tt^t ccffoltea. ^tte. ©etbig ift, 
bag er biefeä triebt benugt, bagegen bte Slbfdfitft ^otognin'iS, 
aUeibingS ntd|t o^ne fü^ne Smettbattonen'), jum ^brud gebraut 1 
t)at. Snbeg giebt er biefelbe nic^t gang; eS fehlen bie oIS Not. 
166—168 bann entt|a(tenen ISpar^tca unb bic 91obe&en anberet 
grie^ifc^en ffi^ifer, meiere ^oloanber, tote er fagt, t^lS meU er i 
nur bie 9ioDeQen Suftiitian'ö publiciien ivoUte, t^ali toeit ibm ' 
bte 3^'^ fc^lt^ ttimoeggelaffen l^at. ^emungeati^tet ^at er bit 
unter ^ftinian'ii StobeÖen eingemifditen ^ber'i» n. unb Suftin'SU. 
ni(^t auSgef^eben unb bie Canones apostolorum hinzugefügt | 

Snbeg ift bte @ammfung tneit babon entfernt, boDftönbtg ju 
fein. 9hii 122 92obeIIen liegen bor; von 23 nur Summen ober 
iRubrifen unb Snfcrijjtton; 20 fet|Ien gonj. 

Sine fetir tei^ttge 3"fl*i^^ biibtt bagegcn ber tateinifdie 
9tobeacnte£t. SHefer beftet)t für jene 122 SlobeQen auS einer 
bon ^oloonbet fetbft ongefcrtigfen Ueberfctjung*). SBo er ben 
griec^tf(^en Xt^t mangelhaft fonb, ba ergänzte ci i^ auS bei 
93ulgata (xthoi^ mit Senbeiungen), iSrgSnjungen, bie er bunf| 
Surfibfdinft bemerÜtc^ mai^t. %Dn 24 StobeQen, bcien grte^ift^ 
%eiEt ifittt fehlte, gab er ben 3:«£t beä Hut^nticum, fo bag alfo 
fein lateiitifd^er ^e^t im ©ansen 146 9}oDeIIen boKftänbtg bat« 
bietet. Stugerbem ^at er bon 10 fHoßtüen bie griec^ifdien Summen 



1) ^timbai), ä«tfd|i. f. at(4 Kn^ltotümft^aft 6, S36FF. Wiener, 
0ej(^. b. SIotwDen €. 570. 

2) <tt confcrirtc baiübet mit 9ßitt^elinn, bnt ei Ingen einet StcQe in 
Not. I, 3 um !Rat^ nfuifite. Freytag, Epist p. 3ßs. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. ©ngor ^alMniet, 199 

ü&trfe^t; 9 StobeUm fctilen gänjUt^, toeil au^ bte ^Igata fie 
nid|t oit^t. Iiurt^ Sßerft^ieben^eit be8 SJrud« unterjt^eibrt 
er: bie eigene Ueberfe^ung, ben SBuIgat»3;ejt berjaiigen ffiowllen, 
midie er für uifprüngödi in Iateini(d|er ©^iradic etlaffen, imb 
ben SSuIgQt'Xejt, »eichen er fftr Uefterje^uitg cineS griec^iid^en 
OnginallB I|ielt. UetirigenS giebt er ben SSorttaut beS Sut^en» 
ticutn, namentlich in le^terem ^aüt, nid)t immer genau toieber. 
3. äßügen nun aai) bie ^loanbrifi^n arbeiten f)>äter 
buri^ Cfactere fritifd|e ÜRettjobe unb iBenu^ung eines reid^eten 
?11)poratS in i^ren ergebniffen flbertroffen fein unb mögen fie b« 
in unfern ^gen ga metliobifc^er SioQenbung erI|o6enen tritifd^ 
Xed^nit foft ivert^Ioe erfi^einen, infofem fie berfefben fein jubeT> 
läffigeiS aVaterial barbieten; fo Eann bo(!^ bie I)iftörif(!^e SSebeutung 
unb baS agerbienft be8 beutfc^en ®elel|tten niti^t ^oä) genug ange* 
ff^logen loerben. 9li(!^t fiatte er fit^ bie Aufgabe fo gefteüt, wie 
fte bei heutigen fritif^ Untemet)mungen fc^arf formulirt mirb, 
bie XejteSform auf bie am beften beglaubigte Ueberliefening 
jurfidjufül^lten ; fonbem er bejUKdte, aus ben mannigfaltigen Hebet: 
lieferungen, unter benen er feiner eine abfolut binbenbe Autorität 
iufdjrieb, bun^ 3[usaal)[ einen ledbaren %eff lierjufteQen. di 
Bwr il|m me^r um SBrauc^barfeit unb Cerftttubtitlileit ali um 
au|erli(^ beglaubigte Sc^t^t gu t^un. Sad Sorrecte fc^ien 
i^m bad innetfii^ am beften beglaubigte ju fein, unb er ^ielt 
fn^ baburt^ ju oft Ffi^ner Sonjecturathitit berechtigt. Sireffenb 
fagl a. SB. Sramer'): „feine ffiritif ift, wie für berjroeifelte 
^anfe ftc^^S gebührt, ttd, fü^n, burdigreifenb, unb fein ©eift, 
iu fe^i bun^ bie SSfät^n beS f(^önen älltert^umd tKnofi^nt, 
finbet ftc!^ bidleic^t nur not^ ju toenig in baiS falbe Saub ber 
fmlenben ®pxai^t fftomi". Sr ift ber Srfte gewefen, ber bie 
Öbne X^ot getragt unb bur^gefü^rf ^at, bie Suftinianifcfien 
DueQtn auf einet Von ben Xrabitionen bes ^ittelaüerä unab^ 
gängigen ©runblage betjufteQen unb fie in biefer befreiten ®eftalt 



1) 3dtf(^ f. a^ij. »f4t«nii(fenf(^ft 2, 802. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



200 @«^toS SiapM. 

feinen 3Äteeni>ffen in bie §anb ju geben. 3>urc^ feine 9ud= 
gaben ift erft bei fSm^ mit bei f^otofttf^ ^n8;)rubenj 
fnfltbaE BoHjOßen unb einer neuen SSiffenftfyift bie äufiere ®iunb« 
läge beieitet. ^>etm moditen feine %t^ oudr baä 3iel, bie 
XSoite be8 ©efe^e&ecS in ifycn uif))Täng(i^ii ^otm ju geben, 
nidjt erreid^en, fo toot boc^ in i^nen unb burd) fie ber ©runb» 
faf^ jur @elbing gebracht, bag eS auf biefe unb nid^t bie f(^i>< 
taftifdie Xiabition antonune. 

aSaS ferner bie §aIoanbrif<i^en SCuSgoben för bie görberung 
beä äSerftänbnijfe« bei DueUen bebeuten, öerfte^t man nur bann, 
toenn man feine Xe^e mit ben bon ^^lern unb finntofen f(bg^ 
fc^marft^iten erfüllten 3;ejten ber Derbteiteten Ausgaben unb 
ganbfdtiriften bergleiti^t, benen bie Sarborei ber ©diotaftS, bie 
©feii^gUItigteit gegen bie urfpcünglii^en Duellen an ber @timc 
gefd)rie6en ftanb. 

5)ie)e Sebeutung ber §Qloanbri[i^n Siciftungen f^Jiegelt ftc^ 
in ben Seufietungen ber 3fitgenDffen , bie je nad^ i^rer »iffen; 
fc^aftlidien Stti^tung (Stellung baju nel^men. ß^f^uä, bem $irl= 
Reimer ein Sjemtitar ber ^anbellen ft^enfte, loetfe in feinen ©riefe« 
(aum aSorte ä" finben, um feiner Setoimberung ^aloanber'S, 
feiner greube über bie ^erfteHung beS reinen %e^^ ?Iu8brud 
ju geben. (Stnge^enbe unb fefter kgrünbete SSürbigung bei 
fritifc^en (Srunbfäge ift jnar bei tl|m ni^t ju fuc^en. JObgleidi 
er \xi) ju ^oliiian'8 SKeinung Don ber unbebingten Autorität 
ber S^oientina befannt unb bieS gegen ältciat ueitieten ^tte, 
ift er bocti mit ^oloanber'g, von entgegengefe^tem ©tanb^iunfte 
auäge^enbem Sierfafjren bem ©rfolge nat§ etnöerftonben. S)ei 
innere 9Bert^ ber SeSatten, bie reinere 35iction ift eS, ttele^ 
it|n getoinnt')- Sfe^nlidie« fiob fpenbet granj S)uarenu8 in 
feinen Dispntationes anniverB&riae , bereu erfter %t)etl un- 
mittelbar nad^ ber ^aloanbrif^en $anbeftenauggabe erf<^ten; 
er nennt i^n Juris romani vere instauratorem" , unb wenn 



I) ©tintitng, U. 3atiu3 ©.281 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. ©KflOT ^loflnbct. 201 

ei \vSf aui^ ffifitet bei S^reQtft^ett VuSgabe saan%t, fo ^tt 
ei lio^ an bcm ^toloonbrifil^en ©runbfo^e feft, bag neben bei 
(^onntina auij^ anbete ^onbfi^rtften 89erüdftd|tiguRg oetbienen. 
Clbenboct) fpric^t in feinet Epistola dedicatoria jur Isagoge 
(1539) bon brt {eit ^aloonber'S ^nbeftenaujSgabe eitDac^ten 
Wütite bee riuilifttff^n @tubtum9 unb pteift in feinet W>^ 
tjauMung hQqo tempore Romanomm leges iotrodactae, rursua 
oppreaaae tandemque restitutae sunt* ^oloanber'^ unb beS 
Stümberger Status SSerbienfte, ben frfi^ ^b bti großen ®e> 
lehrten brffagenb. @dbft 9(uguftinu2 untetlägt bei feiltet 
$oIemif nt^t, feine Slnettennung füc bie ©ele^rfamfeit unb ben 
Sc^atfftnn feinefi buti^ ^flffSmtttel tuenigei 6egänftigtm 8Jot> 
ganger^ (uiAjuf))red|en. 

^oloonber fonnte fi(^ fction in feiner ^orrebe junt <Sobe; 
bei Idi^ften 3>if'intntung unb Snerfennung bei beften @ele^iten 
ifi^cn; nQetn nic^t minbei ^atte et Übet bie l£in)vürfe einet 
|e^i entf^icbenen unb mistigen @eQen))aitei ju belichten. Untet 
ben Segnem leugneten bte Sinen geiabegu, bog tigenb ein ^> 
b&rfnig bei Sßebifion beS ZceteS befte^e, ba et in gutem tSeftonbe 
überliefeit fei unb übetbted bte ©loffe nebft ben (Sommentaten 
bc3 SoitoIuS unb 3oIbuS bie iSenu^ung beS Xe^teS eiferten, 
änbere finbcn e8 bebeuKic^, ja nnjulöffig, ben Sijt in eine 
anbete ©eftoU ju btingen otine @tiau6nifi bei Saiferö; unb 
biefem ©ntDonbe, bei H^ "nf bte annähme einet burdEj Uebet« 
liefrcung fanctioniiten 3:<fte8forni grunbet, gloubt ^aloanbet in 
IGngeter $(udfüf|ning begegnen ju muffen. @r beruft fic| barauf, 
bofe e3 Bon jetiet geftattet geroefen fei, beffere §Qnbfd)riften ben 
f^Ie^teten Dorjuji^, Sttete unb jüngere ju bergtei(^en unb 
bonat^ ben Sejt ju cortigiren; feit Stccurfiu«' 3eiten fei bicfl 
gefc^e^, unb noi^bem nun me^t alS jUKi Sa^te feit bec @bitton 
friner ^onbelten t)erfIoffen, fei bei ^ifer nitt|t nut nii^t bagegen 
eingef^ttttcn, fonbem ^abe fogOT bem ^Jetreju* in Slnerfennung 
feiner SSeibienfte ein ^Dilegium gegen 9ta(^brud ett^t, wotin 
bD(^ jebenfalls eine ftißfdinmgenbe ©en^migung liege. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



202 etc^ftcS Sa)titel. 

!Dex Sifeifel an ber formal ret^tlic^en ©tott^frigfeit beö 
§alottnbrtf(^ Unternehmen« lueijt auf me8 ber (c^toierigften 
^obleme iei beutf^n Sled^tSjuftanbe« unb fetitec SnttDti&ung 
^ht. ^t eS richtig, bag bei SintDonb tetn ©etcic^t ^at, rii^tig, 
bag eä eine ^etCömmlu^e fBefugntg ber ©eierten ift, ben 3^ 
ber ^uftitriartifdien älei^tiSbüd^ei na(^ imffenfc^aftlu^en ©rftnbcn 
ju gcftoltcn, Ueberiieferteä ju oertoer^, anbete« an bic ©tdle 
ju fe^en; fo folgt barau«, bofe e« bem flonjen ffled^tSjuftanbe an 
ber feftcn fotnialeiliBiiftS fe^lt unb bafi ba8 fatfetitdie 
91ec^t nur badjtntge ift, toai bte SSiffenft^aft anetfennt. 

^ie gio^e äße^rja^I ber ©ele^tten jener 'XaQC tnoxen ber 
^loanbttfd^en Strbeiten beiinwgen fro^, toeil fie barin nidit tnti 
eine ictne, fonbem au^ eine fefte unb flaie ©lunbtage iti 
loiferli^en Wec^t» getoonnen ju I|a6en glaubten, ftlletn fi|(rt» 
^ääHifS) E)at bur(^ ^oloanber gerobe bie geftigteit bei ®runb(dge 
ben legten @ti)^ einölten. SSon nun an tritt fein Xegt aii 
eine jteeite ^oteng neben bie conuenttoneQ reciptrte Vo^ata; 
unb mit ben foitfc^reitenben frittfd|en Vr&etten ftetgt bte Un< 
gettrig^t, compliciren fidi bie i!f>:agen. 9£aS ift, nad^bem bie 
loreQifc^e Ausgabe erf(^ienen ift, ba« ipiriltcfi geltenbe Äe^t 
ber ^onbetten? ber Xe^t ber Vulgata, ber Haloandrina ober 
ber Florentina? SSafi ift baS geltenbe 91e(^t ber SRobcOen, bie 
Versio vulgata im Stut^ttcum, ber gried|if(^ %e^ ^loanber'S 
ober ber bon <Scrimger ebirte? 

Sroat gegen bte binbenbe j^raft beä grie^tf^ Stobellen' 
tejteä beftanben bte getoiifftigften Sebeirfen. Denn uidjt iwt 
fet)Ite i^m jebe Autorität ber Ueberßefeiung , ba ei 3U ben 
Reiten ber ©loffatoren, otS not^ ber aifgemeinen Smtaftmt 
fiaifer fiot^ar II. bem rSmifd^ 91e(^t ^lUttgteit fär baS 91ci4 
gegeben, nit^t oor^anben geioefeit unb nui em Smietb bei ®f 
lehrten neueften 2)atumS ukii; fonbem fc^on auS bem pnrftifi^ 
jroingenben ©runbe, baß fetbft oon ben 8le<§t8gele§rten nur bie 
aSentgften im Stanbe toaren, benfelben ju berfte^, bie iQenu^ong 
in meitecem Äreife unm5glit§ toar. gör bie Sßanbeften a&ei, ben 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. ISngoi {NilDoitba; 203 

€otit| unb bie Snftttutionen, Uo ^ fi(^ tnd|t um rtnen fo abfotuten 
©egenfat bei» Sltm junt 9Ieutn ^anbeltc, tnugte eS bent toiffen* 
fdKiftlii^ Urt^e beS ©iijelJim fl6etlaffen bfetben, jtDtfdiat ben 
Detf(^tebenra fieBacten ju vo&)lea, unb jUKit um fo me^r, als bas, 
DM^ man Valgata nannte, fetbft feinen unjnwfeC^aften 83eftanb 
im Shi^etnen aufuried. Unb Uienn man ^iex ein electttied 93et> 
^ten jnlieg, fo lonnte man cd aui^ bejOgltc^ bei 'Slow-äm ni^t 
abk^nen; man fornite ft^ ni^t bagegen berf^Itegen, ben grie^i' 
ji^ Xe^t, fei cd anmittelbar, fei eS in ber ^loanbtift^en lieber^ 
fc{!ung, aU frififc^ unb e^etif^eS ^ülfSnttttd ba ju gebrauten, 
vo baS Anthentäcam bei 9!ad^^ülfe ^ebutfte. 

@o ^ben benn bie $aloanbtif^en aibetten baS gemeine 
^tift in Xieutf^Iottb rnc^t nur oon ber fc^olaftifc^ Xtobition 
gdSft, fonbem in getoiffem @inne toon bem S^e^te emaiicif>irt, 
inbem fte biefen fdbft ber miffenft^oftHd^en ©eftaltung unter« 
tttifen, unb juwr einet frittfc^en Sßrfifung, bie i^re ®ntf^bung8« 
nonn ni(^t blo% 2u|erei Beglaubigung, fonbern inneren ©rünben 
bn Kngemeffen^t entninnnt. hierin tritt ber extreme ©egenfat 
giti mittdaltertic^en 3unS)mibeng ^erDor. SSat biefe ge&unben 
biiiiii Sutontäten, bie ^xt üiecaii auger fti^, unb nur in [i^ 
fclbft md|t, füllte unb fanb; fo tft nun bie burd) miffenfc^aftlidK 
^iftfung beglaubigte Sa^^t jur einjigen Autorität gdvorben, 
brr fu^ felbft ber Ze^t bed ^e^ unteiotbnen mu|. S)amit ift 
bfnn a6et au(!^ fatDo^t bad t]runbament, Uiie ber ©e^alt 
Ui gemeinen laiferlic^en 8fted|tö in ^lv% gebradit. 

4. Die hitifi^c Bearbeitung beS 3uftinianif(^en Jette* jiefit 
fit^ burt^ boS 16. So^t^unbert fort. Sie wirb ober nad^ 
^•olomibei Don teinem Xieutf^en in grdgerem ©tile unter» 
nommen, unb mit ^ben nur in einem UeberblicEe baijufteUen, 
in nxl^ SSei^attniffe bie tieiortragenbften fntift^en Srbnten 
unb l^itionen ber foEgenben Qdt ju ^loanber fte^ 

S&r bie ^anbeften ift feine SIecenfton aufgenommen 
ainUxR in bie Ausgaben §ugo a ^ßorta'iS 1538. 1539. 1542; 
tten fo in bie Bon 3. ^erroagcn, Bafel 1541, jdiot^ mit ®men» 

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204 @ci^(tee SaUfitä. I 

battonen nac| einer ^onbfi^iift beS %kiai. Um biefe 3at abei 
beginnt fd)pn eme neue l£))0(^ bet ^nbeftenfrttif, tneli^ ^■ 
toanber'S Seiftungen iibec^dt. 

'Sxm Vornehmen Spanier SlntontuS SuguftinuS aui 
iSaragoffa narb eS burd^ bie @unft Softino'& aRebici geftatfot, bos | 
gtotentinei äRanulcript (orgf&Itig ju coHotionircn. 2)ie Gcgefmitlf 
feiner ©tubien fagte er in feinen £meadationam et opinionom 
libri quataor (Venet. 1543. 4^ Basil. 1544. S") jufammen, eint 
©(^rtft, Wellte Don feinet eminenten tritifdren 9efäl)tg)ing m i 
glänjenbee 3^"i6 erlegt. SSon fetner ft^ecen @ninbtage aai 
polemifitt er eifolgiei^ gegen ^oloanbet. @i futi^t nat^juracifen, 
bafi biefer nit^t einmal ^ulijian'S fßapiere unmittelbaT Umtft 
f^bt, fonbent auf ben ©i^ultern beä unjuverldffigen iSotogninu^ , 
ftetie. SSie Veit biefer Botmurf begriinbet ift, ift oben geprnfi I 
nporben. K6er KuguftinuS ift in feiner iBeutt^ünng bet ^• 
loanbcifc^en Seiftungen in fo fem ungereimt , alS et Oon bm 
entgegengefegten ©tanbpunfte , nömlid^ ber Mnna^me einet un' 
bebtngten 9(utoittät ber ^loreitttna, atgumeRtttt. ^od| üi 
biefe Oon nun an me^r unb met)r jur ®e(tung gefomnten unb : 
E)at bie folgenben fritifc^en ?[rbeiten be^eitii^t. 2>ie Suegatieii 
beS 3ac. SSintimtUiua ^ani 1548. 8° unb äßirfiud 1548—1550 
$ari8 4", eben fo bie Don ^ugo a ^^Sorto 1551. 4^ 1551—1553 
fol. befolgten, Derlaffen ft^on ben $aIoanbtif(^en 'Xe^ unb 
Ratten fic^ an Slugufttn'i^ (Smenbationen, fomte an SeSarten btr 
^orentina, toelt^e bie ^raufigriwr fic^ unter bet ^ktnb von 
3:oreai'S t^reunben ju berfc^affen genügt Ratten. 

X)enn fi^on n>d[)renb bed %[ufent^a(tS üuguftin'S in glotenj 
aar Selio ^orelli mit bm Vorarbeiten einer STu^gabe bei 
^anheften, Welche baS berühmte 9Honufcn|)t in Eftcin^eit unb 
ä^oUftänbigCett miebetgeben foQte, befc^äftigt; je^n 3al|tt lang 
nur i9 i^m ju freiefter SSenngung überlajfen; 1553 erfd^ien ]te 
enblic^ in glfinicnbet ÄuSftattung. 

^on nun an bilbet bei ^letlifcfie ^e£t bie (^tuidilage; 
aQein ba ^oreQi fid^ siid^t auf eine rein mei^anifc&e äSiebergabc 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. »ngot ^aloanber. 205 

W(^i:diift, joiAcm Surfen bejei^net unb ^Ibft ergdnät, auf 
tJe^tn nnb berbät^tige Scharten ttingODiefen ^atte, fo behielt t>te 
Siiti! felbft auf biefer ©lunblage noi^ ©pieliaum. Subtuig 
ähiffarb, ^ofeffor in JBouiged, fe^te fd|on 1561 netten ben 
XoiiKifdicn ^&£t 9Jartanten nai^ anberm ^nbfi^TJften unb na(^ 
§Qloanbfr; ö^nlil^ oerfu^r ß. U^oranbaä 1575 unb Sful. SßociuS 
1Ö80; aud^ ©onttuS 1571. 1581, b« iebod) ben ^tcjt bet glo» 
lotttnei XuSgobe mit giögeier ©enouigfett liefeite, aud| bie in 
ber Jloroittno fefilenben gragmente D. 48, 20. 22 nad^ ©ujaS' 
Uebnrfe^ng ani ben fBafittfen ergänzte. 

Ser ^aloanbnf^ %eff ber ^nftitutionen ift, obgleti^ 
er ni^t auf fdbfldnbiget ^nbfc^nftenvergleidiung Beruht, in ben 
folgenben ?tu8golicn faf* ouaft^iefefidi reci^jirt »orben. Snief 
biitgd tontmen «nige abweic^mbe Secenfionen »or, unb Sluffni* 
Geferte 1560 ben ^atoonbrifi^en 3>£t mit (Smenbationen nai^ 
7 ^anb^tiften. a0etn erft ßontiuS er^ob (1560) gegen bic 
tntifdien iSlrunbfa^, nac^ benen ^aloanber benfetben geftoltet 
fyiOt. entft^iebene iSinfpra^e unb itoai tn fo fem mit 91et|t, aU 
bic Snftttuttonen ba, too fte mit ben $anbdten übeteinfttmmen, 
bo(^ ni^t bloge ^bfi^iift, fonbern oft eine neue Seacbeitung 
ber betttffenben ©teUen fein füllen. EontiuS gab eine neue 
Stetenfton „ex antiquissimiB esemplaribas". S)ann fotgte 1585 
bic bmt Sujae, 1588 bie ton ^otomonud, nei^t nun ju flbei* 
wegnAem Sbtfe^ gelangten. 

2*c ©obes ift längere geit nur nat^ §aloanber'8 Meceu' 
fion ttneber gebnuft loorben, bis äJItcäuS 15Ö0, ShiffarbuS 
1061 intb SontiuS 1562 (unb f))äter} neue SHecenfionen pubticirten 
imb Snjae 1562 bie brei legten 89äci^ex ebirte — SluSgaben, ju 
benen neben mand|cn ^Kntbfi^Tiften nomentlit^ bie neue S(u8gabe 
bc« Sobe; 3:^obofianu8 t)on %H\ai 1550, fomie bie auf ^er^ 
fteOimg bet grie^ift^ @:onftitutionen geri(!|teten Stbeiten bei 
Sfngufünu« unb SujaS öertoenbet nwrben Eonnten. 

öfjflgli^ bet 5Roi) eilen toar galoanber'S Seform ju 
rabtcal, alS bag fte cafi^e Srfolgc Eidtte ^aben fönnen. ^eorie 

D,q,i,i.:db,.Goo<ik 



206 €t4ReS «opJttL 

unb ^ofid hielten an htm iibeiliefetten @age „Graec& non 
läguutur" feft. 2)te nä(^ftfoIgeiü>en ^ägaben gaben nur baS 
aSoIumen in feiner atten @(ftalt @r[t bie ^leitnagen'f^ Sind' 
gäbe beS Corpus juris, iBafel 1541. foL, über toelc^e unten aai= 
fitt^rlid^ei ju ffiredien ift, reticobuciite bie ^aloanbtifdim ^lotxUen, 
fügte jeboi^ Sntenbationen unb ©upftemente ^inju, wü^ m 
aJtgliuS' Senugung beS Sknetianer 9)}attu{crif)ti3 tienifien. S(u^ bie 
Äugflflben bon ©uiflarb, «ßariä 1542. 1548. 8°, geben öaloanber'S 
kteinifc^eii tCeit; bie bon 1542. 1553. 8° bcn gtte^ifi^ mit 
l@erfidfic!^tigung bei iBaflec ©up)>Ieniente. StnjiDifdien obn i» 
mi^te auguftinu« feinen Äufent^att ht SStalien jur SBorbcreitimfl 
einet neuen, auf 93eigtet^ung bed i^mentin« unb beS Senettoner 
äßaiiufcntiti} beru^ben Ausgabe. @eine äiotarfieiten tDoten 
1544 uollenbet, boc^ ift er jnr Verausgabe nt^t geCongt 9>a' 
gegen ebiitc bet ®(^otte ^einri^ ©crimger 1558 (excndebat 
Henricne Stephanns Huldrici Fuggeri typographus. Oeat. fol.) 
bie grieditft^en 9!obeQen in neuer @eftalt unb DoQftfinbigei, oli 
efi Von ^oloanber gef(^e^en mar. @r giebt an, bag er ttoDDoUa 
retuBta exemptaria benu^t ^be; nac^lDeiSlic^ aber liegt nur 
bie benetianif^e ^anbf^rift ju @runbe. ^ientai^ ^at iura 
§einri(^ ag^IäuS (f. unten) ein Supplementum versioDis No- 
vellamm Haloandrinae. Colon. 1560. S" herausgegeben, in 
meiern er bie bei ^oloanber fe^Ienben 23 SlotoeUen äbeif^tt 
unb äu ber ^oloonbrif^en Uebcrf^ung, bie er im Uebiigen für 
uniibertreffli<$ erfläite, nad^ ©crimgei'S Xe^t Srgänjungen unb 
Smenbationen lieferte. SontiuS ^at feine Irittfi^e S^tigfett 
auc^ auf bie SJlabeKen erftrerft, unb Bon feinen StuSgaben ift We 
ämeite (Lugdan, 1571. 8") ju gro&er ®eltung gelangt. &t gicH 
ben grie^ift^en Slc^t oline neue JBeatbettuiifl na(^ «Scrimgei: 
bet tateintfc^e %e^ ift bagegen au3 bet emenbtrten IQuIgata, bet 
Ueberfe^ung ^loonbet'S, ben arbeiten beS Stg^ÜuS, eigener 
Uebetfegung beS Sontiu» unb nai} einigen anbcm ©tflftn 
jufanunengefügt; bie ©ubfcrifitionen finb neu fiberai^tet lieber^ 
bteä ^t SontiuS bie mittelalterliche Sint^eilung bejS 8tu%nticuin 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



n. ®rtßot ftaloanbct. 207 

in neun 6oIIationen auf bte 168 9ioi)elIen fo gut eS QOjtn 
tDoIUe Übntiagen, aber mit E9ett>e^Itung bei JDitmung tiet 
Qiieditf^ @amtnlung, tocli^e Don bet Otbnung her SJuIgata 
nii^t [eüen abttKi^t. Sttblic^ ftnb bon t^m bte einzelnen 9to= 
»Hai in Aapitel geteilt; bei EpiloguB i|t abgetrennt unb bec 
^ang mit Praefatio bejeit^net. ^ge^dngt finb ber ^mm< 
lung bie Sogenannten 13 ISbtcte Suftinian'S, fotptc bie SRooeUcn 
Suftin'« unb Siber'S nod| ©crimger u. f. B. 

3)iefe Ueberfi^t bcu Bif^tigften Srfc^einunflen jcigt, ba^ bie 
ffiiffenf(^ft in ben nof^ften 40 Sofien nact) ^oloonber eine 
imgemetn rege unb ergiebige IS^&tigfett auf bem hittfi^en ©ebiet 
entfaltete. äSie teeit unb in itielc^er %rt beutfdie ©ele^rte an 
biefen Arbeiten fii^ bet^igt ^aben, »rirb ber fotgenbe Stbfc^nitt 
ergeben. 3n getoaltigen äRaffen Uurbe baS Corpus juris bun^ 
bie i»etfcE|iebcnften Ausgaben beibreitet. Steten ben neuen SRe» 
cenjtonen ging immer no^ bie afte SSulgata ein^ unb mürbe 
in benjemgen Suägaben, mel(^e bie ©loffe beifügten, aufä neue 
gebtndt. S)enn ni^t nur bel)au)>teten fie i^re Geltung in ber 
^tc^i, fonbem man tuoDte awSj bie @[offe nt^t entbetiten unb 
Ijtelt mit 9te(^t bafüi, bag baS gloffirte Corpus juriB olS eine 
obgef^Ioffcne Uebeilieferung nad) anbeten ©ninbfä^n ^ if 
fjonbeln fei alä bie reinen S^jteSouSgaben, inbem man mit ber 
@loffe leine anbcre lesteäform »erbinben bflrfe ali biejentge, 
tD^c^ SccurftuS Dor Stugen gehabt fyxbe. Seboc!^ ftnb in fpätem 
ftloffirten 8Iu8goben (j. S. ft^on SßariS 1559) bie Seäarten ber 
Slorentina al8 aSarianten am Sianbe bemerit. 

'SxA (Skfammtergebnig toar, bag im achten 3at|rje^nt bed 
16. 3at)t^unbertä bie S^ftiniantf(^ Quellen in einer laum über^^ 
fclibaren ä^Ianntgfalttgfett oblvei^enbeT formen Oortagen. 3)a8 
Stieben, von iDet^em man bei ben frittfdien 9Irbeiten auSge= 
gangen toar, ffir baS gettenbe 9led|t eine fefte ©lunbtage ju 
(|ntitnnen, Itatte ju bem entgegengefe^ten fRefuItate geführt. 

68 ift nun bemerlenaioert^, bo^ fi(^ auf btefem ®ebtete ein 
ä^nlit^ ^oce| OotljDgen ^at tote am ©t^Iuffe ber Sßeriobe 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



208 ®tdifM ftdtittd. 

bn ©toffatorm auf bem ©ebtete bet ffijeßefe. 3in 3a§te 15ö3 
erf^ien bie ©efammt^eit bet Suftiniantfdien 9{e(^tSbfii^T sum 
elften Sütdit als eine tQ))ograp^if(^e @tnt^t untn bem Xtttl 
Corpus juris ciTÜis, einer jnjor längft flebtäud)£id|en , aber in 
bicfet 9lrt biSf^tt ni(^t angemenbeten Sejeti^iiHnfl*); ^nuä' 
gegeben unb mit Sommentor begleitet uon 3)ton^& @i)tt)o> 
f rebus. £ie ^irr gegebene S^e^teSform ift Von bem ^erou^ 
geber felbft in brderici Ausgaben toiebet^olt ebirt worben: füiif= 
mot (1583 [1585]. 1590. 1602. 1607. 1624) mit feinem 
Kommentar, 4"; breimol (1589. 1604. 1612) mit ber ©loffe, 
fol; Biermal (1587. 1598. 1606. 1625) o^ne aDe Koten, 8". 
<Sie f)at bann jnet ^^r^unbette ^inburc^ mef)r otS ^fjig 
äluftagen erlebt, unter ben ^finben Serfdiiebener S^rwferden unb 
Sbitoren nur nnnig tierdnbert*). 

Ser ®otf|Dftebifi^ Xejt ift o^ne felbftänbtgen ftitif^eB 
SSkrt^, nur aus ben Dorfiergetienben 9lecenfionen jufammengefe^l. 
StDein feine ^iftorif^e flSebeutung liegt barin, bag et cincStEieUg 
ben abfd|(u6 ber tritifd^en Sid^tung in ber 3uri8pmbenj, beien 
älrbeit nun gänjlii^ ru^te, bis $einri^ SDrencmonn (f 1736) fK 
o^ne unmittelbaren @rfoIg mieber anregte, bejei^net; anbemt^ä 
rf)en bicfet a:ejt folc^S Änfe^en erlangte, bog er gcrabeju ali 
ber von ber ^ßra;^3 xtcxpitte betrachtet uutbe. ©(^on Saci^nä 
©ot^ofrebuS fonnte in ben f)>äteten SluSgoben feines Manniüe 
juris fagen (Bibliotfaecac. IV): postremum omniom D. Gotho- 
fredi patris mei editio, jam totiua orbis et angastlssiiiioniin 
tribunalium cousengu recepta est; unb eben fo äugem fl(^ flutete 
Stteratoren *). ©o ift nun für lange 3«* eine XcEteSfonn 

1) Corpus juris civilis in IUI partes dlBtiactam eU. Aotbor« 
DionyBio Qothofredo. J. C. — Genevae excudebat Jacobns Stoer. 1683. 4*; 
jugldi^ Lngdnni in officioa Bartholom. Yincantii (bed Scriega«), 

2) t). eot^ofrebuS ftorb 1623. I<ic wSjtfit^ol^mbm liuiffÄtn tefKgR 
|dn ®ot|n Sutofoiö nat^ ben ^interialfencn $at)icmi fetncS Soteia. — ViAa 
ftiite «uBfluben Dfll. SljnnaentuMB. Einteitunfl S. 839 ff. 

3) etoir«, ©iftorie hci: juriflift^n ©dn^rt^ 174S. S. 86. Stm», 
Bibliothsca juris ed. Buderns. Ed. Ym 1766. p. 89. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m 3>tt ^c^tx Zitttflmdlintioma. 209 

gefi^affcn, \odi^ bie @telliuig bet alten lectio rulgats eim 
nimmt. 9M)m birfei berädfti^tigt man in ©on^n nur not^ 
ttie ^aloanbrifc^ unb für bie ^nbetten bie Florentiner, tuie 
fu ta bei XoreQi'fi^en Sludgabe Dorliegt. 9et bm ^ioDtüea 
aber gerät^ ei in I6ergeffent)eit , bag ber bon ©ot^ofreb 
ebicte tateintft^ Xe^ auf Sontitid' Bearbeitung rut|t unb nic^t 
bie Teraio vnlgata beö Stut^nttcum tft, UK^^atb fi(^ bie 
Autorität biefer recipirten gorm mmertliäj auf bie @ot^o< 
frebtft^ überträgt 3n ben Snftttutionen lebt bie ^loloanbrifc^e 
9btcnfton fort. 

III. S9afe[er ebttionen. — 1. Sö ift beEannt, in mte 
Sro^attigem ©tilebie IBafler $ucf|bruder ^Imerbai^, groben, 
Qretonbcc iiiti> fpdter ^inrii^ ^Betci unb ^ertoogen feit bem 2. 3o^r< 
jc^t beS 16. ^^r^unbertS bie Verausgabe bon QueUentoerfen 
betrieben unb einen Areid oon ®e(e^tten um ftc^ fanunelten, ber 
iE)nen für ^tif unb Sorrectur [)ülfreic{|e ^anb leiflete. 2)ie 
8eete biefer Untetnet)inungen nrar SraämuS, jugleii^ ber 
äßagnet, ber bie beutfdien ^umantften an ben OberrfKUt jog 
unb feinen Sinpug auf bie Softer @ele^rten ni(|t berlor, ald 
er 1529 na^ grieiburg übeTfiebe{te, um erft in feinon lefften 
SebenSjafire nat^ SBafel jurüdsufe^ren. 

SiOR biefer ebten Snbuftrie ^t au(^ bie Suri&pcubenj i^d|te 
gebogen, tt>enn au(^ 9lümberg ft(^ burd) ^aloanber'S ^u8g(^en 
ben größeren Mufim enoarb. SBir fteHen im Solgenben bie 
bebeutcnbften in Ba^l erfd)ieneiten ausgaben jurifttfdKC Cuetlen 
jufammen unb UKrben babei jugleic^ itite Urt)eber fditibem, nenn 
Ttc au($ gr6gtentf)eU^ perfdnlidi nur borüberge^b in iBejietwng 
}u jener ©tobt geflonben ^en. ^nn ber Umftanb, tag bie 
CueOenauSgaben gerabe in Safcl erfc^ienen, tft, Ute ft^on baä 
<|kfagtc ergidit, nic^t ^uffUIigteit, fonbem eine SBirlung ber 
Ztnbenj ber boitigen X^fiografi^te. 9Sie SraSmud für bie ti»eoEo< 
gift^ unb ^umaniftijdien Unternehmungen ben iKittelpunft 6ilbete, 
fo loarb fpäter fein liebfter @(^üler unb ^unb SBonifaciud 
Slmerbai^ für bie jurifttfcfien $ub(icationen ber f&rbernbe 

«tiaitig, M«- b. amiRTnDn^ I. U 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



210 ©«bitt« Kapitel. 

pfleget unb SBermittter, um beffen ^etfott Wir baliet bie Sbt« 
toten gnt^piren burfen. 

Qx ift am 3. ^pnl 1495 alä briUer @o^n beS t&a^imitti 
^att!» Umtxiai^ geboten') nnb t|at feine etfte Silbung in bem 
Ureife unb unter ficitung bec ^umaniften cmfifangen, tvelc^e 
bamatS boS getftige ßeben feiner SBatetftabt trugen. 1513 jum 
äCagiftet promoDitt, jie^t er na^ greiburg gum 3tifiu*. *" 
beffen §aufe er als liebftcr ©i^üler bi* 1519 glürflic^e 3a^re 
beriebt ; bie gerieitäeiten meilt er in SSafel, bun^ ®raSmu8' Se^rt 
unb Umgang gefeffelL 1520 ge^t er nad) ^nignon, um Sldat 
ju !|0ten, cerlögt gleic^ feinem Se^rer bie ©tobt wegen bei im 
Sa^re 1521 au$6red)enben $eft, tefftt ahtt nai) etwa einffi^gon 
aufent^alt in SSafet ba^in juröif unb befuä(t hon 1522 Ui 
1524 bie SSotfefungen bed ^nj Don ^ifa. ^imgefe(|rt betDorii 
er fid^ um bie „lectio Sexti" in tJrrfburg; fie nwrb i^m im 
Stuguft 1524 fibertragen; aber fd^on im Dctober legte er fic 
ttieber tn 9[uSfic^t auf bie erlebtgte ^tofeffur be« <Si. KanttuncBlo 
in Öafel, bie i^m im SRoBember öertie^en worb. Dann jog er 
noi^ einmal nai^ Koignun, um p promoöiren (gebnior 1525). 
93ert)anblungen wegen einer Berufung nai^ ^etburg im ^ugiift 
1527 jerfditugen fid). ©eitbem Wjirhe er in feiner SBaterftubt 
als ^ofeffor unb iRec^tSconfulent , tiot^ angefe^en, einet her 
einflufetcic^ften ©Arger, mit ©tüdägötem reic^ gefegnet, bie et 
in bcr ebetften SSeife »erwenbete. ®r war öermfi^It mit SKart^a, 
ber ^oc^ter beö 9leuenbarger IBürgermdfteriS iBein^arb ^a^i. 
bie er um 20 Sa^re öbcttebte. <&x ftarb am 24. «prit 1562. 

eraSmuS, ber i^n Wie einen ©otin liebte, fe^te i^n jh 
feinem Stben ein: aber bie itim jufoKenben Äapitolicn üertoenbete 
Stmerba(^ ju reidierer ffluSftattung ber öon ©raBmuS betorbneten 
Stiftungen. — Qu ben reformatorifd^en Bewegungen in feiner 
SJaterftabt na^m er eine juröd^altenbe ©teltuug ein, ä^nlii^ 
feinen ße^rcm eraämu» unb 3ifiiiiS, o^ne jeboi^ Wie blefet an 



i)ajfli. a. b. «. 1,897 f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m. 3>i« S9afeln OiuanM&bitionni. 211 

bet fattiDlif(^en fitrdie feftjii^aUett. (Sine eble, anfpnc^enbc, 
feingebUbete $erf&iiltd)feit, allen ^Öfteren 3nteief[en, tueldie bie 
bewegte 3ett in feine flrcife trug, äugfingtif!^, bereit fie ju fßrbem, 
ben tJreiuAen ^ülfreidi bienenb nnb treulich feft^altenb. SBie er 
bem 3Rater ^ni ^olbein unb ben ©einigen Eielfenb jur Seite 
ftanb unb feine treue SJonHiarleii ben Hinterbliebenen beä Qa^md ') 
bovä^rte, fo ppegte er emftg bie getetirten Sierbtnbitngen , ju 
beren ^nfnOpfung Sojel jal^Ireit^e (Gelegenheiten bot. 9Iid|t 
bnrt^ gelehrte Schriften, beren 3Inierba(^ feine pubticirt §at, fto^I 
aber bun^ bie görbecung, toeli^e er ben SCrbeiten Stnberei mit 
91at^ unb X^at ju XfietI toerben lieg, t|at er ftd| um bie 9}ei^tS> 
niffenfdtaft bcrbimt gemacht, bergeftalt, bog toir i^n aU ben 
SBittetpunft anfe^en bütfen, an melden bie im golgenben ju 
befpiet^ben Seftrebungen fiti^ anlehnen. Unb no(^ |eute 
jit^ urir i^nt ju 2)an! berpflic^tet für bie bon i^m begrfinbeten 
mert^Bonen ©onrailungcn an ^anbft^tif ten , aSüt^em, fflnefen 
uidi ^o(bein')(^ SSilbem, tveldte (luenn auc^ ni^t o^ne SSer= 
lufte), nodibcin ba^ Smerbai^'fdie @kfd^Ie(^t mit feinem @o^ne 
Safilius*) erlofi^en loor, in baS @igent^um bei @tabt Safel 
übergegangen finb. l£r ge^Art bemna^ ju ben feltenen $erf5n> 
Kisten, nieldie fii!^ o^ne eigene probuctiDe Seiftungen butt^ 
risfu^tigeS unb t^atfr&ftigeS 3)}cicenatent^um einen ^ßla% in ber 
®ef[^i(^te ber Sunft unb SBiffcnfd^aft ermorben ^abcn. 



1) namcntlü^ htm ©o^ne 3i>f(flnn Ulrit^, bcm fpatercn MeirfiStricrta niler 
<tl&70). SflL bonlter Epist Jo. ülrici Zasii ed. StiDtEing. Basil. 

m-i. foL 

2) Qkh. 1. SKcember 1535, gcfl. 25. »peil 1591, ftubirt in »afel bie 
StfJrtf, e'** 1552 nodt labingcn, 1563 naii ^buo, 1555 mi) föologaa, 
hfu* fflom unb »HHJtl; »im WoWmbn: 1556 Wig Mprit 1567 in SSfltel. 
txnra bift ju Xuarni'S Sob, '^citß 1559, in SBourgt«. 1560 btetMgt tt 
ftnie Stnbiot bunfi einen piatti^itax SurfuS am ffleit^tamtnetsenf^ in 6pein. 
1562 uirii er ^TDfeffot in fSofd unb er^It 1664 bie ¥iutbenen)n:ofe|fuT [eineB 
^tOttt, Me er MB 2 3a^ On feinem Xobe verfa!^. tbu!^ bon i^m fmb 
lant 6(^nften tniBltctrt. Sgl H. b. JB. 1, 397. Amerbachiomm Epirtolae 
*i Hiehlj. 1877. i". (SeftJiTOgmmm,) 

14* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



212 Stüfftti SbipM. 

temkrfl um fftat^ »oegen iBefelung bei erlebigten ^ofcffur. 3>a8 
?[nttDortfd|teibeii*) ift metftofirbig butc^ öie Seutt^tlung bct 
^öorroflenbrn bamalS tcbenben Suriften; eS gab bic SJetan- 
liiffung, 1553 SRoIinfiitS (£u SRoitlin) nnb md) beffen Sbgang 
1555 ©tibatbiiä natij Xubtngen ju berufen. 9Iid|t aber in 
folcfien Srnfife^fungen unb gutad^tltdien Slat^f^tägen beruljt t>Dr< 
jugStoeife fein ©nf(uB, fonbem in ber 9Inregung trab S^^rbcrung. 
teeti^e er im perfönlii^en unb brieflii^cn SJerfetir auSfibte. Unb 
jwor ift eS ^rüorjuf)eben, bog et borjugaroeife auf bie grrociterang 
bti trifl^er tiefannten CluellengebteteS f|intote§ unb baS unffem 
f(t|aftliä|e Sntereffe Ober bie ©tenjen beS gßlttgen Suftinianifdien 
KedltS ^naujgfü^rcn fjfllf, inbem er ber Sbttion bDrjuftinionifi^ct 
OueQen, ber 9%eftitutiDn bcä gried^tff^en 9?oaeC[eme^eS , ber 
^raudgabe bpjantinifd^er SuriSprubeuj feine Unterfifigung li^'). 
Sarin liegt bcnn au^ bie etgenf^ümlic^c ©ebentung ber im 
^olgenben ju iefpre^enbcn ßeiftungcn, ba§ fie, abnwit^enb Ben 
ber fonft in 5;eutf(^Ianb ^errf^enben 9li(^tinig, ntt^t fcun^ bie 
Qtotdt ber ^rasiS beftimmt, eine foltere unb mef)r ^jftDn|d)e 
^uffoffung ber 91ei^tSDiffenf(^aft bäunben. 3n i^rer @efammt^eit 
umfaffen fic ben etroa öierjigidtirigen 3eitiQum »on ißonifociiiS 
«merbarfi'S ^ßrofeffur. 

8. Sofiann ©ic^orbt«), 1499 in Xauberbifcf|Df8^rim 
geboren, ^ot fli^ gleid) anbeten 3«tßeiii>ffen erft nai^ lanfliÄ^rigni 
^umaniftifi^en @tubien in reiferen 3at>ten ber 91ed|tStDiffenfct|oft 
jugenienbet. 9tac^bem er 1514 bie Unibecfität Sngolftobt belogen, 
t|iet al« §öter unb ^tiuatle^rer einige Sa^re »«lebt, bann on 



1) vom 16. CdDbi:); lä&2, abgtbruA bei 3Sant>TQ, 3. SiAaiM 
©.85 f. 

2) dtnumneS im Verlauf iti ^olgnibttL ^a fei btvxrdt, bafi and) 
S. Sone^biue (geft. 1&T4 in @enf; für [eine Juris oriant&lis libri III. Eicu- 
debat H. Stephanna. 1573. tj° etn Stanufcri))! ouS ttninbai^'e %HbIiM^ct affüt. 

3) Sgl. jtrat SDlgotbm «8. SRanbiQ, So^onneS Sic^atbt (®tmtg. 18H): 
eine 6(^ri|t, bun^ nieli^e bit übrige äitenUin ontiquirt i% 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



OL Sit Oatdci QiuQni*<EMtiDncR. 213 

bei SRüitc^et Bchola poetica alfl angefteUtei Sekret getnirft 
^tte, ging ei 1521, o&Uig mitteQDS, nac^ t^teibutg, loot)! in 
bei bibei vn^tbü^m ^of^iung, eine ^feffuc in ben ^umo' 
mfttfi^ gfi^t^tn j^ eilongen. Sfld $matle^irr t^ttg, Ie6te 
n in tKrttautem Umgänge mit Qa^iu^, auf t>ef[en @nq>fe^Iung 
n 1525 na^ IBafel ald ^ofeffm bn Sl^etoiiE berufen rourbe. 
^ in fieunbicEiaftltc^ Sejie^ungcn ;u @iadmu8, Smetbat^ 
unb ^lareanuS, entfaltete ei eine rege ^^tigfdt ali ^waof 
nifti)^ S^nftfteQer unb ^ouSgebei t)on DueUetütKifen, bie 
jum X^ von i^m eift anS fiid^t gebogen niutben. S)ied gilt 
namentlich bon bm betben juiiftifc^en iSbitionen, iKlt^e un$ ^iei 
junäi^ft intereffiren ^). 

Sd ift toum ju begtneifeln, bag ©i^orbt burc^ 3ifiuS unb 
Sneiia^ boju angeregt uorben ift, feine -^umaniftifc^ ^nt: 
nijie für bie 3uriS4>rubenj ju benoert^n. ©eine (Sbitionen jeigen, 
bog et ftd| längft mit juiiftifi^ ©tubten kf^fiftigt l^atte, ^c 
ei fi4 äugcrlit^ bte{«r l^cultSt anf^oft. 

®eit einei 9ieil|e Don Sa^en bereits aar bie Sufmeif fam!eit 
bei oben^Kinif^ ^umaniften ben in beutf^en Bibliot^efen Dei* 
tiofgenen ^bfc^tlif^ ®(^ät^n gugetnenbet 3m Aloftei SDhiT= 
buf) ^tte 151& SJeatus 9I^eniutu$ ben üBeOejuS $ateicuIuS 
gefunben, tocld^en loir nur noi^ in bei bon "ümnba^ angefertigten 
Sbfi^iiH befi^. 3n berfetten iBibliot^ *) entbetfte ^u8 ^ieii» 
n^nniä Salbung, fatfeilii^ Kat^ unb Sihtglieb ber Dorbei« 
öfttneii^ifc^ Regierung ju SnfiStieim, bie ^Snftitutionen bed 
@ain8 unb bie Seateatiae receptae befl fßaulud, tute fie im 
Bremrinm Älaricianum überliefert finb : eine (Sntbetfung, welti^ 
Mw« äUCTft in feinen Soholi» ad 1. 2 D. d. 0. J. 1518 p. 35 



1) Seine Sdpnftm |mb Mqeii^ncl Atheiue rauricH p. 310, ootjüglitfl 
M SRanbTQ, <Si<fyixbt €. Sl. 96. 28. 

2} UebcT NiS golgnibt DgL Stin^ing, übet bie cr^ Hnffintiiuig unb 
; btS C^JD* epiit. etc. in ISettcT unb 3Rut^er'« So^rEnu^ be» 
■ bnitfc^ Sbi^a 1, 41 ff, U 3afiuB e. 180 f. ^^ f<^ ^attc 
> Salla (t 1467) thrnbe Pont 'faaiu.i; unb im ^aifce UM foU in 
Stom rine ^anb|(f|rift ixi löwAmi gtfunbni fein. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



214 ®M#e« ftafiW^ 

befannt ma^te unb ttcmeit^ete, auif| Santiuncula in feinen Topica 
1520 p. 97 öenugte. Salb nad)^ loetben bct Codex Theodo- 
siaouB, Gregorianus unb Hermogenianus in ben ^9)rtefen ^ma- 
baä)'& unb ^Iciafä auS ben 3a()mi 1520 unb 1521 tttoafynl 

Sujmtfdien niai 1517 tion $etei ^egibiuS in Sntoerpen 
jene unter iem Flamen Summa legum befannte altt Uefcer= 
arteifung beS Sresiorg erfi^iene«'), bereu cocrumpirtc ©eflolt 
ben fünften icenig anjie^nb (ein fonnte. ^ann folgte 1526 
bte Ausgabe beS <£ajuS unb $au(uS Don SBout^ib, bie tt mm 
^arifer ßobej entnahm unb aii „prodromus" ber fpätei ju 
ebttenben übrigen ©eftanbt^eile erfi^einen liefe"). 

3)Iit einem gtctbtiefe flßnig gerbinanb'S Derfe^cn, ber i^m 
ben 3"triW ä" ben S8ibliolf)efen ber Älöfter unb SJomfttfte er^ 
öffnete, trat @iif)arbt 1527 eine rlforfi^ungäteife an. 3IuS bein 
reidicn 3RateriaI, baS er Don ©tragburg, SIbtei Sorfc^ unb $ulba 
^imbrat^te^, gab er jund^ft 1Ö28 büä Breviarinm AlaridMom, 
bem er einige Heinere Sdiriften beiffigfe; bann 1530 bie Boüi- 
red|te ber rit)uatif^en graulen, ber älemonnen unb SBoicrn 
fieniuä. !£)uri^ biefe (Sbitionen E|at et bei äSiffenfc^aft neue 
©c^ä^e jugefütirt; unb wie fie ein etiienüolled 3c"S"i^ f'''"'' 
tjiftoriff^en ©inneS finb, fo fia&en fie feinen SRamen unter ben 
aSerttetem ber ^umaniftifdien {Richtung in ber Suriäptubenj 6iä 
auf ben ^tigen 3:ag ermatten, ©eine S^tflenoff™ fi^möen 
inbefe biefen Seiftungen nur get^eilten SSeifatt. gii^arb faflt, 



1) Sninmae aive argumenta legum divenomm Imperatomm, ex 
corpore divi TheodoBÜ etc. Apud Theodoricum Martinum AluslenBem. 
s. 1. 1517. fol. SßBl.Haenel,Lej[RomanaViBigothorum. Praefatp. XXVa. 
p. LXXV g. p. C. a. ffir nimmt alfl Dnidort SBiora an. ^cter «tfliWiifl 
ift 1486 ju %nimttpea geboren, feit 1610 Stablfc^rriftec twfettft, mit I^. 
Ttomi unb SraBmuS btfieunbet, in ben ^manifHft^ Ihreifen fynti ongc 
fe^n. t 1593. %L 8. b. «. 1, 125 (Minier). 

2) Haenel, L. Rom. Visigoth. Prae&t. p. CIL 8. 

3} 3» bfefen gt^Bien u. 11. oin^ bie ffirammaHfer, nelf^ Stban fori 
tbiite. Rei Grammaticae Rhemnius Palaemon, Q. Tereotiiu Scanrui etc. 
Baeil. 1527. 8«. eben fo ^ttt ntrf|t langt iwtfter U. jJobxlduS baS (&jpi!i 
Zxitx mit erforfl butiftforft^. 9. b. «. 6, 625. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m. aiic IBattlcr OudloflZbithinen. 21& 

moit (unb ti nennt ben Sononiften SdneliuS in ^ibntg) fjabt 
üfm BoigetDorfen , et fibertiete ^uftmian'l» ißerbot, tobem er 
antiqiritte« Me^t Wicber aus ber aSfigeffen^t ^eröotätelte. 2Iu(^ 
^loonber äufeert fid| in (einer Sßorrebe jum Sobej in »enig 
günftign XSeife: bei Codex TheodoaiaiiiiB (ei uerftümmelt unb 
onbotten, fei au(^ eben fo UKnig nä^Ui^ loie bie iRefle Don 
$auütä unb fSaya^: benn felbft nenn jener DoUftilnbis »erläge, 
bürfte man fu^ mif ^ftinian'ä äJorft^ft bix^ ni<^t Ooi €lerii!^t 
barauf berufen. 2)a6 biefe aeufeerung §atoanbet'« nur ironift^ 
gemeint fei, wie gefagt oporben ift, tonn nii^t jugegeben ivetben. 
3So^ übet ec^t fte i^r £i^t auS bem Sufnntnen^ange, Wl^tt 
«siebt, bog ti i^nt baium gu t^un war, bie i^nt felbft toegen 
bei .inatilitaB* fetner reformirenben l^bitionen gemaditen 3}or< 
nöife burc^ ^intoeiS auf bie ^df)]iele ^nbeier abjuf^toäi^en. 

@tc^arbt ^atte fi(^ mit biefen Sbitionen ganj ber 2Sun^ 
^inibenj jugeoenbet. ^ ^^le 1530 oerlägt er Safel, Wo bie 
Kcfonnation, ber er fonft mit me^i (Sntfi^loffen^eit aU SradmuS 
)ugetf|an KKir, eine i^m jn rabicale SBenbung ju n^men fi^ioi, 
ntb le^rt nac^ ^reiburg jum 3°ftn8 jurüd. Unter bem ^ecanate 
@tfpafttan 2>emr'S maib er mit feinem erft 19 jährigen ^ud= 
gmoffen unb ^taibt So^mtn t$t^arb auS ^nffurt a. äR. <un 
2S. äloMotbci 1531 jum Doctor juris piomonirt. SlQein trog 
ber Sentä^gen feines alten ©ünners S^-T^^^ glüdte ti ifym 
«ii^t, 3U einer ?|Jrofeffur ju gelangen. @t lebte in greiburg 
atö $rtoatIe^er , bi^S er im Sa^re 1535 burd^ feine Berufung 
na^ ^üUiingen an ben $[ag gefteUt mürbe, an melc^em er bis ju 
fernem om 9. ©eptembcr 1552 erfolgten 3;obe bie umfi^ffenbfte unb 
iegenöreic^fte SBirffamfeit al8 Ütifcec unb ^altiler entfaltet £|at. 

©it^orbt ift äioar ol« 3nftitutionariu& nad) Tübingen 6e= 
nifen, aber fc^on nacf) loenigen äßonaten (3Iuguft 1535) in bie 
$rofc^ur beS Sobes eingetreten, über beffen prioatrec^tlic^en 
3:i)til (lib. 2—8) er SJorlefungen gcliaften ^at. auf biefe be- 
fi^änöe ftt^ fortan feine tf)eoretif(f|e3:^ärig(eit; al§ ©djriftftelter 
ift er ni^t loieber aufgetreten: aber fein ^oUegien^ft ift tro^l 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



216 6«6flrt Saünttt 

feines ^etioti md) jetnem Xobe bretmat ebirt toorben *). Qi 
läjiit bie @igen(^aften ernennen, miä)e i^n gu einem (iufter= 
otbentlii^ beliebten iinb miilfatnen Sel)iei moi^ten : filai^t ui^ 
9!atflili(^feit ber S)arfteaung, 9t))|iUcation ber £e^i^|e auf ba9 
pcaftifdie Seben. 9{1$ ©d|ö(er be« ^afiuS ^(t er fii^ fm Don 
fc^otaftifi^ei Ueberl)äufung unb ®ubttlttdt ; o^ne ben mos ItaUcus 
ju Detlaffen, E)anb^abt er t^n mit g^^t unb toetg mit ber 
Sfegefe ein gennffeS f^ntltcHfdleS ISlement ju »ediinben, iKbcm 
ei träuftg bie einzelnen Xitel mit einer bogmatifc^en SlacfteUting 
ber Se^re einleitet, auc^ tootil bie {Reihenfolge bet Conftitutiontn 
beclägt, um fai^Iidi Mmanbte in ber (^örtening jufammenjD< 
faffen. Stber freiließ ift »on tieferem ©inbrinßcn, Don ^iftorif(i|(r 
iBetra(!^tung unb tton originalen @ebanlen nii^t bie Siebe; ba^ 
fi)nt()eti)c^e Slement ift nic^t mfi^tig genug, um ii)n Doi [angen 
Sftift^eifungen ju benagen, gu melden itfa ber mos It&licos 
Deifü^rt. ©tc^aibt'd teiffenfdiaftlidie ^ntundlung fdieint ini 
©toifen getat^ gu fein unter ben anforberungen , »eli^ bei 
Se^rbetuf unb boä praltif(%e 8e6en an i^n ftetlteu. 3n regjtn 
S[)ätigfeit finben mir i^n fortan in ben !(ngelegent)eitcn bei 
UntMrTttfit, befc^äftigt mit 91e(^t«gutad|ten*), ^i>cefi> unb @taQt9< 
fdiriften, al« ^erjoglid^er SJat^ ju ®efanbtf(^aftcn, SBifitationm 
unb 3jerl|anblungen DeiRwnbet, Don legisfatiwn 9tbeiten in %ii< 
fpruf^ genommen. UeberaQ bemöliit er fi(^ aU lenntnigtetäin 
3urift, gemanbter ©efi^fiftdmann , etnfiditiger £BeratE^t, beffen 
@erabE|eit, ^id|ttreue unb Uneigennügigfeit i^m bas unbebingte 
ißertrauen erwirbt. 

3n ben S">6'i> ^" ^r^enreformation roar Sic^bt'd 
®leQung biefefbe, nxli^e Wir faft bei allen bebeutenberen Sturiften 
biefcT 3<'t finben. S^ren grofeen ^princt^ricn juget^an, ftemmt 

1) Sichardi Fraelection. in Codicem. Bas.l565t>c>n D. ^.aS. ^lifleT.— 
Fr&iicof. 16BG Don gronctMu» BRvbtuS. — Francof. 1598 Dini 6ainfMi 
^tvioq. Xfiefc bitttt, upit btr XüHnsn ;3unftcttfacultat beDonooittte Mul- 
Qobs: ift Ut befie. 

3) €tinc QonÜlira finb ^nauegcgcben von i. G. Oodelmmu, 
J. Sichardi retponea jurU. Fraocof. 1699. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m. 3)ic Safeler Ouenen-HbltiDiien. 217 

a ^ ben ftfinnif^ 9Ieuenaigen entgegen, I)S[t an ber €KiItig< 
Erit beS fonontfc^ äledttS feft, fotDch eS ntc^ mit g&ttlidKn 
€t(6oteR in SBiberffm»^ fte^, unb fud^t üfwralt bte ISintgungSe 
^pimfte mit bei alten ^nfte tmb ben berfdiiebenen 9K(^ngen 
bet lefonnotottfc^ Setoegung feftju^alten. 

©idiorbf 8 enf(u§ auf bie Äbfoffimg beä SBflrttmlietgifc^ 
Saaittditi Don 1565 »icb getv^ltd) überfd^ö^t. {(Ceibing« 
ipaib er im gebniox 1552 jum 3Wtglieb bet uorberat^ettben 
Sonmifftoii ernannt, unb feinem Stnfluffe ift eä mo^I juju* 
i^Tttben', bog in bem Senate, wei.d)m fie nix^ in beinfetben 
3Konat erftattete, baS ^eiburgei ©tabtied^t soijtug^ttieife berüd^ 
ftdftigt nucbe. SDein als et int Setitembet beäfetben Sa^re» 
itatb, luor bie Sttbeit unboOenbet. @rft naä) feinem Xobe toarb 
bnS ISuta^ten ber iuiifttf(^ S^KuItät eingeölt. 

3)aS Breviarium Alariciannm ^at@it^arbt in einei 
langen S))tftel bem Sbmg ^binanb zugeeignet. €i tieriitritet 
ftA baiin mit {dpDeifäDigem @tt( unb gefuc^ten SSenbungen Aber 
bot SBeitIt bei @efe$c, bie iSetbeibni^ bei Surid^inbenj unb' 
ber ^ftitet; abei er tabelt and) Suftinian, bag ei bei Äflij« 
tDcgen aud bot Uebeneften bei rdmtfd)en Suitften ein t^licfnerf 
infonunenge^cUt tjübe, ,ia quo nee satis pes, nee caputappareat*. 
@T umxbe beffei get^an Iiaben, bem Seifpiet beä ^eobofiuS ja 
folgen, bei cimgt Sniiften $ii befonberei Geltung erhoben ^bc, 
otine bie äbrigen jn befeitigen. 3>enn SajuS, ^auIuS, O^ie- 
gorianue unb ^eimogentonud feien o^ne 3ti>^I »on iEt^oboftud 
fo iufomneageftcQt, rote fie fid| in ben ^nbft^rtften finben, 
nrn ben ©eiic^tSoorftänben aU ein fßiomptuaiium gu bientn. 
^tte Sufinton e8 eben fo gemotzt, fo würben »oir nn^ ben 
3Jertuft bet bcrfi^mteften Autoren ju beffagen ^abcn. 

X)iefc @r6rteiung jetgt, bag Si^atbt baä ganj^e Don i^m 
(btrte Seri fäi ben Codex Theodosianus mit boju ge^Srigen 
Sln^öngen ^ielt. ©atau3 eillätt fi(^ auäj ber ^itet'). ©t 

1) CodicU Theodoaiftni libri XVI quibuB Bunt iptornm priDcipon 
utoriute aitjeetae Norellae Theodosii, ValeotiniaDi etc. C^ji lostitut, 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



218 «Sn^teS ffiit>ild. 

toütbe bte ^tftoiifc^e Stbeutung bieUeic^t eiEoimt ^aben, ioem 
feine ^anbfc^riften baS Commonitorium ent^aiten ^tten, ftatt 
bie Const. de Tlieodoa. Codicis anctoritate , Wel(^e fonft bie 
etfte unter ben St^eobofift^en SRoBeücn ju (em pffegt, an bie 
»pige ju [tcDen. Swir war jenes üon 9ß. äegibiua bot fetner 
®ununa ebiit tuoiben; allein bie Suffaffung lag na^ genng, 
bog ftdi baSfelbe eben auc^ nur auf jene @inama unb ni^touf 
baS urf|}rünBlii^e Serf begieße, ^t in ber ^udgabe bon 
3:iliu« Paris 1550. 8" unb Don Sujaciu» Paris 1566. foL ift 
eä xiOT ben Sobej 5I)eobi)fianu* gefteÜt: bet Warne Breviarinin 
ift juerft Don %ii\a& unb Sontiuä gebraucht*). 

lieber feinen ^anbft^rifttit^en Sf^ipürat fagt unS ©it^arirt, 
bag ei eine |)anbfd|rift in «Stragburg gefuttben, eine anbeit 
burd) @^Dd|lfiuä aus aßatnj ett)alten, bag ^er Stmetboc^ itim 
ben SJtaibadivc <£obe£ jur Senu^uug übetlaffen unb nacE|träeri(^ 
(fol. 178) i^m noi^ ©igiSnuinb Slfung ein SDtatiufciit>t mtö 
SCugSburg mitgetfietlt ^abe. SQon biefen $atd)fd|riften ftnb bit 
äRurbad^er unb SCugSburger uerloren; bte ©txagburger ift je0 
in ^ßem, bie 9Kainjer in (Sot^a*). 

33em ißrctiior Ijat ©id)arbt angefjäugt „L. Volusii Metiani 
lib. de Asse. Jtilü FrootiDi über de GontroTerBÜs limitsm 
com Aggeni Urbici Commentarüs" . 3)er äßaecian narb 
I)ter jum erften äRale fiubltctrt nad^ einer ^anbfdirift, Udc^ 
©if^arbt in ber 9btei Sorfc^ (unniett ^ppmijtm) gefunben ; fie 
ift fpäter na^ ifiom geioanbert'). 

3)Dn ber Slgriuienforen*) loaren bisher nur Sruc^ftätfe gt 
bructt in ben SSenriiiger ausgaben beS Soet()tue, in ber @(^ 

libri 11, Jnlii P&uli receptamm Bentent lib, V etc. Basil., Henricus 
Petras. 1528, fol. min. 

1) Haeoel, L. Rom. Taig. Froleg. p. VI n, 6, 

2) Ucbet bit ^nbt(f)tiflen unbSuegoEwStitiaibfeiigl.HaenBl, L.fioni 
Vis. Proleg. p. CIVb. ^mtibattfi Übfi^dfl beS IRnxbaf^a Sobe; i[l in Safel- 

8) «Kominftn in bm ^bli. b. fgL fK<^f. ®efea{4 b. mfy, ^ifiDi.- 
p^Usl. filoFfe 2, 286. 

4) «lu^ine, et^riftm bre töm. ijelbmefffr 2,46|. 49, 76. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m. Site Safelcc OucOeii'^itiDnen. 210 

bed $etntä SnnitniS de honesta disciplina 1504 unb m SUctat'd 
Di^oDctioaes 1519. Heber bie ^anbfc^nftUc^en ©tunbtagen 
Sii^aibt'd erfaßten mir nur aud einet ätanb^emerfang fol. 174. b, 
bog et einen ©ttagbutgei unb einen t^itOmet Sobe^ benu^t ^at. 
liefet (egtete ift mo^rfc^einlti^ ibentifc^ mit bem Palatinas, 
joü^ 1623 mit ber gangen ^leibelbetget iBibliot^E nat^ älom 
fom lutb fpiter nicf|t jurüctgegeben ift (Palatino -Taticaous 
N'o. 1564). 

©it^bt'« SInSga&e her SJoIIärcc^te^) ift bie erfte i^ter 
Sit, nvcber boQftönbig noc^ corrtct unb, aie ed im Eurjen iBor< 
toort anSbtüdlic^ t)ei|t, nur im ^i|torifä)en Snterefff URter> 
notnnictt, um bie .mores m^omm nostrorum non secus quam 
in speculo" jn betrachten. 3^t folgte im 3at)tc 1&&7 bie um» 
faffenbere ©ommlung bet iSolfSretl^te Don 9afi(iuS So^onned 
^olb (t 1564) in SJafel; 1573 bie $anfer non XiliU»; 1613 
bie granffutter »on Sinbexbrog^): für bie Sluri^prubenj aber 
fnb fte bid nac^ ber SDIitte beS folgenben ^o^r^unbettä o^ne 
@in^ geblieben unb bon i^r Eaum bent(tfid^ttgt Oioiben. 
Smmer^in aber Qerbient eS SBeoc^tung, ba§ bie erfte umfoffenbe 
3btdgabe beutfc^ I^Dasredtte ebenfaU» in :>8afel erfdiienen ift. 
^erolb, 1511 gu ^cfiftäbt an ber S^onau geboren, erhielt 
niu| Beenbtgung fönet ^umaniftifdicn unb tl^ologifc^en ©tuinen 
eine Sotftifiirce bei iBafel unb jog bann (1546) auf ICetan» 
bffung ber grogen S^nidet in bie @tabt, um ffit i^te Officinen 
ja atbeilen. Qax ^lo[)nung feiner Setftungen ift if)m 1556 baä 
^rgertet^t uerlielint , unb feitbem legte er fic^ ben 9?amen 
Softliu« bei. iBei feina SluSgabe ^at ^erotti ttorjugSWeife, 
jtbot^ EeinedOegS auiBf^liegli^, bie feitbem twriorene ^ulboer 
^bfil^tift benu^t. 



1) LegeB Riboarioram, Buaariommqae, qua« votAat, a Theodorico 
Kfe Fnnconim l&Ue. Item Alemaoaoruni leges, a Lothario ngo UUe. 
Hnnc primnm vetuBtatiB ergo excuHae. Basil. 1530. S". Stodbc, ®ef0. 
b. i. Mef^taqwQen 1, 8. 66. 1«. 153. 

2) Sgl. über aCCe bni Huagoben Stubbe 1, B ff. 



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220 @c4ftte SafiäeL 

3. äjigliud Don ^^tta'). auf bem Sanbgate 8axa^u^ 
untoett Qmi^tm*) am 19. October lö07 geboren, emfifiiig \äM 
erfte SSUbung in 2)ewittei, fie^ben unb bem ^ag ; ftidiixtt bonn 
in fibuen unter 3i^»ann ^ötS (be ^(^) unb SJifoIanS ^ecinä 
von Trüffel bie fUeä^te. $on 1Ö26 biS 1529 fegte er feint 
@tHbien in ^öie fort, befugte bon ^ier auä ©ca&nuS nah 
S(met6ad| in iBafel unb (^rte prioatim bie Snftttuttones. 3tn 
^1|rü^ja^r 1529 reifte er nad) ^tiignon, um Sttciat ju ^Örcn. 
fegte aber, ber ^t oudlwic^b, feine Steift bafb meiter fort 
nad^ Salence. ^er ttarb er am 8. SDIai 1&S9 jum ^octor 
liromobtrt. 9Ia(^ tutjem Slufent^alt fofgte er bem Staat nai^ 
Sourgeg, unb gleit^ i^m jogen, toie er erjä^lt, borl^ bie 
beutfi^ ©c^olaren bon Z)öle, SSalence unb Sbtgnon, um bei 
beruhten Se^rer ju ^Aren. ^ier ertnarb er fti^ burc^ ^grtDal= 
oorlefungen balb einen geachteten 9Iamen. %U ätietat 1531 na(^ 
SRailanb reifte, Obemolöm er interimifttfc^ beffen SäDrlefimgen^. 
SSm ^etbft brat^ et felber no^ Statten auf, »on feinen ©c^fltom 
bi« jum nä^ften @täbtd|en geleitet, an IBaftI befu^ ei 
Somfaciue Snterbai^ unb'^oben, in {$i^ittg begrüß et 
SraSmud unb 3<>nu^*)> i" Stugaburg buib er von ben 91cd> 
lingerS, guggerS unb ^ßoumgaitnecg , beten @ÖI|ne unb SBk> 
toanbte feine @d|üler getoefen, gldnjenb emtifangen unb rtif^ 
bef^enft. ^ 9toDentbei 1531 fam er, burd^ SiaSmuS in 
@gnatiu8 unb !Bembu8 en^ifo^ten, noi^ SSenebig, wo er bit 
gelehrten greunbe no(^ butt^ ben ji^n Sjib §aIpanbcr'S erregt 



1} ®eint StutobiogTofitilc unb Sriefe [mi ^emuSstgebm Mn Hoynck 
van PapeDdrecbt, Analecta Belgica. 6^1». 4* ^aiial74S. Sgl-aiub 
J. Hopperi Epistolfte adViglium. Traj. 1802. 4°. Alph. W auter b, Hemoires 
deViglius et d'Uoppenis. BnixellsB 1858. Notice BÜrVigliua p.V— XXIV. 

2) !&a^i „ZuichemuB" genannt. 9}i<^ bie|en, nric umidtti^ gtfugt 
niib, fontinn ben SlamcK „ab Aytta" fü^ n Don dncm Soubgutt fcinR 

9) AlciatuB ad CalTuin. Gudii epist. p. 111. ^Qltui marb ni<^, Die 

geipB^nliifi aefagt wirb, aiciaf* Mnc^fDlacr. 
4) Stlnfing, Snfhie ®. 290. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m. Sie »afdn Ouentn-taiitionen. S21 

foitli. ®oä er ßbet bicfen anb feinen Mat^lofe Deinommot, 
Dielbef ei bem Smeibac^*). &ibUd| fldangte er itac^ $abua, 
DO bamalB J^mnddcud SuitiuS, äSarionug ©ocinuä b. 3. unb 
bcr $iiiiumift SojamS fBonamicuä lefirten. Sin ^r lang 
bcfw^te et tpet SSotlcfimgen, It^rte felbft priDatim unb na^m 
an ben Sffenfli(^' ^lid^mtattonen X^eil. ^ann maib et faft 
gegen fernen SStUra olä SßTsfeffot bet ^nftttutUtnen auf ein 3a^i 
ongef^Ü. ®r ^ot biefe, »ie er berif^tet, „ter m die' tn)r= 
getragen, unb jlnar nac^ iireifa^r äRett)obe: auSfn^rltt^ cum 
apptrata; atrforifd^ ben Ze^ mit ber ©loffe; enblii^ füt bie 
anfanget nur ben ^ijt ei^ärenb. Sing biefen ffiorlefungen 
gingen feine Commentarü in X Titulos lEistifcattoaDm ^etDot 
(Basa. 1534. foL). S)eni 3aftn8 fiberfenbete er 1532 eine W>= 
^nbfnng über bie I. Repetitio (1. 44 D. d. coad. ind.), mit 
tDd(^er CT in bent beräumt gettiorbenen Streite ^tnifi^en 3(^iuä 
nnb ^^etmS ®tella anf beS @rflecen @eite trat*). 3n feiner 
SnttDOtt nackte it)m S^^^ ^^^ anerbieten, auf feine ©teile 
ju SigtiuS' fünften ju betsii^ten. Witia iSigttuS lefinte ben 
%oif(^lag bonlenb ab : ei fei für ^a^mi nodi ni(^ an ber Seit, 
Dorn Sefiiamft iurfidjntreten; unb abgefe^ babon, bagerniifit 
nx^en bftrfte, aU 9!ac^foIger eineS äJfanneä teie Qa^& auf5U= 
tieten, fei eä fein fleben^plon nt^t, ftt^ bem Se^fadi gu nnbmen, 
6t tDoQe ftc^ noc^ Uxiter auSbtlben unb bann einen (iraftifdien 
Setnf eigtri^. 

3>ie 3toüf,, aeläie $D(ijian über bie ^ften^ „grted|ifi^er 
Snftitttttonen" (MiHcellan. c 94) gegeben, reijte ^n j" ^' 
lata Stadiforfi^ungen, unb ti gelang i^m mit Untcrftä^ung bed 
$. Sembu«, em aWanufcript beS S^eop^iluS in ber'aWatcia» 
nifdien SSibIiotf)et aufjuftnben, ueldied au$ bem 9{ac^Iaffe bed 
Satbinal Seffarton ftanunte. ISin anbetet Derf(^affte Üfm. fpätei 



i) Scr edtf iß fn bot Anal. Belgioa S, 1 p. I18i. unriditig Dom 
3>^ 1583 batiit, nie fi^on bie f6txg\äiiaBß mit bei Vita in Anal. Belg. 
1) 1 p. 11 eigieU. 

2) etineiüB, SafmS S.IST. 291. Sgl. oben ®. 165 f. 



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222 iSeäfitti SapM. 

- au3 berfelben Söibltot^cf (SflnuHuS; baS ^orentinec, loclcfiri 
*|Jo(ijiQn BOigeleflen f)atte, roarb i^m itidit jugänßlit^. ©ebr 
lüeglüdt fc^reibt er batubn nai^ 3)eutfd|Ianb , glaafit aber {dn 
SSor^aben »or ben Statienern »er^eimltdien ju inflffeit : bo^ ^d 
er fi[§ Don Semfiuä bie ©rlaufeitife jur ^bticatioit etbeten. 
3m ©ommer 1533 fenbet er bie Kb[(^rift beS erften SConuicriptl 
jum 'S>xni an groben in Safel unb bittet ämerbac^, irii^t nnr 
bcn ^rud gu übertuac^en, fonbem mi^ bte 9Ibfd)nft feßift, tn^ 
befonbere aber bte SBorrebe unb bcn erften 3SteI, melier in 
beiben $anb{d|riffen fehlte unb uon SStgliuS [elbft and Suftinion'e 
Snftitntionen inä ®rici^i[ii|c überfe^t war, ju rcoibiren'). ©oft 
batauf Deilieg ei $abua, um nad) 14 jähriger Sfbtoefen^ in 
feine ^mot juiücfjnle^ren. 3n fflafet fanb er ben lEixvä beS 
^iieop^ilns fdfon rüftig gefaibert. 3)ie Sbfd^rift beS (Ueiten 
SRanufcTtptd, meines er injtcifcfien t>on SgnattuS erhalten, bractite 
et mit fii§; fie wutbt für ba« berefts ©ebruätc in 3«fä$en, 
für baa Uebrige im 3:cfte fetbft benußt »). Dfine Sweifel ift her 
^ütfe 9[merbad|'S SSieleS ;u Mtbanlen. Stamentltt^ ^t er aus 
einer ^anbft^rift griec^ifc^er SanoneS bie uralte Sertnanbtf(^itftä= 
tafel mitget^eilt , rottet SBigtiu» (Üb. 3 tit. 6) bem '^top\j\f3^i 
einfügte. 

S)ie „flrie(^if(§en3nftitutionen" finb Äari V. gerotbmet. 
3n bet langen Epistola dedicatoria (Patav. Cal. Junii 1533) 
giebt 93ig(in3 JRed)enf(f|aft Über bie §anbfd|tiftnc^en Orunblagen 
unb fein SBerfa^ren. 06 ber in beiben ^anbfc^riften ate !Ber' 
faffer genannte S^op^Iuä berfelbe fei, »eldier mit £tibonian 
unb Xiorot^euS bie lateinifi^en Snftitutionen berfafit ^abe, niiO 



1) Vita No. SXV. Epist. ad Colerum 10. Febr. 1633, ad Amerb. 
7. Ang. 1533. (Anal. Belg, 1, 1, 12; 2, 1, 190. 148.) Prae&tio sd Inati- 
tutioDes (Theophil.). 

2} •Sma.M] btjte^ fic^ We SBoHj gtoben'S am 6*Iune bea XBnM. Säsl- 
Epigt ad Erasmum 10. Novembris (gewig tn1piiili(^ tft Decembris gAniA), 
5. Decembris 1533. Selb« übfrfiriftfn 6cfinben fit^ in aötnen. AnaL Belg. 
2, 1, 163 s. 



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m. 3He eafeln Oitellen>€tiittonen. 223 

ei ixifitngeftellt fein lajfot: jebenfaQö i)abt et bei Sufthrionift^ 
3flt nafft geftanben itnb alte tuttfttfc^e ÜBeck jur IBnfügimg 
gehabt. 9{i(^ttger als ^oltjtan, bei baS SSieri für ehte uon 
Sufttmon tieiocbnete Ueberfe^ung ^ielt (Hiscellan. c. 94. Epist. 
10, 4), ^ara!tenfttte aStgliu^S badfelbe als eine emettentbe ^us« 
legimg, tn bcc jugleid) bte Wtatmt unb bei f^ftemattftfie ^a-- 
fümmen^ong erläutert Kirb, ni^t nur im 3tatercffe berer, benen 
bte loteiniff^e ^pxaä^e nid)t geläufig toat, fonbem fi6eit|auf)t 
um buxc^ IfrtläTung aUet ©c^nrietigfeiten buS elementare Sel^r= 
bnif für Sfnfänger (ront^barer ;u mac^n. 3n 9etf)neleit lueift 
tx naäf, wie Diele ®teDen ber ^tttutionen burd) X^eopi)üaä 
cht tvsam^äftti Sii^t erhielten '). 

9Zoi^ tn bemfelben 3at)te eifd^ ein 9}aii|bruif bei SBei^el 
in ?ßQriä (8"), ber ftt^ auf bem litel al8 eine Bcrbefferte au8= 
gäbe ontänbigte. SKein bie „collstio exemplariam" ift nii^t 
bon iBenu^ng einer neuen, britten ^anbft^rift jn Derfte^, 
foitbem nur bon ber Sombination bei Seäarten aai beiben Zh 
fillriftcn bed Sigtinä, unb bie Serbeffenmg befielt nur barin, 
bofe bie „Addenda et corrigeada" in ben S^jt felbft ein» 
gefügt fntb. 

3>iiii^ flmetba^ Warb SSigliuS beftinnnt, bie Commen- 
tariä in X Titnlos loBtitutionom biuden jn laffen. 
@te erf(^ienen mit einei Patav. Cal. Octob. 1533 batirten Sor= 
i^ tn twli^ ona^ioniftifi^ fd)Dn bie Su^gobe belS XIieoti^IuiB 
ertDÖE^nt toiib, bei gioben 1534. fol. See Sommentat umfagt 
mit J. 2, 10—19, unb biefe ©efi^räntung ^t i^ien @runb 
barin, bag ba« äBerf au<ä ben in $abua im ^te 1532—1533 
g^altenen Sociefungen ^mrgegangen ift S)enn, wie uns 



1) TM: m^-nrOTTA GEO^IAOT ANTIKUN^S/POS. Instim- 
tMmei juris- civilis in graecun lingnam per Theophilnm AnteceBSorem 
Olim ttadactae, ac fuaiasime explicatae; nunc Tero primum Id lacem 
reatitatae et recognitae, cnra et studio Viglii Znicfaemi PhtTsii etc. 
BuiL in off. Frobenians Änoo 1534. Um 6cblu{{e: Baajl. in officina — 
Anao 1534 Henae Hartia — FoL min. 



DiaiiizMbvGoOgle 



22i €tdlfteS Soijiu!. 

iBigtind fagt, befte^ bort i>a& fefte ^ei^oinnten, m ben dffentlid|(n 
3itftitatiDnen iBotfefunflen alternitenb in einem So^te aber bie ^tfl 
Don ben ^&^menten. im jtoeiten üki bie Xitet Don ben Ot)liga> 
tionen ju lefen: unb ba nun auf ben ttalientfd)en UniVecfttäten 
fe^t oft Serien gemacht mürben, fo ^abe er in bem emen 3af|re 
[einer ^ofeffut nur jefjn Xitel im 3i*iflimnen^Qn9e Dortragen 
lönnen. 

1)ai äSert tft in jeber üßejietiung aittfg^i^net ju nennen. 
2)arfte[(ung unb <3til ftnb tortreffltc^. fBigttu^ fui^t ben iimticn 
3ufammen^ng ber 3natecte ju entmideln, unb aus t>em reiten 
@(^at^ feiner antiquarift^en ^enntniffe gte6t et ^tftorift^ l£r' 
löuterungen. ^ie ^fiufung von StQegationen unb ffii^finbigen 
Cuäftionen ift uermteben; äufierlid) bie burc| Sllciat aufgebiQ(|t{ 
$otm beobacltet, bie StUegationen aus bem Xegt nuSinft^ciben 
unb an ben ERanb ju fe^. Wleia bennoc!^ ift baS SSeiC Don 
bent mos Italiens ni(^t frei. @r feI6ft 6eIIagt ed fpäter'), bog 
er fid| ber „scolastica dooendi coDsuetado" noc^ ju {et|r gtfflgt 
[»abe, unb erflärt fd|on in ber ffiotrebe, bag er genöt^igt gemefnt 
fei, bem ^ertommen in $abuo biSmeiten ju folgen unb gemifie 
berül)mte Ouaftionen auäffi^rlic^ ju erditem, um ttid)t fflt nacf)= 
läffig ober umoiffenb gegolten ju toerben. S)araud ift j. 9. bie 
breite gu ertlären , mit tDelc^et ad pr. J. 2, 10 bie ßt^mologie 
unb bie aDefinition abgefianbelt ©itb. lleber^aupt aber entfefiutbigt 
er mit ber i^m gebotenen StacEigiebigfeit gegen bafl ^erlommen 
bie üuäfü^rlt^feit beS ganjen SBerfä, tsel^ buxi)avii nidC|t 
ben bon i^m aii rid|ttg eifannten met^obologifdifn ®runbfä^ 
fflr einteitcnbe IBortrdge entfpric^t •), 

3)aS ^emeifenänett^ie an bem eommentor ift bie 9enu^9 
neuer CwcHen. ^afe ©it^arbl'S CEbition beä Codex Theodosianns 
berücfftc^tiflt Wirb, lonn un« nit^t übetraft^en. STBein bei 6oti' 
mentar ift aaä) bad erfte SBetf, in Welchem %i)eopti\liti unt» 
bie Safitifen jur ©jegefe terWenbet finb. 

1) Epin. ad HeniwDnnm 28. Jul 1585. Anal. Belg. 3, 1, 181 

2) Comineiitar. praefat. in Bnbricam de testam. ordin. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



in. Sit fßalfün OueOeto^itionen. 225 

2>ag er bot X^eop^ilud in bei iSotcebe a(ä lücjltc^ im 
liTad crfc^ienen bcjeülnet, ift fi^on txxoäifaL ißon bni SafUtlen 
9id)t et bie erfte 9to(^ri(^') in b« Sorrebe sun^Ä^^eo^j^itu«, 
wo ei von bem Umfange unb ^ert^e ber b^jontinifc^ 3uri^= 
pEubenj übe^aupt ^anbelt unb foitfä^it: »Ego q^u&e assero 
ezpertuB snm: et percmri aliquacdo roliunims qnod Buai- 
hxöv ioscribitur bonam partem, qaae quinque Ubros con- 
tiaebat etc.* 2>ann fü^it ei ali iBetfpiele bie ©d^otien ju 
Bas. 40, 1, 25; 41, 1, 3; 41, 4, 1 jum S^eil xoüTÜifi) an. 
3n fetnetn Somtnentac benu^t ec bte Safilifen an 5 ©teilen'): 
}n Tit. 13 § 1 Schol. 2 ad Bas. 39, 1, 55; s« Tit. 17 § 3 
Schol. 4 ad Bas. 41, 4, 1; ju Tit 18 § 1 SchoL 3 ad Bas. 

39, 1, 52; JU Tit 18 § 2 Schol. 1 ad Bas. 39, 1, 35; jut 
Slubiica Tit 17 ffi^it n bie gne^ift^ Baa. 39, 2 an. 

SMe ^onbfc^iift, lueldie ^lius ntdtt nur Genügt, fonbern 
eigentliihnliif) befcffen ^at, ift ber Cod. Paris, gr. 1345, Bas. 
lib. 38—42 umfaffenb, al(i) jene „quinque libri" — „loter 
boB est primos titulas de excasationibas tutorum" fügt et 
bort ^inju (Bas. 38, 1). äluf bem Umfi^tage befinbet fic^ Don 
Sigltud' ^rä>: „Libmm bimc graecum cootineotem 38. 39. 

40. 41. 42 Basilid legalis £go VigUus Zwichemos phrysias 
i. u. doctor et publicns InstitutioDum professor in jncljta 
Academia PataTina sab illnatri donÜDio Venetorom emi a 
mooaaterio canoniconun regulariam apad TarviBium anoo 
domini 1533." 

Sio^iiQ ^o^ie <üoa \p&ttt tiatSSoai^im poppet (f. unten 
Aap. 9) bad äRonufcript, toetdie« nac^l^c in C^jaS' unb ^etec 
Sabci'ö iBefiQ war unb fi^lte^i^ in bie ^arifer iBibliot^d iibei< 



1) Cb bie buntle ISnoäliiuine bei Xli^CoDatacctuB (SauienQ 3, 461)) 
aitei tjt, ftc^t bn^in. 3(benfalld Eonnte 3). bi( Safiltlen nui Dom ^ünnfaBm. 

2) UtWoHftanbig Beimbach, Prolegom. ad Bas. p. 1T6 No. 5. 
(Ecamer, flrtnc ©Triften 6. 901 omnut^ t(^n, bag SigliuB bie %lafUiten 
boott ftabe. ^Ae ouBbrüdltcl)« (EtfUinmg in ber Soircbe jum 2:^o|)^ 
f<bctiu a si<^ gdonnt ju Rotten. 

•liMiis.Ctf«.». 



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236 6e4[tea Sopitcl. 

ging, bon feinem i^m natieftetienbeR SanbSmann SigtiuS aii 
@efd|enf eiliolten. 'SAeü fagt bie auf obige SSorte folgenbe 
Stotij auf brm ^^«M: „Qui eom doDo dedit Hoppero Frisio. 
j. u. d." S3ie btStoeUen ongejroeifrfte SRid^tigleit unb ffit^t^t 
biefet Sftotiä toirb betoiefcn buri^ ^oppn'i 3)cbicationSf(^Teib«i 
an SMgliufi tioi bcn Pithsnon libri (1Ö53), teorttt et für baä 
®efc|enf f:^ ouäbtüdliiii bebanft'). Mudi ift e« unjR)dfeI|Qfl, 
ba& §Dpper aus biefer |)anbfd|ttft jtoei ©Ü(^et }u cbiren bt- 
abft^tigte. Sn bent 3)iu(terprtl)ileg Dom ^^te 1553, loelc^ 
§Dt)pct'ä ©djtiften de juris arte unb Pithanoo libri 2 nor' 
gebrudt tft, tuerben genannt: „'fix tov Baathixov iitloi Stia — 
cum praefatione ejusdem Joachimi." §o))f)er, ber bolb barauf 
in feine polittft^e ^ätig!eit überging, ^at jtuar feine Ubfii^t 
ni^t auägefiil^tt. SHIeiit @. Xanner*) ft^reibt am 9. aKai 1554 
an ©onit. 8lmet6ai^: SBigliuS ^abe boä 9Rttnufcrit)t an ^opptt 
(ber bamaU $rofeffot ber Baubeiten in Cöuen geworben) ge< 
ft^enlt, bamit e9 t>ublictrt werbe; jtnet „Capita" ^abe biefec 
jum Srud nai^ £8afel gefenbet ober werbe e^ bernnfidift t^; 
§o()per'8 3«^örer matten t^m biea erjälift. 

tiittä) bie ®unft beS ^. 99embu3 tuurbe ^gltuS au(| bie 
SJenetianer ^anbfd^rift ber Slotieden jugSnglic^, bie 
er ai& beffer unb DoUfffinbiger erfanntc al8 bie Don ^aloanbcr 
herausgegebene'). 3)ie iBenu^ung ergiebt ftd| aai ber Sera* 
fi(f|tigung ber SloueSen Seo'ä unb getegentlit^en Smenbationen 

1) Heimbach, Bmü. toI. 6 Prolegom. p. 170. 178s. Sie ^iKifd 
t)ahm i^rcn 91nlag in QujaB' Eingabe, bafi et bo9 SRanufcri]»! bon Ißigltui 
cr^lten ^abc ÜJagegeti eijä^lt GiphaDius, de Imparat. Juniainud 
(Ingolst. 1091. 4«) lit, f, a., baß ^oifpti bfeS t^m tum SiglJuS gef^nit» 
9Ranu[cri))t auf fein (eip^n'S) günben .auper" an Sujafi jui Smupung 
(utendaB) gefenbet ^abe. Qujafl befag eS leigiDeife (commendati beneficio 
Viglii) fi^on 1564 unb behielt ei bii gu feinem Sobc; fdne Crben Betfauhoi. 
ti 1594 an $eter ^aiec. SujaS' erwerbSgrunb bleibt jicai im ZUnleln, 
bodi ift tein Qtninb, feine 3ie(^tmii|igteit ju bejttKifeln. 

2} 6nete, ausgegeben Don Stinging @. 2b. 

3) Epist. ad Eraemum 17. Apr. postr. CaL Aug. 1533. Anal Belg. 
2, 1, 141. 142. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



. ni. Z>ie fba^ätx OucOen'ISMttDnai. 22T 

beg ^aloonbrifd^en Xe^teS in feinem 3nftitutionen<6lDmntentar. 
Svigegm fi^eint er eine DoUftänbige ü&fdiitft ober SoHation 
nic^t batpon genommen, fonbern fic^ auf 9totijen unb Srui^ftüife 
Itefi^ränK ju ^üben. Sir nwrben auf biefen ©egenftonb unten 
bei @degen^t bec ^eimagen'fi^en (Sbitton beS Corpus juris ju> 
rüdfommen. 

iBoOt nad| beut (Brf^inen be8 'SJ^top^luS bereitete SigliuS 
eine »cr&efferte ISbttion beSfelben bor, sögerte aber bamit an^ 
dlüiffü^t auf ^oben, ber fibet ben fc^Ied^ten %b\a^ Kagte, 
tnötitenb ber Sommentar gu ben Snftitutionen fiQon tut erften 
So^re fafl »oßftänbig »er!a«ft toar. aUein fi^oH 1536 crfdiien 
(Loran. 4") eine tetbeffette Ausgabe Don htm ^ofeffor ber 
grio^if^en ©pnic^e unb berühmten IBudEibruder SteSctue (f 1545) 
in Sbisen, SSigliuS' Schrei, mit SInmerfungeu Von $eter 9tanniuS 
(^rofeffor bec Iateini(c§en ©(irai^e ju Söwen, f 1557); unb no(| 
gegen iSnbe be^felben Sal|ieä eine (ateintfd^ Ueberf^ung oon 
3. 6nrtin« in lörügge (Antwerp. 1536. 8»), beffen Eingriffe 
gcgev 9lanntuS gu einem unerquicflii^en Streite ffi^rten^). 

StgliuS' fpatcreSßeben ift für bie S3iffenf(^oft nid^t fruc^t=' 
bar gettejen. ^toar fe^tte er, na^bem er ein Saljr taug Dfficiol 
beä ^i^of« Don ai^anfter unb oon 1535 Ui 1537 Seifiger 
beg 9teit^dfammergeri(^t8 in ®pem geloefeu, nod| einmal ju 
ttieoretift^et ©ef^äfltgung jurüd, inbcm er »on 1537 bis 1541 
eine ^ofeffur in Sngofftobt b^eibcte; bann aber UKicb er WtiU 
glieb Ui gel^eimen 9{att)S in iBritffel unb übte bon nun an biä 
jU feinem SebenSenbe (8. SMai 1577) eine tieröorragenbe SSiri- 
famfeit im ©ienfte fiari'« V. unb ^^ilt})))'^ U., beren 3)ar= 
fteOnng unb £9eurt^ung ber t)D(ittfi^en ®e)d)td)te ju iiberlaffen 
ift. ^ier möge nur nod^ ermähnt loerben, bag er oor biefer 
cntfdieibenben SSenbimg feines SebenS Berufungen na^ 3)ö[e, 
SKorburg unb 3ranffutt-a. 0. ablehnte. SSJenn in ber golfleseit 
feine ^Ktmat unter feinem Sifer für ben jtat^olicismuä unb 

1) ata^oreS fibci Mcfc unb bie f))fitemi KuSgaben hä Reitz, Fro- 
droniu Th«oph. Excnraas IT. 

16' 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



228 ^täfitti ÄaiMtd. 

tte fpanift^e, bon ben ©c^reäen bti ^nquintton begleitete ^en< 
(diaft f^tnet gelitten ^at, fo barf i^m ownigftend baS ^^m 
nid|t oertoeigert werben, bag bie ju ®nmbe liegoibe @efitntin^ 
tpon Sugenb auf i^n eifüQt ^at unb mit feinem ganjen ÜBeicii 
jur Jeftiflteit unb pxaiü^^tn ©c^öife f)erangereift ift. $r »ai 
ein Sln^änger ber Autorität unb beS pofitiBen Siet^t« unb garife 
nid|td bKntger als ein ^otft^et @^iattet, bol^r ein bniui^» 
bateS SÖeriäeug in ber §ßnb encrgift^ cunferbatitct @enxdtoi. 
SlBein eS ift ju toeit gegongen , isemt i£)m unter Berufung auf 
feine S^bication jum ^eoti^ilud fclatpifd^er ©erbiliSnuiS unb 
iBer^ecrlid)ung beS abfoluten Siegiments ati Sbeal na^gefagt 
nirb. 3)enn toenn eS bort fielet „oec nos aliad ecire aut pro- 
fit«ri fss est, quam qaod tibi toisque msjoribus placnit, cum 
CaeBaris juris stiidiosi ceoBcamnr", fo fiegt barin nii^ts änbeitö 
als ein etttiaS aap^ati\^ Selenntnife ber ^errft^enbcn I(|eorir 
DHU ber 9[utorttät bed faiferlic^en Stec^ts. 

4. Um iai SSilb ber bertoonbten ffleftrebungen biefer ä^i' 
ju DeröoIIftänbigen , laffen toir auf SSigliu« flonrab -oon 
^eteäbac^') folgen, bcffen liiet ju befpredienben n)iffenf(|aft' 
liefen Bemüliungen i^n mit jenem in natie S^eifi^iung ivu^ka. 
9Iuf feinem »ätcrlidlen ©tammgute §erä6ac^ (jegt §et«6«l) 
untoeit SRettmann im Säergifi^en am 2. Sugu^ 1496 geboten, 
ftubittt er feit 1512 in ffißln bie alten ©()tad|en, feit 1515 olä 
äßagifter ^ologie unb ^uriä^irubeng unb 6efud|te uon 1517 
bie 1519 franjDftfii^c UnilKrfitäten. SraSmuS, ju toelt^em a 
früt)jeitig 9ejief)ungen gewonnen ^tte, befttmmte i^ 1520 naify 
Safel ju gielien, um in ben jheiS ber jungen @kle^tten mjn< 
treten, tnelt^er fid) bamatä um t^n unb bie taflet Officincn 
fummelte. aHetn ft^on um Oftem 1521 folgte er einer SSerufimg 
nadi greiburg als fie^rer ber griec^f^ ©prO(^c unb nwib 



1) St. SSoIteiS, floncab bon ^eieBbat^. 1867. Sun^ bieft« anOf 
DpOe ^uc^ [inb bit [rü^enn, gum XEitil fe^i ungenauen Si^rifttn aber 
^creSbac^ antiquid. 



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HL Sie Safdci OiuIlHi>Sl)itioii«i. 239 

^iec. tienrailf|It(^ burt^ SofütS, bem junfttft^en @tutitum tDiebct 
gmoimm, ju beffen VolIeRbung er nac^ Italien ging. Sn 
gmaca am 22. Octobei 1522 Don ißtrgiliuS be ©iloeftciS jum 
Doctor juriB jjromotirt, lefirte er, iiQ(^ fjatbififirigem Aufenthalt 
in ^obua, tci? er fid| ^auptfäc^It^ bem bort in 93IütI|e fte^enben 
©tubtum bed ^bräi[c!^«t toibmete, nad| t^ei6urg jurflff, um 
(C^em 1523) feine alte Set|rl|ättgtett »ieber aufjune^men. flQein 
fi^on im ^bfte beSfelben ^olfreS getoann i^n ber $erjog non 
(Hebe aU Srjie^ beS ad^tjS^rigen Sr^prinjen SBil^elm; unb 
^Kitdbai^ betrat bamit feinen t)eunat{i<^en 99oben teieber, totli^em 
Bon nun an bie 9Bir!famfeit feines retd^en ßebenS in enflfter 
Stji^ung jtun gFÜrften^auf' angehörte. SIliS er im @ef)tentber 
1533 ein« Seife im auftrage feine« iJfttften unternahm, um mit 
SraSmuS in greiburg fiber tragen bei 9tefonnation ju 0er> 
tjonbeln, b^nte er biefclbe, em^angener Srlaubnt| gemfi|, ju 
»iffenfiJiaftlidien ^tdm aus, unb noc^ einmat befud^te er 
Stafien. Stt feinem '^bfd^riftUi^ erhaltenen ^gebu(^e berietet 
er botfiber nur mit loenig SSorten, unb aui^ fein Stogro))^ gfr= 
beiA ber 99etfe nur tm^. gfir unS aber l^at fte ein ganj befom 
bete« Sntereffe, bo SlMgliaS, ber bamal« in $abua fe6te unb 
i^ na^ trat, vni fagt'), bag ^reSba^ ^auptffi(^(tc^ beSUegen, 
g(etd| anberen 2)cutfd|en, nat^ Stoßen gefommen fei, um in ben 
Sibliot§e(en ben flrte<^if^en Me^tSqueHen nat^juforf^. Unb 
iwnn Dnr ben Stlbungflgang beS SDIanneS flberft^ouen, fo be^ 
greifen mir, bag gerabe er, ber ©rätift unb Surift, fti^ bwcij 
^oCijion'S anbetttungen unb ^aloanbcr'S Setftungen ju erneuerten 
goifc^ungcn in btefer Äic^tung angeregt füllen mufete. Sein 
¥lon modite fein, bie ©puren tteiter ju ijetfotgen, ouf meiere 
bc jfingft Detftorbene ^aloonber tiingelotefen ^otte. ftUebi feine 
9nmit)ungen bitten o^ne Erfolg; t>ennutt)lid) fanb er ben güttt» 
lii^eren unb me^r begünftigten iSigltu^ f^on im Sefig, ali er 

1) Epist ftd J. Cholenim 10. Febr. 1533, &d Amerbach. 8. CaL Marl. 
1533. Anal. B«lg. 9, 1, 121. 126. Epist. dedicator. ad Theopb. In- 
■titot. 1534. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



230 €«^fteS ShIfiM. 

mit t!C|m in $abua jufannneittiaf. ^ür und a6er E)at bted »er* 
gebfii^e äßu^n ein Sntereffe ai& ©9m))tom bet iBeipegnng in 
ben juriftift^en Areifeit: unb iioac um fo tne^t, als fionrab 
^eieStiad) fti^ aud| fonft S(nf))iud| batauf enoorben I)at, in bet 
@efc|td|te bei JRei^tönitffenfc^aft genannt ju uieiben. 3n>ii<^ S^^ 
©^olicn ju ben Snftltutionen, becrn SMgliuä gebenh, ftnb mfbeu 
gebtutft, no^ in {einem ^anbf^riftlii^en 91a(^Iaffe ju ftnben. 
aber öon Sd»eutunfl ift feine SIKtmirfung bei bec abfoffung bcä 
Sfllic^'fBergif^en fianbre(^tS bon 1055^); unb voä) in feinen 
legten SebenSja^ren I)at er ein eigent^flmlic^eS rcd)tdp^iIofop^ift^ 
©Aftern*) enttoorfen. 

IJ8 liegt nid^t in unfeter Aufgabe, bie ©teDung ju fc^ilbcm, 
tneli^e ^ereSbai^ aiS ernft geTtnnter unb mit f(uger äRdfjigung 
oorfditeitenber görberer ber tReformation in ber biet beroegtcn 
@cfd|ici^te feiner ^timat einnahm. SRa^ SßoHenbung ber ®t* 
äie^ung beä ©rbpriitjen jum ^etjoglic^en JSat^ (1535) ernannt, 
trennte er fid^ »om §ofe unb lebte fortan untei ben glfitöirfiftcn 
aSer^ältniffen auf feinem Sanbgute SJortoatb, an ben öffentl^en 
Angelegenheiten beS SanbeS eifrig betl^igt, feine äUugejeit mit 
toiffenfii^aftlic^en arbeiten unb rationeOer Pflege ba SanbtoiTtl^' 
fdiaft (Gonunentarii de re mstica) auSfflQenb. (£r ftari) finbertoä 
am 15, October 1576. Sßon feiner reichen iQiBIiot^rf, über bie 
er teftamentarifi^ oerfügt ^atte, befttyen »ir auger bem ^anb< 
ft^riftlic^en Äatatog nur not^ geringe Ueberrefte. iBon feinem 
SBirlen aU eräieljcr unb ifiat^ be« §crjog» SBit^m ton Eteöe 
giebt und au^ bie ^atfac^e ein e^renbeS 3^gni|i, bog fein 
t^Ürft ii toat. weldier mit Uieifer Sinfic^t ben ^e^enberfolgattgen 
entgegentrat, am cfeuifdien $ofe lebte aU Seibarjt bec Dot= 
treppe Sacob Sffieier, beffen 1563 erf^ieitene» 8Betf ,de 
proeetigiis daiemonum" ben ^etrfdienben SBal^nfinn juerft be< 
Kmpfte. 

1) lätoiU, <B^äf. b. b. «Nei^tSqucIIfn 2, 391. aSoltttS €. 125f;. 
2]'Chrietianae jnrJBpnidentifte epitome, aactore D- D. C. Beres- 
bachJs eu. NeosUdü 1586. 8°. SBoltciB S. 301 ff. 289. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



m. 3He »ifet« Oael[en=ebitionen. 231 

3. Sfotiann ^erWagen in SBafef fafete ben ^lan, ben 
S^onei'er SJrudent ttüxä) eine bctbeflette reine te^au^abt be« 
Corpus juris Soncuireng ju ma^n. SStgliuS lehnte 1539 bie 
Settuns beä Unterne^enS ob; aut^ madite ei baiauf ctufmerifant, 
bog bie Q/dffi berei, Uelt^e bie @Ioffe gering fragten unb ben 
iEcft otlein Wrtanflfen, ju gering fei, um genügenben Ätifaty ju 
wrbfagen, unb fügte '^inäU: „ego sine glossis jus civile recta 
disci non posse puto, nee teztus nndi editionem juris studiosia 
Talde otjlem fore arbitror". «S^Iiefettdi loeift et §ertDagen an 
Ämecbtti^, bet i§n am beften ierat^ Werbe ^). 

SDtefer 2(bmat|nunB ungeachtet gab ^erttwgen ba8 Untfc- 
nehmen nit^t auf. 3>te biet ^etle beä Corpus juris etft^ienen 
lö4i. fol. otfM ©foffe'): unb eS tft biefe Sudgabe merlttiiirbtg 
ali S^ttetftufe jWtf^n ben ^aloanbrifci^en einerfeite unb ben 
Xoreni'ft^cn $anbelten unb ©crimger'jt^en JRoöeUen anbrerfeitä. 

S)en ?panbeten liegt bie ^aloanbrif^ SRecenfton ju ©tunbe; 
bo4 finben ft^ Snmicic^ungen , lDeld|e auf atciat'8 STOiflpitfung 
jurÜ{fjuffl[)Ten finb. 3^m beibanfte ^ettaiagen aud^ ben grie^ 
Ältfd^ii Icft bet gragmente SKobeftin'Ä im Tit. de excusation. 
27, 1, toel^ct l^ter aum crften äRote publicirt tourbe. SCuguftinuä 
(Emendat. 1, 3. ad Mod^tiaum, praefatdo 1544) tabelt t^n 
als mangelhaft auä $olijtan'd papieren a6ge{d|rie6en unb ^offt 
Don ber im SSerfe befinblid^n ItoteDi'fc^ Ausgabe me^t unb 
Stffcre«. 

%udf bei @obe£ gi^t ben ^e£t ^aloanber'e mit einigen 
^nenbattonen. SSergebend Iiatte ftd| ^ectDagen um bie gricd)if(^n 
Sonftitutionen bemfif|t, »Klc^e jenem untejetlii^ ge£ifjcben waren. 
'BiflfiuS, an ben er ftd) toenbete, enoiberte i^m, er toiirbe fe^r 
gmte Ijetfen, menn et nit^t (einer 3eit 'i Senebig, trö^ ber 
protection eine» SHanneä wie $. Sembu«, entf(^iebene Qax&d= 
loeifinig bei feinen Sßoc^forfdiungcn erfal|ren ptte^). 



1) AnaL Belg. 2, 1, 263 ff. 

3) Stiangenbeig, SiiUtitüns €.437. 773 f. 

3) Aoal. Belg. 2, 1, 266. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



232 'Stä^H Safüd. 

3>ie SJJoMÜen') crfi^nm ^iei im Qriet^i((^cn Ze^t ^lo-- 
anbet'ä, in feiner Ueberjeßung nnb in bcr veraio vulgata. aRerf; 
roflrbig abtt finb bie angetiängten GincnbatiDnen unb <^uppitmattt 
be« flcieti^ifi^en lejteS, in lod^en Sien« ganj rii^ttg eine 
JBenu^ng beä SBenetianer SRanutcriptS {Bon ©ctimgcr) crfannö, 
o^ne ftd) ben 3ufo<ni'>en^ang eifldten ^ iCnnen. Ißie Soi^ 
refpbnbenj juif^en ÜBtgliud unb ^cnoagcn gtebt ben ertnünfi^tni 
auf[(^tufe»). 3ener, bei, toie imt obtn fallen, baS SSwetioner 
aj^anufcript feiner 3cit benu^te, l^atte J^eitoogen, bei i^n um 
9)Itttl)ei(ung feinet ÜRateiialS gebeten, an bie „fratres Agoini" 
flewtefen, bie Slllea, teaS er oon ben 9loöeQcn befigc, ebenfoD« 
abgeff^rieben Ifätten. ©r freut fid| fpfttet ju l^ören, bafe jene 
^ertoagen'S ^unft^ entfpro^en tiätten, unb erfffirt ft(^ ju etttraigen 
Srgänjungen bereit. 9IQein, fügt er ^inju, ^Krnngen \otAt 
ntd]t gut t^un, biefe „fi-agmeata" feiner SuSga&e anju^öngen; 
benn fie feien „inemeudata, nee juato judicio satds trntinata''. 
§luf (einen gnQ tooQe er feinen SRameu boju ^ergeben , weil et 
won ber ^ublieation me^r Xabel ats fiob ju eramrten !|abe. So 
ecfiärt eS fid|, ia^ bie ^rbefferungen unb SrgdnjungeR atti 
bem 93enetianer äßanufcrtpt o^ne Angabe ber OueQe aufge< 
nommen finb. Cb bie Heineren Sigent^ain(i(^teiten im Xe^te 
fetbft, iDcldfie itin als eine »on §aloonber abmcit^enbe fRccenfion 
erfc^eincn laffen, auf ällciat'd ober, nuä uaEirfd^einlit^er, auf 
^metbo^'ä Sonjecturen jurüifiufütiren finb, mug ba^ingeftedt 
bleiben. 

Sie oben erroäl^nten fratres Agnini, ^teron^muä 
unb SKarcuä, bie ifiren gamiliennamen „jura ßomb" in 
flblit^er SBeife lotinifirten , gehören ju ben jungen SJeutfdiot, 
teeldie fid] bamats um bie griei^tfc^en 9iec^t$queQen bemühten, 
©ieloaren mit StgliuS in ?ßabua unb ^uebig; er gebenft äfterS 
il^rer §ülfe; er übergab itjnen 1533 feine ?(bfd|rift beä 3:^' 
p^iluä, um fie bem amerbai^ auf t()rer §eimteife ju überbringen. 

1} «ienet, ®e[*. b. SloDcncit ®. 851 R. 654ff. 
2) Anal. Belg. 2, 1, 264. 

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m. Sie Saftitr Qudlut'Sbitionen. 233 

^licion^mnd toax \p&ttt Sbuotat am 91etc^iSfammeigen(^t, feit 
1541 Srt^tb'2 eoQege aU @^nbtcuS oon l^anFfuit. I£r foU 
1559 gcftoideii frin'). 

6. ©eorg lanneü*), ein Defterreii|er (AuatriacusEber- 
BtorfensiB), tft um 1520 geboren, f)at Don 1540 bis 1556 ein 
gEl^rteS SBanbeileEien but(^ Xieutjt^tanb, ^anfieidE) unb Italien 
geffi^rt, bis er cnbficf) 1557 in ©ien eine ißrofeffut bei gric« 
i|if(^en ©prai^c in bei SJttiftenfaciiItät «langte unb, tiat^bem 
ei 1560 in Ißabua jum J. U. D. ptomobtrt root, aud| in bie 
juriftifc^ gfflcuttät ncipirt touibe. SaS legte fi(^ere SJatum" 
feines fiebenS jft, bog er 1579/80 baä junftif(^ 3)ecanat bc 
tteibete; er f^eint biefe Slnttsfütirung ni^t obei nur Fucj übet< 
bbt jn t)aben. Seine Sßanberjafire brachten i^n in ißeibinbung 
mit ben ^eröorxngenbften ®elet|rten feiner 3"t, unb feine Sriefc 
bieten eine ^Häe bei inteieffonteften Iitei&igefc^ic|tlt[^en Stotijen. 
3n SonrgeS aar er um 1549 eifriger ©^iiler SBato'S, Euaren'S 
unb Salbnin'ä; in 8afel trat er um 1552 in freunbft^oftlidie 
Se^ie^nngen ju iSonifaciiiS ^etbod), mit beffen ©o^n SaftliuS 
ec Von 1553 bis 1555 in ^bua bie IBotlefungen bei fünften 
^anjiroruS unb €iribalt)uS, fotoie bie beS ^^tlologeii älober" 



1) ViglioB praefatio ad Tfaeoph. AuaL Belg. 2, 1, 120. 149. 176. 
264. Fichardi Aonalea. flii^nti, S>rfd|. bei 6tobt granlfurt a. 3R. 
2, 862. Smb ^a ongtgetwne Sebudeja^ (151b) tonn nit^l rtt^tig f^. 
SoB t^ i[t pubticttt: SnbiD. Oirempi unb ^nm^mt jun üamb jmeat auS> 
fn^di^c Stat^fi^läec — bei ffltiä)iitibtt Seffion unb SJotuin betteffcnb. 
Spirae d^ 3o^r. SJrontfurt 1615. 4". Siepf, ©alerit 3, 817. 

2) Stinfina, ®. Xnimer'* SBrtetc an ÖDnt|aciua unb »a|ilm8 
1554—1567. Sonn 1879. DojU de Wal, Opmerkingen en 

Giniogen etc. in bcn Seiften bn tgL S(tabemie ju Srnfttibam Mbt^eüung 
Letteikoode Deel VIII. 1879. «na(4jiitiaBtn ift uoij bie ßniia^nung Sanncr'S 
Gadü EpiBt. p. 175. — Son einer .^tbedung" bti Sannei'ft^ S3nefe 
bnn; nM) fonn nj^t bit Stebt |dn, bo f« in ben Sfrgeii^nifjtn b« Bafltt 
tMeffammluna Tegiftrirt ftnb. 3)« ,glü(flic^ Bi^fol^"/ weiter mii^ auf 
bitfdbcn .füllte" imb mit^ ummlafite, i^re ^iftoiij^ IBebeutunQ gii ermitteln 
imb Oai^uiegen, aai dn lät^präd) mit 3. 3. 83 a 4 oft n am gaftli(f)en Xif^ 
nnfettS gcmetnfamen, fritbem Hiftorbenoi grrunbc« ^. Dor. QierUc^ in 
SakI trat 11. &^mba 1S76. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



234 @c(^|te3 AotiitcL 

teHuS befud^te. 91a(^tiem er aui^ 91om fennen geternt ^attc, 
oerliefe et im §ertift 1556 Stafim. Sifrig f|at er fi«^ bort um 
ßriec^ij^e SD?anufcrit)tt bemüht. 3n Äncuna erwarfi er 1555 
ein 3Ranu|ciipt ter Synopsis minor'), beien ISbition ex gefiloitt 
ju ^aben fcEiehtt. IBor^er abec [t^on Iiatte er in ^ßobua irie 
fritifdie $(rbeit oollenbet, um berenttmQeR ^. Sg^Idu^*) Don 
i^m (agt : „huBC quoqae pro jurispnidentiae instauratore 
agnosci debere'. 'Sii^t bid^et tseittg befanttten Semü^ungm 
bitben eine intcreffonte ©pifobe in ber ®efc^ic^te ber Koöellen' 
Sbitionen. 

3m 0loDem6er 1Ö53 tparen Xanner burd) SSecmittluitg btä 
|)fipft(ii^en Legaten 8. SSeccatellud bie @d)äge ber äRoicuä^ 
iBtbltot^^ in SSenebig jugSnglii^ gemorbcn. I£r Hrtuenbete ben 
aSintcr barauf, bie SRoöeflen obsuft^reiben, unb beticEitete batübet 
(Patav. Febr. 1554) an Sonif. amerboc^ mit ber iBitte, ben 
SJriMl in SSofel ju bcrmitteln. 3n (einem au8füI|tKcl^ei äBtiefe 
giebt er ben SJeftonb fetneä 9}tateriatä genau an, unb tmi ei= 
fennen, bag eS baSfelbe War, toeldieS @crimger 1558 pubßdrte. 
SBon biefem crjÖ^lt Scanner, bafe er (quidam Henricns Scotus) 
tioi fünf Sauren biefelben volumina abgefd|rteben unb i^m fDlsic 
ben ^ßrofefforen öato, 3!)uarenuS unb SSatbuinuS tn ©ourgeä 
feine Slbf^rift geseigt ^abe. ^ringenber Slufforberung juc ^bli' 
cation ungead)tet (jabe ©crimger feinen @(^aß bisher tiet§eimli(f|t; 
jegt aber, nadibem er Don ^anner'S Sirbetten getibrt, intrigiit 
er gegen if)n unb verbreite baS (Setßd^t, bag Xanner'S 3Raterial 
geffilfc^t (ei. 

!£ite Ster^anblungen über bie !!)rudlegung jogen ftt^ o^e 
Mefultflt in bie ßänge; ei fc^eint, bofe bie ©ofler Sttatfct 
fürchteten, bei einer blofe griedtiifi^en ^teflouSgabe t(|re Se(^= 
nung nic^t ju finben. ^nsmifd^n fam @crimger itj/nm mit feinet 



1) es ift ber Coi. Vindob. jurid, 5, mdii^ii 3a^oti« feintt «uSjat« 
ju ®ninbe gelegt ^at. Jus graeco-mmannm II, 8. 7. 

2) Juetiniani principis noTell&e coDatitutioneB latine etc. 1561. Prae- 
fatio. 3>anatf| J. Gothofredus Manuale juris, Bibliotheca cap. IV. 



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m. X)ic Saftire OiuITett^itioncn. 235 

%aiQabt^) jutPOT. ^S^emungeaditet l^ielt 3:annei feine Slrbeiten 
mi^t ffil fi&erfiaFjtg ; er Verlangt feine feit Saucen nutzlos bet 
^enoagen liegenbes 9)?anufcripte juräd, um fit anbedpettig gu 
oetWenben (Viennae Mai 1561), uitb toir erfahren 6ei bicfet ®f 
tegen^t ntiUK^e« Sntereffante üßer feine unb ©crimger'» Arbeit. 

©crimget, mit tceldiem Banner im EßoDem6ei 1560 in 
Sendng niebei jufammentiaf unb nai^ SBten jurfi^tfte, trotte 
bog Senetiancc SRanufciifit ni^t felbft abgefi^itefien , fonbem 
fi(^ bei „vicaiia opera cnjusd&m Graecnli" bebtent, toeli^ec 
.majore locelli et atilitatis, quam fidei ratione adductus" 
bte Xibett fo fdineQ knie möglich abfolbiite. ^ann I^atte @ctimger 
bte Söden feines @£eni)ilaci$ nai^ etnei Sbft^iift be§ fiegaten 
SeccateQuS ergängt: benti, fügt ^arniei ttinju, in bem <Sobe£ 
ber Sftaxca&^^iilioÜ^tt feien mani^ 3^^^" ^""^ ^^^ ^^*" f(>f^ 
Wilöfdit; betSegat aber fyxbi fie „cuju&dam artificiosi liqaoris 
snbsidio" toiebet USbat gemadit. 

3)ieft 9Iad|iid^ten eriöutem unb etfläien bie Stefultate, 
iwf^e §eimbac^'8') Unlerfut^ung bet öaticonif^en SJlobeHen« 
I|anbf(^nft erge&en ^aben: unb in 9ktbinbung mit einanber matten 
fie ed ganig, bafe jener Cod. Vat. Palat. 357 eben nid|t8 än= 
beteS ift ali ©crimger'S 3[6fd|iift. fSx f|at fie bem gelef)iten 
lUrit^ Sugger «rfauft mib auf beffen ftoftra bei ©tepfiatmä 
in @enf brurfen loffen: ba^er bie iRotij auf bem SStelblatt „Ex 
bibliotheca iM. viri Huldrici Fuggeri — Anno 1558 excudebat 
H. Stephanus Huldrici Fuggeri typographus". t^ugger tier* 
mai^te feine 8&d|erfd|ät|e bec ^eibetbciger S3tbliot^ef, aU beten 
Srftanbttieil (Sylbnrg, Gatalogus ms. codd. graecor. bibl. Pa- 
latinae p. 123) fte no^ bei $Iünberung ^eibelbetgd in ben 
Satican gekommen ift 

3:onner mar in bet öoge, burt^ fein SKoterial eine »et* 
beffctte Ausgabe ber 9?oDeIIen ^eifteUen ju lönnen, ba et eS in 

1) Ä. 1658. Excudebat Henr. Stephanus Huld, ^geri typo- 
graphng {»oif). 

2) S^äft. f. a^. Slei^iliiifitnl^ft 8, S35 ff. 

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236 S«Srte8 Äapittl. 

fortgefegten SKüfien wröoMommnet l)Qtte. ©eine erfte Äbfdjrift 
nfiuilidi tvar md|t bem Original, fonbem jener SCtfd^ttft, tndc^ 
ber fiegat öeccateHn« eficnfaH« bun^ einen uitjiröerlätfigcn 
„Graeculaa" ^atte anfertigen laffen, entnommen: benn bie öe« 
nugung ber Sßanufcritite ber 3Rarcianifc^cn iSibliotl^d loai nenei^' 
bingä wegen SSeruntreuungcn, bie ftdi „harpyae Hispanicae per 
bibJiothecas passim volitantea" Ratten ju ©c^ulbcn lommai 
laffen, fe^r erft^wert loorben. ^nbeffen unter Ämerboii^'S drängen 
\)attt ^nner nic!E|t geruht, bii eS i^m gelungen tnar „ipsam 
Besaarionis archetypum" nid^t nur in fctnem ©oft^ofe m 
SJenebig ju benulfen, fonbem felüft mit fit^ nat^ $abua gtt 
nehmen. 9Kit erneuter Änftrengunfl ^at er bann eine jweHe 
SC&fdirift unb SoQation mit ber ^arifer Octauouägabe ber 9Io' 
DeQen (1541. 1553) angefertigt unb im ^(ijo^r 1556 no^ 
SBafd gefenbet. 

7. $on ben Xanner'fc^en 9Iibeiten ift ber 91at^üpeU nur 
ein Meine» ©töif ju gute gefommen. ©eine TOanufctipte ftnb 
berloten, jebod) nod| Vor i^rei 91ü((fenbung in i8afel Don Sg^c 
läuS benu^t toorben. ^etniic!^ Slg^Iäud, um 1530 ju 
^eriogcnbufdi geboren, ift im 3Wat 1560 als „H. Agylaeus 
Sylvadncensis Jurieconsultue" tu IBafel immatriculiit. @)>&tet 
tvar er ©efanbter uon Utied|t bei ben @eneralftaaten, fdt 1586 
SRttglicb beS pt^ften ®erii^ts unb patronna fleci; geftoröen 
1595. ®r ^at ft^ bur(!^ meutere ?Ii*eiten um bie grie^ifi^ 
Quellen Uerbient gemalt*). @ein Liber singularis ad ea qua« 
in novellis Jnstiniaiii conatita jua civüe attiagunt (Colon. 
1558. 8") ift ein eigent^inn(ii^cc 9fu8jug, ber ben ciöilreditlic^ 
Sn^ft ber Suftinionift^en SRooeÜen in ber Sonn Don Edkta, 
Lege», Senatusconsulta, Reecripta, Responaa jufannnenfteQt unb 
bur(^ Sifä^ erHntert. ^aS ©rfdietnen ber ©crimger'ffiien 9iO" 
»eKen (1558) »cranlafite i^n, eine ©ammlung ton SSerbeffcrungoi 

1) Zepernick, d«lectUB Bcriptornm Notellua illnstraatium. 1783. 
p.XXVs. p. 1—171. 280—294. aieittt, ffiti*. &.Mowaen S. 879-386. 
a. b. 8. 1, 168 (IHut^ct). 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



HL SHc Saidn Cluel(eit'€bttu)nen. 237 

unb Sigönjungett bet $a(oanbTtf0en Uebeife|ung ju pu6(ictien: 
Nofellaram JastioiaBi principis constitutionum aupplemeatem. 
Colon. 1560. 8<*. ang^ängt ift bie Uetieife$unfl bet ebicte 
Suftiiuan'd unb nadijufttnioaifc^cr SloOellen, taxiere unnrittelbai 
baianf felbftdnbig mit üßEibrffeningen tteiauegegeben touibe: 
ImperstonB Leonis — novellae — Imp. JuBtmümi edicta, 
Inp. Justini coostitutioDes aliqnot, Imp. Tibeiii const. ana, 
Imp. Zenonis const. Doa. — Ezcudebat Heor. Stephanus. 
1560. 8°. Stefe beiben ^eife fütb aSonicbeiteit ju ber DoUftän' 
btgemt unb Detbefferten Ueberfe^ung Justioiani priucipü do- 
vellae coostitntioDes latine ex H. Haloandii et H. Agjlaei 
interpretatione, ad graecum Sctimgeri exemplnm nunc primum 
editae etc. Basil. per Jo. Hervagium. 1Ö61. -l" '). 

^ii ^ben ()iec olfo abermals eine fBafler Sbitton Doi 
mi, unb jmar eifa^im mi anä S^aimer'S S9rief (ÜKai 1561), 
ba§ ^g^täuS butd) Vmerba^ auf ^nnet'd bei ^moogen Itegenbe 
^anu|cri;]te (lingetniefen ift. ^ einem Briefe, ben biefer uerfpätet 
n^telt, tfat Sg^läuS tf|m feinen $Ian einet oeibeffeiten M^xt' 
fegmtg mitgettieiU unb um @ene()migung bei iBenut^mg Jena 
^apiece gebeten, ^ieiouä oflären ftd| wo^I jum ^tl bie übe 
DKidiungen biefer legten SSeaibeitung bon ben ftOfreien; unb 
Sgqläud bezeugt feinen 'Siant bur<^ folgenben ^affuä in bei 
äioirebt: .Qnos (ben giorentinec $anbeften) band ita longo 
post intervallo prope plenum novellaram Jostiniani corpus 
nibsecatam est, ab H. Scrimgero in publicum usum pro- 
ductnm, quam quadrienniam ante GeorgioB Tannerue idem 
librarÜB Basüeeusibus excudendum dedisset: quorum pro- 
crastinatione, qaod aut graeca sola edere nollent ant oeecio 
quid reqnirerent, illi ea laus praecepta est. Quod eo com- 
memoro, ut sciator, liunc quoque pro jurisprudentiae in- 
staoratore agnosci debere; cni postquam maltos labores 



1) 3niivi|c^ toar mxät nfi^inten Norellae JnstiDiani imp. conatit. 
* Qr. HakÄndro e gTM«o rereae et editae — ntinc vero rensK et 
emendatM etc. Paris, Stephums. 1560. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



238 Stifte« fialrittL 

exaatlasset atque quam pro re familiari plusculum im- 
peDdii feciBset, eveatus non respoaderit. " Sä »erbtent iftt^ 
Uoige^oben ju loetbm, bag %QtHäüi bem |)aloanbn bte gtogte 
Vnerfeimung ju 'S^l teecben [9gt unb unter feinen ^Cobleni 
namentUi^ ben Sontiud abfertigt. 

^Xm Supplementum ift eine V6^b(ung übn bie @uli< 
fcripttonen (de dienim annotatioDe) tiotangefUDt. UebeibiH 
uetfagfe ag^IfiuS n>fit)ienb feinet 0ufent^U8 in 99afd eine Ud>cT< 
fe^ung tonn $f|otiu8 Stomocanon, nad| einer ^anbfi^rift, ttvld^e 
Ämerbac^ gelfötte: Photii — NomocanoDus — una cum an- 
aotationibuB Tb. Balsamonis — H. Agylaei auspicüs in Ziatdnum 
deductus sive latinitate donatus. Basil. p. Oporinom. 1&6I. fol. 

8. 3tt bemfelben 3a^re erft^ien e6enfaKS bei Dporin: De 
varia tempomm in jure civili observatione Enstathii olim 
ConstantioopolitaQi anteceasoris Libellus. Item leges Rhodio- 
rum navales, militares et georgicae JuBtiaiaiii etc. opera et 
studio Simonis Schard J. C. Basil. 1561. 8» '). 

©er Herausgeber ©imon ©i^arb, öon totl^tm unter 
ben Srffefforen be8 Ä.fl.®. nähere 9tac§rirf|t gegeben awrben foB, 
I)atte bie ^ctnbft^riften — Wie er in bet Epist dedicatoria an 
ben ^ugiSburger Siirgermcifler §iiinäet beriditet — im Dor^eT" 
geljcnben Sinter in 3talien lennen gelernt, »obei er fid^ auf 
SntVfe^Iung beä SG3iIt|. ©irletuä aud) ber Unterftügung beS 
Antonius SuguftinuS jU erfreuen fiatte. 3Me @bttton ber Leges 
ru^t auf ber ^tgleti^g mehrerer ^anbfi^riften tn99oin; über 
bie ^anbft^riftlit^e ©runblage beS @uftatf|iuS fpric^t ©d|arb ftt^ 
{eE)r unbeutli(^ aus, 2)em grie^tf^en ^te ^at er eine lotet« 
nifi^c Ueberfe^ung gegenüber gefteHt, ber et einzelne erlSutembe 
Sfnmerfungen unb SSenoeifungen auf bie @efet|e, au8 benen 
@uftat^iuS f($epfte, beifügt. 3n biefen ^bet [i^ jebo^ nii^t 
ber Don Qai^anä (@. 6 3lote 2) gerügte 3trfi)um, bafi ^mt£> 



1) Zacbariae, Al'Poxai xAxc t>ic ©Arift iäxt W Settobf^ittc. 
1836. S. 4 ff. 



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Ilt Srte a3a(der DueaouffWtionat. 239 

noputoS al& CutHe cttttt wirb; atelme^c jft becfelbe erft in bte 
fpätm äuSßttbe llostochi 1671. 4* etnflcfüflt. S)er Utbti<: 
fe^g atib Ungenairigfeit DorgelDOtfen , unb ©ci^atb fagt feldft 
in ber ßorrebe , bog er bte iBefi^äfttgung mit bem @nec^tf<^en 
längere 3^tt bemadiläfftgt ^be. Sto fotgenben Satire ecfi^ien 
bte %ai%abe beS SujaS nai^ anbemt §a!tbf(^tiften, neli^e bann 
nac§ neuen SoCattonen in fifltpenHau'S jus Graeco-Bomanum 
T. 2 mit neuer Ueberfe^ung überging. 

9. Utn biefdbe g^i* ^Qi^ ^ geletirte 3o^ann fiötoen^ 
fittu') aus Emelburen in SBeftfalen mit betiiKinbten ©tubien 
brfd^ftigt. $on ben 93afi(ifen toar bisher im Original nit^fd 
9d)ru(ft 3m ^pfyci 1657 erfi^icnen Von bon ^^eologen @tattanu& 
fiertietuS einige Südier in lateinifc^er Ueberfe^ung; 1566 bon 
SujaS baS 60. 9u(^ ebenfalls überfefit. fieunclabius, ber aii« 
ber !Bif>(iot^ be$ SotfannetS ©ambtioiä eine in ^rent aufge< 
fimbcne ^nbfi^ft ber S^nopH^ erlangte, gab biefe im Original« 
tt^ mit Beigefügter latetniji^er UeBerfe^ng 1575 in ^a]ü gerauft '). 
„Selber ^t Sflroetrftou in (einer Sbition, ber ein jigen Bt8 je^t ejifti= 
imben, bie (urff)rünglic^ alp^abetifi^e) Orbnung ber ^itel nmge: 
änbert imb biefe nac^ ber Originaloibnung ber Safilüen, mie er 
fiefu^ borfteHte, Iierumgeworfen." So^. Xi|oina8 gteigiufl, 
ber bamaU als Sorrectoi in £9afel lebte, fagt, bog er bie „Epitome 
Basilicön" üBerfegt unb corrigirt ^abe, bag fie bann unter anberem 
Kamen tfnauSgegeben fei']. SönenCIau bagegen Betianbelt bie 
UeBerfe|ung aU fein eigenes SSerf in ber iSSorrebe. S)ie @rgeb< 
niffe bec fortgefetiten @tubien fiötbendau'S auf btefem Gebiet 
finb nai^ feinem ^be bon SR. t^retier (Juris Graeco-Romsni 



1) SetuiclaOiuS, Qtib. 1533, war tMm 1562 m 1565 Se^m am $aba< 
{Pstntn in ^eiMterg, bur^nifte ben Orimt, Ilc| fu^ Ipdtet fn SSfcn nwbtt, 
mD rc im 3ttni 1593 ftatb. 

2) LX LibronuD Baailmäv — Ecloga sive SjncpsiB hactenuB desi- 
dents niiDc edita per Joan. Leunclaium etc. BaeiL Episcopioe. 
1575. foL 

3) E^t ad J.ll OltingenuD Hart. 1576. Zaidler, vitae 1, 12b. 



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240 ®e^ttS SaptttL 



quam civilis tomi duo. Fraocof. 1&96. fol.) 
herausgegeben. 3tn jliwiten SSanbe befinbef fti^, tpie oben er- 
Inä^nt, ber Suftat^toS. 

10. 5Wi(^t in Safel gebriiift ift, luaS bei ber borttgen SSetrieb^ 
fam!eü auffallen mug, bai Manuale legum dictum Hexabiblus 
beS ^atmenopuloä, obQläd) eä in 3)eutfctrlanb befonbereg 
Snteieffe eitüccFte, nadibent eS juetft 1540. 4" in ^oriä bon 
%\). 'üb. ©uallemberg fierauSflegeben mar. SJetnarb non 
Mev, J. U. D. in fiöln, liefe 1547 (Colon. 8") eine totetntf^e 
Ueberfe^ung etfi^nen, ber 1556 eine anbere t>on äSercei in 
Serben folgte, wel^e beibe mehrere Stuflagen erlebten. @nbli(^ 
^t Suftinu« ©obler baS ^d) inä 3)eutf(f)e überf^t unter 
bem Xitel: ^anbbudi unb SluSjug faifetl. unb bärgetl. Stetsten, 
auö bem Satetn. beS ^armenopult inS teutfdie fibccfe^t. ^tnnfi. 
1566. fol. dagegen finb bte erften ausgaben ber Notitia 
dignitatnm*) bon iBafeler !t>ru(fem ueranftoltet. 91a(^ bni 
untiollftfinbigen 3luSgaben U& Slciat (Lugdnn. 1529. Basil. 
1546. 1552), ©eorg gabriciu« (Baail. 1549 ober 1550), 
älnton ®(^on^o0tuS (Basü. 1549. 1552) beforgte ber gde^ite 
SJorfte^CT unb Eorrectot ber groben'fc^n Dffidn ©igmunb 
@elenuS (f 1554) bie erfte Dollftänbige @bitton: Notitia 
utraque cum Orientis tarn Occidentis ultra Arcadii Hooo- 
riique tempora etc. Baail. 1552. fol., ber erft 1593 bie 
ffienetiancr mit (Kommentar Don ^anjirol folgte. ÜUon brr 
3lbf(^rift, wellte, nie t& f(^eint, ^toanber in t^ara angt< 
fertigt fyitte, ift niemals eine @pur lieber jum tBorf^etn g^ 
tontmen; unb ob ^njiiol biefelbe ^ubfi^rift benufit ^at, Uelt^c 
bereinft jenem oorgelegen, ift nii^t ju entfdieiben. 



1) Sarffns, üb« bin Notitia dtgDiUtam. 1834. @. 48— 5Ö. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Beginn bcr ffnttfctifd^n ^^tdjtung un& principwn= 
fämpfe bis um bic ITttte bes ^6. 3a[|r(junöcrt5. 



1. Sinititimg. — 2. 3Ret^obD[ogf(c^ Berfudie. Ügiicola. Sontiuncula. 
^eacnboTfinul. granj g^i^ — 3. Sqitematl(C^ ißetfui^. ©ebafliän SJtirci. 
e^eis. ^oti^KT. — 4. Sitten&eig. @clnt anfangt. SiJben. S^nirL 
€(^ifif. — 5. Sti ftamtif um baS poTitioe Stnfit. — 6. S)ct Aamfif um 
baB tanonifdic Ste^. — 7. «Kdan^l^Dn. — 8. SD^ann !H>tl. — 9. ffunrab 
SoguS. — 10. 91. Runs- — II. So^nn S^imbemin. 

1. SBenn eine 933iffenfc|aft, fei eS buic!^ fottgefe^te andü)'^ 
titele 9rbeit, fei e& auf bem 39üege ber Beobachtung, einen leiii^en 
S(^ einzelner fienntntffe aufge^uft f|at, fo pflegt Übet furj 
ober fang ft^ bie Sm^iftnbung einjufteUen , bag fie tio( biefeS 
3{etd|t^uinS SRongel letbe, ba ti ü^t an bem äßittet ber boHen 
Jicrrfrfiaft fc^It, bie nit^t fi^on baä Siffen, fonbern crft baä 
Srfeunm gu gemähten öermag. SDie g^iSf" ""'^ ^s" ©rünben 
unb bem itraetn 3"fQin'ncn^ange ber Sinjeltieiten brängen fid) 
ijinaa, unb ei beginnt (Dgl. oben ©. 140 ff.) bie auf bafl (Srtennen 
biq'cr ^intfr ben ^atfo^eu liegenben, fie uerinüpfcnben griftigen 
gäben genietete Stibeit, ttelc^e mix, infofetn t^i ^kl bie Qa^^ 
iammenffigimg etned mtioneU georbneten ©ongen ift, mit bem 
Spanien ®^nt^e{e bejeii^nen bürfen. 

3»ar ^t ed an foltl&er Slrt ber Settat^tung in ber SSuriS« 
tirubenj niemals gong gefdjlt. Wtan tiatte oon äUterS I|ei aiiS ben 
fiHniel^etten oDgenteinere ©äße (brocardica, regolae, loci) ab= 
ftro^tit unb nit^t untetlaffen, für bie etnjelnen SSeftimmungen 
ratioiies QQjugebcn, bie ficfi in ftobtler {$orm alä trabitioneOe 
@cf|uliDd$^t forterbten, ^etn biefe bürfttgen @ige$ntffe ^n> 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



242 Sicbcntea SopitcL 

tl)Ctif^er Betrachtung ftanben boc^ nui alä unueibunbene Sinjel< 
tieiten mbm einanber. ©ie fütjrte nit^t Über ein öufeewS ^d)' 
Wert ^inauä, in^nwli^S bic Sinjet^eiten jii teicE|tem unb fdineßem 
3[ufftnben Dertl)eilt waren. @traaS 3[nbeteä unb SleueS ift bie 
gtage, ob fi(^ bic ©eiammt^t ber ©injet^citen ju einem burc^ 
in einanber greifenbe ®iünbe berbunbenen @anjen jufainnien' 
faffen unb auf einen le^iten unb fjüt^ften @runb jurücffü^ien laffc. 

3)05 aUerlonflen noc^ foldjet Srfenntntfe ber Singe gd|ört jn 
ber beni beutfd^en SBefen eigettt^ütnlti^en Begabung. 9Benn cd 
fid^ lange Qät bem ©toffe ber 9te(^tiSH)iffen)i^aft gegenüber ni((|t 
regte, fo liegt ber ©runb in ber fibenvättigenben 3Rad|t ber 
Hutorttät, mit it)el(^er biefe aU eine fertige, abgef^toffene SRoffe 
' auf ben beuf[(^en ©eierten laftete, nic^t minber in ber fafi aud* 
fdilieglic^ ptaftifc^en Xenbenj beS @tubium$. 

(Sin )}ra[tif(^$ Stntiegen ift eS benn auti), toelc^eS junö^ft 
jur ^Prüfung f^nt^etift^er gragen ben 9tnfto| giebt. 3Äon unter» 
fu^t, ob unb toie baS Stecht in rationeller SBeife gelehrt unb 
gelernt tterben tonne. SÜon f)ier auf bie t^rage geffitirt, ob ein 
f^ftematif^er 3''('>™n*™^tt"9 i"" ^^"^1 beftelje, prüft man ben 
rattoneDen Meiü) ber ©lieberung, rocli^e Suftinian [einen Stec^tä^ 
buc^em gegeben ^at. 3Bie bie ^nttoort t|rer Derfc^ieben lautet, 
fo machen fi(^ au^ über bie Derbinblti^e ^raft unb über ben 
bibaftif(^en SSJert^ ber überlieferten Drbnung, ber fflüc^er unb 
3:itel, abweic^eitbe äT^einungen geltenb. !£iie|enigen , met^ fü^ 
jur 9Iegatioe befennen, roerben Don ben mettiobologifc^en S^^gen 
ju bem 9Jerfu(^e eineä fetbftänbtgen f^ftematifdien Aufbaues beS 
pofitiben 91ed|tlS unb jur Unterfuc^ung ber legten ©rünbe bfS 
iRet^tS überhaupt gebröngt. 

2. 3]'^et^obologif(^e SSerfuc^e. 2)te met^DboIogt{i|en 
©c^riftfteder btefer Qät, »on bencn bic toic^tigften (jier befprot^m 
toerben foUen, unterf(^iben nic^t ättiift|en toiffenfcE|aftri(^er gor« 
fi^ung unb ©^ule. 3)aä SBebiirfntfe ber le^tcren ift il&nen ^ui=^ 
gangSpuitft unb ^kI- ©« ^itüen f«^ bie grage a%emein, nne 
bas jurifttft^e ©tubium etnjurti^ten unb nie ti vorzubereiten 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. SRtt^bolDgif^ StifiK^c. Karicola. 243 

fei; iinb ilire Sröttetungen finb efien fo [et|t '^obegetift^, atS 
metiiobologifdi. ®ie treffen fäntmtlii^ in bem einen ^nfte j^u* 
fatnmen, ben fi&eilieferten Sommentanen ben ^iteg jit eiKären, 
^utnaniftifc^e SSoibilbung ju fotbent unb aQen 91a(^brud auf baS 
€tubiiun bet DueQen ju legen, ißi^t minbet fotbent fte einen 
gfoibneten @tubtengang, bei mit ben Snftttutionen ju beginnen 
ift — ein ©0(1, her unä felftftBcrftftnbUd^ [c^einf, bcffen immer 
imAerfei^tenbe ®etonung abtt seigt, in »eitle 3«fa^ten^cit unb 
^enntmtng' bte a!abemifi^e Se^rjett geratt)en fein tnugte. 

SBenn aber ber Setirer inib ©^üler \id) auf eigene 5% 
fteQen unb bon ben ^mmentatoien emanct)iiren foUte, fo 
hjot eS befto not^menbiget, iljn mit bem jum richtigen SSete 
flänbni^ ber OueQen erforbedi^en ffliffenf^aftlii^en Sp)}atat 
ouftjuiuften. ^enntni^ ber latetnifdien unb teo ntöglii^ aui^ ber 
gried|if<^ «Sprache niirb Derlangt. Mein jur ßrcQÜeb^ani 
bei fStbanSm, juc Kombination unb Argumentation bebarf eS 
bei formalen ^öifbung buii^ Sf^orif unb Z)tale(ti(. 3Senn man 
auf ber anbem @cite fa^, nwli^e^ Un^l geiabe bie biolehift^e 
8pt5finbiflfcit in ber 3uriä()rubenj angerichtet ^cttte, toie bie 
@(^olaftiI unter ber neuen 3«tftrßmung in 2ttt|crebtt gerat^en 
nur, fo erfd)ien eS aU Sebllrfni^, au§ jenen beiben unter fic| 
fo eng wnoanbten 2)t!gci))ltnen baS für ben Suriften Unent6e^r< 
Itc^ tienuiSju^ben unb bie angemeffene unb fru^tbare SlntDen« 
bnng auf bte SuriSprubenj gu jeigen. 3)Ian !onnte babd auf 
bie leformatoriff^en äBerfe 8tuboIf SlgiicoIa'S unb 3)teIand|t^on'S 
bauen, burdi loeli^e jenen eine neue, öereinfoc^te ®eftalt gegeben 
tnti. 3n biefem @inne ^aben SlaubtuS gantiuncula feine 
Topica legalia unb ^egenborfinuS feine Dialectica legtilis 
Sefdirieben, S^rblt^ei jur SSordereitung beS jurifttfc^en ©tubiumS, 
bcren bibaltifc^er SBert^ nur für eine 3^'* ä" Wrft^en ift, »eti^ 
eine metftobifdie ©i^uIbiQiung ni^t UoronSfegen (onnte. 

3)ie ^uptgebonlen ber met^obologif^en Slntoeifungen, toeli^ 
Um: bei ben fotgenben ©i^riftfteQem ausgeführt finben, I)at fd|on 
Sabolf ÄgricoU (ge6. ju ©a^o bei ©räningen 1443, 

16« 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



244 SitbtnteB StaJpM. 

geft. 24. Cctbr. 1485) in einem öfterä gebrudten Öriefe aom 
3a^re 1484 auSgefproi^en '). 

@g ^ani>elt fii^ na^ ^gncola beim @titbium über£|aupt um 
biei 2)inge: baS ^kifte^en, baä SSe^alten unb baä ^tfinben. 
$[uf hai S^eifte^en ift alle SßflE|e beim ßefen ju oeitoenben; 
J€bo(^ foQ man nii^t 6ei ferner »ecftänblii^en' (Stellen öngftt^ 
Rängen bleiben, fonbem foitft^teiten unb auf günftigeren ©tfolg 
bei ^ieber()olung bertrouen. Um baä SJerftanbene jU be^oltai, 
ift baS @ebäc^tnig anjuftrengen ipib buri^ Uebttng unb SESieber=> 
Rötung ä" ttäftigen. 3« bec eigenen Urfinbung aber seigt fic^ 
erft bie ^tuit)t beS @tnbiumS. Samit trir SigeneS tietborbringen 
fönnen, muffen »it oot oDem bttS Erlernte jeberjcit in ©eteit' 
fi^aft ^aben, unb bagu bienf eä, bie ©tujel^iten, toel^ nrir 
wiffen, mit aQgemeinen ^Begriffen in ^cbtnbung ju fetjen ober 
unter loci commnoeB }u orbnen. Ob babet fc^riftlit^e SoQectaneen 
ober nur rationelle ©i^emata beä ^bSci^tniffeä gemeint ftnb, ift 
ni^t JU ernennen; mutfimo^lidj roiH Slgricola SBetbeS emtir^teit. 
t£nb(t<^ aber ift eS pr eigenen Srfinbung not^toenbig, bo^ man 
bie ^inge, bie man weig, unter berftf|iebenen ©cfn^ts^unhen 
unb in i^ren 0erf(^iebenen Regierungen ju anbeten SMngen (w 
tradite. Sie SRet^obe foldier Retrai^tung ^at er in feiner nft 
lange nad| feinem Xobe gebruttten @dtrtft De iaventione dia^- 
lectica auäfü^rlit^ bargelegt. Qtx ftellt barin bie SSertjältniffe ober 
@efi(^tSt>unfte, bie er mit bem ^erf&mmlii^en 92amen loci b^^net, 
jufammen. Sie inventio ift ü^m nidit ein 'S3)äi ber Sllietorif, Une 
bei Sicero, fonbem ber S>entlel)re ober Siafrftt!, beten jtDeiten, 
»on i^m ni(^t bdjanbelten 5:^il baä Urt^eü (jadicdnni) bilbct. 

SIaubtui3Santiuncula*)(^aube@^anfonnette), im legten 
^afmefjnt beS 15. Sa^t^unbett^ in 3)Ie^, ttw fein Cater 0}otar 

1) Libellus de form&nilo Btndio rere aureus — cujus anctores sunt 
R. Agricola, ErumaB Roterodamus, Pfail. MeUnckthon. CoIod. 1633. 8*. 

2) Rivier, Claude Chaasonoette et ses lettrea in^^tes. Binxelles 
1878. 8". 3)ui^ biefe ©iftrift IJl blc üittre SIteralui übet ffantiunculo aiiti= 
quirl Sgl ntK^ a.b.S3. 8,767f. 1816 (tRiDiet). ^oranig, »riefe bc« 
ttl. Santiuntula unb U. 3a(hifl. ©tJunflSb«. b. p^iL^^ifior. fttaffe bei Wmer 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. 9RM^tie(ogtf^ IBntiu^. Sanliunculo. 245 

nur, ge^oitn, ^at, nie e^ fieigt, in Säpi^, bann in Sftnien 
ftubirt. Cr tan 1617 nai^ öofet, ttKtrti §iet 1519 ^um 
Doctor juris ffcomomtt unb nod^ in ttemfetben So^ie jum Ordi- 
narins legiim. entonnt unb junt äicctor erteä^lt. ißon Anfang 
an in ben ftreiS bct obecclfeinifc^en ^umoniften etitgetreten, 
fini))fte CT freunbid^aftliific JBejtefiungen an ju SocneliuiS Sgrip^ia, 
3afiu8 in i$iei6urg, ju ®raSmuS. Seatuä 91()enanuS, (Bkreanuft, 
Ämetba^. SBie bie politift^ unb focialen Unrw^n, bon benen 
bic Ü^un^fü^Tung bex ätefomtatbn in iBafel begleitet toor, feinen 
boitigen ^unbedtieis getftreuten , fo fdieint er in glet<i^ 
Änlofe feine ?ßtofeffur aufgegeben ju ^ben. &c traf 1523 in 
ben £ienft beS Slat^d bon 3Ret(, unb loir ftnben il|n Don nun 
an in ben mannigfattigften @efdiäften f&r feine ißaterftabt unb 
fijtnig ^jlertiinanb beitvenbet; eine caftCofe XEtätigfeit, bie tl|n 
bni^ 2)rutf(^Ianb, Ocfteneidi, Spanien unb ^nftetdi fütirt. 3m 
Zcäftt 1532 tft et BefereoB extraord. am 9ammeigeTic^t>); 1538 
in Sien, tote ti fdieint als Slatf) beS ftönigS ^rbinanb. Ob 
et boTt, tote gefogt Ipirb, eine ^rofeffur beFleibet f)ot, ift jincifeU 
t)aft Seit 1542 ettoa tft et ^njfet bei tiorber5ftenetc!^tfcf|en 
ätegiening in ^iä^tn. W&ie lange er biefeS 9mt ijemaltet 
^t, ift eben fo ungewife »ie ber Ort unb bie 3eit feine« 3:Dbe8. 
€s treibt, bog er in feiner tßateiftobt um 1560 geftorbcn fei. 
€wK gefiidäftlii^e ^tigfeit t)at it|n ben uiffenfc^aftliclen 
Snineffen nit^t entfmnbet; er pflegt einen regen ^tte^r mit 
ben iEim befteunbcten ®elc^rten unb befuc^t auf feinen Seifen 
bie 9i6Iiot^n. ©eine etegant unb tiai gefdiriebene Paraphrasie 
in tree libroB Institatdonum ift in ben Sauren 1533. 1534. 
1538 ODÜenbet; an feinen Tractatna de officio judicis I^te « 

«bibflnie. aSBij 1879. m. 93 @. 435 ff. Sdinfttn: Topica. BaBH. 1520. 15iS. 
Oratio apologetica in patrocinium juris ciftliB. Basil. 1522. Paiaeuesis de 
(tadio juris. Baail. 1522 u. Sftcc. ParaplirBsiB in libros tres priores Initi- 
tatioonm. In Ubr. 1. Hagen. löSS. In libr. 3. Lugdun. 1535. In libr. 3. 
LoTaa 1549. De offigio judicis. Basil. 1543 Consilia ed. per O. CDutelium. 
Colon. 1571. @ctnt Oratio apologetica ift Db<n ftap. 3 ®. 100 bcftnrcx^n. 
1) ^aT)>tiit4t, Stoateon^ 5, 77. 97. 

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246 SicbmM SofiileL 

1543 bie le^te |ianb. 93on €nri&^iin aud erftattete ei auf 
ISifud^en beS Stücnberger fßattiS 1546 baä E)anbf($riftltif| ei= 
boltene „Bebenfen ju ^feiung unb SmenbatiDn ber dläm- 
betgifc^en SRefonnatiDn" (37 goliofeitenj, m meli^em et fi(^ ß6er 
einige STttifel Dom ©tanbpunfte eines JRomaniften aud uerbieitet 

gfir unä ftnb Don giögetem 3ntereffe jlDci ©c^riften. Weitet 
feiner £5aflec ^criobe ongettOien. 

^un^ äfgitcola'e unb aKe(and|t^on'S ^mfienbien bei 
2)taleftif angeregt unb Belefirt, me biefe 2)iSct^Iin, auf einfache 
©eftifitiSpunEte jurfldgefü^rt, jur filfiruttg unb Sicherung Dtffoi: 
f(^aftli(^ei: SCigumentation btenen tSnne, entteaEf ec feine Topica 
legalia (Ogt. oben @. 120). SSon 3ifi"^r ^^'^ ^ baS SDtanufmt)! 
mitget^eilt fyittt, burc^ SBetfaQ emut^igt unb SeffentngSUorfc^Iägc 
unteiftatit, gab er fte 1520 fierauä. (£i toiU borin bie fi(^ unb 
einfadje 3Äetf|obe ber ärguntentotion jcigen, beren erfte» Gtfoi" 
bemig eS fei, ju tntffen, tuie unb »o bie ^eueisgtfinbe ju finbnt 
finb. %Ki geben bie loci (zöfcoi), bie sedes aTgumentomin an, 
bie man ba^er Fennen unb lernen mug. „Est euim sine Topicis 
jurecoQsultus mutus et elinguie alteroque lippiens ocolo.-' 
^abei lägt er bie äugerlidien iBetoeiSmittel (loci ezterni : ^^'S'"' 
UrEunben u. {. n>.) auS ber SSetra^tung unb bc^anbelt nur bie 
loci intemi, bie (ogifrf|ni SBetoeiSgriinbe, beren er, äljnfi^ fflie 
Stgricola, 26 oufftedt. @S gefd^ie^t bied im @egnt{a$ ju bet 
bei ben Suriften ^erfömmlidien ?[rt unb SJcife ber argumentotion, 
oiefc^e fi^ entbieber über bie loci gar feine 9)e(^enfc^a^ giebt 
ober beien jo^Itofe otine (ogif^ts gun^tticitt annimmt unb bo^ 
in 3ii^tlofigIeit unb miflffirlic^e ©op^iftif, mit btofeen ©inföDen 
unb ©c^ngrünben operirenb, gerat^en ift. gr tritt babur^ in 
©egenfa^ ju feinem ißorgänger SoerorbuS. ^ie Stmoenbung 
ber loci, b. ^. bie Sebeutung berfelben unb bie ^(eitung be4 
iBettieifeiS au« ben in i^nen entgoltenen aWomenten unb ©efu^iS- 
fünften, jeigt Santiuncula an juriftifdien IBetf)]ie[cn, &^nüi) m 
Sicero bem ^rebotiu« Scfto bie %o\>it erläutert ^otle. 3nbr6 
ge^t er aber feinen bibaltiftfien Qfotd ^inau8 butdi bteite @r» 

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2. ^a^obeloQi\iS)c Srrfuf^. aontiunculo. 347 

öTtentng biofeftifc^n unb )Uiifttfd)cr fragen. Sei S&efpref^unQ 
her Smanctpation (p. 47) benutzt er bie Sententiae receptae beS 
^aiitug unb bie Snftitutionen bei ©aiuS, htbent er berid)tet, bag 
^Diiif. ^mnbaiij t^m ben im Slofter SRutba^ jüngft gefunbeiien 
£(^6 mitflet^ilt |o6e. $)ie ^umaniftif^e SRii^tung, bie aSer» 
e^ning ffli bie btci te&enben 9}efonnatocen bec ^riS))rubenj, 
tritt ütviall ^bor. Snbeg bleibt e8 unferer i)tutigen SilbungS' 
fonn fc^roer 6egreiflii^, wie man butc^ ein foldiea SBetI bie an= 
fle^ben 3atiften ju [ötbein gloubtn fonnte, wenn mit eä nii^t 
mit bem ivßften ißeftanbe bet Uoi^etg^enben Siteratur becgleit^en. 
Sot aQem abet ift babei @ind ju beaditen. Santiunuita'd %o\)\t 
ffox nic^t fo fe^i bie SeweiSfü^tung über^auiJt, al8 bie bei ber 
Sfu^Sfegung ftMcieU gu bertipenbenbc im ^uge. (Seine loci finb 
DonuI)mIi{i^ foli^e ®eftc^tS|)unfte , rcelc^e bei ber grantmattft^ 
unb logifc^cn Snterpretation in Setro^f lommen: fie ift bo^er 
jugtciifi rine Xtieorte ber @cege{e. Uitb inbem er babei auf bie 
Srgebniffe E|umanijttfd|er ©hibten ^inteeift , biefe Dertoertfiet unb 
in bie (Ejegefe f^ulmögig einfOtirt, bejeidinet er einen {$ortf(^tt, 
ben 3ofüiS um fo me^r mit 3iiitinimun3 begrüßen fonnte, olä 
t|ier in bet SlnSienbung teerlttooUe @injett)eiten gewonnen waren, 
lieber bie SRettiobe be$ )iirtfttf(^en ©tubiumä ^at fi(^ San* 
tiuncufa «nget|enb audgefpro^en in ber ParaenesiE de 
studio juris legalis, einem ©enbfi^teiben an einen Unge= 
nannten*). @r Verlangt ^umaniftifc^e SSorbilbung, bor aQcm 
Itenntnift ber (ateinifi^en unb too mSglic^ auc^ ber gric<i|i[(^en 
©prat^, beten SEßert^ er am bcffen barauä emteffen lönne, bafe 
et an fid| felbyt itjren SRangel bei ber Secture ber Cuellen 
i^merjlid) em|jftnbe. S)ur^ fittli^e SSerebtung unb iReinl)eit ber 
Oeftnnung folt ber Surift feinem SBiffen unb ©treben bie SBJürbe 
aeben, bamit bem üetberbli^en treiben bet SRabuIiften ein 3ie( 
gefegt toetbe. ftenntnife ber SJiaWtif ift nöt^ig: aber mon (oß 



1) Basi). 1523. 4° jufaininen mit bei Oratio apologeticn in patroci- 
DiDm juris civilis. Huä) ^intcr C. Lagi Methodus 1562. 1565, üfsgfiätjf 
in Beusner, Cynosur» jnriB. Spirae 1588. Hui^ Colon. 1607, 

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248 Sicbntte SapM. 

%x nid^t ju großen diavaa gmä^mi, fonft becbiängt fie bai 
33td|tigere unb fül)tt bat|in, ba% man feine ^aft in ©utitilttätn 
Oerje^rt. ^aS ©tubium iti IRcditS foK mit btn Snftitutiotitn 
begonnen mecbcn unb bet Anfänger bobei leine Sommentatt, 
fonbern nui bie Auslegung feinet SetiretS benu^en. SuS btn 
3 partes fmb bie aßgemeinen fflegeln {generales tradiüones) 
auäjusie^en unb in bie nQ(^ biefet Xtieitung gcorbncten „loci' 
einjutrogen, bonn auStoenbtg ju lernen, ©ott^c „loci", geotbnctc 
SoQectaneen , fu!^ anjulegen ift bringenb ju empfehlen: aHtin 
man muffe fid^ öbei^au^l, meint er an einer anbera ©teile, öot 
bem Uebermafe ber ©ntfjettungen, ben Oettotrrenben Function« 
unb ©ubbiBtfionen l)üten. iBcnn baä ©tubiitm beiS Snriften ju 
ben ©njeltieitoi ber leges fortji^rettet, fo ift öon jenen generales 
traditiones flnlnenbung ju madien unb i!)re 91ii$tigtett an ber 
®nti(^nbung bei Sinjelnen ju prüfen. 

33ie Siemrirtnng in bet Äuäfegung ber %t^, bai imer= 
fci^Qpfli^e 3Keer ber 3i^f^' f^ ^uptffidilid) auS brer CueUot 
gefloffen. Qact^t au« bcm SKifebrouc^ jener „loci periculosi a 
scripto contra senteotaam et a senteotia contra Bcriptam, 
dum quisqae pro sua libidine rerba seatentiasque legom tor- 
qnet ac retorquet", b. I|. burd) bie je nai^ ©etieben geübte 
Auslegung eineä ©efetjeS unter öerufung auf bie SJorte gegen 
ben ©init, ober auf ben ©tnn gegen bie 3Borte. 2)ie jtKite 
Duelle finb bie „Brocardica", jene unjä^ligen golgenmgen, 
SBemerhingen unb ©treitfragen, tueldie an bie einfat^ften ©efejt 
gefnü)]ft tnerben, bei benen ©ner ben Slnbem' auSfi^reibt unb 
immer Slcueä t)injut§ut. S)ie btitte Duelle beS fluctus opi- 
hionum ift enbli(^ ber mangelhafte 3uf^'^n^ ^ Xe^eä fetbft, 
ber an öicien ©teilen bcrfiümmelt unb unuoflftanbig ift, mib 
jniar l^at bieö ber „nimis diligens Tribunianns" benirlt: bcnit 
ba er ein ganj gereinigte^ S^ei^t lierfteQen UoQte ,non 
raro maocaa, jejuiias et aridas leges tribuit". Um bic|e 
legeB JU feilen, biene bie £enntni| bei 3IltettI)ämer unb bei 



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3. 9Stt^b(ili>et]'<^ ScTfu<^. $itgenbOTfinu<. 249 

üAex SIccuiTiud, iBartoIuS, SoIbuS unb ä^nltc^e ®c|iift= 
ftdin urtlieilt Santiuncula in fetir mofitooQer SEßetfe. ©te feidi 
Wamst »on ®etft, S^rffimt unb beroirabenißtoert^« ©ele^- 
iamlnt sen>efen, an i^reit ijc^lem feien bte Qnien, in benen fie 
teilten, fi^ulb; bennoc^ Ratten fie ni^t Uü% urniQ^ ©[offen 
gc^lfinft, fonbem fcl|r IBiefeS jiir ©rfiäning ber bunllen 3:^tte 
hti 9le^W beigetragen, unb felbft auö i^ren Strt^ümeni fönnten 
brir fernen. Snbeffen mfiffe bet 9(nffinget bte güUe itirer Sßet* 
nungen fße^ afS giftige ^t&tijU unb (tere S^rfiume. @;antiuncula 
Mcitnt, baifiber frü^r anbetet Sufii^t getoefen ju fein. SSet 
fi^ aber bamtt befc^Öftigt, ber möge ft^ ^üten in verba ma^stri 
ja fi^ren, Une eä je^t bem Sartobiä unb ^anomtttanud 
gqoiHbec ju geft^e^en pflege. 3tn bie DueCfen foHe man fi^ 
galten, t^tcm SSerftdnbnig unbefangen aQe ^aft jutDcnben. 

Statte Mnoanbt mit ben ^ubcgetifdien 9[uSfü{)rungen beS ^tn* 
titinaila ftnb bte inA fc^on (@. 100. 243) genannten @^riftopf| 
feegenborftnu«*), bet 1500 in Seipjtg gefioren, fli!^ in feinet 
^terftabt ben clofftfi^en ©tubten, ber ^eotogie unb unter bem 
fräteten Drbinariua ber juriftife^en gocultät Dr. Sublmg Sat^ä ou» 
Songenfalja (ugl. unten Stap. 13), Biie et fagt, fflnf Starre lang 
ber SuriSprubenj toibmete. SDht 99egeiftening toenbete er ft<^ 
Sut^ ju, beffen fieipjiger CiS))utation ei in einem @lebid^te feierte. 
1525 warb er bafeKft als »ai^folger feine« ßclirer« «ß. 9»ofeI» 
lanus ^rofeffor ber grtet^ift^en Sitetatut. 3>ann ft^eint et fit^ 
ta $o(en aufgefialten ju ^aben, fam 1535 nat^ granffurt 0.0., 
ttBrt» fjier an ©teile befl Orbinariuä «tbert OTalfau Sßtofeffor 
be« 6tUilre(^tS, Sicenciat unb ^octot. 1537 ift er ©qnbiuid 
br: @tabt Sfineburg, 1539 beurioubf unb bem Sflattie bon Sjoftod 
mit diatf) unb S^ot für ^bung bet bortigen Unioerfitat &&= 



1) Hegen dorpbiDUB. Spiegel, Nomeaelatara. Scctram, bat 
aanA\\itt Süneburg 1T19. firobbc, bie llnitwr^tat 3ta[üMl @. 491 ff. 
Tic Snmben ju feftmi S^rrifitn tttttwlten Stottjen über fcinm &bntSIauj. 
SgL 01(4 (^qmmtn) Sritragc gut jur. Sit. in b. prcugifi^ 6taatcii 3, 243 f., 
m dn (nio^t uodftanbietil) IQtijeicbnifi feiner ©giften. 



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250 SitbtBiti ftet>ttci. 

^ülflii^; le^ 1540 nac^ Süneburg jjueüiI, fibemimmt baS 9ImC 
etne$ iSupccintmbentnt luib ftirbt in bem\t\bm 3a^re am 8. 9uguft. 
©eine auiSgebc^te literatif^ lE^ttgtrit umfagt bai fyaaa' 
nifttft^, t^oloflift^c imb jiirifti(^ ®eb\tt Seine erfto juriftifi^ 
$u6Iicatton ift bie Oratio de artibiu futuro jurisconanlto 
necessariis et frngiferis comparandis item CoDsiliam de com- 
peDdi&ria disceodi jurä cirilia ratione (Hagenoae 1529. 8**) '), 
melc^ er beut Sonbgraf $^ilt^^ bon ^fen nibmete, il^n acgen 
©tiftung ber §i)<^fcE|uIe ju äRaibutg beglütbtiünfdienb. 9Sie ti 
tion einem gdiitblic^ gedUbeten ^umaniften ni^t axtbtth ju ei< 
uralten tft, bedangt er jut ^bung beS fcanfenben Sunften» 
ftonbeä bot aSem bie tunfaffenbften Ißorftubten, e^ man an bie 
3uriäpnibcnj herantrete. SRtt ®t<unmatiF, äl^etoril nitb £ia= 
lefttt {et JU beginnen, toobei Sontiuncula'S X(it>if empfo^cn 
mitb; bacan ^abe fi(^ baS ©tubtum bei @eft^i(^te ju ft^lie^, 
beten flenntni| ben @IoffatDien günjUc^ mangeEe; »dc aOem fei 
gertigfett in ber lateinifdien unb grietE)if^en ©prac^e ^u er^^ 
tDetben; bie Scttttre ber lateinifdien 2!)i{^tec, aud| ba^ ©tiibium 
ber ¥^9ftf unb Stfjtf nic^t gu bcma^IÖfftgen. Süenn man nun 
baä ©tubinm ber Suriäpmben) beginne, fo bürfe man ni(f|t 
glauben, ein bti Sänften milbtirbtge& SSecf ju t^un. liai 
bÜTgerIid)c 9te^t fei jum ^le ber Snenfi^en gegeben; toeim eS 
©traben anndite, fo {ei bog nur bie t^olge beS bSfen Sillenä, 
beS SHigbiou^S, btm ja au(| bie ^ologie ni^t cntg^. !Dfl!|n 
muffe ber ange^be Sucift fid) erfüllen mit ftttlit^ Sleintieit 
be« SBitlen* unb (^riftlidiet grömmigleit. SOfit fteifeiger fiedure 
ber Snftitutioncn, o^ne SerücFfu^tigung ber ©lo^eit unb &)in> 
mentare, fei ber Anfang ju madien, bann feien bie Regal&e 
juris QuSWenbig ju lernen unb jum dottt^ fiberjuge^. Str 
©t^üler möge übet biefen einen tüt^tigen £e^rei ^ren, i^n feUtf^ 
lefen unb bot allem fii^ bemühen, bon aUen ^te(n eine ^nfyäli' 

1) @ttinidt au(^ unkt brn Hn^ngcn ju J. Spiegel, Lexicon juris. 
1538. fol.; m btn Ft»Btcnt Auflagen cnDritnt untre btm XM Tyrocinimn 
joria ciTilis. Sin KuBjug bei Rensner, Cyaoeura. 

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2. a»rt^obD[Dfli(rf)e «erfut^. ^9enbot|inu«. 251 

überfit^t }u fletoiancn. ©o ftefeftigt bütfe et fh^ jut (Stoffe 
vab ju ben ^anbdten menben, bei benen ben ^itelrubiiteit bf 
fonbeie aufmertfamlEeit ju toibmen fei. Unter ben ©(^ttftffellera 
fei eine fDcgfdltifle ?tu8»a^l ju treffen; bet ©tubent burfe fic^ 
nvber mit Sßorlefungen, noi^ mit Siteratui äbetlaften, benn bie 
SÄaffe i^m&ijt boS «Sebäditnift; eine ober jtoei fflotfefunflen 
tigfxä) genügten, uttb unter ben ©(^riftfteQem f)abe matt fit^ auf 
fotflenbe ju befi^ränfen: Sartoluä, SBatbuS, ^aulu8 bc ©aftro, 
$&iIitH) 3>eciu«, 3afon, atcj. 3mo(enfiS, 3afiu8 unb «(riatuä. 

Sie ^egenborfinug fid| ba£ als jmeite Stufe em^fo^ene 
€tubium bed tSobe^ benft, geE)t beutfi^er ^erDor aud feiner gleic^= 
jeitig ecf(^ienenen @^rift: Compeadiariae titulonim Codicis 
ex^eses (Hagen. 1529. 8"), toelt^e er feinem fietitet £. tJat^S 
bdiirirte. 68 ift eine furjgefoftte ©umma, 3n^alt8it6erfti^t bet 
^te(, an toelc^cr bemerlenSroettti nur ift, büß bet SBetfaffet fic^ 
bemüht, bie Sebeutung ft^mieriger unb bunftet Sötte, meldie in 
ben ^tte(tt begegnen, auf @iunb fat^Iii^er Srllärungen ber 
mobemen Stttert^umSfoifc^er gegenübei ben äRifjuerftänbniffen 
be« 5WitteraItetS feftsufteÜen. 

SBie man fielft, ftet|t $egenboifinu8 ganj auf bem @tanb< 
paatt hei Qa\mi: «lett entfernt öon f^ftemotift^n SReformen, 
eifennt er in bem innigften S(nf(^[uf| an bie CueSen in geotb' 
netem ®ange bie befte äSe^obe. 

3m Sd^te 1531 fd^rieb er feine Libri dialecticae 
legaliB quinque (Lipsiae, N. Faber. 1531. 8"), ein STÖrig 
bet ®tflle!ti( burc^ iuriftif^e ©eifpiele erlöutert. 3)er 3roe<f be« 
9ui^8 ift, JU jetgen, mie niiglic^ fi(^ biefe S^iäciplin tn ber 
Sntispruben) oenoenbcn laffe, mie butt!^ Sfmoenburg it)ier Siegeln 
boä SJerftänbniS geföibert, bie SBenfeiäfü^rung auf feftc ®runb= 
lagen geftellt loerbe. ®er llopil Gantiiincufo'S tfiumt er il|r 
bolltd SSetbienft ein, meint aber, bag bie übrigen 2:^ei(e ber 
5)iQleItif biefelbe Sebeutung für bie Suriäprubenj tiotten. Sie 
topS (dialectica localis) giebt er unter Senu^ung Santtuncula'8 
im 4. SBut^e. 

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252 6icbmtc« flapitct. 

^egeiiborf' j? SHcinimg ift, bafe bieje 3)iatcttil bflS Stubüim 
bei SunSprubenj borbereiten, ab« ouc^ bei fortft^iettenbein 
©tubium als fieitfaben für bte SKetltobe hinten foD. Snbeg nit^t 
in bem @inne, bag bte IReditSinatetien nac^ btafehif^en @efi^H< 
;)unEten ju oibnen lodien; fottbeint nur in bent ©imte, bo^ bei 
(Sröiterung ber @tnjel^ten mtt biaI^iftE|er Sbm^t ju tpei: 
fahren fei. ^r ^oitfi^iitt gegenüber ber alten ältct^obe Titgt 
bemnad^ nur bann, ba| eine ntc^i lationeEIe 3)uti:^bringung 
beS «Stoffs ftatt ber biffufen unb ungeorbneten ^ufung son 
@ubtilttäten tierlongt tpirb. 3n bei ©eftaltung ber ^iaiM 
fu|t ^egenboif natfirlid^ auf ben SReformen agricoIa'S unb 
affclan^t^on'g. 

3m 3Ql)ie 1536 gab ^egenborfinuS Commentarii in 
sex titulos Fandectaram (Basil. 1536; am ®(!i|lug 
1537. 8") ^etouä, „scholia quaedam, quae nuper hie (Jrfllrf' 
fürt a. D.) in aliqnot titulos pandectarum juris civilis scholae 
meae dictavi", in benen Don ftdtferer JBem>enbiing berXlioleM 
tnenig ju bemerken ift; niii bie fad^Ud^ !Bet|anbtung unb hirje 
Sinfat^tieit ift baian ;u i&f|nten. 

Seine Dialectica legaUs ft^eint ein gewiffeS $Infe^en eilangt 
jB l^aben. aSefenbedf eijäfilt in feiner Oratio de Mudaeo 
(SBittenberg 1572), bafe btefcr auf ben SBunf^ fetner beutfc&cit 
3u^örer ^egenborfin'ä ©ialettif jinn ©egenftanb einer Sotlefinia 
gemotzt ^abe, obgletd) er ber Slfeinung geroefen, bog tS „uec 
juriBConsultorum , nee dialäcticomm placitis admodnm con- 
veoire". SBenn SBefenbof ^injufügt, ha^ bie ^ctate bti 
SQtubäuS fpfiter giogen 9hi^ gebracht Ritten, ba ber Seif^f" 
fein Serf nac^ benfelben »erbefferl ^abe, fo ift anjnnttiinen, 
bafe eine jWeite SluSgobe begfelben crfc^ienen ift. S)a8 ©(jit^tnn 
„homo nimium scripturiens" , tocIci^eS SSefenbed bem ^en' 
borfinuS beilegt, ift nur burt^ feine fc^riftfteHerift^e ^fittgttit 
in nicfitfutiftifi^en äjisciplincn gered^tfertigt. 

Öerü^mt »arb feine in iRoftod (1539 ober Anfang 1540) 
getjaltcne 91ebe de rationibus restaurandi collapsas Academiu 

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3. SRet^borogifdit Snfu^. t^nnj ^to^ä). 253 

pnblicas (Rost. 1540), toortn er Slefoimm ber Se^et^obe fär 
aiU i^cultäten, für bie junftifi!^ nantenüi^ bie einfalle ISt^ 
Hötung ber legea ju pröftifdin: aniwnbwna ol^ne ftembe 3«' 
jäfie unb ouSfü^rlit^e Sonnnentationen bringenb empfiehlt. 

gtaitj giojc^*) miä Stflrnbftg matfitc feine juriftifc^n 
@tutiien in 3ngDlftd>t unb Italien, tarn bann nat^ tJFictbuig, 
mo ei [läj 3»n»^ ^i anf^ldft unb Don biefem 1520 a[€ @ut» 
fthut für bie Ätifwltung feiner aSorlefungen belegitt »utbe, unter 
ffiiberfpruf^ beS ©enats, loett ^o^ä) ftd) in IierUorragenber 
^fe an tumultuarifc^en iBetoegungen ber @tubenten 6etl|etligt 
^tte. 3in 3ü^re 1522 ft^reibt i^m 34<u<Sr »m ebte %iftellung 
in 9tümbere jn erfangen. 1525 ift er 3>Dctor unb ftanjler beS 
Sifdfof« öoa SBfirsbntg, 1530 Sffcffor am Äommergerif^t unb 
als foli^ 1531 bei ber Stebaction einer .Crbnung unb äTeforo 
ntotion" beSfelben bettpenbet; 1Ö33 Sbuocat in @tiaPutg, bann 
bis gn feinem frflfien ^be 1540 ©^nbicuS ber ©tobt. Seine 
@B^ fc^cfte er 1533 na^ SSourgeä unter ^uffid^t beS Dr. geli; 
%i9ter, für ben er eine Suftruction entbrarf, ioetd|e \p&Ux (1553) 
unter beut Xitel Isagoge in juris civilis Studium in ber 
SincErrfc^ Sammlung gebnidt iDoriten ift 

3n biefer @d|rift fe^ft ^o\i^ etWaS tDeitfd^eifig auäetnanber, 
in iottäjti Drbmtng unb na^ toddier äHetf)obe baS iRe^tSftubium 
jo betretben fei, inbem et juglcic^ bie tSIententatbegriffe erörtert 
ntdi bte SKet^obe an S9eif|)te(en etUutert ^umaniftifd^e S^ung 
foB bem @tubtum beS Slet^tS »oraudge^en; mit bec JEenntnig 
ber SS^rif unb SHaldtif nmg ber SInfSnger bis ju einem 
Sdniffen @rabe auSgeräftet fein, ju beten (Sttteib inbeg äRefanc^' 
t^on'S Sompenbium unb Ouintilion'S 4. unb 5. iBudi andtcic^en. 



1) Will, Stümb. IStLefftteBltptm 6, 373ff. Riegger, Vita Zuii 
p. il 70. EpiBtoUe p. %9. 340. 448. 449. 518. S^teiber, bie UniMif. 
Sntttng % WO. Stofebc % 196, 45. Winckel, varia opuic. de exer- 
ciUL JCtor. ArgeaL 155S. 8*: Tfpographiu lectori. Declanutio foBebria 
A. Buekii io mortem FroBchii p. 601—608. Xüe Iiagoge ftt^t p. 275--444:. 
Stürmt, flbfi We Ortmuig btc gtoammte. 8eitf(f|rift f. gtfd). fflet^tB« 
»i{(nft^ 4, S8Sf. $ai))pTe(f|t, Stoatian^io 6, 95. 111. 



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2Ö4 Siebentes ftatifteL 

©et bem ©tubium bc« 3J«f|t8 ift bte fortgcfe^te ßecture bn 
Cueüen bie ^uptfai^e. SRit ben Snftitutioncn folt natfiriii^ 
btt Mnfonfl gemod^t, b« Önture beä S^fteä aber eine fumma^ 
rifc^e Uefterfic^t beä ©9ftem8 botauägefd^idt njetb«. Stai^bem 
bann eine aUgemeine jtenntnig ber ©efc^i^te beS 9}ed|td ei> 
roorben ift, foD man an bte $anbeften ge[)en; fd)(irglt^ an bcn 
(Sobe; unb bie StobeUen. 3)er Secture mug ein reiner Zt^ ju 
®ntnbe gelegt »erben, nomentlid^ ber §alDon&rifd)e, imb i»flr 
oE)ne ©toffen, bamit ber @tubtrenbc gen8t[)igt fei, feI6ft ju 
benfen. Uebet^aupt tnamt gi^ofdi tior ber 99enu^ng ber Com' 
mentare, toelt^e nur bettoirten. 3Man möge ftd) mit Äjo'^ 
©ummen ate Einleitung begnSgen, bei fd)R]ierigen Motten 
Subäuä unb 9Kciat p §ülfe nehmen, unb bte ^aratitla gnter 
©(^riftfteUer benu^n; voo fad^Iidie @d|mierigfetten jurüdbteUini, 
bie ©teile fi(^ in ein 83erjet(i^nig eintragen unb bann foTti 
fafiren: benn e« [ei beffer, au^ nur bie §älfte befl ®anjen ju 
berfte^en, al« burd) bie Soft ber [c^olafttfi^eB äRaffe on einigen 
Xitetn feftge^a(ten ju ueibeh unb bte übrigen ju nemai^Uifrigeii- 
9Ber Uflibe aui^ ni(^t lieber feinen ^\eii auf bie clofftfc^ 
Suriften felbft, alä auf bie abgefdimodften «Kommentatoren iwnbai? 
8)etior Semanb bie ganzen ^onbeEten bur^gelefen ^at, foH er 
uid^t baran beulen, aU ptattift^cr Surift aufjntreten. 

9}eben bem ^batftubium beS %t^ei foQ man fii^ a(Ier= 
bingS einem ße^rer anfc^Iiefeen, aber nur einem foldje«. beffen 
@elel)rfamleit in ber Jlntntnife ber iDueKen unb nid^t in ber 
ber Sommentaie beftet|t. €oldie finb fi^toei ju finben; bie 
raeiften erfebtgcn im gonjen 3a^re faum einen Xitel: unb fdbf' 
biejenigen, Weldie wo^l nai^ bei befferen SNet^obe lefiien fönnten, 
befolgen bie fc^Iec^te, ^eifbmmlii^e, toeil, nie SHciat bejeugt unb 
3aftu« bem Srofrfi felbft gefagl tjat, fie boäu burc^ bie ilini 
borgeje^ten ©e^Srben gejuungen finb. S)annn ^abe er feine 
©il^ne nat!^ t^anheid| gefcfiidt (1533), wo bie ^rofefforen in 
einem 3af|ie mel)r Xitel ab^anbelten, a[8 bie ^toliener leges 
obfolbirten. fftaif) ben empfangenen iöeridjten ^be er leinen 

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2. 3BEt&obD[D9if(6e «refu^E. ^mnj SJrof^- 255 

@ninb, biefen Sntfi^Iug ju bereuen. 3n iBoutged mtrfte batnatS 
(neben ^etet ßoriot Bon 1528 &i§ 1545) «nbreoS »Iciat, ber erff 
1536 nac^ ^aoia ging *). 

S)a« Sonerfenärocrt^fte futb bie (Srörtctungen grofi^'« fiber 
bic Äetlfcnfofge, in weiftet man bie ^nbeftentttcl ftubiren \oU, 
unb übet bie Qtriinbr bei Orbnung, in tneldier bie Sompilatoien 
bie Zite( unb bie tJF^agmente jiifammengefteQt f}aixn. I£t ift 
bfi äSeinung, bofi ein tationeUet ©runb für Sufrtnian'S ©tubtens 
orbnung tdä^t }U eiferen fei, eben fo wenig aber für bie Don 
iribonion beliebte Solge ber Sßanbeftentitel. ?^tt8 Snftitutionen» 
fqftem fei nic^t befolgt, eben fo tDentg aber fei ;u glauben, bag 
bie Honi^ilatDren fid) an bte Orbnung beS @bictS gebunben 
ffätten: benn bie SReilienfofgt ber lifel im ©obej, weichet eben* 
faQä mä) bem Sbictäf^ftem oerfagt fein foUe, fei eine er^blii^ 
onbere, unb ti fei bod) ntd|t gloublit^, bog bie Orifunng beS 
(Sbict* jlDif^n ber ^ßublication ber ^anbetten unb berjenigen 
bed €obe£ abgednbert tuorben fei. t^iofc^ empfie^tt ba^ei, bie 
%M ber ^anheften, aufeer ben einleitcnben unb ben beiben 
te(jten, na(^ bem Snftitutionenf^fteni jw »ebnen, Wobei in ben 
jUKttni %f)tü (res) oUe titali leram acquirendarum, namentlich ' 
bie contractas unb ultimae voluntstes ju fteQen finb. ^ biefei 
fflei^folge mfige mon fie lefen. 

9ti(!^t bie weitete Sntwidlung biefet Borfi^rift, fonbern eine 
ttflgemcinete SSettac^tnng f^ffematif^et fragen ffilirt ben BSetfaffet 
(cap. 7) auf bie ^ßtüfung bet gragmentenorbnung. St get)! baoon 
ans, bafe eS bie Äbfid(t ber Somptlatoren gewcfen fei, in jebem 
litel baSjenigc aus ben alten Suriften juf ammenjufteCen , was 
jui Äenntnife bet gefammten SHaterie not^wenbig fei, unb jroat 
in ber SBrife, bafe fie in ben anfang be« SStefe eine Definition 
ober tnt SBorte beS einft^togenben ©efe^eS , ©bictä , ©enatuS» 
confults fteQten, bann aber einzelne ilfälle erörterten, um baran 



1) ÜHe gtmaiinlit^ flnnatmu, ba| SIctat fdion 1632 6ourged wriofien 
fyät OufllerS, 18), ift nadi 33uoien'B Äeufierung, bofi er nit^ breiSa^ 
(1589) bei tBcEat'e Ka^folger QetDDrben, unii^tig. 



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256 Siebente« ffnpittL 

bte SRaterie in i^imi ganjen Umfange uitb nac^ beut Sti^olte 
jener DoiangefteQten dttt^tH^atSm barjulegen. StationeOe ©riiiibt 
al\o beftttntnten bie S^eitKitfoIge, unb baioud ecHäte tS fu^, baß 
bic einanber fotgenben leges balb bon nerf{^iebenen, batb eon 
betnfelben Surtfteit Ijerrüttren ; toobei nur bemertaiÄwert^ (et, baß 
flflDÖE)n(tc^ eine Stelle bed ^auiuä obet Ulpian ben Stnfong 
ma^, {et tä weil bieje neben ^ofiiiitan fftr bie fforpp^m 
galten, fei e8 iveU fte .polygraplioteri" als bic Übrigen ^nrifltn 
gewe(en ftnb. Um nun bun^ ein ©eifpiel ben f^ftematif(^ 3«= 
fommen^g bet t)[Eagmente Hat )U mai^, anat^ftrt ^c/[^ btD 
Sjtel de pactäs in ber einge^bften SSeife. Stüerbinfl* ift er 
mit bei ^rcEtffllinmg bei f^ftematifc^en Sbfti^t nid^t jufiieben 
unb bebauett, bafi Cicero feinen $[an, eine ars Jana ju f^ieiben, 
nid|t auJSgefüt)tt ^be; mir maiben bann ein KateS, Don btn 
91ebe(n bei Sontntentarien ntd|t getifi^ted 9{ed)t I^aben. 

3uni @($Iuff( emf)fie^(t Srofd) na($biüdlid| bie Suäbilbiug 
beS @ebä(^tniffefi unb giebt in ä^nli^er ^eife mie ©ribolbuä 
üntoetfungen ffii ün^tigung Don Ueberfttfiten obei fqftematift^ 
91egiftein na^ ben aedes reram unb loci commnnes georbnet. 

3. ©9ftematif(i[e fiSerfudje. 2)en elften SSecfuc^ mit 
bem „in artem redigere", brefi^ei in bie Ceffentltd|fett trat, 
mad^te Seboftiün 5)ettct'), bet fi^ „AreflaTionenab" nennt. 
5Rai§ ber SRotrifel ber Unitetfitfit greiburg ift et in SBöibltngen 
geboren unb [|at 1512 bie ^loc^fc^ule belogen. 92acf|bcm er 1513 
Saccalaureuä, 1514 SRogiftei gemoiben, bann 3Kat^matif geirrt 
^otte, »ibmett ex fid^ unter U. 3if'"^ ^^ 3urispnibenj unb 
toaib 1524 jum 3>octor piomobirt. 3n bemfelben ^t|re e^elt 
er bie S[Jrofeffui be« Sobej, enblii^ nad^ 3'>r"i8' 5:obe 1535 
bie erfte Spiofcffur in bec juriftifi^ gocultöt, eine ©tdümg, 
ineli^e er bis ju feinem ^obe (am 31. 3u(t 1541) be&eibttf. 



1) Za«i Epist. p. 80. 82. 193. 209. Spiegel, NomeodtUTS. 
SenekaDberg, MethodnB. App. IH p. 100. S^ieibci, Oefd^ ti. 
UniDCTf. 3fRibit[a%380ff. H. b. ». 5, 66 (Stln^infl). 6^ pben S. l«Of. 



bv Google 



3. Bc/^tmati^ift öttfui^ ®cbaftian Setwt. 257 

(Er ^t a^tmal bas S>ecanat jetner tÜaculUt unt> neunmal bad 
9{ectorat beitoaltet unb ift ani^ fonft utetfac^ in ben ©efc^äftett 
her UntöerTttät öeiWenlwt tootben. 3" 3"^«*. SR^nfinget, 
%mtTbaä) ftanb ei in ben fceintbfii^ften Sejte^ungcn. . 

Sd finb leine anberen @<I)riften bon it)tn belannt^) als 
bet ^ier in iöetnu^t lommoibe (leine Dcta»&anb: Jurisprudentiae 
Über primos, instar disciplihae insdintae et Axiomatibus magna 
ex parte conscriptus. Authora Seb. Derrero, Areflarionense 
JCto et I^eg. prof. ordin. etc. LugduQ. 1540. .Lovao. 1552. 8". 
yiadf einem £obgebic^t Don äA^nfinger folgt Serrei'S Epist. 
dedicatoria an £ar[ V. unb StäniQ ^rbtnanb, battit Gal. Jan. 
1540, iDoran fid| eine Fraefatio Petri Fetremandi Vesooti- 
nensis anfc^liefit. 

3n biefen einlettenben Etüden wiib bie biä^etige mtuiaä)' 
litffteu"9 '>^^ disciplinae ratio, bei logtfc^eu Orbnung, tu ber 
^!{utid;mibenj fx^gt: ba^er bie ^fiufung ber Sommentaie, bcr 
nubttn^btingKd^ Sßalb bon äReinungen, bafi Slt^redcnbe bti 
StubtumS. 2>te ©unonen unb 9tet>etttionen fül|tten ntt^t junt 
3ie(c; benn aui^ in i^iten neunten bie (Sinjel^ten nur einen 
)i]ffi1Iigen $Ia| ein unb loeriKn tnd Unglanblti^e gekauft. 

3m @tubium ber $I)iIofo))^te ^at "Skttet fti^ überjeugt, 
bag nic^t anberS gef)olfen nwrben ISnne, aU toenn bie SuriS« 
(»nAenj glei(^ ben anbeten SBiffenfi^aften ft^ftemattf^ oon innen 
ifttaai georbnet nerbe; unb bon bem 9!u^en f|at i^n bie l£r> 
fa^Tung in feinen Se^iVortrfigen fibergeugt. Slie SuriSpnibenj, 
f&gt ^ßetremanbind ^inju, fei bt$^er ein S^aog gen>efen; jioac 
^tte ber „THpus- fBubOuS, SUctat unb ßaftuS bie ^Barbarei 
berbannt; alletn 9Hananb tönne bet)au)tten, bag bunf) fie Jus 
ease in artem coarctatum" ; erft jeftt fei bie« ©cbaftian 3)etrer 
gelungen. 

9htr ba« erfte 3u(^ feines ©Qftent« I|at 2)enei ;)ublicirt, 
qI« eine 5|Jn)6e, ber not^ neun anbere folgen (oHten. äBein 

2] Utbtx rinnt Libellas Derreri de jarUdictionibna f. unten bei 
3. J^ SidgniS, flnp. 11. 

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258 ®ic6nit« RaiiiteL 

fte finb niemals erfd^iencn. Xiem ganjett Sßett foÜte folgenbc 
Otbnung ju ©tunbe gelegt Werben: 
I. 3m 

a) divinum, 

b) human nm 

aa) DatQrale (uaturftlia affectns; Jus gentium), 
bb) formatum (conauetudo; scriptom). 
II. Juris objectum. 

1. Persona. 

a) Status ' 
aa) Alieni juris, 

bb) Sni juris. 

b) Couditio 
aa) Ingenui, 

bb) IngenuJB deteriores. 

c) Defensio (Tnt«la. Cura). 

2. Bea. 

3. Commercium. 

4. Persecntio. 

^aS erft^ieitene ecfte 9ut^ etttf^It üli Stnicttung bie SctiR 
bom Jub; Oom ©Qftem bcd jnris objectnm nur bie PersoDs. 

SJerrer l^atte lein SiSetf ^onbji^riftliifi bem 3afm8 mitgp 
%ilt, bet e8 (lange Doi ber ^ublitatton) in feinen EoarrstioDes 
in tit. Inst, de action. mit 3"f*inimung etliiftt(nt. Äutfi Sflc- 
©(lieget tül)mt bai SBetbienft SJectcr'ä, unb me^rfac^ Btib bflS 
SBuc^ ton !Crofäu& erraäE)nt. 

!Bemeifen8niert^ ift tio^ bie 37httl)etlung, vxlä^e fit^ in 
SJemr'S SJebicationS^gpiftel finbet, bttfe SKajimitian L ben 
^lan einer fgftematifi^en Sobification be8 Sitotfm^S ge^t unb 
fidtl ein äSeijeidini^ bec nam[)afteften lebenben Z)octDnn ^ 
anfertigen laffen, um auS itinen biejenigen ju loä^Ien, betten er 
baS Setf anDertrauen roollte. Set $(an lofiibe jui flusffifining 
grfommen fein, Wenn nidft bet Äaifer „riris qui id agerent, se 
destitotum Tidiaaet". ?In bet iftidjtigfcit ber SDlitt^iluna (ann, 
ba fie in bem an ben Slaifet ftarl gerii^teten ©t^teiben ft^l, 
loum gegrocifelt werben. 

aSenn l|iet Eetrer'ä SBetf al8 ber crfte ißerfn^ dnrt 
©9ftem8 bejeid^net ttorben ift, (o foK bie« nut mit SBotb^t 

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8. ©^temotif^ SSeifu^. ö^. Popper. 259 

t>n ^orttätSret^te bes unten ju befpcet^oiben 3o^. Vpd 
Sefugt (fin. 

C^iiftop^ @^em^) (auä) (£E)eini), aus einet $attideT< 
familie augäbuig« ftammenb , ift bort am 24. 9)}Stj 1528 
geboren, ©eine l)umonifti(i^e iöilbung ^at er in äntroctpen, 
tDo er as. Sefenbect'S äRttf($a(ec getoefen fein foQ, unb in 
Strogbuig empfangen. 3n $abua ftubtrte er ^^tlofoplite unb 
5ßebicm unb trat in Xü&ingen al« Sntetpret be« «riftotelif^en 
Drganon auf (1552). ^ann fd)eint er fi(^ ber ^urtSptubenj 
jUfleiDenbet unb in feiner SSaterftabt gelebt ju §aben. SBon ^ier 
ift bit Epistola dedicatoria (1. Nov. 1555) battrt, mit taKli^er 
er feine @d^nft De principüe juris libri 8ept«m (Basil. 1556. B") 
bcm ^foljgrofen Otto ^etnrit^ nnbmete. Sr nennt fid| barin 
^Patricins AuguBtanus JuriscoDBultus". fBaO} nad|^er ift er 
al« ^ofeffor ber 3uri8pnibenj in ^ibelBerg angcfteöt. Dito 
$eiuTt(!^ ernannte i^n ^u feinem !Rat^ unb übertrug i^m bai 
^^iiectorinm beS iHrd|enrat^S. Unter Jhirffirft t]rnebri(^ in. 
äbcma^Di er 1574 baS ^njteramt nnb jog fti^ bon ber afabe' 
mifi^n ^tigteit jurüct. <Sx ftarb aii Q^eimer 9{at^ Jbirfürft 
t^ndiridi'd IV. am 1. ^uni 1592 ju §eibetberg. @eine Sebeutung 
liegt tveit me^ auf bem gebiete ber firi^lidien unb potitifc^en 
9ngelegent^ten aU bcm ber fHedttemiffenft^aft SßS^renb man 
i^n atS 3)htgrünbec bei pfSIjifi^en UnionSpolttif unb ber beutf^< 
TefonntTten itird|e bejeit^nen barf, ift feine SBirlfamfeit alä 
Sei^täte^ter nur Borßbcvge^b, feine fc^riftftellerif^e Si^atiglrit 
fluf ba8 eine oben genannte SSerf befc^rfinEt geblieben, 3nier< 
bingS afrer ift biefeS eine merfipfirbtge l£rf(^einung. 3n fieben 
^d|cm wirb bie $rage, ob unb hne bie SuriSprubcnj methodice 
b^onbelt, aU ara bargeftdlt tterben fßnne, etbttert. SRan fie^t 
f|itr ben $f)iIofop^ unb SRebiciner an ber ^anb beS 9(tiftoteIed 
onb @la[enuS ftd» feinen SBeg in unb buit^ bie ^riSprubeuj 
fi)fttmatifd^ lia!^nen. SRon fann nic^t fagen, bog bie 2)aifteIIung 



1) «. b. «. 5, 693 f. (». »ejolb). 

17» 

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260 eitbentti ftofiittL 

überfii^tlt^ unb bur^t^ttg toäie ; aber fit ift geiftret^, in daran, 
oocttefflit^em £atetn ge[(^rie6en unb fierü^rt mehrere tDi(^tige 
gunbamentalfraflwi , ]o j. SB. bie über ben ©ruitb be« Wedit*, 
mett^eti d^em tn ber socialis natara beS SPIenf^en finbet. Sio^ 
itircc unbeftrntbaim ^d|Hgf«t fc^tnt bte @^rift loenrg S(nn- 
tennung gefunbra ju f^abea. 

Sn $atallefe mit @^ fann man in gmiffen iSejicdungcn 
Soad^im Popper (t 1576) jteUcn, ben toir in bcr (Snippe 
bec bun^ ajfuböuS beeinftugten 9heberlfinber (Aap. 9) befpnc^n 
tnerben. Sßte jener ift aud| poppet uon pf)ilDfopt|tf(^ @tubira 
ausgegangen, bie feine 91i(^tung in ber Suriäptubeng beftitnmten. 
33ic „ars Jana" ift e8, Joetc^ et bei feinem erften Äuftretoi 
als ®(^riftfteller (1553) fut^t; unb er Verfolgt biefeS Qkl aai) 
fpätcr noc^, nai^bem er, bem @^ aud) batin Ö^nlit^, in bie 
poUtift^ Saufba^n übergetreten ift, bie er btS ju feinem Seben^^ 
enbe nti^t toieber uerlie^ Setben ueiteonbt, loenn aut^ frin 
ejaeter ©^ftemattfer, ift 3. Dmp^aliu« (f 1567, bgl. fiap. 12). 

1. Sine ^erttorragenbe ©teQung in ben $rinciptcnEfiiiip|ni, 
meiere im erften SSieitel b«3 16. Sa^r^unberts auf bem Gebiete 
bei ^uriSprubenj begannen, nimmt Sittenberg ein. Sä ift 
befannt, bag bie Stiftung btefer UniOerfttät einen SBcnbepmitt 
ber Qtefc^ic^te ber beutfdien $D(^f(f|uIen in \o fem b^t^net, ali 
^iet tro$ i^rer gunbttung auf getftlid|e ^ßfrfinben jum erftm 
3KaIe bte SlbUfung bei 9iIbuRgSanfta(ten unb bamil bei Silbmig 
(elbft Don ber §errf(§aft bcr Äirc^, i^n Berfaffiuigämfiftigen 
SluSbrud fanb, fomot|( in bem ©ttftung^briefe äRa^imilian'S I. 
bom 6. 3uli 1502, aU in ben Statuten ')• Unb tnenn mif 
jhtrfärft t]ritebit(^ borft^ttg genug bte Seftätigung bei bem päpft^ 
liti^n Segaten (1503) unb fpfltei beim Rupfte unmittelbar (1507) 



1) 3>ic SlittcnbngcT UnitKrfitätB» unb gautltGtS^atuten, ftcmuSecgcbcii 
Htm 3Rutbet. 1867. Ütut^ei, jut &^ä)iä)tt Ux Kctl^tSntfTntfciiaft utü» 
bn UninerTitäten in S)eutt4Ianb. 1876. S. 252 fl. Irte Snireunfl btiit^t R* 
inhb nif^t auf bie Statiienoibnuns , iDctciie ganj bit übeilicfttKn SH:uiib|lS^ 

Wt^ait 



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i. SBitleiberg. ©eine Anfängt. 261 

nac^fuc^te unb erlanßte, fo 6Iie6 boi^ b« einmal gelegte fieim 
fnK^tfKit unb tooU Sotbcbeutung fQi bte ^ter beginnenbe @nt> 
fa{tung einei neuen Qdt 

^ivac tft bie getftige 9ibett, tvctdie biefe IgeiauffüEittc, von 
anbeitn Sntereffen olS benen, teeld)e bte Suridpiubenj etfüQen, 
fietoegt onb gelenft gttDcfen; allein e8 ifl biefer i^r reifer An» 
t^ boran jugefaQen. !&enn n>enn gletc!^ S^tttenbecg unter feinen 
3uri[ten leinen aufjun>eifen ^t, ber aiK§ nur entfernt einem 
9u%r ober SRetant^t^m tierglid^en UKiben E5nnte ; fo ftnb bDt| 
i)iei in bei geiftigm Stmofp^&re biefn Spännet unb bur^ bie 
anmittribatc Seriilining mit i^rtm SSirEen jWei fflr bte ^whinft 
bcc beutft^en 9te(^tdteiffenfd)aft oitale i^riagen ntc^t nur mit Snt° 
f(^'im^ geftcQt, fonbcrn aui^ in beftimmtn SUd^tung ent> 
{(Rieben uorben. 2)ie eine ift bie eift bun^ bie leformatonfifie 
Sieuxgung gefd^affene, »on bec @filtigfeit bed fanonifi!^en Sfle^td, 
in iDel^ec mir bte Suiiften bie 9led|)tSconttmiitat gegenüber bem 
ftüimifc^ni Angriffe Cut^er'8 mit ©rfolg be^oupten (e^en. 2)te 
anbece tft bie t>on bei f^ftematif^fqnt^fdien Se^anblüng beS 
^tüitS, in ber mir bie Suiiften Don ben Kefoimatocen auf bte 
[jö^ften ^agen non bem Urft)runge beS Stec^tS ^ingelenft unb 
auf met^obifdie SBege ^ingemiefen finben. 

SHc^t in ben erflen Ski^rgel^nten tnbeg traten biefe i^agen 
^or; bte Suriften, niel^e bei bei ©rünbung unb in ben 
Hgcnben Sauren bie Se^rftfl^Ie einnahmen, brai^ten nur bie 
Qlte gönn ber SSuriäprubenj nat^ SBittenberg. Qa biefen gehört 
ißetiuS ^omaiS aus JRaDenna (Petrus Raveunas), bei 
buK^ fein ftauneni&wert^eS ©ebäd^tnig bie Setnunberung feiner 
3cttgenoffen erregte, ^jog 99ogi§[aud X Don ^ommem \}attt 
Ufa im ^afyct 1497 Don $ifa nacfi ©reifSitialbe mitgenommen, 
um feiner ^oi^f^ule ben (Slang eineS berühmten ttalienifdien 
dtomenS ja fc^affen. Stuf ber SRütheife in feine ^eimat begriffen 
gennnn i^n, Don bemfclben ^unfc^e geleitet, Slurfärft ^rtebiu^ 
för Wittenberg, too er om 3. SWoi 1503 feine 9ntrittSDorlefung 
über bie ®emit bed $apfteä unb SaiferS. ^telt, .in bei er 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



262 Sft&enleä Safittl 

11. 9t. baä Mef^t bei ficgtemt jur ©tünbung Don UtriDerfttÖtm 
Detttat'). 

Sieben xfya fuib ^Dlfgang @te^e(in Don 3lDt()enbuTS 
für tanom((^ JRec^t unb §tinbtoftu8 93oI[ant ou« ®rüningen 
füt SiDilrec^t ju nennen, bie betbe aui Xubtngen berufen tourben. 
liJoIIant lehrte ba(|tn fc^on im folgenben 2^te juiüd, um boit 
fpätet als ßanjler eine ^erDonagenbe «SteOung einzunehmen. 
%u(^ beä ^truä @of|n, SSincentiu^ be %f)omaii, U. J. D. 
Fatavinus, ben bei SSater ntitgebTa^t ^atte, bedeibete einige 
^[)re ba8 Oibtnaiiat beS Sobe^, big tfim bei feinem Stbgong 
1507 @c^ür|}f fnccebitte. 

^ bemfelben ^f)re toarb bet 9tüntberger dEiiifto))^ 
©d^eurt'), ber feit 1498 in iBoIogna bie Se^te fhibtrt unb 
Stalten buri^reift ^atte, nad|bem et Dom Subioig iBoIogmnu3 
jum 3)octot ptomoDirt mar (23. S)ecbr. 1506), bun§ feinen 
©tubienfteunb ©taupt^ füt ©ittenberg getoonnen. ©t^eurt, 
bet in Bologna in einet Oratio in laudem Germ&niae mij 
bie Stiftung SSittenbetgS getürmt unb begetftett ausgerufen ^atte: 
„ber gürft Demionbete bai abgelegene Dettc^en in eine 3Hairaor= 
ftabt", füllte fn^ ni^t wenig eitttüufc^t, als et ben eontraft 
ber Qeinftäbtif^en beutfdien l^tttltdifett mit feinem unter ttalie* 
nifd)en Sinbrflden entftanbenen $f)antafieg(mfi(be ma^tna()m. @r 
(lagt ülber bie elenben Raufet, bie ©piefebürgetlidifeit unb 9Jot|' 



1) St wtlicg ^ittenbers int ®amma 1506 unb wanbte fic^ no<^ StÜn, 
no et mit ^ogfttaten in ^änbtl geriet^. (Ei ga6 1508 feine boitige $ÜHnii 
Quf unb nurb ^tofeffoi in ÜDtainj, wo tx batb noil^^ei geftDibm ju frni 
{(^int. äRut^ei, au&bem@kle^ilenlebe»6.69f. 96^ 6tintina, twvi'l' 
Siteratur S. 147. 

2) t. ©oben, Beiträge jur titef(f|i(^te bet Wcfotraotion — mit befw 
beiem ginblitf ouf G^tiftop^ S^eutL 1855. St^utl ift itboxen am IL SoBbr. 
1481, flcabdt biin^ SBnig Sctbinonb 1540 unb fiatt V. 1541, geflotben in 
Slütnbetg am 14. 3uni 1542. €eiite anfc^nlic^e juriftifc^e SibHot^et, nxl^e 
jfl^T^unbettelang im @tamm^au|e bet Somilie aufbema^tt mürbe, i(t »di 
einigen ^^len but^ Dr. Stb. ». 6(^il, $tafe[fot in Stiangen, unter Vtx- 
behalt beB ISigcnt^mS bem Qletntanifi^n SRufeum in Xünibetg 3bctgebm 
»otbcn. »gL nui^ Stir. ©*eutl'8 aSiieffiu^. 2 »be. 1867. 16T2. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



i. XSitttnbcTfl. Sdioiü. mbm. 263 

^t ber Sitten, abec nit^t mmbei üiiix bie Saft ))raftifci|ei 3(ibnten, 
mit benen er als SRitfltieb bct gocuTtät, alä Mectot, turfürftlit^ex 
Hatl) itnb iBeifi^t beS 06erf)ofgeric^tä beloben \ti; boä) finbet 
er @ntf{^äbigung im ®e(tngen feines Se^cbentfS unb bet 9(ner: 
fntnimg, bie i^ »on aßen ©eiten ju ^eil luicb. Säaü> inbeg 
gelingt CS feinte iSateiftobt, i^n in i^ren S)ienft ju jie^n. 
@(!^on im SCnfong 1512 (e^it et na<^ 9Zflntbecg juißd Seine 
Sitiffamfeit in SSittenberg ift bon bieibenbec EBebeutung nur 
bnrcE) bie @tatatcn bei Untoerfit&t, YtxU^t er int ^a^re 1508 
Derfogte. S>agegcn ^aben nnc in i^m einen burc^ feine ganje 
SebenSfteQung ^etDortagenben äteptäfentanten ber italienifd^en 
iurifttfd^ unb t)umanifttf^en Silbung, bie nod| oI)ne innere 
^binbang neben etnatÜKr t)erge|en, ju fe^en. @eine ®te0ung 
jur Sveformation ift ber beS 3<^iuS fi^ntit^ : anfdnglidi Sut^er'S 
mariner Skr^ei, Bwnbet er i^m fpäter ben Slficien, als ber 
xti)üi<^ unb bogmotiff^e 93eftanb ber alten ffiri^e emftltc^ 
ßffä^rbet ft^etnt 

9(ui^ bie namhaften SoQegen, neben benen ®(^cl einige 
3al|ie iDtdte, finb nur IRepräfentanten ber atten 3^^. 

Henning ®Bbe^) (©oben, @loeben, (Bobe) ift gegen 1450 
in ^DeCberg geboren, 1464 in Srfurt tmmatriculirt unb feitbent 
3ä So^te lang ^ier mit umfaffenben @tubien, t)eroonagenbei: 
Se^Et^tigfeit unb auSgebe^ntet juriftifdier ^a^S beft^äftigt. 
Stoc^bent ex bie nieberen afabemtfc^en SBürben ermorbcn, baS 
SJeconat unb Siectotat beÖeibet §at, Wirb er 1489 jum ^octor 
bciber 91e<^te f)tonu}birt unb jum juieiten 3IStai jum 9{ector gc 
tDä^It. @(^an OorEier loat er SanonicuS am 3)2arienfttft unb 
$iofeffor beS fanonift^en 9tedE)ts! ©eine @Sele^rfamIeit, fein 
Hart« unb fit^ereS Urt^eil tierbunbeit mit pralttf^er Einfielt 
unb männlid^cr ©nifd^toffen^eit gaben it|m einen »o^lbegrünbetes 
Snfe^n in ben meitcften Äreifcn. SBie ber Matt) üon ©rfurt 



l) ©oHlfi^ »einage 2, 74 ff. ftampft^ulte, bie UniMtfität erfurt 
»ff. 134 ff. a. b. ». 9, 3I4f. tlBut^tr). 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



264 iBwbmtti Sapild. 

!eine toid^tige Sngelrgen^dt oI)ne i^n ju befragen untenta^m, 
\o ttor et her gefüllte Sonjufcnt ber Surften unb ©tflbte im 
nSrbltc^en ^utfi^Ianb unb narb von feinen 3^ci'i>f1'K ^^ 
„Juris Monarch»" gepriefctt. ©djou 1478 wrlhmbette er im 
auftrage beä erfurter SQat^S mit ber t>&t>ftltd|en ISurie (»Tföiilicfi 
in äftom ivegen ber Untnianblung bnS 92onnent(ofteid auf beut 
G^rialSbetge tu ein geftungäaierf. 3" **" fdt^fifc^en görflen 
ftanb er tu nat^eu 9ejieE)ungen. 2)te ^ftnit>fe, uieli^e jUnfi^ 
bem Hon @ad^{eu begfluftigten 9tai^ unb ber uon aRaing unter' 
ftfi^ten Sürgerfi^aft auSbtai^en, nöt^tgten i^n, ben etuPuferew^tra 
»ertaub beä SJat^ä, am 15. Suli 1509 jur gluckt. ®r begub 
fit^ no^ ©adifen, roarb 1510 in baä Äftum ber UniDeifttät 
3Sttten6erg eingetragen, Ordinarius in jure canonico unb $ro)>ft 
am %[l(er[)etligenftift. ©eine ©eltung am fä^ifd^n ^nfe, bui^ 
bie er fortgefe^ten @in^u§ auf bie ^tuuflung ber SDinge in 
(grfurt übte, mochte i^n jum erfotgrcii^en Sßermitttet, bem eä 
gelang, im SBertragc uon ^Raumburg 1616 bie boUftÖnbige 9ah 
fS^nung jtvifc^en Erfurt unb bem fOc^fifc^en tlrürften^ufe ^u= 
fteÜen. 3Em 3a^re 1519 begleitete er fiurfürft griebri^ jur 
Süifeflnafil fiatl'ä V. (Sr ftatö am 21. Sanuar 1521, ^tei' 
lieg ein anfeI)nIid|eS Üßcrmögen, über weft^eS er, fi^on bei Seti< 
gelten tuo^It^ätig unb freigebig, jum 3:i|eil ju @unflen milbei 
©tiftungen biSponirt ^atte. 

@öbe ift ni^t al§ ©c^riftftea« t^tig geuefen. ^e na^ 
feinem Sobc erfc^ienenen SBerte nwten nic^t jur ^blication 
beftimmt. grft 17 3a^re nai^ feinem Xobe (1538) gab 3i^- 
iBiaun bon ^iltenbag baS SoQegimbictat @ßbe'd über ben 
^iDceg unter bem ^itel „Processns Ueniiingi. Praeclarissimi 
JurecoQs. fatuantissiniique practici et U. J. D. Heimingi Godeo 
— Sollemnis et perutilis ordinis judiciarii processtts etc." (8*^ 
lierauä, baS bi8 gegen I3hibe be§ 17. 3a^r^unbcrt5 mieber^olf 
gebrudt toorben ift : eine Kare unb äberftd)tlid|e SlaifteOung bei 
tanoniftt)en ^ßtoceffeS, mit gelegcntlidier ©erücindittgung, «ibft 
auÜ) gdegent[id)er ©efänipfung ber ffidiftfc^en ^rapä. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. «Bitfenbetg. ©oben. ©(^ütpf. 265 

©Sbc'S Consilia ^t a^elc^ioT Jtling im auftrage beS 
Äurfürften ton ©ot^fen ge[ammdt unb 1541 in Sittenbetfl (fol.) 
tierauSgegeben. @te ftnb fftfitet noi^ fei^Smal gebiudt. 

©0 6<beutntb @öb«'8 SBirffüm&it als Sf^rer unb 9|3iaftifer 
gelpejm, fo flcring ift jein ©influfe auf bte SRed|tSroiffeiif^aft, 
(St ^t bad Siedet in toHer ^exrfcfiail über bie aRateiien, mit 
l^ac^^t unb aufnc^tiget Sal)[^eit8liebe gelehrt unb ange= 
ntntbet, o^ne einen t$oTtfd|ritt ju eiftceben. @r ^ie(t am 9(Iten 
frfl, unb (o toenig er bcn SSertlf ^umaniftifi^er ©tubicn oer= 
tonnte, nribeifegtr ei fi(^ boc^ ben Steuerungen ber „^oeten". 
Äuc^ gegen Sutt|cr'8 fit^neS 83orge^ tjerfjielt er fic^ abl^nenb; 
unb obwohl er ©palatin eiflärte, bafe er Don ber päpftlidien 
SonnbuUe gegen £utt|eT „ni^tä ()alte", ba bie ißublicatton 
bun^S formlos gef^e^n mai, fo f<^en boij^ it|m nie feinen 
übrigen jiiriftifi^ EoHegen Sut^er'8 ÄriegSerllärunfl gegen baä 
fanonift^e Sle^t ein arger Uebergrtff. Su$ biefer ^Itung er= 
Hftren fic^ bie garten Urt()ette, bie toit bei mand)en ^umaniften 
unb fRcformatoren über i^n finben. 

Unter ®Sbe'S Eonfitien finb manche, Weld^e fidf auf ftoatS' 
retfitlidie S^^agen bejietien, namentlit^ abtt ein auf ©tto'fitin'^ 
söerlangen im 3a^ 1519 anläfeli^ ber SBa^t flarl'« V. er- 
töte« ©utat^ten über bie Sragen: ob ein 9H(^t=S)eutti^er jum 
lömifc^en ^nig tmix^lt merben fönne? unb ob Surfürften, 
iDdi^ Dor bem gefe^lidien SBo^Iteruitn fid^ aber einen ju 
ffiöfilenben Bereinigt Ifätten, Mom So^Iacte ouSäuft^liefeen feien ? 
tlm ©^luffe feinet ©utai^tenä fagt @öbe, bag er tn 9Bttten< 
berg eine SSoiIefung über bie rämifci^e j^dnigdopo^l tiatten moQe. 
Xiefe SBemerfuug ^t ben %nlag gegeben, i^n al& einen ber 
etften afabemifdien ©toatärec^tSleljrer ju begeit^nen •) , fteilit^ 
nit^t p^e bafe äuglei(^ feine ftaatSrec^tlidien 55ebuctionen mit 
Qirunb bfirftig unb oberf(äd|lii^ genannt nwiben. 

1) Suhemis, boü\L (fildutminB b. 6toIt>. SuOc tlfl 2 Si>irtE>c. 
Sonata Ang. a Leyser, de acad. Wittenb, decoro. Progr. 7. Febr. 
1T45. 4<>. Sagegen ^fitter, £it b. b. Staatöra^S 1, 101 f. 

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266 Siebentes Stupittl. 

3n ätintidiein ^Jet^ältniffe jiii 91e(i^UtDiffen)c(|aft tDie @öbe 
ftanb fein jüngerer SoÜefle §ieron^mu8 S^firpf *), geboten 
in ®t. ®aHcn am 12. Äprit 148t. Sn Snfel beginnt er |cin 
juiiftifcfieS @titbiinn unter Dr. Ufrit^ flrafft, g^tbonnnait) 
3:übingen, um e8 unter flonrob 9ß(ucQin, genannt Dr. Sbinger 
(t 1532), unb Dr. 3o^. ßupfbii^ fortjufe^, ^rt <m^ 
t^ologifc^e Kollegien M ftonrab ©ummen^ait unb Dtib 
SRagiftet. 3m So^re 1502 finben wir i^n als gef'fl™''ffoi ^ 
©röffnung her Untöerfität Stttenöctfl, lno^iu er mit ben beibra 
Tübinger 3urifteit a(3 magister l^ens gerufen Wai. (£i loi 
übtt ^rtftoteleS unb ^öite jugtnd^ jurtfttfi^e Kollegien. @i^on 
1504 toitb er jum Stector ettnotjU, crfjält 1505 bie Sectuta ini 
@e£tuiS unb bet (SlemenÜnen, enblit^ bie S)i>ctoitofirbe in beibea 
Kec^ten; im 3Q§rc 1507 mirb er Ordinarius jurio civilis iu 
Codice, fpater furfürftli^cr 9tat^, SeifiSer beä gemeinfi^oftlit^ 
fädlflfc^cn Dberliofgeri^tS, baS ju ?Kten6utg unb Seipjig gehalten 
würbe, enblic^ 1536 bei ber neuen gunbatton bet Uniwrfität 
erfter Segent in ben 9)ed|ten für bie ^anbeften. ©eine Sefolbung 
ftieg oon 30 ©olbgulben, mit ber er a(& äl^iigifter berufen mar, 
ouf 60, 100, 250 unb 300 Bulben — anfe^nli(%e Setröfle, 
Wenn man beriidficf|tigt, bag bie ftoften beä Untet^ttä für einen 
©tubentcn in 9Bittenberg tm SInfang be$ 3a^cf|unbcttS auf Qt^t 
®oIbguIbcn angefi^Iagen nircben. @^on 1513 Iiatte er fti^ 
Oei^eiratt)et unb ein gtütftic^eS ^auiSwefen begrünbet. SIS fii^ 
na^ ber ©ti^lac^t bei aßfi^Iberg (24. äluguft 1546) bte UntDerfität 
SBtttenbetg bei bem §eranna^en fiotJ'ä V. jerftteute, folgte ©t^ürpf 
einer Berufung aaä^ ^rantfutt a. D. , Wo er am 6, Sunt 1554 
gcftotben ift*). 

©c^üTpf ^at eben fo wenig Wie @l5be, fein Se^rmeiftn 
in bet juriftifd^en ?rap8, t^eotetift^e ©d^riften publidrt. ©eint 



1) Stut^ei, auB bem (Sele^rtenlefitn €. 178—229. 415—451. 

2) 3)je StclM de vita clar. vjri H. Schnrffii, tottift 3R. Xtxibei um 
7. 'Jtugui'l 1Ö54 in ^itttnberg Qedniten ^at, ift Don 3Relanil^t|i>n Htfa^t 
SSflL maUjtv a. a. C. ©.420. 



bv Google 



5. Iier «ampf um bai pofitiw Sct^t. 267 

ISonftlien finb in bret. ISenturien gefammett '). 'Sfugeibem finb 
Sonftliai Don iE)m eingeln unb in anbeten Sammlungen ^etftreut 
gebrnift. €d)on iEfte 3Raffc t)t genügenbeä 3e"0>*'& f"' ^^^ 
Umfang fetnec pra[ti)d|m ^^fiti^eit aU Sonfulent neben fctnei: 
Xt|eilna(|mc an ben Sigungen beä Cbcrfiofgeridits iinb feinen 
gunctionett aU furfliiftlic^r 9tat^. 

Son gtOgeiem ^tftori{(^en Sntereffe abei finb bie Sejie^ungen, 
in nwU^ ei am ^eibe bei SenKgung jui Stefocmation trat. 
'Seit Cut^ei 1508 nac^ Iföittenberg gefommen war, ge()Ötte 
€(^flrpf ju feinen eifrtgften 9n[)ängem unb nAdiften t$reunben. 
Xie Se^re von bei fRei^tfertigung bucdi ben @(lauben mar bie 
8afi8 ber fie oerbtnbenben Uebetieugung. 3118 bie Sann&ufle 
in Sgitten6etg eintraf, fteQte ftc^ Si^üTpf mit ben übrigen Statten 
be« fturfärften (Dr. Stefielin unb Dr. E^r. Saiet) ouf Cutter'« 
Seite ; unb felbft bie Don i^m mi|6tUigte liSerbicnnung ber fano» 
nifi^ 91e(^t86fid)ci füt)rte feine (Sntfrembung ^erbei. (Sc^ürpf 
begleitete Suttfei na^ Sßormd, ftanb it)m auf bem iHeic^Stage 
ali jurtftiic^r öeirat^ jui ©eite unb oer^nbette ju feinen 
@unften mit bem taiferlic^en Slat^e ©legoriuS Samparter, feinem 
rtätedv^tt i^eunbe unb mütteilid)en SfnDenoanbten. Ülä Sutt)er 
gegen ben SBiHen beä ffurfürften Don ber SSartburg nad^ 9Bitten= 
berg jurüdlc^it, ift e& uoi KUen @c{|üif>f, ber feine Stecht' 
feitigung übernimmt. Sit mcrben i^n toiebeifinben in bem 
Streite um baä fanontft^e 9ied|t, bet jtuifdien Sut^et unb ben 
änriften audgefodE)ten muibe. 

5. ^et ftampf um baS pofitioe Ste^t. Unter ben 
Uebelftönben, toelffie im erften Sa^ijefint bed 16. ^t)r^unbeit$ 
eine \o ttefge^be fociale ^etoegung bet unteren ©tSnbe in 
^entfc^Ianb ^etDotriefen, finb [eine anbeten fdiärfer bef;)ro({|en 
unb (autet genannt tootben al% biejenigen, tätigt ber Sinfü^rung 
ber fremben Wetzte unb bcä ftembcn ^toceffeS sugefc^riebcn 
mürben. SS ift oben fi^on Don bem Unbehagen bie Süebe gehKJen, 

1) Cent 1. 8. 1645. 1551. Francof. ad Moen. Cent. 8. 1553. Francot 
ad Tiadr. foL 3ltut «uflagen: lö8ä. 15d4. 1613. 1617. 

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268 QitbtntcS fiapitd. 

mit l>em bas 9SoIf ben ajeränbeningen in bet SteditSpflege jufflli, 
bon bem SJerbrug unb SKigtiauen, ja ber Srbitterung. bte bai 
treiben ^abgietifler SRaSufiftoi etjeugte. 2Sn ctgcnt^ümli^ 
Sßeife tieibanben [xä) mit ber auS folc^en Ur{a(^en fliegenben 
^rftimmung gegen brn Suriftenftanb jtnei einanber {onff fnt> 
gegengeteßte ©trömungen: bie oben befprmfiene Heritale Oppo- 
sition gegen bie §err[d|aft unb $f(ege beä GioUret^t« anb bet 
buti^ bte äteformation erregte 9fabicaliämu8 , bie beibe bereit 
niaren, bie SBonnötfe ju ergreifen unb ju fteigem, öK&^e ein^ 
fii^tige ©elel^rte wie Sa\\ü9 u. St. bcn ^raltifern machten. 

'ai& ffiertretei einet get(^ma(IE(tfen Sc^uImeiäEteit, «18 @tü{ien 
bei 2>hgregiening an ben ^öfen beS ^aiferS unb ber gitiften 
l^agte Uliid^ Don ^utten bie „^aitoliften". 9Iid|t blu^ bm 
fyilfigde^rten ©c^reibem unb ^ocuratoren, fonbem ben Surifien 
überhaupt, bie ei mit ben ^ffen unb Sui^erem ben baiS $oIf 
au§))Iünbemben SBegelagerein gleichstellt, galten feine ueit^tn 
(tingenben ?tngriffe'). 9Iui burc§ Sefeitigung bet 3uriften unb 
beS gefd^riebenen SRec^tS, ouf bem i^re Wta^t tu^te, nur bitti^ 
SRücffelir ä" ben einfachen tioI!8t^ümlid)en 3wf*Önben, in benen 
uaäj ^utten'# Angabe nodt bie <Sa(^fen am 8)altif(^en SReere 
lebten, fei |)ülfe jn f^affen. 

SSeftimmfer no^ warb biefe gorberung auSgefprod^en in 
ben berühmten i^Iugblfittem Sberlin'S Don (^flnibuig, 
ben „fünfje^n Sunb3genoffen" (1521). „ÄKc otte !ai(erlicl|e 
unb 5ßfaffen = Medit tt|un mit ab. Sein 3urifl, (ein 3flrfprcd| 
foH fiir^in Wo fein, rcelcfier il|m fetbft nit lana teben, ber n^mc 
ben näd^ften SJÜtbürger. j^ein jmnli^ ftatut foK für^in angc 
nommen Metben, baä nit im @efeg 3)fo^fi ugtrudt ift, benn btt 
aWenfd^ foK nit tiärter ftrofen »annOlott.'' ®ben fo prodanrirt 
ba« aWonifeft ber »auetn»): „äfle 35i)Ctoreä bet SM«. 



1) Nemo. Praefatio. 1518. Praedones. 1520. Opera ed. Böckiug 
1, 178; 4, 379 e. ©lin^ing, 3afiii« 6. 97 [. ©tobbe 2, 45 fi. 

2) $iic (älftfili* fogen. SHEfotmatton griebric^'9 in. Stobbe, fRtäfii- 
qutam 2, 61 ff. 



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5. ScT Sampi um t>Q» ))0^tiDt ^aSit 269 

fie fdnbt setftfi(§ ober weltlii^, foßen an feinem ®eri(^t bei 
Ionen 9?et:^ten, aui^ tn feinS dürften ober anbem 9{ät^n me^t 
gelitten, fonbem gonj abget^an owrben. ®ie foQen aud| füttiaä 
l|in Dor ©eridit unb 9ied|t nit loeiter reben, ft^reiben ob« 
Tatfigeben." 

^je Soueni lehnen e§ ab, füt aufiü^tecifc^ ju gelten, ba 
fie nichts begetiren, als tnad hai Stiangelium [efiie unb gebiete, 
ftoriftobt unb %^. äRünjei fjiebtgen bie eiuige @fi[tigteit beä 
aRofatf^en @kfe^S, bem <S^ftuS nti^ts abgezogen tiabe. @otted 
Oebot in ber ^eiligen ©d|rift foQ für oHe toeltltt^en angelegen' 
^teit bai entfc^eibenbe @e{eg fein. Unb xait ©beritn uon 
®üngbuig in feinet „ffifiglii^en ^ag Qön toegen 3)Dctoi Sut^ä 
mib Utri^ öon $utttn" (1521) eine Meform beS ganjen öffent^ 
liefen Ste^tdjuftonbeä auf t^riftli^^ebangefifc^er ©runblage unb 
bie Umgeftattung bei )]ii0dtied|tlid|en %$erf)ältniffe nacfi ben 9Jor< 
ft^riftcn bö! ffibanfleltumS gegen bie „guggereien", „bie ©c^teibec 
unb ^inanjet" forbect; fo ^atte £ut^er') in feinein ®enb' 
f(f|iet6en „an ben ^riftltc^en 9bel beutf^er Station" (1520) 
(ItebonCen oudgefproi^en , bie in gefOl^dii^et 3)2i^beutung biefe 
pcoftifi^ Sonfequenjen ju le^tfeittgen fi^ienm. „^etoeil benn 
bct ^ofift unb bie ©einen felbft ba& ganje geifUi^ Sledit aufs 
jn^ebcn, nii^t achten, unb fic^ nuc nad) i^rent eigenen SKut^» 
mida t)alten über aQe iEBelt, foQen tok ilinen folgen unb bie 
9üd^ and| seimerfen- SBarum feilten otT Derge6enfl barinnen 
ftubiien? ©0 Eömtten mir au^ nimmame^r beS ^offteS Wtuff)' 
mtllen, tvdc^ nun geiftlii^ Steigt gemoiben ifi, auslernen. Si, 
|d falle ed gar ba^in in @(otteä iRamen, baS inS XeufelS 9Iamen 
fic^ erhoben ^at, unb fei fein Doctor Decretornm mef|r auf 
Srbcn, fonbem allein Doctores acriDÜ papalis, baS ftnb beä 
^pfte8 ^on^Iet. SDIan fagt, ba§ Erfn feiner meltfid^ Regiment 
tigcnb fei benn bei bem Xürfen, ber bo:^ tsebet getftlii^ee ni»^ 
xodtii^ Stecht ^at, fonbem allein feinen ^Iforan; fo muffen 



1) SBgL jum golgrnboi: ÄB^Itt, ßut^ unb bie Suriften. 1873. 

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270 Siefcnlf* Äapitd. 

mir bdennen, bafe nidit (i^äblif^eteS Megiment ift benn bei mi 
bui(^ geiftltdieä unb tDeltltcl^S 9}c^t, bag fein @tanb ine{)i gel)l 
naturli(§er 93ernunft, fleldfWeige ber tieiliflen ©d^rift gcm8|.'" 

„2)aS hwltli^ 5Rer^t, t|itf ®ott! wie ift baS aud) cinf 
Sütlbnife geworben ! 9Bie iro^I eS öiel beffer, tönfttidict, idilitfiet 
ift beim bflS geif^tdie, an meltficm auger bem 9Iamen nichts 
©utcS ift, fo ift fein bot^ auc^ tiel ju Diel gettorben. günno^t, 
bernünftige 9{egenten neben bei ^eiligen i^rift tDären übiig 
9ic(^t genug, toie ©t. «ßauIuS (1 Sor 6, 1) faßt; „Sff SHmanb 
unter (£u(^, bei ba möge feines 9{äc^ften @ai^e tidE)teit, bafi 3I|t 
Dor ^ibnifi^en ©etiditen mttftt ^abemr"" ®3 bflnft ini(^ glridi, 
bag Sanbredit unb Sanbfitten ben tatferltdien gemeinen Sle^toi 
loerben Dorgejogen unb bte [aiferlic^en nur jur 92otI) ge6rauc(|t 
Unb moHte ©Ott, bog, tote ein jeglii^efi Sanb feint eigen ?(rt 
unb ©aben t)at; alfo auc^ mit eigüen furjen älet^ten legicit 
mürben, toie fie regiert ftnb geloefen, e^e fol^e iRcrf|te finb ei' 
funben, unb aud^ o^ne fie uicie ßönber regiert iDcrben. Iii( 
meitläufigen unb fem gefucf)ten Se^te ftnb nur ©eft^Werung bei 
Seute, unb mcl)i ^inberntfi benn tjörberuitg ber ©oi^en. Süoifi, 
idi Ijoffe, eS fei btefe ®ad)e fi^on bon Snbern beffer Bebadit unb 
angefc^n, benn ii^'8 mag erbringen." 

es ift ntc^t ju Derlennen, ba% [xä) einige biefcr ©ätie Da- 
tuenben fielen, um ben Umfturs nid^t nur ber Äutoritüt bcS 
Fanonifdien ^eäfti, fonbem bei ganjen fRet^täorbnung ^n (Sunflen 
eines t:^eofrattf(^n , auf bie JSibel gegi&nbeten Stegimentd ju 
red|tfertigen; eine Crbnung ber 5ßelt, in ber bie fittlid)en $rin^ 
cipien beS Sliriften^umS üU jtoingenbe Stec^tdgefege ^errf^ten, 
bie fid| bemnac^ bon bem pä^ftlit^en ©Qfteme nur babun^ untei' 
fci^ieb, ba| ber ®ig ber tfieotrotifc^en ^enfi^ergeRialt nidit in 
ber Äirdie unb ilirem |iaupt, fonbem in ber au8 fretm unt 
gleid|en trübem gebiibetett unb uon ber Zeitigen ©c^iift gf 
leiteten @emeinbe liegen foUte. 

@o ^tte benn bie Dom t^ologifi^en ©tanbpunhe au? tx' 
tjobene CppofitiDn gegen bie ^uri^ftrubenj eigent^fimlt^e üBm- 



D,q,i,i.:db,.GoogIc 



6. ■iieT ftamtif um ba« pnfitioc Meibt. 271 

Miingen butt^flema^t. 3«£rf* nu"^ 9^9^" ^^oä fatfetlt^e Jfi«^t 
gnnnnt, t^atte fiuttier fte gegen baS ))ä))ftli<^e uorsug^loeife gc= 
tDoibet, iii fie bann untet attberer t]|ü^mng auf bie ^nbf^aft 
gegen jdte Stedit^oibnung timauslief. 

SM in serjc^tebenen ^ornien auftretenbe @eb<in!e, ba§ bai 
iKof(rif(^ Steigt an bte Stelle beS römifd^<Fanonif(^en ju fe^n 
fei, tft eine 3^t lang felbft bon äHelam^t^on get^tt moiben, 
roie feine erfte Äuägabe ber Loci theologici (1521) crgiebt. 
Sein SBunbcr baticr, baS^etjog Sodann ber SBeftfinbigc 
btm $Iane, baSfetbe einzuführen, geneigt War, unb DieUet^t baS 
Sonb mit bicfer Tegisktoiif^en Slefonn beglüdt ^a&cn Ufirbe, 
Uvnn eS nid^t bem ^rinjen Sodann ^liebrii^ unb beut 
Sanjler S9rfid ($ontanud) gelungen u>äi:e, t^ uminftimmen 
(1524). 

Butler unb SBelani^t^on roaten fc^on Doi^er bur(§ 
bflg teilbe Steiben bei ScfitoSnnet ju einer ft^ärferen ©(Reibung 
ber etfjifi^en unb juriflifdien ©eticte geführt ttorben. „3)o* 
nettlid) Stegimenl, fagt £utE)er in feiner Schrift „Don mfttic^er 
Cfirigfeit" (1523), ^t ©efejfe, bie fii^ ni^t Weiter erftreden 
benn über Seib unb @ut. 'Sierni ubei bie @eelen fann unb will 
®Dtt Miemanb regieren laffen, benn fic^ felbft aUEtn. — 33atunt 
Bug man biefe beiben Sfiegimetrte mit gfetfe f^eiben unb beibe 
bleiben laffen, eineS baS fromm mac^t, baS anbere baS ängerli^ 
Snd>en fi^afft unb bbfen SSerfen weitet." Sin anbeten ©teQen 
^ifet e«: „SSan loffe SWofe« ber 3uben ©ad^fenfpieget fein unb 
un« ^ben unöerWorten bamit." „®a8 @efe$ aJiofiä gel»! bie 
?luben an, wel^g unS fortan nic^t me^r binbet, benn baS 
@efe^ tft allein bem SBoIf 38rae[ gegeben. X>a nun nit^t anofeS, 
fonbcm foiferlüi^e Steinte in ber SBelt angenommen feien, wolle 
fic^ nidit gebüfjren, barfibet ©ecten unb Qviitixaä)t anju^eben, 
(intemot bct (Slaube unb bie fiiebe Wo^l bleiben !ann mit unb 
untet bem Eatferlit^en Stedit." 

©0 fonnle benn ber Äurprinj unb Äonjler Örüif ft(§ auf 
@uta(^ten Sut^'g unb aßetani^t^on'i» (1524) ftfi^en, um ben 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



272 eiebenteS ftopitet 

§erjog eines Seffetcn ju belehren. SRetancf)t^on ging im 
'UnbM bes loüften Sreibenä unb bec »erberbltt^n Sidt bcr 
fßotldbetoegung ba^S DoQe SSerftfinbnig bon bent SBertfK pefttiDer 
SteditSorbitung. namentlti^ be« röintf(^en Slec^td, auf, ein ^ort^ 
ft^rttt, on toeli^em o^ne 3fi>^^ *« ©nflufe feine* gteimbe« 
€^iirpf toefentli^ 3(ntt|ett t|at. 93eJbe gleiten tu btefnt 
Sagten öffentttt^e SReben, um ba§ faiferlictie 9ie^t gegen bie 
Sfnflrine bet ©egner jU Dettljeibigen. 

3n feiner Oratio de legibus') (1526) unterninunt f* 
aRclant^t^on, 5U betoetfen „sacris titeris non modo dod impro- 
bari civiles leges, sed praecipi etiam, nt religioBe saucteqne 
colantur". Slann auf baä tomift^e Siecht flbetgel^enb, preift tt 
bie SBeiä^eit bet SSotfo^ien, biefeä in bie ©erti^te eingefä^ ^u 
fjaben. Sie 9ItE)enet Ratten e^ ni^t ffii ®<^anbe geilten ägqfi- 
tifdie, bie Sfömer nit^t, gttediifi^e @efet(e anjune^men; fo Ratten 
auc^ unfece 9Jocfa^ren ni<^t gefehlt, als fie bie Oibnungen bcr 
Mömer bei un8 cinfifirgetten, ba ja feine ffiunft loib SB5iffenf(|oft 
bei uns ^eimif(^ fei, mir alle trnn fremben SBöBern gelernt I)ättcn. 
@D fei aüä) unfei ^eimifc^eS fRe^t barbarifc^, bebfirfe ber &oi> 
rectut bun^ baS tömifc^e, weti^eS ton gtofecn SWfinnern aui-- 
gebifbet unb ganj ber Statur beä äßenf^en gemäg fei ^i^ 
bef(|äfttgten fi(^ felbft bie 9ngcl|0rigen foId)er ©toaten, in benrn 
\>ai idmift^e 9te^t nid|t ©eltung ^abe, mit feinem @tubiiiin, 
um, tüie fie fagten, „animam spiritamque legum hoc est 
aequitatia Tim ac Daturam hinc decerpere". 2>ie oHgonnit 
beflagten Ucbelftdnbe h>erben au3 ber in biaftifd^er SBeife gc» 
ft^ilberten ©efi^macEIoftgfeit ber Kommentatoren unb ber Un> 
»iffen^cit bet Sitztet erllärt, unb als abhülfe bagegen ber 
Sugenb baS ctnfte @tubium bet bonae literae unb ber Ouellni 
bcS Stents bringenb ans ^er; gelegt. 

S)ie ©ettung be8 tßmifd^n ifiec^tS, bem ou^ Sut^ totdier' 
t|olt feine 9netfennung auSfpradi, umi fomit ber Snfet^timg 



I) $eniii«gtsebtn von aHut^CT 1860. 4°. 1B69. S". 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. Sto Samti um Ixiä fononifi^c Wti^t 273 

tmn^ bie Slefoimatoien entrücEt. Sbei nur bte innere S^oitreff* 
Itd|Ieit ift für fie bcr @runb (einer ©eltung iinb Sinfü^tung, 
tDdi)renb fie bie überlieferte ^fieorie Don bei (XontinuitAt beä 
rSntif^ Sädtttii)ä DeitDerfen. ÜDad ec^te cömtfcfie 9teic^ , fagt 
Satifa ftfron in feinem @enbfi^reiben an ben t^riftlit^en Sfbel, 
fei längft bergangen; ber ^ofift ^abe nur ben teeren ^itel babon 
auf bie iÜ)eutfd^ flbertragen, um fie bamit ju betrügen. 

8. 5>er Äampf um baä (anonifd|e Steigt. SCitberS 
ftanb eä mit bem fanontf^en 9!e(^t, beffen ^Itung Sut^er 
ouf bie Sutoritfit bed $a)}fted in ben beutfi^en ©eric^ten jurücf< 
fü^. SSie er biefe ineltlic^e ^rrfä|aft beEdmpfte, fo t)ermod»te 
er aui^ trid)t E)iei tste beim rdmif^en Slet^t onjuerfennen , bag 
tä frineä Sfntialt« »egen bie ertoorbene §enft^aft uerbiene; eS 
[et ein „finbif^, olbem, fd^Iec^t S)ing". ^auptffit^lic^ aber 
fliünbet fi^ fiut^'S SBiberftanb gegen büS fanonifi^ Stecht auf 
ba8 Ut^t fetner letigiöfen Ueberjeimung, bie mit ben @runb' 
aafc^auungen beSfelben im tieffien ®egenfage ftanb. ^enn mad 
bie äteformation vor oOrm betftmpfte, mar bie in if|m buti^> 
gefii^rte ©(^biuig etneä Ijfiligen 9ßrieftertf(um8 Dom un^igen 
S^iitettftanbe, bie ^tdtermtttelnbe Stellung jenes j»tf(^etT @latt 
tmb ben SHenft^, unb feine ^errfc^ergetooH in geiftli{i|en itnb 
DKltTu^ 3)tngen. Sieben biefer funbomentolen Unbeitiäglic^Eeit 
lam eS ffir QuOfct teenig in iBetrodft, bag bas Fanomfdie 9te^t 
nii^t blol übte bie tirt^Iii^ Orbnungen t>erfügte, fonbern 
9tonncn flbei baS ^Oatie^t, ©trafrec^t unb vor aKern aber 
ben ^occggang auffteQte, bie, mie fte ganj una&I)fingig bon 
ben firi^lt^en ©a^gen in iBdtung bleiben tonnten, fo au^ 
in ber ^Qtat hii auf SSeitereS gar niägt gu entbef)ren Waren. 
Unb in 9StrfIid|Eeit ift bie Autorität beS ^afifteS nur in ben 
geifüidjen Skripten ber ®runb für feine (Settung gemefen, roö^renb 
ti fiäf in ben meltüdien ©eri^ten auS &§nltd^ ®rünben. ein« 
bürgerte, wie fie ßut^ für bog römift^e Siecht anertannte. 

Süi bie Suriften in SBittenberg mar ba^er tro^ aQer ^tber^' 
ftitüi^e bie fortbanembe ®^tung nic^t jnieifef^aft, loenn au(^ 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



274 Sttbcntc» ftapiKl. 

bie bet ificformatton jußetftanen ©c^flr^if, Slijet, fittnj Wf 
jutigen @a$ungeit für nichtig erMrten, meld^ mit flaceti unb 
unjtoctfelliaften ÄuSfprüt^en Gi^riftt uttb her Äpoftel in ffiilm- 
\pm(i) ftünben. 

SnteitiinoS wai e8 mit bec SSertietung bed tonontfc^ !R(d|ti 
eine 3ett lang nui mangelliaft befteCEt, feit $emimg ®Bbe 1521 
geftoröen. 3Jft öon ©t^tt 6erufenc 3iiftu« 3ona8 b. Ä.'), 
bem bie ^ropftei an bei Slllerfietligenfinl^e flfwrtTagen uurbe, 
loai nü^t ju betpegen, bie fttftungämägig bamtt neibunbene ^caift' 
lectton be& fonontft^ 9iec^tS ju ü&erne^men. @r befdiriinttt 
fi^ auf t^ologift^ Sorlefungen, mugte fic^ a&ei beippii^ttfl, 
jä^rlic^ 20 @ulben 5ur fSefofbung etneS Se^rerS bes fononifi^en 
Stc^t^ ju bejahten. 1524 ubmtafyai 'iptl biefe Sßorträge nf6at 
ben $anbelten, aber erft 1528 taurb bie Leetara decTetaliiua 
ttieber felbftdnbig botirt unb mit Äafpar »on ^eutlefien 
gefegt. 3m 3a^ie 1634 erhielt aReld^ioi Sling bie Lecturo 
in Sexto, bann bei ber neuen gunbation ber Uitiöctfitfit 1536 
bie mit bem ?[ffefforat am SBtttenbergci ^ofgeri^t oerfiimbent 
Lectura ordinsria in Decretalibus. 

©ic^erte f(^i)n bie tlieoretift^e SSertretung bem fanoniff^ 
Siedet bie fortbauembe Oeltung gegenüber ber t^eotogift^ An- 
fechtung, fo fanben ftd) übeibieS ^nlfiffe genug, biefelbe auCb 
prattifi^ äu be^ainjten. Staat t)atte fi^ ©(^fir|tf bereitroiaig 
bei ber 1&27 begonnenen fftrc^enbifttatioR Denoenben laffen, ^dt 
aud| nad^ »ie Dor an ben teefentltc^en ©laubenSfdgen ber 9lefoi< 
matoren feft. StIIein als feit ben SBer^anblnngen auf bem üugi' 
bürget 91etc^3tage lö30 bie t$tagen über bie ftin^govalt 
praltifc^ in ben löorbetgrunb traten, trennten fic^ feine unb 
Slatijet'i äßege: benn bie überlieferte ^utoritftt bed $a))fted unb 
ber Stfc^öfe ju negiren unb bamtt bie Splitt felbft aufjn(öiai 



I) Qkb. 1498 {u ^loib^aufm. <£t mabt f|>)ltt[ $cofenor bei: Z^ogu 
in Sittntbtrg unb flarb 1555 alB Su^Tinttnbmt ju Sififclb. Hi tiätt 
Sut^ nit4 Sonne btgidtet unb R>ar bei bcfiot Zobe gu SliiAtn gcan- 
ipSrtfg. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



e. Sm stampf um bat binomfc^e Bleibt 37& 

wrbot t^ feine jurtftifi^e Uebctjeugunfl. 3n [einen aSotlefnngen 
imb SonfUicn berttat er batier bie 9nlDenbbarfeit bec fanonift^en 
6at|ntigen auf bte ebongeli^en ^biget; in (S^ad^en nic^t 
blog btefe, fonbetn aud) bte firc^Iidit ^unSbtctton. iSben fo blieb 
©c^fittif bei bem @a|e fte^, bog t^fltften unb toeltlti^e Obrig« 
fetten üf>er getftti(^ Siennögen ni^t Miffigen fßnnen; Wer ed 
ju onbetxn als tirc^Uc^en ^tueden toettDenbe, fei ein „3)ieb, 
9)Siiber unb ^n^enfc^änber". llnb mit i^m gingen ffimmtlii^e 
ffitttenbetger Reiften. 

9}ot aOemnmten eS bte e^eret^tlic^en fragen, n)eld)e 
jU ^rten Sonflicten führten. Sutl^ empfanb ei bitter, bag 
bte Suriften feine eigen gegen baS lononifi^e ^inbemtg ber 
^riefteruwi^e gefi^loffene Sfte ni^t fflr gültig eraditeten; tiierin 
fonb ei inbeg an Dr. Sodann ^pel eine ©tü^e, ben er am 
15. Suiti 1525 jitm 3^0^" f^"^ Serlobung neben !8ugen^gen 
unb SucaS jhanad^ beig^ogen §atte. Vaä) Welt^ior ßling 
nf^rt bae 9}et6ot bet $rieftere^e füt nichtig, mett eS bcn f(aren 
'An&ipxOäfea beS Sleuen ^tamentS mtberfpn^t (Instit. 1, 10). 
Sejüglti!^ ber (SEKfc^Iiegung ^ielt Sut^et bie Unterfi^etbung ber 
epoQsalia de praesenti unb de futuro für ein „lauter 9!an:cnff)iel'' ; 
n«^ eifriger aber öerfw^t er bie Slti^tigteit ber ^eimtit^, o^ne Sin= 
iDiUigung ber ISftem eingegangenen Sßetlöbniffe ; fittli^ entrüftet 
aber bie entgegcngefetfte Canonift^e S3eftimmung, in ber er eine 
f^nitt^ SSette^g bes oierten Gebots erMtcFte. @erabe btefe 
Srogt, bie in mtfycttm ^Qen ju praftifc^er ^tft^eibung gefteUt 
»ar, tt>e(fte erbitterten ©treit, ba ba« Conftftorinm bie (ontini[(!(en 
(Snmbffi^ gut %naatbung bradEite. fiut^ ergog bie boQe @(^ale 
fetncd Qovai über bte „Si^anb'Sunften'' in feinen ^bigten 
(namentlti^ 1539 unb 1544) unb oft genug tKrtootbete er bamalS 
in feinen 5tif<5gef|n«t^en ba8 ©pric^ort „Sntiftm bfife Sänften!" 
$ic S^ttofi^iffc imirben fo bebenflidi, bag flurffirft Sodann 
Sriebrit^ cinfi^reiten mußte'). (£r refcriftirte {SBeimar, 3)ienftag 

1) nnt^ti, aa» bem (MtfycnniAm <S. 211 f. 442—452. 
18' 

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276 ShbenteS Bajpiia. 

nai^ Spit>^anta$ 1544) an ^ugen^agen, @. S9ruc( unb 
a)?elanc^t^on: „@i> iDDiten mti, bag bie Suriften fü^ in ben^ 
fd^tgen tJräQen mit bm ^eotogen tieig(etc^. — Unb nienn bb 
felben in eiinnütftigen ÜBetftanb ntdii nat^ c^iifttic^T Se^t, benn 
bem pofitftifdien Steigt gemAg brad^t, feinb Sffiir bebodit ju bt- 
f^Ien, faofe alfo unb nit^t onbet« in Unfern ßanbnt — gefjjrw^ 
\oU tDcibnt. SoKen ober e^tii^ fünften auf iti $a;ifleä 
Steckten Der^anen , fo foHten niditöbeftotoemger bie anbem wt 
ben ^alogen fi^Hegen, benn uns biefet 3>i>MP°It in fott^ 
@a(^en nit länger ju gebulben fein wiU. SBit tooDen auc^ 'Ska= 
jenigen, fo mit @ui^ unb ben änbem nit einig {ein, unfer &maiif 
unb SReinung olfobann auc^ »ennelben, bag SSti nii^t beba<f)t 
nadiiutaffen anberä in unfer Uniterfität ju leljrcn wnb ju fptt^, 
benn toie ^r €ucf| ha& mit ben 9nbcm bierbet t)eig(et(^" 

2)ct Sßeugleid^ S^'i^nfl enbli(^. ®8 mürbe eine „Soncorttia" 
jVifdien ben Geologen unb fünften „aufgeriditet", bie fti^ nii^t 
blog auf bie ^etmlidien iSerlö^niffe, fonbern auf l^efa^en Sbo' 
^aupt bejog, bie erftcren a6er, Sut^er'8 Hnfi(^t ganfi|, für 
nit^tig erHärte. Qmax freist bie Soncorbta nii^t föimlii^ jum 
©efeß erljoben ju fein; üUein Wie fii^ SR. Kling, bei an ben 
äSer^anbtungen nid)t t|eiIgenonimen, nadjtifiglü^ jui SCnei^mmg 
Derpflti^ten ntugte, fo E)at fte auc^ bie ^ra^ bon nun an uoI|{ 
fibeitoiegenb &e^ertfdtt. SSnbefe ftdlt SH. fljing in feinen Enw- 
ratioDes in InstitutJones (E^. 3. 1666) unb in feinem Trsctatns 
causanim matrimonialinm (Ed. 2. 1559) bie ^ge fiber bie 
rc<^t(i(^ Scbeutung heä elterfti^en Sonfenfeä no(^ alS i)Dif4"< 
ben ^ologen unb ^^ften ftreitig bar unb giebt in fe^r im> 
parteüfi^ SSeife i^re beiberfeitigen ©ränbe an, oirne fi^ fettft 
JU entfc^en. 

Unterlagen bemnadi au(^ bie lanontftifd^n @ntnbf&t)e ba. 
Wo ei fi(^ de lege ferenda [|anbe[te, fo blieb bod^ bie ^torität 
beä Eanonif^en 9tt^ti befteEien. 

3H(^t etnw in tenbenjiöfer SBeife jur Sr^altung be8 Alten 
unb um bem Fortgänge ber Siefoimction ^inbemiffe in ben SSeg ju 

D,q,i,i.:db,.GoogIe 



6. ^xx ltam))F um baS tanonift^ fRei^L 277 

fteDen, Ijafeen bie SBitten6«rfler Suriften an ber ©filtigfeit be« 
fonontfi^ 9)ed|tS feftgetiatten; fonbem fie entna^meii bemfelben 
dtu^ bie SSSaffe, mit welker fle bet proteftantift^en Dpfjofition 
an bie Seite traten. 

Äl8 auf bem SIugäBurger SRetc^8tafle boit 1530 bie feinb* 
feßge§Qltung beS Äatfet» gegen bie proteftanti^dien ©tänbe bie 
naifc @efa^T jeigte, niu|te bie ^^%t botn Steigt t^atffi^' 
lidien SSibeiftanbed gur @ntf(^eibung gebraut Werben. 
SJU)tenb bie S^fotmatoren btefeI6e bidtfet berneint liatten, bebu= 
ciitm bie Sutiften in einem @utac^ten^) (1&31)' onS bem tano'- 
ntf^en Se^t (c. 6. de aent. excomm. in VT* ö, 11), bo^ e« 
OöIIe gebe, in benen ein getoattfamer SBiberftonb gegen ein 
Tt^terti^eä Urt^eil 6eied|tigt fei, uitb ba% biefe iS&üe jui 3^^ 
gegenüber bem Äaifer ftortägen. SJoneben finbet fi^ ein sloeiteä 
@nt(u^ten bon einem Ungenannten, tveli^eS baS 9ted|t beS 9Biber' 
ftanbefi barauf grfinbet, bag ber Aaifer ni^t me^r tnie e^ematS 
nvb^ifCävXtec domions mundi, fonbem ben beutfc^en gfirften 
bnct^ (£ft»e »erpffii^ttt fei, aV\o nur eine 6ef(^tönfte ®elDüIt 
tiobc; ber flatfer fte^ ba^ nur ba, wie bie rdmif(^en S^onfnln 
jiun €enat, bei fSifi^of ju feinem Rapttel, bei ^oge bon S^enebtg 
jn feinen ©enatomt ; bie Skrfaffung ^eutfdilanbd fei eine 9[rifto= 
tottie unb teine Stonarc^ie: unb fo wenig bie Senatoren, bte 
Staipittl u. f. to. f^ulbtg feien, bem Sonfuf, 3)ogen, S^if^of feinen 
„Shit^iSen ju geftatten", eben fo Wenig feien i)a;u bie i^rften 
gegen ben Shtifer »erpftii^tet. 

S)ie Reformatoren l)a6en fi^ ben Gonclufionen btefer Out« 
atzten mit ber (grflSrung gefügt, bafe fie Don je^er gelelirt Ratten, 
man foDe weltl^e« 9le^t gelten laffen unb galten; unb wenn 
fie inSijec geteilt Ratten, man foQe ber Obrigfett ni^t wtbet' 
fte^, fo Ratten fie nid)t gewußt, bafe ba« iffe^t, bem in Welt* 
H(^ Dingen ©eliorfam ju Teiften fei, bie ©efugnife jum 9Biber= 
ftanbe getoA^re. 

1) Ooctfebci, Urfa^ beS twutfc^en flricgS 2, 70 ff . 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



278 €icbtnteS StapM. 

^beg ti>ai bte gattje ^aä)e Suif^n in tnnerftrc StAt 
nnberttiärtig ; bec föibeiftanl) gegen ben ^oifer bleibt t^ if 
benflii^, et mag nid»t boju ratltai, tDenn ei auc^ beut 9b(f|tt 
feinen Sauf laffen niß. UeSerfiaupt a6ei ^at er fid| niemal« 
mit bem focmalm Steckte befieunben fönnen; fo fel)r er ficEi au^ 
Don ber SQot^ttienbigfdt feiner ^errfcfiaft äberjeugt, erfc^eint bm^ 
feinem @emflt^ ber 3uft<mb ber tpilnf^en8U)ert^ in toüäjem matt 
{einer entiatiienb nac^ ®Dtteä ®tbotea Itbt; bte bur^ menf(^Iuf)e 
€kfet|e Be^errft^te JOrbnung ift i^m nur ein bdlagemStDer^ 
3uftanb ber UnboKfommen^t. ©o brii^t benn aui^ feine 
?(ntipatfiie gegen bie Sariftcn, troß mandier Bertrouter petfön« 
Itdier S^ie^ungen, immer mieber Verbot; gteid^ nrie er feinein 
äSibeitDiQen gegen baS tanonifdie Steigt aiid| in fpfiteren Qaioi 
aoi^ oft ben fd)ärfftcn SuSbcud giebt , na^bem er fic^ in bie 
fottbauernbe ®aitigfeit be&fet&en gefunben unb es fogar j/m 
@egenftanbe eigener @tnbten gemad|t ^atte. 3m ^aSftt 1530 
erf^ien ^ SSitten&erg ein annonpmed ©i^riftd)en: „@tn ba^i 
?tu«jnge aus ben ffiebftli^en reiften — unn ben attideln bie 
ungefcrlt^ ©otteS »ort unb bem ^angelio gemeS fmb oi^i 
jum Oienigften nid|t hiibberftreben. Wlit einer fi^dnen Sorr^ 
SWart. Sut^." 3n biefet «otrebe eriHrt b« 9fefonnotoi, H 
er felbft längft boigetiabt fjobt, ein fotdieS l^u^ ju \(i)iäbeB, 
um ju jeigen, bag biejenigen, neti^e feine fiepte aß fltßem 
»erfolgten, gat ni^t »afeteii, mie öielfai^ biefetbe mit ben ©nmb' 
fdgen beS faRonif<^en 0lei^tä übereinftimme, alfo gegen ii|it 
eigene Se^re tobten. @S Oierben ju biefem ^aied in bm 
@^rift^ ©ä^ be« 3)ectet^ unb ber SJecrctoten, wefa^ fi* 
auf geiftlid)e ©a^en b^ie^en, in beutfti^er ©pni^ jufommn' 
gefteUt. 

9Äan toirb bie ^Itung ber Suriftcn in biefem Äoni|ife oudi 
Dom proteftflntifc^en ©tanbpunfte auS als burt^us correct 6^ 
jeii^nett muffen. iJenn toer bie binbenbe 2Rad|t be« ^opfte« 
in @ad|en bed ©faubenS gegenüber ber ^igen @^rift nid|t 
anerfannte unb fi(^ in feinem ©emiffen Don if|m loSfagte, leugnete 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. 2iei ftamfif um txifi fanoiüTi^ HttäfL 279 

bmmt not^ nt(^t feine 8efugni6 ju neltUt^en @e(>oten. Unb 
hki auiti biefe beftritt, fo(^t baium noc^ nit^t feine Stntorität 
im fitn^nifgimente an. Mein felbft toenn man ben ganjen 
^lintat nad| Segrüntiung unb (SntUiiflung füi eine Ufurfiation 
erHfirte, fo tonnte bo^ bec 3urift ni^t jugeben, bag beStDegctt 
bec gefammte bun^ bie 3a^rf|unberte gebaute Slet^tSjuftanb auf 
binbeitbe Araft feinen Slnfpxui^ ^be. 1£tner 3!}e[ogatton bur^ 
bie <S(ef^^un0 ^^ ffin^ ober fionbeS toürben bie ptoteftan< 
ti|^ Suriften fidr gefügt l^abcit unb ^aben fte fti^ geffigt, 
fo Dcit fie in @in^e%tlen j. iB. besiigli<^ ber geiftlic^en @äter 
im 9Iei(^8tagSa(f(^ieb bon 1555 ftattfanb. Sinei blogen Slega» 
tiou feiner ®illtigfeft mußten fte »iberfpte^en. IDie ®efeg= 
gcbung aber tonnte ben Schritt allgemeiner 2)erogation nic^t 
t^un, o^tie bie Säde burc^ ein anbereS Siedet au^juffitfrn: unb 
ba ti ^ierju an ben äRitteln unb !SorauiSfet(ungen fehlte, fo 
mugte eS t|ier wie beim rflmifi^ 91ei^te babei bleiben, bog ei 
troti aOex Uebelftdnbe unb SJefii^tDerben ba^ gemeine 91e^t beS 
ffct^d fei. 

VUei^gd aber brängte fti^ bte ^age auf, in u>e(dE^m 
Umfange baä fauonifi^ 9te(f|t mit ben dlrunbfAt^n bed 
^oteftontidmufl 3u bereinigen unb bemna<^ jur SunKubung ju 
bringen fei? — eine ^a^t, roe(d|e nat^ ben SnttvidlungSftufen 
ber Stefonuation oerfi^tcben beantwortet merben mugte. ®ie 
bilbet ein noc^ in ben folgenben Sa^r^unbertcn immer toieber 
anfd neue erbrterted Zffema. ^ier mdgen nur bte Sieufierungen 
TO. Äling'S (1642) bei @riegenlE|eit feiner SJorfteaung be8 
S^erei^S in ben Enarratiooes in lostitutioriee ad Tit. 1, 10 
de Doptüs angeführt toerben. i$ünf Steinte, meint er, fommen 
für bie fS^ in iBetradit; bai ©etoo^n^eitSre^t Oot SRofe«, baS 
SRofotfc^e <Sefe^, bai Sibtirec^t, baS JReue Sieftament unb bai 
Eanontf{^e Wed^t. $on biefen fei baS jebeSmal ältere burc^ bad 
neuere aufgehoben ober tcenigfteniS corrigtrt uorben. ^ai fano' 
nif(^ fei gültig tf|ei[3 roeil ber ftaifer ficß fetbft unb oHe 
Uebitgen bemfelben in i£^efad)en unterworfen 1)abt, inbem er bie 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



280 Slrtratta StapM. 

Cognition baifibet ben S^tfdiäfeii fiSeitoicä ; t^etlä beSiDegen, bml 
e3 (eit Sa^r^unberten in ber ^ßrosiä eingeführt fei unb beobotfittt 
toeibe. Smein bem Stedite beä Sßeuen ^ftametttg Tonne ti ntd|t 
Dorge^en, biefeä ju finbetii f)abt eä tcine 9Ka(^t. S>at)ei lomme 
in aDen Dom 9}euen Xeftament entfd|iebenen ^Hen itui bicft« 
jUE ^mtienbung, baä fanontfc^e nur fo meit &S mit i^ ntc^t 
in SBtberfpru^ ftelte- äRit bem 9Ieuen ^ftoment im Sibeifpiu^ 
ftel^e eä unjineifcl^ft bejügtid|-bet 5ßricfterc§e; ob audj no(^ in 
anberen £el)ren, fei fticitig, namentli^ in ber S^^age, ob im J^Ut 
bet @c^ibttng Wegen @()ebTU(^S ber unfd^ulbige ^d( fi^ niätn 
bfrtKttat^n bfirfe, ob bie desertio ofine @^e6ru(^ ein ©i^ribiingä' 
grunb, enbfit^ noit locldier re(^tli(^en iBebcutung bei elterliche 
ßonfenä für bie aSerldbniffe ber iKnber fei. 

33er «ngflons biefeä ©treitfl in SJSittenberg ift für bie fort' 
baucmbe ©ülttgMt beä fanonif^en ?Reä)t& entfi^eibenb getwfen: 
benn baä SJeifpiel, weti^cä won t)ier gegeben lourbe, roirfte bt' 
ftimmenb für bie übrigen bem ^ßroteftonttämuS genjonncneit Uni' 
berTitSten'); unb fo toenig in ©ot^fen bie ßanbeägefeggebinig 
ft^ jui ?(6f(^affung beS C. jur. caQonici entfd|lo6 unb ntt' 
{^liegen tonnte, eben fo aenig ift eä in anbem fiänbern gef^e^. 

SfUerbing» aber lag e« in bet Sßatut ber ©inge, bafe fein An: 
fe(|en mel|r unb me^i in ben ^intergiunb gebr&ngt tsurbc. 
3unt ^umaniSmuä ftaub er in einem innem ©egenfn^e, unb je 
melir biefct bie ©eifteSrii^tung beftimmte, befto metjr ^atte fiiti 
bie JReignng bem EiBilrei^t, alä einer Ueberlieferung beiS cla(flfd|fn 
Sdtertljumfl, jugenienbet. 3)aäu war bann bie il|m feinbfi^e refcr 
motorift^c ©ewegung getreten. SBä^renb nodt im Anfang be« 



1) SJcrfdbe ©ttril luiebet^olte fic^ fdbftwrftanWi^ faft ÜberuB. 3" 
2S6iugen j. S9. na^m Si^nrtt 1551 btl twn Öeml^ungen über bie Gtieoriinimj 
bifferb« «ofirion mie btt aBittenbcrger Sucifien. S)cr «uSflong iwit i^i* 
mit in Saufen; nur ba| bie SMa^nt täist ben (Sonriftnrien, fonbeni, «u 
fAon ^«joß Uiri* «tfSgt ^otte, btit ^ergoglii^n fflätfien übtmiefen amtlm- 
»gl. satter, aJürtJembcrg. ^noatreÄt 3. 173. SWanbi^, So^.SiiJorti 
©. 30. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. 2)« &am^ um bae fanonifi^t 91ei^. 281 

Sd^i^unbettä bie golil bei Se^rftü^Ie fflt fanDntf(^e3 9ted^t bte 
füi baS IStinlra^t beftimmten etfiebTitfi Obecftetgt, ftnben Ivtr 
je^t ha& umgde^Tte SSer^ltnifi. ^ Sßtttcnbeig ift unter 
ben t)iec Segenten nad} bei ^unbation bon 1536 nur ein fianontft; 
für 9KaTbure (1529) unb A&ntgSbeig (1546) teuibe in 
ben ©tatuten ouf einen Se^rftu^I für bas tanunift^e Mcd^t gar 
ni^t Sebat^t genommen. 3n Tübingen verfügte bie Otbnung 
Oom 30. 3anuar 1535, bag bon ben biei fianoniften nur ber 
Dtbhtariu« bleiben foB, Weli^er bie jtoei erften ©üt^er ber S)eae= 
talen ju lefcn ^ unb jibar „bOR toegen ber Orbnung bei 
gen(!^tli(^en $toce^ bie ug brm anbent Sucfi ^etretatium unb 
nienbei bog gelert merben mag". SCe^nlti^ bie UniberTttfitä« 
orbnung bom 5. 9tobember 1536. 9Ia(^ ber Orbtnation ber 
Uniberfitdt bom 15. 3Jtai 1557 ift unter ben fed|8 ^rofefforen 
ber ^oiltfit einer, ber Jura canonica unb fonberlii^ ben pro- 
c«B8Dm juris barin" lefen foD. ^ 2etpjig ift 1543 neben 
bem Dri>inartuS, ber ni(^t ju tefen pfCegt, nur no^ ein Setter 
für ben Sertue, unb aa^ SK. B. Cffa meint, baß ein Äanonift 
neben jtori €ibiliften genfige; in ©reifätralbe orbnen bie 
Statuten bon 1543 nur brd $rofeffuren für ri^mtfi^eS 9ted)t 
oKj in Soft od ift 1549 neben brei Eibiliften ber befannte 
Dr. M. ^raciger") ber einjige fianonift; fflr Scna ergiebt ber 
ßectionStatalog bon 1564 , bag nur ober ben lib. II Decretal. 
geiefen utrb; in ^eibclberg ift na^ ber 9'ieform ber Uniber^ 
fttfit bom 3<>^Te 1558 unter ben bter fünften nur einer für 
bad tunontfc^ Stecht unb juiar, bejeic^nenb genug, nur fßr ben 
lib. n Decretal., atfo für ben ^occg, mobei no(^ beftimmt mar, 
büfe, wer Hnbere« lefen fflolle, bor^ bem S)econ unb ber gocuftüt 
ffnjetge machen mfiffe, bamit biefe entfi^eiben tQnne, „ob eS 
ntttylic^ unb ofyx Skriegmig ber d|rift{i(^en {Religion befte^en 
raftge". ©etbfl in SBien unb ^retburg ift btt8 3"'ril'*tT**«t 



I) @cit 1546 in SRcftod guglriiii S^bime ber €tabt; 1553 Sqnbicue 
in ^oiiiburg ; fpat« ftattjln; btS ^jegS Dan ^olfldn • iltottDit). ffir^ 
17, SrpÜrc. 1584. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



282 Biiiram flntnU. 

beä fanonifd^en Ke^tS &eineifti^. 3n SSien fiatte man ^on 
1497 bte lectara decretonun etngc^ laffen tDi^cn, alS unttc 
ber E)umaiitftifc^n ©tibmung eine lectnra iegum ccni^tet nrarbt'). 
3m Sa^ce 1533 be^tonb untet biet unb 1&37 unter bici ^nx 
feffuren nin eine für Eanontfi^ fftal^t, mb ti Vxäi ouSbcnifiic^ 
^emorge^oben, bag man biefe ^to^ur betbe^Iten xooüt, obgltü^ 
fte bei bem Mangel an 31^'^'^''"' "I^ übecflüffig bctioi^ 
uxiben Efinne. S>ei ofabetnifi^ €enat in ({leibutg (it^ 1543 
bie ^tf(^ulbtgung be2 ftanoniften D. J. Oleig gelten, bog n 
mo^enlong bedl^tb n^t (e{e, loeil bte SRaterie ben ©tnbenttn 
gar Utberl^ fei*). 

SlQein bie bed^filtnigmägig fdruni^ Sertietnng fd|(og bie 
9erü(ffu^tigitng bed lanonifi^ fftcä;ti (etnedtoegS auä. @t> 
meit ti baS rfimifdie Stecht abänbeite, mngten feine 93eftinnniiitgai 
in bie cioiliftifi^n SSertrfige eingefiodEiten iDCtben; f&r gaajf 
äRatenen UKiren bie SJet^täfä^e tPOijugSBKife aai iC|m ju fd^Btifen, 
Wie t& benn namentlich für baä fitoteffaalif^e SJeifaliren bie 
aneriannte unb unbeftrittene @runblage blieb ; in ben pnrftif^ 
ISntft^ungen unb @(utad|ten ber ^cuMtot bim e& nodi 
»ie boi jur ffmoaüiung. 91nc bieä tft ju fagen: mfifiienb in 
borigen 3al)rl)unbert ber juriftifc^ Untenii^t übermiegenb auf 
ben @runb bed fanonifi^ 99e^tS gebaut , baS römif^ 9)etf)t 
nur ju feiner (Srläutemng ^beigejogen umrbe, fiatte fitE| fegt 
baS 33er^ältni| umgefelirt — eine It^tfat^, bie juglet^ ©^mptom, 
Stgebnig unb mitttiiilenbe Urfa^ ift bed Snttoac^en^ ber WI' 
bung unb beS @taatsn>efend au& ber Krdilu^ lEtoormunbmig. 

©eBfttocrftanblit^ »orb biefe ÄSenbung ffic bie ioiffenfdiaft' 
Iid|e Bearbeitung bcd fonontfc^ Siet^td oon entfi^eibeiibein 
ein^ffe. !I)aS »iffenf^aftlit^e Sntereffe baron erlahmt; für 
bie [ritifc^e Betfonblung ber Quellen gef(^ieE|t in 2)entf(^faiib 

1) Sint, &t\A. b. Itnitml. Sioi 1, 234. Scüagcn S. 114. 

2] lUfßtii^ fd)on SofiuB 1&23: Jnris cuonici tectio Uotiiai dmi 
eipiravit, cqjns coDBtitntiones m^le ftpod nos propter Lnthenim udiiuiL 
Epjst. p. 63. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. aXelim^t^on. 283 

ni^ti iinb tpenig fax feine bogmatift^e ®tSrteiung. SDie wiffens^ 
f^aftfi^e QeDKgung I^t ftd) an baä lömifd^e Kei^t an unb 
fidDcgt ft(^ Mt ganj auf beffen JSobra. 

SSie man am Snbe bed 3a^rl|unbertä fiber bie ®älttgfeit 
bes fanontf^n Sio^tS in f>Totcftantif{f|en Sänbent backte, erfaßten 
toir anä ^unniuS' tSrßrtenmgeit (de iaterpretatioiie et sucto- 
ritate juris 1615. lib. 2 c. 9). 9}a(^bem ei aDe ®rünbe, tveli^e 
gegen bie ©üTtigfeit angeführt ju toerben pflegen, jufatnmen^ 
gcftetit unb jinn ^f|eil gebiOtgt ^at, liebt er bagegen ^eiuor, bag 
bei in ptahtft^er Uebung befte^enbe ^oce| ;um grSgten 1£t|eil 
auf bem fanontfi^ SJe^t berufie unb bog aud| im Uebcigen 
feine Sefttmnomg auf ben UniDeifhSten unb in ben (Skritl^ten bei 
fnoteftontifti^en Sfinbei fo iseit aneifannt mfirben, als fte ber 
eOIigfeit unb bem natüiltdicn 9ltd)t entfprAdien. %IIein boS 
fanonifd^e ffied^t !omme übet^aupt im beutfd|en 9Iei^ jui STn« 
nKtüiung nit^t a(e ein Oom $a)7ft gefe^teS, fonbem als ein 
9ie(^, OKld^eS buri^ bie 9nei!ennung unfern: ilrörften unb bui^ 
@etDo^tt{|ett baS unfiige gemorben fei. 

7. SÄeland^t^on. 3)ie Sftagen nat^ einet SReform bet 
ffiiffcnf^oft in fqntlietifi^er Sfiit^tung, nje(d)e für bie SuriS* 
prubcnj no^ laum etnfKit^ gefteOt toaien, a(S äßelant^t^on 
1518 nai^ Sittenbecg !am, fmb Qon t^m ^ter in ^fu| gebiat^t 
worbfn. 9Äu6te fi^on bie anSgepifigte Sie^r^ftigfett feine« gaujen 
SefenS antegenb auf feine Umgebung eimuiTfen. fo fam baju 
baS SSorbilb bei »nn i^m mit einer biSfier unbelannten SSirtuofität 
gtäbten bibaftifd|en äßet^obe, bur(^ xotii^e er bie ©lammattf, 
St^etDtif unb 2)ialehtf, bie St^if unb t^eoIogifdEje Dogmatil in 
feinen 9JoiIefungen unb äc^zbää^n ju ftar geglieberten ^J8< 
ctptinen bcrjfingte. ®r jeigte unb fehlte, toic man legten mfiffe 
unb Wie man eS anjugietfen fiabe, um eine in f(^otafttf^er ^r> 
loiining eiftaitte Sßiffenfc^ft fo ju reinigen unb ju geftatten, 
boH fte olS ?Klbung«raittet eifolt unb tebenbig wrrffam »erben 
tStnte. ©0 brfingte benn feine fie^re unb fein SJoidilb baju, 
mit ber ^jEuriSt^iubenj ein @Iei<^eS ju oeifui^en, auS bem l£^aoS 

t D,q,i,i.:dbvGoogIe 



284 Siebentes Stofütü. 

bei fiberlieferten tStele^rfandeit bie lettenben @ebanfen ^erauSjU' 
I&ien unb bte ätei^tSffige felbft au( Iogif<^ @eft(4töf)unfte Jlmic^ 
iuffl^ren. STOdatK^t^on felbft §at fidi mit bem tÖmiftlEien Sa^tt 
bef^dfttgt; er fod auc^ fiber ^nftituttonen ÜSorfefungen gefallen 
^abtn. Unter feinem Sinftuffe abet ftanben bie jängeien Sie^tä' 
gelelirtcn SBtttenbergS: Spelt, £agn9, SHng unb Si^neibe^ 
toin, in beten SBerfen mir eine f^ftemotiji^e unb f^nt^i^ 
SluriSprubenj Wrtreten ftnben. 

aRelani^tlton'ä (i^on ertiiälinte 9Jere^runfl ffit ba8 römifttit 
9te(^t, toeti^e er in nteE)reren Steben an ben ^g legte'), fufib 
auf feinen et^if(^ ^nct))ieR, beren (Erörterung i^n ju bnt 
fragen bom ©tunbe unb SBefen beS 9}ec^tä ^infü^rten '). ^ 
(Sebanfen, tneld^e et in feinen et^ifdt'fi^iIofop[)tf(i^en ®d|iiftn 
über biefe tiöc^ften Probleme eniwidclt ^at, finb leitenb geworben 
fSr bie näd^ftfolgenbe Qät. ^aiat ge^t er Don ber überliefattn 
fd|oIafHf(^en @runbanf(^auung au8 ttnb Pperiit mit beren gun- 
bamentalbegriffen ; er finbet ba^er au^ nii^t bie @lrenjfi^eitH 
jwifc^en bem SSefen beS Sted^tS unb bei Sßoral Wim W 
funbamentale Umtoanblung in ber Suffaffung beS Settf&Itntffet 
Oon ber ffiirt^e jum ©taat, »or allem bie Änecfennung bitfeS 
[ef(teren alS einer ebenfalls gdtttic^en Dcbniuig, ffiE)tt t^n Eba 
bie @d|o{aftif tttnauS. 

3)en Urff)iung olCe« Slet^tS finbet aRelan^ttton in @ottee 
©tHen, ber geloiffe ©runbbegriffe unb 0lormen ber mcnft^fii^n 
SRatuT eingepfCanjt §abe ; i^re ®efflmmt^eit tft bie lex catnrae. 
Ika bann unS offenbarten gfittlid^en SBiQen erfennen mir bnit^ 
bie natüifid^e ffiemunft (naturalis ratio), bie allen SRenfc^ 



1) Oratio de legiboa, 1636, f. oben; de digniute legnm, 1538. 1543. 
1663; de Bcripto jure, oei 1641; de veris legum fontibua, 1650. 

2) §anel, Smelan*16pn ber 3iiti)t (3eilf<^. f. ««^«gef* 0,3*9 
1869), Wo au^ bie aileie Literatur über aKeConibt^im'S %erbieit(te um tit 
SutiepTubenj angt^tim ift. SfättUx, 2ut^ unb bu SurüinL 1873. fi^ 
tommen |iei tiaufitfäAIicb in 9etra# bie Epitomes philoBophiae nonlit 
libri dao. Enarr&tioneB aliquot librorum ethicorum Aristotelia. I>^i 
theologici. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. aRelon^t^oit. 285 

gentfinfam ift, a6ei niif|t ben gieren: ba^i tft jns naturale 
unb JOB gentium etitS unb bQi\etbe, bagcgen bic t6tntfd)e <B^aU 
beftnttion „jns naturale est quod natura omnia animalia docuit" 
ju MiUKifcn. SßetI abn feit bem ©OnbenfaU bie menf^Iic^e 
IFtatut bcin @tbott ©otteS totberftccbt mtb feine SBemunft bun^ 
@elüfte unb 2eibenf^aften betbunfelt ift, borum ^t ®ott fein 
®tbot but^ niK^altee Offenbaiung lein ^geftedt unb be> 
frfiftigt im S^folog, ttielc^er eine «epitome et summa legam 
naturae" barftellt. S>ie erfte %a.^el fccji^f ftt^ auf ben Sienft 
@otted, mittiin auf iai ISer^ältnig bei äßenfdien ju i^m; il^re 
@efiote foQen ba^ ber d|Ttft(i^n (äfaubenSletice an^m. 'S)it 
iUKite Xofel bogegen untfagt bic menf^lid|<irbifi^en ^it^ten. 

2)ie SrfüQung aQet ®ri)ote ©otteS, namentlich aui^ bad 
leiste Scrftolten gegen il|n, ift bie jnstitia uniTersalis ; bie 
jostitia particulariB (@ere^tigtdt i. e. @.) tft bai bem @ebote 
@otteS entfpiet^enbe aSer^ten bei äAnifc^n gegen einanber, 
biejcnigc Xugenb, tvelc^e bai Qa^aaanmkita bei aßenfi^en legelt; 
benn au{^ btefe „societas hominum et Tincnla societatis" ftnb 
von ®ott geoiimet. $ter nimmt '3Rticaii^tf)0tt fpfitei bie noc^ 
in feiner oratio de legibus Denooifene ätrifiDtelift^e Untetfi^etbung 
bcc justitia distributtva unb commutativa auf ; jene beUiift nai^ 
geometrift!^ ^ofiortton bie Orbnung ber ^fonen, btefe regelt 
nat^ ari^etif^ei $rDportton ben ^ufltouft^ ber «Stüter. 

^ä 9Iaturred|t tft banad^ ibentifc^ mit ben Don @ott ein* 
getiflouiten etf|if^n ®runbbegriffen. 9Iud bicfen ^iegt ba& 
pojttiM Siecht (JOB positiTum], beffen Aufgabe feine anbeie tft, 
als bem 92aturre<|t biejenigen näheren 99efttmmungen (linju^^ 
jufügen, WU^ beffen Hnioenbbaifett in listiger Ghmfigung bei 
t^atfä£f|ftd|en UniftAnbe erfoäiert. 2)ad fofitive Siecht totrb gefe^ft 
bunf) bie Obrigtett, unb ba beren Autorität auf @irtted SiUen 
beiuE|t, fo fyit au(| biefeS feine binbenbe ^raft bun^ ©otteS 
ÄiDen, welcher ba^in gc^t, bafe Seber ber i^ gefegten Dbrigfeit 
gitjotfam feü SaiS jus naturae ift untnottbefbar, baS jus posi- 
tiTum UKUtbelbar; abei jened, tote e& uns im 1C)e(aIog unb itn 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



286 Siebnite« AapitcL 

GBOngetium offenbart ift, fdjreibt (eine befttnnnte ©tflaWfomt 
tiOE, fonbein iieftätigt jebe Staatäform unb jebftS @}eft$, nelc^td 
ntd^t mit i^m im Siberftiruc^ ftetit. X)af|ei ift benn bcr b^ 
fte^enbc ©taat unb bai befte^eiibe @efeg unter bicfer 8orQiiä= 
fegung götttid). 

§ierDDn auäge^enb benctTft SDIelant^t^on ben SBiberftonli 
gegen bie JDbtigfeit ; felbft ^itUüi unb Sb»eid|uiigm Don bn 
ißemunft finb als 3flc^t>S>tnfl ®otted ju tragen, fofent fit 
nur nii^t flfinjti^ ber SRotur toiberftreiten , ober fic aänjl^l 
beiberben. Viu& bem|etben @efiif|tS))unEte oertritt er eneigiii^ 
bie ©ültigfett unb ben SSett^ be^ lömif^en 31ed|tS, oieil bit 
mcnfdllic^e ©efeÜfc^aft ber gefi^rtetienen ©efefte ju t^rer ©id^^ 
[)eit bebarf, bie rflmifci^en aber nur bie rid|tig g^ogenen 6on' 
^efluenjen au3 ben natttrlic^en Gegriffen entgolten: ^ub Roma- 
num antecellere legibus aliarum gentium et vere quandam 
pbüoBophiam esBe". 

Siag bie Sleformatoren {päter, burt^ ^ataüftm ber Suiiflcn 
bewogen, ben SBtberftanb gegen bie Dbrigteit, fpecieU ber prott' 
ftantifc^ t$üiften gegen ben Jtaifer, jum @dw^ ber ebangdi' 
fc^en Se|)re gegen JBergeWaltigung juliegen, ift oben brrid|tet. 
3)Ie[and)t^on t)at biefc geanbtrte Stuffoffung in feinen na(^ 1&31 
erfi^ienenen ©t^rtftcn feftft Dertreten, inbem er baoon au«gel)t, 
bog auc^ bie Cbrigfeit ben @e{et^ unterworfen fd unb bofi 
biefe, nrie bie Suriften letiren, getoaltjame ©egentoe^t gegen 3)fi6' 
brauch bcr Stmtäßettalt julaffcn. ffir beruft fid) habet ouf 1. * 
C. de legib. 1, li „Digaa tos est ouyeBtate regoantis, legibus 
alligatum se principem profiteri ; adeo de juris auctoritate nostra 
peodet auctoritas" unb auf § 8 J. quib. mod. testam. 2, 17. 

IDIeland^t^on ^at au<^ eine Vnja^I etnjefner 9}ed|t«fragtn 
wiebertiolt cafuiftifdi erAttett, unter bcnen bie über ben SBud)« 
unb baä ©^rei^t ^ertaoi^u^ben flnb. ffir eriöutcrt bafiei juri' 
ftifdK 83egnffe in populärer SBetfe, aber o^ne jurifttfdie SRet^obe, 
D^ne Unterfi^bung ber morattfdien Gebote Von ben 9tec^töffit^. 
jum 3»«' ber ÜBeru^igung ber ©ewiffen, nii^t ber juriftif^en 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. 3"%««' «pel- 287 

(Sntf^nbung. 3n bei t^rage Übet beit SBud^ Dettrttt ei buidiauS 
mit Sut^ ben ©tanbpunft bed [aoonif^en 9}«^tiS, tiof^ bei ^tbe 
fonft eifüUenben Hbnetgung unb i^cei $en^ning beä lötnifc^en. 
9LMn fte tonnten fi(^ ^ieibei auf bte SutoritSt bei Suriften unb 
nttinentlidi S^tapfi berufen, welcher beburirte (Consil. 11, 12), 
boft bai €il)Uie(^t baiS ftii^Ii^e SSetbot in fic^ aufgenommen 
^abe. SJenn Bon Snftmion (CoU. IX, 14. Nov. 131) feien bie 
Sefttmmungen ber oiei ^aufitconcitien füi ^efe^e eiflärt woiben, 
bas ÜHcänift^e aber terbiete bte 3üifen. 

äRelan^t^oit'S 9ted|tgf)^ilofop^ie unb btbattift^e ^nft ^t 
in tveite fiieife befiu^tenb getnirit. SoI». Dlbenborp'ä ^iJatui- 
it^t ru^t auf jener; unb an Hptl, fiagud unb flting, brei 
Slänncni, \od(^ in feinei Sftätie ^etanmften, foll im golgenben 
gejeigt bKrben, toie emft jegt bie 9(rbeit begonnen ttuibe, bie 
9Ie^tgfunbe aus bem biegen Riffen einei ungeoibneten SRaffe 
Don Segeln ju einei SBiffenf^aft ju cr^ben. 

S. Sofjonn äpel'), 1486 in SRflrnbeig geboren, mar 
unter bencn, mel^e fii!^ bei (St^ffnung ber neuen $o<^fc^uIe in 
Wittenberg (^erbft 1502) immatriculiren liegen, mit i[)m fein 
SonbSmonn @eorg Surt^aib anä Bpait bei inümberg, 
ft)dtei beifi^mt unter bem 9}amen ©palatinus. @r fc^eint 
^liter in Sifuit unb 1516 in fieipjig ftubirt ju ^aben; ba|i et 
fi(^ gnmblid) in ben [)umanifttf^ SSiffenfc^aften umgefe^en, 
e§e er jui 3uriS))rubeni äberging, ift aug feinen ©c^riften unb 
mtit feinen manmgfa^n iBegie^ungen ju ben SSertietem beS 
Humanismus gu fc^Iiegen. 3m Sa^ie 1519 finben hnr i^n in 
SBnrgbncg, DieUnc^t f^on bamols, jebenfaQS 1523 &inomcuS, 
3)octDr unb Stat^ beS ajifi^ofS Jtonrab Don Sürjbuig. VIS 
(Sonintimd ffiai .er, obgleid) er bie $iiefteitoeif)c ntc^t empfangen 
^atte, jum Sfilibat i>ei|)^icf|tet. SfUein gleid^ feinem SoOegen 
Dr. grtebxi^ SU^'i^ t""i ^eibtngSfelb, bem beitrauten 



1) Vtaif)tT, 3. XpeL flu) bem UniwrftiaiB- unb (Bde^Ttenlcbett i 
Sätaätt ber «cfoTmation. 1866. @. 330—338. 445—487. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



288 ^icbtam Sapitet 

greunbe §utteii'8, nerf)eiratfiete er fii^ ^eimlicE) unb }/a>av mit 
euiei fflonnt abeltgen ©efc^led^tö au§ bem ^oftn @t. ftkaif. 
3ur ^eiantiDoitung gejogen, aufgefpi^nt, bte 9Ionne bem ^ftrr 
iuiüdjugeben , bett^etbigte er ttt einer bem fBift^of übtrcääiiea 
.Defensio pro suo conjugio" {(in auf @otte8 ®ebot beiut)enbtö 
Siei^t gegenüter bei nerbetblitiien meitfc^tiAen ©agung. «m 
1. Sunt 1523 ntarb er mit grifc^ei auf ber btfc^Öflif^en ftanjid 
ber^aftet. iBefe^le .ber greilaffung Don Seiten bea 9iei(^' 
regimentS, erlaffen auf @iunb bei äJorfteUungen ber ©efongenni 
unb i^ter iBeiroanbten unter ©erufung ouf ben Slüinbergei 
»eit^StagSbef^Iufe uom 6. SWärj 1523, blieben faft brei 3Roiiüte 
lang o^ne (£ifoIg. (£nbttc^ am 23. 3tuguft 1523 ttmrben fit bei 
$aft entlüffen , mußten Urp^ben unterfdiret&en , Betloren ii)rf 
^frünben unb berliegen einige äSoc^cn fpäter bte ©tobt. iBobe 
begaben fid», »ie t» fc^eint, nac^ iRiicnberg. gifc^er trat in 
branbenburgtfd^ S>ienfte unb folgte bem äSarfgtafen Vlbio^ 
na(^ Königsberg, ^pei loarb auf äintrag Sut^'S unb Suftnd 
3ona8 b. t. im Sa^re 1524 oU «ßtofeffor in Sittenbetfl 
mit 40 @u(beii $)efotbung ongefteQt, unb übernahm neben bet 
i^m jugewiefenen Lectura in D(^. vetere bie lanoniftif^ 
83or(efungen an Stelle beS 3. Snaoä, ber i^m bofüt jö^riii^ 
20 ©ulben abgab. S)iefe gekaufte aEabemifc^e ^^tigEeit Derfa^ 
er, bia 1528 bie Lectura decretalium bem ^ffKir Don Xent* 
leben übertragen mürbe. '^peVi iBefoIbung toor in^mifi^ cr^f)t; 
ber ^rfflrft Sotiann ernennt it|n ju feinem 9tat^ unb 1529 )um 
«etfißer beä §ofgericE|tä in SIBtttenbetg. 3m Safjre 1530 frfflte 
er einer 93erufung ^erjog Sllbrec^t'S na^ ^ntgäberg aXi Kongki; 
er toarb ber Slat^folger feinet 1529 Derftorbenen gteunbed ^i\^, 
gab jebod^ bie in SRet^tSpflege, SSertiKiltung unb politifdien ®^ 
fd^äften manntgfat^ %rt fetir einfbigreii^ SteOung mieber auf, 
oß i^m 1534 feine Söaterftabt Slümberg bie befc^eibenete eine* 
Sonfutenten unb Kbbocaten beä %itf)i anbot, ju ber fti&ter 
nod^ bie Stffeffur am @tabtgerid|t fam. Seine Sefolbung betrug 
300 ©ulben. Stuc^ in feiner neuen ©tettung blieb «pel mit 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. Zofiom SltwL 289 

^jog Sllbm^t in leb^aftec Skcbmbung. ^'k un3 jum ^it 
tr^oltene ^lotreftionbenj jdgt, loie er in groften unb Seinen &ef 
idiöftcn fui ben SRürnbecg befreunbeten S^^teit t^fittg war unb 
namtiTtltc^ bie ®(^iitte unb iBetnü^ungen beä beiitfc^en OrbenS 
gtgen ben ^etjog fwobaditete. Snbeg tuaten i^m nur toenig 
3af)re bed SStrfcnd not^ befi^ieben. Seine (cfion in ftonig$6eig 
(eibcnbe @efunb^t fanb in ber fräntifc^en ^mat ni^t bte ge> 
lioffte ^teOung. gt ftarb am 27. ajml 1536, 50 Saljre alt. 

Unter ben 3uriften bie(er 3^'!- t'fw" ®enißfKn auf fgfte» 
mfltiji^ SKetI|Dbe flerid^tet nwr, tft Stpel ber originenfte. 33ie 
Hethodica dialectices ratio ad jurisptudentiam accommodata, 
md^ ei 1535 in 9ülmberg t|erau9gab *), tft aui 93orIefungen, 
bie er ^itt^t 1527, ali bie UntDetfttfit bet $eft uegen nad) 
Silifieben Deilegt »ar, an btefem Drte unb fpäter in aJittenfietg 
gtiiolten ()at, ^eiDoigegangen. @te ru^t ntd)t nur auf ber 
Sialcftit äKetani^t^on'^ , fonbem tft tooyi unter bem bicecten 
©tnpuffe beSfelben entftanben, unb tDill, toie ber ^ttel fagt, nichts 
Snbeieä fein aU bie Slntvenbung ber Sialeftif auf bie ^riS= 
prubenj. Spe( empfic^tt in ber ©nteitung bte bibaftifc^ Se= 
ffanblung burt^ 3^^>iiiS ^ ©toffS in fet^S 3Ibf(|nttte: 
defioitio, dirirao, causa efficdeDS, effectua, adfioa, coatrarium. 
^tfe äbft^nitte »erben in ben folgenben \e^i fio^iitrin erörtert 
oitb burc^ XabeQen unb SJeifptele ertSutert; ein fiebenteä ^apitet 
be^bdt niK^ bie circamBtantiae, toelc^e er mit bem inagiftralen 
%nfe nquia quid ubi quibns auxilüs cur quomodo quaado" 
jufammenfalt 3)ie Setfpiele ftnb treffenb gemfi^It unb belveifen 
tpd'i atcrtraut^t mit ben OueQen unb ben ©Triften ber 
befjcrtn Siiriften ber Steujeit, fBubäuS, 9IIciat unb giftu^- 

9)>e( fegt für bte äUituenbung feiner ätet^obe bte 9et= 
be^tung ber cjegetifdien BorauS unb entfernt fic^ in fo fern 
mäfi »on bem ©erf3nnnlid|en. 3)er ^ortf^ritt aber liegt in ber 
^tSeittnfac^ung unb ht ber richtigen ^aiji ber (Sefic^tiSpunfte, 



1) Sorimb. apnd Frid, Fejpus. 4". lue (lÄtran «uBgnttn [. 6« 
fflutlid 0. o. O. ®. 458 ff. 

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290 ©iebcntf« Sapittl 

xoeläji tiem äBefen ber Bad)e entnosnmen unb ntd^t, nne bei bei 
fci^otaftifc^en 37?et^obe bed mos Italicus, nur dor augoi ^iin= 
getragene loci finb. @S finb im @runbe biefdben f^ftemattfäKi 
Sategoiten, adt^e f))citer bun^ $eter SHamiiS jut (^Itung gr 
bracht finb, uon 9Ä. SJcjcnbecf angetociüiet »urben unb nw^ in 
ber beutigen f^ftematifi^en Wiet^oie bie Cibnung bei 3!}ai(tdliinf| 
gu 6eftimtnen pflegen: Segriff, Sint^eilung, l£ntfteE)ung, Stielt 
ober SStifung; bem contrarium entft]ric|t ungefähr unfri 
„Untergang ober ?tuf[)ebunfl", bem adfine unb bcn circum- 
Btaatiae Föunen einigermaßen unfece „ißefdiifinlungen , 3Hobifi- 
cationen unb jufä^tc^n (Erörterungen" öerglit^en luerbeit. 

@inen meiteren ©dirttt ^at Sfpel gett)an in fetner laagoge 
per dialogam in quatuor libroB Institutionam D. Justiniani 
Impei-atoris, toeidfe er in 9tfimberg Derfaflte, ober nt^t m^i 
Ijerouägab. ©ic erfdiien erft 1540^). 3n bet gorm rinri 
©efprädjä toirb ^ier nac^ einer fc^rfen Äritit ber ^eriömmlidicn 
Schrott bie grage eröttcrt, ob fi(^ mc§t ber gefammte ©toff 
beS tSibilrec^tö nod) fqftematifc^en tSefii^tSpunFten orbnen. bai= 
fteQen unb fomtt bie Don (^cero erftrebte „are juris" ^- 
fteCcn laffe. 

SSeac^tenSWertl^ finb jimfii^ft bie^^agen bti ©tubtnttn 
@empioniu3 aber bie Unceiftänblic^feit feinet Qe^rerS, bei mm 
fc^on fönf Sa^re mit ber S^egefe ber 3nftttutionen Einbringe 
unb ipofjl nod^ ein Sa^r brauchen mcrbe. MlbcricuS, ein itl)ira 
gereifter ^urift, beftfitigt bie SSefcj^merben beS ©empronind a\ä 
eigener Srfa^rung, fügt bann aber ^tnju, bag er gtädtid^enptiie 
nac^ jmetjfi^rigem @tubium burc^ feinen Oljeim einem tSi^tigm 
Suriften empfofjlen roorbcn fei, bet i^m gefogt ^abe, bafi et. 
menn er nii^t bie ^nftituttonen fo gut nie ferne eigenen junger 
fenne, feinen $rofeffor, ber iBarto(n$ unb iQalbud tracttre, dci' 
fte^en fönne, feibft wenn er fit^ ben Stop^ gerbtec^e. Zu tw^ 
er ftd) bann an bie ^nftttutionen mit ©ifer begeben nnb fte vat 

1} WratislftTiae, A. Viocler 1540. b'. ®(>atm fluigaben hi 
gRut^rt a. a. O. ®. 464 ff. 

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8. 3000101 Kxt 291 

§nlfe not» tctum, buri^au» nit^t berühmten ?ßtiB(rtIe^et8, bei 
äim unb mificn anbem Sfnfängem biefelben ht feinnn $aufe 
nCäutert ^be, in einem ^afyct gelernt. 2)ann erft I^be er bte 
Soriefungen bei ö^taüiäfm ^rofefforen mit ©rfolg ^ören fönncn, 

9}ad^ biefer @mt)fel)(ung ber Snftitutiomn aU unentbe^rti^er 
Sinlritung unb einem noc^brfidlic^en S^bet bei berühmten $ro< 
^oien, bie bei i^Ten gelehrten Srörteiungen nut ifiren eigenen 
Sju^m nnb ni(^t ben 9}ugen ititer 3>i^B<^ i<" ^"S^ I)aben, isirb 
als bcitte ^cfon ber 3uri(t ©ul^itiuä, ein ^eiDOFiagenber, geiftig 
ül)ei(egenet SNann, in ba8 tStefpiädi eingeführt. 

@u(t)itiud, buid^ beffen SRunb 9lpd feine f^ftematifd^en 
dMumfen entwicfelt, beginnt mit einer Jhittf beä Snftitutionen^ 
fqftrmS. Persona fei ni<^t ein befonbered ®tiid (caput) beS 
Ginitret^tS ober ber SSnrtSpmbenj, fonbern nid^ts Mnbereä als eine 
circumstantia tuie causa, locus, qualitas, quantttas, eventus. 
3!ur nxil @aiu3 bemeift t)abe, bog biefe circumstantia im 9tfäft 
mt fo giDge SJoIIe [piete, ^abt er ei für jnKrfm&gig geE)aIten, 
fte abgcfonbert ju bc^anbeln unb ben beiben feilen ber SnriS' 
fnubenj beizufügen. 3n ber Seftimmung bicfer %^e fei aber 
bie 8e^(^nung beä erflen burt^ ,re8" untoerftönblii^ ; benn 
^res" fiknne man ätllee nennen. iBeffer toAre «i getoefcn, toenn 
@ittud dominium gejagt ^tte ; bieS fei bei i^m unter res ju 
»erfle^ unb bübe in ber 3:^1 ben erften I^il be8 Sec^t«. 
3fl bieS aber xiditig, fo folgt, bag bei anbere ^ei( nic^t actio, 
fonbern obligatio fei: benn bie actiooes feien nur ofücia ober 
effectu« be« ©genttjumS unb ber Obligationen. STuf biefe beiben 
'ifyiiit ift aaeS, hjaS ft(^ fonft im Meii)te finbet, ju beilegen, 
enliDdier ald Siedle ober ^peciti, ober Urfac^e, SSirfung, 93er= 
nHinbteS, ©egenfaj ; boneben ftefjen bie circumstantiae, Umftänbe, 
iotüft überall mobificttenb eingreifen. ®ulpitiuä entloitfelt nun 
niiflt ein boDftilnbige« Sleditefpftem nad| ben angegebenen, ber 
MeUiodica dialectices ratio entfpred|enben ©efid^tSpuntten, fon= 
beni entttmrft nur ein ©djema für bie ©noerbSgrflnbe (cansae) 
be3 @igent^umS unb bie @ntfte()ungSgrünbe ber Obligationen 

19* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



292 «SiebMiteB flapitri. 

itnb bcren STrtett ; bann bec ^ufl)e6ung beiber Sla^te unb ha 
Sint^eilung ber ^ogen unb Sinieben. haftet Uxtntt ei fti|i 
tieffenb bor ber Sertticififelung ber modi ■ acqnirendi dominii 
mit ben cootractua unb delicta. I£$ ^abe baf)ex oii^ Itinen 
©tnn, bie donatio, mte eä in ben ^nfKtutionen gefc!E|te^t, mbm 
bic Ufucapien ju fteHen: Dietae^r muffe fie, nac^bem Suftinion 
baS pactum donationis für (lagbat erflärt fpbt, ben Sonfenfnoli 
contracten angerett)! Werben; bie mortis cansa donatio fei ju 
ben ultimae volantates ju fteQen. 

?(pel eriäf|(t ^ter, ba% er in feinen fpftemattfc^cn öctroiti' 
tnngen roefentUi^ unterftü^t Uorben fei burdi einen .libellos 
Institutioimm", ben er in einer 9tbIiotE)eI in Königsberg, Don 
©taub unb SBflnnem angefccffen, gcfunben. 3)ie briben litrf 
de jure et jnstitia unb de jure naturali btlbeten bann eine 
Einleitung in bad gauje SBeiC. ^ais erfte Sudi ^aid>de de jnre 
pereonaram ; baä jtneite reii^e bifi jum 2itel de obligationibus; 
bad britte bis jum ^itel de actioolbus, meli^em ber Xitri 
quibus modis tollitar obligatio unmittelbar bor^ergetie; bie 
actiones bilben ben Sntialt beS Dierten 8uc^§. !Cer ^el de 
donationibus ftet|e uic^t an ber ©teQe, uo man tt)n \t^i ge= 
tDöt)nli(^ in ben ^ftttutionen fiube, fonbern fein Anfang (de 
mortis causa donatione) fte^e fjintet ben ßegaten, boä Uetrige 
()inter bem Xitel de mandato, alfo bei ben Sonfenfualcontraden, 
wie eä bie richtige ©Qftematif verlangt. 

5)oä f)ier beft^riebene Wäexl ift tto^I fein onbere« ol8 ber 
fog. Brachylogus juris civilis, beffen elfter Sntbtder 
banai^ §[)]el genannt toerben mug. JBebenfen erregt eS adet' 
bingä, bag leine ber jegt tiorlianbenen $anbfd|riften genau mit 
bei Von SIpel ^arafteriftrten fibereinfttmmt unb feine in baS 
Zeitalter ffaifer Sottiar'ä, in loetdieS er bie feinige Derfet|t, juriW* 
reicht. Stttein nid|t nur bie bon ben Stnftitutionen Sufttninn'» 
abtneic^enbe ^t^etlung ber S8ü(^cr trifft ju , fonbern aucfi bie 
Sluffaffung ber donatio inter vivos aU @:on{enfuaIcDntT(ict 
(Bracbyl. 3, 12), unb man barf ba^r ffio^t bie ^crmutiHins 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



i 



8. 3o^ii «pet 293 

tnagoi, bog bie beitoiene alte §anb{d|nft ben Sia^^Iggue in 
jetnec urfpcQngltc^en ^orm ent^elt, beten Drbnung unter bem 
tm^ffe bec Q^Ioffatocen ^päUt geänbert rooiben tft, um bie 
Ueberemfttmiiiiing mit ben Snftttutionett ^eriufteQen. i&ann 
müßten ollerbtiigfl aud| bie SBorte im Brachyl 3, 12 ^de qua 
(dooatio) anperios dictara est" ein fpftteret 3"fi6 ifi"- 3Bec 
ober bie 8^tung ber ©loffotoren, i^re @Iei[^gflItiQfett gegen 
fqftematifc^c 0ragen, baS ©euiic^t, toeld^es fie auf bie 3uftinta<= 
m^ Dcbnung ber Zitel fegten, fennt, mtrb eS nii^t auffallenb 
finben, ba^ unter i^m @inf(ujfe bie ft)ftematifc^e Sßerbeffening 
bei formalen Uebtreinftimnutng gum Opfer gebracht tft. 2)te 
bütorifdie Sebentung feinet gunbefl t|at St]»! ni^t bemerft. 
S)ie Stt, tuie er von bem „libellue Institationam, aonis abhinc 
400 conscriptuB" fpri(^t, (figt annet)men, ba| er ed mit einer 
iKtnbfi^rift ber faiferli^en ^nftitutionen }u t^un 5U ^aben glaubte. 
J$i. SalbuinuS tierftanb tl|n (In Ubros InMitutionnm commen- 
tarü 1548) in biefem @inne, unb eS bilbete fi(^ bie ©age Oon 
einem „uralten SRonufcript ber Snftitutionen an ber Oftfee", 
ba^ eine abtuei^enbe Oibnung ber äRaterten enthalte. Kpel 
nxii bei Wfinung, bag biefl bie utfprünglidie fei, tseldie aui^ bie 
,architecti lostitationum TribonianuB, Theophilns et Doro- 
thea»" anerfennen mürben, Wenn fte Don ben ^bten auferftiinben. 
3He Don i^m Deitretene Orbnung büife ba^ei nidit atö 9!euerung 
gefdimfi^t toeiben. 92eu lönnte fie nur foli^cn fdieinen, meldte 
bie gütige äKditd^äreltgion für ftltei eitlfirten ali bie uns uon 
ben Äpofieln gelehrte, benen Hccurfina ber „alte" unb Ulpian 
ber „neue" fei. SQeibtngS mufi man bei Stpel grofie glä^tigfett 
bei !&un^fl(^t Doiauflfc^en, Wenn er loiiflic^ ben 9ra(^QlDguS 
bot f{(^ ^otte unb feinen Unterfd^ieb Don ben Snftitutionen nur 
in ber Snorbnung bemerfle. 

%et SSiadi^IoguS tft juerft 1Ö48 in S^on (ap. Senoe- 
toDtos f.) hinter ben ^nftitutionen gebtucft. S)te jloeite ^uSgabe 
Lovan. 1551. 8* giebt Mpel'a Sfagoge als ?In((ang. beren S8or= 
ticfflic^Ieit ber Sut^brudei rü^mt, o^ne, toie ti jdietnt, bemerEt 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



294 StebmuB Jtapitd. 

ju ^aben, bag bet Vetfaffei in biefer <Sd|i:ift eben boä ebirtt 
„Corpns legum' bef^reibt. <£i t|at tDot|( bte einft^Iagenbt 
Stelle eben fo wcftanben nie iBatbutnuiB. X)iefe JBecbmbiuig mit 
"üptVi Sfagoge ift in ben ja^Itetdien S(uSgaben, iDel(^e bn 
IBradi^Iogud (fo genannt jucrft Lngdnn. 1553. 8*) btft in ben 
Knfang beä 17. ^a^r^unberts erlebte*), ntc^t toidKtltDlt unl> 
bie innece SBejie^ung beiber ju einanbn gar ni(^t bemeift Woriten, 
bid bei Utreci)ter ©ele^ite e^tiftop^ ©a^e 1777 bie ,ent< 
bedung" machte, bag %pti ben ^adiQloguS nid|t nui gefannt. 
fonbein fogat {elbft Uerferttgt unb etngeft^npftcjt ^be. !Diefe 
auf (uftigen Kombinationen gebaute fB^auptung ift, nadibcm fit 
eine Qät lang nac^gefptoc^en motben, suctft Bon ^^. gtiebt. 
SeiS in aRarburg (1808) befämfift unb feit ber SnAeifung 
ber SBiener |)anbfc^nft (saec. 12—13) bucc^ ©abign^, ntelt^ 
nod) aSeid am iSd|Iuffe feinet Slb^anblung*) metben tonnte, 
befinttib befeitigt 

Stdfua mit noc!^ einmal ju 9^1'^ Sfagoge jurüd, fo ift 
noi^ auf baS legte S)nttel (jinjuttieifen, in toclc^ fic^ @ulfntiu^ 
übet bie wiffenfc^aftlidie ißottierettung bei SfnfAngecS unb ütn 
ben tid^tigen @tubiengang in feinet unb fe^r ))tCantn SSeife txr= 
btettet. 3^ (Sadie na^i ftnben mit btefelben gebauten, Dtlc^ 
»ii bei dantiuncula, ^enborfinuft unb tjctanj t^oft^ begegneteu. 

3)a8 Scmerfenftmert^efte abtt tft biefed, bag in ben bcilKn 
©ditiften 31pet'8 jum erften WaU bie überlieferte llntef 
{(Reibung beä jus in re unb jus ad rem gum guntKi< 
mente eine^ 91cd|taf^ftemd gemadjt rotrb. 9tm ^luffe brr 
^ialrftit entmtrft ber SJetfaffei foIgenbeS ®<^ema: 
Juriaprndeiitia tractat 



a) cnjna piirtes 

proprietas, OBOifructni; 



1) Bock lag, CorpuB legnm. 1829. p.XCIV— CXI: IiidM editiomu''- 

2) Index lectionDm in academ. Marburgenei per semeatre bibennun 
1808 habendaram. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. So^iin Kfd. 295 

b) cuju« speciea 
directom, ntile; 
ä.-qnAsi domiDJnm (b. f. possesBio); 
3. jiu in re Bpecificum. 
n. Jna &d ran, quod Mt obligatio, 
GuJDB BpecieB 

1. natunlia, 

2. cirilJB. 

Uefterrinftinunenb in ber ®ac^, nur in ber Terminologie 
a6iDet(f|enb ift bie in bec Sfagoge gelehrte @[tebcrung bed 
@Qfteinft; an bie SteQe beS jus in re fe^t ec donuDinm et 
ejas affinia, fbitt jus ad rem [agt et obligatio. 

Sng mit tiefet @^ftematif jufammen^togenb ift bie ^tei 
juetft *) mit S9efttnunt^t ait8gef)>rot^<ne Untecfc^eibung bei 
titaloB nnb modus acquirendi. 3n Reiben ©cfiriften 
(Method. dial. r. cap. 3 de causa) htamt Upd nad)biü(fiti^ 
Doi bn Senoec^felung unb 93mnengung ber Sontiacte mit ben 
StmerbSaiten beö ISigent^um^. 2)ie causa dominii fei bec 
modoB acquirendi; ber coutractus fei bie causa obligatioais ; 
inrifc^ obligatio unb modus acquirendi beftclfe feine Deitere 
@enieinfc^aft, aii bag ber contractus biätueilen bie causa tradi> 
tionis fei Sie bemnai^ bie traditio (neben anbern modi acqui- 
rendi) bie causa proxima beS @igentf|umg fei, fo fönne bei 
contractus bte causa remota genannt tuerben — aber nur bei 
ber Xtabition, Äppre^enfion unb Ketention. S>enn ber, welchem 
trttbirt iDorben, fei ©gent^flmer nit^t einfach beSmegen, Voiii ifjm 
trabirt toorben (er ben Seftg erlangt tjat), fonbent neil eS ex 
causa emtionis u. f. tD. gef(^t|en. 

3)ie causa proxima einer actio personalis fei bie obligatio, 
Me causa remota ber contractus. ©ne arge UnElacfieit fei e^' 
bogegen, menn bi^rocilen ber contractus aut^ aii causa remota 
ber rei Tiudicatio bejeic^net merbe. Site richtige SJei^cnfolge ber 
Sonfalität fei Bietme^r biefe : 1. contractus (emtio, donatio etc.), 
2. traditio, 3. dominium, 4. rei vindicatio, luonat^ alfo ber 
1) St. ^ofmaitn, bie Üetiit uom tituln« unb modu« adquireodi. 
18J3. S.20ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



296 Siebentt« SoJfitÜ. 

coatractus ni($t bie causa remots ber rei vindicatio, fonbent 
ber traditio unb fotgCidi nui bie „causa cansae remotae' bn 
rei viadicatio fei. 

UebctgenS, ffigt 'Hpä ^inju, fei biefe Unterfdieibung nur 
bei ber 3:iabiHoTt anti>enb6ar. !£)enn bie übrigen ®nottHaxtta 
beS Sigent^untS festen Feine causa borauä, fo bag fii^ tim 
brei ©tufeu ergeben: 1. Occupatio. 2. Dominium. 3. Rei 
vindicatio. 

9(|)el ift bemnadt als ber Urheber jener fange ^rft^enben 
unb erft in unferm 3aE|ri|unbert angefoi^tenen unb Deifqftntn 
^eorte uom titulus unb modus acqoirendi ju betrauten. 3^d^ 
tft »on il^m ber Sudbtud titulus nit^t gebraucht unb, toai 
nichtiger, bie Unterf(^elbung ber causa unb bed modus acqoi- 
rendi gonj auäbrürflii^ auf bie Srabition befc^ränft. 23er ooD- 
fommen richtige f^ftentatifc^e <§lebanfe ift bann erft f))ätei Mi< 
aUgemeinert unb baburdi DeninftaÜet worben. 

©er Srfte, ttett^er ^tpd'S ©ebanlen, jebo(§ in unflottt 
EarfteÜung nriebergob, ift Olbenborp geioefen (Opera tom. 2 
class. 3 p. 268). 'Stw^ i^m unb unter Berufung auf Slpel 
beutet Spiegel im Lexicon juris civilis (3. Auflage 1&46) 
B. V. Titulus bie Unterf^ibung Don causa unb modus an. 
@ben fo BetWeift Dlbenborp in feinem Lexicon juris civilis 
(1547) s. V. Titulus auf feine Sludfii^rungen an ber bejeic^neten 
©teile. 3n bem LexicoQ juris bon ©iraon ©diarb (tlö^3) 
ift bie SteQe aui ©ptegel lobrttic^ nriebettiDtt. ^ett)aib ^orfi 
(Dfll. ffap. 11) ^at bie Unterfc^cibung jucrft (1579) f^flematift^ 
uenoertliet. 

9. Jionrab SagnS'^), ber feinen beutft^en Stomen $afe 
nodj ber ©itte ber 3eit gräcirirtc, ift um ba« (Snbe be8 15. Z0' 
((unbcrt* ju Slreuiburg in Reffen geboren , (jat in Üeipäifl ""'• 
Sffiittcnberg bie allen ©prac^en unb bie pt|iIofop^if^en Siiäri' 

1) mutier in ölatcr'S Sa^rtüi^eni für ®(feDft6aft8- unb Stna* 
UJtitfnft^aÜen b. 394—424. 1866. 3)rrfelbc jur «tf^iditc bet Stct^HtvirKv 
(4oIt unb bct Uniuerfttatcn in ^cullc&lanb. 1876. ®. 299 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. Sotitab SaguS. 297 

plinen ftu&trt imb al8 Se^rei in tier Ätttftenfacuttfit ßewitH. 
©rit 1522 (ebt er in äBittenbeig, totrb Mag. artinm, befleibet 
aitz feine ßffentÜi^en £e^T^teQen, fonbent tjölt eine ^rivatfc^ule 
mit Sßenftonat. @i tnenbet f!c^ jur QuriStirubetts unb erHärt 
|einm ^^gltngen bie Snftitutioncn , treibt bie Sboocatur, »itb 
gefuditer Met^tSconfuIent unb 9Iotoriu8 ber Unitierfttät. «Sein 
StltiimgSgang , foteie bec ^in^ug Wüan^tffon'i unb Sodann 
^'» fügten t^n ^nt f^ftema^i^en 8eI)anMung bed 9)e^td. 
@ai^(^Ii(^ im ^re 1535, aVS bie UntUerfität ber ^eft 
negcn von SBittenberg borfiberge^enb na(^ Sena i^ertegt würbe, 
^t er jnerft ben 83erfud| gemati^t, „bte Slet^tiSmaterieti ju einem 
SöTper ju bereinigen, an met(^em ber Sernenbe fofort loa^t' 
Deinen föitne, auä loelt^en ^auptgftebem bie JKec^tämiffenfdfaft 
unb beren Softem im ÄDflemeinen beft^e". ©t btctirte ^iei, 
iUpdidi ffiie SIpef 1527 bei iSeriegung ber Uniberfitfil nad) 
S<f|lteben, ba eS an bem fi&[td)en S^t^eroonat^ fe()Ite, feinen 
^u^Örem bie f^ftematif^en Sfemente be<S 'Sieäfti, bie@runblage 
feiner Methodaa. 

^ie oon bem ^erfommen abraei^enbe 3D?et^obe uar für 
Saguä ein $inbemi|| ber Säcfürberung ju einem öffentlidien SeEir=> 
amte. 3a birect gcflen feine fie^rt!)ätialeit fi^int ein turfürft» 
lidie« Mefcritrt »om So^re 1538 ßerit^tet ju fein, meldte» allerlei 
<Scbie(^ ber Umtierfttät abfteUen foQ unb u. %. au(^ benjenigen, 
bie in jnre lefdi o^e juöor eine orbentlii^e ©^ule bur^gemad^t 
JU l)abfn unb fogor gegen bie tjergebrac^te fie^rmet^obe aufjU< 
treten magen, biefe Stnmafeung unterfagt. 

f&i »irft bie gebrüdte Stellung, in ber SaguS gehalten 
mürbe,, ein eigent^üniltdieS fitc^t auf bte afabemtf^en guflänbe. 
Cffenbar galt er m(^t als jünftig; eS fehlte i^ni jebe äußere 
Beglaubigung junftifil^et @ele^rfamfeit; bie äSorträge aber 3n' 
ftttutionen Ratten o^ne^tn nid)t bie DoHe 9lnerfennung juriftift^er 
Secturen, unb ner nti^t magistraliter unb more Italico bie 
CueOen be^anbelte, erfditen ald ein oberfläi^Ud^er 9Ieuerer. 
9(t)tl, ber anberS geur^eilt ^aben uriirbe, mar nic^t meE)r in 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



296 ©ic&mh» Äapltri. 

coDtractus ntd)t bte causa remota bei rei vindicatio, foniKm 
bei traditio unb folglich nur bte „causa causae remotae* bor 
rei vindicatio fei. 

Uebrigeng, fügt Stpel ^tnju, fei biefe Unterfi^ibung nni 
bei bcr 3:robitton amoeubbar. SDenn bte übriflen (Stwerbäorten 
be& Stgent^umS festen lehte causa uorauä, fo bag fui^ tiui 
bret Stufen ergeben: 1. Occupatio. 2. Dominium. 3. Bei 
vindicatio. 

9(pe( tft bemnacl alä ber Urljeber jenei lange Ejerifd^beii 
unb etft in unfenn ^l^rliunbert angefoditenen unb oeilaffenen 
^otte Dom tituluB unb modus acquirendi ju betraditen. Sebodi 
ift Don t^m ber SluSbcud titulus nti^t gebraucht unb, ttuS 
toti^ttgei, bie Unterfdieibiing bet causa unb beä modus acqui- 
rendi ganj aitsbtfld(i^ auf bie ^tabition befdiifinft. 'Sxx toll' 
tommen richtige f^ftematifc^e ©ebanfe ift bann erft fpdter Dti« 
aflflemeincrt unb baburc^ berunftattet rcorben, 

2)er ©rfte, »clever Slpd'ä ©ebonlen, jcbo^ tn unfimr 
3)arftenunfi Wieberflab, tft Dtbenborj) getoefen (Opera tom. 2 
ckss. 3 p. 268). Vtait t^m unb untei Berufung auf ^pel 
beutet Spiegel im Lesicon juris civilis (3. Auflage 1546) 
B. V. Titalus bie Untetfdietbung Don causa unb modus an. 
@ben (o bettoeift Olbenbotp in feinem Lexicon juris civilis 
(1547) s. V. Titulue auf feine Ausfüllungen an bet bejetdinflen 
©teile. Sn bem Lexicon juris l]on @tmon ©c^arb {fl^'iS) 
tft bie Stelle auä @)}tegel n)5irt(id^ roieber^Dlt. S>etE)aib $oift 
(Bgt. ^p. U) ^at bie Unterft^eibHng juerft (1579) f^fientatifc^ 

9. fionrab SaguS'), ber feinen beutfi^en Sftomen ^aft 
na^ ber ©itte ber Qdt gräärirte, ift um baS (Jnbe beä 15. Sh^p 
^unbertS jii Steusburg in ^fen geboren, ^ot in üetpäifl «"*' 
SJtttenberg bie alten ©prai^en unb bte |)§ili)ftip!^if(^en iBtäri' 

1) 9K 11 16 er in 0Iat«r'8 So^rbüi^cni für ®e|Enf*Qft8- unb SlaalS- 
»Hfentc^oftcn 5, 394—424. 1866. SJeifelk, gut ©ef^i^tt btx Wc*lflli>irTEn' 
\<iia\t unb bet UniDcrfitätcn tn Slcutf^lonb. 1876. S. 29Ö ff. 

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9. fiotimb SaguS. 297 

flinen ftubitt unb als SkliKr in ber atttfienfacuttät flewirft. 
@eit 1522 lebt er in SBtttenberg, toirb Mag. artium, beHetbet 
über feine öffentlichen fie^tfteHen, fonbern ^Sit eine 5ßriBatf(^ulc 
mit ^Scnfionot. et »enbet fitfi jur QuriSprubeni unb crflärt 
feinen 3^glingen bie Snftituttonen , treibt bie Sbbocatur, mirb 
geiuc^tet SRe^täconfuIcnt unb Kotoriu« ber Uniöerfität ©ein 
SUbuugdgang , (offiie bet Sin^ug äRelant^t^on'e unb Sodann 
"üpel'i fuhren t^n jur fpftemattfi^en ^etianblung beS 9ted^t8. 
Sa^tfd^einKc^ im 3a§te 1535, a[8 bie UniBerfität ber ^eft 
iDegen Bon SBittenberg tioTübetfle^enb mäf 3ena Betlegt nutbe, 
(|at er jnerft ben Sßerfu(^ gonat^t, „bie Stet^tiSmatenen ju einem 
Stjkp€t jn wteintgen, an Welchem ber Sentenbe fofort tna£jcä 
nehmen Fünne, auS UKlt^en ^aufitgliebem bie ätei^tätuiffenfdEiaft 
unb beten ©flftem im ^IQgemeinen befte^e". ®r bictirte ^ier, 
5^n(i^ loie a^iet 1527 bei Sßerlegung ber Unioerfitat na^ 
<S{^(icben, ba ti an bem üb(id)en SBüf^eraorrat^ fe^tte, feinen 
^ufidtecn bie fqftnnatifd^en Elemente beS 9lecE|tS, bie @runblage 
fetnn Hethodos. 

ICie bon bem ^eilommen abnieii^enbe äRetI)obe UKit füt 
SaguS ein ^inbentig bei iBefütbening ju einem Dffenttid^en Se^t^ 
omte. 3a bitett gegen feine ßefjrti^ätigfeit fc^eint ein turfflcft. 
(idies 9lefcrit>t bom 3a^ie 1538 gerichtet ju fein, tod^ei aQetlei 
(Mtt(^ ber UntBetfität abfteUen foU unb u. %. au<^ benjemgen, 
bie in ja» lefen otine (uBoi eine otbentlii^e @^ule burc^gemai^t 
jit Iioben unb fogar gegen bie fjergebrac^te ße^rmetf)obe aufjU' 
tieten loagen, biefe ^nmagung unteifagt. 

ee tpirft bie gebrficFte SteQung, in ber £agu8 gehalten 
unitbc,. ein eigent^ümüdieä fiic^t auf bie afabemift^en guf^it^c- 
Cffenbar galt er ntc^t als jünftig; eS fehlte it|nt jebe fiufjere 
%9(aubigung juriftifc^et ®elc^rf amtett ; bie Vorträge übet 3n> 
ftttntioncn ^ttcn otjnefiin nii^t bie ooHe ^luetfennung juriftift^er 
Settuien, unb UKr ni^t magistraliter unb tnore Italico bte 
CatUen belianbcUe, eif^ien aU ein ober^äc^liii^er ^teuerer. 
^Vd, ber anbere gciiitt)ei(t I)aben mürbe, nar nid|t me^t in 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



298 ®itbtnte« Sta^iUL 

Sittenbf tg. 3ene auf üa^ai gemünjte Stelle beS 9tefcn))M ift do^ 
bem ISinftuffe beä ^ieionqmuS Sd^üipf imb beS Dr. SR. d. iDifa, 
bei bamald in bei futfürftltc^ fianjtei tt^ttg toai, }Uiuf(f|nitien. 
Sä toubet^olte fiel) ^ier nur bie un9 ^on t>efannte (»gl. obn 
@. 122 f.) (Erfa^ning beS Sibetftanbei , bem 9tattnaigen bei 
Se^cmet^obt bei ben ^dcul^^t^tt fnb Sef)örben begegneten. 

3>em £agu$ tpar felbfttiecftänblidi biefe @erinflf(^^iing 
ntetE)Dbo(Dgifc^er Seftrebungen {eE)t mo^I betannt; er toulte, bafl 
er fi(^ burd^ fie äugere (Geltung ntc^t eittwcben fönne. ^teroul 
etflfiit eS fi(^, bag er feinen 3"^)^n nad)bra(flt(^ einfi^ifie, 
fein Sitctat nur ju ilirem $rtiwtgeEpiau(^e )u bemKnben unb 
nic^t JU DeEdffentli(^en. „S^enn", fagt er fctbft, „ic^ mugte 
»0^1, ba|i foldie SBeife baS 9ted|t ju teuren aQen benen DcifiaBt 
unb täc^eilit^ (ei, melttie im öefiß be« Äat^r« unb b« onei- 
fannten Sfutorität, an ber ^eigebrad)ten 3Ret^obe fefttialten." 
Unb bie 9tü(ffi(t|t auf bie tierrft^enbe 9Hrinung ift eiS, meiere i^ 
au^ f))ätet bie Sntrfige auf ^ublication ablehnen liefi unb it)ii 
jU einer üffentltc^en „^lotcftation" brängte, a\i bei 3)nul 
bnino(^ gegen feinen ÜBillen gef^^en uwr. 

9tid|t lange nad) jenem »erte^ben Stefcript trat bei 9)at^ 
tum 2)anjig mit SaguS in tlntciE)anbIungen, um i^n ats Sqn- 
bicuS ber ®tabt ju getoinnen. äßelani^t^on tvat eS, ber bie 
SBa^E beS 9tatf)ä auf äaguä gelenft ^atte. 9Iac^ (fingerer $ei' 
gbgerung beä Jtbfd^luffed narb i^m am 17. 3uni 1&39 eine 
SSeftaDung auitgefertigt, in melc^er u. "&. au(^ befnnbei nriib, 
bag fiaguä Derfproi^en tiabe, getegent(td) juriftifcfie Süottefungen 
ju twden. MÜein erf( na<§bem er im folgcnben Sa^re in Sitten' 
berg bie ^DCtotloUrbe enoorben, trat et bie SIetfe an, geleitete 
feine tÜamilie bis Stettin unb ging »on ba ün ^(uftrage M 
!£ianjiger IRat^S na^ fiübed, um an ben ißer^nbbuigett 3^cil 
JU nehmen, in meldien bie Sandiger (Sifa^ beS St^abenS, ben fie 
buid) bie Sübeder jui @ee erlitten Ratten, jU erlangen fui^ten. 
3n feiner neuen Stellung raarb er ju ben mannigfolttgften @e- 
fdjäftcn, namentitdi auc^ ju politifi^en SNiffinnen Denneitbet; 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. Itoimib SosuB. 299 

urir fiiiben it)n in äßarimbucg, in ffiöntgftberg beim ^jog 
SlbtM^t unb »iebci^ott in Aiafau. Sine Sintncetfe (1546) 
an biefe polt^d^i 9ttftb«ti touibe föt tf)n »er^gntgnoU ; fein 
SSofien umif um unb bie ba6ei eiltttene f(|n>eie ißeile^ng feinet 
9xuft fvifttt aaäf einigen 3)tonaten feinen Zob f}ttbei (£r ftaib 
am 7. Stobembec 1546. 

®ein oben eitDä^nteS f^ftematif^eö S)tctat War in^ 
itwfdren 1643 bei Sgenolf in gianEfurt a. SR. unter bOn Xittl 
, Juris utrinsque methodica traditio" erft^ienen — unter feinem 
Uamtn. aber gefien feinen iEBiaen. Sgenolf ^atte bai äSanufcn))! 
Dm einem 9Bittenbetger ©tubenten gefauft, bann toteber^olt ben 
Sntor briefüd^ gebeten, bte äRängel beSfelben ju twrbeffem tmb 
bie ^bltcation ju geftatten — aUetn Sagnä lehnte baS (Siftere 
ab unb wrbat bie ^^eröffentlidiung. SIS fie bennoi^ gef(^t)en 
tpar, ßefi er im 3al|Te 1544 eine „Prot«etaÜo adverBos improbam 
aoorum commeDtariorum — «ditiODem ab Egeoolpho Eactam" 
eif(^eiiien, ein @enbf{^retben an ben S)ruder OporinuS in Safel, 
bcx i^n ebenfoIU miebec^oEt um bie (£rlaubnig gebeten Iiattc, 
bie MeÜiodua pubUctren ju bürfen. Slie in ber FroteBtatio 
anSgefptodtene Seft^ulbigung beS $(agiumd fu^t (fgenolf in 
feinet balb batauf erf(^ienenen Defeado sucüdjuuieifen ; unb 
iubem er auefülirt, bog bte ^ublicatton für Sague unb bas 
Snc^ nur bort^eil^ft fei, ba bie unjfttifigen 8(bfi^riften, melt^ 
oon bem SMctot bcrbieitct mfirben, tion Xag ju Xag fet^fec^aftei 
geiooiben fnen, inftnuirt ei, ba^ &igu3 ao[)( nur burc^ Oporinufi 
anfgeftiftet fei, ber feinem Soncuiienten ein 9Bed ni(^t günne, 
um beffen Scriag er fii^ felbft bemüht tiabe. 

ZHe Protestatio ifl intereffant buri^ bie ^eugerungen beS 
SaguiS übet bie 3i«(e, iwlc^ er bei feiner ars juris t)erfo(gtc. 
JlSenn, meint er, Stcero ed für ein Seidfteä geilten E)abe, baS 
Stecht unter gewiffe il^ümgäglieber unb fo in ein Softem ju 
bringen, fo loärbe bieS boc^ nur bann n»^r fein, nienn in let^t* 
fitzen klingen aOein bie naturalis ratio leitenb märe. %ü.nn ba 
nii^t btefe, fonbern ba^ 93ebürfntg bie 9}ei^t^fä^ geftatte, fo 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



300 €ttbtntr« ilapHcl. 

muffe pgegeben werben, bafi' namentlit^ gegenübet t>ec grogen 
anaffe Von Oiefe^en bei ifimif(^en fRec^td, ju benen no^ ini 
fanonif(^ 9ted|t tomtne, faft unäbmohiblii^e ®(|u>ieng{citai 
bemienigen entgegenftänben , Vxlä)tx eä unternehme, baS Slti^t 
in geWiffi ^auptftüde jufammenjnjie^en. ©ein ^ctat fei rtn 
untooUfommenei SSerfuc^, bei i^it aUeibingS übeijeugt ^abe, ba^ 
er im ©tanbe fein Würbe, etwas ©effcreä ^u ©tanbe ju bringai, 
wenn er einen W&un fönbe, we{d)er ttjm bte n&t()tge äKufic 
gewfitire. Oifnt biefe Fönne er hai Wtd nii^t gur SSoQcnbung 
bringen. SDo^er (lObe er audi feinen ©^fltem bic Sieröffent' 
lit^ung öerboten; für bie geiler be8 egeno[f'fc^ Drud« fei 
er nid^t nerantwortfidi , bas 3Ranufcrif)t fet ein fef){er^aft na^> 
gefc^rie&eneS unb auS ^^agmenten jufammenge^icfteS $>eft. 

^tog ber aSänget ^at bas 3Beif grölen JBetfaQ gefunben. 
iBalb nad) bei Sgenotf'fi^cK Sluflgabe erfditen eine jWette tm 
^itfp^iuä; nad) betbcn Deranftaltete 1552 Sufttn @olitei eine 
britte, bte er, nad)bem er ft(^ ttergebenS baniß)t, ein äRanufcriiit 
bon einem ^i)&xer ju erlangen, nad^ eigenem (S(efd)mad tiei< 
beffcrte; bifl jum ©(i^Iuffe be« 3a^rt(unbettä ^inetn finb bann 
no^ mtnbeftenS fe^S Sfuftagen erfi^enen '). Saguä' $oIennf 
gegen man^e ^nftitute ber römif^en Airc^e bradite fein ^{^ 
auf ben Snbe^; ba ti aber ffir unentbe^rlidi galt, mürben 
mehrere nad) fat^ofifdiem Sebürfmg ^^urificirte Suögaben Dci' 
anftaltet. Sine eigent[)ümli^e SJearbeitung f|at baS Seit burd) 
Soll. XljomaS greigtuS (»gl. Aap. 11) erfahren, ber beffen 
©^ftem unb %e^ nad) feiner tn ber ©t^ule beä SlamuS onge: 
nommenen 5Kett)Dbe in tabeHarifd^e Sorm brachte mib unter bem 
Sitel Partitioaes jurie utriusque (Basil. 1571. 1581. fol.) ^erau3^ 
gab. 'ü>k Slutorfd^oft bes Sagud erfennt t^^eigiuS in ben %or> 
reben mit reic^gefpenbetem fiobe an; in ber jWeiten äuSgat* 
erfc^eint fein 9}ame auc^ auf bem ^tel. 

£agu^' „Methodica juris utriuBque traditio" ift WD^I boä 
ätteftc nollftänbige @ompenbium beS ^tä^ti ; ber $au})tinI|oIt ift 

1) flufgc^filt Ui Xßutgci, gur Q»cf4 b. nn^Siiriffcnft^fl @.41S|. 

D,q,i,i.:dbvGöogIe 



9. ftonrab fioguS. 301 

prit)atird|t(t^ ; affetn an bie obligationes ex delicto mxbtn bte 
chmiua publica angeiet(|t; ein etgenet 9b[(^nitt (de judiciis) 
bc^nb^ audfu^r(i(| ben StDitproceg unb Fucj bnt Srimtnal^ 
procefi; ha& jus pablicam ift unter bem ©eftditStiunft bei po- 
testas im jaa persoDarnm berüf)rt Slad löntifc^ Stecht tft bar<: 
geftrOl mit ben Kenberungen burc^ baä fanoitifd^e ; bas beutft^e 
ift nit^t berädfit^tigt. 3)ag im Stimtnalm^t bie Carolina ntc^t 
eitDfi^nt n>tib, ift eine in ber bamatigen ftrafreditlidien Sitecatur 
(f. Stülp. 14) nid^t ungetDö^nlit^ Sifc^einung. 

XOeht £agu:e befc^räntt ftd| ntc^t auf bie S^arfteaung bei 
pofftmm füe^ti, fonbem fteHt eine fe^i beaditenäiDert^ p^ilc» 
fo))^tfc^ Einleitung Doian. Süie „doctrioa jaris" f)at gmet 9luf: 
gaben: erftenS bie Untetfuc^ung bei ©uänbe, »eldie unä jum 
Sc^cfam gegen bie ©efcge t)eT|)flic^ten, fomit ber @rüiibe alleS 
Ktd|td fiber^upt ; ghieitenS bie Unterfuc^ung bei .fonnae, quas 
in aingolis oegotiornm et delictorum hnmaDonim speciebus 
pro jure observari legeB volunt" ; bie erfte Aufgabe ift p^ilos 
foti^if{l|, bie jtDrite ^iftorifc^; bei btefec fiagt es fti^ ntc^t, 
naium etuaS 9tec^f ift? fonbetn nur, na& Sted^t ift? 'S>am 
wenn eS aui^ für bte juris fonnae (Slec^tSinftttute) aUerbtngd 
causae giebt, fo toei^en biefelben boc^ ffintmtfid» aü9 jener all= 
gemeinen Ouede „ex necessitudioe natural! et civili" abgeleitet. 
Xianoc^ jerffidt nun fein SSieit in 2 partes: pbilosopbica unb 
historica ; unb UKnn ani^ biefe ^aupteint^eitung in ben Vud* 
gaben fiugerlif^ tierwift^t ift, fo ift bod) folgenbe ÜDiäpofition 
Don i^m felbft (P. 2 cap. 2 bec 9(u3gaben) angegeben unb genügenb 
aii bie bun^gefü^rte ju erfenntn: 

P. I. FhiloBopliica. 
P. II. Historien. 

up. 1. De jure penonsnun. 

c«p. S. De modis acquirendi, alienuidi et amittendi res. 

cap. 3. De pactia et obligationibos. 

cap. 4. De actionibus et exceptionibuB. 

cap. 5. De jndicijg. 

cap. 6. De priTÜ^ig et juris beaeflcüB. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



302 @teben>ta Stölzl 

2)ei ^(uäfd^ung tiefe« (e^ten ^pMi liegt ber gute fqftc 
matifdie @eb<infe ju ©tunbe. bog baS onomale äle^t oon bem 
regdmägiflcn gefonbert brttai^trt locrben muffe: bie crften ^ 
Stapitd bitbcti banat^ bcn erftcn, bai fedifte ben jUKttm 96< 
fl^Rttt bn pars aecunda. 

^ie Pars I (philosophica) utnfagt uttgefäf|t bie @tegcnftänlK, 
Hietifie mir tjeute in ben etfttn ©tfiden beS foflniannten „ü(Iflt= 
meinen ^eilS" abjutianbetn pflegen: bie (Sntfte^mig i)ti dltifti 
unb ifjre gormen (®efe^, ©ewo^n^eit); bie Auflegung unb an< 
ttenbung (golgcrung unb ©eiDetäfii^rung) bet ©efetfc; änotogie 
(de ratione loco legis habeada), t^cttonen. ^ie erften fiapitel 
enthalten bie ^nfangSgrünbe be$ 9!atuTted|t3, unb ts ift i» 
merienSWerfE), bag btefeS Sompenbium gfeidijeitig mit JDlben- 
borp'ä laagoge juris natnraliB (1539), nwl^eä man ol8 bai 
erfie noturred^tttc^e ju bejcid^nen pfiegt, erfc^ienen ift. 

SRettit ift baäjcnige, wai bie 9(atur ober bie öffentlii^ 
9(utoiität ober bie ©etoo^fieit fe^t unb billtgt. 2)a8 auS ba 
menfc^iic^en fHatm entfpringenbe fRt^t ift ein boppelte^. Jas 
naturale primaeviim : ber natfltlid|e Xiiefp (iiwtinctus) btr 
@elbfter^altung, ktieli^t ben äKenfc^en mit ben Rieten gemein' 
fc^aftlic^ , aber burd^ ben iSänbenfaH betbotben ift unb ba^ 
ber Sotrectur bebaif buri^ bie iBernunf t ; biefe erjeugt baS jlwite 
jus naturale, bad an feine ©teQe getteten ift. Jus naturale 
Becundarium ift nfimltt^ baS aui ber mens faumana E)ergeleitetc 
9te(^t. Mentem vocamus istud Judicium rationie, quod n 
juBtitiae notitia, divinitus nobis iadita, nobiscum nascitor. 
3)ie notitia justitiae ift bie Äraft beS menfdilu^en Oeifteä, dtt^jl 
unb Unrecht gu unterf(^eiben, burc^ @otte8 ©nabe bem äRenfi^ 
Oetfie^ afö |>aife gegen feine berborfienc 9iatur. 3>a8 baroii« 
fitegenbe SJei^t nennen bie SRömer jus gentium, ttietl t9 bei aQen 
ißöttem beobai^tet loirb. @S toixb aud^ jus divinum genonnt. 
SBit Unred^t befd^ränften bie Sanoniften biefen Kamen auf bie 
im Suangelium boigefi^riebenen Stormen. ^nn es giebt Diele 
leges vere divinae, meiere ttieber im ©uangelium nod| im SWofot' 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



9. ftontab Sogitf. 303 

f<^ ®efe$ au^gefpioc^en ftnb. Jos dinnum ifi 9IDed, toaä 
S^rifti aStiten entfpiic^t unb bie Tctne mrafd^Iit^ SJentunft jum 
^djü^e bei ^afeinS bti menfi^Iii^ @kfeQfä)aft (ad tuendam 
h^jns Titae soeietatem) fotbett. 

2)tefed jus naturale ^at tnetime .gradus", bjtl^t im 
tiMo^ angegeben ftnb. @etne @lebote, unb jmai ^aaotfl bte 
ber elften, olS bie bei jtveiten ^fel, (äffen fiij^ aui bei menf^> 
licfien Katui unb SSernunft herleiten. 

SUetit ba bte Xriebe bei Statur bti äRenf^en fo mSi^tig 
finb, böft er oft gcßen boS Judicium naturae ^anbett, jo genügt 
r3 md|t, ben €kf)orfant feinem guten SBtQen ju üdeifaffen. S^a^ei 
ift ed not^li>enbtg geniefcn, anbere «leguia carceres" ju cifinben, 
um bie 3Kenf(^ buic^ ßffentlidie Sutorit&t jum Qk^orfam gu 
jioiagen. ^efe iBetiat^tung fü^ auf baS t)oftttDe äled^t, ju9 
civile, quod publica neceaaitate engente civiam auffn^o in 
aliqna repoblica coaetitaitur. 

S)ad ÜReiFtnfiibigfte an btefet re^tStP^i(ofo;)^if^eit ©lunb^ 
legiugift bie Sntf^ieben^eit, mit metti^ei SaguS (mä^cenb et 
bif überlieferte Unteifi^bung bed jus naturale primaevuni unb 
8«ciiDdarium feft^lt) bte &ntftet|ung beS 9ie<^td Don ber Cffen> 
baruBg trennt unb ed auf bie menftl^Iitl^e Sjemunft juiücttü^rt. 
€r unterft^bet ftc^ buri^ btefe rationatiftifc^e jtütjn^t fotoo^l 
ton äRelan^t^on, me Von Clbenbort». Seibei berfotgt ci biefen 
©ebonten nit^t toeiter, fonbem tertoeift nur füi ba8 ©nselne 
auf gelegentlit^ Hnbeutungen. 

3)tc Pars II (hiBtorica), inclc^e Dom (jofitiuen SRe^t ^anbett, 
bi^ponirt er nac^ folgenbei iBetrac^tung. t^ür baiS ffififtänbttig 
aüet „fonnae juris" (SRec^tSinftitute) fommen folgenbe gwfl™ 
in Setradit: äSer ift beie<^ttgt? äSie emirbt man? 38ie 
»etUert ober »eröufeert man? Sie beliouptet man fein 9Jed|t? 
Xii}u bienen bie ftlagen, nxli^e jum <a<^ug ber Sachen unb 
1Rcd|te beftinimt finb. ^a aber bie ratio actionum nur bun^ 
SJergleii^ung ber actiones mit einonbei rii^tig »erftanbeit werben 
fmin, fo foUen bei ben einzelnen formae juris nur bei C^mKib 

D,q,i,i.:db,.Goo<ik' 



304 Siebente« fl<i))itel. 

uiib SSertuft bargefteQt, bie actioaes bagegen in einem befnnberen 
SaptteE jufammen attge^anbelt ueiben. 

3n ben etnjelnen Untera6fd|ntttcn (capita) meriHit bie xo'xi^- 
Haften Setjten in äufommentidngenb« unb fliefeenbet ©orfteUung 
übei:fi<^tlic^ entioicfelt, badet ieie%mtää) fpectelte fragen etioä^nt, 
aber als nit^t tn baä „compendium" ge()Drtg abgelehnt; benn 
„cum ia Compeadio Begia quaedam via compreheadendariua 
rerum ostendi debeat, oon est in ea ad aingnla diverticnla 
BubBiBteoduin aut per ea deflectendnm" (P, 3 c. 7). 

?(Ue9QHonen bet Cueücn ftitb mit »etfet ©prfcfamteit einge 
^oijtm; bod) niiib bei ben tierfi^iebenen fiepten ein SSeijen^itig 
bet tituli gegeben, in bencn fie ju finben finb. ^er St^er 
(oü fie für ben ®e&toud| bef C. J. bem ®eba<5tni6 einprägen. 

3(uger biefem l£i>nt)}enbium beS ganeinen 9!e^tä, ueldieä 
bte älnertennung, bie it|m entgegengebracht »nebe, bucc^ ^tarf)eit 
unb 3iii^lAff<0^'t in ^oütm Wa%e Oerbtent, Derfa^te S. Sagu« 
noc^ ein „Compeadium juris Saxonici". @S tft eine 
iiberfii^tUt^e SMrftcQung beS beutf^n fRaiiti auf ©runb be^ 
Sati^fenfpiegelS unb bed fäi^fifc^n SBeid^bilbe^ , in beutfc^ 
Sprache, f^ftentatifd^ georbnet nati^ ben in feinet Met^odns 
juris civilis burc^efil^rten ©eftc^tSpunften. SSorauSgefc^icft tft 
md) i)\tv eine aQgemetne Einleitung (CEifted iSud^), ukI^ bei 
pars philoBOphica ber Methodus entfpri^t. 3)ann folgen ftinf 
iBüt^et, wellte ben fünf capita ber pars hiatorica entfpre^; 
boS fn^fte (de phvilegiis) mieberfiott fic^ I)ier nic^t. 

fiann aud| ber 3nt|a(t biefeS äBerfg feineStpegä fonbedii^ 
gelobt Werben, fo tft e8 toäj merftuürbig als elfter fiSerfu^, bie 
@lrnnbfä|e beg beutfi^en Slec^tä in ein beut rdmifc^ 91ei$t ent< 
le^nteS @Qftem einjuoibnen. 

CaguS fetbft l^at biefeä SBerl eben fo wenig wie bie Methodus 
beiüffentlic^t. <£rft im 3at)re 1597 würbe eü t)on Dr. Soac^tm 
©regorii aud ^riet^tn') ^erauiBgegcben, ber feine (Sntfte^ng 

I) &cb. um 1527, bnmaie ido1|I Hffcjloi am Sc^aptKnftit^l ju SRagMurg. 
S4>fitm ausgaben: 1603. Xßut^ti, j^ui ^tf^j^te 6. 326. 349 (bgL fttti l^)- 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



10. ü». «infl. 305 

iinge(ä^r in ba& 3a^r 1537 ueife^t. ^ ben bajtoifdien tiegenben 
60 3<i^en ift eß »eniuit^Ii^ in §Qnfaf(^riften cerbrcitet gelDefnt. 

10. Unter bem Sinfluffe 3ReIani^tt)on'ä unb jlcar ttotil in 
bimtet Snietinung an %pe( unb £aguS bilbete ftc^ SßetditDi 
Jlling'), ber im pofitibett Stowte ©(^ärpfiS @(^üler toac. S3 
ift f^cm berit^tct (©. 274), bafe er (flet. am 1. S>ec«n6er 1504 
}it @tetnau an bei ©tragen in bei @raffd)aft ^anau) fett 1534 
bad Eononif^e Sle^t in SSittenbeig uertrat. 3m Sa^re 1533 
mar ei jum D. Jur. utr. promoBirt. ©ctt 1535 Detwenbete il|n 
bei fturfürft ju ©efi^äften, »elf^e bis ba^in feinem nerftorftenen 
Sonjlei Dr. Stjr. So^ üöertragen waren, unb eniannte i^n 
1541 unter S^elaffung fetner $rofeffui jum Slatti. «te foI(^er 
iDo^te er 1541 bem SReii^Stoge ju StegenSbuig 6ei unb fungiite 
1543 unb 1544 bei ber Sifttation beS SReic^Äfommerflerit^tS in 
Sprier. 

Unter ber anfd^ulbigung, bem fiurfürften UebteiS nat^flerebet 
mtb fu^ mit Sünebuig in Untei^nbtungen wegen einei (Berufung 
etngelaffen ju ^aben, warb et 1544 oer^aftet unb in Unter* 
Ml''"!! Q^OQm, inbe§ um ^ftnac^t beS folgenben SofirS nieber 
in ^ei^eit gefej^t unb iit feinen Remtern beftätigt. fliaci) bem 
mtglücfUc^en Sudgang bed fc^maUalbifdien Anegä, wä^renb beffen 
er als turfüiftlit^er ©efonbter na^ 2)änemar( flefi^tit mar, liefe 
et r«^ 1547 in §alte als prbatifitenber 91e<^täconfu(ent niebei») 
unb biente bis ju fänem Se6en8enbe Dielen tÜürften unb ^Krten 
old „SRat^ Don $aud auä", inbem et augfeid) ai$ Seifi^iec bed 
St^öffenftu^t« ju §al[e unb be8 1566 ju 3ena errit^tetcn §of* 
getic^tg fnngirte. 

$on armen QEltein geboten, t^atte et fid| in feiner Sugenb 
bu«^ @ingen bor ben Xfifiren als Sutrenbfdifiler in $aQe feinen 

1) SR u t ^ t r, 3eit|(^t. f. S(4tSflef4ti5tt i, 172. 438. ^oüW «f ittäae 
2,141-153. 3ufll«t 4, 1— 8. SButSer, iutöc(4 b. iKe#8niif)"oi[«a[t 
3. 149ff. 64ulte, Okji^lii^ % 3, 2SFf. 

3) 3itbe{t vmb er ouf bntt Ztttl btr rrfttn ttuegabe |etiui Commeutaria 
in tu libr. n DecretaL Frucof. 1650 nn^ als Sittenbergec ^ralffToi 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



306 €idnttee ttaifittl 

Unterhalt ertoorben. 8(8 et om 25. geBtuat 1571 bort ftort, 
^mterliefe er feiner äo^lreic^en Similie ein bebeutcnbe« Skrmöflfii'), 
bad ei bui^ emfigen ^eig jufammengebiai^t ^atte, oline frtnc 
^filfe ber ürmutti ju berfagen. 

©ein unfreunbltd)ed 93ert)ältntg ju Sut()eT, ha& noä) lbi6 
in ben 33er^anblungen in Sisicben, ju benen beäe »on bm 
9)}Qn8felbifd|ot ©rafen ali ©diiebSTtd^tei berufen uateit, jh 
Sonfltcten füllte, etflätt fit^ aud ben oben berüljrten (^gen|ä^. 

SS tft bemerfenSUerti), bag biefer ber $10^8 jugenKQbftt 
Surift in feinen ©i^rtften bie f^ftematifc^e SDtettiobe tiettritt, reif 
feine beiben bebeutenbften SBerle geigen. 

€eine Eiiarrationes in libroa IV iDstitutionum 
finb, toie er in ber $)ebicatiDn beä Tractatns causarum nmtri- 
monialinm fogt, <iua SSorlefurtflen tieroorgegangen, bie er .pri- 
vatim*' gehalten f|at*). 3)ie UEfflcfe ift barin mit f^ftemattfi^ 
S^aiftellung berbunben, weti^ überwiegt. (£r giebt nii^t nni 
ben 3nI)aU ber 3iiffitutionen wteber, fonbem berührt a«^ tai 
praftif^t 9te(^t. 3)er Qtoei ift ubnijoupt in baS 9Iecl()t&ftiibtu]ii 
burdi eine überfid^tlic^e S)atfteQung einzuführen, beren grose 
Slattieit unb l£infad)^tt £ob betbient; bei ©ttl ift popvläi mit) 
(eineSRiegS Don ber SIeganj, beten €^nttuncula fi(^ in feinem 
fi^nlti^en 93et(e befleißigte. 

©leic^ in ber (Einleitung tritt filing fSi bie fqftnnottfdic 
3fietftobe ein ; et le^nt bie Wnfiiiit bercr ab, toett^e bte Htti^ii^ 
ttiffenjf^aft nur für „prudentia- unb nic^t für ,.ar8" ^Uen: 
benn iaS 9}ed|t Uxme fo „methodice" geteert nxrben, nrie feint 
anbere ars'). Semgemfig beginnt er mit Srörtetung bei aQ< 

1) Sc ^intnlieg 10 hinter aua jlnd IS^. ^ait aRut^ct a. a. D. 
ift er „um Dftem 1571" fltf(or6tn. 

2) 6if finb iUCTfl 1542, bann 1545 unb 1666 granffurt fol. flcbrudr; 
in üflon finb 7, in aenicn 3 gia^btuit erftöinwn; iulcftt Bnon 1673. 8". 

3) Si enim methodice tradi significat per locos diAlecticos dnci, ut 
definiendo, divideDdo, qu&erere causas, efFectus, cognata et pogoautii. 
Qt vnlt Artetotelee, certe nomen artis nuUi profraeioiu ita corenit quam 

- juri et«. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



la 9R. ffiltnfl. 307 

gemeinften SBegrtffe. 2)a« jus naturale primaevum finb bte öoti 
@ott bet menfdilid^cn ©ecle emgcpflanäten ©ebote, beren er 10 
{nid|t bie aHofat(dien) oufjäfitt, ?tuä biefen ift baä jus naturale 
secandarium buid) bie „naturalis ratio humanis necessitatibus 
edgeotibas" ^geleitet. @g fjnb bie aSen !tS5Itein gemein^ 
janten 9iec^täfä^ (bctnitad) baä jus gentium), beten eä jtori at[= 
gemeine giebt: Res dividere, Sontes punire. 8luä jenem fliegt 
bad ganje ^riDotcct^t, aus btefem bag öffentliche 9le^t. Jus 
positivam ifl badjentge, ueldie^S toebet mit bem äßenft^en ge= 
{(Raffen, noc^ buxdi bie naturalis ratio gegeben, fonbein üon 
ben 91e^tähinbtgen unb roetfen 3)fännent gefegt ift. @ä folgt 
aus bem jus gentium, giebt itjm aber Su^ä^e unb SIenberungen. 
S>ad jus positivnm jeifaUt in baS jns civile, totU^ ttjctls 
scriptum, tfftilS non scriptum ift, unb bai jus canonicum. 3n 
biefem 3"t(i''""'K^'tiifl^ nterben bie gefd^icf)tlicfien 9totijen Ober 
bie ^tfteliung betbet Steckte unb bie Qe^re uom @enio^n^ett«= 
ttt^ öotgetragen. 9Kan fte^t, bog in ben rEC^tS^j^tofop^ifdien 
öcttac^tungen bie bamatä Derbtetteten ©ebanfen, wenn aut^ mit 
SRobificottonen, toiebetfclitett. 

filing'g Srietfiobe befte^t barin, bog et bie 9lei[|enfoIge bet 
3ttflitutbnentitet fcftljaltenb bei jebem feine f^ftematift^e ©teDung 
bailegt, bie batin be^anbelte SJiatme abet fefbftonbtg gftebcrt 
unb entloicfelt. ^'k fpftemati{(^ SBofiä btiben forgf&Ittge S)efi< 
nitionen, an beten cinjclne ©türfe unb Hlemente er bie Weitete 
SrBrtcmng anfnüpft unb jraar fo, bag et bie ^Definition ni^t 
al3 tttoai begebenes nimmt, fonbem fie reditfettigt. ©eine 
5!arftElIung ift ba^et eine fottlaufenbe Sebuction. 9?a(^ 9lnal^fe 
ber Definition raerben bie divisioneB, caasae unb effectus beS 
Se^täinftitut« be^onbelt 

3n ben Xitel de Nuptiie (1, 10) ift ein ouSfüfirtii^ec (Sjcutä 
fibei bae (J^erec^t eingefc^oben, öon »elcf)em fif|on oben ge= 
fltCK^en umrbe. Aling ^at biefe fpftematift^e ^b^onblung in 
ttmai auSffl^tli^erer ©eftatt [eltiftänbig (»etQuägegeben unter bcm 
^itel „Uatrimonialium causa rumtractatus, metho- 

20« 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



308 Sic6cnle« StOfilA. 

dico ordine scriptus" (juerft Francof. 1553. fol.)'). 3n 
bei 2)ebication an oer(d^teticne ©rafen uttb ^erxm f^nd^t ec ftcfi 
in bet oben (©. 279) anflegebenen SBeife über bie ©ülttgfett beä 
fanonifdien 9le(^tS in (Si)e\a^en aui. ber ^cfteUung in feinen 
Enarrationes entfprcd^enb. 

SRidlt minber metfttlürbifl ift feine f9ftcmati((^e öe^ 
aibeitung bed ffid^fifi^en SJec^tä. @i^on 1543 erbot 
ft(^ ^ing in einem nnä ei^Itenen ©d^cetben') an fturfüift 
So^nn Sriebridi, hau Don biefem projectiite SSeif einet 3iefot< 
mation beS ©at^fenfpiegelS ju äbeme^men. Si fei bereit, „boS 
ffic^fifdie Siecht in eine folctie JDrbnung ju bitngen, bag ed 3ebn 
leif^tlid) »erfte^ unb fic^ borein ridtiten fott", faUä berSurfürft 
tt)n fflr foldK äßü^e „gnäbigli^ bebenfen" moQe. 3"ä'^ci<^ I<S^ 
er ' ben f^ftematifc^en ^lan in feinen ©runbjügen bar. 2)ie 
MntlDort beS ^tfürften lautete etmuntemb; bo(^ foHe baS SBeif, 
cf)e eä in ^mdf gegeben nierbe, i^m jut ©enetimigung eingeinc^l 
UKrbeii; für feine Müf)t folle ^ing eine „ftattUd|e ISelo^nung' 
empfongen. 

3)ie tiefgreifenben SBeränberungen im Seben beiber Wiänan 
^aben bie auSfü^rung biefeä ^lanS oeräßgert. (Srft nat^ 
Sling'S Slobe etfi^icn bai SSktl unter bem Xttel „Sag gaittfc 
fä(^fifc{)e £anbred)t mit Xe£t unb @Iog in eine 
richtige Oibnung gebrat^t burc^ 2)octor 9ReI(|iot 
klingen non ©teinau an ber ©trage, igo ju^alte" 
Seifäig 1572. fol. (Spätere fflnSgaben 1577. 1600. foL) 3n 
bec Sebication an Shirfürft Sluguft ift baä ®9ftem batgelegt: 
ber erfte I^cil bel)anbelt bie ^erfonen „nom ftaifer bis jum 
Uitterften"; ber jrorite ben ^rocefe; „ber britte ift geft^rieben 

1) ©pätcrc Hu8ao6*it 1659. 1677. 1681. Unter bcm ZUcl De jiire 
counubiorum h. e. de BpoQB&libaB etc. Fr. Hotomani ObBerrstiooiuii 
über singularig — et Tractatua D. HelchiorJB Kling etc. Francef. 
1592. 8". Francof. 1617. Lips. 1618. 4". — Schulte a. a. C. nmnl bivit 
Schrift mit 9icd)t eine „übccauB It^tDoÜe Ziarftenung". 

2) aRulttti, 3eitt(«|t. 1- Me^Sflfff^it^te 4, 172f. 3ur ®c(4 b. Sh*!«- 
»iffcnli^aft ®. 862 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



11. 3o^nn Sr^raibeWiiL 309 

tote bie btet erfteit ^ä)et Institutioanm imperialiam"; bei 
werte ^nbdt ton (jetnlit^en ©ac^en. 

SiuiQ fer^ft mai^t baiauf aufmerifam (^ilel unb ^ebication), 
bog neben jetnem ^eife bti ©acE|fen{f)tegeI unb bte (Sloffe nt<^t 
^u entde^ren fei. 3)er urfprimgliii^e $(on eine» fqftematifdien 
Qkfe^obe;, einer eigentlichen ^Reformation, mar bennxai^ auf< 
gegeben; unb baS SSerf ^at nui iBebeutung aU 3^ni6 ^^^^ 
jid| auf baii bentfdie 91ed|t erftiectenbcit f^ftematif^en 9[rbctt, 
äf|n(td| bei Don fiagu» unteinonunenen. 

ffling publirirte aufeetbem: In praecipaoB — se- 
candi libri antiquorum Decretalium commen- 
taria. Francof. 1550. 1553. 1562. fol.; nac^gebrudtt f^on 
1551 in S^on — toi(^tig fÖr ben 9|Jtoce6; ExpHcatio et 
coatinaatio titulorum juris civilis et canonici. 
(1M9?) Colon. 1561. 8"»). 

U. Sodann ©d^netbetotn (Oenitomuä), geb. i^u ©toU= 
tterg am 4. 2)eceinber 1519, ttjutbe oon feinem SJater, bem mofjl' 
^abenben SJirector ber gräflid^ ©toü&ctg'fi^en 93ergiDctfe, in 
feinem 11. Sotite ju fiut^ nait aBitteitberg gebrot^t, in beffen 
^aufc er unter Scitung eineS Snfonnatord ^eiaitntut^ä. ©c^on 
in feinem 20. 3a^re »et^eirat^e er fi(^ unb begann baS 
Stubium ber Suridprubenj unter ^äfütpl ©ofbftein unb ^ing. 
1544 ttwrb er Sicentiat ber SRet^te unb Bon ©tof @üntt|er »on 
©^woijburg ofö ftanäter berufen, SSier SSa^re fpäter (efitte er 
niu^ Wittenberg jurüd unb übernahm eine juriftiff^e ^rofeffur; 
1550 ujarb er jum 55octor promoDirt. a(8 Seifiger beä §of' 
gnii^tS, (Sonfulent unb hirfürftli^er Slat^ roar er gleii^ feinen 
GoUegen mit jjtaWfc^en ®cf^Sften übetlaben. ffir ftarb in 3«tift, 
hio^in er auf 93ege^ren bti bortigen @tabtratI)S bei ftienger 
Äätte im ©inter 1568 gereift mar. ©eine ßeidie würbe an 
l'uttfet'« ©ctfe beigefe$t*). 

1) Sie übrigen €(^ften unb aitben ÜuSgoBen bei; ^ier genannten 
t bei Snglei, $all. eeitiäge unb Schulte a. a. C. 

2) Sgl. Adami ritae JCtor, p, 1T9 b. ®fm Smbei ^inci(fi itHir 
^nfcJioT in 3cna unb ftait al3 Krnftäbtifi^ ßanjlei am 7. 3Nai 1580. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



310 Siebentes SofM. 

©c^neibewin fyxt feine ©(^ttftai publicitt, ^interfiefe abft 
einen faft DoHenbeten Sommentor ü6er We Snftttutionen, nwl^it 
SOi. aSeJenbcd auf Sitten bet gtben 1573 ergänste unb mit 
9toteit Verausgab. 9}eue 9(uägatie mit ünmetfungen befolgten 
^. Öreberobe uiü) 3;ion. ©ot^ofrebiiÄ 1696. 

3)iefec Sontmentar f|SIt bte äRttte ein jnifc^en ber alten 
anolqtijdien unb ber in SSJittenberg geförbecten {^nt^ttij^en 
3I!et^obe ober oerbinbet in geviffem @tnne betbe. ©(^etbann 
felbft erflärt fic^ bofiin, er molle einen SKittetweg einlctilQgen 
jWifdien benjentgen , Keli^e bie @Iof{en unb Sonnnentaie ganj 
Ueiaditen, unb bnien, toeld)e fi^ in i^re Srörtecung vrilbtn. 
®r fteüt Ueberfic^ten beä 3n^alt» ber 2:itel an bie ©pije, jeigt 
ben fgftcmattfdien ^ufi'n'nen^anfl unb erörtert ben Sn^olt, inbra 
er i^ragen formuliit, in jufantmen()ängenbei {^ttt^etifd^ !&ai= 
fteüung. 3)a8 onal^tifc^e Ulement liegt in ber gragtfteDung, 
bie aber Don fqftematifdien ©eftc^tspunlten ttuSge((t , ba^ bit 
9hibrilen: quid est? (SJefinition), quotuplex est? (Arten), qni 
Bunt effectus? (2(n^alt, 3Biihing), quibns modis acqoiritar, 
amittitur? regelmäßig mieberfe^ten. 3" i>K\tn aber iwtben 
anbere ^ogen gefügt, melci^e ben SScifaffer oft ju umftfinblit^ 
tSjcutfen führen, ©o wirb sum Tit. de jure oatorali rint 
au9ftil)rlt(^e Srfirterung beS S^oturret^td gegeben, bwldit in 
@injelE^ten uon 3Relani^tI|Dn abmeii^t; jum Stiel de Naptüs 
eine eingeE^nbe 9(bt)anblung über baS S^etn^t. 

Ueber^aupt aber ^fi(t fit^ ©t^netbettin feineSiwgS an ben 
©toff ber Snftitutionen, fonbem jiel|t bai gefammte praftifitie 
Steigt ^erbei ; nid^t nur baS fanonifdie, fonbem auc^ bie Utiiji- 
abfc^iebe, bie Sßeintit^e ©eri^täorbnung ffarl'ä V., baS ffi^plt^t 
9ie(^t roirb berüdj'ii^tigt, Eonfilien unb ^räjubicien »erben an' 
geführt. Süaburd^ ift benn biejer Sommentar ju einem mSt^tigtn 
Duartanten angehKU^fen , beffen SKateiial weit über baä SJp 
bürfnig ber SInfänger ^inaugget|t unb ben Qaed äaei einleilenbm 
Se^rbui^ä, fro^ bet fe^r flaren unb cinleut^tenben S)arfteQung, 
Berfe^It. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3oIfann ©l&cnöorp. 



1. €ciii ScbenBgang. — 2. Sturt^eilung. — 8. Si^ften. 

3)ie bebeutenbfte (£rf<i^etnung unter ben beutfdren ^liften 
um Im aSitte beö 16. 3a^tt|uiibertS tft ^o^ann Olbcnboip^), 
tienionagenb über Slle foteo^I burc^ bie Wtaä^t feinet $n[ön= 
!id|(ett, mit bei er in bie ffämpfc bet 3«t eingriff, wie burdi 
feint SBeboiömg ol8 ©djriftfteller unb 2et)iei. SBir fönnen fetnc 
SteOnng tn ber beutfc^en 9iec^tätDiffenfd)aft eine centrale 
nennen, infofem in i^nt bie uerft^iebenen neuen Elemente, tocid^t 
fie bamate betoegten, Deceinigt jur Geltung Eamen, nxi^renb feine 
Suflenbbilbniifl noc^ in ben atten Uebetliefenmgen tturjette. ffir 
ift jmar lein {<^ö|iferif<^er @eift, aber ein oiigineQer j&jpf, ber 
fuf| feine !9Sege felbftänbig, o^ne frembe Seitung gefugt ^at. 

1. Ucbei feine Sugenb loiffen nnr nur, bafe er, um 1480 
in ^mburg geboren, t)ter Don feinem O^eim, bem 6ent[)mten 



1) Sgl- Ad*mi Vitae JCtor. p. 175. Sttiebei:, ©eff. «kl..«ef(^ 
10, llOR. ätabbi, bit Uniwrf. SoM ®. 374 ff. 402 ff. 416. So|e= 
finritn, (9(f4. b. Uniwrf. ©reifäroafb S. 172 ff. 9Baie, fiüb«! unter 
3. SuOtniDUier 1, 192 f.; 2, 6»ff. 156. 162; 3, 51. 196 ff. 317. ©arbtr, 
Bf^Sfc. b.»trrin« f. ^mburg, ®ef<^i(^le 4, 436 ff. SBici^mann, SSetUcn. 
buig» altiwbnfäf^f. Eitcratui 1, 160ff. SiBljef, bie Gnlroirfliing b. flcl. 
Äidrtei^ume 1, 50. 108f. 415. 419; 2, 185. Ärafft. tleolog, «rbciten 
Uli bnn t^H'iwftfal. ^rebifleiMrctn 2, 68ff. ISdirentrapp, ^ermann 
»m ISicb €. 88 ff. 159 ff. — «n^imilien aue äRatburQ Tmb mii bun^ bie 
8ütt bei Ferren ^rofeffotm SKangoIb unb SSarrentropp mitßet^t. 



D,q,i,i.:db,.GoogIe 



312 Stditcfi Sapütl 

Slfbcr förang, erjDflcn ift. 1504 tff er in Moftoil immatricutirt, 
fe^t bann feine ©tubten in ÄÖln fort, jiefit na(% iBotogna imb 
mirb f|iet 1515 jum Qicentiaten ptomobirt. ä9a(b batauf ertifilt 
er eine ^rofeffur an bcr Uniberfität ©reifämafb, in beren SRotriW 
er am 29. Stprit 1516 eingetragen ifi unb jtoor „gratis propter 
aui hoüorificeDtiam et legalitatem". ISr beSeibet 1517 t>ad 
JHectorat; mitb im Stuguft 151S gum Doctor legum ))rotnDtrirt 
unb an bemfelben ^age im ^ottoiomat mit ®o))I)ia Zo^ ge< 
traut. @etne erfte juitflift^e @(^rift „Ratioaes sive argumenta 
quibus in jure utimur" mar 1516 ju 9}oft(Kl erft^ienen. 3m 
3ia£)re 1520 fling er afe *ßrofeffor nat^ granlfurt a. C, lefirtt 
jeboc^ {^on 1521 auf Antrag beg ^etjogS iSogiälab no^ 
(Sreifätoalbe jurüd unb beHeibete ^ier bie ©teile bes Legnm 
ordinariuB btS 1526. 

©dfon bon feinem JD^eim auf bie ©^öbeh ber ftitttie ipii' 
gemiefen, kror er bun^ Sutt)er ben reformatorifdien @runbu>atir= 
Ijeiten geloonnen ; unb je tiefer unb etnfter er fid| öon biefer ©etftcS« 
ri^tung burdibringen tiefe, befto me^r entfrembete er fic^ inmtli^ 
ben Sßer^ältniffen, toüäfe i^n in ©reifsnalbe umgaben, too bie 
reformatorifc^e Säoegung ^artnädigem SBiberftanbe begegnete. 
5Ro(^ in (SreifSwatbe gab er feine ©d&rift De emtione et yendi- 
tione redituum (Francof. 1525) l^erauS, jog aber mit beginn beS 
fotgenben 3a[)re3, als ©qnbicu^ ber @tabt berufen, in ba$ t^m 
ttof)tbe!annte JRoftod. ©pfiter übematim er baneben eine ^o« 
feffur. 3n feinet 1531 etf^ienenen ©d|rift „Omnium fere 
temporslinm praeacriptionum ex aequo et boQO brevia enar- 
ratio" nennt er fic^ Sßrofeffor unb ©qnbicuS ju SRoftorf. 

Sie Uniwerfitftt ^otte in biefen Sa^re« ««ter ben golgoi 
ber reformatorifif|en Unrulfcn ((^^iter ju leiben, unb Dlbenbotp'« 
SicEfamfeit als Sefirer mar balier nur bon geringem Umfang. 
5)efto größeren ein^ufe übte et in ber S8urgerf(|aft alä ^npt 
ber tefotmatorif^cn ^attei unb ©^nbicuS beS Mot^S, ber im 
Sa^te 1531 bie {Reformation jur $)ur(^fiif)rung brachte. SBnf» 
tDürbig ift aug biefer Qeit eine 1530 gebrudte, bem ^mbutger 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. So^nit OltMitbaiv'6 ScbenSgang. 313 

Ä«ä) fleWibmete ©d^ttft') „SBon robtflagenbe luo man gute 
$Dlttte unb oibemmge ^nn @tebeit unb lanben ei^albcn m&q^e", 
in ber er bett „Unglauben, bie @tettgfeit unb ben Untterftanb" al§ 
btc Urfat^en bd SRtgbraui^ä, be^ ^ufru^rS unb beS SSerbecbenS 
„gutet ^oltjet" bcjeii^net unb ale Sb^ütfe bie ^cbtgt beS 
leinen aSortiS ©DtteS, bie $f[ege bei @d|u(en unb Untberfitfiten 
unb enbli^ bie 99eaufftc^tigung bei S)iu(fereien cmp^e^It. 

3)te ^tfdiieben^ unb Energie, mit Tneidfez Olbenboip fßi 
bie 9(efDnnatton in SRoftotl Joiifte, ma^te itin im Äamijfe ber 
betben nD(^ um bie ^enfc^aft lingcnben Parteien jm ^ielf'iieil'c 
bei erbtttertften Angriffe, ©d^mä^fdiriften lourben »erbreitet, 
bie il|n otä Sufiö^rei beim ^etjog 9tlbied^t non 3Redlen6urg 
Derflagten, bie fiigften Sefi^ulbigungen unb 2)io^ungen gegen 
t^n erhoben, i^n iS)ieb unb 93errätt)ei fdialten. Olbenboit) 
betantmortete fic^ in einei „^Qkifiaftige entf^ulbinge Doctoris 
J. Oldendorp Syndici tho Rostock Vebbei be moibgirigen 
uptorfi^en fi^nbibii^ter unb faifctien flegern" {1533), Deilongtc 
Unteifud^ung ber ©efc^ufbigungen, au« ber et geret^tfertigt ^er= 
tpoiging, nat|m jeboc^ jugfeidE) feinen $tb|^icb aU ©i^nbicuS. 
®leic!^jeitig mit ii)m beiliefien juiei 9{atI)Sl)eiren it)re $(ä^e mit 
bei IMldrung, fte ni(^t e^ niebei einnef)men ju tnollen, aii 
Ui ber Kat^ bie ©at^e beä Stiangetiumä mit (Smft förbere. 
Äaf anbringen ber Sfitgerji^aft toarb Ctbenbotti in feine ©teile 
midier eingefetit. äüetn bie lat^olift^e ^artei fanb eine mäi^tige 
^Ülfe an bem ^er^og, ber ben Slnf^ulbigungen @lau6en fc^enlenb, 
Olbenboip'S Ser^aftung unb SSeftiafung foibeite. SBenn i^n 
au(^ bei 91at^ uoiläufig in ©c^ug na^m, fo fiatte Dlbenborp 
boc(i toenig ®tunb, auf bie SÖnge [einem guten Sitten unb feiner 
äHa^t ju tiertiauen. O^ne^in burfte ei nic^t wagen, baS 
ftäbtif^ Sßeii^bilb ju übeifdiieiten, unb aU er im |$e6iuar 1534 
na^ Hamburg berufen marb, um bei ben t^icbenStieii^anbtungen 



1) »aip, SübKt unter Sütgen ffiiinenroem 1, 192. 369f|. ^oä)'= 
bnui> Uebrefetung Wo(tD(t 1579. ©fgcti ^aip' Scurtfteifung bicfcrSi^rifl 
DSL Ott« ^axbtT a. o. 0. ®. 443[. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



314 'S^ta fiopitcL 

jinifdien S&txd unb ben ^o0änbent mi^utDtttcn, omvetgerte ä|in 
bei ^jog baS freie &dät. @tatt feiner füE)i;te bamali 
Dr. ^. iSdi&r)}f baä Sioct für bte Sübedei. O(b«ibor|» obn 
^teU eS geiat^, fi^ ben ©efa^ten einet unhaltbar getootbenm 
SteHimg butdi ffornlit^e Sntfentimfl gu entäietjen. Sr fam no^ 
Sübecf, ISO er im erften 33iertel beS So^rS 1&3-1; baä in bm 
t)Dci^ge^enben Sogen ber polittfi^en @reigniffe etn^ugreii^e %int 
beä ©^nbtcuä iibeina^m. 

"Uli bei fpfiteren Sßer^anblungen mit bem äSoftodei ^aü) 
i^m, unter Berufung auf feinen <£ib, bie ^etmUc^e Sntioeii^ung 
jum aSotlDurf gemacht tourbe, enoiberte er : , jeber ©b btnbe nur, 
fo IDeit bog galten Don @^ottegniegen e^rtii^, möglt(^ unb billig 
fei". S)af| bicä für tf)n nic^t bei t$aQ getoefen, fuc^t er baiju< 
legen, unb babei tomntt eine ^fiu^Ii^e Angelegenheit jui @)n;a(ff(, 
bie t^n nefcntlidi mit befthnmt t|a6en mag, 9}ofto(f ju »eilaffen. 
&a ©eiftlidiei, SalentinuJI, fagt Otbenboip, ^be ^eimli^ 
^anbel mit feiner ^au, babur<^ fei üble 9Iadtrebe entftanbtn, 
ber ei f)abt üu% bem ^ge getjen Uolien; nur menn er gegtn 
bieä Äergemifi fitl^er gefteDt würbe, Mnne et jutflÄetjren. Sä 
ift nvi)t Uav, melt^e 2!^atfa(|en btefen SCnbeutungen jU @Tunbe 
liegen; gemig nur, bog OlbenbDr))'^ e^Iidieä !GerI)ä(tnif| ein 
unglüdlii^eS uar. 9tuS ben S^onnürfen , bie H)m fpäter nixtl 
gemacht mürben , fi^eint ^erDot^uge^n , bog er feine %Taa 
Dellaffen unb baä EBanb megen «S^brui^S ai& geUft be= 
trachtet t)at. 

3n fiübed ftanb bamalS 3ürgen SBuHenmeoci auf bei &ö^ 
feinet SHac^t unb feiner Eülinen $lfine. Sä ift nid|t un^ 8uf< 
gäbe, ben SBJinbungen jetner ^olitil jU folgen uob bie nei' 
fc^Iungenen gäben nac^äuroeifen, burc^ bte er feine Qkk: bie 
Sefeftigung eine« bemolcatif^en 9iegimentS , ©utt^fü^mng unb 
©iiiierftedung ber SHeformation unb Dor oHem bie SSetbtängung 
ba ^oHänber auS bem ojKänbifc^en §anbel unter fic^ unb mit 
bem Kampf um bie bönifc^e Sldnigsfrone jU berfnüpfen lDu|te. 
9tuc^ bleibt eS stoeifef^afl, mie rocit Dtbenbotp tu SBuflemwoer'« 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Sodann Clbtnboq)'« Stbenegang. 315 

$Iäite etngeuei^t n>ar unb fie biQigle. Slbet er i)at ber SßoÜtit 
beS ffl^nen SfiTgemteifteiS mit tlugem 94atE), mit bei äRad^t 
ieiite* SBortS iinb (einet Jeber, mit ber Oooanbt^eit eine« loeIt= 
rrfo^renen unb mcnf(t|enfuiibigen Unter(|änbIecS gebient. 3m 3u(i 
1534 g^t er im auftrage ^uUennwDct'ft na^ SSi^mai, 9loftod, 
Stratfunb, um bie SBütgerfi^aften gegen ben toibcrftreöenben Äat^ 
fni ben Snfd)Iu^ an Zübedä Unternehmungen ju geteinnen. @r 
ber^belt mit feinem alten ^tinbe ^eijog Sllbrei^t, bem als 
^ei« bic bfinifi^e Ärone in MuSfic^t gefteüt Riitb; überall finben 
itiir neben b«l polittfc^en unb commercieÜen Snteceffen bie fir^lit^ 
refon«atorifd)cn in ben SBorbergrunb gefteüt; übetod ift DIben> 
borp'a ©enbung Don Srfolg gefrönt; einen TOann „Kein bon 
(Seftalt unb grofl bon 3^attraft" nennt i^n ein 3fit8enoffe; 
bit äßac^t feiner Siebe ent^ammt bie ^Bürger, feine ßlug^eit 
übenoinbet bie 89ebtnfen ber jögemben tS^rften unb 9tatt|$= 
^en. 3m ^bft ift er in ben SBetljanblungen mit S^riftian III. 
Don Xäncmarf ttjätig, bie jum StotfelSborfer ^rieben (18. JliüUbr. 
15M) füfirten; aui!^ toirb bie ^erfteQung beS alten ?Jat^ä jum 
X(|eit feinem Sinflug jugefd^rieben — (Sreigniffe, bie, lueil fie 
für SBuQenUKDrr bie Sebeutung bon politifd^ äJfigeifolgen 
Rotten, feinen ©tutj Botbereitetai. Stüetn bie bebrangte Sage 
SSbetfS unb ber babuic^ tienirfai^te Urnft^lag in bei Stimmung 
bei Sfitgetft^aft, meiere jene ^cr6eifflt|ütcn, red)tfertigen Clben= 
boit>, UKnn er yc^t für $ecfÖf)nung unb äJ^figigung nirfte. 3n 
SuQennieWr'S Sturj, ber f^on im fotgenbcn 3o(|re eintrat, 
ift Clbcnborp nid^t Dertnidelt , auc^ non bei fiegreidien Partei 
itid|t in bie Unterfu^ung gejogen, meiere mit ber bon Vom (lerein 
bejiDecften S3eruitt)ei[ung unb guaufamen ^iniic^tung beS fü^nen 
unb unglüdlif^en SörgermeifterS cnbtgte. SSuüenroeBer ^atte auf 
i^n afö 3Hitf(^uIbigen ^ingetoiefen, nac^Ijer aber feine 3(u8fQgert 
miberrufcn. SSenn gegen i^n gleii^jeitig ber iöorwurf erhoben 
wirb, 3BuIIentDeber'ä Unternehmungen gefBrbcrt unb fie burc^^ 
{rcujt }u I)aben, fo f^eint baburdi beftfitigt ju roeiben, bog er 
ft4 nt einer gtbiiffen iSntfeinung unb ©etbftfinbigfeit ju betiaupten 

D,q,i,i.:db,.GoogIc 



316 «*tc8 Salfita. 

gemußt f|at, Cb unb in tnte nett in biefei Haltung Untreue log, 
Kfet fit^ nid)t entfc^eiben, ba wir ^ein perfönliÄieä Ser^Itnife ju 
aBuHcmoeljei: nt^t fennen'). 9Ba» ifjm nie feeftritten fflorben iil. 
fein unentlDegteS Eintreten ffii bie 3)utd|fü^rung unb @t(^< 
fteUung ber iRefonnatton , fi^eint unS t>er fefte unb treue Jbm 
feiner politifi^en 3:(|dttgfeit getDefen }u fein. 

Mur lurje 3"* not^ blieb Olbenbor^i in feinem SImt, boä 
i^nt buti^ bie Slütfle^c beS f)a))iftifi^en iBürgermeifterS i9römfe 
berleibet mar. ®c aa\}m 1536 (einen Äbfi^ieb *) unb ßing (m 
gejagt loitb) ofö ^ofeffor nad| granlfurt a. D. 

©alb eröffnete fidi ifjm in ffiiSIn') ein neuer bebeutungä' 
boDcr SirtungShctS. 'Um 22. Suti 1538 tft ec in bie Mm 
"SkatnUi eingetragen alS .juris civilis Doctor Bononiensis", 
obgleicfi er in öologna nur bie Öicenj erlangt liatte. iWai^bcm 
er fo, faft 60jÖ^cig, jum toiffenfii^aftlii^en Seruf äurfit(flefef)rt 
toax, begann ffir i^n ber literarifrfi ergiebigfte Äbft^nitt feines 
Säebenä. SBon feiner aSBirtfamteit qI§ Ce^rer in Söln burfte et 
fpäter rit^men, bag bie juriftif^e t$acultät buc^ t^n aui bem 
SGerfaG juv ölü^c em^jorgebra^t fei. ?lber aüä) in ffiöln ^t 
fi(^ in eigenttjümlii^er SJeife fein pix\önüd)e& ©(^irffal mit einer 
©ntroidfungsfrifis ber Sleformatton berflcH^ten. ftönnen »ic ani^ 
ben 3MfQinntent)ang niÜ^t nai^Weifen, fo bÜrfen wir eS bocfi »tif|l 
nid^t alä anfällig betrai^ten, bafe feine Ueberfiebetung in bie S^ 
ber burt^ ßurfürft ^ermann üon ©ieb für fein l£rjbi3tf|Mra öcit= 
bereiteten Sfleformbetticgung fiel. S3cr cefonnfreunbfic^e ftanäler 
ber ©tabt, $eter SeQing^aufen, tjatte mit tt|m tertfanbelt, um 
ifjn als ^ofeffor unb Eonfulent beS SRatfiS ju geroinnen. Sn 



1) aSgl. bariiber geflon Baip bie ausfüfiningen Bon ^acbcr o. o. 0. 

2) 2)n Bcrirag mil feinom 9Jnd)fDlger ©tep^on ßlingebijl J. 0. L. ift 
bfltirt Dom 'äffidiadiätaflc 1536; i^ra folg« 1639 bei SBorburgcr ^loft^i: 
3o§. »übet (t 1569), ipater 3uftin ©obict. 

3) Uc&et baS JJiilgcnbe ugl, S. ßrnfft, tijcalog. Ärbfittn ouS bem ttehi' 
iptflfäl. SrehiflEroctein, ftEiauBfl. oon eu)ert6bul<^, 2, 68 R. unb befonbtri 
ajorrentvopp, Sitmonn »on Sieb ©.88 ff. 159 ff. 



bv Google 



1. So^nn OlbcnboTp'S StbenSeang. 317 

bad 3a^r feiner Slnfunft (1538) fäUt bte ^bttcation be« tefov 
mirttn SonbrtditS ')■ Snbeg mar feineä SfeibenS junät^ft ni(^t 
lange; $^tli|);> uon Reffen getoann t^n fär bte äßaiburfleir 
^cultät, meldie bamalS nur mit jioet SeE)iem, ^)fenarius Wtoa* 
tataa unb ©tubAuS, befegt war. Unter beiS ^teren ätectorat 
ift er am 8. 3ult lö40 in 9)tarburg hnmatricultrt a(i „Glaris- 
simas J. U. Doctor Jo. Oldendorpius ab lUuBtrissimo principe 
Philippo e Colonia Agiippioa Überall stipendio vocatus". 
^6er ait^ ^ier uenveUte er nur hirje 3^'^' ^ ^^^ ilveiten 
^fte beS Saures lö41 ^t er nod| baS ^at&iä[)cig toec^felnbe 
Slectorat beSetbet; bann ift er (toir miffert ttii^t, aug meli^en 
@Tüiiben, noc^ genau toann?) nai^ ^(n jurüdgefe^rt , too mir 
i^ im Knfang 1543 mtebecfinben , unb jtoar al3 offenen 9In= 
^ger ber Mefomibeftrebunflen beS ©cjbifi^ofä, in Eonflict mit 
ben @tabi;ifarreni. Sei bem IRot^e »erflagt, metl er auä ber 
^onb beS ^^ologen SReinert^^agen um Oftem baS älbenbmaE)! 
in beib<r(ei (Seftalt empfangen tiatte, tcal^rte er in einem ^roteft, 
ber am 11. %frU jur ij^lefung lam, ben ©läutiigen baS lReii)t 
auf ben Äelt^ imb fudjte bie „mutbroitltge @(^mäl)fc^rift ber 
Krmeinten ^aftoten" ju miberlegen; für ben bon ber tf^ologi' 
fi^ t^ocultfit oerfolgten aj^einer^ft^gen Derfagte er bie ^pijieU 
(ation an ben STjbifc^of. %n 91at^ ber @tabt entfdiieb [v!^ 
gtflea bie Siiucrungen; er Knbigte Dlbenborp, ber ft(^ nit^t 
um perfBntii^ ju ii)am feefannt ^atte, fonbem au(§ feine 3m- 
^rer in gteiifier Mic^tung aufgereijt tiabcn foDte, @e^aft unb 
^^Henft. i£<g toaib it|m eröffnet, bafi ber 9iat^ ntd^t gefonnen 
fd, il|n unb feine ©efinnungSgenoffen in ber ©tabt ju bulben; 
unb n>enn ^njugefügt »urbe, bog man »on jebcm feinbfeligen 
%orge^ gegen i^n abfegen nierbe, .faQä er fit^ auf teine Riei< 
ttrm Neuerungen etniaffen WoCe, fo Dcrftanb fid| förOfiwnborp 
bie Unerffißbarfeit biefer Sebingung »an felbft. 



1) D. Jtam;)^, $nu6. ^toDinjialreditc 8, 273 ff- 
S^inpreufe. Üanliret^le 1, 809 ff. Stob6e 2, 896ff. 



db,GoogIc 



318 Sf^tee Satritd. 

9Ü£f|t lange barauf tomen an iljn neue Anträge bom Sflnb= 
giafen ^^tlipp'), bte tt)n jur 9}ü<fEe[)i nac^ SRarbucg einlnbrn. 
@r nffärte fic^ bereit unter ber brcifac^en SBebingung , bal i^ 
bie 2)urc^fü^iung einer äteform beS jurifttfdiett ©tubtume g^ 
ftattet, eine iBefolbung bon 200 ©ulben geWdtitt unb riiK 
geeiflnete ffio^nung ouf (eine Äoften äugetoieten roütbe. 5m 
^ StnDerftänbntg mit ber UniDerfilAt bantOtgte fie b« Soiibgnit 
unb ü&et(anbte Ctbcnborp am 13. Sunt 1543 einen „offenen 
^afepott", um wett^en er sum Sd^uge gegen (eine ©iberiü^n 
im ®ebiete Don SRainj unb 3:rier gebeten ^atte. @o oerlicl 
Olbenborp Sbla unb tarn nacfi SRarburg, Don Uo mi er feinm 
@tiett mit (einen bortigen Siegnern noi^ eine 3^t lang literanjf^ 
fortfeßte »). 

Clbenborp ifat buidi (eine Se^itptigtett, bie er faft 24 Salin 
fang in 3I7at&urg übte , ben ©lunb gelegt ju einer 8Iüt[|e b« 
iutifti(i:^en gocultät, luelt^e boä ®nbe beä 16. ^atit^unbera 
überbauerte. ^o^angefe^en bei (einen tSoQegen, fülirte er fünf> 
mal baS 9?ectorat. Et genofe boö be(onbere Vertrauen fein» 
treffti^en dürften, ber i^n am 29. aBdtj 1544 p (einem „fflaüi 
Don §aue auä" ernannte, mit ber i8e(timmung, bafe er in SKof 
bürg mo^nen unb (d lange ei moUe bort „jura profttiten" m3ge: 
jugtcic^ übem)ei(t er i^m ein ^aud, totltSjti bii ba^in ber fionuner- 
mei(ter 3o(t öon 9Beiterä be(e((en. ©eit 1546 ift er jugleitl 
fRatf) in ber (üt(tfid|en Äanätei. 1553 be(leöte if)n W^i^P ä"" 
„9te(ormatot" ber UniDerfität unb erneuerte bie SIn(tenung aai 
be(onbetem Sßertrauen, al3 Clbenborp je^n Sa^re (pöter (eine 
entlaf(ung oerlangtc. S3urt§ mannigfaltige ®e(dE|äfte ift Clbcn: 
botp öfter in (einet Sctirt^ätigtcit unterbro^en rootben ; jo toam 
im ^bft 1548 bie (ämmtti^cn btei ^rofefforen ber SuriSprubenj 
auf ®e(i^öft8reifen , im ©eptembcr 1554 tottb ebenfalls DIbot= 
boip'd 8IblDe(en^eit, im Sommer 1563 bie Unterbret^ung feimt 



1) iSttffe Im Wat&urgtc ÜrdiiD Dom 9. 13. 15. Suni 1543. 

2) ReBpouBio ad impiam delationem etc. Marp. 1543. H'. Ccofu- 
tatio judicis abomiaabilia — adversuB J. Meinertzhageo. 1543. ä*. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2- »«irt^tUuna Sofann Clbenborp'S. 319 

iBorUfungen erwähnt. KIS „Mefotmator" bet Unttierfttat ift er 
«nngif^ eingeriffenen 3Rtptäuc^ entgegengetreten; bic „refof 
mirten ©totuten ber Uniuerfität' »om 14. Sonwat 1564 finb unter 
ieiner SRitttitlung cntlnorfcn. 

Sanbgraf '$\)üvpp beroatirte if|m fein 93ertrauen bis ju (einem 
3j>b€. 3n (einem 3i(tflinente empfahl er feinen gr&en unb 3ia(^= 
fotgem ben treuen Wiener; (ie foHten i^n „e^rlid^ unber^aften, 
auc^ fonften über ilin Ratten unb i^n utc^t ouS beut Sanbe 
lonmten loffcu". Dtbenborp überlebte (einen fürfttic^en Oönner 
nur um äBiei SRonote; er (tarb am 3. 3uni 1567 , fiebenunb' 
flc^tjtgja^rig. 

2. ۊ fcinn nic^t (etilen, bag baS UrtlKiI bei 3^tgenDf(en 

fibei DIbenborp in ber won Ijeftigen flämpfen erffiütcn ^riobc 

(eines fiebenS je nai^ bem ^arteiftanbpunft fet|i t)<t(^ieben lautet. 

^ßrctfl ttin ber @ne als einen 3Rann „Sein an ©eftalt, aber 

grofe an 3:!|atfraft", fo tobelt ber Mnbere (ein „unftifle« ©emüt^" ; 

mtb tDät)renb [eine fat^oItfd|en @egner in Sioftod unb £übed H)t\ 

„SHeb unb ißerriitt|cr" nennen, Ijebt 3. ©pteget in (einet Nomen- 

clatura (Ed. 1564 p. 205) ^eroor, baß bei i^m ber ©pni(i^ 

„®tn 3«ri(t ein böfer S^rift" nic^t äutre((e. 2Rag (ein SBcr^aften 

in Sübetf nidit (lei Don ^abel (ein, mag eS fein, bag er in 

(einen EBcjie^ungen ju ^uUenmeber me^r Alug^eit als %u(' 

ridjtigteit bewicfen f)at, fo ^ftet an (einem ft((entti(§en Sirfen 

tor unb nad^ bic(er httjen unb 9cfä^rlt(^(ten ^eriobe fein SJtirfel. 

HQeibtngS aber mug (ein gaujeS £Be(en mit bem 'SSta^t ber 

fitaftnaturen einer witben, (türmifti^en 3*'* gemeffen toerben. 

Gnergi((§ buri^greifenb »erroatteter bie i£)m anDertraiiten Stemter; 

rao man beS Hugen Mat^S, beä jünbenben SBortS, ber men(i^en> 

tunbigen Ueberrebung bebarf, ha ruft man i^. Uner(ä|Ütterlit^ 

tritt er ein für bie Deformation, (etb(t bie SESiebertäufer will er 

geft^ont tttffen, (ofem fte bie ©renjen beS Slet^ts ni(^t über' 

(Reiten. SRit unermflblid^ ©fer unb nie Derfagenber 9trbettS= 

(taft ift er bemüht, bie juriftifdie 5ffiiffen((^aft unb ^raps in 

(|ö^ iBo^ncn ju leiten. ©t^ifdEie Qiüe finb eS, bie i^n leiten; 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



320 «t^W ffüpitcl, 

tpii finben i^n nti^t auf bcn Segen beti Stgennu^. Uitb 
bennodi t)iRterlfigt er iinS nic^t baS Stlb einei ettitf^ bun^ 
läuterten ^erfönliditeit , an bet nit^t» haften bliebe Don bra 
erbitterten ©i^mä^unflen , mit benen^feine SBtberfoc^cr flin aHtr 
Orten überhäuft ^aben. 

3in fein ^rinatleben l|Qt feine in ©teifÄBialbe flefi^loffene 
imglüdli<% l£I)e einen trüben @cf|atten getoorfen. 3n äRarituig 
^at er in jtoeiter (Si}t gelebt ; in Srtefen unb Acten wirb feint 
fjrau Stnna erttä^nt; er moi^te ft(^ bur(^ ben (S^ebnii^ feinrt 
erften grau na^ ebangelifdicn ©tunbfä^en ju ä»eiter ^erral^ 
für bere^tigt fjolten, au^ ^fet eS*), baß ber ju JRat^ ßeiogene 
Sut^er fein iBebenfcn bagegen gehabt l^abe. 3n SRorfiuig ofnt 
erregte baä aSer^ältnif; äergemiß. 3)o8 bortige ?Ir(^tjj bewatirt 
ElQnbfc^riftlit^ ein (angeS ^aSquid, n>eld^es$ Olbenborp in c^nifi^n 
SäJeife mit ©djimpfreben fibet^ftuft, i^m unfittlit^en Seben8= 
manbel aOgemetn Dortoirft unb i^n namentlich befdiulbigt, bag n 
f eine ^rau berlaffcn (gäbe unb in feinem $aufe eine Soncubine lialtc. 
^ 3''f<>''<'<i^ii^(>tiS "*'' ^^^\^ @i^mäE)fd|nft ftef|t ein Sonflict 
jttiifc^en Olbenborp unb ben äRarburger ©eifUii^en, an beien 
©pige ber bekannte ^^eologe 9lbam ^afft (Srato) ben ©treit 
führte, ©ie Ratten j^n unb feine t^rau im Sa^te 1554 Don 
ber 9tbenbma^I«gemeinf(^Qft au8gef(^Ioffen. SDie ©ai^ fam bnrt^ 
einen Seric^t beS ^rofeffor ^cob Ser^ner an benSanbgrafen'). 
beigelegt mor ein ©cfireiben Don ffirofft, worin eS ^fet: OlbenbotlJ 
(olle, menn er ben Spräbicanten nic^t mitt&eilen möge, mie tr 
mit feiner ^nna fiauS^alte, ftdti gegen Seräner barübec e^liciren. 
ISrfläre biefer auf @^ie unb ©eloiffen Dor @Dtt, ba^ Olbenborp 
etielidi too^ne bei feiner Slnua, fo tooQten bie ^cAbicanten i^r 
Unred)t öur ber ©emeinbe betennen unb SBeibe um aSeriei^unfl 
bitten. SerSnet meint in feinem SJerid^t, eä fei jebenfallS iridlt 



1) ^atber,a. o. D. ©.4G0f. 

2) a)iE Snnrefponbtni 6epnbtt fid| im gKaAuxfltr Hr^b. Skiftwt'ä 
©rief ift Dom 26. September 1554 batirt; ber »rief bt8 iJanbgrafen ttilgt hin 
aifttuin. Utbtt SerSnei {tl579) Bgl. ©trieber, ^. QM.-ISt\4). 7, 503f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2, Sturt^ilunj} So^onn Clienboiv'S- 321 

in bcE Crbnung, bag tne ^fibicantcn gegen Olbenboip in beffcn 
XbrneientKit, o^ne il|n ju E)ören ut^ mit i^m götlit^ ju bn= 
^nbdn, ODigegongen {eien. „3tn aiu^ o^ne 3B>ctM. nenn bie 
^idtncdtiten unb bie (Semetn ju SÜaibutg ben Codicem, qul 
non 68t Doctoris Oldeadorpii, sed JuBtiuiani imperatoris hielten 
unb Dcrftünben, ti toürbe in sielen SMngcn ßeffer ^inge^en, benn 
t^unb geit^te^t." fianbgiaf '^f)üipp, ber aUerbingS in Sachen 
bei 33iganiie ein tiaiteitf^et Slü^ter war, erlieg baiauf ein ft^atfeS 
Biftäbca an Stta^t. I£S itinunt il|n SSunbei, bag bie $cäbi< 
uuitcn Clbenbocp jegt baS Saccament becuieigeiten, nai^bem er 
mit fdnec ^uSfrau fo oiel Sa^te f(^on in aRai6uig gewohnt 
unb hai ®aciament empfangen ^abe; e^t man fte genugfam 
gei)&rt, t)ätte man fie ni^ auäf(^(iegen bArfen. „9Ran mert 
l|ietauS, bag biefe 3]ing oQein aud ^g geft^^n, bag 2)octor 
01benboi|) bie Unibeifität cefotmtret, ba mit ben ausgaben un^ 
Rbüt^ unb {citfam umgangen, au(^ auffiet)!, baß bie fiectoieä 
nicf|t fo eigene SSJinlel'SectioneS Ehalten, unb bie Stipenbtaten 
tcfonuiTCt, baft fte ni^t olfo ungebQtlii^ in bei ®tabt um^er 
lieffen, [oiibem im Sßabagogio bleiben, ouc^ bencn bie ©ti;«nbia 
gereift toütben, bie bie Ingenia ju ftubirtn, unb ntc^t nac^ 
Sunft, Die 1)ietior mit Stücken geft^e^en." 3n öEinlu^en gfiQen 
feien bie ^ßifibicanten nii^t fo „^eilifl" gcroefen. ©dbft wenn 
bie grau Clbenbor))'^ SoncuEiine n>äre, fo iPoUe boc^ SCuguftinuS 
.bJefdliige Qoncubin, fo bei SDIann lein Sffietb (^at), Don bec 
©emein ©otteä nii^t auÄft^liefeen". SPftt biefem ©greiften fdieint 
bie ®ac^e erlebtgt ju fein, bie Olbenboip'S SInfeEien ni(^t ge* 
fi^obet ^at. (^ foQ mit feinei ^au 9nna btS ju iE)rem Xobe 
(26. 3nli 1566) in glüdlit^ S^ gelebt ^aben. 

CUKiibot)>'d £ef)Ticit fSQt in bie elfte ^jjeripbc be^ beutjt^en 
^umaniämu^, feine @ntu>idlung in bie @tunn< unb ^angtMitobe 
bei Kefonnation, unb feine iBilbung nie feine ^iiEfomfeit in 
Sctot unb SSiffenfc^aft tiägt Don beiben i^ren 'SU.mpei. Si 
ratib Bon bcm frif^eren unb freieren ©cifte bei 9Biffenfi^aft 
erfaßt, fugt aber in feinei ^bung nit^t auf einer ft^on uoQ' 

•tlitlii, «d^ b. antlimiktnt. L 21 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



322 «4« »flpff I. 

jogenen Slegenetation , foitbern f^Ieppt nod| bte S^oQei^bn 
alten 3«*. ber et ft^ S" entoinbm fttebt, an ben getfen natfi 
fic^. ©einer gönn fe^lt bte SIeganj, feüiei reid^ ©dE^tfamEtit 
bte ®^ule. SDIit ganjer SfanneSfraft t)at er fi^ bis jui ^^ 
feinea Sebenft an pta(tifcf|en ©efr^ften, an ben StSmpiai Ittt 
f|ill|tenben Qiät bettieiltgt, unb etft im fiöl^eien Klter, bem {«^jigflm 
Se&enfiiaf)ce nol^i fldiutgt er ju ergiebiger npiffetifi^fllii^ 
^ätigfeit, bte uns in feinen Opera (Basil. 1569. 2 toI. foL) 
nur jiun X^ vorliegt. iZ^er Umfang feiner ©dirtften legt ein 
3eugntg ab fuc bte ungmöf|nli(^e Skifte^fiaft feines ©leifenolteri, 
bai» neben fc^rtftfteQeiifd^er Strbett oon ben ^ic^tra Ui S^ 
anttS unb ;)ra[tif(^en (Functionen erfüQt mar'). 

@etne erfte @d|rift: Rationes a. argumenta quibuB in jure 
utimur. Rost. 1616. 4", bie er als ßicentiot feinem Dfieim Sß6. 
jtran^ toibmete, tft eine fur^ gefaxte %op\t, m^ Bdbug gat^ 
im ©eifte unb ber gorai Iw^ o^*«' ©t^ute gearbeitet; mir 
14 loci finb barin erörtert. 

3tt>ifi^€n btefer l£rftlingSarbett unb ben im t)ioIgenben jn 
befpre(§enben Soften fiegt bie jmanjigiö^rtge iperiobe Oid' 
bewegter pcaftift^er ^ätig!eit. 3)ag er tvfi^renb berfdben bie 
©tubien ni^t nenta^taffigt t|at, seigt ber ffirfotg. SK« ein gonj 
9(nberer ge^t er barauS [)erDDr. Qmai bie 3SängeI ber alten 
@<5ute imrfen no^, aQrin ec ift jum felbftänbigen ©eiftt flt^ 
Sorben, ber boS ganje (Sebiet ber ERec^täbitffenfc^aft überfc^aiit, 
bie SSiibungSiiete Clar erfennt unb in eigent^ümltAer SSeife bie 
Probleme für eine Degeneration ber SBiffenfc^aft ju ft^en unb 
ju löfen fui^t. Sber freiließ bürfen mir nicf|t eine reit^ %6&t 
neuer ®eban!en ertnarten: »ielme^r finb ei beftimmte ®nmb> 
anf^auungen. »el^e bei il)m in nerfi^iebener Sormuünntg nrfebet' 
jule^ Pflegen. 



1) ^a Dcltftantiigftc fßaitiäptti fclnn Si^riften, namattfii^] oiut 
friner in wrft^itbenen Sammlungen jerftteuten fficnriMni giebt Sttieitt 
10, 119—139. 



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3. IBeuT^dluns 3o^nn OlboibDtp'S. 323 

OlbenbdT^ ift fein gelehrter S^xlt^^' fonbern eine pcaftifi^ 
gerichtete 92atui. 2^ie 9te^tgniiffen(c^aft ift tf|m f&i beit 2)ienft 
beS fiebenä fieftimmt, aber aui) bte aSorou8(cgung einer flejunben 
iptoji«. SStboftifd^ Qitit ftnb es ba^er, welche er oor aütm 
im üiigc I|at. S3on ber ^bung ber Ce^re ift fBefferung ber 
9Ic(^t8t)fiege ju ertparten, ba^ ift eine SIefomi beS Unterri^tä 
bic er^ fflebiiigunfl, weld^e er 6ei feiner ©enifnnfl na^ SRat' 
bürg fteüL 

(£r felbft fdCireibt baräber an ben Sanbgrafen: „^imiiä) jum 
erften ein ftubium juris (neben ®otS Üßoit, baS bor aSen mug 
getrie&en unb gelert fein) bermaa^en aufi)urid|ten, bafi <Sm. fürftt. 
Q^nabcn, beSfelbigen Sanbe unb gange teutfi^e i^ation Sob, S^re 
unb Sefferung nit^t allein im @(^ein ber Sßort, bann auc^ mit 
ber ^at folgen tnufite unb foIid|S im S^rud offenbar auSgeEien 
ju laffen unb ju (lolten. ^nn mannen bie matfi^aftige Se^re 
unb ©bncotton ber Sugenb in bef^riebenen Steinten unb ber 
SiQtgtrit mdgte toieberum (als 6ei (Stücken tior klugen unb 
^i(i^)) äRe(and|t^Dn treuUi^ baju f)elfet) in bcn 3>i"in9 gebracht, 
fo ttiurben E. 2f. ®. unb anber ©tänbe bietet SRogc unb Unluft 
ent^ben bleiben." Sanbgraf 5Pf(iItpp ontmortete barauf, er fei 
bamit einberftanben , „ba^ 3^r baS ©tubium in ein rid|tige 
fftnnßc^ turje Orbnnng richtet". 

8Bir tjaben bei biefer Jfteform ui^t on äußere ginrii^tongen 
ju benlen, unb ba^et ift au^ übet biefelbc in ben Veten unb 
Statuten bei Uniberfität nidjtS )u finben. Olbenbot)] wiO befreit 
fein Don bem 3ttiange beS moB Italicus, befugt fein, jus unb 
aequitas nac^ feiner 1D?et^obe le^tenb, 6rau(^bare Sfuriften ju et« 
jietien- ^e SttbungSjiele fte^ i^m ftar »ot 9(ugen; nic^t 
butt^ ^iftinctionen unb S^litittening in (Sinjel^eiten, fonbern 
auf f^nt^tifi^em Sege [mi fie gu erreid^en, inbem bad gefammte 
SitbungSmaterial, UKidieS bie neue 3^t ju^ SSerfOgung fteUt, 
%noenbung finbet*). ÜBon ben letzten @rünben beS 9lecE)tS 

1) 3n bti Epist. dedicatoria jur de jare et aequiute diapatatio 
(Colon. 1541) f^ieibt tx: Nemo enim aperasaet naquam Tel lingnarum dona 

21* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



324 «4»« «Qpittl. 

t)^Uofof)^tfd| unb ^tftonfdi auiSgefienb totQ Clbenborp bit <^m 
jeltietten logtfdi begrüiiben unb na^ aUgcmeinen (Sefit^t^nnftni 
(loci) otbnm, um beit @d^üler but$ benugte ^enjc^aft übet 
ben @toff jum tfld^ttgen ^taEtifei ^ranjubilben. 3n biefci 
ätic^tung biSponirt ^aben Vir uitä feine fic!|rtiacträge ju benlen, 
beten flogen SeitE) unb Srfolg feine Bdtäln meit^in lü^uitot'). 
$)ie äHoröurger gocultät (teilte btefer SReuciunfl feine ©c^mierifl» 
feiten in ben 33eg. S)te allein in £9etia(^t Fontmeiibe $eT{&n> 
liditett, bcr ()0(^ange{e^ene SSicelanjtet Setiai<iiS3)2ontanufi'), 



aliasqne diBciplinaB tam pure nobis ex sumna b&rbarie reatitai po- 
tuisse. — Quis ignorat F. MelaDChthonem totam de moribas philosophitm 
metbodica rattone id epitomen contrazjase, quo magJB et capUii gtndio- 
Borum et foro deserviret? Quis item hob vidut CantiuncolMn — praeter 
alia Institatioiies certisBimo doceitdi genere paraphrasticräB enarrasM? 
Quis nou iegit Budaei, AIciati, Zasii monameuta? QniB proiade doq 
admiretnr 0. Halouidri sudores, qui divino quodam coDsilio libri» 
Romani jnHa coiruptiBsimoa, priatino iiitori reetituit, iiulla pronus vtle- 
tudinis babica ratioae'i' Quin denique nescit J. Spkgelium apera lonp 
atiliasima juris lexicon Btudiosis edidisse, quo Romanas Tocea sie eipticat, 
at nihil merito desiderari posstt? 

1) Sgl. ©lin^inQ, 3:anner'S Sdefc €. i3. 

2) Sodann (Sifermann, geb. 1485 abei: 14»6 ju Kinöticbuig, at* 
tti SBIttcnbctg Mag. art., ^accalaunuS bei X^logi« unb Stnntiat bn ÜDtttoiB, 
laS aI3 Tccipiilcr HNngiftrr über $[ii^otclee, Sicno, Qutntilian u. f- n. <fc 
bctfeib«te tai Stectorat im %Sinlcc 1521/22, jog bann btt Ifariftabtif^ni 
^ünbel mcgtn fort nni^ aßncbutg, wo k bic ffiitliM eitwS mo^I^obtiib«! 
iBiicBetd ^ettat^lc unb 1525 in ben Stabtrat^ eintrat. Seine 3^tigftil 
flifl ©4öfie führte i^n juiu ©tiibium ber3uri6prubeiy; cv roart Beififcr W 
ijofgeriCEltfl unb bei löegrünburg bcr UniDerfitat 1527 5iro(cfiDr bt« (liiiilirtitS 
unb erfter Stcctor, 1533 bei eifte in 3Haibuig prontobiite 1). 3. U.; 1536 
Sicelnnilft; ftoib 25. 3unt lö5a. Seint Öflei unb jnmr oui^ aulct^lb 
DcutfdilanbiS gebnidten @(^ftcn finb, fo loeit Id) [u: geje^ |a6c: Addo- 
tationea in Inatitutiones. 1532. 1533. 8*. Comment ad Tit Paad. de reg. 
jur. 1537. %". Comment. de appellationibna et eamm vero ratione. Sappli- 
candi UBU etc. 1542. 8°, Mb^nbdtngen, rocl<^ [fitex unter bem ^ttl Pro- 
gymnaamata forenaia (1654) tHietnigl ^rau4gegtben (ein foDen. De jitdi- 
ciorum praeexercitamentis enchiridion. 1555. 8". In n^ua fendonun 
collectanea quodammodo metbodica. 1555. %". FaraeneBia de repubVi« 
bene iuaUtuenda. 1556. fol. — %g(. Stiiebei 4, 90ff. «. b. %. 6, 719f. 
<«ut^ei). 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



a 3otmnn Ottenboiii's S^riftcn. 326 

^atte f!$ in ü&Üttcnbetg eine neitumfaffenbe tBtlbung emor&en 
itntp bort al3 3Ragtftei ixi in fein gereiftes äSanneSaltet ^uma-- 
nifttfi^ S^t^er geteltrt. I&icfe unter aßelanc^t^on'd @tnftug ber* 
Irtte 3cit tofatte ntttfi, alä er in SDiatbutfl jur SuriSptubcnj 
überging: unb feine @t^tften geben 3^ugnig Don einer ni(^t 
gnnS^Iit^en f)utnanifttf^n ^Oilbung unb einer geniffen Steigung 
ju „met^obif^er" fB^anbfung ber 3D2aterien. Seine Sttd^tung 
lonnte alfo Otttenbor)) nit^t anti^at^tfi^ fein; motif aber 6eftel)t 
ein merStdier ®egenfa^ jloifci^en t]ferranuä' Verfd^nommenet 
Steile unb Dlbenborp'» fc^orf biSponttter marfiger Äflrje. Ucber 
bai jjerfönlti^ SJer^filtnife ber ®eiben ju einanber feliren un« 
letber aUe Sflai^iit^tea. 

't>a& E)ter im SDgemetnen über Clbenbor)) ouSgef^itD^ene 
XbctSfat toitb eine genaue« ©etrai^tung feiner ©c^riften eriäutem 
unb beftfitigen, in bentn und überall jene ^tje unb Stlar^ett 
bed 2(u3bru(f3 no^It^uenb berflt)it, felbft no uns SBiebertioIungen 
beifetben @ebanfen begegnen. 

3. Säja^renb feiner ^ofeffur in Solu liefe Dlbeuborp in 
rafc^ec i$i>Ige eine $tnjal|l juriftifdier «^(^tiften erf^nen, toelc^e 
er bann gefammctt unb oermefitt unter bem Xitet: Variarum 
lectiooiim libri ad juris civilis inteipretationem (Colon. 1540. 
fol.) Ifcravi^ab^). 

1. ^ruorju^eben unter biefen ift bie Eiaaymyi, juria 
naturalis sive elemeotaria introdactio juris naturae gentium 
et civilis») mit i^ren 3"fö&fn "i^ Sln^ängen. Clbenborp eiit' 
toitlelt §ier bte @tunblQgen einer MetfitSp^iloiopfjie ober eineS 

1) 3ti btn jiceitm SSInti ttufntt^t ge^jltnt: Collatio Juris civilia 
et canonici. Colon. 1541. 8^. De jnre et oeqiiitate forensi dispiitatio. 
Colon. 1611. 8». 

S) Colon, 1539. 8°. Lugdiin. Call- 1546. h". Sfeue «uSgolie U\o^\ 
Doa C. A. Martini. Tieaime 1759. 8°. — 3)ic hagage ftnbel |ii$ flitger in 
Tariomm lectioaum libri ad jaris ctr. ioterpretat. Colon. 1540, fol. aui^ 
in Oldendorpti Opera T. 1 unb Tractatas tractat. Lugdnn. 1549, fol. 
Voll fol. 46. — 3n ÜbKii^ng nbsfbntdt bd gollcnborn, bic SorlSufn 
bc« ^Uflo »rotiu». 1848. 8", Hbt^, 2 ®. S R. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



326 V^MeS KapiltC 

nutuirei^tlit^m ®9ftemS, unb ti ift bestoegra fäi Ufa bas ^= 
bienft bei ^ßriarität bor §. ©lottud in Vnfpntc^ genominai'). 

(ii lAnnte auffallen, bag ein fo buni^ unb burt^ bem piot^ 
tifc^n Sefien jugetoenbeter ^ann mit einer ))^iIofop^tf^n %i:6eil 
feine bebeutenbcre f^iiftftellerifd^e 3:t|äti8lett eröffnet ^t. SOItin 
bei aäkg, auf ttKld^m et ju biefei Arbeit getangt ift, unb hai 
3iel, Weidfti er Derfolgt, finb burt^an« ptaftifdfe. 

^iflx eifODt bie Betrachtung, bag „jttoi bie S3tffenfd|aften, 
namcntlil^ aud| bie civilis diaciplina fett ^atoanbet'S $anbdten' 
ausgäbe, blühten, bemungeo^tet abet bie ätet^tsiviffenft^aft bor 
aßen anbeten SBiffcnf^aften bunlel fei", ©r fotfc^t nac^ ban 
®runbe unb finbet i^n in ber falf^en Crfirort, bie baS Sinfai^ 
tueitläufig ntai^e unb auf baS ^»cattift^e !Bebürfnig leine 91fi(fftc|t 
neunte. @S fei bot aOent not^toenbig, bie eitle £uft am 2>i8tiU' 
tiren ju befeittgen, uxis freiließ uio^I nur burc^ S^^totf^Imift 
mät^tiget tjfütffen gelingen tcerbe. 

!S)ann fecnet aber fei bie nötige äSettjobe }U befolgen, na{^ 
tvefi^ man bie CueUen tiot ben barauä gesoffenen Säc^tn 
lennen lernen muffe. SDemgemfife fei eS nöt^ig, ba§ man baä 
®tnbium mit bem jus naturale beginne unb erfennen lerne, vk 
boS jus civile, auf beffen ^enntnig baS ))raFttf<^e 9)eftteben ge* 
tilgtet ift, aus jenem ftiefee. 

Um ben ISegriff bcS jus naturale feftjufteQen, ueift er bie 
befannte S^eftnition Ulpian'ä mit bec Stemerfung ab, bog bit 
^^iere, raeil fie leine Sietnunft Ratten, au(^ fein iRed^t bot™ 
Knuten, unb nimmt bogegen Stcero'iS Definition ^n: „est ratio 
Bumma iiisita in natura, quae jubet ea qoae facienda sunt, 
prohibetque contraria". @S ift baS ®e\e^, toel^eS ®ott felb^ 
ben ^erjen bet S)2enf(^en eingegiaben I|at, unb ba^er ift bai 
jus naturale jugleic^ mit bem äHenfdiengeft^Ie^t entftonben. 
ÄccursJus interpretatur : Natura b. e. deus, nee unquam in 



1) egL Kadenborn o. a. O. 6. 233 ff. ^inii^«, «kj«. ti. 
Slatui' unb tSälhmt^te 1, 19ff. ^OTber o. a. O. S. i63f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. ^^oiut OlbenbOT))'« Streiften. 327 

toto jure aat Terine aliquid dixit ant plora ano verbo com- 
plexsB est, qaaaqnain virn non intelUgeret. 

SQetn bie tnenfdtlii^ Statur unb fiSccnunft fuib beiborben 
lutb berbunfelt büxä) ben ©ünbenfaQ; unb bamit tft bie Aenntnig 
btö natfiific^ ober gfittlti^en 9{ed|te tterloTen. ^ feiner Ißartn' 
^eijtgfeit obei ^at ®ott bie Aenntnig emtuert, inbem et bte 
j^n ®^Dte auf ftemente 3iifeln fc^reiben lieg, al« ein fiebere« 
Seugnig bee burt^ ba« 33ort ©otted beftätigten notfirli^ 
9te(^t8. 

9hin folgt eine Auslegung ber je^n ©ebote mit ^iii' 
toeifiing ouf biejenigen Snftitute nnb ©runbfflge be8 ©Dilted|t*, 
loeli^ ftc^ auf biefe ^ncipien jurüdfüliren laffen. iOiefe g5tt= 
ü^ ®^ote Hob als bte Duelle beä älteften lämift^en Stbtl« 
rerfita in ben 12 Safein anftufeffen, ba bie SÜimer ton ben 
®ne(^en, biefe abet Don ben ^brfiem gdecnt E^aben; unb ti 
oerben bie Sc^nlit^Ieiten im Sn^alt t|en>orge^oben. 

f&om göttlidicn ober natürlidien 9te<i^te toirb auf ba& 
menf^Ii(^e Ke^t Abecgegangen, beffen ditefte aufjeid|nung 
in ben 12 S^afetn, beten SJcnntnife »ir Siceto'S ©t^rift de 
l^bus oetbanfen, ju ^nbcn ift. SS folgt eine auSfü^tli^e 
Snteivretation bei toit^ttgften ©tfide ber jnölf tafeln mit 
^imiKtfungen auf fpäteteS rbmif^g 9M)t. 

ClbenboTp ift, »ie aui^ fein 3^tgenoffe ^ob @;)(egel 
(Lexicon jurie App. coL 97) rßljmenb (tetöor^ebt , ber Stfte 
geu>cfen, tseli^et bas pofitioe {Rec^t eingelienb auf bae 9Iotur< 
let^t jurüdgefü^rt, jenes aus biefem ^ergelettel I)at. SIber 
bie (Stunblagen feinet lec^tsp^ilofo^tlifcfien Setra^tunQen finb 
nid^t Don i^m felbft etfonnen, fonbern Sßetanc^t^on'S ett|ifd|en 
Sdriiften, namentlich bei Epitonie philosophiae moralis ent* 
nommen'); unb fo menig wie btefei unteina^m ec es, ben 3n» 
t)aU bei Slatuciei^tS felbft auS ber menfc^li^en Statur t^erguleiten, 
nü^ienb ei boc^ fagt, ba% eS buic^ biefe gegeben fet. @r ent' 

1) Sgl. eantl, 9Ktlait4t^Dn bct Surift. 3dtf4ir. f. 9led)tSgfr(^. 
8, 349 f{. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



328 «(^M «apitd. 

nimmt ben 3n^t ouä bem Slelatog, täfet it|n ftt^ affo buHfi 
Cffenfiarung geden ; obgleich et not^ (einen ^Jrfnctpien i^n in 
ber menfrf|Ii[^en SBermmft ^fitte finbm lönnen, ba biefe biin^ 
bcn ©önbEnfaH jtoat tierbunlett, aber ntc^t ganj toerönbert iit- 

3n bicfer Mnfnüpfung bet p^i(oIol?f|t[(^n auSgangSpunte 
an bie Cffeiibantng unb bei boneben getienben faft unau^gejrtjtm 
^Ttiletinung bec ^^ebucHon an Siceto, beffen Stutontöt ba* 
(c^Iiefefic^ entfi^ibenbe STiflument ju (ein pflegt, seigt ft(^ Dlboi- 
borp'8 mittefatterfic^e S8c(angen^eit : et ttout ber gegebenen' 
3(utoriiät gegenüber (einer eigenen SSemunft not^ ni^t bie le^tt 
(£nt(i^eibung jii. 3m Uebrigcn aber toill er ei niijt julaffen, 
baft aai bem Scangcltum pofitiDe ^et^täfä^ ßber iibt)(^ S)ingc 
}. ^. ädcr baS Sigent^um t)eigclettet loerben, (onbetn beilangt, 
ha6 geiftlidie unb weltlidie 3)inge ganj fle(i^teben bleiben. ®t wr- 
tritt jomit nadibtAcEli^ ben ptoteftanti((^eR ©tanbpunft, bofi 
jmat baS 9]ec^t eine göttltt^e Snftitution, ntd^t aber jebes gMt< 
lidie ©ebot ein Mei^tSfaß (ei (Praeceptum VII). 

S)ie Sicrglct^ung be8 SJelalog» mit ben 12 g;a(etn i(t 
Olbcnborp eigentf^fimltt^ unb um fu bemetfenSuert^er , ali ba< 
mala bie Collatio legum Mosaicarum et Romanarum ntK|| 
nid)! bdnnnt war. gr(t 1573 i(l bie(e ©c^ttft üon ^t^u8 
cbirt worben. 3)ie t)t(tori(c^e iSebeutuiig bei Cfbenboi))'(i4en 
@(^itft tiegt aber im ©runbe nur in bet t^ormutirung unb bem 
crften ißcr(ud| einer Söfung bet ?(ufga6e, baä po(ttit>c Met^t au« 
bem imtütlidien tiersuleiten unb glcidilam baran (einen ©erö» jh 
mc((en {Tit, IV de jure civili. Epilogus). 3« bie(em ©innc 
fann man il)n einen 5JotIüu(er beS .^ugo ®rotiu8 nennen, 
!eineSRieg8 aber ift ti juläfna, (ein iBerbienft auf Soften beä 
großen 3Iicberiänbet8 ju ergeben. Dtbenboip i(t in feiner dtt^ti' 
p^iIo(opt)ie trebet original not^ aKeinfte^enb : benn tote ei odh 
aneland)tI)Dn beftimmt mürbe, fo fjat gleic^äeitig Sonrab fiagu« 
(einen compenbion((i|en ?(brife beä Sfiaturrei^tiS »erfaßt, bei, nie 
ttir (aljen, mit gntfi^ieben^eit behauptet, bafe baä 9Ie(^t feinen 
Urfprung in ber mcnfdflici^en Ülemunft tjabe, auS roel^ auifi 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. 3»^<»"> Clbmbotp'B ®iliriftra. 329 

litt 3n^alt beS S)eTaIogÄ afigeleitet merben IfÖnne, o^ne freiftdEi 
bieje ©ebanfen übet einige 9Inbfutungen tjinaiiäjuffll^ren. 

2. 9laä)bzviHii^tt aU ik t)^itofopfiii(f|en Sfiö*" »ecfolgt 
CQwiborp ben prafti(c^en Smtd, eine Sefferung ber SRedtiWpftege 
in 3)eutfc^Ianb ^erbeijuffiliTen. !S)aTauf jtelt bie SRelirja^l feiner 
Schriften, bie et ofö ^ßrofeffot in ftötn unb SRorburg cinjetn 
unb in feinen Opera gefammelt (Basil. 1559. fol.) ^etouS» 
gegeben ^nt. @t loibmet feine Opera ben Äutffitften beS beut= 
fct)cn Setd^S, benen bie RIogen fifeer bic fißnge ber ^oceffe unb 
bie Unfiiiier^eit ber ©ntfti^ibungen bclannt feien, filagen, bic 
auf aOm SRci^Stagen jur ®ptad)e t&men unb benen man bei 
faifetlti^ unb fürft1t(f|en ©etit^ten bucc^ !tSifttattonen , i8er= 
me^ning bet Seifig unb ®efd)äft8oritnungcn abjufielfen fuc^e. 
Aber bnS Uebel liege tiefer. 9BefentIic§ rtfirbe nur gef|oIfen 
meibcn, tnenn bie $arteim gendt^igt Mrben, px&di unb Eutj 
fonnultrte fflagen unb Sert^bigungen ju übergeben, unb ben 
Äi^ttm unterfngt tofltbe, ol|ne ^rngabe bon ©riinben blofe mit 
ber Iceren Sloufel „auS beKcgli^en Urfa^en" Urtfieile abju= 
grfwn. iBot altem aber fei bct juriftifc^c Unterricht ju 
twrbeffem: benn „quäli modo Btudiosonim animi imbuuntur 
& pracceptoribus in scholis, tali snccessu per totam ritam 
fuuctiones pobUcas administraut" . (Jr ermahnt bie ffinrfilrffen, 
an biefe SSetbeffetnngen bic §anb ju legen, unb wiO baS ©einige 
bap t^nn im Unterricht buri^ @(^rift unb SBort. 

93ot Sollten ^atte Olbenboi)) ba^S S^etlangen au^gefptoi^en, 
bofe flönig tJerbmanb mit feinem (atfertic^en Srnbcr burdi um= 
fflffenbe ©efe^gebung fn^ ben 9tu^m Suftinian'S erwerben unb 
bem 9^eidie ein tiaxti unb fidjereS 9}e(^t geben mälzten (Epist. 
dedicator. ju ben Progymnasmata. 1543). 3e§t ^at er feine 
Hoffnungen ^rabgeftimmt unb feine Sorft^fäge auf ©efeitigung 
etniflcr funbamentalen Uebeffiönbe beft^röntt. 

3. SBaß er in bet Sßortebe ju feinen Opera nut anbeutet, 
ift bie SBieber^oIung Don ©ebanten, bie er rn feinen „ Adsertiones 
ex jure et aequitate de bis rebus, sine quibus neque 

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330 V^te« SalfM. 

judicia recte constitui, neque publica traaquillitas retiueri 
potest" auiSgefOIiit fiatte. ®ie finb juerft in äRoEburg 1553. 8* 
erft^ienen (Opera 1, 545), ^aifei ^tl V. uitb bent rAmift^ 
Säntg ^binanb genitbntet, beneit er bie (irahtfi^e ^Ziutd^fä^iung 
feiner 93oc{ä|Ifige and ^erj legt, .^te ecfte Adsertio laatet: 
Omne Judicium Bollemniter perageodum neceasaiio exigit 
editioDcm actioaia. Sie ift gegen bie 9(u8artung bcS ortiEu' 
litten SSerfo^cend gerii^tet, isel^eä bie I^eiUofefte IQeiDiinuDg 
unb ißerjc^Ieppung mit fid) bringe. SUIein nit^t bte bamaii 
geltenben a3efttmmungen bet S.&. > Crbnungen , toDnadi bn 
Kläger eine „Summari-Sttage" einrett^en unb niu^ bei Siti^ 
conteftatton aittfutiren ober au(^ bie Sttifel im ^aglitxQ anti< 
cipiren tonnte, betfimpft fein Stngriff birect. llJen Utfpiung 
bei Uebetftänbe fie^t er in bet STuf^ebung ber Formulae bun^ 
Sonftantin. Sanai^ tjabe man angefangen ju ftreiten, i^ e£ 
nöt(|ig fei, bie ^agen ju benennen ; unb nadibem bteS für tbei' 
flüffig erftäit fei, ^abe bie Slac^läffigfeit unb üBeitlfiufttflftit 
immer toeitere 3ortfct|ritte gemalt, fo bafe jegt feine ^attei fu^ 
me^t fflei^nfi^aft gebe über ben ®runb unb bas juriftift^e ffiefoi 
it)rei £Iage ober $ertf|eibigung, fonbem SQeä aufe ©erat^o^I 
Dorbringe. 3)a^er (jftegten benn auc^ bie Kii^ter fi(^ in Un= 
fic^er^eit unb 3rrtf|um über ben ©ninb unb ©egenftonb bet 
Slage ju befinben. @S fei buic^auS not^UKubig, mieber fdiaif 
fonnutirte klagen einjufü^ten. @r öetlangt ba^r bie gefejlirfie 
Seflimmung, bog ber Kläger feine fllage benenne ober wenigftenB 
ben ätet^tsfag, auf meieren et fie gtünbet, an ber ®;ii^ M 
:CibeUS au^biflcflic^ angebe. 

2)ie jncite Adsertio lautet: Judicem vel loagistnium 
non oportet adversus cooscientiam snam judicare vel stataere 
quicquam. Otbenborp beffint;)ft tfiet bie fogenannte Ski^t*' 
lungSmajimc in ifjret Uebettreibung '). %t wiH nid)t , ba6 bn 

1) 3>a8ftlbe X^ema te^ntitlt er in Formnla inveBtigand^e sctiDois. TiL 
Au judex conacientiam an&m sequi debeat (Op. 1, 280) unti fi^on fii^ 
in De jure et aequitate foreiiBi. Colon. 1541. 8°. Tit. XI [T. 



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8. Qu^ann ClbenboHi'« Seiften. 331 

91icE|teT bur(^ ben formellen Sn^tt bei Steten gegen {eine Uebec=< 
jtugung gebunben fein foQe. S>fle materieSe 91e(^t unb bie 
matcxtclle SgaE)i^ett foQ alfo ni^t bem 3oTine0en aufgeo))fert 
nerbnt. SJian mfiffe auc^ [^ierin t>on bet falfi^en 3^orie bct 
©toffatomi jur ttnf^auung ber röimfdien fünften gurücßefiren. 
Unb ju biefem Smeit mftffe mon b«n Stilltet oiiferiegat, f«ne 
Sntfc^dbmtgegrfinbc anzugeben, tDobutdt er genbttitgt nieibe, fit^ 
fdbft bon feiner Ueberjeugung ätet^enfi^aft ju geben *). 

X)te ^uptfad^e aber, auf nelc^e Ofbenboip aui^ ^ier toiebet 
juiüdlontmt, ift, bog ber 9te(^Sunterrid|t in rtt^tiger SBetfe 
CTtffCtlt OKrbe, bafi man bie ©tubenten ni(^t an baS leere ^i8> 
putiren fl6er SontioBerfen , m^ an faaS Streiten über ÄIIcS 
geiDd^ne, fonbern i^nen fefte unb fiebere 9{e<^t^mnb{iige bei- 
bringe, fie te^ie, waS hrirElit^ brauchbar ift, nid|t mit veralteten 
Slotiyn abetlabe unb fie in ber SCnioenbung bcS ^täfti, im 
^ufftnben ber ridttigen filage u. f. tr. firaftifd^ fibe. 

4. 3n bemfelben bibaftifc^en ©eifle ift bie größere e^egetifc^e 
©(^rift gehalten, »eli^e baa erfte ©tüd feiner Opera bilbet, bie 
AnootationeB in librnm I Pandectarum; ein facl)ltcf|er 
nnb etnfodiei S^ommentar, ofine fi^i^finbige Cuäfttonen unb o^nc 
bie ^rfiSmmlii^e Häufung frember SUeinungen, ein äJhifter öer' 
ftänbjger SuiSlegung, ein [JFOitf^rttt auf btm äSege, tDeldien 
3(iftuS gezeigt f^i, ober freiließ no(^ o^ne bie feine @elef)rt^eit 
ctnee SnjaS unb bie f^ftematifc^e ^ebuctton ^oneU'ä. 

5. 3Ke^t aber als bte Sjegefe t)at Dlbenborp fid^ bie «uÄ« 
arbeitung tpon folt^en SSerlen angelegen fein laffen, meiere aU 
^ülfSbü^^er bienen foUten, um bie Don i^m fo oft gerügten Uebct^ 
ftänbe in ©dfule unb 5ßtaji8 ju überwinben. 3n feinen Topica 
legalia*) »iö er btc rict|tigen ©ninbfäte über Öemeiäfü^rung 



1) Sic brittc AsBertio betrifft eint (t^nnt^tlic^e Stage, intn (EcSrtcning 
W« ix\tt Awertio brfrtftiflnt [oB. Särfgefüßt ift ein auf Itghrc bejüglit^eS 
«utB^tcn be» »olognefer Suriften SuboDlcua ©ojabinuS, Qib. U79, gtft. 1536. 

2) Marp. 1545. 8«. 1651. »°. Lugdnn. 1545. Ü". Argent. 1600. 4o. 
Opera 1, M. 



.dbvGoogle 



332 tt^ ftflpiltl. 

uitb beren §ä[fämittel fotvo^f m bei %^om als in ber $TQ;iJ 
lehren, inbem er ^offt, bag burc^ eine fefte ^orie ö&er bie 
©eWctSfü^rung mit ffleifitSgrflnben bie ©efaftren bcr ^carills- 
tiones vitilitigantinm " fibeittiuiiben ttecben E3nnen. ©ein $dt' 
bilb ift natürlti^ aud^ ^ier Cicero. (StKiatbuS unb Santiuncula 
jwrben nicE|t genannt, obgleich fie o^ne QioaUd bcnu^t finb. 
iBot bei %opit beS ®rfteten ^at bteje ben SSorjug flrÄBem 
Ueberfii^tlii^feit uitb Iogtf(^ei Oibnung; a'ui^ finb bie getiöuftni 
ÄUegationen öeifc^Wunben unb nur bie Duellen ju ©cTegen un» 
(Sitänterangen wiroenbet. Dtbenbot;) ift toeniget elegant olä 
Santiuncula, abec letc^^alttgec. Sinen Sn^ang juc Xopi^ btFben 
Begulae praeBumtionum unb Regulae probationnm 
ad praxin jadiciartam admodum utiira, bann Siegeln Ober bie 
Consultatio, ©ctot^ung wegen juriftifc^er ffintfdfeibung. 3n 
bet SEßeitläuf tigfeit , mit tocidier ^iei 3)inge, bte uns Idbftwr= 
ftänblid) fi^einen , botgetegt unb jergticbett Werben , jeigen fid| 
bie Sfiüc^Hänge hei ©(^olafiif, troft ber fonftigen ffiinfac^fieit brr 
Clbenborp'fi^en SJüiftellunßälDeiJe. 

6, 3n feinen Actionum juris civilis loci com- 
munes') jeigt Clbenbotp 53egriff «nb SSJefen berfilagen, UW 
iifxt @efc^tä)te unb giebt iijzt Sintl^Iungen nac^ ber caa^ 
efficiens, materialis, formalis unb finalis in auSffi^rlit^et ^ax' 
fteüung an. Mber auäf t)ier Wirb ba tinrfttf(^ S'"'^ ö" ^^i' 
behalten unb am @cf|(uffe gejeigt, tcie bie in biefen (Einteilungen 
gegebenen ^eftc^tSfjunFte (loci communes) baju angeWenbet liier> 
ben foQen, um in jebem etnjelnen tJialle ju entfi^eiben, ob, meld)«. 
gegen wen eine flfage 6egrünbet unb worauf fie ju ri(i|ten fei- 

7. ©enfetben Si^ »erfolgt bie Formula investi- 
gandae actionis*), eine Sfb^anblung, welche bie SRttifobt 
leliien foÜ, bte rii^tigc Äloge ju finben, ober ju prüfen, ob 
Äläger bie rid^ttge Slage gewollt ^abe; rofil^renb in ber 86' 

1) Colon. 1539. 8". Lugdun, IMß. 8». Geuev. 1596. 8". Cdno- 
1605. 8«. Variarum lectioBum libr. 1540. Ko. 4. Oper* 1, 217. 

2) Colon, 1538. 8", Var. lect No. 5. Opera l, 271, 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. Zofyam CüxtAoxp'i Schriften. 333 

(lanblung De formula libelli per quem editur actio') 
^nmei^unflcn übet We ri^tige gotmufinmg einer Älagl^rift gegeben 
Dciben, roobä flfirigenä Olbenbott) ba^S aitifullrte üBerfa^ren, toenn 
ed ht ben richtigen ®xm^en gcl^alten tvtib, in @c^utj nimmt. 

8. 3n bemfelben ©inne finb jteei Btöfeete SBerfe flefc^rieben, 
bte Practica actio n am foreasium absolutissima 
unb baö EnchiridioQ ezceptionum foreDsium. ^ne 
erfdficn juerft Colon. 15*3. 3 Vol. 8", bann in neuer äuftofl« 
untec bem Zilel Actionam foreoBium progymuasmata 
Colon. 1543. 8" unb in ben Opera 1559. fol., ttiorin [it ben 
größten XfietI beS itoetten iSanbeS ffiQt. SS n>eiben barin bte 
fiEagen mit Xnga&e ber bagegen Dorjuji^itgenben (Sinreben bar« 
gefteftt unb juar mit fo auSfü^rlti^er Sröcterung beä yiate« 
rieKen Slet^tä, bag biefeS umfa|fenbe SSerf fßr ein firattifi^ed 
Sointwnbium beS Sioilrcdit^ gelten fonn. Ctbenborp t^Ut bic 
Sdaq/cn in 7 claeses, inbem er, mic er fagt, ber Sint^eUung 
ber ^nbdteu folgt, t^oii^ o^ne fid) genau an bie ^aterien= 
jofgc berfelben ju ^[ten. <&t untetfdieibet: 1. actiones aA 
JQilicia pertinentea. 2. a. ad controveraiam pOBseasionum 
pertineates. 3. a. de domiuüs et quasi domiuÜB. 4. a. ex 
contractibos et quasi coatractibus *). 5. a. per quas ultimae 
Tolontates conservantur. 6. a. quae de damnis injuria datis 
competnnt. 7. &. de maleficüs. 2>m .Argumentum" I)ebt er 
au<^ \jKt f^tnoT, bafi ber @runb ber fdilec^ten ^uftij in ber 
mangel^ften Sinftd|t in baS SBefen ber ffllagnt unb @inreben 
(iege; um fte ju uetftel^, muffe man .causae cognoscere" unb 
ba^T .actionum tractatiooem redigere in locos quatuor cau- 
samm" — atfo berfetbc (Bebanle, loeldier in ben Actionam loci 
communes burt^gefflfirt ift. 

1) \u. lect No. 5. Opera 1, 257. 

2) 8on biefetn €tü(f ^1 Clbentwrp «ine neue iStpatalaat^abe t>ep> 
onftoUrt unter bem Xitel Actiones juris, qnae ex omnibos inter 
TiTOB commerciis ad dirimendas litea propoDuntnr. Marp. 
IMl. 8'. SaS^n^ittDerf mirb^ufieiiß.CUBBes Oldendorpti' dtirt. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



334 V>^|^ SaiiAttt 

9. ^ bcm EncbiridioD exceptionum onol^ftit 
Ctbenborp nadf ^örtening bc$ ^itffä bie koii^ttgften Shtnbcn, 
giebt in fuijen @ä^en bte SBoiauSfe^imgen tfiiet iBegrünbung cm 
imb jeiflt, wie fie im ^proccffe f(§lfl|ftfl }" fotmuliicn fiitb. 6! 
joQ bte[eS Seit juerft ot)ne Ott unb 3a^r gebiudt fttn; nai^ 
bei ^orrebe ift eS iebenfa0§ fpäter olS bte Practica actionaoi 
geschrieben; ti ift nur eine Weitere SuSfü^tung bet \djon bei 
ben filttgen ongegebenen ©jceptionen. I)er (jweitcn) ausgäbe 
btm 1562 unb bem abbtud in ben Opera T. 1 p. 295 ijt 
angehängt Progymnasmata fori nounutla, morin bn: 
Sßtocefeflong in ®cmä6^it ber britten fl.®.=Drbnunfl nun 1548 
furj unb öberftd|tli<^ na:^ 11 Kbfi^nitten in bei eisten unb 3 9ti' 
fi^nitten in bei jttciten Snftanj „populariter" bargefteHt toiib'). 

10. e« ift für Dlbenborp bejeii^nenb, bafe et fit^ tiof 
feinet fitaftifdien 91t(^tnng nic^t blog mit bet ^^ilofop^e bei 
fHtfiiU, Itpie nii fa^en, fonbem aud| mit beffen ©ef^i^te 
eingc^enb beft^fifttgt f|at. ^ir befigen Don i^m ©t^olien ju 
ben 12 lafeln; ein SBeiieif^nife bei in ben Sßanbeften eECfr= 
piiten Suiiften mit 9tngabe tf)ier beEannten fiebenStier^Itniffe; 
eine ^b^onblung fiber bte äugeie ©eft^id^te beS idmifc^ 
SRec^tä bii auf feine Qtit; ein aSeiqeid|m6 bei tömifi^tn 
^aifer: ©cfiriften, meldte in ben S(uggaben »on % ©piegeTä 
LexicoQ juris feit 1564 untei ben ^n^&ngen 9(üfnattme gefunbcn 
Ijaben. Son biefcn ift bie Expoaitio in legee XII taba- 
larum*) bie bebeuteubfte, meü fie einen ber elften Üßerfudfe jui 
§etftdl«nfl unb (SrHämng bei 12 3:afeln enthält"), ©d^on jroei 



1) S9 ift l)le|E Sc^rifl mit tlntv Mnjo^I anbertr, wdi^ in ben Open 
T. 1 ifyc jum Xtfcü Iclfloi, ^emuSfleatfen »on fRS(entt Lipe. J«92. *\ Knt 
Ucbei{eßuitg betfelben ift boS „Sni^itibion ohec ^btüSi^Iein wa S^mmcp 
geric^tfl-Ienninen" u. f. w. ton Dr. ^. ftnaii(t im btittm »ui^ b« \p&.tenji 
«uflafltn feinca „Seuttjeuflä". »gl. unten ftop. 13. 

2) Sucrft in ber Isagoge (Colon 1539) im Vn\4tm in bfe erBituung 
brc 10 «ebpte, (. oben <B. 321. 

3) ©ittfen, Uetetfidrt bet bifl^gen Berfu*e jur »rittf u- f. ib. bet 
fiweif'SoleUSrnflmcnte S. 33 f(. 



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3. Sodann Olbenboip'B ®i$dftnt. 335 

tDami DOTOuSgegongen. SlejanbruS ab Sde^anbr 0(11523) 
^otte ht feinem Genialium diemm libri sex*) (lib. 6 c. 10) 
eine Stija^I Don i^agmenten bei 12 Xafeln t^tg mOrtlic^, 
tlieils nur Tefeitrenb jujammengetragen. Una6[|ängtg Oon t^m 
tft bie u>eit umfaffenbere ©ammlung beä ät^mai SÜDalliuS 
{f nocE) 1535) in beffen Historia juris lib. 2*), roeld)e fii^ ci6et 
babnrc^ ju ifycrm Sto^tl^I Oon jener unteifdietbet, bog fi^ ed|tc 
unb uneti^e ^gmente o^ne Unterfd^teb jufammenniirft. Z)ie 
flrofee SKe^o^t iff au8 Cic. de leg. 2, 8. 9; 3, 3. 4. 25. 28 
entnommen, inbem ber IBerfaffer Don bei bamatS ^errfc^enben 
3Reinunß ouSgcIit, büfe Siccio flfierall bie eckten @e(etfe8ttiorte 
anfü^. Otbenborfp'S Ze^t ftimmt mit brat beS SüDaHtuS 
übrcein, Wobei eS bo^ingefteüt bleiben mag, ob er i^n Don 
äti&aEinfl o^ne it|n ju nennen abgefi^rieben ^at, ober ob bie 
lUbemnftimmung fid| ani ben Sbitionen, loetc^e föeibe benu^t 
^aben, eillfiit. Clbenborp fagt im Singange, bag tmr bie 
Äenntnife bei 12 Sxifcln ©ccro öerbonfen, wef^ jttar ra(^t 
genau bie alten Sporte nriebergebe, aber \xify ba6ci bo^ einer 
älteten @)]ia^e bebiene, als ju fetner 3Eit in @ebrau(^ geniefen 
^ SoTt^eil^ft unterfc^etbet H^ Ofbenboip'fl 8(iMt uon tl»ren 
Soigfingetn burt^ bie f^ftrmatifc^e Drbnung: er Dert^(t bie 
tirtogmente in 12 Staipitti, ec^bt babet nid^t ben Slnfptudi, bie 
cdtte Ocbnung uneber iKtäuftetEeR, fonbem ft^ie^t fi(^ bei 3Ra== 
tecienfolge bei Sicero (Jus sacmm, pablicum, privatum) unb 
im Jos privatam ben 3nftituttonentiteln an. 2)ie ®c!^otten, ein 
aaöfü^Iit^ Sommentai, ftnb ungleii^ Doijügli^ ais bie <St' 
Srtnungen fetner Sorgängei unb burc^aud unabf|<lngig Don 
biefen. (Ein langer (EjgcuiS über baa 3nteftoteerbte(^t ift ein» 
gef^oben. 9Benn nun auäj bie tritififien Seiftuugen Olbenborp'S 
«ering finb, fo bleibt i^m bo^ bas SSerbienft Iet(iieicf|er iBe^nb* 
long bei äRoterioIiS ; unb bejOglid^ bei f^ftemotifc^en Snoibnung 

1) 3iin^ Rom» 16S2. foL SaotgttQ 6, 467f. 

2) 3nerß V«l«iit 1516. S«, alfo twi SIIe;anbni8. Moguot 1627 
u. BftiL eaoianQ 6, 450ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



336 ^dltrt ftapitcl. 

ift er ein SJocläufer ^otoman'ä. Seine SSeaibettung fi^nt 
3(ntag unb teftueQe ©runblage einer um bie äKitte bes 3a^r< 
^unberts eE[dttenenen beutfdKn Uebetfe^ung ju fein: 2)te jmolf 
tafeln ju Stom, SSetä^e offentIi(i^ tior ^ebermonn aujge^A 
wutben u. |. ni. Qkbntdt ju Slüntberg bur(^ @eorg äSac^ter. 
8. a. 20 ©1. 8' ')■ 

11. ISine fleine ©c^rift, toelc^e bem Enchiridioa exceptioaum 
angehängt ift, be^anbelt bie Formulae aatiquitatis ad 
rem judiciariam pertioentes*). @ä ftnb baitn bietnii^ 
tigften auf ba$ @kri(^tät)eifal)ren bejOgtidim Notae beS Suleriu^ 
^tobüi angegeben unb ecUutert, alletbingd o^ne Hefered Ser^ 
ftAnbnig ber @igent^ümltc^Ieiten beä altrbmifi^ ^oceffeä. ^ie 
gormein joIIen bun^ i^re ftürje ein Sßuftet fein fßr tan 
gütigen ^roce^. ©eine CueQen giebt Olbenbor)) ni^t an, fonbent 
ff>nc^t nur Oon „notarum fragmenta a doctiBsinus viris tradiU*. 
SKe^rere ?lu9gaben ber Notae hjaren bamaU bereit« in Itutf^' 
lonb erfc^ienert (Oppeaheim. 1510. Basü. 1532. Ingolat. 1534); 
Olbenbat)) aber tft, fo Biet mit fe^en, ber erfte 3uttft geteefen, 
ttieldiet baomi 9Iatij genommen ^at 

12. Slod} ift jtoeiet 3Seife ju gebenten, weli^e Jülbenbor^ 
nur iiberariiettet ijat. 

Loci juris communes tandem ez mendis et barbarie 
utiliter restituti in gratiam studiosorum. Marpurg. 1545. S°. 
(£3 liegt biefem SSJerEe bie alte Sammlung aÜgenteiner 9itgeln 
unb Segalbeftnitionen, toeldie unter bem ^tel Flores legum*) 
Uerbreitet loar, ju <^runbe. 3ln ber Epistola dedicatoria fagt 
Otbcnborv, bag er biefelbe feinen 3"^Aicni emfifotilcn ^obt, 
obgleii^ fte wn Sirt^äment unb S)ru(ffc^Ient ftti^; fein ©iplei 
SR. D. Solberoan, ©o^n beä Suigermcifterft t>on Stoftod, Eiabc 
e8 unternommen, fie ju oeibeffem unb ju tiermel^ren; nod) noi^ 

1) 3)irt(en q. o. 0. S. 3Sf. 

2) ^tttxft in De jure et aequit&te forenBi diaputatio. Colon. 154]. S*. 
Tit XI: AequiBBÜnae propter brevitatem romaa. judiciomm fbmiaU«. 

3) @t in eins, <St\d). b. ptypO. Sittratui 6. 122 ff. 



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3. 3o^itn CIbeiibi)ti>'8 Schriften. 337 

maligei Sun^fi^t unb Srgättjung gefie ec fie jegt jinti Shi^en 
bei ©tubtienben unter bem neuen Xttel ^eiau<3. ^f bie SBo^t 
itS Xttriä tft offenbar boS SSorbttb äRelant^t^ott'ä Don ISmflug 
geUivfen. 

Lexicon juris. Epitome definitioanm et renuu etc. 
Fraocof. 1546. fol., 1^3. fol. Clbenbor^'S ©^Oler, ber 
^ofcffor ^ermann 5iflu(u8 (Ulnet) in JKat6urg, f)at btefe 
al;itKi6etif^ georbnete (Snc^Oopfibie awi ben SSerlen unb 8or< 
(cfunflcn Dlbenbotp'« jufammenfletragtn, i^m jur SJnr^ftc^t Doi* 
gelegt irab mit etnon empfe^cnben löorwott bcSldben ^au«« 
gegeben. 

13. aitit bem ©trafre^t t|at Clbenborp ftd| in feinen 
©rfirtften ctng^enber ntc^t befc^fiftigt. SJic Classis Vn ber Pro- 
gfiniiasmata actton. ^nbelt jloar Don maleficia, befi^tänlt ftd| 
aber auf bte S)elicte unb Duoftbclicte unb bie baroud ^bOf 
gc^enben acttoues. Stuigbrüdlic^ fagt Clbenborp: „nos de ac- 
cosatioDe crimioali et acerba dod b'actabimoB". Qt& tft bd^tc 
auc^ ntt^t ju DcrtDunbem, bag er bon bei Carolina leine SJott; 
nimmt, obgleich fic^ if|m baju j. !B. beim 3)tebfta^I bte @^egen> 
^t bot @ne in bie Einleitung gut Claesis VII einge^oc^tene 
Seugening ^t man auf bie Sarolina gebeutet^] unb baiauS 
Otbenbotti'fl ©eringf^i^ung biefeS @e|et|bu(^g, ja beS beutf^ 
91ecE|td übeiftaupt gefolgert Sr ffirii^t oon ben accuaationäs, 
auf bte ei nit^t nft^ einge^ Will, unb fö^it bann fort: ,ia 
quibns plus praestat nna 1. rrapiciendum ff. de poeois (1. 11 
D. 48, 19) quam totus ille liber de judicio capitali, nescio 
qnotiea editas et reformatns ^om ^^gertt^t". 2)ag 01ben> 
boip ein 9{ei(^Sgcfet^ einfach mit „liber- bcieü^nen foQte, ift 
nii^t toa^rfc^ntid^; aui^ beftet)t gar fein @runb, eine Abneigung 
gegen bie $einli(^e ©eric^tSorbnung bei if|m anjune^men; ift er, 
lote ju tKimut^, an ber turtötnifdien ©efeffgebung mitbet^eiligt 



1) So jacifl dicii^, Rjatei aSalblant «efi^ b. $. 9.0. ®. 210f. 
toecgen t^on C. Xabox unb ^pitn ftod), Sombc gur $. 19.0. § 4; in 
ncncftn 3(>t °^ uriebcr ^arbec o. a. 0. €.462. 
• Ultimi, M 



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338 Vditti ftd^rittL 

gehwfen, \o betoeifl bte bort 1538 gefc^^ne ^blication Ui 
(Sarotiita baS ©egenttietl. (Snblic^ aber pagt auf btefe nü^t tiit 
3ejetd|nung: benn bie ^nlt(^ ©ettc^tdDtbnung fährte nu^t 
bni ^ttel „Som ^olSgcrtt^t", noc^ {onnte fn 1543 ein ,libn 
itescio quotiens editus et refonnatoa" genannt loerben, bwin 
au^ @cf|öffer fie fdion einige Wtak gebnuft fiatte. Xobot mttntc 
ba^, e8 fei an ^etneber'a ^aläfleric^täDibnung gu benbn: 
aQein bieS aSecf lag 1543 eift in einet Su^age »or. 3)aS ^v 
fc^etnlic^e ift, bag DIbenboip ben ^agf()iegel gemeint ^ot, beffen 
jbKttei ^tactat in ®oUtx'i ©ertd^tlic^em $ioceg 1536 aai' 
gebeutet ift. 

14. Olbcnborp'« donfilien finb irit^t gefammrit; et ift 
toenigex aiä anbete mit biefer 9rt ^ro^ts befc^fiftigt getpefoi. 
©ine Hnja^I (ettoa 24), meli^e fi^ in ber ffiirc^^ob'f^en @oinin= 
lung, ben Consilia Marpurgena. u. f. ». ^ben, neijeti^ntt 
©tricber 10, .135 ff. 



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Die nieberlänöifdje Sd;ule. 



1. Oobiid aSubanS. ^(atm Slatmi«. — 3. 3oad|im poppet. — 3. 3Ratt^u» 
SSefeitb«! 

1. Sm in veifdiiebenni 9K(^tunsen Itiidenbei Stnffug ge^t 
feit bem Stnfdng bed 16. ^t^unbertS auS Don ber UittMrfttat 
Siwm. $ier fucf»te SKIoIoui» Sueiarbi Don SDtibbetburg') mit 
feinet Topica (Lovan. 1616) ber Suriä^benj but^ Set' 
beffenmg tixKi übeilteferttn me^dbologt{(^en ^ülfSmittelS neue 
etät^. }u geben, ^itoiaui ^eentS bon Srfiffet*) lehrte, nvenn 
au<^ no^ in ben ^bttäftn bec alten Schule befangen, bte 
Stnftttutionen in (einen ^ritKitnoTlefuiigen nat^ einer einfad^ 
SRet^be. ^gliuiS »on ^^m unb 3ob. 2)am^ouber ^ben 
feine SJotlefungen befuc^t; €1. Santinncula ffat Doi i()nen in 
Sa»en feine @tubien gemad|t. SraSmuS ))f[egte alS ®[|rengaft 
hd Goll^um Liliannm bort öfter ju beitoeilen, in uertrautem 
%etfe(|T mit bem gelehrten Stobtft^reiber oon ^ntuerpen Tl. 
^ßeter Segibiufl') (©iQiS). äRoniS »ibmete biefem feine Utopia, 

1) e. obnt €. 118 ff. 

2) SÜcoIaitd be Sruf eUa, aii4 be aaf)taa genannt, ^t inSJJiDcn 
^uMit, in ber Vttiftmfacuftat bKiit, ift 16Ü3 jum Doctor legam Jjromotnrt, 1506 
^rofeffK bfi 3KfHtutiMKii, 1530 elfter ^lofeffor bcr^onbdwn, geft 22. 3uni 
1683. Vui fdttni Sotfefungni ift feine etnjige S<^ft Cotnpendimn quttuor 
Ubronua InBütatiODum etc. Lotul 1613. i" ^erDDigegaRgen. RSgl. Bivier, 
le compeDdimn InatJtationam de NicoUs de firaxellM, £xtrait dei 
BoUetim de l'Acadimie rofftle de Belgique 2» s^. t. S8 Ifo. IL 1874. 

8) BflL a. b. ». 1, 126 f. (MfBfer). 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



340 Xcimba SapiM. 

bie unter feinec SRtttntilung in bemfellten Satire gebntdt Unirbe, 
IDO er ben aii „Epitome Aegidii* beEonnten 9uSjug be$ Br«- 
TJarium AlariciaDum (Lovan. 1517) l^audgab. Su(^ Subimg 
aÜötS toirfte eine Qeit fang qIS Setter on bei ^ot^ji^iife, brau 
literatifc^e Sntereffen unb ßeiftungen an bem &erߧmttn Slratf« 
SRartenä Bon Stioft (Xljeobot. SÄartinnfl) einen unterne^menbm 
Söibetei fanben. 

Unter foli^n Umgebungen, 6ecfi^ unb gefOibert tpon bein 
)Krf5nIt(^en ©influffe bei betben gio|en ^umaniften, empfjug 
Gabriel aßubfiuSO (»an ber äRu^ben, geb. 1500 in Stet^t) 
feine erfte Silbung im Collegium Liliannm. (£r nnbmete [Ulf 
ber SutiSprubenj, befugte mit ben |einer Kuffi^t anöettrautra 
@b[)nen beS leic^ unb nome^men ^rm bdn ^Itoul franko' 
nfi^e Uniwrptätcn unb trat in ?ßatiS ata geri^tlu^cr SRdmet 
auf. ^tad) äSiom jurü(fgefe^rt, Uaib er mit feinem S^fins 
^ieron^muä non Slioul im Wtai 1Ö39 jum D. J. U. promoDirt 
unb erhielt , nac^bem er fd^on lönßcre 3«'t mit großem erfolge 
alä £et)rer artuitft ^otte, 1544 eine juriftifc^e ^ofcffur, bie er 
6iS ju feinem ^be (am 21. Wpxii 1560) beSeibete. Qme 9t' 
rufnng nadt Setpi^ig, tvelt^e bann mit befferem Srfolge an 
9ß. fioriot erging, lehnte er ab unb erhielt ftt^ feiner ^imif^ 
^odtfc^ule, an ber er, toenn aaä) bon moni^en Sorgen um ine 
ISr^altung feiner ja^frei^ t^milic gebrihft unb bun^ &m' 
flicte unb ©efatjren toegen feiner fricbfertigen ©efinnung in tin^ 
litten ißtngen beunruhigt, als bielbefc^äftigtcr Sled^tSconfulent 
unb bcru^mtei ßefiier bie juriftifc^e f^acultät ju fo ^o^ ©tanje 
er^ob, Wie fie »eber in früherer noc^ in fpätcrer 3eit jemal* 
erreidit ^at. @ie foQ bamaU 2000 ©tubenten bei ^fiftfriubraj 
gejä^tt ^aben. @oberi(^tctfein@<^fi(ei 9)2att^äue Sefenbect 
als 8[ugenjeuge in feiner Oratio de Mndaeo (Witeb. 1572. S% 
in bei er unS mit uormen färben ein S^Sb bon bem SBefrn 



l)M.Wesenbeck, Oratio de Mad&eo. Witeb. 1&7S. 80. Foppena, 
Bibl belg, 1, 325 s. 



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l..«abtlel gtuUui. 341 

ttnb SSirfen ftbie» flefeietten fie^rcr« , beffcn bertwutet §ttu8» 
genDffe ei jahrelang getnftn, enttohrft. 

äXit SßnbduS beginnt fftr bie SunSpcubenj in £5u>cn eine 
IRUC S^o^, btxea SBiifaing ftc^ na[^ S^eutft^Ianb überträgt. 3)ie 
Sichtung , U>elc|e er Deitritt, ift' berjjenigen bedoonbt, tod(^ 
SHomuiS unb S)oneUuii in ^Irranfreii^ auäbilbeten: eins auf 
(jiacte fBc^nblung ber Ouetten gebaute ©^nt^efe. 2>ie ^er* 
fteltitng eined VoQenbeten Slec^tSf^ftemS (ars juris) fi^t t^m 
bie ^fte aufgäbe; aber mit ®efc^äften Aberloben, bennag er 
fie ni^t ju liSfen, unb felbft jur ^ublication etniclner @t&(fe 
tonn er fn^ in übertriebener ®elmffenl)aftigfeit unb 3engftltc^[eit 
nic^t ent|{^Iie&en. @rft nai^ feinem 3:obe finb einige iBorleftingen 
bon i^ gebrudt borbcn*). 3n biefen nun tritt aüerbingS bie 
@9ftematil ucnig ^enor: benn nrie unS äSefenbetf fagt, ^at au4 
er in feinen 0ffcntIt(^en Sorlefungen fi(^ bem ^ertonunen unb 
ben Slnfid)ten fetner eoUegen fügen mjiffen. SMe SDIet^obe ift bie 
c^egetifi^c; et entjiel)t fic^ nit^t bei üblid|tn <£tCrtenmg ber 
berf(^id)enen äRetnangen; er btflpft an ben Xest @£turfe. aber 
feine in eleganter 2)tctiDn gegebenen ^ürterungen erftreben, 
nenn aui^ in onal^tift^ t$oi^r ^ f" f"^ ^'^ S^nt^efe, aH fie 
boniuf auflge^, ben rationalen 3iif°tn>t>^(tng nat^junKifen. 
3n Mc SRaterie etnbrtngenb, aigumenttrt er bon innen ifttaui, 
unb überall finben loir ein beiftänbigeS SRag gehalten. S)al|er. 
fann beno bei Herausgeber fagen, bog äRubfiu« einen SNittellreg 
^mfd^ bem Sitten unb SReuen gegangen fei. 3n feinen Sßiibat« 
borlefungcn bagegen ^at SRuböuS nai^ Ifflefenbecf'd 3"<Si>'& ^'^ 
f9ftematif(^ 9Ret^obe befolgt unb gerabe babun^ auf bie 3>eutfd|en, 
)k1(^ fü$ in giP^ei Sam um i^n fanunellen, eingemiift. 3^en 



1) CommeoUrii ad Tit O. pro socio, de cootr. emt^ de a. emti 
VBQd., de pigDoribQS. LoTan. 1663. foL — Comtaeat in TiL O. de petiL 
ber. in TiL J. de kcüod. PariB 15B3. S«. — Gomment. in Tit. XXI prior, 
libri VI Cod. de testameDtiB. Spirae 1604. 4°. — Comment- Id Tit. amnes 
C de rettit. in integr. in btnt SamntcInKrl De reatitat in inlegr. Francof. 



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342 Kcuitlca fto^itld. 

^iett ei aväj auf t^i äJeilangm eine Sßorlefung aber bie bamaü 
fpcliebte Dialectica l^alie 6e8 $egetiborftitud, unb bie Don i^ 
gegebenoi SHctate foKen für fpätere auflagen benii^t loodm 
(ein. gür bie fianäöfifdien Sfuriften ^atte SJhibäuä bie gtöfete 
SInerInmung. S)ie Seiftungen bet ÜDeutfi^en fc^ienen i^m bogegnt 
»on geringem 3Sert^. SBtfenbed entf^ulbtgte fte in feinon 
legten (äefpiäd) mit ä^ubäuS bun^ ben ^ntttoetS batauf, ba| bie 
beutf^en Slec^tSgete^iten glet^ i^m fo fe^t bon ber ^in^iS in 
Snfpnidi genommen feien, bafj i^ntn fftr ba8 ©tubium unb baö 
ausfeilen i^rec @<^riften Feine 3eit fi&cis bleibe. 

Untet a^hibduä' <Sd|ii(ein finb ju nennen Siauj !SaU 
buinuS (f. ^. 10), ^nbrea« @att( (ben ivic imtnt 
^p. 12 befptet^en), Soai^im $D();>ei, Sodann fRamuä') 
unb t>ot Men fSl. SSiefeti&cä. 3[n ©aill fönnen nnr einm 
befonberen iSinftug feines Se^cerS nid|t tea^mel^men; Sef enbeit 
brennt bagegen tmebeit)oIt, it|m feine »iffenft^aftlid^e 9ti(^tung 
ganj gu »eibanlen. SlamuS ^at pon i^m bie f^nt^etift^e SRe^olK 
erlemt, ueldie feine AbtigenS iD^er ga^treic^ no^ bebeutenben 
©duften bnri^bringt i^it Oeconomia tft ein furjeS Sla^tSf^fton) 
unb i^n als Se^rei berühmt mad)ten. ©eine SoQegientiefte foUen 
^anbf^riftlid^ Dielfac^ becbceitet fein; boäj ift ein »eitgKifenbei 
@in^ug nii^t nat^UKiSbai. 33t^t alä bie benannten ift $ oppei 



1) ^0^. Xad, genannt Slatnuä, ift ffiboxtn am 28. ^tuot 1535 
ju &Mi in 3"l(>nb> in ^en St^xet itx gtle^if^tn ®)>nii^ unb SlDqutn), 
ftubirt bann l^uiiSpnibcn) in S^nten, mo tx 1559 promoutn unb 1560 
Vrofeff Dt ber 3n{iilutionai uiiti ; 1563 tmi^ XVuai beiultn, te^il 1565 nii4 
Uantn aie $rD|cf(i)r btx ^anMttn jurüd. S)ton. Qlat^Dfnb ift fein ®4ü1h. 
15T8 ÜJti^nMungen icegcn Serufiuig na^ ^ngolftobt; et jie^t eS Dot, einm: 
SSnmfung naii S61c ju foigen, unb ftiibt ^iei in bfmfflbtn 3a^n <nn 
36. 3)etenibeT 1578. ®(^ri|t«i: Oeconomia b. dispositio regulamm jur. 
utriusque. Lotui. 15ö7. 8°. Commeutuii ad Tit. XI de tutelis ezlibrol 
Institut, Lovan. 1557. g°. Commentarii methodici ad regul. jnris, ed. 
Yaler. AndresB. Lovan. 1641. 4". Oratio apologet pro jurispradeDtii- 
Lovan. 1641. Sgl. Foppens, Bibl. belg. 3, 715. Viantl, @cfii. i- 
fi.^sUnii)ctfitfit 1, 316. 413, ber int^ünUidi annimmt, bai bie .mmiftJMc 
aRct^obe" na4 biefem 91amu9 benannt [ei. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. Sotu^m ^oppn. 343 

auSgrfproi^ec S^ftematiler; feine ©eltung reicht ieboc^ ntt^t 
an biqenigc ^on, butd^ todd^e SR. Sefenbed auf bte beut{(^ 
SmiS^nnibeit) «ttgcuntft ^at. 

8. Soac^im ^joppei*), ßeb. 11. 9iD»nn6er 1523, flammt 
aug ein« allen bei ®nee( in grieätonb angefeffenen Jamilie. 
(£t enqjfing ben eifteit UnterricEit in feinei üBaterftobt, befuc^te 
bann biet Sotiie lang bte betfi[)mte @^ule in ^arlem unb 6e)og 
1541 bie UnitKiftlät SßWen, teo er ftc^ bem ©tubtunt ber 
^^ilofop^e imb ^riS^mibenj tvibntete. $Iato'$ Softem »urbe 
für feine wiffenicE|aftIi(^e SHc^tung 6eftiminenb. SSn bie SuriS« 
))rubeni ffUirte i^n Gabriel SRub&uS ein. 0}a(f| breijä^ngem 
Stufent^alt befu(^te er $ari8 unb Orleans, feierte bann nac^ 
Sfiuen jurüä, xoo er 1549 jum Sicentiaten unb 1553 am 
27. 3Juguft jum 3)DCtot ptomoeitt loarb. ffit ^atte ff^on mehrere 
Sn^ie erfolgceii^ als Se^cer gelDtitt, als i^m 1554 eine $rofeffur 
ber ^«betten übertragen mutbe, bie er im Sanuar mit bem Sior* 
trage feiner Paratitla Digestorum na^ neuer ältet^obe inaugurirte. 
Süein nodi in bemfelben 3a^re »ertiefe er ben afabemif^en Sefjr* 
ftuI)L SRit feiner ffintennung jum 3Kitg(ieb be« ^o^en Mnt^S 
in SRec^etn (9Ii>Dem&er 1554) beginnt feine ))oIitifc^e Xl)ätig[eit. 
^ btefer eteQung, fomie a(S aititglieb beS ©taatSiat^S (1561) 
trat er in nähere Ö^iefjungcn ju beffen ^räftbentf"! feinem i^m 
fd|Dn feit früher ^ät fieunbütfi ;ugetf|anen SanbSmann ÜBigliuS 

1) Sgl. SnffridQB, de Scriptorilius Frisiae; banad) Adami Viue 
JCtor. p. 223 unb SinceruB 1, B5ff. Foppens, Bib]. belg. 1, 656 f. 
Hoynck Tan Papendrecht, Analecta Belg, I, 3 (aSieüne' Briefe on 
t^); U, 3 (Vita unb bae Hemorial). J. Hopperi epistoUe ad Viglium. 
Traj. ad BtieD. lüße. 4t*. Oob. de Wal, de claris Frieiao JCtis. p. 27. 
Add. 90b. 4281. Reiffeaberg, diverses lettres d'ilopperus au Eoi 
PhlL n in Biilletin de la Comm. royale d'Hietoire IT, lli2 h. Wauters, 
H^mcure« de Viglias et d'Hoppenis. 1858, novin p. 222 b, eine fi^rf ab> 
ttit^eticnbc Notice eur Hoppenu. JoDgsma, Jo. HopperuB in Regts- 
geleerde en OeEchiedk. Scbetsen. Sneek 1844. Beuker Andrsae, 
MededelingeD omtrent J. HoppeniB in de vrje Fries 5, 121 s. — 5)ie 
Shiiflrilung Von ^opptr'e pi)ltti(c^m Sn^nltnt bcrul|t auf Wltl^eilunQcn 
Vtauxtttbitättt'i. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



344 Seuntte StoJfittl 

Von 3>tti^em, \oxmt gum Qiorbinal ©ranbeUa. 1566 rief S)v 
jtdnig '^^lipp n. al^S 9latf) für bfe nidMrIfitd)tf(^ angeleam< 
Reiten nai^ ©panien; am 27. 9}Stj mochte ec fu^ auf bcn 
aajefl, am 8. SWat trof et in 3Kobtib ein, Wo^in i^m 1568 [eine 
%xau (@:^ftine, ^i^tec bt& ©enatsprfijtbeiiten Don ^eälanb 
SSfrtolf) unb ßhtbec folgten. S^ott ^ntg 'fß^üipp freunbUdi 
aufgenommen, etftattetc er i^ra juniSt^ft toiebet^oU aii8fü^iltc!(en 
99ert(^t übet ben 3i<f'ii"'> ^"^ ?tiebeilanbe. ^aim äbemaffm ci 
baä bisher üon ^tSnacq geführte S(mt beä ©taatöfrftetätS unb 
©iegdbema^cerg für bie SHeberianbc; fpfiter nwrb er to ben 
JRttterftanb erhoben unb mit ber ^»ertft^aft $!alem bei ©oAmi. 
ncbft bem Sagbtec^t im ©efterlanb belietien. ®er ©f^riftmet^fet 
bed fiünigS mit ber 9legtentng in ben Stiebertanben ging bun| 
feine §anb. 3)oneben ftanb er mit feinem otten greunbe imb 
@önner ÜSigliuS in regem brieflidien Sktle^i. Z)tefe Qorc 
rEf|)onbenj gehört ju ben tvid^igften OueQen für bie Aenntnig 
bei nteberlänbift^ifpanifd^en SBenoitflungen öon 1566 bid 1574. 
SBetc^eg UrttieiT ©op^er über Urf^ming unb 83erlauf bec niebft= 
länbifi^en Unnttien [id) gebilbet, ift aus ber fe^i ruhigen unb 
leibenff^aftSlofen 2>arlegang, meU^ er oerfagt ^at (Recneil et 
Memorial des troables des Pays-bas du Roy) jn erfd)en: 
augenf^eintirfi gtögtenttieila bem Sn^olte nac^ baS, \oai a 
naäj friner SInfunft bem jiönig {elbft beridttet ^atte. ^oppec 
nax ein übergeugter unb eifriger SatI)Dlif, bem an ^^Itung 
bet Iatf|oIi(dien Religion unb an SJer^inberung eine« auf 3)ulbun9 
ber ^roteftanten angelegten SteligionSfriebenä Diel gelegen; er 
emiartete EBeru^igung bec SStrren Don bem ^jerfönlii^ Stnftieten 
beS flöntgä; er nibertiet^ bie »on %Qpa geleitete ®etoaltpolitif. 
poppet mar genött|igt, einer ^ofiti! ju bienen, bie er nidit in 
itiren @inje1^eiten ju biDigen im @tanbe mar. @eine amtlii^ 
^^ätigfeit beftanb in ber Bearbeitung unb bem Sortrage bt^ 
©c^rtftTOct^felä mit ben SBe^örben ber SRieberianbc; bie ffier- 
fügungen $I|ilipp'ä II. an bie 91egentf(^aft ^atte er ju enttoeifen 
unb auäjufertigen: ber tjertraulii^e SBrieftnet^fel mit SSißtinfl 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. ^oa^m ^opptt. 345 

Dendt^, bog et ntc^t immer bie ä){a§EegKn gut^eg, bte ec 
amttii^ oui^iiffi^iett unb ju oettreten ^atte. über felbft buid|< 
gtrifHiben unb beftimmniben ISinftufe auf bie SBo^t bec SWofes 
trgelit nac^ feinem @titit audjufiben, ba;u rkii tDrtwr feine 
©tdliing no(^ feine ^ßcrföntit^Idt angetf)an; ^{k^ftenS in ben 
ontergcDdineten unb ^önlti^n ungelegensten ^atte et fieieie 
^nb. — Sie Snftrcngungen feines fimti im fiemben ^ima 
Wijefirtcn ftfil^jettig bie fitfifte beS Ijoi^getDai^fenen tiefen, 
belftn fififtige @(^ultein nnb breite iSnift ein langet Scben ju 
wtfiiigcn f^ienen. 3nt je^nten Sa^ fetned Itufmt^oItS in 
Wabitb erlag ei ber fic^ raf(^ entmidelnben ©i^lutnbfud^t am 
15. "Skaaiba 1576, erft 53 3a^ie alt. @eine Wittm gog mit 
i^ flinbem in bie ^cimot juriUt; JtSnig ^^ilipf oerlie^ i^r 
ein Snabcngeft^enf wn 12000 @ulben unb eine jä^rlic^e ^ßenfion 
oon 1000 @ulben. 

gop;)ex'« niffenft^ftltt^e ^ttgfeit, bte big jum Sa^re 1554 
feinen SebcnSberuf bilbete, ift jiuar burd) feinen Eintritt in ben 
)?olittf^n ©taatebienft unterbrochen rooiben; allein er ^at fid^ 
in feinen SRugeftunben t^i mieber jugemenbet. ^ äJ^abitb 
freute et fi(^ an bcm Biffcnff^aftltc^en aSerfc^r mit SJiego 60- 
tunntiiaS, bem gtogen f^ionifd^en 91ed)tSge{c^cten, unb DoDenbete 
bort in feinen legten JBebenSiattteii jWei geteerte 3Ber!e. ©eine 
9ti4tung in bei ^Jurie^rubenj tft burc^ feine fp^Uofo^^if^en 
Stubicn unb &. SNubSuS' Stnflug beftimmt; t^c Biet ift baS 
.in artem redigere", nnb bie @runbgebanfen, ukIc^ i^n ft^Dn 
in feiner Sugenb leiteten, E^icn in feinen testen ^Seifen nieber. 

3n feinem *£rftIingSU)eife De juris arte libri tres. Lovao. 
1553. foL »in er, »ie er fagt, bie oHgemeinften unb unioanbel' 
baren Sßrtncitiicn bed 91ed|te barfteDen, unb bet)filt fti^ bor, 
fpüter in 12 Süt^em bie auä jenen abgeleitete rümifc^e 3uriS< 
tnrubenj gu erdrtem. '3>ai nfte 8u(^ [)anbelt, mit oielfac^en 
änöängen an $Iato, toon bem SBefen beä Me^t8 unb ber 
@erec^ti(^eit überhaupt, mobei (fi^nlidi luie bei Ctbenborp) bie 
^ften @runb|&t|e in Snte^nung an ben Siefalog fntmidett 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



346 »euntcS Stai^tei. 

)i}erben. ^a% gmätt EBucE| txäxtttt int „res divinae et human» 
eive justitia per res diffusa" , inbem eS jetflcn ariK , ttic bie 
^Ik^ften @iutit)fcit)e ber ©ere^ttgtnt bui^ ©efetfc bei fihn^ 
unb beS ©taatö in ber Seit au8gefpio(^en unb Derbiettet fmb. 
£aS britte iBud) enbli^ bef^irtt^t bte ^itlf ömtttel , bnrc^ tsel^ 
bie ®efet^ jur ttmnenbung unb S)uii^fü^rung gebracht Weihten, 
nämtit^ bie actiones unb bai geriditlit^e äSerfo^ren. Sö^icnb 
bte fieiben elften !Bti(^ fid) fetji im SlUgemeinen galten, g^t 
biefeS britte genauei in bie flrtcn bei ^agen unb bie beim 
$ti)ccf(e in ^ttiad)t lommoiben ^[onen ein. 

2)em britten iBud^ ange^gt ift ein (auf bem Xitel ge> 
nattntci) Juris pontificii et civilis Über singolaris. XobeOarifc^ 
ipiib ^ici ber Swtiott beä C. j. canoaici unb ber SßotÜKften bor= 
gefteCt. $D)}pei nimmt an, bag ben $anbeften folgenbc Sin« 
t^etlung ju ®iunbe liege: 

1. de ipso jnre, 

2. de subjectis ■) vel materi& juris, 
8. de jndiciia et rebns foreuBibua — 

alfo ungefät)! biefelbe, melc^ ei in feinem SBeife eingeholten 
f|at. S)ei britte ^eif umfagt betnalie bie ^njen $anbetten 
Bon ben legten Titeln beiS elften ©ut^eä an. 9Sn nat^fotgcnben 
tSiörtetungen eiflöit ^oippa, bafi ti ein grober ^rrt^um fei, 
ju bejTOeifeln, bafe in ben ^atibdten eine f^ftematifc^e Drbnung 
^enji^e, unb ju berfut^en, eine anbere an bie ©teile gu fe^. 
SHelme^i erftrede fic^ biefe fogai bis in bie SleifKnfoIge ber 
gtogmente fjinein. (So fei lein litel in ben ^ßanbeftcn, ber mi^t 
„certa aliqua methodo et ratione sit congestus, si modo sub- 
tiliter in sinRulas leges, amputatis iis quae, quod ex variis 
autoribus sint collectae, superflua sunt, inspiciatur". ^oplKr 
glaubt fogoi bie bei ber Somptlation befolgte Oibnung mit „wenig 



1) <Si ift )u bemerfen, bag na<^ itx bumiiligen p^ilofofi^f^en Xnufiu». 
logie .Gubjectnm" b«i: OegcnTtonb brS Urt^etlS unb ba SSa^nuEiinunB, alf» 
unflefü^i tiae, maS ivir Objtct ju nennen ff^^S'"' bebeutcL SSgL ^tatttl, 
&c]<t). b. Soflit 8, 208. Suteii, Q»ef4 b. p^llof. Smninoloflic ©. a03(. 
Sic Eubjecta juris jinb naä) §Dpf«i perBonae unb res. 

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2. SDat^m iQoifpn. 347 

Soitm" angeben ju fönnen: atlettt er oerlieit fi^ in eine unt=- 
ftÖnblidK CtftrteTung, bJe mit i^uen ja^llofen „Tel — vel' ein fe^t 
un6efrid>igenbefl SIefultat eigidit. ^opfei Begegnet fidi, o^ne 
ti au«juftjre<^en, in |ebien Änfiditen mit SStofän« ') imb bem 
gleii^jeitig ft^teibenben granj {Jtofd^. Sie ©onfequeniea jie^t 
ei in ben ®c^[uftfat)iteln , Weli^e „de üs qui leges sustiDeQt*', 
beim <£intt|eilnng, grient unb ^flti^ten {fonbetn. @r rügt bic 
mangel^fte Soibilbung unb ben ^t|(ei^aften Untenii^t, bec fic^ 
irit^t an btt Quellen, fonbeni an bie Sommentore Ii&It, nic^t 
bie @efanitnt^t be« ^eüjli le^rt, fonbccn ft(^ jte[< unb jUK(EIo& 
in fiQgmentarift^e l£injel||eitni DerlteEt. äRan fuS )uetft bie 
Dibnung bei ^nbeftentitel oerftt^ lehren unb baiut bie baiin 
niä^altniai leges olinc ^enbening bei gegebenen Kei^enfolge \o, 
mit et ei 8<ä*'8t ^abe, „ad certa capita revocare". Sie On^ 
leituug unb aSor&eieitung muffen bie ^ftitutionen gd>en; bann 
ift auf bie ^anbetten, Sobe; unb SQoDeQen iiberjugel)en. Unb 
jUiac mufe bie ,lectio" oiet „gradus" eintiolten. Qae^i ift bei 
inneie 3i'f'^i'i'''^'t'ifl bei ^itel unb beten 3n[)alt überftt^tlit^ 
baijulegen. 3)ann Hub bie ©lünbe bei @tnje[t)etten ju ent= 
Dideln. 3n bec britten lectio foQen bie fii^nbaien ^ibei» 
fpiüdie onfgeläft iveiben. $ie vieite lectio foQ „ad fori usum-' 
DorbcKiteu: tuet bie Siujel^eiten gelernt [)at, batf ^iä) nun auf 
eigene ^%t ftcQen unb foQ iai gefeinte in ein brenarium iu=> 
fammenfaffen obei in loci conunuaes einoibnen, luobui^ et bic ge= 
fe$(t(^ Sotfc|tiftcn ju tSgUt^em @e&tauc^ in bie ^anb betonunt. 
@Ieic^3eitig mit bet ®(^ft de jaris ai-te etfc^ien ,Ad 
JustinianDm de obligatioaibuB Tiet&aviJh' libh quliique" 

1) 3tan bc Siofoq, $To[c|fo[ in Säen, sc^ibni um 1&48. ^intedieg 
äs muf) yciiutn £obc ^ecauSgcgrbcneS ^ert Juris uaiversi JuBtiniaaea 
MethoduH. Paris 1545, worin er bie IKcinung buri^jufü^ien fui^t, ba^ 
^ufttnion in btttnuibmiSnicrt^ SBttfc Steeio'S ^lan t>ed in artem redigere 
turilntbft iiattt: «titulorimi traclatuB p«rp«tuaB «see orationeB, genere 
diducalico compositas'. Sivier, J. de Drosay. Extrait des BulletioB de 
l'Acad^mie rojrale de Belgiqoe 2"» s^r. t. 40 No. 12. 1875. Cb ^o^ipcT 
bit|t Sc^ft gcf annt ^t, Uctiit bo^ingcfteat. Uebn 3ian j ^rofi^ f. oben ®. 2bö. 

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348 91«inttS StapM. 

(LovaD. 1553. fol.), ein Sotnmentat ju eintgot Snftttutionen'^ 
titeln, ben poppet ^tßtsIütS bon 3ui(^c>n nnbmete. X)te Sonn 
ift ftieng e^egetifc^ iinb anal^ttfd^; aber inbem ^oppn fein 
Sfugenmerf ganj auf bie rattoneQe (SiKdrung rietet unb bte 
^ßrincifiien , fotote ben inneren 3uf<^>n>nen^ang bei (SinjellKiten 
unter fi(§ unb mit jenen barjufeflen fud|t, gctoinnt jcine (Sjegefe 
eine f^ntlietifdie Slid^tung; Kbft^raeifungen in ©pecialitfiten, 
ßofuiftif unb eontroüerjen [inb »ermieben. 

Sag poppet ftd^, niä^renb er fein Se^amt Derfol), mit 
me^ieien anbeten ^blicationen trug, ift nid|t nur cax& bei 
Einleitung ju feinen libri de arte juria, fonbem au^ aai bem 
SrnderpriDilcgiura 5U eiferen, Welt^eS feinen im 3a^ 1553 
erfc^ienenen @c^itften tioigebiuclt ift. SSir finben barin genannt: 
Ejudem (Hoppeh) Paulus s. de mercatU] pactis et foeuore 
posteriorum libri dao. Item, 'Ex tov BaaiXixov tiTiai dvo, 
fitzä üxoUdiv cum praefittioae ejusdem Joachim!, et de colla- 
tiooibus Qotarum libro siDgulari. 

aSon biefen aBerten ift !rine8 erft^ienen. Uebct bie be<^ 
fi(^tigte ^ublication t)on jtvei ^(^em bei iSartlilen aud bon 
i^m t)on ÜQtgliuS gefc^enften äRanufcript ift oben Jtop. 6 @. 225 f. 
ge^anbelt. 

O^ne ^opiwr'S Riffen erfd|ien „Diapositio in Ubros Pan- 
dectarum ex praelectionibuB D. J. Uopperi — obseirata et 
coUecta" (Colon. 1556. 8"), eine Heine ©l§lift, tteli^, toie ber 
^itel angiebt unb bei ungenannte ^rau^geber in ber Soti^ 
fagt, ntt|tä SnbereiS ift atä bas S)tctat auä ^opper'ä Soi' 
lefungen. Sie @i^rift jetgt unS, nie Popper ben Seifuc^ bun^' 
geführt ^t, einen f^ftematifdien 3ufammen^ang unter ben Xitrin 
ber 50 9üd|er ber ^anbeften nai^jtmietfen , uobet inbefi nit^t 
über bie Robricae hinaufgegangen Wirb. 9u(^ eine Diepositio 
ia Ubros Institutionum. Colon. 1557 foQ erfc^ienen fein. 

Ila^ ben Pitbana ift bon Popper leine Schrift publtcilt 
tooiben. §tbei er §ot feine SWufeeftunbcn ju ©tubien in ber 
»Ort ifjm feftgetiattenen SRit^tung benoenbet. SBätjrenb et ba« 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. So(u^m $ott)>ci. 349 

nod^ fnnan frü^ octftocbeneit Ölteften So^ „©ebuarbuS" ge- 
nannte SSecf auflaibritete, ftellte n fflr feinen @o^n ©regortuft 
ein EOcjet gefofiteg nnleitcnbed ittycba^ jufammen, \vüä)«& er 
Qtö ein .^obeftürf" feinet grögeien SSeifS ^ausgeben wollte: 
Id veram jarispmdentiain Isagogea libri octo, betn Sarbtnal 
@ranixlla 3 Idib. Novemb. 1574 bebtctct. IS8 ift erft nac^ 
(emem Xobe (Colon. 1580. 8'^ erft^iencn. S)ie Dier etften 
Sä(^ nennt er Paratdtla joiis civilis; fie entgolten eine btrje 
Urberfti^t ber 3uftintanift^cn Slei^tSbü^er unb StoMOen. 3)ie 
folgenbra bier Bw^et (Elemeotoniin juris libri 4) fhtb ein furj 
gefagte« ätet^t^f^ftem, in tttUtfem fic^ bie ©runbgebanlen ber 
libri de jarifl arte ürieber^Dlcn. 3}cm ganjen SBerte ift bie 
^rm eine« 3>ialog9 jürifi^en SSatcr unb ©oljn gegeBen. 

2)tr Sedaardus s. de vera Jnrisprudentia ad Kegem 
libri XII (Antwerp. 1690. fol.) ift jene SoKcnbung ber (5fte= 
mattfd^en 8(r6etten, auf net^e $o|)))eT f^Dn in feiner erften 
@(^ft de juris arte Ijingewicfen. ©ie ^at i^n bis ju (tintm 
ütbm&mbc ^(^fttgt; ba« ^ge aRanufcrtpt fanb fu^ in 
feinem giad^taffe, aber erft 14 So^re nad| feinem Xobe Warb e« 
tum feinen ©fl^nen mit einer 2)ebtcatiDn an ^^ilitit) Ü. unb 
dnci eclftutemben Sßorrebe herausgegeben. 

(£d fc^ ^et bie ®ntnbgeban!en uieber, benen mir in 
(einen fcä^n SBerfen begegneten. Stui^ ber rationelle 3"= 
fanmien^ang ber ^anbettentitct unb ber Swflinnite wirb |ier 
(Üb. 4 tjt 12—14) mieber behauptet, ober freili^ in fefjt oiel 
ctngef{f|xdnEterer tMfu"e (ttS ehemals ^). 

iCaS gonje Serf trfigt bie ^orm eints 2)ia(t>gS, ben $Dt)pet'S 
@ö^ ©djuarbu«, ©regorius, 3:ibemanu« unb Saju« antoniu« 
auf einer @«efal|rt obffiei^felnb mit ctnanber fAIticn. ©eine f^fte« 
matif(^ ISebanfen entnimmt ^opptt bem $lato, auf ben er fit^ 
i&i feine &nt^äiun^ bet jurisprudeatia in aniTerealis utd> 
specialiB beruft. Xlie erftere ift bie Nomothetica, b. ^. bie 



1) ^ Elemeota bciü^nn bM X^nna nii^t. Sonnig tft bie Hngabe 
Sln^mc'ft ti}(ttf(^. f. gefc^. ntc^erotfTmf^ft 4, 886) }u bcri^cn. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



350 NmnttB Stalftid. 

aUgemeine juris et legam coDdeDdaram ara; bte oitbere ^t 
junt @kgenftanb ba$ SHei^t eincS Stimmten SoIf8 nnb jmai 
t)t(r bes ißmtf(|en, beffen Steigt aßen Sänften gememfam ifi 
unb befonberä „Frisiis uostris tarn proprium at nullo prope- 
modum alio jure, quam Romano paro et puto ntautar". 

^ot))]eE braucht bemna^ ben Xenntnue jurisprudentia ani> 
versaUs in anbetem Sinne ali j. iB. 3)2eIani^tf|Dn bte justitia 
univeraalis Mrfte^t. 3nbe$ t>erü{)ten fic^ bie betben Oebeuningen 
in (o fern, at8 bie ®tunMage bec Nomotheaia bte Srtennhiil 
bed tnt absoluten @tnne justnm et injaBtum, alfo beä gStttidlen 
äBiQenS ift, bei tm T)äaloQ feinen Vuflbnid gefunben ^t 3)it 
ars nomothetica befielt in bei Sufftellung non legea, toeldie 
jenem entfpiec^en ; fie ift tbeoretica in fo fern fte ftd) auf ben 
S(n^[t , practica in fo fern fte fi<^ ouf bie tei^nifi^e ^ova bei 
@efe^ begießt. 3)agegen fommen in ^opper'iS (£[5cteningeit bü 
buid^ bie nat&rli(^ett SSerf^iebenl^ten ber Staaten unb IßdOei 
gegebenen praftif^en Unterfi^iebe bet ^bücfntffe unb 9tnfd|au= 
ungen ntdtt jut @eltung. 

^S juB civile Romanorum (jurisprudentia specialis) jeT= 
fällt in baS publicum unb privatum. SNinac^ eirgeben fu^ fäi 
bas ganje SBerf bret %f)6lt, Don benen j^ier Dier 9üdE|ec usifugt- 

Komulhesiag a. de juris et legiim coDdendsrnm scieotU Ubri 4. 

Kenim diTJDanuQ et bumanarum s. de jure civili poblico libn 4. 

Ad Pandectas s. de jure civili privato libri 4. 
ISki jh]eite ^^il enthält auc^ ba8 ^in^ence^t (res dirinae), 
allein merfh)fitbic|ernieife D^ne aUe 9?ü(ffic^t auf hai fononifi^ 
Sed|t, nur bie tm C. J. civilis enthaltenen firc^cnred|tIi(J|ai 
Seftimmungen fmb abgel^anbett. 

Xiei britte ^tieit ift nac^ ber non $o)>)ke ^ter angenommeneit 
Dri>nung bec ^anbehen btS)}Dnirt. 'Sxinad) serf&Kt btefer in 
brei %bf(^nitte: priora juris et judiciorum; ipsa jnra et 
jndicia ; posteriora juris et judiciorum. @ä t)erftd)t fi<^ Don 
felbft . ba'^ bei gmeite «bfi^nttt bie bei »eitem gröfeete SRafft 
ber Sßanbeften unb biefeS britten I^iU umfagt S)et erfte 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. Wattes Vl^ttäxd. 351 

WvA in 13, ber britte in 4 Mitteln al)ge§ai)belt , toäfitenb ber 
jtDcite faft Diei SÜd^et auftfüSt 

9(ud btefen Knbeutungen eigtebt ft(^ f^0n, bag bie ®^te> 
matil hei piipatiei^tlic^ X^S tocnig defriebigen bitn. £)Df)))et 
ifiit fü!^ bur^ bie Oibnung bet $anbeften gebuiüxn unb mfll^t 
ftc^ ab, biefe TationeU ju conftmiren. 3)agegen mug man bad 
aSeif in fnnti ©efammt^t olä rät im großen ©ti!e angelegte« 
9tcd|tSil|ftan gelten laffen unb ber rationellen 2)ebucHon, bem 
fortlaufenb g^ten unb au9gefprod^enen me^obifc^en Semü^en, 
baS Scfonbete auiS bem SÜgemeinen ^juleiten unb Don jenem 
)u bie^ auf jufteigen , ttaUe Snerfenmmg soQen. I£6en biefe 
Tationede ^Sctianbüing beS pofitiben 9ted|tS ^at ben libri de 
juris arte grofte Snerfennung eitDorben, bie U^m SK. SSefenbed 
3fter bcjOigt. ©ifi^aniuS ge^t (Praef. in Lucret. 1566) in ber 
äkr^nmg [etneS Se^ierS ^Dplxr \o ueit, t^n neben SujaS unb 
Sriffoniu» ali gffl^tcr ber Me^t8li)iffen((i|aft ju bejeii^nen. S)cr 
©ebnarbuS ^at an ^. Sonring einen Senunberer gefunben. @r 
gafp i^ (BruDsw. 1656. 4") neu ^ecauS unb nennt i^n in bet 
fluAffiflrKi^en Dedicatio ein „admirabile opus et eine omni 
«zemplo*. 2>iee Sob gt(t tivmefimtid^ ben erften Dier Sfi^em, 
ber If omotheBia , in bei Sonring bie et^te pbiloeophia cifilis 
fnbet 9hn bebanert er, bag ^op))er ftc^ tneniget mit ber 
f[iiftoteIif(^ ali mit bet ^latonift^en ^^ilofop^ie Befd|äfttgt 
^be, ba^ fic^ in ungetob^nlid^er ^£enninologte betixge unb bie 
bm^ bie lißerfi^ebentieiten bet Staaten gegebenen Untetft^iebe 
nii!^ genflgenb betücfTK^ttge. 

angelangt fmb bem ©ebuatbufl jtoei Heinere ©(^riften: 
Tbemis hyperbores 8. de tabula regum Frisiae ; Ferdinandas 
8. de iogtitutione priacipis Über. 

3. S«att^«u8 SefenbeÄ. — 1. ©r ift') in «ntwet^ien 
tan 25. Cdobet 1531 geboren, auS angelesener ^milie, untet 

1) Ka^iid^ttn über fdn Stbcn tnt^lt fdiu Ontio de Madseo. 
WtlebwK. 1572. 8". ftbgebnidt tn ben Exempla Jnrigprndeatiae (Lipsiae 
1585. 8^ p. 75—120 unb in btn Kn^ngen ju H. WeBenbecii PspinianoB. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



352 SlcunttS Sta^iül 

13 ©cfi^unftcm baS jtDöIfte. tjfnl^i«^ entmidelt, warb er mit 
(einem älteren SStuber MnbreaiS im 14. SSo^tc no^ Sönwn ge* 
f(^ift, um ftc^ unter @ta&riel äRubdue ber 91ed|ts»iffenf^aft jn 
toibmen. @r blieb ^ter ii9 jum Sa^re 1650, im legften ^ßett^r 
mit btefem, ben er teben&Iang als feinen S^ret bereE)rte. Stac^ban 
er (am 18. 3uni 1550) jum Sicenttaten )>ronu)Dirt nKir, ging er 
nad) $ariä, mad|te Steifen bur^ ^onheti^ unb Ee^rte naäf 
einigen Saucen in feine ^eintat jurüd, bie er bann nat^ ben 
Xobe feiner SKutter (1552) für immer »erliefe- lieber ben fo(= 
genben Salären liegt ein S)unIeL 9Iur tptffen tuii anS ben 
eigenen SIcugeiungen SBefen&etf'^ , bafe er f"^ bei äteligion 
tDcgen nac^ Xvntfdilanb gemenbet ^at. (&& mar bie Qtit, aii 
in ben düeberlanben bie Snqutfttion ifire SSirffamtett begann 
unb $^ilit>)} n. ben 3:^ron 6eftieg : ^enbed aber ^tte ^d) 
in SöDKU bem (ut^fc^en SBefenntnig jugeuenbet S)ie Nar- 
ratio de M. Wesenbecio (l)intcr feinem PapiniaaiiB. Witebei^. 
1570. 8"), »eli^ in oaen fpateren Seric^ten toSrtlti^ ait«ge> 
fi^rieben ift, fagt aber feinen abfi^id) non ben Stiebertonben unb 
bie erften 3^'^ feincS Sufent^ttS in S)eutfc^lanb : »paaloqo« 
poBt contra multorum exapectationem , quoduu inde fato 
divulens, in Germaoiam Bnperiorem, per id tempos panlo 
tranquilliorem, sois quibosdam inductus rationibos, coocessit. 
Qqo locomm ^noto, adventitio, varÜBqae difficoltatibus, de^ 
qnibus longnm eseet dtcere, jactato, ab onutibuB deserto, 
a suis destituto, desperäto — mediocrem locam, coojngenir 
literas aliaqae degendae tolerabiliter Titae sobodia, pro- 
pitius snffeoit Deus.* 3)iefer „locos mediocris" mar Sena, too 
er im 3a^re 1557 feine £ef|rt^&tigteit begann, am 21. ^Jdnmar 



Witeberg. 1570. 8°. R&uchbar, OraUo de rita at obita M-WetenbeciL 
Witöberg. 1587. 'XMxaai) Adami Vitae p. 370. Siaceru«, Titae T. 3 
p. 155ff. Qaodling, Otia T. 3 p. 252ff. Zeumer, ritae profenanm 
jariB qui in Academ. JeDeoei p. 16—27. van de Ferre, Vita Wesen* 
becii oot bei SuSga&c btx CommeiiUria (Colon. 1659. 4*) bt^oi^tll 
SBc|cntitd'a fnUcftontifi^ Scfntntnig ali eint bebaturlit^ HJedininA. 



bv Google 



3. TloH^uS 38cfmbtd. 353 

1558 jum ajoctor promoDirt tturbe') unb Bm biefetbe Qtit ft(^ mit 
bet a>t^tcr bei ^erjoBtit^ fädirifi^ ÄonsIctiS grana ©iirdiarbt 
in Seimar bet^iat^*). JSefenbed lebte mit biefem fernem 
©^kgeröater (t 1560) im Mtttautii^cn SBet^ltnife, öon roeti^cm 
et in bat an^ngen ju feinem Fapioünus (1570) unb in feinen 
Exempla jorisprudentiae (Lips. 1585. S". p. 121) 3^3>t<6 iitbt. 

3n ^na waib fB^mbtä geuxiltfam in bai ®(^iilge3änt 
bet 2aäfcn\dfea X^o(oflcn^) ^ineinflcjogen (1560). "Ski ©uper= 
intenbent Sinter t>eTlangte t>on t^m al^ 3'i^^t ^^i ^" 2'aufe 
nne« ^nbe$ beS ^rofeffor ^o1). ©tigel, bog er ftc^ ju bec 
fog. „@ä(^ftfi^n Sonfutation" betennen folle, unb toieS i^n, ba 
ei biefeS iBefetmtnifi benoetBerte, nic^t nur Don ber S^oufjeug^ 
fifiaft auräd, foiü>ent fcE|Iog i^ fogar bon bn StbenbrnaE)!' 
gemeinff^ft auS. 9l<it^ nrieber^olten Sefd^UKtben beim ^eijog, 
in uel^ föefenbetf bie Ku^bung ber (S^CDnununication ober 
feine Sntlaffung alä ^rofeffor Derlangte, enbigte btefer ^onbel 
mit äStitter'd Stbfe^ng unb bem SBefe^I, SBefei^ecf auf bad 
Bebnnhrife ber außSbutgifc^en Sonfeffion, Äpoloflie unb 8ut()cr'8 
ftote^iStnuö jum Stbenbma^I ju abmitttren. 

3iti ^lo^ie 1569 folgte SSefenbed einet ^Berufung na^ 
IBiticnItng an @telk bei im Vot^erge^enben !Cecember lierftor« 
benen Sodann ©^neibebmi. Stm 12. auguft eröffnete et feine 
Soilefungen nüt einer 9lebe über ^opinian. Um biefelbe ^t 
trafen U)n ^orteS^Iäge: noä) in 2lena Derloi et eine blülienbe 
Xodttec. in §cibe(bcrg ftari» i^m fein tteueftet gtcunb unb et|e» 
matiget Senaer SoOege 9)ictotinuS Strigel unb nienige Xage nac^ 
Segirni fetner ffiorlrfnngen in Sittenbetg marb i^m feine (Skittin 
im 13. 3all« »^^ *^ ^"^ ^^ ^"^ entriffen. — äu« einem 



1) l£i nur bn et^ doctor juris, ben bit nutgesrüittKtc UnitmfitSt 
neiffi; fdn ^mtuitaT not ^clniic^ Sc^neUwnrin (t 1580), bei fliutxt So^nn 



S) XUba leint (£^ «J&^t eine tjUante Vmtiett SinceruB 3, 1B6b. 
3) IBgL Sincern», VitM T. 8 p. Ifil. SRüIlei, €tiuUS • Sobinet 
J, 3, 40. ^rtgtt- Stacim« 2. ISSff. 

D,q,i,i.:dbvGoOgIe 



354 SIeutUcS ffa)iiM. 

©d^reiben') Dom 5. <Beptemia 1572 an ben babi|(^en jtanjln 
<S§tifto|)^ e^eim (f. oben ©.259), bet i^m bie Mtonte 
Lectura Godicis in ^eibelberg antrug, ex^^tn nie, bag fficfenbuf 
guglei(^ Seifiger beS Sonfiftoriume unb hH <S'äibppea^tatili vmx 
unb in biefen ©teßungen eine ©nnofime Bon 400 Sl^cr bejog, 
toä^renb fein Sßrofefforengetialt nur 200 'Sifaler betrug, (h 
nennt fi^ in biefem ©d^rciben „maritus', ft^eint alfo otöict 
cer^rat^et geWefen f,u fein ; unb .pater plnrium liberonim* — 
beren 3<i^I won öbrigen« nit^t fennt: benn bie getttö^nfiAe %«' 
gäbe, bag ei beren 13 get)abt, beruht auf einer ^ßemwi^clung 
mit fetnent Sßatet. aSefenbefl fteHt in biefem ©^reiben bie St^ 
bingungen, unter benen ei nadi ^etbelberg ju lommen bereit 
ift. ©0 fie bie aWittel ber UniDerTitöt überfttegen unb m^ 
bem Jhirfütfien ju ^o^ fäiienen, fo unterblieb bie öerufung unb 
man nenbete [vi) an ben bamalS ßüc^ttg in €knf lebenben 
SJoneUuS. @o blieb SSefcnbed bis jn feinem ^obe in Sittenberg. 
er ftarb im 56. SebcnSjatire am 5. 3uni 1586. 

äßefenbed gehört ju ben ^ßerfönfid^fetten, nxfc^c tio§ mä/n 
geiftiger (Begabung unb gflnftiger äufeeter Setliälhriffe, »ie bis 
{einigen bon $auS auS Waren, bo^ gebnidt unb tniI>ru'"'S 
bun^ä Se6en gelien. 3n feinem mcIandioIifcEien @eniät^ hraib 
ber reHgiöfe ©inn ju einem roeinerlidien ^etiämus, ber it)« 
ange6(i(^ fünf ©tunben tägli^ mit @(ebet jubnngen, baS iibif(f|t 
Seben aU lammeroolle Saft anfi^auen unb auf baS naire be))or< 
ftetienbe ©nbe ber äßSett projj^etif^ ^"ff™ ü^- 3Me Irennung 
Don feiner §etmat em^fanb er lebenslang als ein fc^erjti^ 
©jit; bie Seiben bct flonbrift^en ^oBinjen trug et ünt feine 
figenen in bdihnmertem ^etjen. (£r Qagt, ha% er Bon fnraftifdiai 
arbeiten als Mittler unb ßonfulent etbrildt toetbe unb für 
toiffenfd&ofttidie 2:^fittg!eit ber 9»u6e beS freien ©eifteS «nÄ^re. 
a>aäu gefeilten fid^ ftiöö" *" ^^ M*^ SRanneSjatiten fc^njeK 
förpcrlii^e fleiben, ®\d)t unb ©feinbefd^nserben. 93on feinem 

1) §0116, *'« 3uri(tmfQCullät b. Unfwtf. ©eibtlbttg. Seltiiig 1853. 

©. 6 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. 3Ratt4liu0 SScfenM. 355 

@ie^^utn gebrfltft, nannte er fii^ feUift mdffl „Hatthaeas de 
AfiBictia" (Don tteli^eiit Suriften ficilid^ gerabe umgefeltTt bie 
bouet^fte «Skfunt^t gerühmt iptrb) unb bic^tete ffic fld^ ein 
Spitapf^ma, in luelc^em ed ^ri|t: 

TiU mihi «tudium fuit, impeaBique Ubores 
Et dolor et gemitot auiduaeqne preces. 
916er buT^ fein ganjeS SSiefen ge^t neben biefer fräntdnb«n 
$9pDi^onbtte ber Qa^ m&nnlt(^r Xttt^rigfeit ui^ Streue. @r 
opfert fü^ feiner religUtfen Ucbetjeugung unb ben ^id|ten feineS 
99eniftl o^ne bid 9efinnen, bent Stange feined SSefenS fotgenb; 
freigebig gegen bie ©einen unb tnttbtt|ätig gegen bte Stirnen, dn 
licbcnber ®attt unb uomter t^eunb, bem eS Sebärfnig bed 
^jmS ift, t>on ben ^ßn^totbenm, bie er uot Stilen geliebt ^at, 
5ffent(ic^ gutefl S^ufi^i^ P geben: wir cerbanten i^m norm 
(m;ifuitbene Keben unb iSriefe Aber 3}hibiuS, Surc^aibt, feine 
^rtou unb eine ©ammlung t>oa iBrtefen feines ^leunbeS SJictorinuS 
@trigcL ^ ^5at>inian Oere^irte er fein daffif^eS SJoibilb, beffen 
menf^Iii^ @röge er beim Stntfitt feines Se^romts in SBittenberg 
in einet Siebe feierte. 

2. SBefenbecf giebt wenige Satire Bor feinem lobe in ben 
SSoireben ju ben Frolegomena (Lips. 1584. S") unb )u ben 
Ezempls Jarispmdentiae (Lips. 1585. 8°) fofgenben Aatotog 
feiner ©fünften : Frolegomena de finibus et ratiooe stu- 
diorom libiisqne JnriB. Oeconomia Juris. Commeotarius 
ad lostitationea. CommentarinB in Pandectas vulgo Paratitla. 
ConunentariuB in Codicem. Tractatas fendalis. GonBultationea. 
£zflmpla Jurisprndentiae. 3n biefen Exempla finb feine früher 
eiuidn erfc^ienenen 9Id)en de Papiniano unb de Undaeo mit 
anbeten gefammelt. — ©eine ^iftorif(|e ©ebeutung liegt ^aupt» 
fiti^lii^ in feinen Paratitla ober bem GommentariaB in 
Paodectas unb in Codicem. 2)aS umfänglidffte feinet SSetEe ift 
bagegen bie Sammlung feinet @^onfilien, meiere juerft Basil. 
1576. 2 Vol. fol. crf(^ienen, not§ feinem ^be aber bon 1601 
big 1634 aQmatitic^ big auf ai^t SSAnbe auS feinen ^o^ieren 

23« 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



356 »cuntee Rafüd. 

tienne^rt tooibeit ift. Sliefe gctoaltige Sßaffc bon ®tUad|t«i 
mfldit feine filagen ö&ec ben Srucf her pcaftifdien ©cjc^ftt &^ 
gieif(t(f| unb gtebt unS genügenbc Sitläning bafür, bag SBeftntKtt 
trog feinet uncrmüblt(^ii l^teifieS för bte SBiffeufd^aft nic^t npi^ 
iBebeutenbeied getetftet ^t. S^aju lommt abec, bag ti i^m 
offcnbai an bem f^ctftfteQerifi^en 'Zntbt M(te; bie in {einer 
9Iatui Kegenbe SlengfUidileit anb @OTeItc^teit ^tdt i^n bon 
$u&Itcationen juiüd. @S ftnb ba^ m^teie 3Serfe bon i^ 
juerft na(^ feinen Siorlefuiigen o^ne feinen SBtUen gebructt ototben. 
@o gio^ baiS ^nfe^en UKir, in ned^em bie eonfilim 
SBefenbed'S ftanben, fo ift bod) biet entf^benbei unb nac^= 
faltiger ber (Sinftug getoefen, ben feine Paratitia geübt ffaitn. 
®ie erfd^ienen juerft 1565. fol. bei C^ionnut in EBafel unb 
jwar, nie aus ber i&ebicalton bti 3)nt(fer8 ^erbotget|t, o^ne 
bag bei' SJetfaffer bie letzte |ianb batan gelegt ^atte, .coi pu- 
blicis distracto occupatioiiibuB Dullam tempus Tacnnm ad 
haec limanda perpolieadaque conceditur". ^m 3a^te 1582 
(BasU. fol.) fK)t ei bai SSeiE neu bearbeitet unb mit einem Soit' 
mentat gum Sobe; betmetitt nntec bem neuen 3:itel ,H. Wesen- 
becü Commentahus io Pandectas juris civilis et Codicis 
Justioianei libros VIII" ^eiauSgegeben. (£d liegen jtoifc^ biefcr 
unb ber erften SCuägi^e noi^ mef)rere anbere ; fte ift bogegen bie 
le^te bon ^{enbed'ä ^anb. 91ai^ feinem ^be ift hai SBed 
faft ein Soi^r^unbert ^inbuid) oft gebrudt morben unb }jim 
metftenä mit mon^^Iet fremben Sut^lcn ; fo j. 8. bon $. 99reben)bt 
mit ben Paratitia beä Sujad unb ©ebaftian EBiant (ber -Eipo- 
sitio onmiam titulorum) Basil. 1589. foi. *). Sie fSommentarien 
tDUcben neben Xteutter'S Siäputationen bag angef^cnfte Qel)r> 

1) <&i tiKibnt fcntei angegeben Basil. 1593. 4°. Colon. 1699. 1606. 4°. 
Francof. 1616. 1619. i". BssU. 1629. 4° — Cum notis Schleifli: Witeb. 
1605. 8*. StettiD. 1619. S". — Cum notis BachoTü; Amstelod. 1G65. 
1668. 4*. Colon. 1640. 1659. 4». — Fnucof. ad Viadr. ed. Bnumemaan. 
1665. 8*. — Colon. 1650. 4' c. notis H. Hermis. %ui ouS biffcm Va^ 
biud i[t mir bie .iu3)Dual 1640 tat^olffi^ (oftrine" HuSgabt (Sunbling, 
Otia 3, 256. 272) bttonnt. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. aSott^uB SefntBcd. 357 

bttäi, nnb namhafte ®ilefycte beS 17. 3aI)c^unbeitS toit !5ad|0b, 
^utntnd, $a^n, Qubti»0, ^enneö, Xobot, ©^toebenbörffer, 
Snuinnnann unb ©amiid @ti^d gaben Notae, ObserrationeB 
unb Qnaestdooes gutn 33efenb«f fterauS. ®o inaib feine SNet^obc 
btt ^errfi^nibe bis in baS 18. ^a^^unbert hinein*). 

SKoR pffegt cd als eine brannte @a(^e gu befjaupten, bag 
Sefenbed bie cattiifttfc^ 9Retl^obe in bie SuriSprubenj eingefü()lt 
^be ober bet Segtfinbet bei tanriftifc^en ^tiftenft^ule fei. 
3nbe6 bebarf bieff feit 3:f(0mafiuä traloticifi^ H»einiing*) bet 
9)en0ttgung. 

Cb SBefenbttf in EBejieliungen ju $eter SRamud geftanben 
^al, toiffen wir nic^t. 'Sli woljrf^^li^ lann man ti bettadilen, 
ba ei gerabe in ben Satiren fid^ in $ari8 auffielt, als bet fede 
9}euerR in ßonflicte mit bet Sorbonne gerate niar. 9(u(^ 
f^t SBefcnbed'3 ptoteftantifd^e 9Krf|tung in biefen 3af|ren ott< 
fiErieben jn fein. ftKein er fe(bft ertofl^nt StomuS ntemaK unb 
fü^it feine 9Het()obe bun^auS auf ben Sinffu^ feines Se^rerS 
(Sabiiel äßnbäuS juiüd, mit tuelt^em er bis jimt 3al|te 1550 
jufinnmenlebte. fi) ba^ affo feine it)iffenfd|aftlid|e Shd^tung bereits 
entf(^teben mar, e^e er fid) auf 91eifm begab unb in S^ielinng 
ju 9)anraA getreten fein fünnte. fHoä) im 3at)re 1572 aber et' 
flArt Sefenbed in feiner 9Iebe über ben SRubduS, bag er bie 
nm biefem gdetnte SDfct^obe beibehalten toerbe, ba i^m niemals 
eine beffere befannt genorben fei. 

^Diejenigen, nxld|c unfern SSefenbecf für einen 9)am{ften aud- 
^tben, be^pten jugleii^, bog er bie fog. Methodus caasarom 
befolgt ^abt unb bafj biefe auf il|n unb mittelbar auf JKamud 
äuiHifgeffilrrt toerben muffe. Slllein. aud^ in biefet SlnH^t liegt 
ein boptK{ter Srrt^m. C^eSt^eilS nämlic^ ift bte S^anblung 

]) (tdd) VtauiitiuB (t 1691) : Ad FandecUu me judice snfäceret 
WeKobedna, eonnnmi ernditi orbJs probfttoB autor, cni nihil simile ab 
»llo JCtomm in eo geoere pottea editum — qaod nnper qasestionibna 
ad inim omniDo probat BmnaemanDDs. 

% SgL natjeti, bon fEinflutft b» ^^ilpfop^ic auf bie SiiriSfiruEKnj. 
1855. (ftUet VioQTamin.) Sunbling, Otia 3, 240f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



358 9icuntc» fl<i))Uel. 

ber 3)Iaterieit nac^ ben quatuor caosae ffli StamuS fo wenig 
(f)aiaheriftt{c^ , ba§ matt bielmeEji umgefe^tt fugen fantt : bie 
quatuor causae finb faft ba& am meiften ^rbortrctenbe, toad 
8*amu3 Bon bei ^errft^enben 3Retf)otw ber Hrijtotelifer beiS^ielt 
unb mit ber fibetlteferten äRet^obe gemein ^at {\. oben €. 149). 
Vu(^ Olbenborf) tpecbienbete bie caasae ju fetner @Qftemat3 bei 
9(cttonen ; unb mo mir bie methodus caasanun am @<i^Iug bed 
3a(|cE)unbert9 mit 9!ad)bru(f on^fo^Ien finben, nie bei 3uftu« 
SNeiei, ba toirb fte nii^t eine ISifinbuilg bed SRomuS, fonbeni 
eine alte genannt, meiere Olbenborp unb SSefen6ed ertteuert ^ben. 

3(uf ber anbem @eite aber ift aui^ bie SRet^obe SSefenbed'S 
feineSinegiS burd^ bie iBejeic^nung .Methodus cansanun", u>d(^ 
t^i Don ben f))fiteten fiilerar^tftorifern beigelegt toirb, genügenb 
i^acafterifirt, ba bie quatuor cansae bei i^m feine fibenmcgenb 
^roorragenbe 9toI(e fpielen. 

3. Sefenbed'« 9{i(i^tung ift bie f9ntf|ettf(^. St isfinf^t, 
ba^ ha& Qitl txmi)t n>erben mD^te, welfyi fSictco aufgeftdlt 
^at; unb ba ed bem äRubdufl nidtt m0glt(^ gewefen ift, ein 
©9ftem be8 ^ei)tS (juria ara) ju fi^affen, mett er ju f^r ton 
t)i(^fd|cn @efd|äften in Stnfprut^ genommen geUefen; ba eä 
auö) i^ aus gleti^em @runbe nit^t möglit^ ift, felbft tveim ex 
bie ^äfte baju in fii^ fünfte: fo beflagt er eS, bog bei ben 
ouSgeseii^neten fieiftungen unb ber großen ®clel)rfamfeit feiner 
3eitcn fii$ Ü^iemonb gefunben ^abe, ber bie Hufgabe gelöft; aud| 
meint er, ba% ber C^foIg ber gro^nt fconjdftfdien Sele^irten 
nod) frui^tbatec fein toürbe, roenn fie bie SWetljobe be8 9)hü)fiud 
befolgten. 

3n biefer SBetfe fprtt^t fid| Sefenbed 1572 in feinet Mebe 
A6er 3KubäuS auS. $(uäfü^t[td|ei noc^ erörtert er bie richtige 
3Rett)obe in mehreren üb^anbtungen. 

©^on bei bem antritt feine» fie^tamtä in Sena (1557), 
nie eä f(|eint, jebenfaKS not bem SaE|re 1561, ba er bed 
^ubäuS no(^ atS etne8 ^benben gebenCt, ^at er f"^ in ben 
Prolegomena de studio juris recte instituendo urnftÖi^Iic^ 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



S. aRott^u« SBefoi&ed 369 

miiQ^pvoüfm. 2}tefe %b^anblung tft }ueift o^ne fein SBtffen 
Dor ben Paratitla 1563, fpätei toiebei^olt, namentttt^ aud| 
1584. Lips. 8** unb in Reusner, Cynosura. Spirae 1588. 
p. 41, in beif^iebmen 9{ebaction«t gebrudi 2)aran ft^ttegt 
fitf) eine onbcre im So^ce 1566 gehaltene 9tebe de fine vitae 
et stadionun, toclt^ DOt bem CommeDtArins in Institntiones, 
jueift 1569, gebniA tnurbe unb fpfiter mit bot Prolegomena 
jnfannnfn ald befonbne @^nft Lips. 1584. 8" etfd|ien. <Si 
(»eUKgt fidi jeboc^ biefe ?tebe me^r in allgemeinen S^agen. 
StKCteU bagcgen fprtdit fii^ ^^ bie S^nnet^obe auS bai 
Prögramina in aditn PrselectioDUiu Wittebei^ae propoaitnin 
(1569) guecft hinter bec Oratio de P&piniaao 1570. S", bann 
oor ben Exepipla Jnrispnidentiae 1585. 8". Snb(i(^ bie 
Epistola de etadio juris recte instituendo ad J. MonaTium, 
Patr. VratislaTiensem bom ^af)tt 1570 (N. ReuBoer, CyDOBara 
Joris p. 54). 

SBefenbecE bcfennt in feinen Prolegomena, bag baS 83efte, 
imft ü&ei bie le^te SRetl^obe beS @tubiumS 6<fodt f<i> fi^^ ^n 
bem befannten Briefe beö 2)uaienuS (Opera. Cynosura juris 
p. 17, dat. Bitnrig. 1544) finbe, ben er nur ergänzen bwlle. 
^ ^filfStnittel b« ^riSpmbenj ftnb bie ecientia dispntatriz 
(!DiaIeEtiF) unb bie @t^tf, ju ttielf^ei au^ bie ®efi^i(^tc get)0rt, 
o^e beten Äenntnifi .jurisprudentia coeca" tft. 2>iefe foD 
mu begonnen toerben mit bec Snftituttonenooilefung, bei ber 
man 3^0)}t|tluä unb bie Enairationes bei ^optwr*) unb §oto> 
monud ju ^fllfe nehmen unb bie ^nbdtentitel de Verbor. 
Sigoif. unb de RegnIis juris t)tnjufügen möge. $at man fo 
einen feften @ninb gelegt, bann n>enbe num fic§ jur fiectute bei 
^nbeften. 3)en Snffingecn finb bie überfid^tlii^en Compenbien 
(Stuumae remm in corpus redactae) ju empfelften unb unter 
biefen namentlii^ bie Paratitla von ^opptx, ber mit großem 
S^arffmn bie innere Orbnung bei $anbehen batlegt unb bie 



1) Vemrint |tnb iit Pitluuia. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



360 »eunte» Äotittd. 

einzelnen %iiti mit )Dettf)t)i)Qem unb furjem (SomtnentoT bui^ 
tauft. l£ine folc^c SSe^anblung mit Seibe^attintg ber ^telorb' 
nung nü^t al>ec UKit me^i -ats oHe jote met^obift^ @(f|nften, 
beten tSglic^ neue erfc^etnen: benn ed ift Don tfb^ftent SBcrt^, 
bie gange Crbnung bet ^anbeften bem @d>ä4taig ttnju^gen, 
tpogegen jene ©c^nften gerabe biefe Orbnung uinftat^en. 3)n fo 
gcironnenen Ueterfti^t unb ®nuiblage foH nun ber cigenÄii^ 
auf^Qu beS WerXS folgen, ^terffit abet f^t es bem SSefenbed 
fcft, ba.% »enn au^ bie Ccbnung bet 2:ite[ in bat ^bdteii 
unb im l£obe£ tDebei leichtfertig getabelt, nod^ bon i^t Qt)g^ 
tDi(^ loerben barf, boc^ bei Se^anblung bed ^iKiItS [tbei 
einseinen 3:itelS (tto^^ liopper'« entgegengefe^ec SRnnung) Don 
ben (£oin))ilatoren felir menig SIMfidit auf bie rechte äRtt|obe 
genommen toorben ift. !I>enn bie fatfeilidien Sonftttuttonen fmb 
melir nac| bei Qtii^otQi aU naä) bem 3n()alt geotbnet; in ben 
^anbeften abei ^aben bie Sontf)i(atoien , bie me^t Seamtt aU 
(5Je[et)rte roarcn, fit^ mcnig um bie Orbnung bei Cräiid^ten 
belümmert, unb eä unterliegt bo^er leinem Btoeifet. ^ ^^ 
©njel^eiten fomol)! für bai iBeiftfinbnt^ ai% aud» ffir baä ®^ 
bäi^tnig unb bie 9(nnientiung in beffere Orbnung gebracht weiben 
(önnen. 3)emna^ finb bie jerftreuten unb tiectoorrcnen ©njet 
Reiten „in methodum cogeadae" unb bie eingelnen L^ea nadf 
fotgenber Orbnung jitfammen jufteHcn : 1. Definitio. 2. Dirisio. 
3. Causa efficieus. 4. Materia. 5. Forma. 6. Finje atqne 
efTectuB. 7. Actiones quae nascantur, quibus, contra qoos, 
ad quid competant. 8. Cognata et adjaceatia. 9. Cootrana. 
Siefe .loci dialectici" finb feineSmegS neu ober bem fStamai 
entlehnt, fonbem bie oon SlriftoteleS aufgefteKteit. 

Sei bet S)arfteffung, fa^rt Sßjefenbed fort, in Wd^er man 
bie Otbnung ber ^anbdtentitel fefttifilt, f)at man ^tnjujuffigen, 
toaiS ftc| übet benfetben ©egcnftanb im ßobej, in ben SRoMfloi, 
im !anonifd|eii Sc^t unb in anbetn geltenben Metrien finbri. 

Snod^ ^etfteüung unb iJarlegung biefe« f^ftematifc^ 3"' 
fammenl)ang$ „iterum retexenda haec tela erit et singnll 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



a Otatt^uS StfnTbcd. 361 

Euüculi Becnndam ipsam Metbodnm dlligenter explorandi". 
SS besinnt nun bic ürbeit brc StuSlegung ber emjefnen @efe^. 
Saiwi ift bei Snfang ju machen mit einer aOgemeinm Stitgabe 
beft Sn^ItS (SamEaa); bann ift boS dlovi, bie ratio, quae 
legiBUtorem movit, aufjufuc^: benn bie Stenntnig ber ratio 
bient nit^t ttüig jum Skrftfinbntg biefefi ®efe^, lonbern auc^ 
5ur Seurt^ung it^nlit^r t^Qe. ^^terauf folgt bte ftnal^fe beS 
Sefcf^S unb bie iBetitit^tung feiner einjeTnen ^eile ; ber SSorte, 
^onen, ©at^en, XEiatfai^ett unb Umftfinbe: unb bieS aUeS ift 
anf „tfaeses et locos communes (RegalaB vocant)" jurficfju= 
ffiltren, bamit fo bun^ einjelne $eif))iete bie {Regeln befeftigt 
tueäien. ©(^(ie|Iic^ ift baS @efe$ mit anberen ü&neinftimmenben 
ober obtDcidKnben ju oergleti^en unb in Serbinbung ju fe^en, 
inbem man bie tBrfinbe ber @Idc^I|eit ober SCbtoetc^ung ermittelt. 
fÖd bent ÜQen tiabe man fii^ vor ben Dielen ©ubtiittäten 
jU ti&ten ; nti^t foQe man, nk efl ju gef(^en pflege, ba^jemge. 
Das jum tagltd|en @ef>taud^ in ber ^ßrafis getiöre, nur flii^tig 
berfi^ren unb aQe Sßfl§e unb ^nt auf bie wrtDidelten ©ditcieiig' 
feiten «TWaiben. SBefenbtrf felbft erinnert fi^, nrte biel 3Hiit)e 
er unb feine greunbe aU Jünglinge auf fidfung bei feinften 
Äitoten in ben SJ^iren öon ben ©ubfittutionen, ber gotcibift^en 
unb ^lebcHianifi^ Duart, ber S^ranSmtffionen, bonorum pos- 
teaao, bei t^eiKaten unb untl^eifbaren, bei generifdten unb a(tei< 
natiben O&lJgationen u. f. u. veitoenbet ^tten ; unb toie ed i^nen 
bei ^fte ^ßmi gefrieren t)abe, gui Söfung bei @^toterigfnten 
etund ISeiftrdc^eS auSjnftnnen, 97euee beijubringen ober bie 
fnbtilen SRetnungm bei Snterftieten jU t)rüfen. Unb als fie 
nun in bie $ta£i$ getreten feien, ba I)&ttm fie matiigmommcn 
trag oO biefe 3Cfi§e, nttä)e fte auf ^ngt, bie ber ^a^id fem 
liegen, witvenbet ^fitten, ofine 9htQen gcffiefen fei, unb bafi 
geiobe in benfenigen ©egmftfinbm , toelt^ i^nen bis bafjux ju 
geling unb tierft^tlic^ gef(^icnen Ratten, Dorjugdttwtfe bte eigent< 
lid^ Sebeutung unb ftioft ber 3!urtSt)rubenj liege. Sa^ei Iiabe 
eS benn auc^ ni^t ausbleiben fSnnen, bag fte bei ißerfianblung 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



362 »eunic« ftafritä. 

unb Slbuit^ilung Don ^loceffot fe^r oft bafi ißo^Oenbigi'tr 
ttt^t getougt Ratten, loeil fte baS nidtt 91ot|nKnbige mit ju 
großer SKfl^ gelernt Ritten. 

Sefen&ecf bringt loiebei^olt an wrfc^iebenen SteSen unb in 
betfc^tebenen Senbungen barauf, bag man fu^ int £cf)ten unb 
Sernen an baS SBefentlic^e galten, »ot 3e^pKtterung in ftnid> 
^ten buci^ fatfd^ angebrachte ^rünblü^feit ^fiten foSe. Sr 
Wiberiät^ ba^ bent ©tubenten, bie angeführten ^aiaOeU unb 
aSetegfteden oOe nad|)ufcf|Iagen. @r tttffe ani eigener ^o^nins, 
nie jettiau6enb unb uenuiirenb baS {ei. 2)ad g^Sre \ip6ixm, 
reiferen Sia^n, unb ebta fo bie fiecture tonn Sntetpteten. Sm 
91nfang foD \iiSj ber @(^ü[er ganj an bie Duellen unb ben %iii= 
trag be« Se^recS tialten. S)ag aber ber fieftrer feinen IBoitiag 
nid|t naäi alter SBeife mit STdegationen Oteler SRetnungen bdoftto 
barf, folgt f^on au8 ber SÜSetCjobe, toetifyt oben gejet^net nnnbc 

lieber bie Siteiatui dugert fid| Sefenbed tn beae^tenSioei^i 
Seife. 3n bem ju femer 3^t no(^ fortiHuiemben Streite bei 
^raftihi eineifeitS , nietete SartoIuS unb ben ©peculotor übn 
Sine fteUen unb fid| an btefe galten, nml fie nriffm, bog in 
allen ©eriditen beren 9[u^ft)rüd^e „qod minus jub faciant, qu&m 
ipsae Frißcipam conetitutiones' — unb ben mobemen ©ef^rten, 
melt^e, p^t gebilbet unb nte^r auf bie SBtffenfi^aft al8 bie 
^rafiä gerietet, jene ffit Sarbaren galten unb, wie fte fagen, 
nur bie StutorilÖt ber a;ejte gelten laffen — in biefem Streite 
nimmt Sefcnbed eine tiennittetnbe Stellung ein, ba er, nne er 
fagt, mit einem ^u^t in ber Si^ufe, mit bem anbem im ©eridite 
fte^t. <£t Derlennt ba^er feineSmegS bie großen t$ortfd|ritte bei 
neueren SBtffenfdiaft unb bie äßänget ber älteren: oQein bem- 
ungeaditet finb jene Sitten nit^t ju enfbetiien uiegen bed miei= 
ft^Bpflit^en {Reitfit^umg »on prdtifc^en göUen unb gragen, bie 
fie in i^ren Schriften entfc^eiben. f^i ftnb äRfinner bon ©eift, 
bie nii^t im "SiunUl ber Si^ule i^re 3:age jugebioc^t ^oben, 
fonbetn mitten im fieben unb in ben ptatt^ä^tn ©taatSgefdtäfifli 
geftanben finb, ms^alb benn ber äRangel an 3Retl|obe unb 



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3. anatt^auB Vk^tnbta. 363 

giünbli^cr ftcntitnig bn Bpxadft unb be% Ulttttfymi dqQc 
ftdnbtg oufectDogett u>tib buc^ tt)te anbeten SSptjüge. 

Unler bot 9tenetm liebt Sefenicd ^ot: 3afiu8, Slldat, 
^artnud, aJZoItnfiuS.CIbenbott), 3;trac[ueQ,EBa(bum,$'otDmanu8, 
^oppcc] fügt bann aber ^inju, bag nac^ feiner SVeiniuig [ein 
gele^rteieä ^erf gefi^Tteben fei alS bae jenige, nxl^ ber ju 
frü^ (1551) Mtftoifiene ^aitj tSonnonuä, letber unOoQenbet, 
^terioffen liabe. Sui^ STOubäu», SBcfenbed'8 Doittcfpi^er unb 
bereiter S^ier, ^abe ganj boijQgftdie iSommentare ju ben 
Snftituttonen unb anbem Xfieilen beiS SiDUreditö verfogt, bie 
jdiDC^ letbei n>egen ju groger Sefdietben^t beiS SSerfafferS noc^ 
immer nu^t anS Stt^t träten ! ') 

3n ben festeren 91ri>actJonen ber Prolegomena ift biefeS 
Urti)ett über bie neueren Suriften mc^rfac^ mobi^cirt tnorben. 
JJie fct(r umfängliche Seor6eitung öom Sa^re 1584 ^t unter ben 
Steueren Seinen befonberd fiemoi, fonbem fagt nur: „quomm 
felicissima scripta auctores sie commendaat vulgo saos, ut 
Dostra praedicatione aat indicatioDe, tanqnam suspeasa hedera 
non habeant opas". 3n berjenigen SRebaction, meld^ fid^ bot 
bem Snftttutionencommentar (Colon. 1593. 8") ftnbet, ftnb eben^^ 
faQd aOe frfi^er genannten fßanien t)inbKggelaffen, bagegen Sujafl 
^etoorg^oben mit ben SSorten: „inter qnos praecipuum sane 
locam qooad tbeoriam, Jacobns Cqjacioe tenere Tidetur". 
XoneU'S ^mmentar unr bama(8 no^ nic^t eifc^ienen, ben 
aSefenßed fid|erli[| toßlommen gettürbigt ^ben toürbe. 

-4. SSefenbed'S aRet^obc ift alfo nic^t bie ffKcififdi ramiftifd^e, 
fonbem oon ben @ebanten bc^errfc^t, nelt^ um bie Witte beS 
Sa^t^unbertS auf allen @etten ^erboi6cad|m. 99elennt SSefenbedC 
ft^ als getreuen ©diOIer bed SRubäufl, fo entl^nt er bo(^ au^ 
bem 3)uarenu3 S^nlit^ gebadite @fi^ ; unb afs er nai^ SESitten* 
bcrg lam, fanb er bort ben iSoben für feine ©^nt^iefe t)or< 
bereitet burt§ Äting unb ©c^neibettiin, bercn Sdjriften ben feinigen 

I) 6o tn ber ctftnt tto4) ju ShibäuS' Stbjrilen gefproc^en ^oxm bti 
Prolegomen». 



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364 ^Utaata SMfiul 

Dettnanbt finb. SBaS er bor iBeitien ooiauä ^at, ift bte in 
beffeter @(^ute etwoibtae ©etnanbt^eit tutb (^le^omlett bd 
jtDedmägtger iBefc^iänlung beS Stoffä , fottiie namentlidi bit 
e^acteie Siurc^fä^tiing feiner SiSpofition na^ bra obax od^ 
gegebenen «loci diidectici". ©ieht bteS feiner ^tftcKung etnuS 
^^ematifi^ee , fo gewinnt fie bobuti^ aai^ an SHor^eit imb 
Uebetfid)tlid)feit: unb man fann fie felbft gütigen Xogeö noif 
nic^t atd Mrattet &ejetd|tten. 3n bem Kommentar ju ben 3n= 
ftitutionen ift bie ejegettf^e (Srunbloge feftge^ülten ; tn bea ßoin= 
mentarien }u ^anbeEten unb iSobe; bagegen nti^t: ftc ftnb „Pan- 
titla" unb fßftrten uEfprünalii^ biefen SRamen. Auf bie Dudlen 
niiib junt S3enieife tiingeluiefen, aiet fte gefiören ntii^t in ben 
3uf(unmentiang beS ^e^teS; bie SHegationen ftanben in bcr 
erften 3lu$gabe am ?(anbe unb finb erft fpfiter jnifc^en bie 
3:eEteamorte eingefe^oben. SontruDerfen werben nif^t erörtert, 
©d^riftfteQer feiten aDegirt: aaä) bieS ift iebodi in ben f^MStenn 
SBearbeitungen , in benen baä SSäert ben SRamen Commentarius 
erhalten ^t, anberS gemotben. 9Be|enbctf giebt in biefen bie 
communiB opinio, bie in ber beutft^en $ra^lS ^errfc^enben 
aJieinungen an, ot)ne fic^ in ©pecialitfiten unb Sofuiftif ju Der' 
lieren. Ueber^aupt gel)t feine ^bfit^t ba^in, baiS {irahifc^e fficd|t 
gu lehren: aber eä ift ju beat^ten, tote tiKnig ei iE)m gelingt, 
biefeS mit bem Suftinianifi^en ju f^ftonatifdier Sin^eit gu xxt' 
arbeiten. ®r erdttert j. S. (D. 45, 1) auSfttitlic^ SBefen, gonii 
unb SSitrfung ber ©titmlatton, not^bem er (D. 2, 14) bie JHag= 
barteit aQer pacta nadi fononifi^em fftt^t unb ®eua^I|ett bai= 
gelegt t|at, otine ju geigen, n>el(^e Snwenbung jene noi^ m 
praftifi^en iRed|t finbc ; eben fo werben @flat)erei unb Rational 
o^ne lißorbe^att abge^anbelt. Slnbrerfeit« ^Slt SSefenbetf fii$ 
Ber^)fli(^tet , auf bie Sefonber^eiten bei fät^ftft^en 8tet^t8 flt= 
legentlicl 9Jä(ifi(^t jn nehmen. Weil er, Wie er fogt, an ffic^ftf^ 
UninerfitÖten letjrte. 

6. Witt 9le(^t burfte ^efenbedE non ficf| fagen, bag er „mit 
einem gufee in ber ?ßrayt« ftetje" ; bie 9Kaffe feiner SonTilioi 



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3. SKott^Oue Kcfcnbed. 365 

ift iwför ber fdjlagmi» SBeiiKiä, Qmax in feine Ü|eoreti(^m 
$r6ttenineen mengt et feine praftift^en Erfahrungen niii^t ein; 
er bocirt atS reftecttrenbcr ©ele^rtft. STbcr bie iBerbinbrntg toon 
^orie unb SßropS ^at iEm befähigt, an bei fä^fifc^en ®efe^< 
gtbung ttpirifonten 9nti)eil ju neunten, totld^ 1572 in ben fog. 
©Öt^fifc^ Sonftituttonen jum !H)f(^lu| [am. Sßon il|m ift 
bie jioette SSitttnberger SontroMtfenfamnitung, bie fog. Casns 
Wesenbecü, im erften Sfl^re feineS bortigen STufent^Itä rebigirt. 
"Xu^ mar et an ben iBeratt)ungen hei Sei^jtger unb beS 9)Ietgner 
SDnKntS (1571. 1572), ioelt^e bie ©runblage \ixx bie @^Iugs 
iductbn bilbcten, atS 96geoibnetet ber 9Stttenbetget t^cultät 
bet^Uiflt '). 

6. Unter ben fl6rtgen 6(^riften SBefenbed'd ^nb no^ 
folgenbe l^ttootiüiftbea. 

Ü)ei Commentams ia Institationam libros IV entt|&It 
jn^eit^ ben Ze^, ift eine auSfü^ttii^e S^egefe unb ffi^rt balier 
in bei elften SitSgabe Sksü. 1569 ben 7itel Scholia et Argu- 
menta Inaütntionnm. @r ifl no^ beg SSerfafferS %oi>t aiiebei= 
^olt IierauSgegeben, j. S. Colon. 1593. 8". Witeberg. 1596. 
1609. 4". 

3)te OecoDomJa juris ift eine fummarif^ Ueberfit^t beS 
3uftinianifd|en C. joria cit., ber libri feudorum unb beä C. J. 
canonici, bei Ineli^ bei Qmtd Dcrfolgt briib, ben innemt 3"' 
fanntcnl^ng bei ne<^tdbü(i^ei , fo gut eS getien »iQ, jur 8(n> 
fdiatuing ju bringen, obgleich Sffiefenbed felbft an ein bun^- 
gefüflitcS ©pftem in biefen (Sefetffiebungen nic^t glaubt Stbem 
äle^tSbiK^ ift eine inftructbe Einleitung Doraufigeft^icFt, meiere 
feine Sntftc^ungSgef^ii^te mitt^eilt unb jUar nac^ ben loci: 
antor operis, causa impulsiva, materia ex qua, materia circa 
quam, fonna compoaitioDiB, finis, efTectas, adjacentia, affiuia, 
coQtruia. — SBcfenbttf foD jueift Oeconomia Paudectarum et 



1) €(^Iettci, bie Qon^tuttoncn Autfüift 9tuau[t'C »on Sat^tn ®. 47. 
M. 68. Unrit^g ^gt a ^, bag 9BtfaitoI frü^ fflet^tSle^rn in bm 
SNäedatibtn unb in (^nhcit^ Btnwfm fd. {Qgl. aui^ unten Stop. 13. 



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366 atfuntea SccpM. 

iDBtitDtionam, bann Codicis et Novellarum (Basil. 1564. 4*^, 
femei Juiis Pootificii, enblidEl OecoDomia Juris ntrinsqne. Baail. 
1573. 8" (1574. 4"?) ^erauSgefleben ^abcn. Jßeue aforbettung: 
Commentarius juris, Oeconomia jam olim dictaa. Ex accnrata 
authoris recognitione Baeil. 1579. 4°. 

^ci Tractatus de feudis ift juecft unter brm 'Xitti Periocha 
de feudis o^ne SBefenbetf'ä Siffen nac^ fernen SJoriefungnt 
publtcirt ; bies ^t t^n ju einer Derbeffeiten Hu^obe Oeranlafit, 
Wel^ Witeberg. 1584. 8* erft^ien. 

2)ie Exempla Jurisprudentiae (Bas. 1573. Lips. 1585. S^ 
finb eine ©anunbtng Oon SebenSbef^reibungen beifi^mtec 9led|U' 
gelehrten. Sd finb barin entliallen bie 9teben de Fa^iniuia 
(1570. 8*), de G. Mudaeo (1572. 8"), foWie SBioßtortiot 
fctneS ©dinriegeroaterS Sun^rbt, be3 @tmon ^ftoriS, 9rm 
®ouigiuS u. !C. 

§inter bcr Oratio de Mudaeo (Witeberg. 1572. 8^, wäift 
bei ®elegent|eit einer ^tomotton gelialten ift, finbet fid^ M. Wesen- 
becii Reeponsio ad quaestionem de MoDaichiis et an Turcie 
possint sibi usurpare axioma et titulum Romani Imperü, nib 
specie occupati Bizantini. 

3^m tritb jugefdirteben Aenigtaa timoramenon in Lotnm 
sanguine Maceratum. s. 1. 1573. 4", ein bei jtttnigin STtfaietfi 
gewibmeteä ©ebic^t, in welt^ er [k jur Settung ber in Stonf- 
xndj unb ben SRieberlanbcn wtfulflten ^oteftontot auffotbtrt 

!^ag er bie 3nftituttonen ©t^neibenin'« (1573) auf ^Sm^ 
ber Srben mit Snmerfungen ^erauftgegeben I|at, ift f(|(m oE>cb 
(®. 310) erwähnt. 



D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



Die fran3Öfifd?e S^ule. 5*"''"3''f^" ""^ 3talicncr 
in Deutfdjianö. IJeutfc^e Schüler &cr ßtanp\m. 



1. KaaL ShiKimuB. — S. CDiiot. — 8. ffujae. ^DtiflluS. — 4. XRolinauS. 

»onminu«. fcolomonu«. — 5. SHon^r«* ®M&ofrtbufl. — 6. Oribolbu». 

*ttdu8. a üoinaufl. Sri|)io »öitiiil. — 7. Balmtin Sorfttt. Sort^oltnu 

I8i;)^anius. fionr. 9Kt»rB^uriua. ^1. %3U^. Sotftti. 

1. ?lidE|t nur baö Sitteteffe, nieldieä bie SSerglei^ung bat» 
bittet, ^onbem botiöfllit^ bie btrecten unb inbttecten Siniuirfunflen, 
wläft bie fronjSfifdie durisptubrnj fett ettoa bem oiertm Sa^r^- 
jriint be« 16. 3at)r^unbeitS auf SJeutfc^Ianb ausgeübt f)at, Der< 
<mla[fen unS, einen 83IidE auf tl)n fit^ bomalS »ollenbenbe Qtnt' 
tDUluttg }U iKtfen. SRit S^ec^t »tri) ber beginn i^ret neuen 9tid|3 
tung battrt «on bem SSttfen beS $t|tIo(ogen iBubäuS (BuA6, 
flfb. 1467, geft. 1540), bet in feinen Annotationea ad Pan- 
dectas baS aJhifter einer Bon plftlologtf^santtquarifc^cr ®ele^r< 
famUt getragenen l£^efe auffteDte. 9Zeben i^n trat StnbreaS 
«Iciatu« ms «Ijato bei STOaUanb (geb. 1492, geft. 1550), bet 
mit eben fo gtänjenbem Wie burd)ft^fagenbfni ©rfolge in Änignon 
(1518—21) unb in »oKtge« (1529 — 36) teerte, in piierem 
@Tabc ald jener mit p(|i(otogif(^ jtenntniffen juriftift^ ^X' 
bung urbinbenb. Unrit^tig ift inbeg bie S3orfteIIung, als ^abe 
bit in biefec 3"' begonnene 83emegung fid| ouf bie fflörffe^r ju 
qiielletnnaligeT SSe^anblung unter 93etniertl)ung bet mobemen 
$l|ilologie befi^rflnft 3}ie(me^r machte fi(^ fofort neben ber 
ffltlologifdien 9tic^tung eine f^ntfietifc^e geltenb. KuS ber @^ale 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



36ä 3c^les ItatfUtl 

i)ti 'Ükiat ging ^canj iSunttanuS (geb. 1508 in ^ati«, gefi. 
1551) ^rüor, ber feine flanje Jhaft an ein auSffi^i^ elften 
bes ^e6)ti fe^te, baä et fiei feinem frühen 1£oi>e ttnuolbnbrt 
^tnterlieg '). Sn tueiteien firetfen fnSpfte bie f^nt^etifdie 9lt(^tun} 
aud) t|iet, roie in ÜDeutfc^Ianb, jundt^ft an bte S™8e iio4 ^ 
äRetE)ot>e bei afabemifc^en iBefianblung an, unb auf biefetn proE' 
tiftfien ©ebiete entfpann fi^ eine (Scflnerft^aft jttiifi^en ben 9ln= 
f)ängein ber alten unb ber neuen 3^^' welii^e gu Eiortfii 
eonflicten führte, 3)ie licrlömmlii^ SHef^obe ber italienifd)eii 
Sommentataien berieft aud| in t!ftanfretä^ nod^ i^cc ScrtTetung, 
na^bem fi^on bie neue buri^ 8IIciat'S SBtrfen in Stotgnon unb 
namentltd^ in Soutge« gm Geltung gelangt aax. ©eitbrai 
unterfdiieb inan baS iCociren „more Italico" von bem 2)octnn 
„more Gallico", unb jiDtfdien ben Unitwrfitoten bilbete f«^ ""'S 
bem Uebertoicgen ber einen ober anbein äRet^obe ein ©egenfo^l. 
@it6a(buiS fagt und, bag er in Vialmct auf SSerlongen fflnn 
3upier, bie ben mos legendi Italicus verehrten, biefen in 
feinem Serte de methodo 1541 batjufteQen unternommen ^bc; 
in ^ouloufe, StDtgnon, Sßani, Orleans be^ufitete er bie ^n' 
fc^aft, UKi^renb in iSourgeS bei mos doceadi G&llicus ft^ fug- 
iei(^ entfaltete unb bann auc^ auf jene anbem UntDctTttfitoi 
oorbrang. 

$iei mar eS e)frang XluarenuS (geb. 1509, geft 1559), 
melf^er im SSetein mit feinem iSoQegen ISguinaiiuS iSaio {geb. 
1495, geft. 1550) nac^ ?(lciat'0 Abgang Don Souiged einer neuen 
rationeDen 3Ret^obe fefte S9a^nen geniefen [)at. SUetn fif|on 
tior feiner üäeiufung (1539) (latte ber buri^ SIciat geg^nc 
S(nfto^ bort eine reformatonft^e iSctoegung gemecft, über bcien 
unflaiciS unb unbefnebigenbeS Xietben ^uaren felbft berii^tel*). 

1) ISA ift erfi^irnm Lutet. 1553. 3 vol. fol. 

2) Scn bfi Ut&n^cbung, mit ber Me Stoltnur auf btn mos QtEiaa 
tmai^aifm, niUlt ein »eiftriel IB. Xonner (Epiit. p. 42). 

3) Oratio recitata in coopUtiooe D. N. Sugnerii, 16. Docbr. 1551- 
Opp. ed. Francof. 1592 p. 1118, DJBpuUt, annivärBwritu'. üb. 1 pnefatio. 
1547. Opp. p. 103S. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. tUciot Suaicnud. 369 

!Dem Sldot, mtUSfon Duatnt nat^ feiner MnflQ6e nadj Slblouf 
Don Itrei Sofien al^ S^tet in iBouigeä gefolgt ift*), fei ti ju 
DeitNutlen, bog bet @eift bei Sugenb jur äJec&inbung bet 3iinä= 
))nibenj mit ben litterae elegantiorea angeregt toorben fei, 06» 
glei<^ er felbjt n4 i» feinem Untertic^t aUjufe^r bei ^örteiung 
HefalH^er Sraßen oufgeltalten ^obe. Seiber (den feine Slat^fotflet 
feinen ©puren ni^t einfad) gefoEgt, fonbem t)ätten Derf(f|tebene 
äScfle eingefc^togen, fammtlid) bemüht, bie ausgetretene ©trage 
bea accurftu« unb SartoluS ju Derlaffen. ISinige ^tten bie 
(otciniidien 3Borte jioar nötiger aufgelegt afg bie Slnbrin, 
boflegcn ober fac^Iid) nit^t* norgebrac^t unb feien bo^r ntd^t 
ali Stef^tägele^rte aneriannt, fonbem für ©rammatifer getialten 
iDDtben. Sinbere litten bie äRaterien auä ben gewdfinlt^^en 
Somnentoten gef^5pft unb biefelben, menn aud) o^ne biel eigoteS 
Urtfieil, boüj in einer eigent^flmßi^ Spanier geoibnetec unb 
jterßi^i tipcgetiagen ; biefe feien met)r gefdiägt gemefen unb 
i^nen t^ er, S)uaten, unter ben gegebenen Umftänben fid) an- 
gefc^loffen, obglei^ fie i^m fetneftioegä genügt ^tten. @tne 
britte ^rtei enblidi fei nur bomit beft^dftigt getoefen, bie alten 
äReinmigen umjuftürjen unb neue aufjubcingen unb biefe, fo 
abfuri) fte au^ fein mochten, ber unerfafirenen Sugenb etnju< 
tcben, offenbar in ber Hoffnung, gleichen (Srfolg ju erringen 
»ie SUcial mit ber Verausgabe feiner ^arabofen. 3""" fltofeen 
@[üd fei balb boronf SguinariuS ISaro für iSBourgeS gemonnen 
(1540), ein äRann Doli ©^arffinn, mit ungCaubIid)em @ebä(^tni§ 
unb ber letc^ften @ele{»rfamfeit auSgeniftet. äRit it|m, beffen 
3iel ganj baä fetnige getoefen, fiobe er fti^ leicht unb fc^neU 
nbei bie Krt unb SSieife Mrftönbigt, ttiie hau ©tubium )U tier<= 
beffem fei, unb biefe I)ätten fte gemeinfam bertreten. Si^at feien 
Don ben ©tubenten manti^e, berfü^rt t]on i^ren @egnem, ben 
®o)it|tften unb Xafi^enffjielem, i^nen fem geblieben ; bie befferen 
06er ^tten fi(^ i^nen ongefi^Ioffen. Sinen f^toereren ©tanb 

I) Xuann iß 1539 ^Toftffn i» Souigce geworben, 91ciat aber nai^ 
SOnA^^et Hnno^me fc^on 1532 nnt^ $aDia gegangen. 

Ctlittmi,»(f4. >. SniBtiiibcai. I. lÜ 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



370 S^^ntti fimiiwl 

l)ätten fie gegeitflSer beii ©ürflem unb ben Se^Sxben oon Sourgci 
gehabt, bie itic^t a()naib, uelc^ ^u^f^ ^^1^ not^nbigc Uttt' 
geftaltung bei Stubien ^be, bie batnalä geiobe eintrcteiibe ib-- 
na^me bei t^iequeitj bei UniDei{ttät i^nen Sc^ulb gegeben uab 
fie mit SSonoürfen über^&uft t)ätten, Sie Ratten bie jjiofic 
^öten muffen : ob fic cä benn fceffer uerfte^ moüten ol8 allt 
@ele^ite, bie in ^ouloufe, $oitou, Oileon^ ba& Qitiiliet^t doi 
Dollen Stubitoiicn letjiteu? beffec al& iLläat, bei bo(^ aut^ bit 
©loffe unb ben SartoluS glänjenb inteipretirt t)abe? ale bn 
igenat oon ^^ßori«, bet ben !I)octDcen fletabe jene gotm unb 
SWet^obe beä SJoitiagS öotgefi^ticben ftobe? 

©dion 1Ö47 fonnte SJuaien türmen, bafe feine 3Ret|obt 
ben @ieg eriuitgen uiib bag fte von SUIen gebilligt unb Icbfyi^ 
eifagt Rwibe, locli^e tpon aQen Seiten jum iStubium beS 31e<f)t« 
in JSoutge» äufammenftißmten. 9(bei feine ©aifteüunfl jeigt 
nicf)t nur, mit toelc^en Sc^nieiigfeiten and) in ^nbcic^ bit 
93erbefferung bei ©tubieii ^u [fimt)fen fiatte; fonbecn ou^, mit 
fic^ ^ter bie Srfo^rung miebei^ollc, bag, menn einmal mit Sifofg 
an bem ^rgebrad)ten gerüttelt unb bei ©loube baran eifd|fittnt 
ift, eine odciQirenbe Seniegung ber @eifter beginnt, bie minto- 
lidie @if{^einungen ^iboitreibt, 6i3 fie in fefte Staunen geleitet ift 

Untei ben deinen met^obDlogifdien €i^riften, u»(c^ feit 
bei Wittt bcä 3at)i^unbertä in 3Kenge oeibreitet »urben, ift 
ein ©rief Duareu'ä'), ben et tion iflourgeä auS 1544 an frinni 
3ut|brer 91. ©atQait liditete, ju tierboiragenbem Stnfe^en gelangt 
unb itDor mit 9ted|t, nieil er als ein ^logianun feinei @f^ult 
betrat^tet raeibeii tann. ^te barin enttoidelten @runbfä$e, beten 
3)ui(|fübrung feine unb 5)one0'8 SSJeife seißen, (cnnädi^neii ben 
großen 3o<^^^<tt ^"^ Sierbinbung queOenmägiger unb f^n^^ 
tifdiei 9et)anblung, bie SSeifö^nung bet antiquaiifi^' geilten 
mit ber rationellen fRii^tung. 



1) CitgcbtuiII, j. i0. WiDckel, varia opnscula p. 499. Beuaner. 
CfDofiura 1, 17. C. Lagi Methodus. Lugdimi 1562. p. 1008. Dair«oi 
Opera. Fraocof. 1692. p. 1100. ffll. Sefenbtif ljenDcl(t (utf bfefra »ibf. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



^uaren fie^t bte Snängel hti .mos vulgaria" ti)e\ii in ber 
$kniad)tä|ftguiig bei reinen latetntfc^n @fira^: bei conufite 
läptac^gebcau^l ecifuge äcrt^ümer; t^ile in ber !IBeniadtIäffigung 
bei CueDen, bie man über bte (Sonunentatien betreffe; enblt<$ 
ober oud) bahn, ba§ ,m«thodtifi et ars docendi contempta 
jacet", inbetn man bei Auslegung ber leges bie Xßatenen nad) 
3ufaII unb fiaune an ben unfiaffenbften Stellen abi)anbeic unb 
üterbieS bie ©tubiienben bur(^ fofi^iftiicfie Srörtetunflen Dennirre. 
jDuaren Declangt bo^ Dor aümi, bag ber Stubent mit 
genägenber ^enntnig ber kteinifc^en unb gnc(|i[c^en i^prat^c 
auägerflftet {et. ^nn foQ ei bamit beginnen, bie Snftttuttonen 
ju bfen unb gu leinen, unter Leitung einfrS Cetirerä, bei i^nt 
in otenigen 3)?(inaten einfach unb turj bie bunOeren %aS>bxMe 
erflärl. £aS nun folgenbe ©tubtum ber ^anbeften ift in jtttie: 
\a^ 33ä\e ju leiten. S^'^\^ fummarifd) unb curforif(f| : bie 
'SM ftnb in ber überliefen Orbnung ju bun^Iaufen, bie etn< 
fo^jte Auslegung ^injujufägen , bie ^auptfai^en unb bie S)iS<' 
pofition bed Q)anjen ^erDorjuf)eben. S}aun in£ Sinjelnc ein= 
ge^enb, o^e jebo^ bie „nugae iaterpretum'' ju berüdfu^tigen; 
nnb jUKir in bei SSeife, bag bie Stn^el^eiten, locl^e otine (Softem 
in bcn Xitcln ber ^ßonbdten nnb beS Eobej jerftreut finb, f^fte= 
ntatiff^ jufoDunengeftellt unb geoibnet a^ge^anbelt RKiben. 

3)uii^ ni^tä toerbe, meint 3)uaren, ber ^ier uurgejeii^nete 
@cg me^r ge^mt als burt^ bag @tubtum bed SartoIuS, 
Saü)u8, Safpn unb ä^nli^et St^riftfleOeE. Omai moDc et feinen 
9hi^ nic^t ganj bestreiten, aber man foQe erft gang jum 
Sd|lu{fe ftd) bamtt befaffen, fofcin man bann no(^ Steigung 
boiu ^abe, loai eben fo ownig ua^rfdieinlic^ fei, alä man nai^ 
«um guten 3Rat)Ie nod) Sppetit ju ji^tei^ter J{oft ju fpüren 
pflege. (Sx felbft ^obe leibcr 15 So^ie mit biefem @tubium 
Qedoien, bis er auf ben red|len Seg gefnnunen {ei. 

3n gon) ö^nlii^ SSeife fprtdit fid) SguinariuS 9aro (de 
rfttione docendi disceudique juris. Bitur. 1546) über bie 
Sle^obe au9, unb bie beiben Sollegen, ^niifc^en benen {päter 

34* 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



372 3f^ntt8 ftapitd. 

geinbfetiäfeitc« ausbradien, roelt^e öaro bie (e|tra Sebenejü^c 
trübten (f 1550), Uenoeifen ^ier gegenfcttig auf etnanbn, alä 
SRwftcr bei guten Seljtatt. 

3)ie beiben »on 3)uoren diarafterifirten gornien beS $mi= 
beftennortragd, bie curfociff^^ejegetifi^c unb bte oudfü^rUt^e {qfte^ 
matift^e, finb neben cinonber in leinen unb ÜJmieü'g ©ttiriftcn 
Berttrten. SSou ©eibeii ftefi^cn wir Eonnnentace jii einjeliKn 
Titeln , in benen bie leges nai^ gegebener 3ietf|cnfolgc einfadi 
unb li^tDoQ aufgelegt weisen ; unb Slb^anblungen, neläfe %ed|t#= 
materien fglfematifd) enfwirfftn unb ba« jerftreutt CueKcnmatfriot 
unter bie fo geivonnenen @efti^tdf)URfte fammeln. ^ie gi3|e!te 
Seiftung biefer 9Irt aber ift baS auSfü^rfi^e ©Aftern bcä SJDil' 
redjtS , weld^e« ©onefluä unter bem 2:itd Commentarii juris 
civilis ^lauSgab. 

@d i)t bei ber Steform bei SRet^tiSniijfenfdiafl in ^anheii^ 
nii^t ju fiberf^en, bafe fie aud| ^ier neben ber refonnatorifcfKn 
iBeroegung auf fird)lidiem @(ebiete etn^erge^t unb ju bicfei nidit 
nur in einer gelDtffm tnnem , fonbein aui^ in fe^r befttmmt 
crfennbarer äußerer 9ejiet)ung ftet)t: bie groge Wtima^l ber 
^croorragenben SSuriften befannte fii^ mit griJ^erer ober geringer« 
(£ntfd)ieben^cit jur Sßartei ber Hugenotten. 3Mc ^ympatiik, 
miä)e bie bamalä ja^frei(^ in iBourged ftubirenben ^eutft^en') 
biefer Slic^tung aud ber ^mat entgegaibradjten, oerfianb fi<4 
mit bem in !Z)eutfd|Ianb ebcnfaQä lebhaft erregten S)range nad) 
fqftematif^em SrFcnnen, rationeQer Betrachtung, fpnt^fdin 
^arfteOung. @d nur cä eine in bem 3ugc ber 3"t bcgrünbctt 
@^m)]atE)ie, neldie bie jungen S)eutfd|en an bie ^erfon unb 
Setfte ©uoren'^ unb feinen gro|en ©c^fllcr Slwtcß feffrftf- 
9(uf i[)rer @eife finben mir fte nii^t nur in ber 9}ii^tung ber 
93iiffenf(^aft, fonbem aud] in ben )]<^i:fönli(^n CEonfltcten, nicltt|( 
bai alabemifd^c Seben in 99ourgeS trübten iinb enb(i^ jetrüttcten. 
Unb ft^liefelit^ ift e« gerübe baä Eirc^lid^sreformatorifi^ 8f 

1) Sie bjlb«tcn bort eine eigene Sotpoiotion, (üi beten Sni^itra 
Hl. diinci 1&54 eine Siebe Mt bem $adfcr $atfament l^ielt 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. aoriot 373 

fcimtntg getDcfen, tscId|eS einen !BaQ>umu8, aRoItnAuS, !ConeIIuSr 
^otomiuiuS, ©ot^ofrrbuS aus intern üOaterlanbe tterbiAngte unb 
bie fioniBftft^ SuTtSpnibenj m perfönlic^er Skrtietung nad) 
2;cutfd|{anb fOI^rte. 

2. Unter bte ^aijl bei teformatorifc^en fünften tft au(^ 
ä« m^nen ¥«rre Öorioj (Coriotu«, Soriolu«) au8 ©tiemo^ 
tri SoIinS (SalinensiB). i&t ge^bit ju b(c äfteien, ootdafftfc^en 
©cnenUion, toeU^t uns Süuaim beft^ei&t: benn fdion feit 1528 
le^ er iu SouigeS, ald S^uaren 1539 feine SBirffamfeit begann. 
3in So^re 1&46 , olä 'Zontü boit^itt fam , folgte et einet iBe< 
nifimfl nai^ Üapii^ (Dgl. oben ©. 126 f.), roo er nflt§ bera S^%' 
niffe feiner ©diOItr unb jelbft feinet ©egneiS äR. b. Offa mit 
gio^ eifei unb SetfaD Ief|ite. ^btg betettete if)m feine 
btuocjugte Stellung, feine äUettiobe unb toie eö f(^mt aut^ 
fttnt coltriniftift^e Wi(^tung fo uicl Sibent>ärtigtetten an bec 
Unnetfttflt, ba§ er biefe ft^on 1554 roiebet uetlie^')' 3n biefem 
3(iE|ie fdtieibt Soad|. ISamerariufi «apud nos F. LoriotuB ab- 
annÜB opinionibus sibi magis, quam aliis moleBtiam creat" 
(EpisL 1, 270), unb 3». tj. Offa ntmit, bafe ßoriot „in (einem 
Srfnt einen folc^en modum ^afte, ber ^iebeuor beigeftalt in 
nxEUjdien unb beutf^ Sanben nic^t gehöret, wie noifi. bieüeiifit 
btcfelbige ben ®(^arem nü^ fein Fann". <Sx ift inbeg Don bem 
gitnftigen l^rfolg feineStoegd äbetjeugt, fonbetn ^(t baffii, ba% 
bie @(f|oIaren 'fein „f(^rf Judicium betommen", roo^t .locales" 

1) (El ging na<b IBahnce, no n 1557 bttn Sujaö [tinm ^S^emt Hang 
in Ut gflcultat abtrat; tibot (i^ 1561 Me £el|rflcae ^Ibain'« in ^ibelberg ju 
übmu^DKn; ging 1661(?) ntu^ Qlrenobb, idd tr 1573 ftaiti @<ine €(^riften 
ruib: De gndibuB Afßn. 1542. 1554. De jnris «picibns. 1545. 1555. Com- 
aeaUr. ad T. D. 8i certum p«l. 1553. fol. Ssrnma per leges digaeta. 
li&% 6*. CommeDUr. ad BecaDdam Dig. Tet. partem. 1557. De debitore 
et creditor«. 1566. 1586. Commeotar. Id usds feodor. 158T. De irans- 
«lion. 1573. Sin Coosilium von I^m in ßiit^oD'ä €anan(ung S, 109. 
Xic n^ijo^I frinrr Si^iiffRi bot t^ von Innen St^ülcnt tbtnn (afini. Sic 
ncfpriingUi^ St^reibait frint« Slamnifi ift Sorioj. Ißgl. Haase, de P. Lorioto. 
1813. T i 1 1 e q n e z , Rene de l^gislation p. Labonlaye T. 2. IS72 p. 563 b. 
SiDiri:, drit)«^. f. mtit»g,t\d). 11, 819f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



374 3c^nW «»ffteE. 

aber m<i)t grihibfic^ gdetirte Seute »erben — mit anbern SBiirtEn, 
bafi fje über baä SBtffen aQgemeinet 9)rgdn ntd|t fthtanStomncn 
«nb toebpc ©peciatfcnntniffe nwi^ cofufftifi^e gertiflfcit eraeikn. 
^u(^ 3)uaten fdieint oon fetnem SoQegen feine groge 3Rehning 
gehabt , fonbem i^n ju benen gerechnet ju ^aben , totU^t Vt/mi 
„©toff aus ben gebräut^Ht^en ©ommentancn f^öjjfen, um i^n 
in eigntt^ämtidier äRaniet jierli^i Dotjutragen", unb ftä) ^^ 
tnü^en, „alte aKeinungen umauftfiräen unb aBfurbe Sieiiennigot 
aufjubringen''. &. Xonner (Epist. p. 42) munbett fid^. uiefe^ 
SRubfiuS eine tSt^cift Soitot'S ft^ä^e, unb lätf), ^uaren um |ttn 
Uit^eil ju bitten. 

Qoiiot'S ^it^tung unb 3Jtit^obe ift ju etlennen aai Um 
1546 von fetnem @c^A(er ©tep^att StratiuS*) fiecau^egebennt 
SEJerfe „de juris apicibus tr&ctatus 8 et de juris arte trac- 
tatus 20% Otttc^ ein 3)ictat für bie ^^ätn )u ®nutbt Ütgt 
@r lehrte bun^auä nii^t, tme beliaufitet hiotben ift, not^ „<h\o' 
cifdier äßanier'. S)te gelehrte Sjegefe ber CueUm ift ni^t 
feine- iSac^e; er uiQ au(^ upn ben „P&ratitta' nii^t^ nriffm, 
fonbent \UUt „Axiomata geDeralia" auf, beren CErßrtcnmg tt 
bie 89elege auS beit DueUen unb ber Siteratui einorbneL Seine 
SffetfiDbe ift alfo bie f9ntl|etif(§e. «r tooBle in feinen ,Trw- 
latus de juris arte" nac^ bet Sotrebe ein iRed^tSf^ftcm auf 
®nmb bet @^aiifd|en 2?rett^et(ung enttoirfeln, ober nur boS jag 
quod ad personas pertinet ift ausgeführt; bie ^ftt brr 
^Tractatus-' flehen in feinem inneren 3iifanimentfange unter fi^ 
iCer angehängte .Commeotarius de regulis juris" unterft^eibtl 
fi(^ tion feinen ^oigängent uort^eil^aft babut(^ , bog bie leges 
nicf|t in ber überlieferten älei^fotge, fonbent in met^obi|<f|er 
Drbnung erörtert nierben. ?t6er Don Sujacift^er SeinJieit unt» 
©eletjrfamfeit tft ntdjts ju finben; bie @li)ffe unb bie Sommen^ 
tatoren fte^ bei Soitot in überliefertem 9nfe^n. ^)ag er M 
mit bcm 9ß(ane einer umfaffenben „juris in artem redactio' 
trug, erfatircn mir au8 ber Epistola dedicatoria an ben Äonäler 

1) Rivjer, Etienne t&d der Strateo. Brazelles 1875. 8*. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. eujafl. 375 

DltBoriH« (Clioiet), in iwlc^er et btefen auffurbert, graithretti^S 
triöoirion ju iwrben, imb fi^ jur Se^ülfe erbietet. 

Soriofd Strifomteit in ^eutf^Ionb ift gtoat o()ne nad)' 
^tige Sputen geblieben; bodi ift ntedeici^t ber unglü(fticl^e 
2tapu8 Sonaä b. 3. fein ©cf|ülct geioefen uitb bur^ i^n ju 
einer äT^et^obe gefä^ wotben, toct^e feinem ^oitfoinnien in 
SSittenberg ^tnbeilic^ toor*). (Setoig ift luo^I (Haase p. 2b), 
bafe ber berü£)nite fianjlet fl. Siftdma^er *) , SHottl). Sotet') 
unb Soreit) Atn^tioff*) feine SSorlefnngen befuc^t ^aben, freilit^ 
o^ne son fetner 3Ret^obe bauetitb beftinunt ju loetben. 

3. 92eben ben beiben Sefreunbeten ®ele^rten ^uaren unb 
feinem ©c^üler SoneQud in iSouigeS ftanb in einem fic^ bis 
jn perföntit^en Sonpicten fi^arfenben ©egenfaß ber grofee, al« 
geteerter Sieget unübertroffene Sacobufi SujaciuS (geb. 1522, 
geft. 1590)*). Oft bie Unioerfttäten twc^felnb ^at aui^ er bei 
Qimnatigem VufenttiaCt oorjugdtDeife in iSourgeä genirft. ©ein 
tterfönlii^et tBnflug auf bie Sleutfc^ ift neben S)onelIud deringer 
genxfen; inbeg nennen ^lä) % getaner unb ^ipfjaniuft feine ©d|Ster 
aus biefer 3^t; unb fpäter nac^ ber JFataftrop^, miäfe bie 
lefotntirten Suriften aud granfieit^ Deitreibt, ge^t bie 9njtet)ung^ 
ftüft ber UniBerfitfiten Sttltncc unb ©ourge« getobe Don i^m auS. 

11 IRut^tr, jui @tfd)i(^e S. 110. 

3) «. b. ». 5, 956 (5^. $irf«). 

3) Hkb. 1580 in mtaiinug, 1558 D. jnr. unb $ni|ei{m: in 3ma, 1569 
■ut iä^i%, Statiltt befl ^Tfttn Don Zn^Ü, 1573 xokba in 3nia, no rr 
am 22. «pril 1587 (tirtt. 9L b. «. 4, 403 (Stcf ferbaßen)- 

i] ecb. 15ä9 in afuftod, nio er 6t)nbicue nnb ^idfeiyor idqt unb am 
16. CcUbtc 1580 ftarb. Son i^m bie giofic Sammlung Consilia et respoosa. 
Tom. 1. 2. Francof. 1608. JCiabbc, bie Uniwrf. »oftorf ®. 6S5f. 

5) Slie bef'e SioflTOp^it <ft nor^ imm« Spnngcnberfl, ^ocob ffiujaS 
unb (ttne äeitatnciilcn. 1822. ISr le^rto Bon 1547 big 1564 in Jouloufe; 
15M— 55 in EaboiB; 1555-57 «uguft in »ourgfS; 1557—59 3uli in 
^fiaut; l&öB — eG S^tcmbn in Sourgc«; 1566 — 67 auguft in STuiin; 
1567—75 ^Jonuot in Solence;' 1575—76 in iBourge« unb naä) luigcm 
auftnibolte in ¥ari8 mieberc in Sourgeä bi8 ju (einem Xobt 1690. — Ue&ct 
feint iDifienf(baftli(^ Sebeutung vgl. Lerm inier, introductiau jk l'hiBtolre 
du lirat p. 14 B. E;B8ell, Dooeau p. 171b. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



376 Se^ims fldtiitcL 

Suja$ ftetft im entfc^iebenften ^genfage ju ben „$aTtoitfttn', 
mit benen er in llouloufe in ßonflict ßctät^ , in fo (ern er tint 
ejacte, aüe §ölf«iiiittel ber Äritil unb ber aitett^|um8JKffenf(f|aft 
öenwenbenbe Söe^anblung ber Duellen focbftt. Aber anclj gtflm 
bie ft)fteniatif(^e 9{id|tung DerfifiU et fit!^ abUffotttit: bit Si- 
grünbung befl Sinjelnen ift i^m bie ^aap^atS)t; tuentg loimnt 
auf bie Orbnung an, in bei ed bargeftfUt ttirb ; man fatut fv^ 
mit ber Don ^ftinion gegebenen begnügen, unb bie ,arB juris' 
ift bie Biete barauf gätienbete SRä^ ni^t luert^. 3[t$ Sorget 
tft ei uneneidit; bie ganje pfiffe fetned ©(^rfftnnS unb (einri 
SSiffend menbet er barauf, ben urffnOngtidien @inn ber S8eftanb= 
ttieite beS Corpus juris ju erfaffen, unb tnbem er in ben ®ä\i 
ber einzelnen Suriften, au^ beten äSerfen bie ^nbeften cam^ 
pilttt finb, einjubtingen juc^t, gelingt eS i^m, einen $(uilue, 
SffricanuS, ^pinian, ^ulianuS mit berftraft ^iftorifd)er Slntuitiiiit 
gleit^fnm toieber ju beleben, ©einen „Obfettiationen" Betbanä 
bie 3Siffenf(^aft einen unet{i^ij))fli(^en <Bä)a^ ^tftortfc^n, Etitif^ 
unb efegeti(c^n 3ffaterialä unb fiuc^tbarftei ^^ebonlen; ftinei 
Anlegung unb feinem eigenen fritift^ SIetge (fmeiterungen 
unfetcd OueQenfcQa^. Smmer aber ift feine iBe^nblung bei 
gegebenen ®toffS loefentlidi anal^tifi^: unb (Denn im ©egmfa^ 
5u it)m S}Dnen'£ 3^[|en unb S^enlen bor aQem botauf gr^t, 
bie Sinjel^iten fi)nt^tifdi ju einem ©aujen ju Detbinbcn ; nntn 
bie ?ftbeit beS (Einen ouf bie ergrüitbung be« Skfonbeten, bit 
beS ^nbem auf baS 3ierftänbni6 beS Jnigemeinen getic^ttt ift: 
tuenn Sujafi bie 9!ei^täbü(^er mie jebe anbete Uebeifieferung beä 
3(Uert()umS als geleEirteS dJIaterial be^anbelte, mä^renb TsoncS 
boi» fUt^t als eine [ebenbige, bue.Seben be^rtft^enbe 9Ra<^t 
betract)tet miffen roonte — fo begreift man roo^I , bafe ^ttti fo 
[jeterogene 9?aturen, auf baSfefbe iJielb beS aSirfen^i QciitUt, ftifi 
unfreunblid) abftogen mußten. %bet in ber €kfd)tc^te bei SuriS' 
pnibenä beäeitf)net cä ben §öl)epuntt, bofe bie beiben fetten kt= 
einigten unb bod) einanbet gegenfeitig poftutitenben fflit^tungen 
gleitfiäeitig tjon ben beiben gtögeften 9Je^t8gete^rten i^tea unb 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



8. 2)oncIlu». 377 

bn folgotben Salir^unberte bettteten toaren. !8etiK fyiben in 
<i{|äi[ic^nn ®XQbe auf 3>eiitft^Ianb dngenrirft; eS lägt ft<!^ ber 
jVtfi^ i^nnt beft^tbc ©egenfae in ein^Inen ©punn an i^ien 
©t^üfem »iebet crlenncn. Snntger abti ald ^ujaS ift ^onellu^S 
mit bei beutf^m 93iffenf(^ft buni^ feine SebeniSf^iiffale ber* 
bunben ivortien '). 

$ugo SJoneHud (2>oneau), geboren am 25. 2>ecem6er 
1527 ju @^alon<>fui>@aone, machte feine erften @tubJen 
in ^ouloufe, jog aber, unbefriebigt burt^ bie Sel)te ber 
.QaTtoItften", 1546 nat^ Sourged jum Quoten, bei i^n 1551 
jmn ^ctor )>Tomot]irte. 3n bemfelben 3al|ie ivaib t^m ba9 
Se^romt öbcrtrogen, Jwidie« ei bis junt Sfa^re 1572 beHeibete. 
tu SalDinift mugte n. ipet\&nl\d) bon bcn SSrcfoIgungen be< 
bio^, btel^ nni^ bei faiifei %lut^od|jett Übet bie Hugenotten 
^nbnu^, mi feinem Siaterlanbc fHö^m. €i fanb in ®enf 
3uflw^t, warb ne^ in bemfelben Sa^ie nac^ ^belbeig be» 
niftn unb trat am 17. ^bruai 1573 in bie ^cuttät ein. ^c 
Iii%rif(^ @egeniefoiinatioii, meldte £uifAift fiubtoig VI. in bei 
ffoli gemaltfam bun^jufil^cen begann, oecanfagte ti)n 1579 
(inet 8eiufuug an bie neu gegiünbete Unibeifttfit Serben ju 
folgen. ^oUtif(^=fiTC^Iic^e ©tieitigleiten brachten Ü)n ^iei in 
Conflict mit ben (SJencialftaaten , bie am 25. ^Iptit 1587 o^ne 
Ür%il unb Kedit feine Äbfe^ung becretirten. S5ülb boiauf rief 
i§n ber 9I&Tnbngei dlat^ an bie Uniwifitdt %(tbOTf. uo tx am 
20. 3uti 1588 in bie 3)tatri[el eingetragen touibe. @i toirlte 
^iei fni ju feinem Xobe am 4. äRai 1591. 

& giript in ber jiiitftifc^en @clet|itengefc^i(^te Otenig fßeifOn< 
li^feiten, bei benn Setia^tung man mit gtfi(^ SSeietiiung 
witDtilt hrie bei bei beS SJonclIud. Si ift eine gtog angelegte, 
omnef^me Slatui, bie bad Sr^abene in 9^eIigion unb Sffiiffenf^aft 
mit ttefftet ©ede »Mim eifagt, feine Uebeijeugungen im Seben 
mit @ntf<^i^enf)ett Wttritt. ^ SlUem DoD unb ganj, bas 

1) EjBse)!, Douean, ea rie et see ouTragea. Dijon 1860. Slinßing, 
fi. fxtndlai in mttinf. 186». H. b. ». 5, 331f. (Sttn^ing). 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



378 Sttfotea «apittl. 

feinem Sffiefcn 5Bcttoaitbte an ft(^ feflelnb, aber aut^ ba» »uti- 
pQtljifc^ ftotä unb ^etbt, felbft Idbenfd^ftlti^ tioii fi(^ fto^oili. 
®o fc^rettet et ^oi^ aufgeriditet bun^d Seben, baä t^ btr 
filieren tJügungcn unb garten Q^onfftcte Diele bringt, oon 91tä)eni 
unb ©egnent mit ^bitteiung gesagt unb tKrToIgt, son bcnflt, 
bie fein SSefen berfte^en, in S^tfuid^t bnounbert. Unb ^ttabt 
biefeS SScrftänbnig ^t er Do^ugSweife gefunben bei ben 1t)cutjif|tn 
unb in !I)eutf^Ianb, bem er in ^eibelbecg fet^^ unb in SlftboiT 
biei 3ot)tc lang ange^&cte. 

Sn aUbotf ^at ei bie legte §anb an ba^ gioge ^uptmeri 
feines fleficnS, bie Commentaiü juris civüis, gelegt !Der eflte 
Sanb eifdiien mit einer 2>ebication an ben Stümbergcr Kat^ 
1689. Francof. fol. ; ber jtDCtte 1590. ^en bcittm Oanb, iai 
12. Ui 16. iBu(^ umfaffenb , ^at 3>oneaug brurf^g ^tn* 
(offen; feinem äuftrog gemÖfe f|ot ©c. ®(ntilt« benfc(ben 159» 
— jugleit^ mit bet jioeiten Auflage ber beiben crftcn SSfinbt - 
herausgegeben, ^er Dierte unb fflnfte Sanb (9uc^ 17 bie 28) 
finb auS ben ^interlaffenen $af>ieren bon @ctpio ©entitiS iu= 
fammnigefteQt. 3n gehriffem ©inne finb bie jo^treit^ unb 
bebeutenbcn frfll^en ©d^riften ^ondl'S nur Vorarbeiten für 
biefed $aut)tn)erf gentefen. @r fclbft fprit^t t& auS , »ie fon 
EBcmü^en von je^er auf baS (Srlennen beS (Sangen, auf bie 
„HFB juris" gerit^tet gemefen fei; unb in ber Zf)at tritt in flUot 
frühen ©c^rtften, »Kli^e einzelne X^eile bes rSnitf(|fn 9ted|lS 
bflianbelu, baS ftjnt^etifc^e Clement fo bebeutenb ^or, bafi 
man R)oI)I erFennt, tuie bon ißerfaffer ein baS ganje ^DOlitt^t 
umfaffenbeS Softem al« fein ^öc^fted Qitl tto^ifmeht. ®entilis 
fanb unter ben Sßapicrcn Slonell'» ©tflrfe, ttefc^, bor me^ aU 
30 Sagten gefi^rieben, fi^ o^ne hwitere» bem biertm Sonb« 
ber Gommeutarii einfügen liegen unb alfo ben SeinciiS {ic^itn, 
feit Ipie langer S^it ^onell für fein Softem gearbeitet ^ttr. 
®r ift tjon ber tiefen Uebeijengung burt^bningen nit^t nur, [»6 
bie ^(enntnig beS ©aujen unb beä innern 3>>f>uni'tett(l<>"9^ 
feiner '^äU bie t|aä|fte STufgabe bet !lBiffeitf<^aft fei; fonbcrn 

D,q,i,i.:db,.GoogIc 



3. DontDufl. 379 

bog bte f5n%tif(^ ar(tctt gerabc ben 8ebiirfnif(cn feinet 3«'* 
ta^ptvfy, bamit ft<^ bie Süffenfi^aft nid|t in bie Sigrünbung 
bei ©njeÜieitfn t>erlietc. 

t)DneIlu2 get)t oott eiitec aQgemeinen ?!)eftnitton be^S fReä)ti 
au9 : Steigt ift jebc jtntngeitbe 93otfi^rtft , meiere baä @kre(!^te 
gebietet unb baä ®eflenttieif Derbtetet. SSorft^riften, Weldie Un» 
gem^teS gebieten obei @ere^teS tierbteten, ftnb nt<f|t Steigt; aber 
baä TÖnrifdie Bietet entjpriil^t biefcr ^^nttimt unb ift ba^er 
9le(^t an unb füi fttfi, bem ju geEton^ Wie eben be^iDcgen 
mp^itSjM fntb. ätbec aud| au8 freiem SSiDen gebührt i[)m 
unfei Qte^orfam, Itwgen feiner ©^Bnfieit unb @röge unb toett 
ti ni<^t hlo% aai uömifc^en iSeftimmungen , {onbem uor allem 
au* ben Sßrinctl>ien be* jus geDÜnm geffoffcn ift. Un« Der* 
lifGt^tet femer bie SBetS^it fetner Urt)eber, bie Stufnuttme beS^- 
fefben old geltenbeä Siecht bei alten SeHem unb enblttti bec 
Siienft, ben eä vmi Teiftet bei (KrKärnng unb Srgänjung be3 
^fimtfdien dltä)t9. 

9ta^ biefer gntnbtegenben Srörteiung über baS, wai bad 
9te(f|t ift, foH batgefteat »erben, toaS e8 enthalt (93egriff — 
3n[(alt), unb ^er gelongt 3)o«eDu« nadj hitif(^ct SBeteut^tung 
imb $erutt^Iung ber Suftinianift^en Crbnung ;ut Entfaltung 
feines €^ftemS , wobei et ftdl tnbeg auf ba^ ^rioatret^t 
bff^ränft. 

aUe fflec^tSfätie beftimmcn entroeber, wa« unfer ift, ober 
mt wir baju gelangen. Segt man biefe Unterfc^ibung ju 
©ninbe, fo ergeben fit^ fßc boS Softem jiijei T^eilei Cognitio 
juris nostii et ejus juris obtinendi ratio. !Cer erfte ^eit 
be8 Softem* entölt bemnat^ bte fubjectitKU Steinte, bei jweite 
X^ i^re geri<^tli(^ Qerfofgung. ü)ie fubjectiven Stedite aber 
uDtfaffen ba9, loaä uttil im eigentlitiien @inne get)5rt, unb ba8, 
wäi unä gef^Ibet Wirb (quod proprie nostrum est et qaod 
nobis debetur). Ja* (Jrfteie tommt unferet ^rfon entmeber 
aU f«lc^ }u ober but(^ i^re Sesie^ung ju ben fingen auger 
i^i (^erfonentet^t, ©ac^enret^t); büß 3*i'ette befielt in ben 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



380 8e^n>e3 Sofiitrl. 

CMigationen. Ser jineite %^tii bti @9ftem<, bie äle^KDer' 
folgung, be^onbelt juerft bie babet tfidHgen ^erfonfn, bann bit 
@egenftfinbc btr SSer^anblung (klagen unb Simsen), fetncr bi( 
gönn unb Otbnung beS S3erfa§ten*, enblt(§ baS 3«f (Utt^I 
unb Sflet^tSmittel). 

SHe SJettoanbtfcfiaft btefefl ©Aftern« mit bem ber Snftitutionfli 
liegt auf ber ^anb; unb S^oneQ ^at bie ffbftd^t, biefed jeinn 
inneiften ^ban!en nad) toiebetjjugebcn. @ein erfter ^^I foD 
bem jus qnod ad peisonas unb quod ad res pertiaet (Dt' 
ff>re^en, inbcm bie Obligationen a(d res incorporales aufju' 
faffen finb. Sein sioeitei 5;^1 enthält ba« jus quod ad 
actiones pertinet. Sin funbomentalei Unterjt^ieb liegt abti 
baitn, bog 2)onenu$ ein ©Aftern bei fuEijettiben Vierte mtuirft, 
Uä^renb bat @d|enia beS @<dui bie 9te(^tdbefttinntungen gltditni 
tniQ. Sn bei ^n^fü^iung bed @9ftem8 begegnen nti b« 
Unebenheit, bag SloneQuiS nui bie bingHc^en Klagen in feinem 
ätoeiten U^eile, bie (jerfönlif^en bagegen im elften bei ben tin- 
Sernen Obligationen ab^anbeft. iSei ben einje(nen Stetsten untere 
ft^eibet ÜDoneQuS Sitoeib, Sn^alt, 93cc[uft. 3)aburc^ er^ltea 
bah Srliie^t unb bie SdienEung i^ien fpftematift^n ^faf) aU 
(Siroerb^arten be& quod proprie noBtrum est angeuiefen. 

i8on gi5getei iBebeutung übrigens ai& bie (Sonception ber 
gunbamente nnb ©lieber be8 ©qftemä ift bie SJurc^fü^runä- 
35ci fpftematiftfie ®eban(e burc^bringt baS ©ange bi« in feint 
einjelnen Steife, loel^ fic^ if)m mit cta(fif(^er ©if^crfieit bet 
©^nt^efe alä not^wenbtge ^(iebei eigeben. ®o baut er bit 
cinjelncit 9tei^t3fä$e, bie er ben CueHen unmittefbai entniotmi, 
t)Oi und auf; unb an bem ft)ftemattfc^n traben lei^t er bie 
^uSf))til(^e ber OueQen jur gegenfeittgen (Srtäuteiung unb Sp 
gänjung an einanber. 3J2it bem Sentü^n aber, bie focllaufenben 
logift^en g^ben ju jeigen, Schritt ffii ©i^ritt ieben @a( bui(^ 
Sotgerung 5U gerainnen unb ju beroeifen, unb bicfe innere S(t= 
binbung im iBenufitfcin bei Qefere lebenbig ju ertjatten, ^ngt 
bie SdiroerfÖdigfeit unb ©reite sufammen, Welc^ man nit^t otptt 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. 5KoHiiflu#. 381 

@ninb feinet ^arfteÜuns aorivirft. Um S^oneEI'ji fBebeutung 
gunj gu tDÜrbigen, tofice ed. n5t$ig, in einzelne ^^eorien eiRiu= 
gellen unb ju jctgen, tuie ei mit tiefent äSerflänbrng ber 31e(^tiS< 
inftitnte loflif^e golgeric^tigfeit iinb rationelle (äEegefc »erbiiibct. 
Sil Diüffen eS und berfagen , bürfett aber biefcit ISergii^t oEjne 
Slac^t^f Idften, ba Skrtfi unb fBebeutung ber beiben |)eioen 
Sujag unb 2)DneII no4 ^ute im iBmugtfein ber beutft^ 
Se^tsimffen(i^ft fortlebt. 

4. 91u8 bcr großen 3*1^' ^erDorroflenfa« JRec^tdgele^rten, 
hkIc^ neben unb nad| ^uarenuä, ^oneQuS unb SujaS in 
Sranfieic^ miriten, finb mehrere burc^ bie @tärme ber 3^t' ßlc^i^ 
^^oneEIud, nad| Zvutfc^lanb oerf^tagen. Site bereit man I|irc 
^criömmlidi Wor, frembe ®ele^tte ju fleloinnen, tft an Berjcfiie« 
boten Crten ermähnt roorben; ben trioteftanttfdien Unitierfitäten 
tifi^ienen bie fianj&ftfi^en Suriften, toeiäjt gum großen ^^eil 
beut (öangeßfdjcn ©rfenntniffe anf)iugen ober i^m juncigten, be= 
l'onbet« begefiiendttett^ '). %li mä) ©i^arbt'ä Xobe §erjt)8 
S^riftot)^ von SäJürtem&erg ben 93on. Slmeibac^ ttiegen eineö 
Äüc^folgeid confultttte, empfahl i^m biejer*) unter ben ©eutff^en 
Submig ®rtmp, unter ben Stalienem SK. ^ribatbud, unter ben 
SranjDfen ^. 3>uarenud unb gr. Salbuinud, von benen er 
geholt ^attc, bag fie türjlit^ geneigt getoefen {den, einer ^e^ 
ntfung ju folgen. X)o(| Dettiet)It et nvi)t, baft n>oI)I IBebenfen 
gegen ESeibe obiDalten fSnnten, weil fK Don bem „Dieljä^rigm 
£(t|til&raiic^ io profitendo abgetreten unb ber Interpreten ober 
Scribentcn Commentaria in gai]&I)it(i^er 9(d)tung nit^t fiatten". 
iSr nemtt enblid) nod| eorotud SRolinänä (®u SWoulin), ber 
n>cgni jetner Schriften gegen bie SDIigbräudie bei rbntifc^en fiuiie 
Qud DlranEieic^ geflo^ fei unb fi(^ einige 3'^^ "^ fda\el auf» 
gttialten ^be. 



1) 9u<^ in SBlttenbetfl bocirlc tutje 3tit Iwr Sianjofe Wittati »ignon. 
. Stut^ci, gut &t^iSi\äitt S. 111. 
S) Siief oom 15. Cclober 1552. fflanbtg, 3olp. Sii^rM S. 35f. 



db,GoogIc 



382 3e^nte» Ätnritd. 

3n ber X^at tDutbe aBottnäuä') für 3S&ingcn gettonnoL 
Gr trat im ©ecember 1563 ein, berliefe aber feine lätcttutiä 
f(^on toiebec im folgenben Cctobet. ©eine Kuäffiradie beö Sat(i> 
nif^cn bereitete ©cfiwieTtgfeiten, tote Smerbac^ fc^on im »oian^ 
aitBcbeutet ^atte; ba^u lamcn 3)ifferenjen über bte ^ebingungen 
bec ^nftellung unb Son^icte mit einjetnen Kollegen. SS hkii 
baäfelbe Sa^r, in me((^ Soiiot feine Qe^rftede in Scipjig 
»ieber Derliefe. 3n asbingen folgte 1555 aJiattfjäu« Sri- 
lialbu«*), her aber f^on 1557 wegen „abf^euliiiier unb nii^ 
(^riftlic^er Errores" — roie eS f^eint a(ä 9tntitrinitarier - 
in eine Unterfu^ung oemitdelt [id^ biefet buri^ bie ^ludit cnt' 
jog. Qüx 3)e(fun8 feiner ©c^ulben »urben feine SWobilien uni 
Sucher ncrfauft. 

Unter ben ^etDorragenben 3uriften, welche Don Seurgtä 
naä} 'Ceutfc^Ianb famen, ift ^^ranj lEBalbninud (^antoii 
äSauboniii)') ber SRedjtSljiftDrifet im cigenttii^en ©inn. Stint 

1) %I. übet i^n Viliequez, les Scoles ite droit en Fr»n(tif- 
Cnmtä et Bcurgogne in Revue de l^gielation p. I^abonlaye 1872 p. S88t, — 
l£lfcn&aA, Xiltrineen @. 360|. aXanbtq, ©i^oxbt e. 84. «tb.lSOOin 
$aTiä, scfL 1Ö66. aSeiten iHac^iuHfLinsen f. bei »elttlbUbt, ^täff 

I, 715. Bivier, ititroductioa hJEtoriiiiie au droit Romain p. 495. 

2) ®fb. im Knfang bei 16. SafiT^unbertS ju OiitnB in ^iftnunt, Icbttc 
in *tfa, ^enigio, ^noia, ^obun. Souloufe, «ttlmct Er flotb 1564 auf 
{einem Uantflule bei Q)enf. i^uj ben %iuia nnieer Sc^nftoi fü^ n tn 
Scinamcii afiov^n- S3on {einen S(^tificn ifl bie bef aiinti.-(lc ; Di.> meihodo ic 
ratione studendi in jure ciiili libri tres, roelcf]c et in Soim« IHl MtfaEt 
^at. Sie ecf<^i«n !Si)Dn 1544. €nn bamuS nttlt^nte« bera^mtcl 3Hßiiten 
ift obtn ®. 107 f. beftico^en. ftud) tinen CataloguB iDterpretum jniit cirilis 
in üJiflii^eii Ijot er nerfofet; juleft gebrutft hinter C. ®. $of(inann'B «u*' 
gabt btS Paiizirolus p, 531 s. ^n g^o^b'S Sammlung ber Opio. com- 
mnueB 1567 finbel \iä) ein opus postum. Don i^m. %L Caqlc. Slicemn. 
3a(6er. manbri|,®i(baiM®. M, 36, wo baS JBe^dfniji (rätet jurifäWiai 
fSüi^er mit beigeic||ttn $ici[en mitgeteilt ift. &. Sannn aax \äu Spület 
in ^biiQ unb ernäbnl i^n oft in feinen Stltfen. 

3) % b. e. 2, 16 (Stinging), rao bie litcrarifi^ 9}ai$iDeiiut^ai 
gegeben finb. Stolbuinuä ift am 1. igonuar 1Ö20 in finat geboten, «n 

II. SIoDembet 1573 in ^aii& gefiorben. 3n SSnxn toat et eiftiget 64^ 
bed &. 3RubauS; in $atld fianb ei unter bem Sinf(u)ie bc3 lOubiU« >mb 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



4. S9altiuinii9. ^otomonuS 3S3 

€<^nf ten finb »enifln jurifttlc^e (Stßrtmmscn ols ^iftorifc^e Unttt' 
fui^ungen. 91ic^t fo fet|t tier jurifttfdie @^alt als ber ge|t^t(^t<' 
Iti^e 3"f<^'i'""'i^"fl> -^c <" ^tt ^ntMr^tniffeR Itegenbcn @Tünbe, 
bie (^onologifcfie golfle feffeln fein ^ntrteffe unb bilbeit iai 
3id feiner gorft^ung. ^te ftjfteinattft^en ^xaQtn ftnb tf|m UDn 
untergeodineteiSebeutung; au9 bem gefct|ii:^tlti!^3>i(o''"n^"!)'^"6 
foSen bie Stnjct^tcit i^r fiid)t etnpfaitgot, unb er tabeft eS, 
bog bei ben bieten ^rfirteningen ü6er bie ÜRet^obe btefer @)efi(^td<= 
pxnüt nii^t in ben ^oibergrunb gefteUt fei. Sin Wann bon 
bei feltenften ^Begabung an @etft unb Stöxptx. tooD SE)tgeij unb 
SlKitfiaft, leibenft^oftlicft unb unbefifinbig. Äuß fein« 9Jatctftabt 
ffrraS, wo er fid) ber jurtfttfi^en SßTasiS toibmete, mirb er 1M2 
loegen ^e^eret Mtbannt, ge^t jum l£alt>in na<^ @enf, fagt fic^ 
Don biefan tneber lod, rotrb 1548 ^rofeffor in 93ourgeä unb 
mug uegen fdiwerer $Anbet, in boten !3)uaren unb 3>oneIIuä 
feine €kgnec nmten, 1555 bie ©tobt nerlaffnt. Sr begiebt fi^ 
wiebec ju Sal»in, übernimmt eine ^rofeffni in ©ttafebutg unb 
folgt 1Ö56 einer ^Berufung nad) |)eibelbecg, too er biä jum 
So^re 1561 mit glfinjenbem Erfolge Wirft. S}ann beginnt für 
i^n eine 3"* ru^efofer ©eft^äf tigleit in ben lirc^Ki^ = i)o(iti|d|en 
SSirren ^anheid|8 unb ber ÜJicberlanbe, bei loelc^er fdinur ^u 
entfi^ciben ift, ob er bei ben ©ienften, weld^e er ablcec^jernb beiben 
^tteien leiftete, Dom Sntcnffe beä g^^"^ »n^ ^" ^"' 
fd^nung ober bti dtaiatterlofen (Sigennuf^eS fit^ leiten lieg. 

granä S"'*"'"'*""^') ^^^ aiegen feine« UebertrittS 
jum $roteftantiSmuS l^ranheic^ Dertaffen, in Saufanne, bann 
in ©tra^urg ^rofeffuren bdleibet, ^Berufungen nad) ^ntgft^erg 
unb SDIaibutg abgelehnt, bann brd 3a^re lang in S3alence 

aRolinäue, bit |diu tin^ittK Slii^tung beftimnttcn. — 9(8 ^jog Sffiil^dm 
Don 3iUid) unb Qlftw in SMtiSburg eine Uitionfitül Qnintien wollte, fui^te a 
(laei?) Öoibuinue ju gewinntn. ^^mmen, l^einügf 1, 151. 

1} ®t6. 1524 in $ari9, geft. 15H0 tn SofeL 6eine gamtlie, mtprünglic^ 
„Slntnuaui'' gc^i^, flammt nuS SAltfitn. Sg(. Dareste, Fr. Hotman. 
BftTue hiBtoriqne lttT6. 2. Seim €(^fttn onitiC^ntn 92iccTDn unb 
Leickher, vitae JCtor. p.255B. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



384 3^>ttce Bo^M. 

boctit, als et 1566 butd» fi'$0!&))ita( jum 9{ad|foIgei bt& Suja$ 
nac^ ^Durgeg berufen tourbe. ^icr berbanb if)n mit bem gltü^^^ 
geftnitten SlonelluS bie uertiautefte i^unb)(^aft. 2)ie (Stand 
ber SJart^oIontAuäncidit (1572) Mittiebm au(^ t^n miebci an^ 
Sranfieidi; er getätigte nai^ @tenf unb übernahm bcmn eine 
jurifrtft^ ^rofeffur in ©a(cl, bic er bi8 j« fein«'" 3^ U^^O) 
betleibete. ©eine »iffenft^ftlit^e Sit^iung ift unitwrfeflei unb 
bo^ RKniger au8ge)jiagt al8 bie ber biB^ ®enonnten. 

Sin läele^rter erften Stange, bOinx^t er bie gefamnttni 
SSilbimgSelemente feiner 3eit; toir ftnben in (einer SEtttiSprabcnj 
bie anttquarifdi : [ctttf(^e 91tt^tung foivo^l lote bie bogmatift^ 
Dertreten. Z)ie anal^tifdie 99e^anbfuttg überroiegt; bie ©Qntfieft 
bemegt fii^ in bcn bioleltifc^en Jlfonncn; feine Untct{u(f)ungai 
bringen in bic Xiefe iinb Singelfragen; fein ©ti( ift ber elegoBte 
unb leine beS voUenbeten ^^ilologen. I^genftanb feiner Stubim 
ift DorjugSroeife boS rötnift^e SRedit; baju lommen dotnatentore 
ju Sicero'S Sieben unb Briefen, junt Süfar unb (mtiquanf(^ 
Uiitcrfut^unflen. aber auifi baS Sefjnre^t ^at er bearbeitet, unb 
a(ä »lolitift^er ©t^riftfteüer tritt et auf mit feinen De jure 
regni Galliae libri tres. Baa. 1586. Genev. 158ä. 8", in bOKH 
er bie erWirfileit beS franjöftfc^en Äßnigtl^um» beftteitet, unb bie 
SluSfc^lie^ung ber SßeiBer Don ber föntglit^ ffi&rbe foibeiL 
^n feinem Autitriboniaaus fäntfift er gegen baS lAmtfi^e 91e^t, 
behauptet, bafe c« in granheic^ nur geringe Skitung ^be wA 
bafe fein SSorbringen gu bebouem fei. SJicfe ©(^rtft ift 15ü7 
fianjdfifi^ o^ne bei ^erfafferS 9}amen erfdfiencn, »erfafit, ine 
et ^eigt, auf aSunfd^ beä StonsferS S'^oSpital, ber ocrmiititlidi 
foIcf)e S)ienfte fitout^te, um bcn öon i^m geigten legiSlatorifilien 
planen bie 9Bege ju bahnen*). 3n ^eutfd^nb ^t^otomanuä 



1} Meue au«safan 1603 unb 1016; bann kteiirtt«^ 1647 ta ^»iiitatS 
unb 1704 Den ©cotg fdegex neu ^ouSflcgcbcn , aud} ^tntn: Ch, G, Hoff- 
mann, hiBtoria juris. 1718, 4". !«& S'^oBphnl felb^ eine Mtnnolif(*>^ 
SIetontinnatiini bcS C. 3. civ. unternommen fyAe, ttjä^lt 1Ö5S B. Innwt 
(»tiefe ®. 40). 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. ^iDnQßue ®at^frcbu8. 3g5 

bif SSeiErinbung mit ^roteftatttift^en t^ßrften gep^egt, benen er 
mit potitifi^ Stalinisten unb jurtfttfi^en 9}am(^(ägen biente. 

5. Sied finb bie Mepräfentanten ber großen franjöfifc^en 
Suriftenf^ule, toelc^c perföulic^ in 3ü«itfd|(anb gelehrt ^aben. 
3f)c !(ufentl)alt mar bari^Qe^ii ju lur^ unb loedifetnb, aU bag 
it|ie &^it^tig!nt oon toeitieic^enbeni Sinflug ^ätte mnben tonnen. 
3n toeic^nn @rabc a6er bie fianjöftfi^en Stec^tSgete^rten foloo^l 
Don i^ier eigenen ^imat auS, nie auf frembem Soben befiud|tent> 
unb brnbefnb bui^ Schrift unb SBoit auf bte beutfdie ^uxii' 
ptubenj eingcRjtrft ^abe«, jeigen nicfit nur bie SBerfe ifircr un« 
wittetboTen ©^ü(et, fonbetn bie gerammte ©eftalt bet juriftifdteii 
Sitetuluc. @S ifi Doi aQeni bur^ H' <inc S^Qc fliftonfc^en 
SRatetiolS ber beut(<^en Suriäpmbenj jugefülttt norben; i^rer 
fritift^ 3:^tiflleit »erbanft fte ben Sefift retneier %estt unb 
gnwiterung be8 DueDenf^le», i^rem SDüiftet unb i^ter Öe^re 
eine Dcrebelte ©jegefe unb SJogmatil. 

2>ie @rfinbe, Uxli^e eS trogbcm Oer^inbetten, bag in 3>eutfc^>> 
Unb eine glci^ 9Iflt[)e ftd| entfaltete, bte Umftfinbe, welt^e ^iet 
bit nri)fenfc^aftli(^ Jbdfte lähmten ober in tMfeln fd^lugen, finb 
me^rfadi edsöltnt worben. SIber aut^ in {^ranfretdi eiftarb bre 
91fitt)e gegen bad (£nbe beä Sa^r^unbert^; nui ben SacobuS 
@ot^ofrebuS (geb. 1587, gefi. 1652) [ann baä folgcnbe Sa^i=- 
^mibcrt ben grogen ©efe^ttm, bie fitti einft in S^ouigeS ft^aaiten, 
tbenfiflrtig an bie ©eite fteQen. O^ne 3it>eife( getiöct ju ben 
®iünben biefer l£rfd|einung bie firc^ti^c SSetfolgung, UKld^e ^^anf- 
leii^ etneiS %i)eiii feiner beften'^äfte beraubte. Sntnter^in aber 
^dttc es an Aräften nit£|t gefehlt, unb bie großen Suriften Ratten 
[ange genug twieinigt geuiift, um einen bebentenben 9Iai^wu(|S er= 
jjeticn ju Bnnen. Allein bie Qtitai ber gelehrten 3uria(3tubens 
DKiTen erfüllt; bie ^reabt am SHter^um, bie Siebe gu ^tftorif^en 
oab t^tettf<^en ©tubien crftarben. ^laftifci^e Aufgaben traten in 
btn üBocbergiunb bed aOgemetnen 3nteieffe$, unb Von i^nen ge» 
tragen unb geleitet, UKubete bie SuriSprubenj fti^ mit liiorliebe 
bn ^a£iS unb ber Bearbeitung beS ^eimtfdini Stet^tS ju, auf 

CKntlng, «<f4. ». SnUfiibciii. I. 25 

DiailizMbyGoOgle 



386 3«^««8 Äop'tfl- 

SS^egen, meiere berette uon S^affanäuS gmiefen uub bun^ 3KD(i< 
näuS gebahnt unb gefertigt raaren. @$ ift bte dÜc^tung, tod^t 
^otomanu« in (einem Äntitribonian, Sotiamt Sobinuä {geb. 1530, 
geft. 1596) in feinem ©tieite mit SujaS (Methodus ad facUem 
historiarum cogoitionem. 1566) foibetten , inbem fte gleiifl 
$IItiericu3 @entili3 in {einen Dialog! bte antiquatifi^ @kle^i< 
famfeit beldmpfen — eine ptahi\ä)e Stiti^tuRg, beten t^Sitxa anj 
bem ®ebiete bee lömifdien Siebte bei gcoge ^otcnttfet %nton 
gäbet (geb. 1557, geft. 1624) geworben ift. 

Qu ben (Spigonen bei fiangßfifi^en @dE|uIe getiArt S)tonqfiui 
(Sotfjofiebuä*) (2)enia ©obefto^), om 17. Dcto6er 1549 in 
$aiie geboien. Si mad^te feine juiiftifii|en @tubien in Sotwn 
unter ^o^ann 9tamug, in ^In unb ^eibelberg, le^ite no^ $an? 
jfüzüi, mugte als ^ugenott aus f^anfieii^ flitt^ten unb lie^ jii^ 
in ©enf niebei, rao ei 1585 nad| ^aciuS' SCbgang bie ^ofeffui 
ber Sßanbeften überno!^. 3m Sa^re 1589 fungirte ei fwjt 
3eit im %[uftrage ^nridi'ä IV. aU (^ouberneur bceiei fianjAfi^ 
ft^er älemtei am guge bcS 3ura, toaib oon fatiot)ifd^en SnegS' 
Dölfein Deitrieben, auSge))Iänbeit , feinet fBibliot^ bemutit, 
fluttete naä) iBafel unb fanb 1591 eine ^nfteKung als ^oMfoi 
in ©trafeburg. Sßeitjanbiiingen wegen Öeiufungoi nm^ Mlboif 
als XioneQ'S 9lai^foIget unb nad) tÜ^^an^^^ fütirten ju ftintm 
®tgebniffe; 1600 folgte et einet Öetufung nat^ ^ibelbetg, fe^tlt 
abet nad) wenig Sßonaten ju feinet @tragbutgei ^oHfi"^ i^^- 
SRat^bem er SBerufungeii na^ Soutge« unb (Senf abgelegt l)attt, 
fiebelte et 1604 befinttio nac^ ^eibelberg über, lieg [lify aaäj 
burdf gfänjenbe ^Berufungen nat^ graneder, Finger», SBoIencc 
nic^t ju neuem SBec^fel feineS SSiilungSEreifeS beftimnten. Stö 
bie unglüdlii^e Si^Iac^t am wetzen iSeige baS ®c|i(ffal forfüift 
gfriebri^'S unb ber ^falj un^eiteoH entfc^ieben Ijatte (1620), 



1) Suglei 6, 240f. a.b.». 9, 448rff. {Xti^manv). CHngc^h 
Scurt^ellungcn fcituc üuSgabm beS C. J. bri Trotz, praefktio Operiboi 
Jacobi Gotho&edi praemissa. 1723. fol. p. 6— 8 unb Gebttner, >'ti- 
ratio de H. Brencmanao. 1764. p. 132. 105. 161. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



5. a>iim^mB ©ot^ofrcbus. 387 

f[o^ ®Dtf|ofiebud nad^ @trag&iiig, tno er nac^ längerem Stedi' 
llinin am 7. ©eptember 1622 ftarb. 

@o^ofrd)nä ift an @eift unb [nt{fd)em @d)arfftnn feinen 
älteren 3eTtgenoffen ni^t gleii^ ju fteHen unb von feinem gio^n 
Sohlte 3acobu« toeit fiberttoffen. ©ein SSetbienft a6et liegt in 
bcDi auSbauftnbcn ^Ift^, luelc^ei ftd^ aut^ bui^ bie ttnntfien, 
bte ben Ougeren 93er(auf feines UKdifelDonen Sebend ftöiten, nic^t 
ofi^ttent lie^. <Sz ^at t^n ^au^itfäi^lii^ bei Sbitton unb 9nnj}< 
tation Don OueQeniiKiJen jugeicenbet '). ®o ebirte er bte Aue- 
tores Latiaae lingaae 1584. 4**, bie ^tagmente ber 12 Xafeln, 
lUfian, $au(uS, @atud, tvdi^e er feiner Ku^a&e bed C. J. an^ 
ftingtf; Theophilaa 1587. 4", HarmenopuIoB 1587. 4*>, Seneca 
1590. 8". Süaju Eommt eine SCuSgabe uon 3o^. ©t^neibenin'd 
Snftitutbnen^^lSommentar 1597; von S. SRotinäuiB' CommeDtani 
ia ParisieDais Parlameati couBuetadines 1597; bei Consue- 
tndine« civitatom et provindarum Galliae 1598. "Xiai bt' 
btotenbfte SBerf ober, toel^ä feinen SRonten bi% in bie neuefte 
3cit fo |)o()uIär flema^t ^at wie leinen anbem, ift feine mit 
fortlaufenben Sloten Dcife^e ^efammfauSgabe beS Corpus 
juris ciyilis, wd^ juerft ®enf 1583. 4" etft^ien. 

^ie @tellnng btef« SuSgabe ht bei @ef[^i(^te ber "Üe^tei- 
lecntfionen ift oben (©. 208 f.) bcfproi^en. Sei feinen Änmei= 
fangen ^at i^ offenbar ber ^lan be« SlccuifiuS Uorgefe^Webt 
unb in ber X^at, nie SccurTiud ein (^igone bei Olloffa. 
toten, fo ift ©ot^ofrdiuS ein ffipigone ber fliofeen franjÖfifc^en 
Sniiften ; beibe nic^t me^i berufen, ia9 SBert ber 9Sorgänger ju 
föriiein ober fortiufe^, fonbem bie bun^ jene ecl)fiuften ©fi^dge 
jum gemeinen ©ebroui^e i^u ftc^ten unb ^anbltet) jujuric^ten. Ss 
ift €lDt^ofcebuiS gelungen , einen fe^r braud|baren Apparat an 
^omllelftdlen , fiitif^en unb fac^Itc^ obei fprac^Itc^ eiKfirenben 
Siotot iufammenjufügen , bie er t^eifö bei fiitcratur entnimmt, 
t^d eigener Sifinbung oeibanh; unb roenn fein SBerE auc^ 

1] Sn^etdrni^ fttnn e^riftm 6ei tio^, ^ufllcT imb Haag, U 
Fnnce protestute ft, 28ö h. 

25» 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



388 8e^« «api«I- 

feineSnegg bie 9utDittSt erlangt ^at lote e^entale bit @li)fje 
beS älccurfüis , fo ift fü bo(^ jUKt Sal^E^unbette lang alfi bai 
beieitefte iinb angefefienfte ^filfSmittcI bei 3nteit)relatti>n ouj 
^eorie unb ^ragi» Don übeTtoiegenbfm ©influfe gfloefett. Smig 
»ollen bte älottoäife^) bebeuten, bog l^ot^ofidiuä in frinen 
Sioten oft Don bem ju erftorcnben ©cgenftonbe abft^MKife, fifit 
niiebec[)oIe unb jui SiffSning be& S^e^S in ben iRoten oft 
bie Xe^tedtDorte gebiaud^e : bur^ge^bS totrb man oitd) ^te 
no(^ ftd) bei @Dt(|ofrebif^en Pfoten mit 9fugen bei atrforiii^ 
Sectuie bcbienen. 9Joi ber ®(offe be^ SccurfiuiB ^at ©ot^ofräi'i 
?(t)t)arat ben SSorjug, baft er in geringcrem (grabe btofee Eont' 
pilation fein tvtU unb ift unb bog ber Sierfaffer aus einer I|5E)fc 
entmidelten 91et!^tStDiffenf(^aft unb S^Itert^um&funbe fc^B)}fen fonnte. 
@S raar feine Kbfit^t, ben „notae subBecivae" einen au^ffi^rlic^m 
Kommentar folgen ju (offen (tigl. Nota ad 1. 60 § 6 O. locati). 
^ie Stnfänge bagu fi^etnt bie Prans civüis ex antiqniH et recen- 
tioribua auctoribus — coUecta. Francof. 1591, foL (2 Sbe.) ju 
entEialten : ein Unternehmen Don ungeheuren ^tmenfionen, udt^ 
im jtoeiten Sut^e ber ^ßanbetten fteden geblieben ift 

fSon ben faft ja^Kofen Stuflagen unb Slat^britden beS ®ot4»> 
frebif^en Corpus juris mit unb p^ne fitaten ift oben gefproi^- 
91u^ btefe letzteren ftnb fpäter R>iebert)oIter fBeaibeitung imt«< 
ttorfen- SJie bebeutenbfte äuägabe biefer »rt ift bie Bon ©. wm 
ficeumen (Amet et Lugd. Bat 1663. fol.) beforgte, oft nadi< 
gcbnidt, jum I^il mit MeBifionen, nomentlid^ Francof. 1663. 4' 
unb Säpm bei ßUebitfdi 1720. 1740. 4". 3n biefhi fpöteim 
91udgaben ift bentnad^ bie urffirflngUdte Arbeit ©ot^ofieb'S nid|t 
rein »iebcrjufinben. öerülimt ift unb öfter befjjrot^ ©ot^o- 
freb'S „immo" — bai SBort, mit toeli^em er toibetf)jre(^nbe 
Stellen in ben 9}oten aQegirt. o^ne ben Siberftiruc^ ju erffärrn. 
®. ffl. ©trunc ^at bemfetten eine eigene S^rift getoibmet: Gotho- 
fredi Immo. Francof. 1695. 4*. 



I) Geliauer, Nuratio de H, Brencmanno p. 132b. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. (BribnlbuS. 389 

^g €tot!|ofTebu!S aui^ eine neue SuSgabe bei Loci com- 
mnoeg ober Topica bti SoecatbuS (1604) beforgt unb mit dnec 
«onebe J)crfel>en ^t, ift o6en (®. 118. 129) etwo^nt. ©ei^r ic 
fli^tenäOKrtli ift toegen ber botin tMoä^rten f^nt^ttfd^en Aiaft bie 
@(^nft de ratione ordinis a junBCOOBulto in Pandectis, Codice 
et Institntiombus servati, tuelc^e juerft aU eine iSeigabe ju bei 
Ausgabe beS Corpas juris Don $aciud 1580 ecfi^ien unb {))ätei 
@ot^ofid>'$ eigenen Sbitionen fitnjugefügt touibe. @S tft eine iabeU 
lattft^ Sarfteüung mit furjrn (£t(äuterungen. Set beit ^anbeften 
tft bei $k^äj gemacht, bic Septem partes alft f^fiematifi^e« 
t^nbament ju Denuert^en. 

S. 9!äien oQen älefonnen bauett bei Stnflug ber in ben 
alten 8oI|nen wanbelnben italienif t^en Suris^jrubenj fort. 3)aS 
kommen, italienif^e Unioeifttäten ju befugen, melc^eS im 
Saufe bed 16. Sa^r^unbeitä nit^t nur md)t abnatfm, fonbern ftd) 
aaib^nte'), befeftigte itji Stnfetien, ift ober [elbft ei« ©igebnife 
bei Geltung, in toeldier fi^ ber mos Italicus buic^ feine Safutftif 
ju betiau^jten tDugte. 9!o(^ immer fud|t man ^ier unb bort SSei' 
tteter beSfelben aus Stolien t^anjujiet)en. 33enn in Seifijtg 
a». 6. Cffa'« SJorft^Iöge (S. 127) ntt^t jat äuSffltirung !omen, fo 
fui^ bagegen bie flftreic^if^e Segieiang 1562 bie ^erobgefonmiene 
Sooiltat in t)h^etbuig buic^ iSeiufung beä unbekannten OtjignanuS 
aus ^bua 5u (leben, ber inbe| ft^on 1566 in fein SSaterlanb 
jurüiBetirte'). Sngolftobt, ttpo bie alte SWettjobe in §enf(i^aft 
blieb , obglei^ 1563 ein anonymes ^romemoria fte als @runb 
beä 3}eifal[3 ber gacuttät bejeidinete, ^at eine grögeie Qaiil 
tion Italienern au^utoeifen'). SluSbiüdlidl rü^mt bei SectionS= 
(atalog von 1571, bag ber $lan bei SBorfefungen genau nad^ 

1) etBIgei, entmidlune b. gel. 9iid)tcrt^uinB 1, 52f. 

S) Sdtttibtx. «({4 b. UniMcf. J^niburg 2, 342 ff. 

3] 3R. UntoiriuS Oa^ntut an« Stoilat^ 1688—40. ^nc. doonttlf 
«liSriogno 1548—64. »artol. Womiifou« ou9 Storoij 1548—77. «nb, 
5ii*iiiau6 au« Sortt 1587—97. «gl. ^ronll, ®rf*. b. a.9K..UniMrrttät 
1, ]94ff. 809ff.416ff. Unterbltfenfinbaoonftti unb&aiftinau« ^noor. 
ugtnbt 9tltffttt. 3winetti mar 'Hlciaft Sc^ülei unb bun^ ^^'^ i"*^ hritifc^en 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



390 8«^M »opttet 

bem 3ßufta bei italienif(^en Univerfit&ten einBeric^tet fei. SSn^ 
btngS beuten l>te Dergebli(^cn ^kifudie 1579 Soffonn fHamni 
iiitb fdbft (iiaia& ju getDtnnen auf ben SSunfi^, bet neutn %i(^ 
tung Eingang ju bccetten. SQetn ber <£cfoIs blieb auS; alö 
ftxiter (1598) ©iptianiu^S auftiat, fanb feine Vtct^obe f^rfen 
9Sibeif)>iu(^; untct bec ^ertf^aft bei Sefuiten tonnte eine fiiftlie, 
bei neuen 3^t homogene Sntmi^ng nic^t gdm^en. 

3S}ie tnbeffen bie ä^efonnation aud^ in Stofien t^ IffitDai 
fd)Iug, fo ift bie von ^ctat Dertretene dtegeneiotion bei !Re^^ 
miffenft^aft anif bort nid^t otine (folgen gebltc&en. ©ellift bei 
mos Italiens, beffen finnlofe SSieitläuflgfeit genibc in ber jDdteit 
^fte beS So^i^unbertS nad^ ^anjtiol'e (f 1599) ©i^ilbrntng 
auf bei ^6i)t ftanb, ttotte bcK^ genitffc @Ientente bei mobemtn 
^utnantftif(^cn Silbung in fli^ aufgeuDinnien. Sinjelne iKEliftieti 
ganj bie trabitioneUen 93a^nen. Huf ben ptoteftontifi!^ Uni< 
MifitÖten 3Jeutf(^lanbS finben roii Suriften italientfi^ §eriiraft, 
wellte, gletc^ jenen granjofen bui^ i^i rcforraatorift^eä iße- 
lenntnig nac^ X)eutf(^lanb getrieben, audi in bet SSiffenft^aft 
bei neuen 9ti<^tung folgen. 

Äouin ju biefen ju lec^nen ift bei oben ettofifinte Kütl^. 
©libalbi, ber ein 3a^i lang in Xäbingen lel^ite. iBebentenbei 
ift fein @(^üler SuIiuS ^aciuä a ©eiigo, bei om 9. «JJiü 
1650 in SSicenja geboten, Bor bei Snquifition au8 feinei Batei» 
ftabt nad) @enf fEädE|tete, too ei bon 1575 bis 1585 eine $10^ 
fcffur betleibete unb bann 10 So^te (ang (1585—1596) in 
^ibelberg lehrte'), ^acius ift ein bebeutcnbet ®el^rter, bei 

Selianblung bcB OueQcntc^ angiregt, €ein BeBÜtutioaum ad librw 50 
Dig. über singularis fanb feI6ft 6d Sujaö Stneifennung. Otto Tba, 
IV, 21b. MOb. ®eine übrigen Sc^dfun bctgdil^n Mederer, Am 
lügolBt. I, 392. Uli UHtrb 1564 ^rofeJFDi bei lanimift^en 8te#8 in \äm 
Satciftabt »oliiena (f 1586> — SacfihiaiiS gbta 1597 mu^ $if<L €(<>( 
joWmiitm®4tiftenf. WMederer2,149ff. «o6oIt, »og«. «d^naifc!- 
@. 217 u. 9?ai^c. 6. 93. 

I) 9tad|beni ftiiu IBerufnng mit) ^clm^äbt an frioen fibcttn^en 
Snftitürfjen 9e^riKrt toar, Warb et ^rofeffot in Sebon, ShmtptBitr, SoWk, 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. $ariu3. 391 

^if bnn^ ^au^gabe, gommentation unb Uebecfegung 9Irifto= 
teCtft^ ©(^liften einen bletbenben 9Iamen gefni^crt ^t Sentger 
^orrttflenb fmb feine fieiftungen för bie 3ttri«i3tut>enj, in ber 
tx fiä) juexft beEomtt machte burc^ ^etou^&gabe ber Snftitutionen, 
in boten Sn^g bie 12 3:afeln, Ulpian unb @laiug mit Sßoten') 
(1579. 12*^; fenwT bun^ bie (gbition (ämmtlidi« I^ile beä 
CorpoB juris mit fatcjcit Snntecfungen, tveldie er bem SujaS 
bibmcte (GeneT. 1580. ftd. 4 Sbe. unb 8". 9 99be.). SSir be^ 
ft^ Don i^ aufieibem 'EvavriogMivöip a. Legum conciliandarum 
centnriae tres. Spirae 1586. 8", tt>et(§c fpflter 6i8 auf 10 cen- 
tnriae (juerft Lugdun. 1631. 8", jule^t Colon. 1661. 12*) öei* 
me^rt iDori>en finb; eine ©amntlung Don 2>iSputatiinien (1590. 4**) 
imb mtljtere SBäerfe, ttwlc^e feine biboftifdie SKet^obe barlegen. 
^ Äaal]^ luBtitntioDum Imperialiam. Lugdun. 1605. 12**, 
SkI^ fe^ oft aufgefegt unb uon mehreren ©ele^rten bearbeitet, 
jnle^t bon ®. ». ©offenoer (Trig. 1663. 1686. 8*) mit S^' 
fa^ Bcrfetlfn ift, gicbt bflt S^ejt in Äbf^nitte mit Ueberf^tiften 
gt^eitt; baian fi^liegt ftd^ eine fuije analQtif^e Erörterung jebeS 
littl* unb eine Sufa'nnifnftellunB non „Axiomata", apöptiteßi 
matifdi gefugte Siegeln ober loci communeB, bie aui Xejt unb 
©riftutenrngcn abftto^irt werben, ©eine Isagogicorum libri 
Lugdnn. 1606, iulefet bon aBaffenaer (Traj. 1662. 1680. 8") 
ausgegeben, entölten Furj gefofite UeberfK^tcn beS 3n^alt& 
bet Snftitutionen', ^nbeften», Eobej» unb ©ectetalentitel, finb 
alfo ungefähr boS, »a« bai äRittelaltec eine Summa nannte, 
^titioiragenb futb btefe @(^ttften eben fo nenig toie feine tabet 
(anf^ Synopsis. Lugdnn. 1588. fol. ®ein Commeotarias ad 

¥(i6üo nnb Wieb« in SSalmn, roo t\ 1635 geftorfcen ift. St f^eint ein 
tigranüfiga unb unfritbfertigCT Wnnn gtiwfen ju fein, ffiS tieifet, baft et in 
[cbitn fpattten SebcnSja^n ^um fial^DlIclBmud guiOdgete^ fet. Seine 
atgcdjdien ^Oittwl mit CEoHi unb @enti[iS in ^etbclberg werben unten btrft^ 
«rben. UmftänMi* berieten über biefe gua'" 9. 250ff.; G, U7 ff. 346 ff. 
Zeidler, ViUe .% 1488. S"""*' ®(f)ri(ten finb bei 3ii9ler wrjdaind. 
1) gieüit^ nui McDifipn ber anSgabe be« SitSinnue. W- Dirtfen, 
3iPBlftaftl>3Ta9tnente S. 61 ff. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



392 3t^tc8 OaltUtl. 

qu&rtum librum Codicis. Spirae 1596. fol. 6efo[gt bie c£ctttii(^ 
äßet^obe. ©eine )jt)UoIogtfd)e ©ele^ifamleit tritt übtxaU ^enoi. 

fiUije 3^' loiifte mit ^ariue jufantnten ^ifjponio 
a Solle*) (q SoDibuS). "üni altn ttalienifd^er ^amirie ^' 
menb, in 3ürt^, h)o()in fein ißoter ber profeftanti^t^en ßonfeffton 
tnegen geftüc^tet toar, geboren , in ^a^ü ^itomBOirt unb jum 
^tofeffot befßrbett, worb er 1586 nad) §eibeIbcTg berufen, 
^eriet^ t)ier mit ^actuS in ^änbel unb fefjrte fi^on 1589 ali 
©Qnbicuä natl^ iBafel jurüdE. @t bleibt feit biefer ^^it in p^l^ 
ttfd^en Remtern unb entfaltet itamentttt^ in pfOIjtfc^ ^ienftot 
eine Dielfetttge X^ttgfrit als ©efanbter unb @d|riftftelln. 

Sn bte ^dnbel mit $aciuä ti»ii aut^ ©cifito @enti(ie*) 
beitoiäelt. 3n SafteKo @ait=@l«tefto in ber Waxl SIncona 1363 
geboten, oerlieg et, faft no(^ Jlnabe, mit feinem fißater. bnn 
9[tite äRatt^u^ unb feinem trüber 91Ibericud (bei 1572 in 
^lugta jum Doctor jnris promouict toar unb nad) ^gtanti 
jog) fein 93atetlanb, um ungefä^tbet bem ebangeltfc^en Selennt' 
niffe leben ju fönnen. Si ftubirt in ^bingen unb äBtttenberg, 
IDO ^(beiicuS il|n 1586 wn Snglanb aai befugte; gd|t bann 
nad| Serben, um unter S. SipfiuS feine p^ilologifc^en unb untti 
^oneDuS feine jurifttfd^ ©tubten fottjufe^en, jie[)t aber, nlB 
^oneUui» 1587 feinet ^tofeffut entfe^t luutbe, na^ ^eibribcrg. 
3>n (Srfolg feinet bott begonnenen £e^itt)fitiglett eiöffnetc i^ 
bie Ausfielt auf bte^ofeffut ber Snftitutionen; bie SBereHelung 
fi^eint et ben Intrigen beS IßactuS jugefdfiiebcn unb in fetnem 
Unmutti ^otrungen auAgeftogen ju ^ben, bie bem ^ciu« 
^intcrbradit mürben. Äufictbem foDte ein an §ii)p. a eoKibn* 
{jeric^teteS ®ebi(^t (Heidelb. 1589. 4") SBeleibigungen gegen 



1) Sugici 3, 195ff.; 6, 367. «Dfi^ei, @kf4. b. National«. 6. IM. 
a. b. ». 4, 405f. (SKffcnfiogtn). 9eb. am 20. &tbniat 1661, s^im 
S. Stbniar 1612. 

3) PicMrti iaudat. funebriB. Altd. 1617. 4« Witten, MemM« 
JCtor. p. 25. Zeidler, Vitae 1, 106ff,; 8, I48ff. SuflUt «, 146i|. 
a»iIl = 9)opiIf*, «ümbtTB- (Üdf^rtenlej. 1, 622ff.; 5, 398f. 6tiii»in8. 
■^. SJomOu« ® 40, 44 t- 63. 69. 8. b. ». 8, 676|f. (Stlnfiiifl). 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



6. Q SaHibuS. Scipio StnHlie. 393 

^tmd entölten, tiefer et^ob eine Snfiage beim afatiemtfdKn 
Senat. Z)ai Spod otarb confiflctrt unb ®enttli9 mitgte tterfjjre^ttt, 
iDödrenb be8 ft^toe&enben ^ßtoceffeS bie ©tabt ni(f|t ju Derlaffen. 
3)tffeiiiingea<^tet leiftr er, naf^bem er jlDei $rocuratoien befteQt 
^tte, fdneoi borttn gefaxten $Iane gemäfi na(^ SSafel, mo^tn 
f(|on SoQe ooranSgegangeit toar. ^anj ^ptomanud, bamaU 
bur^ flnint^t unb aRi|gef^td gebeugt, fonnte ftd^ nod) in 
feinem letzten £ebnieiaI)Te an beut ^ßtxhfyce mit bem talentnoUen 
jimötn Skleren erfreuen unb ijer^tefe i^m bie flWnjcnbftc 
3uhntft. «m 16. april 1589 loatb @lenttli« unter iBafiliuS 
flmerbai^'g Iwanat tnromoötrt, lehrte för hirje 3eit na^*§etbel» 
btig jurüd, oerlebte ben hinter in Safel unb tarn, nai^bem er 
mtipcm Reifen in @kf^äften b«B engftf{^ @efanbten unter* 
noDunen ^tte, im Sri^joi^r 1Ö90 cii Segiciter ein&S trafen 
Don Orttenbutg nat!^ Slltborf. ^tct fanb er feinen alten Set)rer 
^ondbie ttncber, %u bem er nun in bie tietttauteften ^ieftungen 
trat, Sr fi^ema^m intenmiftifc^ bie SSorlefung aber ^nftitutionen, 
imb bie ätämberger ©d|olati!^en luaren auf 3>one1I'S l£mt)fel^Iung 
geneigt, t^m bie buid) @ip^antuS' Abgang erlebtgte Sßrofeffur 
ba $anbeften ju übertragen, al8 inamenbe ©(^reiben son ber 
fKibdbergei Suriftenfocultät unb Don ^ciufl einliefen, ^er 
^^roceg ^atte auf btS Seltnen S9etrei6en fernen Sortgang unb 
bitn^ @entUid' aitbenett|tii(^e (Entfernung tion ^belberg eine 
für i^ fd|Iinune ISenbung genommen: bte Scten »aien nac^ 
SWatburg öerfenbet, bie gocultät l&atte am 29. «uguft auf Sete» 
gation trionnt') — unb $ociu8 melbete biefen Ausgang fofort 
iia(^ älümberg. 9ta^bem tnbe| bie ©d|oIard|eit fid^ genauer 
über ben Hergang unterrii^tet tKttten, fanben fie tein Sebenten, 
<8nitiliä, beffen Siorlefungen fi(^ beS grögeflen iBeifaQS erfreuten, 
beftniti» onjufteBen. 3t|m rourbe bie $rofeffur ber Snftitu* 
ttoncn, bann bei ^anbeften unb nadfbem ^oneD'S 9}ai^folger 

r\ 3ii bti ^belbtrgn XRotriftl finbet fi4 gu e)tnttlie' Slamcn 1581 
Mfcfügt: „deletuB et relegstaa d. 23. S«pt. 1590 cnm fimosi libelli 
AccnutDB fagisaet". 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



394 8e^rt ««»»fteL 

$. Sefenbed 9I(tbotf loiebet Wilalfen ^atte, bie nfte ^oftffui 
tu t>er jurtfttft^en gacuUät übertragen; juglcii^ tporb er jum 
Sonfulenten beS Shimberger Sfat^ ernannt. Unter ben S^ 
lufungett, bie er ablehnte, um Ui an fein Se&atSenbe in KItborf 
jU bleiben, ftnb ^erborju^ben bie eine nad| Serben unb bie 
anbexe, »eldie $apft SletnenS Vni. an i(|n ergeben lieg, tun 
i^n mttet 3iinc^ning Ooller SkligionSftet^ett für Bologna p 
getninnen. ^t in feinem 49. £e6enflja^re ber^rat^c er fi(^ 
mit aRagboIena, beS reic^ ^far Solanbrim aus Succa, ber 
aU Kaufmann in Sßümberg lebte, gele^r 3Ji^ter. ©c^mt 
naä) Diei 3at)ren loarb biefe S^ bun^ feinen frfi|«t 3^ am 
7. Hiiguft 1616 gelöft. ®t marb an ber Seite feine« grogm 
Set)reiS ^onettuS beftattet 

anit bei geiftUoQen grifdie feinet ^rfdnU^Mt %at @eittitiB 
eine ungeb)dl)nlid|e ICnjic^ungdfcaft auf bie Sugenb tm^cübt; 
feine Qiebendtoürbigfeit imrb uiclfadt geräumt ; in fetneni Sei^tnig 
ju ^otomanud unb 2)DneQu8 ^ot ei jarte ^etfit betsätirt. %fxt 
baS (eibenfc^aftlidie unb erregbare Xenqjerament beS SflbUitbere 
^at auäj in ^[tboif man(!^e 9leitiungen veranlagt, fein munterer 
Skrfe^r mit ber afobemift^en Sugenb ft^eint nit^t bas eOavIbb 
Wag eingettalten ju ^abnt. ^ie Slcten ber Unioetfität Xltborf 
entölten miebcr^oU ben SJoriDurf, bog er ein leii^tfertigei Setzen 
fü^ie unb fid^ in bei Xntnfent^tt grobe Sp^e jo ©(^ulbtn 
fommen laffe. WOein bie afabemif^en ©itten ber Qät numi 
gegen fotc^e 2)inge fe^r tolerant. ®r fo tnerng une fein SoDcgc 
Dr. 3. Sufenteutti, bem not^ ©c^lintmeres DocgetDorfen nntrbt, 
litten babuid) in i^rem Mnf^en*). 

^aS innige 9kr^Itnig, in tDel<^ er mit S^oneOuS ncK^ 
ein Sa^i (ang gelebt t^itte, enthielt für i^n bie Stufforbentiig, 
beffen ^anbfc^riftlii^en Ka^la§ ber SRadiluelt ju ersten. SBie 
oben berichtet, gab er im ^Cuftiage beS Sierftorbenen ben faft 
DoUenbcten brttten Sanb ber Commentarii juris civilis ^tvtai 

1) Uebei «ufcnnutb bgl. H. b. S. 3, 648. Stin^fng, ^. %mdlui 
€. 38 f. 62 f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. »ilmtfai gor»«- 395 

imb ftcQte bie Reiben folgmben aa& ben ^tnttilaffenen äJor* 
atbcitnt jufaimnen. ^iefe umfaffotbe StcEictt, bie SSonebnt unb 
Ctflänjungett fxtuetfen, lote tkf et in bie f^ntfietifdien ®ebanfen 
feines S^cerd eingdicinigen nmi. 2>on(Q'S „opnsculft posthama" 
(ifc^ienm ^nau 1604 „ez bibliotheca Scip. Geatüis". (£r 
itlb[t, eben fo feEir ^^ilolog alä ^Jurift, ^t bie 3nnSt)ntbeni 
DOT)Ug#nKife in bet pI|iIoIogi{E^=antiquarif(^ %id)tung angebaut, 
isit noBtentltc^ feine am meiften Mibteiteten SSerte Parergonim 
ad Pftodectas libri n unb OngiooiD über Bin^laris 1588. 8*^ 
(Otto TbeBaorus Ed. 2 Vol. 4, 1269 s.) jeigen. Xite €ammtune 
frinct jo^lieii^ ))f|iloIogtf(^ , juriftif(^, tlieolosif^en unb 
poetif^ ©fünften, ju tedc^ec ©ettdeidieTg, 9Reennann unb 
3eiblei aus t^ren iSfl^erfi^ä^n Seitiftge lieferten (Scip. Gentilis 
Opera. Neap. 1763—1769. 8 rol. 40) ift nic^t tioOftänbig, wie 
bie Seijdd)niffe dei B^bter, SSiU unb Saglci: erge^. Bieters 
SBiffen, ^ed Uit^ unb geft^nuiffDoUe ^xfteQung 6elunben 
fufi ü&eraQ: unb man fie^t an i^m, bag ei bamatd einer 
€tubienieit im 3[u8(anbe nid)t me^i bebitcfte, um bei glütflid^n 
Sttlogen bie ^id^fte Stufe eteganter JBilbung in 3>eutfd|tanb ju 
CTcet(^. 

7. Unter ben beutf^ ©i^ülem bei grogen fcanjöfifc^en 
3uiiften finb bie ^eruorrogenbften SSalentin i^orfter, 92. SiSner, 
^ $&lteju8, Sor^olten unb ber unS nur ^a[6 jugefMirenbe 
@i)i|atituS. eigner unb ^Bultejud ^aben jenei als $rahiEer, 
biefti oli ®9ftanattfei if)ce befonbere SJebeutung ertangt unb 
iDciben in anbeten ®rut))>cn befprodien tuerben. Xiagegen reiE)en 
fi[f| an bie Uebrigen I)ier bauftufteUenben einige jüngere ®def)rte 
Ott, hxldie juxir nur atö mittelbare 6d)fl[ei ber türanjofen be* 
ieii^net oierben fftnnen, in benen aber biefer mittelbare Stnftug 
r«^ entfc^benb jetgt. (£» finb bieg ber jüngere gorfter unb. 
6. ÜtitterS^uftuS. 3>ie jüngere ©enerattDil, beren SSirfen in 
ban legten SSiertel beg 3al)r^unbert§ beginnt, je^rt fd|on in 
i^ter erften auSbifbung bon ben in franjöfijt^er ©(^ute gejeitigtcn 
ürTüditen, unb fo fornrnt eS, bag in einigen itirer arbeiten bie 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



396 S^ißiitS Sapitd. 

beutf(§e Suriftpruberiä Sriftungen aufäulprifen tfat, nwlt^e bcncn 
bcr gronäo^en mit ffit|ren an bie ©eile gefteQt locrbeit Bnnen. 
1. »olentin jjorfter') ift ol8 ©oljn beg amtmnimS 
gleichen 9tamend in ^ittoibeig am 20. Sanuai 1530 geboren, 
©eine erften ©tubien mad)te ec in feinet Slaterftabt unter bnn 
ffiinfluffe Sut^'«, aHetandit^on'S unb ^aul ®bet«'; am 14. «uguft 
1550 (not^ »nbem 1554) toatb et aRogift«. ©r foH bann m^ 
^ttbua gegangen fein, um bie Ke^le gu ftubircn, unb nai^ (timr 
^rtätift bei ©(^flcfif gd|Btt ^aben. 3>ie« Segte ift jebtnfallS 
unri(f|tig, ba ©c^ütijf fc^on 1547 aBitten&etfl Mttaffen ^atte; 
unb roenn gorftei ©^üipf'S ©diflier genannt kDtrb, fo ftitmiit 
biefl ni(^t ju ber anbem Angabe, nac^ welcher et biä jur 
SßagifteitirDmotiDn nur ^umaniftifc^e ©tubien betrieben ^ben 
foQ. ^ie vita fagt nur, bag {^oifter ftc^ ntd|t ptöglit^, fonbem 
aUmSt)i\i^ jur Suri^piubenj getnenbet, bag er bei ©^ürpf get|5rt 
unb bei feinem fpAteten %[ufent^aft in $abua in bei äRattiematif 
Unterri(^t ert^etlt ^abe. Sr ging nai^ t)|ran!rei(^ , um feine 
©tubien unter ben großen Suriften fortäufe^. 3n Soutfleä 
hjat er gteic^ ben übrigen iJeutft^en ein eifriger 3w^6rer 35uaien'*, 
ben er (Hist juris III, 41, 25) a(S Segrünber ber ed^ten fie^T' 
mettnjbe rß^mt. ffir fügt ^injit: Vita ei praecepta est imma- 
ture, üs caasam mortis dantibus, quos servarat. Mortaus est 
anno 1559 et prope Baronem sepuJtus. 3n ^oitierS (1556) 
trat er für bie SJctigionSfiei^eit ber in grantreic^ ftubitenben. 
bes ^TOteftantiSmuS nwgen nerfolgten ICentfi^en ein. ^S^tti 
Über biefen Raubet ift nii^t belannt, ba gorftet'8 „Vera relatio 
actorum in causa libertatis Germanornm, causa studionun 
in Galliis existentium et de liberatione Cuor. Marii, stndiosi 
cujusdam Germani propter veram religionem tarn iocarcerati*, 

1} Programma in fnnere T. Porsten. Heimst 1609. 4' Shmnit Ei 
vita V. Fonteri Odt bem De jurisd. Romana libri duo. HelmeL 1610. 8°- — 
M. Freher, TheaU. p.980. ©triebet 4, laSff. ¥. S)u Moi ingiyc 
mann unb 9ünl^r, Htd)iii f. b. t^oret u. pratt. »c^tSgele^aiiihii ^1 3 
©.77 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. Ißülenthi Sotper. 397 

hkI^ er in fpätem 9Uer (Heimst. 1606) publicirt ^at, Valoten 
jU fein \d)mit. Sluf {einem <9rat>ftetne ^igt eS: «natdoni teu- 
tonicae libertatem religioDis ia Gallia impetravit". 

9tac^ ber für bie tUnntjofen unglütffiifien @{^Iad|t bei 
@t Cuentin am 10. SCuguft 15Ö7 trat er, Wir Wtffen nid)t 
auft totü^n ©rüitben, in (Ft)aitt|(^e?) jttiegflbienfte. 9Iun folgen 
btOegte Sa^re. I£r burc^retft Stauen unb @)}amen, gef|t an 
feinem Serüt(inten 3urt[ten öorüber unb fleioinnt bie ®unft beS 
Sbmicanten Oon Saftilien, bet t^n bdnog ben Unterricht fetneS 
SotincS ju übernehmen, tl|n ju mam^ertei ®efä|äften uemwnbete 
unb il)n betanlagte, bie SergnKrteorbnung für bag Jhinigreii^ 
SÖl)men juin Qtotd ber STnmenbung auf bie toefttnbifc^en @oIb= 
minen in« @f>anif(^ ju überfe^. @in ISonflitt mit einem 
SRdndie btai^te i^n in bie ©efa^t, ber ^quifition in bie |>änbe 
jn Rillen; fetn ^of^er @önner fc^affte i^m rei^lidie äßittel unb 
©elegen^, bei 3eiten bai Saab gu berloffen. Sr Eam nac^ 
Sonrfle« unb toarb 1560 (ober 1559) Bon S)oneßu8 jum Sloctor 
;)iomoiittt. ^aöj S^eut^t^Ianb jurüdgefe^rt, ^idt er einige Sa^re 
lang $ri))atDor[efungen unb S)ie;>utationen in Süttenberg unb 
Sngolftflbt; 1565 trat er juerft mit fetner Historia juria afS 
€(^riftftener auf. 

Um biefe S*it etioa ernannte i^n §erjofl Sridi ton Sraun» 
fc^meig jum ^rfiftbenten bcd ^ofgerüi^tiS in äRinbcn. X)oc^ ^at 
er biefe €te(U nii^t fange beQeibet; benn 1568 narb er ali 
9lai^foIger Olbenborlj'S nac^ Starburg berufen, too er am 
9. Sebruar 1569 in ben @enat tectfiirt muibe. S^ bemfelben 
3aE|R tft er ^an; 1571/72 unb 1580 bdfeibet ec baä 
Slectorat*). Üßat^ je^njfi^riger SSiiifamEeit folgte er (Sluguft 
1580) einer iBerufung nad^ ^ibelberg, wo EoneHu« 1579 
toegen ber gehialtfamen !l)urc^fa^rung beS bit^erifd^en Selenntc 
niffeä buit!^ Aurfürft Subtotg VL feine $rofeffur aufgegeben 
iioüt. 1581 betletbete gorfter ^icr bae Mettorat, toie bie Sn= 



1) SRaidtign !tnf|in, »o auH) ütrteft äbn fehte Strufunsen. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



398 3e^trt »OfM. 

fdiiift auf bon untei t^m emeuecten @ce))ter bejeugt '). Vli 
nad) bem Xobe fiublvtg'^ baS 991att fidi Wenbete. baS Sanb 
jiiin SolDiniftmuS 3Uiß({gefä^ nnirbe unb bie Iut^fd|en $id< 
feffocen bie Uninnjitfit nnebrt oertiegen, Itgte aut^ gDifter 1583 
fein Hmt nieber. ffir jog nat^ SBormS unb Ie6te o^ aiiit= 
It^e ©teUimg olä 31e^t«confuIent, bie ei 1595 aU Stai^folsn 
89oi4tto(teii'ä nad^ ^etmftäbt berufen mürbe, Uo er im Stooembtr 
1599 Sftector toar unb nai) faft ISja^riget SStcffamfeit it 
t)o^ aiter am 26. €ctob« 1608 fein »KC^feltioaed Stbni 
befc!^[o|. Hui jUei i£f|en t)intettteg er biei @d^ne: 9}alentm 
»il^tm, ^oMfor ju Sittenberg; Sofiaim, Kotor ju amet!« 
buig ; Jtorl, Dr. jur., bei auf feinem @ute Seffen im äRet^ifdien 
lebte. aSalentin miä)dm unb ftart gaben 1610 bte Histom 
juris unb ben Tractatus de juriedictione naä) ben ^V''"'' 
xfyct& ÜBaterA ceoibiit ^eiauä^). 

©eine erfte @(^iift: de historia juris ciTÜis Romani 
libri 3 ') ifi bie am meiften betannte unb tterbtcitete unb oI* 
bai erfte €om)}enbium bei äugecen 9lecE|tiieef(^ii^te nad^ Miim&tuS 
nid^t o(|ne IBebeutung. ^a» eifte iBuc^ be^anbelt bie @ef^t(f|tc 
bei ©taatSberfaffung unb bei Leges Ui %uguftu3 ; baS jUKitt 
bie Responsa pradeatam, Senatusconsulta unb Eldicta prae- 
tonim; bad biitte Suftiman'« ^eggebung. 3)ad erfte ^ 
ift nai^ $. äRanuttuS (Aotiquit. rom.), auf ben ^iftei am 
©(^tuffe Berweift, gearbeitet. S)emfe(ben entnimmt ei au^ ben 
^e^'t bei Leges regiae. 3)en ^e^t bei Lex Julia de adulteriis 
giebt er nadi S3iiffoniu9 (Lib. sing, ad L. Jnl. Paris. 1557). 



1) $>au9, «t(4. b. UniWTf. «cibdBcTg 1, 154 Item. 160; 2, 111, 131 

2) Salenttn SBi^tlm'e So^n Salcntin (geb. 4. Sunt 1599, grt 
13. Octobei 1637) mar ^rotonolariuS ga SSittenbeta. S^t ikntalogit ift ju 
bälgten; Freher p, 1084 unb na4 i^m Änbere confunWtm bit ^'««n. 

S) gUCTft BmH. 1565. foL SMnn Colon. 1594. fol. *ltfn HuifliA 
ift Dom Snltger ttn letrjd^nig bn feh bot legten S5 Sa^mt seftoibaKii 
unb betannt gctuorbmot ^urifttn angetii'nst- MoguuL 1607. 8*. AnreL 1609. S*. 
Helmgt. 1610. 8° (Don ben Sb^ntn gorfttT'S bcfcnret). M(^t 1615. 8' 
Witemb..l62S. 8«. 1688. 8» 



D,q,i,i.:db,.GoogIe 



7. Boltntte gorftn. 399 

^ bie fibrigen leges lotrate aud^ fc^on Hotomaans, de legibus 
über. Baul. 1557. 8" boiugt Wrbra*). 3>er It^ bet 12 Sofetit 
ift nad) Orbnung uitb SBortlaut Don Oßiettbort> entlehnt, o^ne 
irinni Kominentor. Sm jBeitcn HSuc^e nimmt bie Sebtaib^d^ztibm^ 
bn Suiiften Don $a))urian 6ie aRobeftmuS bcn gr&geften 9jaum 
ein. ©ie ift nad) SKoaUiaä unb SlutiltuS gearbeitet. 3m britten 
9uc^ ft^iefet fi(^ an bie hirje Ue6erfi(^t bet 3uftiniani((^en ®efet(= 
gftmng eine audfü^rlii^e @eIeE)i:tengefc^tcf|te Don SmeriuS bii in 
tne ^entDort , in btc fomol)! bie Sanomften ali bie Segiften 
be^anbelt niecben. StuS toelt^en Oue^en fte gejc^fipft »atbe, ift 
flotter ju fagen; bie iSenn^ung (IH^dtb'S ift itoax an mandien 
@teQen unDerfemibar : allein ti ift ju nett gegangen, loemt gefagt 
ffltrb*), bofe fie meift au8 gtd)flrb ouägefdEirieben fei. Denn 
nic^t nui gtebt fie über fe^ biet me^c Sutoren äluStunft, fonbecn 
tDet(^ au(^ in ben Sßac^rii^ten über btefetben Tutoren nii^t feiten 
OOR gii^arb ab. @o tft j. ^. feine Sebenebef^ieibung beS 
Sß^tppuä S)caud fo ouSfÜtirttc^ , bag man »ennut^en mÖ<^te, 
ei ^6e bie Vita Dacii von bem ©panier granj. SSoega (um 
1523) bcnii$t, tpenn et nii^t ;um ©c^tuffe bie ungenauen 91a(!^= 
lit^ten ^ic^atb'S foft mürtüc^ »ieberg&be. Sui^ bie ßebenä» 
befdlitibung bed iSortoluS ift jtpai mit 83enut|ung gii^arb'd, 
boi^ in eimgen ©tüden felbftcmbig gearbeitet. Sä^renb nämlid) 
Sit^ttt 1355 aii XobeSjatit angiebt, bejetdfnet tfoifter ben 
13. Snli 1359 ale XobeiStag. SJ^an^e ®cabf(^ft(n fd^int ei 
auf feinen Steifen gefanunelt ju ^aben, ju benen au($ loofil bie 
beä 8artotud ge^Etrti tä ift eine fittere, an beten ©teOe fpdtet 
bie einfalle „(Hsa BartoU" getietcn ift; jene foK auc!^ baS Don 
Soi^ angegebene X)atum entfialten ^ben '). 

2)ie HiBtor. jur. civilis ift oon ©päteren oft fe^t ungflnftig 
beutttjctlt njorben. flonr. 9tittet<äf)ufiufl (Dodecadeltos) beft^ulbigt 

1) Snt^mlii^ nimmt 3)[iffcn, üeifuc^ €. 256 bte Smu^ung Don 
?ifl*iS* «mwlen <m, i«lc^ etfi 1599 — 1615 ret^ienen Tuib. 

2) Sobtgnq, <lk\i). b. xim. dttöfti im Sß.St. 3, 52. 

3) eaeifln« 6, 510. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



400 Stinte« Sofiftcl. 

Sorftei: bei ^(agiats gegen O(benborp, nxil et beffen ^ bct 
12 ^afetn o^nc %nga6e bec QueDe repuMiciite. WUein et ^t 
nur iDtebeifioIt, ttas JDIbenbor^ gegenüber betn 9JtDaQiu8 gc^ 
t)atte; freiließ mit bem Untecfditebe, bag er aui^ bie oon jenem 
tiergcf^teQte f^ftematifdie Orbnung uriebetgab. §ait getabdt mrät 
baS iSuä) uon RapertuB, AnimadTenioiies in Enchiridion 
Pomponü 1639 (Lib. 3 c. 1. 4 u. öfter) unb bon Heineccius, 
Histor. juris p. 193. — Besold, Templum justitiae 1614 No. 18 
empfiehlt eS bagegen als gute l£inleitung ben Slnfängeni !fl 
eifrigem @tubtum, unb biÜtg urt^t G. Beyer, Notit auctomm 
jurid. 1705. Spec. 3 p. 88, inbem er anertennt, bofe t3p)rfttr 
mit guter 3Ret^obe bas (Sie gcbroc^ t^be unb troQ giotter 
SKängel bo^ für feine Qdt genügenbe ©eletirfair^t an bo) 
Xag lege. 5)ic toteber^oltert Auflagen jcigen, bafj bie Hist jari» 
lange Qät ein bc(iebtefl Sel^rbu(^ gcuxfen, unb loibetlegen bie 
iBe^auptung ateinmann'ä (HiBt. litt 3, 4, 150), ba§ bie Suö' 
gäbe non 1610 bem Skrleger jur SKaculatur getoorben fei. Sine 
icbeutenbe gelehrte Seiftung ift ba<i Sud^ ftd|erli(^ ni(^t; bie 
eigene tiefere gurfi^ung fe^It. SCQetn eS ift nic^t ju tiergtffni, 
bag bie re(^tsgefc^ti^tltd|eii ©tubten in Deutfi^Ionb noc^ in btn 
anfangen ftanben, ale bied iBud), teclc^ gorftet in fpäterm 
Sauren nit^t umgearbeitet ^t, entnoxfen nntrbe. Unb olS &nn= 
penbium mug man eS un6ebentli(^ tsett f)S^ fteQm als bie 
@^iift be8 JRtDaQiud, totläjt o^ne $tan unb Orbnung gdef)ttt 
9totiien jufammentrfigt. Skrgleii^t man }. 9. ben Obfi^nitt 
über bas prätorifd^e ©biet in beiben SBerfen , fo ftnbct f«^ bri 
dtioaQiud nur ein niüfteS iDun^etnanber ; ^ier bagegen ntd|t nm 
eine georbnete, fonbern and) in baS SSefcn ber jnrisdictio ttrfrt 
einbringenb« SJarfteÜung , toefa^e ben ®egenfa^ Bon Jub dicere 
unb judicare ju erfaffen bemüt)t gemefen ift 

De jurisdictione Romana libri dao. Helnut. 1610. '^i 
1613. 1683. 8°>). gorftet §at biefeS SBetf, wie et fetbft im 



1} 8qI. G. Beyer, Notiti« mictoriiiii Spec 3 p. 99. 170L 

D,q,i,i.:db,.GoogIe 



7. «oloitin ^r^n. 401 

Singang fagt, in feinem 7g. SeEienSja^re begonnen; erft nac^ 
feintin labe ift cd oon ben @5^n ^rauSgegeben ^). Sc tmilt 
bk fitftorifi^ SntuiicEIung ber jniisdictio jeigen unb jte(|t ba^ec 
bte ganje 9Iei^t8gef(^tc^te in jetnen ^ian. 3lai} {^oru^ unter=> 
((Reibet er uter, ben menft^li^ Sebenäaltern eitf^icet^enbe 
$erioben: aUetn in bei Suäffl^ng ift ec nt^t fi&ec 9fuma 
^inouSgeloininen. 3)ennocE| ift baS W&td bid ju 690 (Seiten 
imgetiiad|)en ! @r ' fnApft näntlii^ an bte einzelnen ®efege bie 
auäfü^rlii^ften S^curfe an, toeCi^ ^ln bis auf baS neueftc 9tetf|t 
in^. @D leitet i^n bei SloirailuiS bie Unterfi^eibung bec jurie- 
dicüo publica unb priv&ta auf bie USteilti^e ©etoalt mit bem 
^(uilianec^t, @rfned)t unb iDotalcedit big jur äRocgengabe, 
@CTabe unb 3){ugt^ unb bet emancipatio sazonica nai^ ben 
iä(^fif^n Sonftttutioncn. 9htma'8 iBeftimmungen übet bie fides 
lü^ien i^n auf ben €ib; bannt fnflt>ft fitii bie S^ie Dom SBe^ 
onfe fttet^upt, in meb^e butt^ Unteifi^eibung ber probatto 
iiurtificialis unb artificialis bie 3j)ptf eingeflo(^ten mirb, toorauf 
bann unter ben SenxiSmittefn bie Uilunben Ui ju ben ^nbel^ 
bü^em befprodien mecben. 

<£S ift JU uetmut^, bog ber $[an biefeS U)eitfd|id)tigen, 
ne^ Dem ©ete^cfamfeit als tmffenfi^aftlii^et 3Ret^obe jeugenben 
Seite i^n obgetiatten ^at, feine Hiatoria juris neu ju be- 
aibcilen. 

Unter fönen bogmatifi^ @{^riften finb ^coorju^eben bie 
flb^btungen De socceeaiombuB ab iutestato ; de jure libe- 
rMnin; de osufructa, quem parentes conseqauDtur iD bonift 
Uberomm adventitiis. Baail. Iö66. fol. 

Sine ^Bearbeitung beS erften XractatS tft De hereditatibns 
qoae ab intestato defenintnr, libri noTem. Colon. 1594. fol. 
Mogunt. 1607. 1615. 4", ein umfaffenbe« f^ftematif^ SBetl 
in flaicr, menn au(^ ettoaS ft^mecffilliger XiorfteUung, bei bem 



1) JXimodf füllen S)u Sloi unb @tttebet dnc SliiSgabe Lugdun 
15B6. fo). an. 



D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



402 3<^tcS StapHd. 

t^nt mo^I 2)oneQ aU äRufter tiorfc^toebeti motzte >)■ (£i Ir<U cS 
in SBotmä uerfafet; ein BorouSgebnirfteä ©cbic^t fetneä ©o^rrö 
Siolentin ©illtelm, bamaW »legum atudiosus", preift bie bann 
bun^geffiliite nmethodns". 

3u eitD&Einen ftnb f(^(iegli(^ SonfUien, luelt^e fit^ is ben 
Consil. Marburgens. tom. 1. 2. 4 ftnben. 

!Z]ie fibrigett @d|rtften, meiftettS X^en ju 2)tSftutQtioneti, 
ttecjeii^nen ^u IRoi unb ©triebet a. a. O. 

2. Sodann »on äor^Dlteit*), ans patricifc^em ©e" 
fd)Iec^t in Lüneburg, tro fein $atei @tattu8 D. 99otc^o(ten 9lQt^ 
()en: nrnt, am 5. ä^ril 1535 geboten, ging, nac^bem er feine 
SSotbttbung auf ber 3ot|anntSfd|uIe in feiner liJaterftobt ntipfangtn 
unb in aSittenbcrg ftubirt (jatte, nadi granfi:ei(^, too er 10 ^otire 
jugebra^t ^aben foQ. ®^fi(er beS äß. Sßefenbed, ift ei, m 
feine filteren IBiograp^ bc^upten, in SBittenberg ni^l ge-- 
tvefen , ba btefer erft 1Ö69 bortI|in fam , als fBori^olten ft^on 
nat^ granfteit^ geäogeH war; ju feiner 3"' ttiirften bort Sotfonn 
@d|netbrtDin unb Soai^im bon Stcuft. 3n ^anheic^ t|at n 
fi(^ mit SJoriiebe an EujaS angefc^Ioffcn ; ob er i^n auf bit 
ijetfdiiebenen UniöerfitÖten, tteli^e biefer in raft^em Setzei buriil- 
jog, begleitet ^at, mufe ba^ingefteÜt bleiben- ®t promontrie in 
S5afel 1666, folgte bann einet äßerufung bei Stabt Woftocl dI^ 
S^nbicuä unb ^rofcffor unb beHeibete biefe Slemter mit gtüi' 
«elften erfolgen Bon 1567 big 1576. ®ine ffletufung nodl 
aBittenbcrg lehnte et ab, jog bagcgen on bie neu gegrflnbtif 
§od^ftf|u[e ju ^Dnftfibt, bei beten fetetli^er (£töffnung am 
15. October 1576 er aittnefenb »ar. 3Hit ber ©tflbt Moftorf 
blieb er in bauember Serbinbung unb bejiog oon i^r einen 3ii^i> 
geaalt. Ku<^ fonft alS Stei^tSconfulent gefutf|t unb oiel bf- 



1) CEtamtr, Mm ©Triften ©. 169 bt^upttt, gorfter Sjebe Stiit 
„abgcft^iitben" ; aber bcr ^tat^iDciS fe^lt, ba baS Sitat unbcr^nblicb ifl' 

2) SußUi 2, 237—246, J)u ffloi, ttiograp^icn Orimftäbter «rft*. 
gele^iter in ^getnann unb @itnttiei 9ii^1d 2, 1S4— 140. Sxabbt, t>. UniMif- 
Wctftod e. 626. 687 ff. 732. % b. ö. 8, 155 (Sftut^et). 



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7. »or4ortai. 403 

{(^&ftigt, Itbte et in betn auf6Iil^enben $ie(mftäbt in glönjentcit 
9kt{)&Itntffen ; ftubirenbe gürftenfd^ne fanben in feinem ftattfid^ 
^iife Sufno^e, fo bog eä mit einei |tof^attung oergtiti^en 
iDurbe. S)ie anftraiflungen feine» SerafS betje()cten üorjettig 
feint Acfifte; in ben teilten ^^ren feine^^ Sebmi Herfiel er in 
Sdiroennut^; er ftaib am 9. Dctobec 1593. 

©eine f^tiftfteÖerif^e ^^fttigleit 6egann erft in §etmftäbt 
unb jtoai mit $utiIication bon 2)iffettationen (DisputatioDea), 
HkIi^ im Sauf bet Salire jo^Iteic^ eifi^ienen unb bte @ntnbc 
läge me^recer Gommentaria bilben. @lefammelt finb fie ^auiS= 
gegeben »an feinem @D^ne @tatiu8 iBord)oIt«i (Diepatatioiies. 
Hehart. 1597. Viteb. 1602. 2 vol. 4"). ©eine etfte gröfecre 
@(^Etft tft Commentam ia cooBaetadineB fendorum. Heimst. 
1581. 4" (1591. 1596. 1608. 8% 2)ann folgten Gommentaria 
in Tit 14 libri 2 Fand, de pactis (1583. 4'^; in Tit. 32 üb. 4 
C. d. nsurlB (1583. 4°); Tractatus de gradibuB (1589. 8<>); Gotn- 
mentaria Iq IY Inatitutionam libros. Heimst. 1590. 4" ; Gom- 
ment in Tit. D. d. acquir. vel amitt. poss. Heimst. 1592. 8**. 

9iadi biefer Qät §at Sorc^olten fe(6ft nid|t8 met|t publicirt. 
@dn ©o^n ©tatiu8') übernahm im Stuftrage fetneS („senio 
confecti et magna laborum mole defatigati") 9iaterS bie 
^ausgäbe Don 3 Gommentaria (ad Tit. d« transactionibus ; 
ad Tit. de jurejurando; ad Tit. de in litem jorando), teelt^e 
ei mit einer Epistola dedicatoria (Kai. Aug. 1593) bem ^rjog 
^einri^ 3u(iuS bon Staunfäinieig wibmete*). 3n biefer giebt 
©tatiu« eine UeSerftt^t ber Schriften feineS SSoter». SMit 6e^ 
iDcgli^n äBorten nimmt er ben ©<i^ut^ btS ^erjogiS für biefe 

1) I8tb. in ERoftod 1. WAi^ 1569, (nontobiit in ^dbelbeTg 1594, $ra= 
{cÜDT bn Sta^U in ^Imfiabt tum ettoa 1596 bJ3 1601, [fjStcr gofratfi bei 
im SufHifanild in Sdle, et^mn 9tat^, Sangler beS Süiftent^mS Otniben^ 
futgeti luittr &n}DB SrT<tl>n^ lUri^ "oon Staunldineig. SobcejaEir un&tlamtt 
3ugUi 3, 347 f. 3)u ffiot 3, 90 ff. (toelc^ frim Sänften, nuitt a)ifier= 
btimiot, tmidi^ntn). «. b. SS. 3, 166 (aSut^ei). 

2) Sie fie^t Uot bei etften bcr bni genannten einzeln (HelmBt. 1693. 8") 
etfdiimenfn S^iiften. 

26« 

D,q,i,i.:db,.GoOglL"' 



404 3«4iitt4 Sapiul. 

©(^riften afä „pupilli iio^i a suo parente derelicti-' inÄnfpm^, 
inbcm et bie feinbfeligen Angriffe b^ugt, boten fein $ateT in 
neuerer 3^^ auiSgefe^t gemefen fei, hm man ein .mancipium 
Cujacü" genannt f)abt. 0:9 ^gen biefe Knf^riffe tmt bei (Ui&= 
%t\ptoitmta ÜQorliete jufammcn, roelt^e 9on^o(ten fflr Sujad 
an ben Xaq legt, eine 'Svi)ittfji\ä)ttit , w^t unVex^Oftni bit 
jlvifd^en jenem unb SoneKu^e beftt^enbe ffntmofität nat^ Sletttjd)' 
lanb übertrug. <S|)cctell tianbett eS ft<^ um bie SonttoMrfe 
über 1. 18 C. d. tranaaction. 2, 4. iBon^otten ^atte in jloet 
DisputationeB de traneactionibus (1078) bie f^UKtltd^ E)fl[Üiaie 
(£uiaji{(^e !Z)eutnng befl X3ort8 „dtra" gegen ^otomanuä unb 
^oneQuS beitreten; fie niiib aufe neue in biefen Commentaria 
ad T. d. transact. cap. 3 ausfül)rli[^ abge^nbelt, noi^btm id' 
jroifc^n ein ®d)üleT JBort^oIten'S mit einer polemtfi^ Epistola 
(batirt die natali Servatoris nostri 1692) für feinen 2e^iw ein' 
getreten mar. 

et)OrafteriM(^ fö= iiie ©d)riften ©or^oltcn'g ift bie auf 
Sujad' Hinflug ^intnetfenbe 9!eigung ju einet übermitgeub p^' 
logifdjen ^e^onblung ber Cuellen. 'S^ai ©))rac^tic^e unb 9nti' 
quorifdie pflegt mit befonberei ©orgfaU eiäctcit, bie griecf|tj(^a 
Cuellen pflegen tgerbeigejogen ju nwrben. !£>teS gilt nomentlit^ 
auii Don bem Snftitutionen^&ommentar, iBord)oIlen'd berfi^^ 
ttftem Serie, tnelc^eg fein ©ot)n ©tatiud in jweitei Slnflagi 
1599 unb in brittei 1608 mit SBetfügung ber ©ummarini 
lierau^ab. 3n ber Epist dedicatoria an ben 9iat^ bei Stabt 
Lüneburg, weldiem i<^on bie erfte Slufloge gcwibmet mar, fpiit^t 
©tatiuS von ben SSomiirfen, welt^ bem Serfe gonat^t feien: 
e8 fei aus anbeten auägefdirieben , fei ju Eutj, enthalte fnnt 
befonberen .subtilitates". Wi Stecht beftteitet ©tctiuS ben 
elften ^oruurf unb erfläit bie beiben aubem für $Dijdge: unb 
bet Sifolg ^t fein üttSfäl beftfitigt, btnn bafl SBccE ift bi« jum 
3afire 1663 in 20 Auflagen etfd^iencn, von benen eine gioSe 
3alil in Sgon, SßanS, SöTOen, louloufe unb (Senf gebrutft ift. 
3)ie gcBonbte unb flare S^atftellung ergebt fi(^ über bie ®rfnäfn 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7 aipfyiaai. 405 

«tie« 6IogeR Sommentarj} jui ©elbftänbigfeit erneS Se^tbud|S. 
Slni^ b» „Commentaria" )it ben ^anbriteittiteln ftnb felbftihibige 
9t)(|anMinigen , na^ f^ftematt^en @kftdEtt^^untten in flapitet 
gttiieUL S8 ftn^ ^ie butt^ fltanraS jur Geltung gebrachten unb 
in ttQgtineiiKn ®ebiaud| übergegangenen: defiiiiüo, divisio, causa 
efficien», vis et effectus, o^ne bofe biejetben in formafiftifc^er 
Seife ueitDenbet unb bnn^effi^ tuerbeit. 

SoK^oItcn'e ConBÜia finb tjon @tatiu$ Helmet. 1600. 
2 Tol. fol. ^randgegeben ; ber jnKite iSanb biefer @antmlung 
«itt|A(t SonfUicn bmi Mt. @t>ertnbi in Sngolftabt unb Sub. 
St^taber in 0ranffurt o. D., benen öor^olten bur^ Unterfc^rift 
beigetreten ift. 

3. ^ubert @ip^ntu3*) (^ubrei^t »an ®iffen, Obertud 
©iplianiu») ift 1534 ju öuren in ber ^roörnj ©efbem geboren, 
6r ^üt in Sftwen, Sonrge« unb 5ßari8 ^itotogie unb 3nriS' 
prabenj flubirt nnb nennt poppet, Eujoa unb ©riffoniuS [eine 
Seliret. 2)ie Äu«gobe befl Öncrej, nwlt^t er 1Ö66 (Antrerp. 8") 
als „juris stodiosns" »eronftaltete , gcprt ju ben beften, anä} 
bnitt nodi gefd)Stitcn Stiftungen auf biefem ©(biet. 3m folgenben 
3ol|r wirb er jnm Jioctor ber Äedfte in Oriean« proraoairt, 
ISO er eine Sibliot^I ffir bie bort ftubirenben S)eutfi^en gegrünbet 
baben foH. ©Irie^ baranf ge^t er im befolge beä franä&ftfd|cn 
©cfflnbten nai^ SBenebig, lernt Statien fennen unb wir finben i^n, 
mit ))bttolo8if(^n unb pI|ito|opl^if(^en ©tubien befi^äftigt, in ben 
moniiigfdltigften iBejit^ungen ju ben bebeutenbften ®elä)üm ha^ 
moliger 3rft. 3)ie in bicfen Sauren »on feiner ©eite tebf)aft ge* 
fährte Eorrefponbcnj mit bem jungen ^atricier X^omaS Me^biger 
Qtti öreälau, ber in gronfreidi ftubirt fiatte, seigt i!»n un# ai« einen 
bege^rli^en ©dimett^^, ber bie @c^tDSi^en feinet reid^en ^dnner^S 
JQ benimm Derftd)t. Sr ^at pecuniäre Unteiftü^ungen empfangen 

1) Qtibiti 1, 37ff.; 3, 130ff. H. b. ». 9, 182 FF- (^AimcT). 
3u bni in blefcr SBiDgrop^ie anscgcbtncn Quellen ift ^injujufuscn aufier 
»aflit imb fflatmunb, ViUe 2, Uff., Witten, Memoriae JCtor. 
p. mi. nofb 3. «etnii^a, ©coliflet ®. 151 ff. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



406 S^IimeS »apilel. 

unb tft bemüht, ftd^ feinem äRScenaS di 31etfe6egleitet aufju^ 
bröngen; fpätei (1569) fut^t er tiuic^ feine Senoenftimg bie 
$tofe[jut bei Gct^if in ^belBetg ju erlangen. Sm tlfrfi^a^ 
1570 lotnmt er na^ Xieutft^tanb, flagt über feine ftülflofe fiase 
unb erbietet fi(^ ju jriier feinen ^igleiten angemeffenen Xf|fitig> 
feit, um feinen QebenSuntei^alt ju ertoer&en. Snbltd^ finbet rr 
(1571?) in ©tra^urg eine anfteQung al» ^lofeffor ber SDgS, 
(Stfiii unb ^nfdtutionen. %t ben M^is^ ©treittgteiten, toüi^ 
bamalS bie Steformirten unb Sut^eraner unter @tunn'3 unb 
SRarbadi'ä ^[|rung in ©tragburg auälfim^ften, trat ®if)[|antug, 
obtDot)! Don ^auS au^ reformirt, auf beS Sefiteren @ette, tlfaii 
burc^ einen ungefc^itften Angriff ©tunn'S gereijt, t^lS ivxdf 
pti\önliä)t ^ntereffen ju Oßarbadi l^ngejogen, beffen 'Xa^Xtx 
SRargaret^ er (1573 ober 1574) ^eiiat^te. 3" ©türm toarb 
ein leibli^ Skr^ältnig burc^ iOermitttung beS iSxato Bon Srafft^ 
Iteiin. mit inetc^ ®ip^ania9 feit {fingecei ^cit in Serbinbuag 
ftanb, Riieber IjergefteUt. JJer SSerroenbimg btefeS beim ffiaifer etw 
flufiretdien SJJanneS ^atte er eS aui^ ju banlen, ba^ er 1575 mit 
einigen SJIonaten Unterfud^ungS^aft babontam, ali gegen tl|ti ein 
Sriminaloerfa^ien eingeleitet War wegen einer unttHi^ren SrjS^ 
lung in ben ßontinuattonen jum ©IcibonuS, al« boten Uttieber 
ber Bruder, Xt). Stichel tn ©tragburg, i^n genannt fiatte. ^a^ 
bem a^be feinet grau (1575 ober 1676) geriet et loegen Sind' 
gäbe ber Snitgift in ärgerlii^e Differenzen mit feinem gleidi ti|m 
dfonomifi^ peinlichen Sc^tuiegernater. @nblic^ begann mit feintt 
iSecufung noi^ ^Itborf bie gUldlic^ftc ^eriobe feines Seben«. 
9tni 1. gebruar 1583 morb er ülS professor juris eingeführt. 
€r Übttnaffm bie 9Serpf(tcE|tung, auger ben juriftifdlen aitd) p'l^o= 
logtfäie 93ot(efungen ju l^alten unb bem SUhnbetger Slatlie aU 
(Sonfulent ju bienen. 91od| in bemfelben ^^re ^eirat^e d 
Suftine Cet^afen, ^ieron. Soumgartner'S Sßit^te. ©eine SJiätig' 
Feit geprte ootjugSnieife ber ^riSprubenj, in ber er auf @nniti 
feiner eminenten pf|ilologif(Eien S)uid)bi{bung son feinen 3^''' 
genoffen aU ber beutf(^e GujaS gefeiert Würbe. Berttat n 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. m?fiaaäii. 407 

DOTjueSbiafe bie p^itotogifc^e tS^egefe, fo ^atie bei p^üofop^ifd^ 
gefi^uUe ilenner beä älei^tö jughii^ baS »oQe ^eiftSnbntg für 
ben fBtxti) ber f^nt^fcfien Stit^tung; unb bie Uebeiieugiutg, 
bog burt^ einen aScrtreter betjeffien feine eigene l^tigfeit eine 
taottn\^tt Sigfinjiing em|ifangen tväibe, mag i^n geleitet ^aben, 
aii et f^on 1583 Oergebticfi, bann niebet 1587 mit Srfolg 
3)one(rs EBetufnng nad^ STItbotf lebhaft befüitoottete. ^niein 
bai a3eiE(ä(tmg ju i^m trübte fic^ balb. 2)onea'$ oomeliine 
Strenge ^ielt öon Anfang an ben i^m antipot^ifd^e» ßoHegen, 
beffen unfoubere ISigenfdtaften i^m nic^t iKtborgen bUeben, in gc 
meffener Entfernung. ®\Spfyumi, ber bis bo^in bie einflugrett^fte 
$erfönlic^feit in ?aä)orf geluefen toor, empfonb eä bitter, ba§ 
tenem gr&|ere S^re, uoUereS äJcttrouen ju 3^eil ttpurbe. ^urt^ 
intrigante SRittel fut^te er bie ©tubenten feinem äJinaten aU 
toenbig ju mad^n; Bl^ift^enträgereien oerft^firften bie €onf(tcte, 
in vxid^ bie ©c^olart^en ^äj ^oneU'S angune^men geneigt 
toaren'); unb ha ®il?fymiu& enblit!^ too^t ffl^Ien mochte, bag 
feine SteBung erfc^flttert fei, entfc^log er fii^ 1590 eine ^c 
rufung nad) ^ngolftabt attjunefimen. ^ jog (im ^uguft) bation, 
nodibeni et noi^ buri^ SCrreftation tiatte gejtoungen meiben 
muffen, entließe fBüi^er ^rauäjug^en, otine feine ©laubiger 
ju bcfriebigen, bie er burt^ c^icandfe @tnreben Eingehalten ^atte. 
3tbet fAr bie 3Kad|t, todift @i|>t)antu8' intellectuelle ^Begabung 
anSfibte, ift eS ein Setneiä, bag 24 @tubitenbe, barunter fein 
^eroorragenbftei @d)üler Soniob 9HtteräI)ufiu$ , mit il|m auf 
bie Don ben Sefuiten betterrfd^le Unitierfität bationgogen. <St 
fejte ^ier füt biefe auSertofltilte ©djaar bie aitbotfer SBorlefung 
übet ft^mierige ©teQen beä Sobe; fort, h>&t)tenb er für bte 



1) 3" b<=" BSormüifen, bie i^m gemalt nuiben, Qti)Me, bag er bie 
«pn bn ^cultat cifmbtilen Qluta^ten allein mcii^ unb bai ®clb behalte; 
iai er lectiones priTatas für l^lb fydtt, boju bie Sffcnttic^n flubitorien 
benutz, bie @tubenten bon ben publicii lectiooibuB abhalte unb bie feinigen 
„unmoglid) mit gebü^ienbem (JleiÖ wrrit^ten Bnne". — 3)ic Ältborfer Statuten 
geftottetcn ^litnteoilefungeii ni(f)t; aber ein auebiüdlii^e Verbot beftanb 
eben fo n»nig. Stin^ing, ^.SxmeDuS ®.35f.63ff. Sgl oben S.]34f. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



408 Qeftntti Stapittl 

Uebrigen anbete läJorlefungen tiielt. 92e6cn t^m ftanb ber StoIteiKi 
9tnbiea3 ^d|tnäu3, ein tüchtiger Suttft unb m(^t iiiibä>tuttnbei 
©i^riftftea«;, ber ©ip^antuS' SertE) ju fi^a^en ougte. S^adibem 
btefer Vertretet bed mos Italiens 1597 nai^ ^a abgegangen 
toar, fanb bie ahbemifi^e StfttationgcommtfftDii an @tfit|amui 
jU tabetn, ba§ er met)r „Eritiai8" afö 3urift ^ei nnb Diele 
äRateiien anfange o^ne fte ju @ttbe ju lefen. Sennu^ßti^ tfabm 
foli^e EBeläftigungen ju ben @tünben gehört, isel^ tf|n bc> 
ftimmten, im 3a[)ie 1590 bafi alobemtfc^e fie^ramt aufzugeben 
unb als Seifiger bed Sidt^d^oftat^S noc^ $rag überjuTtf^n. 
®r ftarb ^ier 1604 nnb ^intertiefe, wie e8 ^e^t, ein SSennkien 
üon 25000 3)ucatcn. 

@i|)^niu8 mar in Sngolftabt jur tat^otift^en ^dK flber^ 
getreten unb ^atte fic^ bemüt|t, feine S^et^tgtäubigtett buidi forg' 
fältige iSeobac^hing bei fir(^ltd|en ©ebrOudie )u legitimiren. 91Detn 
man traute bem ^lunantftifi^ gerii^teten fd)lauen ^mtbertiten ni(f|t, 
jumal er in ben ©trritigteiten ber Uitiüerfität mit ben Sefaiten 
gegen biefe offen gartet na^m, niä^rcnb fein SoQege ^d|tnfiui) 
iü i^nen ^ielt. 

3n traurigftei SQJeife muffen feine ^&u^fid)en %er(|dltitiffr 
burc^ tiarttiei^igen @eij jerrüttet getoefen fein, ba $. Sauim 
gartner i^n im SRotjember 1594 jut JRebe ftcHte, »eil er foat 
(t^ttangere JJrau mifetianbelt imb jU i^ien ajernanbten äutflct 
gefdiidt ^abe unter bem %omianbe, bog fie i()m anfgebtungen 
fei unb er nic^t bie aKittel befit^e, fie unb i^re Sflüdjtovm.tn' 
fc^üft äu «narren. Sr ^at feine grau äWnr, »ie e8 fc^eint, 
niiebet ju ft(§ nehmen muffen, jeboi^ bei feiner Ueberfiebelung 
naii) ^ag fie mit ben fiinbem in Sngolffabt jurßdgelaffen, 
lijo fie 1612 geftorben ift. 

©c^mugiger ©gennug unb Unreblic^Ieit , bie fein $riMt> 
leben entehrten, imirben it)ni auc^ in literarift^en I'ingen B«' 
geworfen. Scaliger erjäljtt, ba§ e« feine ©elrotin^l gelwitn 
fei, fi^ burd] feine Qu«gebe[|nte ßorrefponbenj gelelirtcä aRaterint 
i\x Derfc^affcn, bann ben ©mpfang abjuleugnen unb e* alä b«ä 



db,GoogIe 



7. mp1i<miui. 409 

feinige ju tiuMiciren ; fo !|a6e er e9 auc^ iE|m gegenüber mit bem 
Sucrej gnnai^t. „S^ bemunbere", fügt er ^inju, „feine ®etef|r= 
foinleit unb tmabfii^ue feinett S^iafter." ÜBie eine gerechte 
iöctgeltnng erfci^t eA bem gegenüber, nafl t^m mit bem be- 
rüditigten Äafpar ©(^op^jiufi begegnete. 3Jiircf| MitterS^uflu«' 
(£m|)feE)Iiing ringeffi^, befta^E biefet gelel)rte ©auner bie t^m 
DerttauenSboD jnr S3eniit|ung geöf^e IBibliot^el be9 (Sip^aninS 
in fi^titfil^Itt^ftei äBetfe. 

SHit Ket^t ift bemcrft Worben, bofe ©tpfianiuS' ©(^riften 
im Setgldc^ ju feinem langen unb arbeitfamen Seben bem Um^ 
fang nuc^ nur gering finb. Ob er ju biel Qat auf baS Su^fetlen 
Bemcnbete ober ob er, nrie SInbere fagen, mit ber ^Blication 
jurüdlflrit, um ferne Äitjie^nngßfraft alfi ße^rer ni(^t abäu* 
ff^nui^, mag ba^ngeftedt bleiben. @en)ifi ift mo^(, bog fein 
ic^rfrä, fein gcbilbeteß Urtfieil an litcrarifdic Seiftungen ju t|0^ 
Änfptüc^e fteßte, um it|m bequeme SSielfi^reiberei ju geftatten. 
Ka<^ bet fdjou enpft^ntcn gbition beS fiuct^ (Antw. 1566. 8". 
LngduQ. 1595. 8*) unb be8 §omer (Ärgent. 1572. 8") I)at er 
außer einer großen ^aif)l Don au8ffl^rIicE|en ^efen bei @c(egen= 
flrit Don Promotionen nur no^ eine tieine @d)Tift publtcirt: 
Commentarius de imperatore Jostiniano cum indice hiBtorico 
reram Romanamm. Ingolat. 1591. 4**. fSi ift bieS feine in 
Sngotftobt gefialtene S[ntritf«rebe , Dermut^üdi in ettoeiterter 
Raffung ^rau8gegeben. ©ie erjü^It 3ufttntan'9 Seben unb 
SBirfen eingetjenb unb qucDenmäfeig , roobci ber oftgot^ifd^ 
tttieg bie ouäfü^Iii^fte XtarfteQung etfätirt. ^er ange^ngte 
Index historicas giebt eine onnalifttft^e Ucberfictit ber römiftfien 
^rfi^i^te. 

®ip^niu8 foQ feinen ©(^iiler StitterS^ufiuS teftamentarifi^ 
nut ^ausgäbe feiner t)tnter(affenett @d|rtften beauftragt ^aben ; 
eriotgt ift fie nüfri 3)agegen gab @ifi^antuä' So^n Sot^anii 
i«m ©iffen, ber fpfiter at« ©efanbter am 9SeftfSIif[t|en griebena» 
i^Iuffe "Sfjtil naf)m, aufl ben papieren feinet SäatcrS ^erauiS: 
TractattiB de diversiB regnlia juris antiqui utilissimuB. Argeat. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



410 Scotts fto^ntcl. 

1607. 8° unb Explanatio difficiliorum et c«lebrionim legnm 
Codicis Juetinianj. Goloa. Plancianae 1614. 4". SBnttioi 
Sßubltcationen fotE er fu^ Wiberfe^t ^aben, netl bie $at)tne 
feines SJatetS 9Kand|nIei entl|telten, toai fic^ mit bei fati|o^ 
(ifc^ Sleligion ni^t beitrage! 3ene EzplaDatio, in ^pikm 
ausgaben CommentariuB genannt, ift nichts ^nbeieä aU bie 
in Kltboif unb Sngolftabt gehaltene SSorlcfung. 

@g ttiiib berichtet , ba| bie bon @ip^niud btctiiten ^ 
\ä)on bei feinen Sebjeiten fetir gefud^t unb in tiielen 9bf(^ftnt 
bon $anb ju $anb gegangen feien. Sarauä erfläit cS fiiii. 
bag fie gleii^ nai^ feinem ^obe maffenE)aft ^ntblicirt mitibeiL 
^Kxf)tt gettöien: 

Lectarae Altorfinae in tit. Dig. et Cod. Francof. 16IXi. 4". 
3>eT ^eiauägebei Zof). @fammlei ^atte ben ^lud fogar fi^on 
hiij boi @it>^antuS' ^bc beginnen' laffen. 

Antinomiamm juris civilis a. DiBputatiouam ei D. H. 
Giphanii praelectionibus desumptarum libri IV. Francof. 
1605. 4". 

Aotinomiae juris feudalia s. Disputationes XI es H. 
Gipbaoü praelectionibus desnmptae. AcceBsit tractatns fea- 
dalis H. Giphanii. Francof. 1606. 4^ 

SBeibe 3Skrfe fmb nai^ ^hbalboiEefungen , bie @i)]^ti^ 
(bie erfte in Strafebucg 1578) gehalten, bon Dr. Äoitmb Cteraonn 
,artificiosa methodo-' beortcitet, ^ou§gege6en. 

Tractatus duo de ordine jndicioram etc. cura Chr. fhi- 
Richten. Schleuaing. 1628. 4" finb eine 1598 in Snflolf'aW 
noc^gefc^rietiene SSortefnng. 

iBei Seurt^Uung biefcr iffierfe baif nii^t übeife^en Berbcn, 
bafe r« nax für ben bibaftif^ SBottrog beftinunt, bon ©ip^niu* 
feibft nic^t jum 'Zmd burd^geaibeitet maren ')• Sticht nni ^' 



1) 3}a#feltK gilt Don ben Commentarii in X libros ethicomm Ariüi^ 
teÜB ftd Nicomachum. Francof. 16U8. 8° unb Commentarii in politiwnin 
opus AriBtotelis. Francof. 1608. 8» roelf^ bemungea^ld ju Iwi Mif- 
lenbften Scaibcitungcn bc4 Sfriftcrtcfee gejü^ft tonbett. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. eip^tiiue. 411 

coiTKt^ten, fonbetn au^ Wc titeite ©equemlti^Ieit bn I)flt= 
ftdlnng if* DoiauS ju erflären. $ätte ©ip^atttud bie ^ublication 
felbft Ddtbereitet, fo lofiibe ec too^t au(!^ jener nod) ^ute öfter 
dttrten SrSrtenmg ber 1. bb. C. de senteatiis quae pro eo 
qaod intere&t profenmtar 7, 47 (Ezpl&natio Cod. p. 258 s.) 
eine concifere unb etfflontete gflffunfl flegeben ^ben. 

Ein ftrengerer 5Ka|ftab barf angelegt Werben an iWei po^U 
tiume SBerft, bie ®t|)^aniu3 brurffertifl fjinterlaffen ^otte. 

1. In IV Ubros Institutioaum commentariaB abaolntis- 
simus. Argentor. 1611. 4°. 

68 ift biefe Söorlefunß juerft Fraacof. 1606. 4" fc(|(er^aft 
nat^ einem SoDegienliefte t|etau8gegeben'); bann, mit ©nniiQigung 
hti ©o^neä unb ®r6en, Bon (einem ©(^öler Sart^ol. Smenborf 
nad) bem äRanuFcri))t, tselcEjeS ®i^i)aniug [elbft jum 3)iudE be» 
ftimint ^atte, im Sa^re 1611t tS mug ba^et biefer 'Siiad als 
bie eigentliche editio princepa beltaif)tct njerben. JRamentlic^ baä 
biitte unb oierte Su(^ erfc^inen l^ier in ganj neuer ®efta[t. 
Eoä föer( jcii^net ftd^ buti^ elegante ©elelirfamleit, flate unb 
tieft Suffaffung unb richtiges SRafitiaften aus. 

2. OecoDOmia juris s. diapoaitio methodica omtiiam libro- 
mm et titalorum juris. cJTilis etc. Fraocof. 1606. Ai^entor. 
1612. 4» »). 3)er Öuc^liänbler ßoj. Seiner gab biefe ©i^rift 
aii ben ^nterlaffenen ^a))ieren ©ip^oniuä' ^erauS; bie jnreite 
aufläge ^dfmt m^ einer anbeutung in ber Epirt. dedicatoris 
jum 3nftttutionen>(£ommentar ebenfaUiS uon Smenborf befolgt 
i« fein. 



1) 3eiblci, 1, 58 lunm ciitc fluägabc Ingolstad. 1596. 1° untei ^' 
rafang auf Ladewig Tita Justiniani p. 49. SlOcin nuB bei Sombc ^meit' 
boifs gc^i dnoor, ba| Q)t(i^aniuö tei £rti}«iten Uint üuSgatit beforgt ^t 
unb bafi bie feinige bie jUKite ifl. 

2) Scibici I, 53 tmS.^1 eine fluSgabt Fraccof. 1596 unter Sc 
nifung auf MtLJAniii Epistolae p. 260. Slllein eB ift fi^n, bag bie Si^rift 
in Sttp^aniua' SA}fittn nidfi nji^ienni ift. tBgi. ^aiibolb in ^ugo'S 
tbni. SRasajin 2, 303 f. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



413 Bf^td SapM. 

2)ieft fteine 9Serf, toeiäjti ba^ fett poppet fo oft m Hn^ 
griff genommeite $co6[em, ben inneren 3ufommcRi|ang bn 
Suftinianifdien 9{e<$Ubü(|er na^jnnKt{tn , Idfen fi^ , mug aU 
bte bebeutenbfle Stiftung ©tp^aniuä' auf bem jurifttfi^tn ®etiiett 
bejeit^net toerben. ©ie aDein fcJieint mir bie gciftrge 11(6«= 
legen^eit be8 SSanneS, bie feine ^eitgenoffen empfanben, ju 
bocumentiren. S'hdit Wie feine la^ocgfinger fut^t @ip^aniuä ein 
apiiorifc^ conftruirted ©Aftern in bie SOtotem ^inetn 50 bcmoK' 
ftnrcn; fonbem ec ge^t uon ben fiiftoiif^ gegebenen $aiau^> 
fe^ungen au8 iinb legt bat, niie bie in ©efe^cbung unb Sit^ 
TQtui fiberfteferten, tt)eilS auf lattoneOen Chuügungen !>enil)enbai. 
tfieiU buidi fftahifi^e ©rSnbe toecanlagten Stnorbnungen unli 
ii8ert^i[ungen beS ©tofffl bie oeconomia ober ben ordo bn 
3uftititanif(^ dUi^tibixd)et befttmmt ^aben. ^nn tpicb in einci 
gebrängten Ueberfti^t beS Sn^attS ber !BQ(|et unb Zitel bei 
Saben , Wtldier bie einseinen SWaterien wer6iubet unb Bon bet 
einen jur anbern fottlettet, mit luenigen treffenben SBorten nfldi- 
getipiefen. @i^^aniug ift alfo burdiauS ntd)t bei SReinung. baB 
in Suftintan'd ©efe^ebung eine DoUenbete „ars juris" voilitge: 
no^{ aber, baft eine getniffe Drbnung barin ^ctrfdie, bem 
©rünbe fid^ noe^tneifen laffen. 

2)ie Orbnung ber Snftituttoncn ift burd^ @atus gegeben, 
bcffen fpftematift^e S8afi8 Jus quod ad pereonas, ad res, ad 
actiones pertinet" ©iptfaniu» gegen 5)uarenu8 , Äpc( unb 
SonnanuS t)Dlentifirenb etÖttert. 

!tßon ber !5ü(t|erja^I beS Sobef, melcfie bon ber bed Cod. 
TheodoBianuB abtorii^e, mrint ®it>^auiuS, bag 3uftinian bteSeid)! 
bie 13 Xafeln tiabe nad)a^nten iDoDen ober nur buri^ bie lijä' 
lung be« "&% unb beiS Sa^rS geleitet fei. ^ie $auptrintt)eilung 
ift Jus publicum lib. 1; jus pmatum lib. 2 — 9; jus quasi 
publicum lib. 10 — 12. "^m Uebrigen entfurirfit f«Me Crimung 
berjenigen, lueldfie in ben ^anbeften eingeffolten tft. 

^em biefe tft ti)dU bun^ ba& Sbict, t^ild burd) ben 
(£obe£ unb bie Snftitutioncn beftimmt. ^er baS Sbict ifi aud) 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. «ip^iuB. 413 

für l>en Sobe; felbft 6eftimmcnb getoefen , ivte tienn ibtxf)a.apt 
bie Sbtctöiebactioii 3!iilian'2 epoc^emad^enb getoorbcn ift fotoo^ 
für bie Ocbnung bei @efe^ammiungen als füt einen giofjen 
Xffei bei juriflifdien Süeiatur. 18iS ba^n mai bie Crbnung 
IMC Schriften bed ©a^tnuS bie ^etrfd^enbe; nnb nie tiefe fii^ 
an bie 12 tafeln anlegte, fo ^t fie niebeium auf SuKan'd 
lätctörebaction eingeuirft. Um ben $lan bei ^nb^n ju 
Oerfte^, raufe etft bie Drbnunfl bcä (SbictÄ baiflctegt wetben. 
9tun fplgt eine au&fütirlic^e !Z)arftdIiing berfelben, bie na^ 
(|li;p^antnd' äRdnung fi(^ in 10 Xfteile gltebette. $ieian ft^liegt 
fi4 bann bie oecoiioini& Faadectantm, in bei et forootil bie 
Uebemnftiminung mit bei Suliantfc|en aU auc^ bie abftc^tlic^en 
i^erfi^ieben^eiten, ttield^e butd| ben entieiterten ^Um bebingt 
maien, tieitior^ebt. 

3iun @d|Iuffe berührt ©if^oniuö bie Oibnung bei ^m^' 
mcate. äRan fiabe biefe biitfn nifi)t cctannt unb nii^t ei!ennett 
l&mten vor ^ubltcation bei ^orenttnei Sudgabe, loeld^e 3uetft 
bie Snfciipttonen boQftfinbig mitt^eile. I£ine eigentfic^e, b. I). 
fq)temati|dte Cibnung fei nui in ben elften Siagmenten einiger 
Jitel ju finben: bie ©efinitionen unb Dioifioneii feien an bie 
€(Hf(c gefteQt. 3m tk&rigen feien gleii^fam jnwi ordiaes ma^i» 
}une^men, bie bolb abtoec^fetten, 6alb buit^ einanbei gemengt 
ftien. @el9B^nlidt folgten auf jene ^e^tionen unb Xtiniftonen 
bie ben @(^itften ,ad Sabiaam" entnommenen l^es, bann bie« 
jenigcn, toelt^e ben @(f|Eiften „ad Edictnm" ange^iten. BiS^ 
loeilen aber feien biefe »ordioeB" oeimengt, inbem immer bie 
•generaÜorea et faciliores leges" ben Än^ng be8 litefS 
bilbeteit. 3n bem yoeiten ordo feien bie leges na^ bei Stei^tt' 
folge ber libri ad Edictnm an einanber geffigt. 9eibe ordines aber 
feint oft baburc!^ unterblieben, bafe Xribontan eä nöl^ig gefunben 
^bt, ®tü(fe aud anbeien ©Triften ^um Qloed bei äfenbeiung, 
Sefi^riinfung, l£rttKitenmg ber au$gef))rod|enen @Age einjufi^ieben. 

@i^^antug ift ber Sifte getoefen, toelc^ei bie ^iftoiifc^e %ra' 
bition ber ©qftematil ober, wie ei lit^tiger fagt, ber „Oeconomia" 

D,q,i,i.:db,.GoogIc 



414 Be^ntteS ftapitel. 

ertannt unb oetItanlKn ^at; ber ©rfte, mläfn bie Dibnrag btÄ 
Edictum perpetuum atd eine buidi baiS officium Fr&etoiis 
gegeliene begriffen unb jut $tnf(f|auung gebroi^t E|at. SStmi 
aui^ feine (£int^ei{ung in 10 partes ali miUffitltt^ bejncfintt 
iperben mug, \o Uäbt ho^ feine ^rfteQung baS iBefie, naS 
bis in bie neuefte ä^i* übfr biefeS ^emo gcfoflt looibcn ift, 
rongegen 3aeobu* ©ot^ofrebuä' SlabeHe (Qnatuor Fontes 1653 
p. 351 s.) unb ^inecduiS' arbeiten (1744) eben SUhfft^ntt 
bejeic^nen^). ©eine 9fu£fü^tungen übet bieOrbnung bei Sjrag^ 
mcnte miUäj entgolten bereits einige gunbumente bct 8Ia^ 
f^en ffintbecEung, fo bafe Don i^m me^r otiS »on 6uja8 flefagl 
Werben tbnntc, ba|i er fd|on „ein Heiner SIu|me" geloefen ift*]. 
4. Äonrab 0iitter«^aufen') (SRitterB^ufiu«) ift m 
26. Septembei 1Ö60 in iOraunfi^Uietg, tto fein %Qter tSanoniaJ 
unb @enior ju ®t. Stafien Mar, geboren. @r ging 1580 naij 
^Imftäbt, um unter fBorä|oIten bie Stetste jU ftubiten, bani 
1584 nat^ Ältborf, wo ®ipt)antuS an i^m ben treueffcn Schüler 
geroann. 3ftttter8^ufiu§ folgte i^m, wie wir fa^en, nad| Sngol' 
ftabt unb biaputirte ^ier im gebruar 1591 über bie dm 
®ipl)aniu8 aufigeotbeiteten S^efen de actioDibus emti et venditi 
(Ingoist. 1591. i% befu(f|te auc£| bie Corlefungen beS ÄnbroiS 
go^induä. 3n bieje So^re fallen längere Seifen, auf benen et 
naä) ^eibelberg unb SRarbutg tont, in Oeftreic^, EBdtjmen imD 
Unflam ißerbinbungen anfnül^fte. 9m 9. ©eptembet 1591 waii 
er in iBafel j^uin SJoctot promonitt. 3n bemfetben 3af|te fling 



1) ^QUliotb, übet bie fiSerfui^c iaS frOtin. SMcl ^jufMlta !■ 
$ugo'8 tMl. Vtam^ ^' 303 ff. StuboiH, 8^^- t-^äUgeti^ S,Si-: 
de jurisdictione edictum p. 31 s. 

2) ©ugo, ffl«^t8aef*#e !!■ «"?■ ®- 277. gut erflBrunfl Ktin 
bunCItn Stelle [)at mir Slutiinc mihiBlidi tüolgenbee c^H^It. ^tigD ^if 
©flOfgii^ eine üon ffllu^tne iibetfe^ene ©leite beS Sujaa bticflit^ nülga^ 
»orauf SaDign? antwortete: eB erat^c fic^ bemnoc^, l«6 Sujat f<^n .«t 
flctiier Blu^me" flemefen fei. 

3) Seibiet, Vitae 1, 150fl.; 3, 174 ff. mit auSfü^tli^eii «o*^ 
neifungen biosia))I|iF(^ Quellen unb IStrjci^nlg feinec &titi\ta*- 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



T. Jtonr. Wtterl^urmS. 415 

n mäf aitborf, ibtxna^m ^ier junai^ft bte Sorlefungen übet 
3!tftitutionen unb er!|trit, nad^bem ©cipio ©mriliä 1598 in 
^rtcr aSeienbed'« $tofeffut tootgerüat mar, beffen ©teile, »orb 
4Uid| jum Sionfulenten bti fRäxnbex%er SRat^ft ernannt. ÜSit un-- 
ennfibfit^ 8r6eit, btc feine jarte Eonftitution frü^ä^itig jerfMrte, 
Derfttti er bie ^Jflic^ten feiner Stonter unb erftredte feine Stubien' 
^ler bie ©ebiete ba $E)iIologie, ^ofogte unb SuriSfinibenj. 
IRaü) langem ffrünfeln ftotb er (25. äBoi 1613) an ber ©t^inb« 
fu(f|t, noc^ nt(^t 53 Sa^ie alt. Sr mar jtneimal bei^eirat^et; bon 
feinen 11 ftinbem fiberlebten i^n brei ®dt|ne unb jtDet ^Bc^ter 
mi feiner erften ®lie. ©eorg MittcrS^ufiue, geb. 1595, trat in 
btanbenburgif^e ^ienfte unb ujarb marfgr&flti^er ©e^eimcr ^aiff ; 
^IMmSi, geb. 1597, ftubtrte SuitlSpcubeni in SEItborf, @enf, 
Sourged unb Serben unb tvarb, noi^bcm er 1633 jum 3)octoi 
ptomooirt ttiar, 1635 ^ofeffor ber 3nftitutionen unb 1649 
^o^or ber ^anbriten in feiner ffiaterftabt , ido er am 
13. «nguft 1670 ftarb. Subtoig 9{itterS^ufiu&, ebenfaQfl ^rift, 
mir eine ^ni lang in ber 9htmBerger 91at^^=flan3{et angefteQt. 
Sie ^oben fit^ als §erflu*fle6er ber l|interlaffenen SBerte i^reft 
Saterä unb jum 3:i|eil burc^ eigene ©i^riften be&innt gematfit. 
Sine fleine ©ammtung »on ^Briefen be^S iBaterfl unb ber beiben 
älteren ©ötine tft ^rauSflegeben üon Strobel, RittershosioruiB 
epirtolae. 1768. 8". 

SWt befonberer ffiortirf« ^at SRitterS^ufiuS bie ptiitotogifcfien 
äntereffen ge^iPegt; ju ben b^utenbfteit ^^ilologen feiner 3cit, 
einem ©raliger, ®ouja, SafaubonuS, fiipfiud u. 8t., ftanb er 
in fteunbf^afttidien, butd^ eifrige ßorrefponbenj belebten iBe= 
jie^gen. 9Wit bera gelehrten ©eorg ÄemuS, ber feit 1600 
Sonfulent be^ 81at^§ Don 9htmbeig war, mit ©dpio @yentiliä, 
mit bem äRebiciner unb $^iU)fo))^en @c^eibiuS unb bem $^iloc 
logen XnbreaS S)inneT in Sntborf lebte er in regem n)iffenfi^aft== 
Ii(^ 9udtanf(|, gemeinfam bie grie<!^ifc|e Literatur )}flegenb, beren 
©pni^ er bis jur MebegewanbtlKit be^crrfc^te. S(u{^ ber f()äter 
berüi^tigte Äafjjar ©d^opfiius trat in btefen Ärciä. «(« reit^ 

D,q,i,i.:db,.Goo<iIc 



416 3«^titeS SapM. 

begabter @(^üfer f^Iog ec fic^ 9IitteiS^iiftu& an, fanb aufnähme 
in feinem ^aufe unb maib uon i^m bem &ip^ami& in Sngolftabt 
empfofilen, bcn er, toie oben berii^let, befta^I. Spfite (1&9^) 
in 9tom jum fiatl|a(ictitmuä äbetgetieten, migbiaiu^te Qi^aif^i 
einen nertrciuten ®cief feines ©oftfreunbed unb Sdftai, m 
t>effen Kii^lidie äli^tung buri^ einen SibeU (Snflotftabt 1599) 
ju Berbäi^tiflen. ©ntrüftet antwortet SRittctä^ufiu« mit einet 
„%nti'®<lSjoppm^'', eine in feinen ^Briefen oft ensftE|nte @d|iift, 
bie inbeg nur ^anbfc^riftli(^ necbieitet toutbe. 

9titter8^nfiu8 ift ein unflemein fruc^tbaccr ©i^riftfieller ge^ 
mefen; aQein bie umfängli^ere äSaffe feinet SSerfe ift etft mit 
feinem Xobe publicirt Uoiben, unb man eiftaunt ober bie güQe 
umfaffenbei ätcbeiten, todtife er 6iä auf bie te^tc ^»onb DoQmbet 
^interliefe. 3)ie ^otjen Änfprüdie, mrft^e et an ftt^ fdbet ^tt. 
f^etnen ben ($ntf(i|Iug jur ^itblicatton gehemmt ju ^aben; fie 
ift ba^ ymai einet fe^r gtogen QoiH bon S^efen unb $# 
tionen bei ©elegen^t von Promotionen, aber nur nxnigen 
anbern jutiftifc^ ©(^riften bei feinen Sebjettm jn ^I|etl g(> 
ttorben. Unter biefen finb ju nennen eine Ausgabe bea ^aulii* 
(1594. 8'>}, in bet et jum etften SRol bie augei^alb be« Srebraii 
Übertiefeiten @tiide mit aufnahm ; Progymnimmata juris (IsdS;; 
Collatio legum Atticarum et Romaaanun (1608); PartitiODes 
juris feudalis (1603). Sßorbcceitet aber jut ^blicorio« lagen 
bei feinem lobe me^rete gtöfeere SSerle, boruntcr fein umfaffenbei 
Jus Justiniaaum h. e. Novellarum expositio meihodica, \DAijti 
feine ©ötine mit einet ^bication an ben SZQmbetgei 9ial4 
^ausgaben (Argeiit. 1615. 4*). Sorongef^idt ^nb empft^lenbe 
©riefe unb ^roömien bet juriftiftfien gocultäten Oon Moftotf, 
^bingen, Seno, gfronifutt unb ^(mftäbt, benen ÄittetS^uä 
bad ÜRanujcript in ben Sauren 1609 unb 1610 mit her grogt. 
ob bie äßublication f,u münfdien fei, mitgettietit ^atte. 3)n: 
gnieiten Auflage 1629 »utbe 1630 ein SRat^ttag ^injueefügt, 
meldtet namentlt^ toctt^DoIIe Snbiceö uon bet $anb ©eorg 
3jitterg^ufiud' entplt. ERittetd^ufiuS' $Ian ift botauf getic^h 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. Äunr. «ttmfl^fiuB. 417 

mä)t raa boi gefaminten 3n^t ia 9lDDeQen f^ftemattfd^ bat' 
aufteilen, fonbem fte> ba fie bem Suftintonifd^en Steckte bie a6= 
fd|Iie|ai]>e @kftalt geben, als bogmatifi^e ©runbloge beä ge^ 
fammten Sle^tSfQftemS ju b^onbeln. (St jeclegt ben ©toff in 
lö PftrteB unb giebt Don jeber STZaterte eine f^ftemattft^e, fc^r 
anfptec^be Uriteifid^t, in tiKlc^e bie JBeftimmungen bet StowQen 
in eingdienber ^ife ehtfleffoc^ten roerben. 2n man^ Partes 
nrie j. 9. ber ben $toce& auSfü^ilidi be^anbelnben P. IX treten 
bie StffKÜea fe^r in ben ^tergninb; in cutbeten bagegen, mie 
j. 8. P. XI de praescriptiombuB, befc^rfinft flu) StttterS^ufiuä 
gonj auf iltten Sn^olt. SaEiet tft bas ^kd toeber eine 
ilo^c „Ezpoaitio methodica Novellaram" no^ ein Doltftän» 
bigeS ©^ftem beS „Jus JustiniaDam'' ; abet eS ifi jebenfaDd 
bif ttf(^6t»^bfte unb boflftänbigfte SJatfteHung beä 9ioOeBen= 
let^t«, welc^ tDtt ^oben. S>et ©tu i\t sottrefflic^ ; bie öiteratut 
nmrb DKUtgec jut 99eft&tigung als jur (Srgänjung oüegiit; einige 
Partes »erben biii(§ litetfitgefttiid^tH^e Ueberftd^ten eingeleitet. 
Hk 9rau(^bailett bes SSerfg t[t ivefentlic^ erp^t bur^ bie tion 
@eorg ffittterS^ufinS beigefügten SnbiceS ; namentlich giebt ber britte 
3nbej bie ©teflcn an, ino bie einjelnen StapM ber SWoDeUen be» 
Itnoc^ nxiben. !Corau3gef(^idt finb betn Serie fe(bft Prolego* 
mens, tn uddien auSfü^tlidi über bie @e|i^tc^te, bie StuSgaben 
imb bie SRel^obe ber SluSlegung ber 9toOeIIen ge^anbelt mtrb. 
!Rttterd[)uftu« mac^t bejüglic^ ber formalen ©filtigFeit Feinen 
Unteift^ gniif^en betn latetnifc^n unb griei^ifd^en ^e^ @r 
urirft bie ^age, ob biefei letztere @kltung tiabe, gar ni^t auf, 
beantlDßxtet fte ober ftiQf c^ffieigenb , inbem er forbert, bog auf 
ben ftrietitjdfen %e^ jurüigegangen fflerbe (Prooemium c. IV 
§6; cV §17); jetoi^ foQ ((^liefelic^ bie „sententia usu re- 
cepta" (o. V § 21) gelten. Äui^ ber Umftonb, ob eine Koöelle 
glofrret ift ober nit^t, lommt für MitterS^ufiuS nit^t in Setradit»). 



1} Sgl. SanblbCTQ, übet bte Sntftc^ung ber mtgft quidquid Don 
■gnoMit glowa. 1879. S. 63 f. 

eiiN|lig,acH.t.3n«n:gbea|. I. 37 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



418 3e^efi tta^M. 

^eniDrgegangen ift ba$ SSeif aus ^aatDoiIefungcn; ein 
Sitbes giefet bte SRomnt bet Qa^äitt an. — ©n ö^nGd|rt Snf 
tft bad juerft 1620 fmblicirte bon bent Sötoenec ^ofcffpi 
$. ©ubelinuä: CommeDtariornm de jure noTissimo libri wxi 
jeboc^ tft IHitterS^uftuä' $Ian bui^aus original unb feine %ui> 
fät)ntng bei ueitem uoijflgtic^ei. Sine fQftematif^e 3)i8^ofitJon 
^tte fi^on $. Ißratejuä in feinem ßeEtcon (Lngd. 1566. fol.) 
unb S). ©Dt^ofrebuS in fetnec Epitome NoTellarum (im Corpag 
juris) Bcrfud^t. SSeibe Wtifirt SKltetS^itfk» (Prooem. c. VI 
§2-5). 

'Uuä) bie übrigen bebeutenberen juriftifc^en SBerle 9KHn^ 
^ufius' ftnb erft nai^ feinem ^obe bon fnnen @5finen ^u^ 
gegeben. S)at|in ge^Srt bet Dodecadeltos sire in daodeciin 
tabulanim leges commentarius doths (Argent. 1616. 4"), bet 
»oflenbet boriag. 5)ie Differeotiarum juris civilis et canonici 
libri Vn (Argeot. 1616. 4") ^attc 9Ktter8^urui8 für feine «oi^ 
lefungen ausgearbeitet. @ie betianbeln bai oft bel^anbelte ^El)ma 
mit üi6erfi(§tli^er $Iuäffit)rfid§Ieit in üarer Drbnung bet SWateriot. 
^ie Einleitung giebt 91ac^ri(^ten Ober bte @ef$i^te beS Iinio> 
niff^en 9led)t« unb erörtert bie iJrage über feine ©filti^ im 
SSer^ältntffe jum rümifäien Sftet^t in ben ueltKc^en ®crici|Kn 
unb in ben Eunfiftorten ber et)angelif(^en fiÄnbct. 3)ü§ m 
After einer fe^r fc^arfen $oIemiI gegen baS pdpftlii^e ^täit t«< 
gegnen, fann unS bei ber ftr^Iid|en ©teOung be8 fSerfafieri 
nic^t Sbenafi^en. ä^om ©taubpunfte ber btba[tif<^en SRe^obt 
ift bie Arbeit Dortiefflit^ jn nennen. SaSfetbe gilt bon feinem 
faft ju ouSfÜ()rlt(^en Commentarius in InstiiDtioneB. Ai^ent 
1618. 4", ben feine .©ö^ne nac^ einem (S^oHegien^ ^aus- 
gegeben ^aben, an meld^em ber $atet, auc^ als er läng^ nii^t 
melir bie ^nftttutionenborkfung ^ieft, gefeilt unb etgfinjenb nai^ 
getragen Ijaben foU. 

UeberaS jeigt fii^ ung 9tttterS^ufiuS nic^t mir als 9t- 
Ufyctn bon retd^ftem SSiiffen, fonbem au(^ atä ein SRotm, Ixt 
hen S^Q^ feiner ^enntntffe mit @i^er^eit be^errfd^t unb met^tiiffli 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. «dl. «BH^. Sfoifttr. 419 

)ii grid>eni ttieig. !Dur(^ bie äJIct^obe ytiäjntn fid| 6efonbeiS bie 
Pftrtitiones feadales (1603) auS, ju tueldien ®t))^aniug Don ^ag 
aus cht gerabe bie met^obifc^en Üßerbienfte befi iBui^S tnürbigenbcS 
aSoitDDtt fdirieb. S)te Partitiones ftnb ein hitieS (qftematif^eÄ 
&mi))enbiiiin be§ Se^rec^tä in biologif^er ^^onn. S)ie ft)fte= 
matt{($ georbneten ^emata, in ineli^e bie jkpitef jerfaQen, ftnb 
etnan ©c^üIer als ^agen in ben äßunb gelegt. 

Jitt Soctfd^rttt, UKf^n bie beutji^e 91e^töivtffenfi$aft »on 
Clbenboip bii ju 9Kttei3|ufiuä gemad|t ^atte, tritt OieHeiii^t 
am gceifbarften t^rboi, toenn man tf|ie ©Triften über ba9 
S)ecemoicaIge[c(5 oetgleitfit. 3Ktter«f|ufiu8 (Dodecadeltos. Proleg. 
c. 6) ^t ft(§ ton bem buti^ SalbuinuiS lange 3^'' »etgeblid^ 
ti(Iäittt»ften @Tunbiirt^um fiei gemacht, bag ixt %qd ber 12 
lofeln aus ßicero ju entnehmen fei. @r Betjitfitet auf eine 
ttwitlii^ fReftitutbn, trägt bagegen jiifammen, UKiä unS an 6!itaten 
unb Slelattonen äberltefett ift, unb erräuteit 993oit unb Sn^alt 
in einfi^tiger SBeife buri^ ein reictie» ^iftorili^eS unb jurifiift^eS 
SRoterial, inbem et bie unifafjenbe feit bem legten ^alfien ^af^v 
^unbett enoai^fene ßiteratur Denoert^et. hierin Hegt fein (elb= 
ftöubige« a^etbienft, nmtirenb er fftt bie 5:ejte8lrita ba 12 Zafeln 
md^t l£t^bU(^e geleiftet unb ftcti bejüglii^ ber ft)ftentatifc^en 
Orintung an ^otomanuS angefc^toffen ^ot*)- ©eine ^eibienfte 
rat bie Ubitionen beS ^t)äbni8, Cptnan, «ß^otiuS, aoet^ius, 
SalmomtS aRaffilienfiS u. %. finb in ber Qkf^it^te ber $^t(D= 
logie anerlannt. Unter ben Sbitionen juriftifcEien S^tialtS, toeli^e 
feine ®ifyat au8 feinen papieren ))ub[icirten, [vnh nod| ju nennen 
Joannis antiqui gloBsatoris summa in Novellas Justioiani. 
Francof. 161&. 8" unb Novellae constitutiones Imperatorum 
Justiniano aateriorum. Fraocof. 1615. %". 

5. fflalentin ffiit^elm gorftet, ©o^n ecfter S^e »on 
aSoIentin tJorftct, ift im Sa^re 1574 ju SWarburg geboren. 
Uebei feinen CebenSgang tjaben fti^ nur wenig Sfad^tic^ten er< 



1) »ittfen, awölftajcl'^togmente S. 75f. 

27* 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



420 8t^w ftopiw. 

{)a[ten')' SQidlirettti fein ^aitt m 9BotniS tebte, ^at er in 
SRarbucg fhibirt; 1&89 ifl er eii ©^fllet bti boitigen $aba^ 
gogiumS eingetragen. 3m 3a^re 1594 unterjeid^net et ebt Cwmen 
vor bem Tractatus de Buccessionibus feinet SSatecS a(d ,Mar- 
burgensis L. L. studioaus". Salb batauf ift et na(| Sitten^ 
berg gegangen unb i^KX 1598 ptomo&irt teoiben. 3)ann ^t er 
langete S^it ))tit}attm bocirt unb jtoat abtoe^felnb in SStttenbetj 
unb §elmfl4bt. @ünj befonbet« »enbete er feine Xttdtigtdt auf 
bie Seitung UDn SliSfjutationen, Decmutfili^ bun^ bai SetfpitI 
XreutIci'S, ben er in Sßarbuig ge^bit tiaben teirb*), angeitgt 
unb ermut^igt. Sluä biefen Uebungen finb feine Tractationes 
Justinianeae ad Institutiones ^etDotgegangen. STui^ eine gto^r 
3at|I DDn S^efen, über xoeü^e untet feinem $tSfibium btSpuHrt 
ttJDtben ift, ^at et bruden taffcn, fo u. M. biejenigen, wdtl|t 
!^elferi(^ ^unniuS 1608 unb jbniab €aifijoni 1614 Dcrtiitibigt 
f)aben. 3m 3a^re 1608 ipor Sorfter Adjunctua facult. Jare- 
consttltorum in SSittenbetg mtt bem {Netzte, dffentlii^ $oi- 
lefungen ju l)alten, jug(ei^ 8(bt>Dcat. ©ett 1609 ift ec $rofrffoi 
unb bctleibet 1615 baS aSectorat. Suc^ a(ä Setfiget beä ^o]- 
geri(^t8 unb ©d^öppenftu^ls f)Qt et fungirt. ®r ftarb, erft 
46 Sa^re olt, am 29. Dctober 1620. S)et itjm »on fetnm 
^inbetn gefegte ©rabftein fagt: ,docuit ann. Xin", wobei bi< 
3eit feinet ©teÜung olS äbjunct eingetet^net ift. — An« feinet 
Sfie mit einet ©c^roeftet griebri^ ^ortleber'S ftammt fein oft 
mit feinem Sater unb ©rogbatet »et&iet^fcltet @o[|n SJalentin 
Sotfter, geboren in ffiJittenbetg 1699, geftorbcn bafelbft di 
^totonotot 1637. 

1) SeDoertuB, Athenae Wittebergenses p. 74. 109. 242. Witte, 
diarium biographicum 2, 25. Qlra^mann, Hnnolm b. Umvnf. eütttnbng 
2, Ö6.2U. Freher, The8tniinp.l0a4. »et Sitte ein «e^^nififciiKT 
St^ttftciL guDeiläfria finb nut bie 9Iotiien 6el ®cnneTtuB unb «idIi' 
mann, toioic bitjcnisen, tneli^ mit feinen ®(^ften un5 bnn ffiarturg» 
9(i(tiis entnehmen tonnten. 

2) Untct ben in Sieutler'S DiBpuUtiooeB genannten nefponhnKB 
crfi^nt fein Katnc fteilicQ nl^t. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. »Ol. nU^. Sorftet 421 

3n tJorftfE'S jofilreu^en ©(Reiften tritt eine entft^iebene 
Sere^ntng bei franjöftfdien Suriften, namentlich IDoneQ'2 ^erttot. 
C ^iQiger ei^ä^lt , bag er bur^ i^n jum @tubtum bcc 
Commentarü jtir. civ. ^ontWü gefü[|Tt tooiben fei. ©eine crfte 
^blicattOB War bie HiiSgabf bei Opera Corasü (Witeberg. 
1603. fol.); ^pStet gab er aaä) bte Opaacnla Palvatii (Witeberg. 
1610. 8^ tietaus. Unb unlKrfennbar ift, bag fefate Silbung 
auf bot @rg^ntffen jener burc^ bte franjöfifd^ Suriäpiubenj 
getragenen ^eiiobe ru^t unb fit^ baE|er ton ber feines CaterS 
bun^ Sieganj unb gein^eit, fotote burc^ griinbli^ere @^at> 
ffaibien unferf(^cibet. 35a er, fo biel mir roiffen, nid|t unmtttel= 
barer ®(^üler ber ftanjöftfc^en Surtften geteefen ift, fo bfirfen 
wir annctimtn, ba0 unter feinen fie^rem in SRaiBurg f|aupt= 
födirutt aSuItejuS auf i§n eingeroirft I|Qt. SJieä jeigt fit^ nament> 
r»^ in feinen Observationum snccisivanim libri duo (Witeberg. 
1609. 8»; baS erfte a3ud^ mar f(^on 1603 juerft n^xmm), 
benen felbft Soeiatbufl Otto, »el^ei fte in feinen Thesaurus 
(Vol. n p. 26. 903) aufna:^m, Änerfennung gu 3:^1 loerben 
1561 ; fie finb eine ben Disceptationea acholasticae beS aSuItejuä 
Jt^nli^e @(^rift. ©eine Tractatiooes JustiDianeae aä lostitu- 
tiooes jnriB, jucrft für bie SBitflKeber feine« .coUegium" auf 
beten ftoften gebrurft, bann Witebei^. 1604. 8' herausgegeben 
(fpöter 8. 1. et a. 12'^, finb bereit« oben (©. 136 f.) befpro(^en. 
tue mertmüibigfte, Wenn au(^ nic^t bie an fid| nertfitiollfte, 
€{E|rift ift fein loterpres b. de interpretatione libri duo 
(Witeberg. 1613. 8"; Otto Thesaur. II, 946), bedluegen, toeil 
fie uns ben im beginn beS 17. ^a^r^unbert« Iierrfc^enben 
mtt^obif^ ©tanbpuntt in fpftematifd^er Ueberftc^t b« geltenben 
unb beftrittenen ®runbf4||e erlennen tagt. S)a8 erfte S5u^ be- 
^onbctt bie „interpretandi ratio communiB" ober „phüologo* 
sophica", b. ^. btejenige, weifte ber SuriSprubeuj mit anberen 
äSiffenfdiaften gemein tft; bai& jtoette S6u^ bie „interpr. ratio 
specialis et artis ipsiuH propria e. domestica, iu jure natu 
et ab ejus iDterpretibus excogitata". 3m erften IBuc^e werben 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



422 3t^nlH SofM. 

Ut ratio interpretaadi grammatica, dialectica, rhetoiica, liisto- 
rica, poetica, arithmetica, geometrica, physico-medica etc. — 
genug bie Sfuälegung nad) ben serfc^tebenen ^fllfSnritteln eiBitnt. 
^emetfenälDeit^ ift, nai et u6er bic ratio dialectica fagt ®r 
uiiterfi^cibet bie synthetica unb bte analytica. %ne loecbt fyuipU 
fät^tii^ bei Oibnuttg unb Sint^eilung eines ganjen Scrfö ober 
erfii^d^^fenben ^arfteSung einer 3Rateiie angenenbet: unb foldie 
©(^riften nenne man Methodus ober Tractatus; Don benen ju 
empfehlen feien bie Commentaria beS Sonnauuä unb ^SoncCuS, 
bie berfi^iebenen Methodi beS ^geliuä, ^[t^ufius unb Sul< 
tejuS. ^ür bie Xcactate f(^eine ^Igenbe Sint^ilung uitb 
Otbnung bie 6efte : notatio, aequivocatio, defiaitio, divisio, 
origo s. causa ef^ciena, materia, forma, finis, effectos, sab- 
jectum, adjuQCta et adfinia, contrai-ia. 918 ^ffiiel fot(^ 
fBe^nblnng fütitt ex feinen Tractatus de domiuio, ben ei Dor* 
getragen, unb feinen TractatuB de pactis, ben er Bor 10 Sorten 
(1603) ebirt ^a5e, an: bie ißalme aber i^erbiene aßattt). Sefenbect 
in f«nen (Somnientarien ju ben $anbeften, e^ald Paratitla 
genannt, „opus unicum et aureum nee unqnam satts lan- 
datum^. 

S)aS jUeite fBud^ fteUt im erften fta))itet ben modus ioter- 
pretandi juridicuB communis s. Tulgaris bar, naä) faem 3)tfti^0R 
@ri&aIbi'S, wie oben 6. 107. 124 erörtert ift. ^ann folgt bie 
interpretatio exteosiva unb reetricUva (cap. 2. 3) ; ben ®t^Iu§ 
bilben ^unbett SRegeln her Interpretation (c. 4), Slafe in btefen ©r- 
5rteiuttgen 91. Soetatb'S %opit benu^t tutib, ift fd^on oben gefagt 
notben. Seine loci unb bie baion gefnüpften Siegeln ftbtr bte 
Strgumentation (teßen fit^ mit geringer UmfteHung aI8 Sntci' 
pretationStegeln aennenben. Qa bemerlen aber ift, bafe gorftct 
eigentlich nur im jlüeiten iSuc^e baSjentge be^nbelt, nwS vir 
^eutjutage Interpretation ju nennen pflegen, tuAtirenb in bem 
erften baS äBort in fo tuettcm ®{nne genonunen ift , baQ 
bie gefammte miffenfdiaftn^ ^etianblung beft pofittuen 91e(^td 
baninter fällt. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



7. «aL »ifS. gorfte. 423 

Unter feinen ßbrigen ©Triften ^ab nm^ ^etöotjulie&en : 
Paratitla in zä Tr^üia b. in qnataor lib, priores Pandec- 
tarum. Witeberg. 1608. 8"; angeliÄngt We li^en melitetec in 
^elmfidbt uitb aStttenberg geteitetec S^ieputationen. — Liber sii^- 
laris de nnptüs. Witeberg. 1617. 8° mit Oetfd^idwnm Stn^ngeit. 
— De sabstitationibiiB über. (1618) 8"; ongefiängt bie oben 
cm>5t)nten lültgputationen bon ^unniuS luib flonrab Saipjom 
fi6n biefclbt äSaterie. — Quaeetiones laademialeB Amad. de 
Ponte cum notis. Witeberg. 1619. S'>. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Die Sifjlematifcr in öcr jtpeiten ^älfte öcs (6. 3ai(r= 



1. BiBdtu«. — 2. 3o^. t^omoe greifliu«. — S. »tt^tb ^otfl. — 4. «ulttjn». - 
6. Iwullei:. — 6. !tlt6ufiu8. 

3)ie (^ntljetifcEie SRi^tung, werd^e in bei ämeitm §&Ift€ beä 
16. So^r^unbertS eine ftet§ toatfifenbe SRa^t ertanflt, ^at in ben 
legten oier Safirjc^nten f^ftemotiftfie SBerfe ^emorgebrar^t, beten 
Sonce)7tion boti bem <£inf(ug ber ftanjdfif^en Suriften') nur 
mittelbar beftimmt wotbeit ift. aSer^i^iebcit ifi bie ©teüung ber 
©l)ftemQtiter ber Cegalotbnung gegenflber, inbem fie [i(^ sunt 
^etl it)r Qnfd|[iegen, jum 3^ei[ bon t^i gibtili(^ abttienben. 
Sei ber 3);c^rja^[ mac^t fii^ mit größerem ober gertngeiem 
Uebergenic^t ber 9!amtgmu3 geltenb, ber in Sßa^tl, äRarburg iinb 



1) 9Iu{ki SonnanuS unt> SoiiclIuS ift ^in nw^ )u cnDü^nen VttiuB 
ffiiefloTiue 3:arafanue, ge6. uinl540in3:ouIoufe, ^iDfelfoTinea^Dre, in 
fctnn eaterflabt unb in ^nt-c^RoufiDn, wo et mit ben ^efuitm ^cfngt 
. ^tibm führte utib 1614 ftarb. 6dn giofKSSTntagma juris nniTerBi (LngdMi. 
1622. 1587. Francof. 1591. 1599. 1611. Geaev. 1623. 1639. foL) bmitt 
auf ber ^fHtufionenoTbnung. Qx neidit ober Don biefer in [d fem ab, oll n 
blt res btn persona« t)tnan|te(It, lotil [o bit Orbnung bcf bcc Sc^bpfung %f 
uefen fd; unb unter actiones ade ^nblungtn verfielt, bo^T aud) bic €i- 
tvcrbSaTten beS (Sigent^mS, bIc Sertritge, SScrbni^ u. f. tu. ^er {Ufannini' 
ftcDt. Seine Stiftematit ^at in Seutft^anb toenig Slncrfemtung stfimhn, 
bennoc^ ift fein SStert Ulel btnußt norben. Stnen HuBjiig feineS SfOtignii 
enthalt feine Univerai juris metbodus parva. Lagdan, 1583. Fnnu^- 
1699. 12". — %!. Suflicr 4, 64 ff. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Ciaelms. 425 

§et6oni guß fa|tc, twi^renb et in Jwibelberg feinen Steum fle* 
mtnnen lonnte, in J^Imftäbt mit (Srfofg fwfämpft, in ffltborf 
wtboten, in fieipjifl haiä) ein ©ecret (1603) atiS „SRamiftetet" 
unterbrüdFt lintriK*). greigiuä, SSuItejuä, $otft, 3:teutlet, 9llt> 
tlufmä fmb me^r ober Weniger oon i^m berührt. 3n i^re 91ei^ 
fle^t au(^ Sil^elnt Slobing, bet bag jus camerale nai^ 
biffet aWct^obe baiguftellen unternfl^m. SKic öjerbcn t^n inbeffen, 
ba er ftd^ auf biefed enge Z^ema in feinet S^ftematS befd^iäntte, 
nutet bie tammetgetit^tlit^n ©(^riftfteffei einreiben. 

1. ®in t)etbottagenbet <Sc^Qter Ofbenborp'S ift SItfoIauS 
SigeC) aus SEteifa in §effen (geb. 1529), bei jMjar [eine erfte 
iuri|tifd|e 9)ilbung aiA ^utobibah gewonnen unb fpätet ben 
Salbutn in ^bclberg get)ört Eiat, [i^ aber felbft gern als 
Sdiülei «nb SRadifoIget Dlbenboip'S begeii^nel. 3m 3a^ 1555 
trat et juetfl als ©i^ttftfteDec auf mit feinen Exceptionum 
fotenainm libri tres. Basil. 8', benen bann mehrere anbete 
Heinere SBctfe folgten. 3m 3a^te 1560 finben mir i^n a(8 
fie^ter in SWatbutg t^fittg, äpo i^m 1564 Dlbcnbotp bie SJoclof 
iDüibe t)erlett)t. 99is 1594 tntrfte et ^iei als $tofeffor unb kbtt 
bann, nac^bem et fein %(mt in ^ol%t oon ©tteittgfeiten mit feinem 
tloUegen SultejuS oetloten Iiatte, noc^ einige 3at)Ec als ^tiuat» 
ofltifvttx in anarburg, mo et am 10. 3ult 1600 ftar^. 

SRit Dielen Jtenntniffcn unb ungemö^nlii^em i^ieifie Dct&anb 
Sigel ein gefunbeS Utt^eit übet bie ©ebret^en bet iuttfttf(^n 
^otie unb ^rajiS. ÄGein beff^ranlten ©elftes, baju nad) 
?Irt tKbantif^ei Kutobibaften aufge^tafen Dom @tefüt)l bei eigenen 
ffifid« unb beS 95ßettt(S feinet magern ©ebanfen, hiirb et 
nii^t mflbe, biefelben immer aufs neue unb faft mit benfetben 

1) Lanuoius, de varia Aristot. fortima ed. Ehwich. 1702. Xadn 
Elivich, de raria Aristot in echolia Protestant, fort. p. 54s. ^au^, 
Offift 6. UntWtf. ^bdbeifl 3, BO. 55 ff. 

2) 3uflUt, ajeitrage 2, 79 ff. SttiebeT, §e[rif(t)e Stleftrttnfltf#l)te 
16, 323 ff., KW Me aa^t»!«^ Si^riftm SJigel'd unb i^rt StuSgabcn aufgeführt 
finb. Sc^ultt, ecf4i#t ni, 2, 27 f. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ilc 



426 ^ftcS fiapUtl. 

Sotten iu iDteber^oIen. Unt> ba et etfoliten mug, ba| mao 
juar biefe (Btbantm atä im ©anjeit iti^ttg gelten ISgt,:t^rt 
Sebeutimg aber nü^t fo ^o^ t)etan|i^Iagt, tnic bei Ui^r 
toQnfi^t, uielme^ bun^ i^ie beftSnbige ÜStebet^olung fu^ gelang' 
weilt jeiflt; fo geiät^ S3tgeltud in ein immer met)r ei^itterteS 
@d|elten unb foltern. 

2)te benagenäuxrt^en 9}ecf|ti&juftinbe ^aben nat^ 83tgel i^im 
©tunb t^eild in fef)ler^aftem Untetttt^t, t^ilS in einem UKJtnl' 
litfien Seifet be8 ^toceffe«. S)er Unterricht ift nit^t biiju aw 
get^an, ben jungen Triften fefte 91ed|tiSbegriffe beijubiüigen raib 
ju @td|er^it beg Urt^eilä l^etonjubitben; fonbern er bient nni 
baju, bte S&^igleit unb ^nft beS ^iSputirenS ju enbotcftln. 
9Ioc^ e^e bie jungen Surtften nom 9Ie(^te (elbft etaaS gelentt 
l)aE)en, toerben [te f<^on gcAbt, üliei Sle^täfä^ ju ftteiten. @d 
tommen [k bann ba^in, bog eS für fie fibcr^upt etttaS @<iDi{]t» 
gar nic^t me^r gtebt; fte jmeifeln unb rütteln an SlHem; man 
erjie^t ta6ultftifc^e Mböocatcn, a6et (eine 9tt(|tet — oratores 
et disputatores , abet feine juriscoDBuIti. Stbcr nii^t bfoft ine 
iHei^täpflege toitb buic^ bie oratores Qeibor&en, fonbetn tS toiib 
aui^ Xreu unb @Iauben im SJoUe felbft jetftfirt, unb bamit 
bro^t bcm Sieti^e bet Untergang. 3)enn Wu bie Xreue iwi^t, 
ba toaiiEt ber Staat. Unb bie @efal|r ift um fo gröger, ba bif 
Xürlen bie (Stenjen be6 Sleic^S bebiängen. 3)iefe ftiib tun 
beS^alb fo gefäfjtlic^e getnbe, meil fte an Sied|t unb Ireue 
galten unb unter fi^ einig finb. SJ^an foQe ba^ec unfere ^genb 
uon bet ^^ilofop^ie bei Sttabemüet, bie ei fjaupi^ä^ü^ mit bn 
inventio ju tf|un I|abe unb nur oratores bilbe, abtoenben unb 
fie an bie @totfer meifen, bie baS Judicium pflegten unb ^ften 
eijogen tiStten. — S)iefcä Uit^eil über bte ©totfet ift ßicew« 
^Dpit entnommen, bet cS jebodi tabelnb ^eiboil^ebt, boB i>ü 
Stoifet bte ars inTeoiendi Oema^läffigt Ifätten. Unb abum^aib 
öom SBigeliuS fagt Clbenborj) in feinen Topica legalia: nos 
hodie Stoicorum errores sequimur; quando quidem adoles- 
centes in dialecticis atque ptiilosophicis disputatiouibnB medto- 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



]. «laelhiS. 427 

criter ezercemas, Topiceo autem in disciplina civüi et verum 
ejos DBum omittimU9. 

3)ec toefentlii^fte aKangd be8 ;itocef|ua[i[{^n ffierfa^imS 
bcfte^t na^ !6igeIiuA bann, bag burd| ba^ artifulhrte Skrfa^ren 
bte Sitt&conteftation ganj in Abgang geraten [ei. Set Siä^ti 
töfe feine JKage öon Dorn t|«etn tn eine SWenge Bon ^Itttfeln auf, 
bte SeSogtet e6en \o beanttDotte, ofyit bafi jHfigei; ober fBeftagtec 
fi^ nar barfibei tnüiben, loortn ber eigentlich ©tieitfiunft 6eftd)e. 
@o fonnne eS benn, bag über ganj gleti^gfilttge IDtnge l^er^onbelt, 
bte Qnt tterlorm tocibe unb fdtfiegtic^ ber 9lt(^teT gar nid^t Otiffe, 
toaS benn eigentlich bte ju entft^eibenbe <Stratfrage fei. 2)enn 
gerabe fofd^ SSenoirrung anjuric^ten [et ßunfi imb Streben bex 
9Iebnec. — ffi« fei aber Qgit, meint BSigel, bafe man mit ber 
3}erbeffennig Smft mac^e. 3)ie Qtit [ei beioegl Don tt|eo(ogtfc|em 
©ejänle ber ^Boptften. Sut^oner unb Salbiniften , unb cS [et 
ju fünften , bag in bem @treit nm bie ^immlt[d^en 2)inge tnii 
bie Srbe an bie 3:!ürfen berrieren. 

3)aä finb hn SBefentlic^en bte @ebanfen, tueli^e Stget in 
ben Correben ju fetner Methodus juris ciTÜis 1561, [einer 
©dirift de litis contestatioDe 1573, in ben Sotteben unb 3)ebi> 
cationen jur MeÜiodas juris Pontificü 1577, Methodus juris 
controTersi 1579 unb Methodus Obseirationiua camerae im- 
perialis berüt)rt; mit giftgeter iBtttecIetI aber in feinem 91i(^ter> 
büdilein 1579 unb 1581, ber fleinen Schrift „Dom juti[ti[d)m 
Stauben. De fide Jariaconsultorum", in ber Praefatio apolo- 
getica jur Methodus duplex commentariomm Tiraqnelli 1586 
unb in bem ©effir&ti^ „^on ber 9Idmi[c^en SuttSprubenj" 1587 
UmtlAufttger ausfährt. 

leigeliuS ^at fic^ nit^t barauf bcft^änft, [einen XaM gegen 
bie übliti^ 3)tet^obe im 9[Qgemetnen augiu[pre<f|en, fonbem ftd) 
6emu!|t, burt^ eine SRei^e [e^r umfänglicher SBetfe eine beffere 
Met^obe an bie ©teüe ju fe|en. Sie loit^tigften ftnb [ein 
Methodus juris civilis unb [eine Digesta, benen als ecfter 
3Setfu(^ feinet met^obifc^ Seftrebungen 1557 feine Juris feu- 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



428 ISIfleB Sa3p\ttl 

dalis liber unas ({püter unter bem ^itel Methodas juris feudalis] 
DOTauSging. 

1. aSiflrfiuS war bec ©rfte, »efd^er in S>eutt(6(anb bie Huf' 
fteHung rine^ boUftänbtgen, ins Sinsclne gef)eitben ©QftanS untere 
na^nt unb jur SJuTdifü^ntng btai^te. Mai titS ba^tn in btefei 
91i(^tung in ^eutfd)Ianb geleiftet toax, ging &ber bas Slementött 
unb ^D))fibeutif(^e toentg ^inaug. aRan l^atte ©d^emata enl^ 
Worfen, bie als Seitfaben füc bie Se^re bienen foDten. Stgcitui 
bagegen unteinalint eS, ben ganjen ©toff, ba3 gefantmte 99{aterial 
be8 3uftinianif(^en IRe^tä nac^ feinem Sßfone 8*"^*"'^' ^iS in 
bie (Sinjel^eitcn baijufteDen. 

©eine Methodue juris civilis erfc^ien juerft 1561 id 
D|"orinu8 in ©ajel fol. unter bem 5:itel : Juris civilis absolu- 
tisBima methodus, in qua., boiie lector, Qon solum omnes 
totius juris civilis Titulos, sed et singulas siDgulorum tito- 
lonim Leges, singulos singularum legum Faragraphos, mirn 
ordioe ad suos Locos habes redactos et dispositos. Opus 
multis retro annis a multis doctisBimia viria exoptatam, a 
multis tentatum , tandem sutoris sumptibus perfectam. 
Auetore Nicoiao Vigelio, Jurisconsulto. 

S)en $[an unb Qtotd feines Unternehmen«, baS er, mie 
ber S:itel befugt, auf eigene ffoften pubticirt, fegt er unä in 
einer Sßorrebc, bann in ben SDebicotioncn, mit loelrfien jebtr 
Sfjeil beS SEBerfS öerfetien ift, feiner ©mo^n^t gemöfe be* 
93reiteren unb mit betiagltcfiem ©elbftbetimgtfetn au8 ehianber. 
SJurd) ba» ©tubiuni feines SBerfS i|offt er Seben in ©tanb jn 
fegen, binnen weniger Sa^re eine gtünblic^e Senntnig beS ßioil^ 
rechts au erlangen ; aber auä) für bie ^Ofis gemfi^re eS §iilfe, 
inbem eS Sebem ein £eid)teS fei , nacEi feinem ©Aftern bie ent' 
fc^eibenben ©efejic ju finben. @t fjebt jugleit^ ^enior, »ie not^ 
t^ei(ig bie bisher t'ibli^e Wet^obe ber ^Disputationen wtrfe. 2!er 
Se^rer pflege anetlannte Sec^tSfÜde als 3^efen onfjufteffen, 
bamit bie ©(^fller fidi übten, über biefe ^tn unb ^er jU ftreiten, 
unb baS griifite Sob pflege ber ju ernten, xoiiä)tt bie fi^orf' 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Siadiu». 429 

fmutgltm ®rönt>e gegen ein @e\^ auSfinbig mat^e. €o ge« 
nSfinten fu^ bie Stubenten „leges certas incertas reddere, 
c&vülari et dubitare de onmibtis". (SS fei beffet, btefe 3I}ett|obe 
gonj ou^ugefien unb ftatt beffen, toie et eS tt|ue, einen 9{e(f|td= 
foD mifjuftellen unb bem Sinen bie dtoVie beS ^ägetS. bcm 
Jtnbem bie {RoQe beS S^agtefi, bem Statten bie atoOe bei 
ffÜt^terS ju übertragen. 3)ie ©lünbe für bie ßlage, Stnrebe 
unb @ntf(!|eibung feien bann aü& ben Umftänben bei ^fit& ju 
entnefimen unb in einfacfien 3)ebucttonen o^ne iJorm barjulegen. 
%o [ernten bie ©tubenten bie in bei @a<^ felbft ftedenben 
Stoßen, Uinreben unb l£nt((^eibnnfleK finben unb nic^t bie Okfe^e 
imeifel^ft ju malten, fonbent fie auf bie menft^Iit^n 93ect|ä(t: 
niffe anjutoenben. £ie gebidui^Iit^en SSorte unb ^ormeln toitrben 
fte nebentier ganj tion felbft lernen. 

äRon fie^t, bag S3ige(iuS eine ganj licl^tige SSorfteQnng Von 
bcn 3i^l™ ^efl juTifttfd^n Untercid^ld t|at. ^ai SBefen beä < 
9le(^tS {oK ben ©c^filem jum iBetnugtfein gebrai^t, fein pofitiDer 
©t^olt bui(^ inneied Sierftänbnifi i^r ISigent^um roerben: unb 
bamit bieS gelinge, foQ i^nen baä 9!ei^t in feiner Xotatitfit toie 
ein tvoEflgefügted ®e6äiibe g^igt nierben, beffen eiujelne X^eile 
äebei alg not^toenbig unb jtDedmAgig begreift. 

Unter jna ciyile oerfte^t SSigeting baS gefammte 3uftinianif{5e 
Sle^t, {otDO^I hai iLffentiidie atd bas ^Datret^t. Qpc mad|t 
tnbefl biefe .duae positiones" nic^t jui ®runbeint^«[ung feines 
€l|ftem»; Dielnte^i unterfc^eibet er fo: baä jus civüe 6e[)anbe[t 
enttoebei bie geoera juris ober bie causas juris. "XAt geoera 
jetfaHen in baS jus publicum unb jaa privatum. Sene* ent= 
^tt: bie Sc^rt Don ben ©efeffen, ben maglBtratus, ben judicia 
publica et privata, Airt^, %iiaiS u. f. ». 3n biefen %^til 
alfo ge^t ber ^oceg. 

3)a3 jus privatum bejie^t [xä) enttseber auf ^erfonen ober 
@a(^. 3u intern ge^Srt bie Se^re bon ber @^e, bäterlic^er 
©ettwlt, ©Haoerei, ajormunbfd^aft a. f. ro.; ju biefem Sigen» 
t^utn, ißefifi, jura iu re aliena. 

D,q,i,i.:db,.Goo<ik 



430 Clftt* Sopttd. 

35er jlncitc §aut)tt!|ctl ent^Ht bie cansae juriß, loetclie äerfoHm 
in cauBae acquirendi, retinendi, amittendi uitb recuperaadi. 

Sie cauBae acquir. ftnb enttodKT lacraidvae ober onerosae. 
^ne enthalten bte Srbfdiaft, Segat, @c^enhutg, Srftgung; biejt 
bie ßonttocte unb SJeltcte. 

^e caueae rettDeodi, amittendi et lecuperaDdi jnris fi^t 
SSigeliuS in einen 96fc^nttt jnfammen unb be^anbelt iom bit 
@£cept)Dnen, Steftitutionen, (Sonbicttonen, Siberationen, Sapittl' 
beminuttonen. 

aiä ^Inliang jum ©Aftern erfdieinen cnbH^ jtoei titnli 
geneiales de Verbor. signif. unb de Begulis Joris. 

35er ®runbfe^lct bie^eS ©^temS liegt in bcm uidlaira 
©egenfa^ jWifi^n geuera juris unb cansae juris. @oQ im 
Slbft^nitte ber geuera juris nur bon bem Sn^otte ber SRed|tf 
bie Siebe fein, \o mügte in bem jwetten ^fc^nitte jebeS etnjelnt 
SReri^t iDtebet crfc^einen, bomit fein ®ntfte^ung8gninb angegeben 
toetbe. SUein bieS ift nü^t ber ^aä , fonbent eS toeäm bie 
fpecieDen (Snverbägifinbe be% Stgent^umä , beS Oefi^9, bei 
©eiDitnten u. f. tu. in bem %b|d|nitt Don ben ©a^en abge^bdt; 
in bem 9I6fif|nitt cansae acquireodi fielen nur bie oben fl^g^ 
fö!|rten aUgemetnen ®nt)erbJ8gTÖnbe. ffut^ barin liegt eine 3n: 
torrect^eit, bag bie Unterfd^eibung bon jus publ. et priT&tam 
nur eine Unterabteilung ber genera juris bilbet. iDanac^ I)äti( 
unter ben causae juris biefefbe Untecabt^eitung »ieber eife^infn 
muffen : aSein ^ier tnirb boit jus publicam überhaupt gar nii^t 
ge^anbelf; felbft unter ben maleficia erfd^nen nur bie Biet 
$ribatbe(tcte beS römifd^en äteditS. 

9!etini biefem ©9ftem ^ält nun üßigeliuS bie äugert ^b- 
t[)eilung bon septem partes fefl unb fuc^t baburdi einen ge< 
.wiffen <£tnflang mit ber Orbnung ber Suftintonifi^en ^tdiettm 
^erjufteHen. 

P&rs 1. JuB publicum. 

Pars 2. JuB in FarBonis. 

Pan 3. JuE in rebus. 

Pars 4, Causae Incrativae. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



Pars 5. Contractas. 
Para 6. Malefici». 
P&ra 7. C&uBae retiaendi etc. 

2}tefe Partes büben jebod| teine organischen ?tb%t[ungen 
txi S^ftemS. ©ie fmb ber ^ou^jlrint^eiluiig in genera unb 
csasae jnris untngeorbnet , inbetn Pare 1. 2. 3 ben erften 
^loupt^eil, bie genera, Pars 4. 5. 6. 7 ben jmetten |iau)}t< 
tt|n[, bie cansae juris, entl^alten. S)ie 3'i^(iing ber SBüc^er, in 
w\i)t iai Sierf jerfäHt, ge^t burt^ alle abt^etlungen bis ju 
25 ^ur^; imb Wenn aud^ bicfcäo^t roo^I ni(^t of)ne 9[bfi(^t 
ftftge^olten ift, um gerabe bie §älfte ber ^onbeftcnbüt^r bar« 
juftdien: fo tnu^ man eS bod| loben, ba^ im Uebrigen bei ber 
l^t^eilung in !9fid|er unb Ra|]itet feine äufierltd^ ©ränbe 
leitenb gewefen finb, biefe uietme^r burt^ baS öebflrfnife ber 
äßaterien bdtmgt toirb. ^a^ treffen benn au^ bie 9himinem 
btr 9fi<^et ni(^t ober nur suföTEtg mit ben entfpred^cnben ber 
^beften jufammen. @o ^anbelt baS 7. 99ui^ oom Sigent^um; 
baft 11. bon ben ISr&ft^aftsSagen, barin cap. 1 oon ber here- 
ditatis petitio, cap. 4 t)on ber qnerela mofficiosi teetamenti; 
bad 18. iBu(^ Don bem Soufcontiact u. f. n. 

tut auSffi^ning im Sinjelnen ift fet)r bürftig. 83on be^ 
grifflit^ SJebuction ift leine SRebe. @S »iib »tefme^ ba8 in 
ber Ueberfdirift beS Sut^« unb J^apitel8 angegebene 3:§emo in 
eine Steige Don ©efi^tSpunften unb ^gen jeilegt, bie Don ben 
aSgemetnen ber causa, ratio et origo, nomen et defioitio, 
spedea, eventus }u ben fpecieDen : an sit utiüs bie contractus, 
liaec actio, successio? cai competit et adversas quem? quid 
Teniat in hac actione? u. f. ro. fortfij|reiten. 3)iefe Loci btiben 
Uebeif(|riften, unter benen bonn jum 'S3)äi (urje Siegeln, jum' 
firafeeren 5^ aber cafutftif^e ®injel^eiten oljne SSerbinbung 
an einanber gerafft UKrben. SQein biefe [xxih nid^t ausgeführt, 
fonbent nur mit turjen SBorten, gleii^ ©ummarien, ongebeutet 
unb babei auf bie entfpret^ben ©teilen beS Corpus juris oer» 
Oiitfen. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



432 @l!tee ßofjitel. 

3n ben fpSteren iSeaibeitungen ^at jeboc^ ißigcIiuS ben 
Zs^t toetter ju Regulae unb Exceptioaes auSgebilbet. 3"^' 
ift e* fle((%e^en in ber Don §erra. SißinI|0Biu3 Basil. 1576. fol. 
befotgten KuSgabe; unb fettbem ift &teS bie c^aialteiiftift^ g^oim 
für alle Sompenbicn beS SSigeliuS gflootben. 

2. SDaS SJotbilb ffic biefe Umgeftafhtng bed 3:e;cteS fbibet 
fi(^ in äJigers jtnettem ^auf)tn)eite : Digeetorum juri& 
civilis libri quiaquagiota in Septem partes distincti, 
toel^e« in abt^eitungcn Pars 1. 2. 1568. Para 3. 1569. Pars 4. 5. 
1570. Pars 6. 7. 1571 bei OpotiituS in ©afel (fol.) ijttaah 
tarn. Sine f9ftematifc|e Ueberfid|t über biefeS t)oIuininCfe f!M 
geben bie 1571 erfdiienenen Partitiones juris civilia, 
Digestomm suorum rationem et ordinem breyiter demon- 
Btrantes. 

©8 liegt bem SJerle baäjetbe ©pftem $u ®nmbe wie ber 
Methodus. JRur ift (jier bie Stenberung eingetreten, ba| nii^t 
ta)ie in bei Methodus geaera juris unb causae juris bie ^5(^it( 
Sinttieilung bitben, fonbem jus publicum unb jus privatam. 
^ai jus publicum umfaßt bie Pars 1, baS jus priTatum ift in 
ben übrigen fe^S Partes enthalten unb jecffiDt in bie beiben 
^auptabfdinitte geuera unb causae'). 

Süigeliuä ^at alfo t|ier einen ei^eblidEien S^I« feiner @9fl^ 
mtttif Berbeffett, benfd&en aber bennot^ in ber neuen Searbeitung 
feinet Methodus beibet)alten. 3m Uebrigen befolgt SiigeltuE in 
feinen Digesta genau baS ©^ftem ber Methodus, unb bo^ei finS 
au^ t|iet bie fieben Partes leine f^ftematifd^ ©lieber unb bie 
9himmet ber Sßcfiec trifft t)iec eben fo wenig mit ben cnt' 



I] 2}te XiiSfiorrtioit ift nun: 
1. JuB publicum. 
3. Job priTatam 

a) Speciea jutib 
aa) perBonarum 
bb) rerum 

b) Causae jurn geuerales 

acquirendi, retiuendi, amitteudi, recuperandi. 



D,q,i,i.:db,.GoogIe 



1. m^Aiui. 433- 

IpiecEiaitwn bei $ant>dten jufaminen, obgletd) bfe ©efaimntja^' 
bitfette tft So Ijanbett Mb. 21 de remm dominio, lib. 41 de; 
emtione et veaditione. 3n ber Methodns entffjtit^t biefen j. 9.. 
baä 7. itnb 18. fBu^. HUein biefe Stbioeit^ung ht ber ^ä^iunfi 
tft nu^t imx^ eine älenbeiung bet ©^fiematil ^eibetgefü^rt, \ott'. 
bent t|at ben ganj äugerttC^en @iunb, bag uiele äRateiien, toelc^e 
ts bcT Metbodas in ein fBuc^ jufammengejogen finb, ^tei eigene 
gtfonberte SSuc^er bilben. @o entbält g. 3. in ber Methodns 
Üb. 7 domininm, possessio, usas, nsusfructus ; üb. 8 eervitates 
et similia — uä^renb auS biefen SRaterien in ben Digesta fediS: 
Süditi gemadit looiben finb. 

5)et 5*Et toeidEit bann tion ber erften ©eftalt bet Methodus 
ab, bog ^iet fui^ Reguke unb Exceptionea aufgefteltt ftnb, 
mläft bann ntil ©teQen belegt Werben, ^igeliuä begnügt fit^' 
aber nidit bamtt, biefe ju cititen, fonbem t^eüt fie i^rem gonjen. 
33oitIaute nat^ mit. 3&ir ^a&en alfo in btefent Seife ben 
7e{t ber $anbeften nac^ 9}igeliuä' Softem jufamtnengeftetit: 
unb borouS erttStt ftc^ ber groge Umfong beS aSerf». 

SJac^bem ^geliud bie regulae unb exceptioaee in bie neue 
Seoifiettung feiner Metbodua eingefügt ober oielnteEir beten ^t 
auä feinen Digeeta ^eräbergenontmen ^atte'), unterfi^teben fi^ 
biefe beiben SSerfe eigentli^ nur no<^ boburd), bog bflS eine bie 
CueOen citiit, baS anbete fie in uörtlic^em ^£te mitt^It. 

Sine neue oerbefferte aufläge ber Digesta erfc^ien 1584. fol. 

3. !i)ie Bnebetf)o[ten Sfuflagen ber Metbodua^ benKifen, 
bü^ bafl ©erf groge Öeat^tung fnnb. 3IHetn ttir erfahren ni^t 
minber aus ben tniebei^otten ^agen beS 9)erfaffer8, bag ed 
nit^t ju bem oon i^m gemünfc^ten Sinftug gelangte. üBtgeliuS 
hoffte eä ba^in ju bringen, bag feine Metbodua aU Ceitfaben 
für ben juriftif^ Unterri(^t förmlich aitertannt »erbe, unb 

1] Ztt^ ^tgt btc tluSgobe ber Metbodua Don 1576; ex ipsios 
DiEeatig denno recogniu et emeodaU. 

2) BmjL 1561. 1565. foL Lngdiin. 1568. fol. Baeil. 1576. fol. 1586. 
!A. LngduQ. 1591. foL Buil. 1606. fol. Francof. 1628. fol. 
etln^lig, gtf4b. autillinlinit. L 28 

D,:,,l,;.d:,G00gIe 



434 eiftrt ttapitä. 

em^ifQ^I fie botjet in ©ebicationen ju iebem einäetnen Suc^ 
Dielen einflugreit^n ^rfonen. ü^aueben aber bem^tet ei nni 
bon @egnet{(!^ft unb 9(nfe^tung aQn Slit. 3>i>o^ d^autitrt 
et, nnb ntand)e An ttin gerid^tete Briefe Bef tätigen eü, bog 
feine 3Ketf)obe in |]iranhctc^, Stauen unb ®)>anten gio^e 9n' 
eriennung finbe; aüein in !E)eHtf^Ianb ift biefeiS \o njenig bei 
Sau, bag Sßiget ffagt, Ute ei bui(^ ^erauSga&c feiner SSertc 
auf eigene Soften fein Setntögen ecf^flpft ^abe imt> fi(^ jn: 
ißeröffentli^ung neuer nur entfc^liegen fflnne, toenn if|m Don 
^o^en ^rren unb ©tftbten Unterftfl^ung ju X^I toerbe. Unt 
no^ int ^a^re 1593 berichtet er in feinen EIxamen Joris- 
consultorum p. 51, ba^ er nie gODOgt t^ibe, in äXotbuig na(| 
feinet eigenen iDteti^Dbe DOTjutragen, fonbem „JuBtiniftneam 
confuBionem in legeudo" beibehalten t|abe, um nic^t gegen bic 
befte^nben SSerorbnungen gu Derfto^en. 

3nbefi bwtb ißigelittd in feinen met^obifi^en Säeftrdungtn 
ni^t ntfibe. ^ 3aE)re 1577 eif^ien UetliodaB jtiris 
PoDtificii; 1679 Methodos juris controversi; 1581 
Methodu8 practicarum ObserTatioaam, S9 ftnb 
uer^altnilinägig fleine SSetfe, in benen jtiKir gemtffe Qlmnbjügt 
feine:B ©tjftemS beg Sitiilied|tä niebei erft^nen, bte aber cid 
Weniger in boS Sinjetne bur^gefü^rt ftnb. "SAt Sorm btt Sfli- 
fteQung ift immer biefelbe: in ben Kapiteln tuerben Begulae unb 
Exceptiones mit ^Belegen Dorgetragen. Seim Jus Pootificium 
finb biefe Setege bem fanontft^en Sted^t entnommen; beim im 
coDtroTersnm befte^ fie in bet Angabe bei Qjintrotxift mit 
^inmeifung auf bie ©^riftfteQer, metdre biefelbe betianbeln; in 
ber Methodus Observationum mirb eben fo auf bie ObfeiDationen' 
fammlungen öertoiefen. 

^aS Jus coDtroversum tft auS einer 9ln^ Don @amin' 
lungen ber commaaes opimooes et conclasiones gtifamnan' 
getragen; 93igel öerfpricE)t, fein SßJerl in fpäteren Auflagen ju 
üermetiren, roenn fi(^ Semanb finbe, ber i^m bie Äoften berfe- 
Sd^on je^t rO^mt er fit^ non gärften unb ©tfibten unterftü^t ja 

D,q,i,i.:db,.GoogIe 



1. JBtseÜuB. 435 

irin; onbftt ^tten i^re Uitterftfi^ung in ÄuSflc^t gefteKt, toenn 
fif juDoi eine $robe beS XSeitS geft^en Ijätten. Wi ein foIc^eS 
specimen tfifet Et 1579 bie[en DctODbanb er((^enieit. 3r t|)ftteren 
anSgabmO bon 1596 an ift bie 3a^l bet benu^ten ©d^rtftftellec 
am 24 unb bte ß''^^ ^^ 9Sd|et Don 5 auf 6 Derme^tt. 
Boranäflefc^tilt ift eine I^eotie für bie öe^anblong beS jos con- 
troTersnm im ®md)t. (St eififict [lä) ^ier gegen bie 91eget, 
b(^ man ba commonis opioio folgen foUe; benn eine8tf|eil8 fei 
ni(^t fej^ufteQen , toelt^e opioio benn bie commonis fei, unb 
fobonn fei bie commnnie opinio feineStoegS immet bte richtige. 
Sielm^ fei ju unterfc^en, ob bie ©tieitfrage eine causa 
ordinaria ober extraordinari» fei. Untec jener «rfte'^t et eine 
\o{ä)t, beren (Sntf^eibung oon bet 9tai8(egung rineS einzelnen 
beftintmten l^e^eS abfiängt; untet eztraordinaria eine foli^e, 
bei Jod^ bie ffintfc^eibung itii^t burd) ein fpecieUeä Oefeft gc^ 
geben ift, fonbem bom Smteffen beS SKi^terS ab^Ongt. Senn 
nun bei einer causa ordinaria baS betreffenbe @efeg in feiner 
SfnSlegung contxDberd ift, bcmn foQ tegelmfigtg gegen benjenigen 
nttfdfieben toerben, melcEier fii^ borauf ftflQt! tlllein btefeS fe(|t 
medfanifc^e unb fiu^Iic^e ^Brindp loirb bon bielen SfuSna^men 
burd|U(^ett. 3n ben caasae extraordinariae ^at ficfi bet 9{i(^tei 
mie uba^awpt, fo namenttii^ aui^ bet Sonttoberfe gegenüber 
nai^ Snneffen ju berljalten. SKan fiel|t, wie wenig bei biefet 
gaitjen S^eorie ^erau&fommt. 

Z)ie Hethodus obeerrationum') ift jufamntengetragen aus 
ben Cbfetbationen bon 3Äqnfinget, @ail, ^ortmann unb SBurmfet. 
Z>a§ e3 hierbei eben fo loenig als beim Joe controversum auf 
ein boUftÖnbige« Sn^tSf^ftem abgefe^en ift unb obgefe^en fein 
tarnt, liegt in ber 9Iatur bet @a(^e, bs ft^ ni^t ffir alle ^eile ge= 
nfigenbeS SRoterial barbietet. 'S)ie Methodus obaeirationnm nmfagt 

1) Bmü. 1581 8«. 1596. foL 1606. fol. 1616. fol. Fraoeof. 1638. 
foL Mi^pmt 16&2. fol. 

3) Hu»gobtit: Basil. 1581. 8<>. 1588. 8°. CoIod. 1595. 12°. 1601. 8«. 
1S20. 12« Qieat. 1624. 8". Colon. 1630. 12*. 

28* 

Dm,l,z.:d=;G00gIe 



436 'St^ti ffopfftl. 

nur 3 !Bäd|cr: 1. de legibus, magistratibuB et judiciis pubUda; 
2. de judiciis privatis ; 3. de lelitjno jure tarn pablico quam 
privato. 

4. aSigeliuä ^ot fid^ in feiner ou«gebe^nten ft^riftfteHeriii^ 
Xt)ättgfeit über alle ©ebiete beS 9te(^» Decbiettet. ©dion m 
bem ©efaflten ergiebt ftd^, bag et in (einen Berfc^icbenen Methodi 
baS Affeittlic^ ^e^t neben bem ^litiattei^t be^anbett. 9Iu{ieiban 
ober ^at er Ober jenes ein eigene^ SBerf: Institationnm 
jaris publici libri 3 (Basü. 1568. fol.? 1572. 1582. 8"^ 
I)ecou3gegeben, totläjtä nutben erften X^eil eines boQftdnbigni 
SompenbiumS bilben foCte, a6ci nit^t fortgelelt ift 23ie8 SBtrf 
entfielt ganj baSfelbe, »ad bie etften biei SSäc^ei ber Methodna 
jariB civilis belianbelten ; nur bie SlaifteUung tft eine anbtie, 
me^r auäflefü^rte unb btbaftifc^c. SSom etgentlit^en @taatflrtd|t 
ift barin toenig ju ftnben unb jioat Dom beutfd^en @taatSie(i)t 
gar nichts. Sagegen ttrirb ber kriminal* nnb (SiDtlproceg aai- 
fa^rfid) be^anbelt; bem legieren ift baS ganje jweite Sut^ b 
31 flapiteln geroibmet. X^iefelbe Stellung nimmt bet ^locei; 
in ben Methodi juris civilis, pODtificii unb controversi ein. 

35en ^roce^O ^at SSigeliuS nD(^ in uerft^icbencn taibm 
©(griffen: Exceptionum forensium libri tres. 1555. lööi: 
Practica forensis. 1558. 1570, bann in fetner 3Ibt|(inb> 
lung über bie SitiSconteftation (hinter ber Dialectica 1573) 
ganj ober ttieifuietfe be^anbelt. 

2)ie mertofirbigfte ©(^rift ;)roceffuaHfi^en Sn^aÜÄ ift ober 
fein „iHit^terbÜ^tein", ine^cS juerft 1579. 8° unb pm 
glei(!^jettig tn ESafel unb ^anffuit erft^ien. i33tge(iuS ^t biefe 
fleine ®ct|tift 1581 unb 1588 (gtonffurt) neu bearbeitet unb 
mit 3ufä^n berfeficn. 3)ann ift fie 1636 tion 83. SH. §ufmiuä, 
1663 unb 1670 oon ®. ^t. §Dmberg, 1686 Don 3o^. 3Bi^ 
©trube, 1734 »on ©. @. Sciart 6eotbeitet unb mit äuffifm 
(nomenttid) ERet^tSfdQen, bie biä auf 450 »erme^rt finb) uerfe^n 
unter bem 5:itel „®eric|tSbü(^fein" ^etouSgegebert wotben. 

1) it SBnl, »citräge S. 70f. 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Bigdlu«. 437 

9ta(^ ber Angabe Don Gerb. Säur, Progymaaemata judi- 
cionun 1607. 8<* tft bteS i£hu^ guecjt pfeubon^m unter bcm 
Ittd ,D. Jac. Paequilli ber Sauten practica 1563" 
erfc^ieBOi, bann erft m neu« öeaT&eitung unter Sügef« eigenem 
91<iinen. ^ie @^rift jerffidt in jUKt 8t6fc^nitte: Don bec „StriegS' 
befeftißung" unb oont ©etoeU; bie SJarfteBung tft bte getoölinnt^e 
nad| Siegeln unb SCuSna^men. 3m elften 9t6f(^nttt t>e!ämpft 
fßiget toie immet baS artituUrte SJerfo^ren, baä man nit^t an= 
luttenben ^abe, oSgleid^ e8 »on ber ^rojiS^ unb OefeJgeBung 
fonctioRtct fei. 2)ain toaS gegen bie natoraliB ratio tietfto|e, 
fei memaU binbenb. @i Derlangt eine ftreng logifdie unb ^räctfe 
©lietwnntg bei ^ge, Siniebe unb ganjen üßer^anblitng, beren 
Song er tu biefcm erften Ä6f(^nttt barlegt. SJag bie föcfifif^en 
Son^itutionm (Const. 1, 2. 10) tnjisif^en bie attiMtrte ftlage 
Deiboten unb bie fpecieUe £iti8conteftation Dorgefc^rieben Iiatten, 
jiebt [einem flompfe eine neue ©tflge. ®aS 28erfd^en ift ein 
fiofiiiläied $riKe|^nbbud| , baS in jebec neuen iSeacbeitung 
DoImninSfei geworben ift. 9nge^ängt ift ein ,,@ef^i3(^ Dom 
älti^terbfiditein'' juifd^en einem .orator" unb einem Suriften, 
in ttieli!^ bie betannten StuSfäQe gegen bie r^oratores" ttiieber> 
tc^itn. 

5. ^ai Stiminaltei^t unb ber (SiiminalpcoceEi finbett 
bei Si^el überall im Bffentli^ fRe^te iliitn fßlag , affo im 
elften Su^e ber berfdiiebenen Methodi unb bei Institutiones 
juris publici. ©(jeden aber ift bem ©trafret^te unb ®traf= 
fJiDceffe eine met^obift^e Bearbeitung bei Carolina geratbmet: 
CongtitntioneB Garolinae pablicoram ju-diciorum 
in ordinem rbdactae cumque Jure commani collatae. 8" (1583. 
1590. 1596. 1603. 1613). 3)iefe ®(^rift ift meilteficbig aU 
eine« ber erften ©pfteme be» beutft^ ©trafrec^tS. SJie Sln= 
orbnimg ift biefdbe ttite in bei Methodas ; bie fünf erften ^pM 
t>e^bebi SQIgemeineS unb bai ÜBerfa^ren, bie fed|S folgenben 
einjelne ffierbret^en. Äut^ !(ier toirb ber ©egenftonb in fürje« 
(ateinifcEien 9tege(n unb baju ge^ßrigen Speditionen bargefteHt, 

c,q,i,i.:dbvGoogIe 



438 Cfftce ItaifiiUl 

ba benen jui SSe^tfittgung <BttUm bti rfimtf^n unb Eanomfc^ai 
91«^» unb @c^iiftftener cttirt, bie Sttiffl bcr Carolina aba 
biöitli^ beigefügt ttwrben. I£r 6emüt)t ft(^, bte Uebeieinfthnmimg 
ber C&roliaa mit bem jus commaoe b. f|. bcm römifi^ 3t«f|t 
ju ieigen unb jene auS biefent jn eigängen unb ju ecUuttm. 
3)ie l£tgent$ümlid|Ieiten bti ^einlic^ @eri(^töotbnung mtg^n 
i^m burt^ud ; ja er rfi^ntt in bei SJocrebe, bog Jtaifei Jtail V. 
auSbritcflii^ uecocbnet fjait, bag „cauBae criminales Becoadnin 
JOB commune Romanornm dijudicareutur". ^Dagegen ,iiotbs 
ferre constitutdones a Romano jure alienaa novaeque consne- 
tudinea pati inolescere, nihil aliud eet quam rincala Imperii 
Bomani dissolTera". SlS ein äkibienft Sigel'S toi^ cd E>e> 
jeic^net*), bag ec bie Schien botn Jßeifudr, 3utef^nung, 3Mit< 
cungS' unb ®cf|Sifungfigrünben, ©tiafarten ju nnem aKgetneiiKn 
X^ei(e Seibunben (c. 1—5) unb b« (Sibrteirung bei einjetoni 
iBeibredien Dorauägefc^idt ijait. SUetn, uie oben angegttitn, 
tie^anbeln jene ßafiitel ^au;)tfäi^Itc^ ben ißroceg, bie aUgcmetiKn 
£e(|ren nur betläufig, ^ai fdner @9ftemattt ci^ietUe Sob ift 
baliei Do(|I etnjuf(^rfit^n '). 

6. Um Süger« loiffaifd|aftIid|e XE|ätigCeit ganj ju fiba- 
fdiauen, mflffen mir not^ fetner Dialectica juris (1573. 
1581. 1597. 1620. 8") flebenlen. a>ie iDioIett« serföDt i^m 
(nai^ Slgiicola) in iioei $auf)ttt|ct(e: bie expoütio unb a^- 
meatatio, b. E). bie Aunft ber 2}arfteSung unb bn 9taai' 
fflt)ning. 3)ie Iet|terc icrföQt miebct in bie inventio unb boi 
Judicium, bie £eE)re uon ben SetoeiSgrünben unb wm ÜTäfA 
ober St^tult. €o le^rt SJiget benn bie 2)iaIc[dE in 8 Sß^m: 
EIspOBitio, Inventio, Judicium, unb erläutert bie Sc^ifätie an 
junftifdien 9eif))teten unb loBitHc^en VQegattDnm ber iBmii<^ 
Duellen. 

7. Xro^ aÜ ber ))o(temben Sln^reifungen, mit bcnen 8is^ 
feine €d|riften tn bie IBelt f^idte unb bie aCntvenbintg fdnn 

1) Sgl, aSttt^ter, «cmeince 9tn^t @. 88f. 
ä) ^Hlft^ntT, bae fntuft. ®trafnd)t 1, 131. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



1. Wsdin«. 439 

aSct^obc, bie iBefettigung ber oratores als teQte $ülfe gegen 
ben Itmfturj beS ditt^i hutäj bie S^ÜTfen btingettb emttfo^l, 
mu^ er eä erteben, ba^ feine ä^ä()ungen gecobe in feinem 
ntgften SirtungShetfe oaa isentgflen Sdietfennung fanben. ®dne 
Geltung in bei gacultät aar uon jelier gering; er fdbft bdlagt 
fic^, ba§ min iE)n nit^t aI8 Sluriften getten laffen teoOe. 2>at|er 
lammt eft mo^I, bog unter ben von ^Itejud gefammdten 3ßar< 
burger <£onfilJen feinS Don i^m [v^ befinbet ^ie Kespon- 
Bornm jaris Centoriae IV, fflel^e er ein 3a^r Bor feinem 
%oU (Fraacof. 1Ö99. 1620. 8') ^auSgab'), enttialten Irine 
ConfUicn, fonltem Vno^fen fuij gefaxter Casus ob« jum 'SJfäi 
fingirter Stet^tSffiQe. ©eine anjüglic^e @c^reibart neranlagte bie 
^cultät fcE|on 1580, Dennut[)lic^ opegen be^ bem @krid|t^6üc^Ieitt 
betgefügten ©efpräc^S unb feinet „Sflc^IeinS Dom juiiftif^ 
■ glauben", if|m ju eröffnen, bag er o^ns bie Srlaubnig berfelben 
nit^tft bnufen [äffen bürfe. SßuUejuft' ^olge unb gemeffene 
^urüif^altung ft^einen il)n toorjugflueife geretjt }u ^aben. 919 
btefa 1590 feine JuriBprudentia Ifatte bnicfen taffen, in beien 
(Einleitung er bie oerf^iebenen 3Re'tt|oben ber Stef^tfittiffenft^aft 
befpro^^en ^atte, ofjm bt& üStgeliuä au(| nur ju gebenfen, fom 
fein (BroII jum S(uSbru(^, unb jtoar um fo Htigec» ba er in 
ber Jompmdeatia nur eine "^ia^afyamnQ feiner Summa totiuB 
JnriBprudeDtiae Romanae (^inter brm @efprä(^ Dmt ber ifimifc^en 
3Hri«tinibeni 1587. 8") fe^n ttoDte. (Sr Iie§ im 3fl^re 1593 
fein Examen Jurisconsultoram ccfdieinen, eine ®i^rift, in ber 
er nac^ lu^i 3uf(^>ii>'>^fiff"'t9 ber äReifmale eine^ fünften 
im ©egenfo^ jum orator eine Sammlung Bon 23 ©riefen, »elt^e 
bie Xnerlennung unb iBetounberung feinet Methodus auiSfprec^en, 
t>rröffentlid|te unb am @tf|Iuffe mit großer ®d^rift feinen ganjen 
3i)m über bie „Sycophantae et Oratores", bie it)n Derfotgen, 
»crleumben unb ^robfeßcn, ergofj. 9Itfl SBeranlaffung biefer 
^ublication begeidinet Sigel felbft jenefl 9Ber! beS 33u(teju« unb 



1) Sic nflc Stntuiie roai ft^on bcn Decisionnm jorii coDtroversi 
lex. Fr&ncof. 1596. 8° bttetfügt 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



440 Slfus ftopiltl. 

iefonberä beffm (Sinfeituitg , tventt au(^ o^ne feinen Flamen js 
jiennen. ^ie8 unb bie @kttngfd|ä§ung , mit ueli^ei iit eiaon 
t>er SBriefc') (p. 41} auSbrüiHti^ gerabe SJuIteju» qI8 da 
%ät|er Sln^finger ber atten äRet^obe genannt, JOIbenbot)) unb 
SßiQti bagegen a(3 btejenigen geprtefen Waten, beten 91atnen Ut 
UniDerfitfit 3Katburg über ganj tSutopa tieifi^mt gdnad|t ^ttm, 
gab Shtitejuä ben @ninb gu einer Snjunenflage *) , bie nai^ 
SnterDention ber lanbgräfKi^en Slfit^ als ßoiniittffarien bonrit 
enbete, bag Sigel, nad^bent n Sfbbttte gettian, feineS "iimti m& 
ißenfion entlaffen würbe {7. ?tprtt 1594). Die ®d|rift, »d(^ 
ben SJcudort nid^t angafi, roarb auf aSerlongen be« 6affdifrf|oi 
^ofS in 0rantfutt unb f8Q\tl confiScirt unb ift ba|n j^i 
feiten'). Die „Sulogien" auf feine 9ffeti|obc ^at et inbefa jum 
^weiten Wlale in feinet Jnrieprudentiae Romanae 
Buspensa hedera. 8" (Hanov. 1596. 1614) abbtuden laffen. 
dfui ber anifigltc^e @rief Oon ©uiftebt ift ausgefallen, bagegen 
ftnb einige anbere ^injuget^an. 

$igel ^at feine Slbfe^ung ntd^t lange überlebt, ©eine 
(S^riften finb angeseigt t-ei Sugler 2, 82—97. ©triebet 16, 
332 ff. 

2. Sodann Stfoma« greigiu«*), ©o^n be« Dr. 9MdL 
gteigiu:^^), 1543 in gretburg geboren, fd)ite nad) bem %oit 
feines aSaterS löö2 mit ber 9Äutter in feine SSaterftabt jurüd, 
»arb l^iet 1554 immatticutitt, eriongte 1557 ben iöaccaloHrcat 
unb 1569 bie 2Kafltftetwfirbe. ?llS feine ße^ter in ben oltnt 
^piaä)tn unb ben übrigen 3)iSci))linen bet %rttftenfacultät nennt 



1) JacobnB Suislediua D. K. Vigelio. Qrevebroci II. Not. 158?- 
S) »9(. iaS attenftüd bei ©ttieber 16, 823 f. 
3) €ie finbrt \idi auf ber Sibliot^I gu Stlangm, wo ii) fte benu^l^ 
unb naäi ©Irirbet out^ in Eafiri. 

6, 861 ff. Zeltoer, Corrector, eruditor. Cent. p. 2078, Zeidlei.'Vllu 
1, 1 B.; 3, 128. ®*ttiber, ®c((^. b. UniOerf. &reiburfl 8, 36. 2311 
W«ddiDgtOD,IUmusp.l93.393.142— i7T. H. b. 8.7, 341 (etinftinB)- 
5) ©, oben ®. 172. 



D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. 3i^. X^onue ^isiut. 441 

tr 3t>4<utncd Wartung unb ©tateanuS. ©d^oit 1562 übernahm 
n SorlefuBöCTi fÜKV bie niebete UMoIdttf unb cri(ielt 1564 bie 
$iofeffui bei latrintfc^en ©catnmatä, 6efu<!^te baneben, une ti 
bie ©tatuten bet Ärtiftenfacultät Dorfdirieben , jurifttj^e S3i)t= 
lefungtn. @in oft niiri>erf|oItei än^mn ift ti, ba^ 3<^f'u<^' ^^ 
f(^Dn 6ö fdner ®e6urt nit^t me^r lebte, . (ein Sehtet gewefen 
fei. ®te jurifttfi^e gfacnltät in grciintfl ^ttc bomalS (eine 
^orragenben Jhr&fte; bie befte meiste nix^ BoHu^' ®^fi(er 
Dr. S^obott ötnift (t 4. Dctobcr 1564) (ein, ben greigtu« in 
mer ©tcgie als [nnen Se^cer preift. 

eine fd^tttere Slugcnbjeit log hinter i^m: frü^ (etneS fflater« 
beraubt, mar er bavi) bie gUKite <£tie fetner ^Dtuttei in ungfinftige 
Ser^tniffe geraten, nnter benen aui^ jein geringes aSennögen 
wrioien ging. 3n biefen Sauren berlor er feine SDhittec unb 
iOei @(^)Deftent an ber ^t: ein Liber tristiam, Qagenbe €!&= 
gien entlialtenb, toat feine erfte ^(icotion (1564. BaeiL 8»), 
beffen jawite Auflage (1583) ouc^ feine le^jte Würbe, ©ein 
tm^ifinblj^, leibenf^aftlit^ erregtet Xem^eiament ^at eS Der: 
I)inbert, bog feiner reii^en 99egabung unb grogen 9Irbeitäfraft 
bie Sifolge ju XE^eil »urben, mel^e feinem aufrit^tigea Streben 
ju ttfinfciien getoefen Ȁren. SBie er feine hiiffenfcl|aftli^cn 3n= 
teieffm jerfpittterte, fo tiennnten mit Steijbarfeit begonnene unb 
otine ©tfitigteit bon^gefot^tene Sonfitcte bie befriebigenbe Snt' 
nriiKung feiner Sugecen Sebenflwr^öltniffe. Kber auc^ mit el)ren: 
^^er Xreae ^ot er nnebeif)Dlt feine dufiere ©teQung fetner Ueber^ 
jnijung jum Opfrc gebrotfit. ©(^on mäf feiner erften änftellung 
gab ti {Reibungen (1566), toeil er ftd) bem ^eriömmÜ^en Se^rplane 
nii^ ffigte. SIS bann im folgenben So^re bei Sib auf bas 
Xribentinum tum Ü^ Verlangt inurbc, ben ei feiner UelKijeugung 
nad) nüft leiften tonnte, ging er naäf Safel, wo er eine Qtii 
long 9l^oci[ E^rte, feine juriftif<^en ©tubien fottfet|te unb am 
3. 9(uguft gum Doctor jaris promouirt Würbe. 

3n bemfetben Sa^ie hifipfte fü^ bie SJerbinbung an, Weldie 
für SteigiuS' SebenSrü^tung entf($eibenb würbe. 3m ©pätl^eibft 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



442 (ElfM Xa^tA. 

1568 fam $etei Slatnue na^ Safel unb ueitDcilte bort bot 
Qt&^tm 3^etl beS fofgenben ^xS. Sr äberbioc^te ^reistni 
einen 93rief feineS Sc^iegerbaterS, bti IHaÜjonaHUxi CäooQi 
@(^tedenfnd|S in ^eibuig, bnt KonutS bei friner Stoc^reijt 
lennen gelernt ^alte; if|ie peifönfü^ 93eji^ungen, fpfitei bnidi 
fBrieftvec^fel gep^egt, nntxben bie ütnigften. diamaU gebcntt bH 
jungen t^FTCunbe« in feiner Sef^reibimg Safel« (Baal. 1&71) ol« 
eines ^offnungäooKen, E)Oc^ftrebenben jungen ®el^rlm, niä 
gieigiud, Don Setrunbentng ^ingcnffen, watb fortan bei be^ 
flcifterte Sünger befl JRamtänmS — feinem SWetftct au^ borin 
ä^nli^, bag er fi(^ ber oerfditebenften S"'^* ^^ ffiifieni 
mittels ber Slialelttt ju bemächtigen ftrebte. ©eine @titbiot 
bet)nten ftc^ tiiin nun an Aber 3Ma[eftiI, ytijetoTH, <ß(|Uologie, 
SEßat^atä, 91atumiffenfc^aften, @efc^i(^te unb Suii^ViubRii 
bis ju ben neueiren ©prat^en auft. %ii äbtmaS in ber Sai- 
tl^otomäuSncu^t 1572 ben 3:ob gefunben, gab Sreigiuä me^im 
©^rtften beSfetben tt)ei[S in U)ieberI|otter Suflage, tf|ei(s iKn 
tiecauS, namentli^ Fraelectiones ia Ciceronis oratioaes. BasL 
1574. 1575. 4** (benen er eine SebenSbefc^ietbung beS 9tami 
beifügte) unb bie Profeasio regia h. e. septem artea liberales etc. 
Baail. 1576. fol. Sr liebte eä je^t [tu) ben @iben beS ^müi 
ju nennen, eine iSegei^nung, ju ber er burdi briefliche Sillä' 
lungen feines 3ReifterS berechtigt ju fein glaubte. 

3m $er&ft 1570 mar ininif^en ^etgiuS nad| greibnig 
jurfl(fgdeI»Tt unb ^atte junäcfift bie augeioibentfidte ^ofeffin 
bei niebeien ^ale!tif unb $oIttiI erhalten. 3m folge:^ Sn^R 
Uarb if)m bie $rofeffur ber @t^i[, 1573 aucfi bie beS Drganon 
juget()eilt. Snbeffen Eonnte eS ni^t ausbleiben, bag ^xä%m' 
offen befannte unb in ben fiSorlefungen bertretcne Belehrung be* 
SlamuS in ^j^reibutg um fo me^i ju äletbungen fälirte, aU biefn 
Wegen feinet Zuneigung ju ben Hugenotten oui^ ftn^lit^ vn' 
bai^tig f[{|ien. <Sin gioifc^enfall trieb bie ©fiannung jum ^mä^- 
3ni 3uni 1575 ^atte ^igiuS eS übentonunen, einem @Önntr 
ber Unioerfität, 3o^. 91nb. u. ©djUanbai^, bie Sett^enretK ;u 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



2. 3»^ Xfy>ma{ gnighie. 443 

Iialten, erfnl)! atwi am Xage ivtüoi, bag ber 93erftorbate bra 
Sefintcn eht Segol audgefet)t ^abe. Staii cntfi^ffen eiOfiitc er 
nun bent 9tecto[, uitt« Shifnibung feineS i&oattipti, bog ec bte 
91ebe ni^t ^en btetbe: „ego oolo ampUus veetriB paerilibus 
DDgiB inHirire". ß")^ SeconttDDxtung sejogett, mugte er Dom 
Senate aadf baiübet SSoittiürfe t|ören, bag et in fetnra SSor« 
Itlungoi ftatt be& Striftoteltö ben SlamuiS rebeu (äffe: unb olö 
n borauf o§tic Sntft^ulbtgungen feine SSortefungen ganj ein< 
ftente, Jparb i^m feine Sßtofeffur entjogen (3uli 1575). ffit bot 
nun jUat, i^ tocntgftenS ein ^traorbinariat )U gel>>äE)ren. 
begann ober juglei^ o^ne Genehmigung bei juciftifdien gfdcuttät 
$ritKitt)Oi[efungett über bie 3nftituttonen ju galten unb befi^lvoc 
babur^ einen neuen ©türm gegen fi^ ^auf. ©i^bm geieijt 
gdong eä i^m ntc^t, in ben amtli(i|en üßet^anblungen bie nt(|ige 
^tung ju beumi^reu; buri^ trofiige SlnlUorten ^audgeforbeit, 
bcfditog bei ©enat, i^ als eibbmi^ig unb ttbdUfc^ Don bei 
Uni»CTftt£t ouSjuf^icgen unb ' feinen Flamen in ben aKatrifeln 
jH ftieidiea. £>en Stubenten uurbe beibotcn, feine ^tiKtttiot- 
lefungen ju befut^, unb bie ©tabt aufgeforbeit , i^m i^ren 
€<^ |u entjte^. 

SieigtuS ging nad) Safel juiüd, uo et als (Xoncctot in 
ben iDrudemen feinoi Untei^It fanb unb flc^ mit ISifec liteia' 
rif^en arbeiten Eingab. Unter SInberm ^t er bamals bie 
Synopsis Basilicorum, tDcIdie SeundaDtuS 1575 ebiite, 
CDtrigict unb äberfe^L <Sx fagt, fte fei unter onberem Stomen 
gäimtt, unb f^etnt ben SeuttcIawuS beS ^(agiatfl ju befc^ulbtgen 
(f. o&en fla|>. 6 @. 239). 3n btefefbe 3ett f&Qt auc^ feine iBe< 
aibcitung beS 3'^fiu^f bie er bem Stümberger 9{atf| Uibmete, 
ald biefcx i^a im ^bft 1576 an @teQe beS berftorbenen l£rQ< 
tf)riu8 jum 9lector beS (S^mnafiumä in 3((tborf berief, ^ie 
günftige SSenbung feines ©(^idfalS t)eri)anlte er ben Hhnpf^» 
lungtn be^ 9(ugSburgei ©c^uIrectorS ^teron^mnS 9Bolf, eines 
&d|fl(erd beS ffiamuS , fowte ber Sennitttung beS 99afUiuS 
Smtrbot^ unb auberer'greunbe. lieber MugSburg, wo er bie= 

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444 <£lf1e<! ftafiitcl. 

felbe @aftfreunbfi^aft fanb, tveli^e Doc fe^S Sa^cen^. ^amui 
genoffen, reifte et naä) Sl&mbtxQ unb tootb am 30. MoMmbti 
1676 in fein neues 9mt «ngefOIirt. SBenn eS in feiner Sntrittfl^ 
tebe ^n%t, bafe er „a typographico praelo et aratri stdTa ad 
dictataram literariam" gerufen fei, fo bnrf aud biefer it^etO' 
lifc^en SSenbung, bte nur ber beigefügten Skrgtetci^ung mit Sin^ 
rinnatuä ju Siebe gebtau(^t ift, niä)t, uie t& oft gef^ie^t, gf 
fotgett tttcrben, bafe er bei JBafet ol« ®auer gelebt ^abe. SSefHmmt 
genug fagt er baneben .tjpographiae totam me devoreram", 
unb in feinem ötiefe an 3. 9R. Dltinget (TOdri 1576), in 
toel(^em er feine ©(^idfate erjä^tt, ift nur Oon literarifi^ 
arbeiten bie SRebe. 

greigius ^irft in Slftborf tit|itofof>l^ifc^, t)f|itoIogtfi|e ui^ 
juriftifdjE aSoriefurgen mit beftem ffirfolge. ©atb aber gab eS 
aaäj ^ter SIeibungen jbiifcfien ben Striftotelifem unb ben 9iamiften; 
baju fam 1580 ein perfönlicEier Eonftict {JreigiuS' mit ban 
Sefuitenjögling S^riftian JJranrfen *), bcr fic([ bamaW bem Sßro- 
teftantiSoutS^ jugebKnbet ^atte unb um eine ^Stofeffut in 2[t= 
borf bcmlt^te. Xro^ tlrteigiui^' SBarrtung geftattete man i^ in 
SMmberg SSorlefungen Aber Äriflotelifd^e Soga ju fialten. Hui^ 
fonft mugte J^gtuS ma()me^men, ba^ bi< 9lfimberger ©^Q' 
larc^en ber ramiflif^en 3Rett)obe nid)t geneigt maien; im 3af|R 
1582 Warb fie ben ÄUborfet «ßtofefforen gerab^u wrbotnt'). 
^uä) bie äußere €tel(ung be$ ^igiuS er(itt ungflnfttge Sei- 
finberungen. "^ai Sttborfer ©^mnafuim kwtr 1580 jur Vlaixm 
eilfobeR unb bamit fein ©i^uIrcctOTat ^infSQig geworbnt; baS 
erfle alabemift^e Siectorat loarb burd) Ma^ bem Don ^belberg 
berufenen SE)cologen ISbo ^ilberü^ bon 83arel äbertiogen. Ser> 
ftimmt imb erjürnt Mrlongte greigiuS im 9Rfli 1582 feine ®irt> 
laffung. @r ging abermals nat^ iSafel jurfid unb trat loieber 



1) Sfit übn i^n Sill, 9!unib. IMt1)Tttnlt0im 1, 459f. Apii 
s Prof. philos. Altd. p. 61. 
3) Ann. mBC p. 19.22.34i. €tinSine, ^. Slontflue @.S3. 



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2. 3o^, £^aS ^giuS. 4:40 

als Sortector in bie $ennc)>etrif<£e Zlrudem ein. "Hui ben 
Srirfoi beS 3ot). 3ac ©t^näuä ^Öien Wti, bog bie ^afelei 
i^Tennbe btefen tafc^ Schritt bebauern unb mig&UIigeii , aber 
nii^t üfierraft^t finb, fonbetn feinem SItborfet 9IufentI|aU bie 
loTje Tiauei DoiauSgefagt ^ben. ißergebenS 6emfll)te fi(^ Sieigiu8 
um eine älnfteUung bei bem SRartgtafen uon $aben; auf bie 
tilebij)te $Tofeffut bet St^tf in Safel mai^te et fic^ Hoffnung; 
bie ¥eft entriß t^ brci ftinbcr. iBon St^merj unb 5Rot^ ge« 
bcngt, fiK^te er ^roft in einer neuen Bearbeitung feined Llber 
tiiBtiiim. SCber noc^ toä^renb bed ^rudS warb er felbft om 
16. Sonuar 1583 tion ber töbltdien AtauF^eit hingerafft. 

JreigiB« ^at fein hirjeä'&ben mit einer ftauuenänwrt^n 
litetarifdien 3^ti^eit auf ben tterfc^iebenften gebieten auiSge< 
füDt. Skrjeic^niffe feiner ^ublicotionen über fiogi! unb $£(üo= 
fD|i!|ie, 9!aturhitffenfd^aftcn unb ©efc^tt^te, Sfuägaben »on Dbib, 
^erfinS, Sicero ; @^t^te, ©i^ulreben unb Ueberfegungen ftnben 
fi^ bei Säia, Kopitft^ unb 3ctbler. ©o »eit btefelben nid^t Äug' 
gaben von älanuiS' 3Bec(en (bgl. Waddington, Ramaa p. 442 
bii 477) ober Ülat^bilbungen berfelben ftnb, serfolgen jie in 
i^rei flbeHDiegenben SRe^rja^I ben ^ed, ben 9taini8muä tu ben 
wtft^iebenen 3ti'eiflen bet aStffenff^aft jur ©eltung ä« bringen. 
€ie entölten bemnat^ nii^t fetbf^btge tjroil^iingen , fonbem 
bibaftif(^ SMrftenungen bed gegebenen ©toffä nad^ ramiftifdler 
3Rett)Dbe. ^eS gilt in&befonbece out^ von feinen juriftifdien 
@(^rtften. @ie ftnb ju bibafttfc^en Qtotdm gearbeitet. (£i vertritt 
bie l^ftemotifäK STOct^obe in ramifttft^er Sonn; ober er t)at e« 
nii^t Derfudit, ben gcfammten @toff in ein eigene^ Softem ju 
bringen, !9Sir fteßen fie int i^olgcnben jufannnen. 

1. Methodica actionum repetitio, cnm praef&tioae 
Freigü. Badl. 1669. 8". 

2. Partitiones juris ntriusijue. Basil. 1571. 
löst. fol. Sä tft bieS eine Beaibeitung bei MethoduB hti 
fiotirab CaguS, noc^ raiuifttfdfet äßanier tobeUarifd^ f(^emati< 
lirnib, über Wel(§e (^on oben (©, 300) berid^tet Wotbw ift. " ' 

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446 ^M SofM. 

3. TteutDG Practica Juris unb ^ormutat ob« 
Soncepten allerlei, in jmen t^eil abget^fet. etc. ^vxä) Z>^. 
^om. 3c«9en be^ber !ft«{|ten ©ortor unb bet Sß^ÜofopIie^ 
^feyfor äu gre^buifl im »rifegoW. Safel 1574. 698 ®. W. 
®te (otirif^c öefc^rcibung be8 mos Italicua in ber Sot' 
rebe ift oben @. 109 mitget^eilt. 

!Cer erfte ^^eil ift ein f^ftematift^ georbnetefi beutf^ 
gocmelbu^ unb pjax unter 3''9i^"''betegung ber Partitioiies 
jnriB, atfo ^au))tfS^fic^ beS ©^ftentt be$ jt Sagud; jebi)^ ift 
ber pars 4 de actionibns eine paiB 5 de exceptiocibtu unb 
an ben ©(^lug eine pars 8 ffir bas £e§nred|t angef^ängt. 

S>cr jweite X^eit cnt^t beutf^e Sonrtlten be« SaTmS. 
^$retgiu§ fteQt fie aU SRufter logifc^er 3)i9^Dfttton ^tn unb ^ 
bur^ SRarginotflloffen bie bialcftifc^e ©lieberung ^org^iAm. 
Xus äNateriat ueibonft tJh^eigtirt ^aüp^&ifiii^ betn 9lo^ 
feines aSoterS, ber Urfunben quS eigener ipropä unb Oide ou3 
ber ^MiiB bcfteunbetcr EoKegen gcfaninirft ^at SKc^t tnoiigt 
b^ie^en fti^ auf bie perfSnlii^en nnb uetntögenSrtt^tlidieit S3n< 
f)filtniffe ber ^tfre^'fc^ t^miÜe unb tonnten, tote gefdie^en, aii 
urhinMi(^e ßebenSnad^rid^tcn benugt »erben. 

3)it Qa^ü&'^tn Eonfitien ^ot 9i. ^^ bon bem Serfaffer 
felbft erhalten. S)ie balb md) 3afiuS' 5:obe Bon i^m intenbittt 
^uHication (®. 174) mar auf Stfd)tDerbe ber ange^örigfli »on 
ber SRegierung ju Snfig^eim in^ibirt Worben; [\e erfd|ienen bafitr 
^ter nad) meEir als 30 3al)ren jum erften SKale int !Crud. 

4. Zaeius Job. Th. Freigii hoc est in Pandectaa 
jur. civ. commentarii a clariss. J. C. Ud. Zasio olim difivse 
tractati DUDC Tero Becaadam leges methodicas in compendimn 
redacti etc. Basü. 1576. fol. 802 ©. 

g« ift bie« aSerl ein.?tuaäug auS ben Secturen be« Sof'"* 

nac^ ramiftift^et SRet^obe'). Sie 3^eStDorte ber ^anböten ftnb 

abgebrudt ; ber Sn^olt jebeS Jl|iagments mirb lurj anolqftrt unb 

ber (^banfengang fo Uiel Xok t^unlit^ auf ®^Sogi!Snien ivräi' 

1) SSqL €tin|ing, BafiuS 6. 353. 

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2. 3a^. Xl^uinaS ^tefghiS. 447 

{efüEirt; Siegeln (axiomata) toecben at>fttdE)ttt ; bie beigefügten 
Giläiitetungen ht tabeQartf^ gönn boigeftellt. Slnf biefe SSetfe 
i!t bie „difFtua tractatio Zasü" tn bie fna)>pen nnb überfidite 
lu^ formen ber lamiftif^en <S^ule gebradtt Snge^gt tft 
rine tdbdJarifi^ Ueberftt^t bei gejammten Spanbetten. 

5. QaaestiooeB Jastiaianeae in InstitntioneB 
juris driliB. Bagil. 1578. 1591. 1597. 8". 228 ©. 

3n ber Epist. dedicatoria berit^tct greigiuS, ba& er bteje 
Qnaefltiones im erften Sa^ie feines StectoratS in SiCItborf fftt 
feine ißotlcfungen auägeaibettet 1)abi. 3n einer Stniettimg «de - 
compendiaria jaris discendi ratdone" gtebt er äSorfi^tiften über 
einen gcotbneten unb fiu^tboien Stubiengang. 3)eT 3urtft foIE 
fidl bnx^ f)^Uofot>^ifc^ ©tubten »or^creiten, unb ^terffii tvizb 
cor ^m dtcami entfif pl^Icn. ^a^ juiiftifc^e @tnbtitm ift natfir? 
lidl mit ben ^ftitutionen ju beginnen; e^ nutn an bie ^an^ 
beften fdbft gr^t, foQ man Paratitla ob^ aui^ SaguS' Methodus 
ftubtien. X)ie ICorlefungen finb met^obtfd^ etnjuiic^ten unb auf 
m hoiei 3"t">ti6 S« bef^tfin!en. 3i"" «ften 9»a(e in ber 
joiifttfi^ Sünatur tritt ^ter bie goriierung auf, bog nic^t blog 
lateintft^, fonbern auc^ beutf^ Ooigetiagen n>erbe; namentlidi 
follta bie ^^pvdt au8 bem beutf^ fieben gemO^t unb ba= 
buK^ bie ^i^äxtt m ber beutft^ ©prai^e geübt unb mit ben 
lietinatfii^ Sei^tntffen bdannt gemalt toerben. 2}aS 9Beif 
jelbft befolgt bie Orbnung ber ^nftitutionen ; gu jebem %ittl 
tixibat ^a%m (qoaestioaes) aufgefteOt, Oiet^e ben 3n[)alt 
onof^ftien. ^ie Slntnorten ftnb tut} gefügt, oft in tabeaartfdtet 
Sonn, j. SB. De oblig. ex coDaensa 3, 23. Quot sunt obliga* 
tiones ex consenan? Qaatnor. ObL ex consensa fiunt de 
alieoa 

1. re ad 

a) domiuii tranBUtionem; emtio 

b) oBimi; locatio; 

2. opera 

a) ad DtiUtatem communem; societaa 

b) ad privatDin; mandatum. 

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448 eifteB Sa))ild., 

9fn ben ffitflrtetungen ift auf iwa SJtfirnberget nnb %m' 
durget ©tabtrec^t fflüdfirfit genommen. 

älnge^fingt finb jtoei Xtactate de gr&dibiia consangnioi- 
tatis etc. unb de judiciis; enbliäi eine ÄnalysiB praecipuomm 
aliqaot Zasii responsomm. ^iertn ift eine ^tnjaf)! 6on|iItni 
beS 3afiug, XDelä)( bet Sammlung entnommen ftnb, gagEiebeit; tii( 
Qmä\ti^= unb Sntfd^dbungSgtünbe ftnb in ©qQogiSmen oufgtlift. 

6. Partitiones feudales. Basil. 1581. foL 

7. De logica JnriscoDHultonun libri IL Basil. 1582. W°. 
m ift nur eine SarfteQung ber SogiE beS $. 9tainuS, bun^ 
juriftift^e öeif|)ttte erläutert. 

8. ParatiÜa seu Synopsis Pandectaram juris ciTÜis- 
Baeil. 1583. 8<*. 1227 ©. (SS ift bieS baS leftte iuriftüc^ 
SBeif beS ^etgiuS; bie Epist. dedicatoria ift Dom 3)ecemEKi 
1582 botirt , ber ©rurf erft mä) [einem 3:obe , im SRörs brö 
fnlgenben 3af)r8, boBenbet ffir ftellt fein SBert, teel^e« im 
Sauf ber Sa^re in 9)orIefungen ertuai^fen ift, dli eine SRiu^'- 
otjmung bet Paratitla be* 3°!^"* — *"« i"'^' ober bie pars 
prima hinausgehen — iWifdlcn bie be8 Suja« unb bieiCTigm 
beS SBefen^ecf: fie feien audfü^rtii^ a(e jene, fütjec a(« bitfe 
iinb mä) feiner getuolinten EHet^obc bearbeitet. ©S tommt inbffe 
btcfe äßet^obe Der^ättnigmägtg loentg jum SJorfc^etn ; bie 3[;toinata, 
©^HogiSmeii unb Sjibetten ftnb feltener a\i in anbeten fficrfnt 

9. SJ?a(^ feinem %obt etfc^ten Idea boai et perfecti 
jurisconaulti. Basil. 1587. 8", bie and) in SJeuÄner'iS Cyno- 
sura. Spirae 1588. 8" überging. ©9 ift eine tttbellorifdie SJar» 
fteÜung ber für einen boQfommenen Suriften erforberlü^ fltt^ 
litten unb inteUectueUeit (£tgenfc^aften, bet ©egenfMnbc unb ber 
SKet^obe feines ©tubiumS, feiner Stufgoben unb ber j" 'lirn 
@rfüIEung nÖtI)tgen Cualttäten. 

10. 3n feinem öfter etniö^nten ©riefe an Oltinger nennt 
t)iteigtuS atg eine feiner fcütieften ^ublicationen einen Libellos 
Denen de jurisdictionibuH. Ueber biefe ©(^rift ift mir nidits 
belannt. ©ebaftian SJerrer (f. oben ®. 256) mar fc^on wt' 

D,q,i,i.:dbvGoogIe 



3. »rt^Qib ©orf(. 449 

ftorStn, aii ^m^ai geboren tuurbe. 9Iu^ eine Dialectica juris. 
BasiL 1587. 8" toitb tl|m jiif